Dank erst einmal dem Kommentator, denn das ermöglicht es, alles weiter zu diskutieren. Ich zitiere zunächst den ersten Teil seines Beitrags:
"Wortgottesdienstleiterinnen und -leiter leiten eine gemeindliche Feierimmer im Auftrag ihrer Gemeinde, also im Auftrag, in Einverständnis und in Absprache mit dem die Pfarrei leitenden oder für den Kirchort verantwortlichen Priester. Und ohne offizielle, befristete, bischöfliche(!) Beauftragung (die regelmäßig wieder durch die Gemeinde beantragt werden muss) nach einer entsprechenden umfassenden offiziellen Schulung geht auch nichts! Oder sollte das in eurem Bistum anders sein? So beliebig, wie du das hier behauptest, ist eine Wortgottesfeier durchaus nicht. Es sei denn, sie findet im privaten Rahmen statt. Die scheinst du aber nicht im Blick zu haben."
Beliebigkeit der liturgischen Ordnung
Rein theoretisch sind Wortgottesfeiern genauso wenig beliebig wie eine Eucharistiefeier. Praktisch - und das ist das generelle Manko - gestatten sich die Ausführenden oft viele Freiheiten. Das ist allerdings ein allgemeiner Kritikpunkt. Wobei sich Wort-Gottes-Feiern sogar oft stärker am vorgegebenen liturgischen Gerüst orientieren als das, was sich in manchen Gemeinden in Bezug auf die Eucharistiefeier eingebürgert hat. Das ist in sich tragisch aber ein anderes Thema.
die Beauftragung in Hinsicht auf den Gemeinschaftsbegriff
Hier ist schon einmal eine Begriffsverwirrung zu klären. Ich nehme an, die richtige Darlegung zur Beauftragung eines Wortgottesfeierleiters ist eine Reaktion auf meine Aussage, dass die katholische Verwirklichung der Gemeinschaft dadurch geschieht, dass die Eucharistie (!!) in Einheit mit dem Bischof gefeiert wird.
Sobald ein Dienst in der Gemeinde regelmäßig ausgeübt werden kann, erfolgt gewöhnlich eine Beauftragung auf Dauer. Direkt und "außerordentlich", weil es der Notwendigkeit entspricht, kann der zuständige Pfarrer jederzeit jeden beauftragen, von dessen Eignung, eine Aufgabe durchzuführen, er überzeugt ist, ob nun Lektorendienst, Kommunionhelferdienst oder auch Leitung eines Wortgottesdienstes. Soll das nicht mehr außerordentlich geschehen, wird der Ordnung entsprechend eine Beauftragung durch das Ordinariat des Bischofs erteilt. Sinnvollerweise wird dazu auch eine Schulung angeboten oder verpflichtend gemacht, auch um die Ordnung und Übereinstimmung zu gewährleisten.
Solche Beauftragungen betreffen also regelmäßig ausgeführte Dienste zu denen jeder geeignete Laie auch jederzeit außerordentlich (weil notwendig) beauftragt werden kann.
Damit ist der so Beauftragte aber nicht in gleicher Weise der Stellvertreter des Bischofs wie es ein geweihter Priester ist, der ebendiesem Bischof bei seiner Weihe Gehorsam versprochen hat. Die Weihe ist mehr als eine Beauftragung und nur die Weihe befähigt dazu, die Eucharistie zu feiern.
Katholische Gemeinschaft wird aber nun einmal durch die Feier der Eucharistie in Gemeinschaft mit dem Bischof, gewöhnlich durch seinen Repräsentanten, den Diözesanpriester, verwirklicht.
Das Abhalten eines anderen Gottesdienstes durch einen direkt oder indirekt durch den Bischof beauftragten Laien geschieht zwar im Bemühen um die gleiche Einheit und Gemeinschaft, kann sie aber nicht voll verwirklichen, weil die Einheit nun einmal durch die Feier der Eucharistie hergestellt wird.
Wer postuliert, dass es genügt, miteinander die Schrift zu bedenken und zu teilen, vertritt eben ein protestantisches, kein katholisches Verständnis der Gemeinschaft, auch wen die entsprechende Liturgie per se den bischöflichen Richtlinien entspricht und es sich natürlich auch um einen christlichen Gottesdienst handelt. Aber eben nicht um dessen Vollform, die Eucharistie.
Weiter mit dem Kommentar:
"Die Versammlung der Gemeinde und die Erfahrung von echter Gemeinschaft als ganz wesentliches Element eines jeden Gottesdienstes/einer jeden Messe wird durch die Teilnahme vor dem TV oder Radio nicht real erfahrbar. Das ist ein großes Manko, weshalb diese Ersatzform nur im äußersten Fall gewählt werden sollte. Dass einem in einem Gottesdienst oder einer Messe nicht alles gefällt, halte ich für ebenso normal wie dass ich denjenigen oder diejenige, der oder die die Leitung inne hat, von der Person oder der Art der Gottesdienstgestaltung her nicht leiden kann. Eine andere Erwartung halte ich für naiv und illusorisch."
Richtig, einfach vor Fernsehen oder Radio ist die Realität des Übertragenen erst einmal verstellt. Insbesondere, wenn sich eine Gruppe zusammenfindet. Die Möglichkeiten der Ablenkung sind dann zu groß.
Anders aber ist das bei der livestream-Übertragung auf Großleinwand, die technisch immer leichter realisierbar wird.
Wäre dem nicht so, dass man auf diese Art und Weise sogar gültig an einer Messfeier teilnehmen kann, müssten Eucharistiefeiern bei Großveranstaltungen für Tausende von Menschen eigentlich ganz aufgegeben werden. Denn die Teilnahme ist nur per Lautsprecher und Leinwandübertragung möglich, da sich der Altar oft in solcher Distanz befindet, dass das Geschehen dort für viele ohne diese Hilfsmittel nicht mehr wahrnehmbar wäre. Des öfteren befindet sich sogar eine Gruppe der Teilnehmer in Räumlichkeiten oder Örtlichkeiten, bei denen Wände zwischen dem Altarbereich und dieser Gruppe liegen und damit jede direkte Sichtverbindung verhindern.
Nun spiele man gedanklich durch, jemand würde einer solchen Gruppe offerieren, man möge jetzt doch statt über Leinwand und Lautsprecher mit der Zelebration am fernen Altar verbunden zu sein, um die Gemeinschaft besser zu verwirklichen, das Geschehen dort ignorieren und stattdessen jetzt eine Wort-Gottesfeier abhalten. Wie würde wohl das Votum der meisten Anwesenden ausfallen? Mit welchen Wortmeldungen wäre zu rechnen, wenn nach diesem Votum gar nicht gefragt würde, sondern das einfach so gehandhabt würde?
Wenn aber das Mitfeiern der Eucharistie unter solchen Gegebenheiten möglich ist, was ist dann noch ein derart großer Unterschied dazu, ob die Leinwand und Lautsprecher, mittels derer die Verbindung erfolgt, sich nun in 500 m Entfernung befindet oder in in 50 km? Nur die Tatsache, dass man vorher einen Weg von 50 km zurückgelegt hat, wenn man vor Ort ist? Warum soll eine Änderung der rein räumlichen Distanz ein Hindernis für die Teilnahme an etwas sein, das kosmisch und ewig ist?
Daraus würde folgen, dass - natürlich immer nur als zweite Wahl zur direkten und vollen Teilnahme - eine Gemeinschaft sehr wohl per Leinwand und Lautsprecher hergestellt werden kann.
Wäre dann, Teil dieses wirklich großen Ganzen zu sein, nicht die größere Vision, als vom gemeinschaftsstiftenden Ereignis der Eucharistie ganz ausgeschlossen zu sein und sich stattdessen mit einer Andacht bescheiden zu müssen?
Wodurch wird Gemeinschaft überhaupt hergestellt?
Etwa dadurch, dass ich mich in einem Raum mit jemandem befinde? Dadurch, dass die Person mir namentlich oder zumindest vom Sehen her bekannt ist? Dadurch, dass die Person im näheren Umkreis wohnt, obwohl ich sie gar nicht kenne? Oder dadurch, dass uns ein Anliegen eint? Insbesondere wenn es das Anliegen ist, bei dem Wunder dabei zu sein, dass in der Messe geschieht? Mit jemand, der das hat, fühle ich mich in starker Gemeinschaft, auch wenn ich denjenigen ein paar Minuten vorher nicht gekannt habe.
Wohingegen das Gefühl von Gemeinschaft gegenüber denen, denen es egal ist, ob sie nun an einer heiligen Messe teilnehmen oder nicht, nun doch deutlich eingeschränkt ist. Da sind wir uns nämlich über etwas Wesentliches äußerst uneinig und ich fühle eigentlich mit Vertretern dieser Überzeugung keine allzu enge Verbundenheit.
Die Behauptung, eine Wortgottesdienstfeier vor Ort stifte Gemeinschaft halte ich persönlich für recht gewagt. Mich entfremdet sie klar von denen, die hier keine Anstrengung machen wollen, an einer sonntäglichen Eucharistiefeier teilzunehmen oder sie mir zu ermöglichen. Ich werde meine Gemeinschaft mit denen suchen, die notfalls auch willens sind, zwei Stunden Weg auf sich zu nehmen, um an einer Eucharistiefeier teilzunehmen, weil ich und sie daraus leben. Und wenn wir dort dann die Kraft gefunden haben, mit unserem Alltag fertigzuwerden, dann können wir gerne auch diese Kraft investieren, um uns denen zuzuwenden, die diese Kraftquelle noch nicht entdeckt haben.
Ein Livestream für Gemeinden wäre zweite Wahl, gar keine Eucharistiefeier ist dritte Wahl und gar kein Sonntagsgottesdienst noch schlechter. Das hat nichts mit den Mühen und Überlegungen zu tun, die die Vorbereitenden in die Durchführung von Wortgottesfeiern investieren; diese sind beträchtlich. Allerdings werden oft Aufwand und unendliche Mühe in Dinge investiert, die gar nicht zielführend sind, so dass Aufwand und Mühen noch nichts über den Sinn dessen aussagen, in das sie investiert wurden.
Oremus pro Pontifice nostro Franzisco.
Dominus conservet eum et vivificet eum
et beatum faciat eum in terra et
non tradat eum in animam inimicorum eius.
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Sonntag, 4. November 2012
Samstag, 3. November 2012
das Konzept Wort-Gottesfeier ist "out-dated"
Ganz zu Anfang dieses Blogs (gut zwei Jahre her ist das) habe ich meine Eindrücke zu Wort-Gottes-Feier versus Besuch der heiligen Messe dargelegt. Mittlerweile sind meine Überlegungen da noch ein Stück weiter gediehen. Denn ich lese ja immer wieder diverse Meinungsäußerungen, wie förderlich der christlichen Gemeinschaft doch die ein Wortgottesdienst sein könne, wenn die Messfeier ausfalle. Und tatsächlich höre ich auch aus betroffenen Gemeinden, der eine oder andere finde die nett und ansprechend gestaltete Feier doch sehr ansprechend und besser als das, was der Pfarrer sonst biete.
Andererseits bin ich mittlerweile auf viele ältere und stark gehbehinderte Menschen gestoßen, die für sich eine andere Lösung entdeckt haben, nämlich die participatio actuosa an einem im Fernsehen übertragenen Gottesdienst, wobei hier EWTN und k-tv favoritisiert zu werden scheinen. Einige äußerten sogar, sie zögen diese übertragene heilige Messe der oft etwas bedrückenden und befremdenden Version vor, in deren Genuß sie kämen, würden sie Verwandte beknien, sie zur Kirche zu bringen und abzuholen und dort eventuell hilflos in der Bank zu verharren, weil der Zelebrant einmal wieder vergisst, ihnen die Kommunion zu bringen und während so manches sie hindert, wirklich aktiv den Gang der Messe zu verfolgen (es wurde ja schon genug geschildert).
Anfangs habe ich solche Aussagen mit Zurückhaltung angehört und fand es äußerst bedenklich, dass einen "virtuelle" Teilnahme an der Messe einer physischen vorgezogen werden kann. Mittlerweile habe ich verstanden, dass diejenigen, die das erzählten, durchaus auch lieber gerne körperlich anwesend eine heilige Messe mitfeiern würden, dass ihnen das aber durch alle Umstände (desinteressierte Familie, unpersönliche Atmosphäre vor Ort und zuviel Ablenkungen durch gruppenspezifische Sonder- und Eigenliturgien) oft sehr schwer gemacht wird. Sie lehnen auch nicht die Gemeinschaft mit anderen Mitchristen ab. Im Gegenteil, manchmal laden sie hoffnungsvoll dazu ein, doch mit ihnen, an der übertragenen heiligen Messe, die doch so tröstlich und erhebend für sie ist, teilzunehmen.
Sicher ist es eine gute Sache, sich gemeinsam zu einem sonntäglichen Wortgottesdienst zu treffen, wenn das die Alternative zu einem nur für sich allein gestalteten Gebet oder zu einem völligen Ausfallen eines solchen ist. So fanden wir das gemeinsame Bibelteilen in einem fremden Land und ohne katholische Kirche in 200 km Umkreis einmal sehr hilfreich. Wohlgemerkt, es war die einzige Möglichkeit, aktiv an einem christlichen Gottesdienst teilzunehmen, denn ein evangelischer Predigtgottesdienst in der Landessprache wäre irgendwie nicht so sehr sinnvoll gewesen.
Und so war es in vergangenen Jahrzehnten sicher sehr sinnvoll, wenn weitab von Rundfunkempfängern aller Art (wegen des Fehlens elektrischer Versorgung) sich Menschen in entlegenen Gegenden, ob nun im afrikanischen Busch oder Dschungel oder in den Gebirgen und Urwäldern Südamerikas oder in irgendwelchen Einöden) sich zu einem Gottesdienst zusammenfanden und - finden. Aber das wandelt sich immer schneller. Selbst die entlegensten Gegenden werden jetzt mit Internetanschlüssen versorgt und bald wird man auch dort - natürlich am idealsten gemeinsam - dort an livestream-Übertragungen von heiligen Messen teilnehmen können.
Zu bedenken ist auch, dass bei Großveranstaltungen ja auch das aktive Teilnehmen an der heiligen Messe nur über Großleinwände möglich ist, oft sogar nur in benachbarten Örtlichkeiten zum Zelebrationsort. Wo ist da dann eigentlich der große Unterschied zu einer in noch größeren Distanz mitverfolgten gottesdienstlichen Feier? Höchstens noch der, dass bei Großveranstaltungen die Kommunion mit dem in ein- und derselben Feier gewandelten Leib Christi stattfinden kann. Oft aber ist es aus organisatorischen Gründen schon nicht möglich gewesen, dass alle diesen Vorzug hatten, so dass etlichen nur die geistige Kommunion blieb.
Was jetzt tatsächlich miteinander kollidiert sind ein protestantisches und ein römisch-katholisches Verständnis von Gottesdienst. Die protestantische Sichtweise ist meines Wissens die (denn die Eucharistie als Sakrament gibt es dort ja nicht), dass die Gemeinschaft im gläubigen und die schriftbetrachtenden Zusammensein zweier Christen voll verwirklicht ist. Der römisch-katholische Gemeinschaftsbegriff aber geht von der Feier der heiligen Messe in Gemeinschaft mit dem Bischof aus, als dessen Vertreter die Priester geweiht werden.
Bei einer Messfeier ohne Priester ist die Gemeinschaft mit dem Bischof selbst also nicht mehr gegeben, es ist ein Gottesdienst mit gewaltigen Abstrichen.
Was in den Forderungen nach eucharistielosen Wortgottesdienstfeiern vor Ort durchscheint, ist der Verlust der katholischen Definition der die Gemeinde bildenden Gemeinschaft. Und was hier nicht bedacht wird, ist auch Folgendes: Viele Protestanten nehmen obwohl durchaus fromm und glaubend (auch wenn diese Gruppe in den vergangenen Jahren ebenfalls stark zusammengeschmolzen ist) nicht an protestantischen Gottesdiensten teil, weil sie ihre Schriftlesung auch allein halten können.
Und das würde ich angesichts der Qualität so mancher verbaler Äußerungen von Gottesdienstleitern (und der oft seichten Predigten, die auf kaum praktizierende Christen abzielen) wohl vielleicht auch tun, um zumindest gelegentlich einen in die Tiefe gehenden Gottes-Dienst zu haben. - Dahingegen setze ich einiges ein, um an einer heiligen Messe teilnehmen zu können, ganz unabhängig von den Qualitäten des Predigers, und wenn tatsächlich keine erreichbar wäre - warum sollte ich dann nicht per livestream die heilige Messe sogar mit dem Papst in Rom feiern anstatt eine Gebetsstunde mit ein paar anderen Laien zu halten. Wobei ich nichts gegen Gebetsgottesdienste einzuwenden habe und sie auch ab und an besuche (Andachten, Anbetung, Lobpreisgottesdienst), aber eben nicht anstatt der Feier der heiligen Messe sondern zusätzlich.
Unter den jetzigen Umständen mit Gewalt an dem überholten Konzept von Wortgottesdienstfeiern und Wort-Gottes-Feiern festhalten zu wollen, ist vollkommen überholt. Sinnvoll wäre mittlerweile, Livestreams von Bischofs- oder Papstmessen in den Gemeinden anzubieten, in denen keine heilige Messe gefeiert werden kann und wo die Eucharistiefeier auch andernorts nur schwer erreichbar ist. Auch hier wäre das Engagement von Laien zu einem gelungenen Ablauf sehr gefragt und endlich wäre eine würdige und bereichernde Teilnahme an einer heiligen Messe - wenn auch ohne Empfang der Kommunion aus ebendieser - ermöglicht.
Bisher habe ich aber noch keine Überlegungen von offizieller Seite dazu gehört.
Stattdessen wird anscheinend immer noch auf Selbstgestricktes mit mangelnder Qualität und zur Förderung der kreativen Selbstverwirklichung von "Gottesdienstleitern" gesetzt, die zu immer stärkerer Verunheitlichung der Liturgie führt, statt etwas zu fördern, das die Gemeinschaft aller Katholiken und besonders die Einheit mit den Hirten unterstützen und wachsen lassen würde.
Andererseits bin ich mittlerweile auf viele ältere und stark gehbehinderte Menschen gestoßen, die für sich eine andere Lösung entdeckt haben, nämlich die participatio actuosa an einem im Fernsehen übertragenen Gottesdienst, wobei hier EWTN und k-tv favoritisiert zu werden scheinen. Einige äußerten sogar, sie zögen diese übertragene heilige Messe der oft etwas bedrückenden und befremdenden Version vor, in deren Genuß sie kämen, würden sie Verwandte beknien, sie zur Kirche zu bringen und abzuholen und dort eventuell hilflos in der Bank zu verharren, weil der Zelebrant einmal wieder vergisst, ihnen die Kommunion zu bringen und während so manches sie hindert, wirklich aktiv den Gang der Messe zu verfolgen (es wurde ja schon genug geschildert).
Anfangs habe ich solche Aussagen mit Zurückhaltung angehört und fand es äußerst bedenklich, dass einen "virtuelle" Teilnahme an der Messe einer physischen vorgezogen werden kann. Mittlerweile habe ich verstanden, dass diejenigen, die das erzählten, durchaus auch lieber gerne körperlich anwesend eine heilige Messe mitfeiern würden, dass ihnen das aber durch alle Umstände (desinteressierte Familie, unpersönliche Atmosphäre vor Ort und zuviel Ablenkungen durch gruppenspezifische Sonder- und Eigenliturgien) oft sehr schwer gemacht wird. Sie lehnen auch nicht die Gemeinschaft mit anderen Mitchristen ab. Im Gegenteil, manchmal laden sie hoffnungsvoll dazu ein, doch mit ihnen, an der übertragenen heiligen Messe, die doch so tröstlich und erhebend für sie ist, teilzunehmen.
Sicher ist es eine gute Sache, sich gemeinsam zu einem sonntäglichen Wortgottesdienst zu treffen, wenn das die Alternative zu einem nur für sich allein gestalteten Gebet oder zu einem völligen Ausfallen eines solchen ist. So fanden wir das gemeinsame Bibelteilen in einem fremden Land und ohne katholische Kirche in 200 km Umkreis einmal sehr hilfreich. Wohlgemerkt, es war die einzige Möglichkeit, aktiv an einem christlichen Gottesdienst teilzunehmen, denn ein evangelischer Predigtgottesdienst in der Landessprache wäre irgendwie nicht so sehr sinnvoll gewesen.
Und so war es in vergangenen Jahrzehnten sicher sehr sinnvoll, wenn weitab von Rundfunkempfängern aller Art (wegen des Fehlens elektrischer Versorgung) sich Menschen in entlegenen Gegenden, ob nun im afrikanischen Busch oder Dschungel oder in den Gebirgen und Urwäldern Südamerikas oder in irgendwelchen Einöden) sich zu einem Gottesdienst zusammenfanden und - finden. Aber das wandelt sich immer schneller. Selbst die entlegensten Gegenden werden jetzt mit Internetanschlüssen versorgt und bald wird man auch dort - natürlich am idealsten gemeinsam - dort an livestream-Übertragungen von heiligen Messen teilnehmen können.
Zu bedenken ist auch, dass bei Großveranstaltungen ja auch das aktive Teilnehmen an der heiligen Messe nur über Großleinwände möglich ist, oft sogar nur in benachbarten Örtlichkeiten zum Zelebrationsort. Wo ist da dann eigentlich der große Unterschied zu einer in noch größeren Distanz mitverfolgten gottesdienstlichen Feier? Höchstens noch der, dass bei Großveranstaltungen die Kommunion mit dem in ein- und derselben Feier gewandelten Leib Christi stattfinden kann. Oft aber ist es aus organisatorischen Gründen schon nicht möglich gewesen, dass alle diesen Vorzug hatten, so dass etlichen nur die geistige Kommunion blieb.
Was jetzt tatsächlich miteinander kollidiert sind ein protestantisches und ein römisch-katholisches Verständnis von Gottesdienst. Die protestantische Sichtweise ist meines Wissens die (denn die Eucharistie als Sakrament gibt es dort ja nicht), dass die Gemeinschaft im gläubigen und die schriftbetrachtenden Zusammensein zweier Christen voll verwirklicht ist. Der römisch-katholische Gemeinschaftsbegriff aber geht von der Feier der heiligen Messe in Gemeinschaft mit dem Bischof aus, als dessen Vertreter die Priester geweiht werden.
Bei einer Messfeier ohne Priester ist die Gemeinschaft mit dem Bischof selbst also nicht mehr gegeben, es ist ein Gottesdienst mit gewaltigen Abstrichen.
Was in den Forderungen nach eucharistielosen Wortgottesdienstfeiern vor Ort durchscheint, ist der Verlust der katholischen Definition der die Gemeinde bildenden Gemeinschaft. Und was hier nicht bedacht wird, ist auch Folgendes: Viele Protestanten nehmen obwohl durchaus fromm und glaubend (auch wenn diese Gruppe in den vergangenen Jahren ebenfalls stark zusammengeschmolzen ist) nicht an protestantischen Gottesdiensten teil, weil sie ihre Schriftlesung auch allein halten können.
Und das würde ich angesichts der Qualität so mancher verbaler Äußerungen von Gottesdienstleitern (und der oft seichten Predigten, die auf kaum praktizierende Christen abzielen) wohl vielleicht auch tun, um zumindest gelegentlich einen in die Tiefe gehenden Gottes-Dienst zu haben. - Dahingegen setze ich einiges ein, um an einer heiligen Messe teilnehmen zu können, ganz unabhängig von den Qualitäten des Predigers, und wenn tatsächlich keine erreichbar wäre - warum sollte ich dann nicht per livestream die heilige Messe sogar mit dem Papst in Rom feiern anstatt eine Gebetsstunde mit ein paar anderen Laien zu halten. Wobei ich nichts gegen Gebetsgottesdienste einzuwenden habe und sie auch ab und an besuche (Andachten, Anbetung, Lobpreisgottesdienst), aber eben nicht anstatt der Feier der heiligen Messe sondern zusätzlich.
Unter den jetzigen Umständen mit Gewalt an dem überholten Konzept von Wortgottesdienstfeiern und Wort-Gottes-Feiern festhalten zu wollen, ist vollkommen überholt. Sinnvoll wäre mittlerweile, Livestreams von Bischofs- oder Papstmessen in den Gemeinden anzubieten, in denen keine heilige Messe gefeiert werden kann und wo die Eucharistiefeier auch andernorts nur schwer erreichbar ist. Auch hier wäre das Engagement von Laien zu einem gelungenen Ablauf sehr gefragt und endlich wäre eine würdige und bereichernde Teilnahme an einer heiligen Messe - wenn auch ohne Empfang der Kommunion aus ebendieser - ermöglicht.
Bisher habe ich aber noch keine Überlegungen von offizieller Seite dazu gehört.
Stattdessen wird anscheinend immer noch auf Selbstgestricktes mit mangelnder Qualität und zur Förderung der kreativen Selbstverwirklichung von "Gottesdienstleitern" gesetzt, die zu immer stärkerer Verunheitlichung der Liturgie führt, statt etwas zu fördern, das die Gemeinschaft aller Katholiken und besonders die Einheit mit den Hirten unterstützen und wachsen lassen würde.
Sonntag, 17. Oktober 2010
Gemeindeleben Wurstelheim: Wie man Menschen in Krisensituationen anspricht am Beispiel einer Regelung zu Trauerfeiern
Heute beginnen wir also mit Episoden aus einer Gemeinde der Blogözese. Wir wollen sie Wurstelheim nennen, gelegen im Dekanat Weinland-Mitte unseres deutschlandumfassenden Internetbistums. Wir begeben uns mitten hinein in die Ereignisse, die natürlich schon eine längere Vorgeschichte haben, aber irgendwo muss der Anfang schließlich gesetzt werden.
Die Wurstelheimer Katholiken sind völlig normale Menschen, falls sich also irgendwann eine Gemeinde anderen Namens in einigen Details wiederzuerkennen glaubt, sei darauf verwiesen, dass solche Zusammentreffen ganz unvermeidbar sind in der weiten Blogözese. Denn auch wenn die Wurstelheimer in manchen Angelegenheiten ein besonderes Geschick beweisen, an Angelegenheiten heranzugehen, sie sind ganz sicher nicht die einzigen, die über so viel Kreativität und Einfallsreichtum verfügen und können daher nicht einfach Anspruch auf diese denkerischen und anderen Leistungen erheben.
Den Pfarrgemeinderat (PGR) von Wurstelheim und auch dessen Pfarrer, den hochwürdigen Herrn Peter Schlau, beschäftigt seit einigen Monaten ein Problem: der Gottesdienstbesuch in Wurstelheim liegt noch deutlich unter dem Durchschnitt des Dekanats Weinland-Mitte und scheint stetig im Sinken begriffen zu sein. Diese alarmierende Situation hatte schon zu einschneidenden Maßnahmen geführt. Seit Ostern stand fest, dass es für die erschreckende Entwicklung nur eine Erklärung geben konnte, nämlich, dass etwas nicht stimmt an der Sonntagsliturgie der Gemeinde. Wenn es gelänge, genau zu ermitteln, was es ist, könnte man die dringend nötigen Änderungen vornehmen und würde endlich wieder steigende Besucherzahlen erreichen. Aus diesem Grund rief Hochwürden Peter Schlau zu einer Liturgiewerkstatt auf, in der die nötigen Änderungen andiskutiert werden sollten.
Nun sind Pfarrgemeinden oft etwas träge Gebilde und so kam es in den nächsten Wochen erst einmal zu keinen Wortmeldungen der so freundlich in Predigten und Pfarrbriefen zu mehr Elan ermutigten Gemeindemitglieder. Ihrer großen Verantwortung bewusst, ließen sich die Verantwortlichen dadurch aber nicht beirren. Da jedes Managementseminar, wie es heutzutage jeder kirchlich Interessierte wenigstens einmal besucht haben sollte, darauf hinweist, dass man Dinge konkret werden lassen muss, wurden zwei feste Termine für die Werkstatt angesetzt, jeweils im Anschluss an einen der Familiengottesdienste der Gemeinde. Denn es war ganz klar, die engagiertesten Gemeindemitglieder und insbesondere die Zukunft der Gemeinde besucht ja ausschließlich solche Gottesdienste, denen übrigens die unflexibleren Mitglieder weitgehend fernbleiben.
Allerdings konnte den Wurstelheimern wirklich kein Vorwurf gemacht werden, andere Gruppen ausgeschlossen zu haben. Jeder hatte und hat noch immer die Möglichkeit, Zettel mit Meinungsäußerungen den in Gruppenarbeit erstellten Sammlungen von Vorschläge hinzuzufügen. Die Wurstelheimer sind nette Leute. Ungünstig ist nur, dass so allmählich eine Sammlung von Meinungen zusammenkommt, die nicht zu vereinbare Dinge verlangt.
Während also die Meinungen noch gesammelt und sortiert werden, hat sich die Wurstelheimer Gemeindeleitung anderen Konfliktpunkten zugewandt, deren Bereinigung sicherlich zu einem gesunden Gemeindewachstum beitragen wird. Einer der absoluten Brennpunkte in letzter Zeit war der Themenkomplex: Beerdigung und Requiem.
Wurstelheim ist trotz allem immer noch eine recht große Gemeinde, auch wenn die Kirche gewöhnlich sehr leer ist, und es begab sich, dass in den vergangenen Wochen je mehrere Gemeindemitglieder pro Woche verstarben. Unglücklicherweise war Hochwürden Schlau in dieser Zeit mehrfach verhindert vor Ort zu sein. Die Gemeindereise, die von ihm organisiert und begleitet wurde, und die Herbstferien folgten etwas unglücklich aufeinander.
Das war nicht weiter schlimm, es gibt ja vor Ort einen Diakon, der auch die Beerdigungen halten kann. Außerdem bot er Wort-Gottes-Feiern an. Nur, wie das eben so ist, die Angehörigen der Verstorbenen bestanden wider alle Vernunft auf Requiemmessen. Eine Familie war sogar so uneinsichtig, einen Pfarrer von außerhalb kommen zu lassen, der einer Beerdigung vorstand und dann – ein echter Schlag ins Gesicht – das Requiem in dessen Pfarrkirche halten zu lassen, da vor Ort bei so viel Unverstand keine Erlaubnis dazu erteilt werden konnte.
Das erforderte ein entschiedenes Durchgreifen. Daher wurden an diesem Sonntag die Regelungen zur Bestattung Angehöriger in Abwesenheit des Pfarrers offiziell erlassen. Unmissverständlich wurde darauf hingewiesen, dass der Diakon Bestattungen, Trauerfeiern und Wort-Gottes-Feiern abhält. Das Dokument schloss mit dem Satz: „Einen auswärtigen Priester zur Feier des Requiems am Beerdigungstag zu bitten ist nicht erwünscht.“
Wir können alle zuversichtlich sein, dass diese klaren Worte alle Gemeindemitglieder zu Begeisterungsstürmen hinreißen werden. Hoffentlich ist für die nächsten Sonntage eine Kirchenbesucherzählung angesetzt. Denn solche liebevollen Worte können doch nicht anders, als Menschen, die bisher zögerten zu kommen, in die betreffende Gemeinde zu ziehen. Wo sonst findet man Gemeinschaftssinn und Eingehen auf die Bedürfnisse Trauernder so wunderbar vereinigt? Es steht zu erwarten, dass auch andere Gemeinden dieses Modell, dessen Genialität uns sprachlos lässt, bald aufgreifen werden.
Bis zum nächsten Bericht aus Wurstelheim!
Die Wurstelheimer Katholiken sind völlig normale Menschen, falls sich also irgendwann eine Gemeinde anderen Namens in einigen Details wiederzuerkennen glaubt, sei darauf verwiesen, dass solche Zusammentreffen ganz unvermeidbar sind in der weiten Blogözese. Denn auch wenn die Wurstelheimer in manchen Angelegenheiten ein besonderes Geschick beweisen, an Angelegenheiten heranzugehen, sie sind ganz sicher nicht die einzigen, die über so viel Kreativität und Einfallsreichtum verfügen und können daher nicht einfach Anspruch auf diese denkerischen und anderen Leistungen erheben.
Den Pfarrgemeinderat (PGR) von Wurstelheim und auch dessen Pfarrer, den hochwürdigen Herrn Peter Schlau, beschäftigt seit einigen Monaten ein Problem: der Gottesdienstbesuch in Wurstelheim liegt noch deutlich unter dem Durchschnitt des Dekanats Weinland-Mitte und scheint stetig im Sinken begriffen zu sein. Diese alarmierende Situation hatte schon zu einschneidenden Maßnahmen geführt. Seit Ostern stand fest, dass es für die erschreckende Entwicklung nur eine Erklärung geben konnte, nämlich, dass etwas nicht stimmt an der Sonntagsliturgie der Gemeinde. Wenn es gelänge, genau zu ermitteln, was es ist, könnte man die dringend nötigen Änderungen vornehmen und würde endlich wieder steigende Besucherzahlen erreichen. Aus diesem Grund rief Hochwürden Peter Schlau zu einer Liturgiewerkstatt auf, in der die nötigen Änderungen andiskutiert werden sollten.
Nun sind Pfarrgemeinden oft etwas träge Gebilde und so kam es in den nächsten Wochen erst einmal zu keinen Wortmeldungen der so freundlich in Predigten und Pfarrbriefen zu mehr Elan ermutigten Gemeindemitglieder. Ihrer großen Verantwortung bewusst, ließen sich die Verantwortlichen dadurch aber nicht beirren. Da jedes Managementseminar, wie es heutzutage jeder kirchlich Interessierte wenigstens einmal besucht haben sollte, darauf hinweist, dass man Dinge konkret werden lassen muss, wurden zwei feste Termine für die Werkstatt angesetzt, jeweils im Anschluss an einen der Familiengottesdienste der Gemeinde. Denn es war ganz klar, die engagiertesten Gemeindemitglieder und insbesondere die Zukunft der Gemeinde besucht ja ausschließlich solche Gottesdienste, denen übrigens die unflexibleren Mitglieder weitgehend fernbleiben.
Allerdings konnte den Wurstelheimern wirklich kein Vorwurf gemacht werden, andere Gruppen ausgeschlossen zu haben. Jeder hatte und hat noch immer die Möglichkeit, Zettel mit Meinungsäußerungen den in Gruppenarbeit erstellten Sammlungen von Vorschläge hinzuzufügen. Die Wurstelheimer sind nette Leute. Ungünstig ist nur, dass so allmählich eine Sammlung von Meinungen zusammenkommt, die nicht zu vereinbare Dinge verlangt.
Während also die Meinungen noch gesammelt und sortiert werden, hat sich die Wurstelheimer Gemeindeleitung anderen Konfliktpunkten zugewandt, deren Bereinigung sicherlich zu einem gesunden Gemeindewachstum beitragen wird. Einer der absoluten Brennpunkte in letzter Zeit war der Themenkomplex: Beerdigung und Requiem.
Wurstelheim ist trotz allem immer noch eine recht große Gemeinde, auch wenn die Kirche gewöhnlich sehr leer ist, und es begab sich, dass in den vergangenen Wochen je mehrere Gemeindemitglieder pro Woche verstarben. Unglücklicherweise war Hochwürden Schlau in dieser Zeit mehrfach verhindert vor Ort zu sein. Die Gemeindereise, die von ihm organisiert und begleitet wurde, und die Herbstferien folgten etwas unglücklich aufeinander.
Das war nicht weiter schlimm, es gibt ja vor Ort einen Diakon, der auch die Beerdigungen halten kann. Außerdem bot er Wort-Gottes-Feiern an. Nur, wie das eben so ist, die Angehörigen der Verstorbenen bestanden wider alle Vernunft auf Requiemmessen. Eine Familie war sogar so uneinsichtig, einen Pfarrer von außerhalb kommen zu lassen, der einer Beerdigung vorstand und dann – ein echter Schlag ins Gesicht – das Requiem in dessen Pfarrkirche halten zu lassen, da vor Ort bei so viel Unverstand keine Erlaubnis dazu erteilt werden konnte.
Das erforderte ein entschiedenes Durchgreifen. Daher wurden an diesem Sonntag die Regelungen zur Bestattung Angehöriger in Abwesenheit des Pfarrers offiziell erlassen. Unmissverständlich wurde darauf hingewiesen, dass der Diakon Bestattungen, Trauerfeiern und Wort-Gottes-Feiern abhält. Das Dokument schloss mit dem Satz: „Einen auswärtigen Priester zur Feier des Requiems am Beerdigungstag zu bitten ist nicht erwünscht.“
Wir können alle zuversichtlich sein, dass diese klaren Worte alle Gemeindemitglieder zu Begeisterungsstürmen hinreißen werden. Hoffentlich ist für die nächsten Sonntage eine Kirchenbesucherzählung angesetzt. Denn solche liebevollen Worte können doch nicht anders, als Menschen, die bisher zögerten zu kommen, in die betreffende Gemeinde zu ziehen. Wo sonst findet man Gemeinschaftssinn und Eingehen auf die Bedürfnisse Trauernder so wunderbar vereinigt? Es steht zu erwarten, dass auch andere Gemeinden dieses Modell, dessen Genialität uns sprachlos lässt, bald aufgreifen werden.
Bis zum nächsten Bericht aus Wurstelheim!
Freitag, 15. Oktober 2010
Kirchenträume zum Fest der „kleinen“ großen Teresa
Ich war heute in der hl. Messe, Fest der Teresa von Avila. Sie fand statt. Nichts, worauf man zählen kann. Requiems, Familiengedenkfeiern und anderen Aktionen irgendwann am Nachmittag mussten schon selbst Hochfeste weichen. Es spielte keine Orgel. Das ist, weil fast niemand mehr ein Amt bestellt, da man das Geld für die Orgel bezahlt, aber dann findet die Seelenmesse, für die man es gestiftet hat, gar nicht statt, weil es ja ein Requiem gab, zum Beispiel. Das Geld hat es auch noch nie zurückgegeben. Soweit ich weiß, wollte noch niemand direkt fragen und wenn niemand fragt … Also keine Orgel aber auch nirgends ein echtes Problem. Es wurde annähernd rite und recte gefeiert. Nun gut, die große Teresa wurde uns in der Statio als kleine Therese vorgestellt, aber man ist ja nicht kleinlich …
Die Mikroanlage war an, die Teilnehmerzahl lag etwa bei fünfzehn. Da ja kein Organist da war, hielt der Pfarrer den Einzug mit einem kleinen Kasten (ca. 15x15x8) in der Hand, den er in der Folge vor der Mikroanlage öfters betätigte (Stille – krk – krrrk- krrrr – tock – krk- usw. , nach etwa 30 Sekunden erscheinen drei Leuchtziffern auf der Liedanzeige). Die Lieder waren gemischt aus alt und neu, das Kinderlied „Gott liebt diese Welt“ zur Gabenbereitung muss ja niemand mitsingen. Also, keine besonderen Vorkommnisse.
Ich kam nur ins Sinnieren, als ich an Teresa von Avila dachte, die beim Chorgebet manchmal so ins Gebet vertieft war, dass sie anfing zu schweben, an Caterina von Siena und andere, die sich so ins Gebet versenkten, dass sie in Trance waren und dachte so für mich, dass sie das heute viel schwieriger fänden. Dauernd wird man aufgeschreckt, weil man „tätig teilnehmen“ soll. Manchmal sogar durch einen Stoß in die Rippen von jemand, der denkt, dass man an der Stelle doch gar nicht beten soll, weil anderes dran ist.
Nicht dass jemand denkt, ich singe nicht gern. Ich singe manche der Lieder sehr gerne und empfinde es schon als eine Art seelische Grausamkeit, wenn der Organist bei bestimmten Festen genau das Lied, das nur an diesem Tag gesungen wird, ausgerechnet beim Kommuniongang anstimmt. Aber im Grunde, dachte ich heute, geht es mir auch an anderen Stellen öfters so.
Und heute verfiel ich auf die Idee, man darf ja mal träumen, die heilige Messe würde nach strikter Anordnung ohne alle Ausschmückungen gehalten, vielleicht so wie die nach dem außerordentlichen Ritus, bei der der Chor normalerweise nicht in Gefahr kommt, Gebete zu unterbrechen, sondern eher einen Hintergrund dazu bildet, oder eben einfach still. Am Ende würden auch noch alle kurz still beten (so wie das gewesen sein soll, als man noch das Schlussevangelium still las). Und dann könnten die, die an den Liedern Freude haben noch bleiben und ein paar von denen singen, die gerade zum Kirchenjahr und den Festen passen.
Utopie? Bei ein paar Gelegenheiten funktioniert das sogar sehr gut, und zwar bei den Messen mit Blasorchester. Bei uns z.B. an Fronleichnam, am Großen Gebet und an Weihnachten. Nachdem der Hauptgottesdienst abgeschlossen ist, bleiben fast alle da, denn sie wissen, dass das Orchester jetzt ein paar Zulagen zum Mitsingen gibt, und da es gewöhnlich sehr beliebte Kirchenlieder sind, wollen sich das die meisten nicht entgehen lassen.
Man müsste echt mal drüber nachdenken, ob das nicht vielleicht ein mögliches Modell wäre.
Die Mikroanlage war an, die Teilnehmerzahl lag etwa bei fünfzehn. Da ja kein Organist da war, hielt der Pfarrer den Einzug mit einem kleinen Kasten (ca. 15x15x8) in der Hand, den er in der Folge vor der Mikroanlage öfters betätigte (Stille – krk – krrrk- krrrr – tock – krk- usw. , nach etwa 30 Sekunden erscheinen drei Leuchtziffern auf der Liedanzeige). Die Lieder waren gemischt aus alt und neu, das Kinderlied „Gott liebt diese Welt“ zur Gabenbereitung muss ja niemand mitsingen. Also, keine besonderen Vorkommnisse.
Ich kam nur ins Sinnieren, als ich an Teresa von Avila dachte, die beim Chorgebet manchmal so ins Gebet vertieft war, dass sie anfing zu schweben, an Caterina von Siena und andere, die sich so ins Gebet versenkten, dass sie in Trance waren und dachte so für mich, dass sie das heute viel schwieriger fänden. Dauernd wird man aufgeschreckt, weil man „tätig teilnehmen“ soll. Manchmal sogar durch einen Stoß in die Rippen von jemand, der denkt, dass man an der Stelle doch gar nicht beten soll, weil anderes dran ist.
Nicht dass jemand denkt, ich singe nicht gern. Ich singe manche der Lieder sehr gerne und empfinde es schon als eine Art seelische Grausamkeit, wenn der Organist bei bestimmten Festen genau das Lied, das nur an diesem Tag gesungen wird, ausgerechnet beim Kommuniongang anstimmt. Aber im Grunde, dachte ich heute, geht es mir auch an anderen Stellen öfters so.
Und heute verfiel ich auf die Idee, man darf ja mal träumen, die heilige Messe würde nach strikter Anordnung ohne alle Ausschmückungen gehalten, vielleicht so wie die nach dem außerordentlichen Ritus, bei der der Chor normalerweise nicht in Gefahr kommt, Gebete zu unterbrechen, sondern eher einen Hintergrund dazu bildet, oder eben einfach still. Am Ende würden auch noch alle kurz still beten (so wie das gewesen sein soll, als man noch das Schlussevangelium still las). Und dann könnten die, die an den Liedern Freude haben noch bleiben und ein paar von denen singen, die gerade zum Kirchenjahr und den Festen passen.
Utopie? Bei ein paar Gelegenheiten funktioniert das sogar sehr gut, und zwar bei den Messen mit Blasorchester. Bei uns z.B. an Fronleichnam, am Großen Gebet und an Weihnachten. Nachdem der Hauptgottesdienst abgeschlossen ist, bleiben fast alle da, denn sie wissen, dass das Orchester jetzt ein paar Zulagen zum Mitsingen gibt, und da es gewöhnlich sehr beliebte Kirchenlieder sind, wollen sich das die meisten nicht entgehen lassen.
Man müsste echt mal drüber nachdenken, ob das nicht vielleicht ein mögliches Modell wäre.
Sonntag, 29. August 2010
Wort-Gottes-Feier und Eucharistie
Die Wort-Gottes-Feier ist ein Notfallprogramm. Denn sie ist nicht einfach irgendeine Andacht, von denen es hunderte Formen und Varianten gibt und geben kann, darf und soll. Die Wort-Gottes-Feier ist für einen bestimmten Fall kreiert worden: eine katholische Gemeinde trifft sich zum sonntäglichen Gottesdienst, aber es ist kein Priester da, der eine heilige Messe feiern könnte, und in der katholischen Kirche ist es nun einmal so (seit inzwischen fast 2000 Jahren), dass die Verwandlung von simplem Brot (wenn auch in möglichst nicht-krümelnder Form) und Wein in das Fleisch und Blut des Herrn Jesus (auch wenn es immer noch wie Brot und Wein aussieht und schmeckt) nur durch bestimmte dazu autorisierte Personen (nämlich die Priester) geschehen darf.
Jetzt ist es aber so, dass das Wort Gottes (d.h. Jesus) in der heiligen Messe nicht nur durch diese Wandlung ganz Gegenwart in der versammelten Gemeinde wird, sondern auch als Wort selbst, nämlich im gemeinsamen Betrachten und Bedenken von ausgewählten Texten aus dem Alten und Neuen Testament. Die Textauswahl ist für jeden Tag im Jahr in 2- bzw. 3-Jahresplänen vorgegeben. Und diese Texte können den Versammelten durchaus auch von Laien vorgetragen werden. Damit das nicht zu beliebig wird, ist es auch plausibel, dafür eine bestimmte Form zu finden. So wird nichts Wichtiges vergessen, es hat etwas Feierliches und ist durch die Übereinstimmung auch einigend für verschiedene solche Gemeinden. Bei dieser Feier können die Gläubigen auch Leib und Blut Jesu empfangen, falls dieses während einer früheren Messe gewandelt und danach – gewöhnlich im Tabernakel – für diesen Zweck und z.B. für die Krankenkommunion aufbewahrt wurde.
Stopp, werden einige sagen. Das gab es schon lange, hieß aber früher anders. Stimmt. Früher gab es so genannte Kommunionfeiern. Die liefen ab wie eine Eucharistiefeier, nur dass der Teil namens Hochgebet fehlte, in dem die Gaben Brot und Wein gewandelt wurden. Früher (soll heißen, vor ca. etwa 30 Jahren) war noch allen klar, dass hier ein elementarer Unterschied zu einer Eucharistiefeier besteht. Irgendwie fehlte dabei, was man eigentlich als das Herz und das Wichtigste der Feier kannte und deswegen vermisste. Aber irgendwie haben das dann in den folgenden Jahrzehnten viele Leute nicht mehr erklärt bekommen und wissen gar nicht so recht, was es mit dem Teil der Messe auf sich hat, zu dem sich die meisten hinknie(t)en und meinten eigentlich ist das ohne genauso gut und auch ein bisschen bequemer (ohne das Knien).
Vermutlich weil es zu mühselig ist, den Leuten von klein auf und immer wieder den Unterschied deutlich zu erklären (wenn man den Aussagen einiger Theologen folgt vielleicht auch deswegen, weil als Teil einer Antidiskriminierungspolitik und Quotenregelung durch eine Verknappung der Bedeutung der Wandlung eine Aufwertung der Wertschätzung des Wortes Gottes zu erreichen ist, so zumindest folgert man aus ihren Erklärungen) und in der Annahme, dass sowieso niemand zuhören wird aber weil man doch nicht ganz vergessen lassen wollte, dass es einen Unterschied gibt, hat man einfach die Reihenfolge von Lesungen, Fürbitten und allen anderen Teilen der Eucharistiefeier (abzüglich des Hochgebetes) gründlich gemischt und in neuer Reihenfolge als Wort-Gottes-Feier präsentiert. – Seltsam nur, man trifft weiterhin Leute, die meinen, die Wort-Gottes-Feier sei zeitgemäßer, weil die auch von Frauen geleitet werden könne und überhaupt moderner und mindestens gleichwertig wie eine Eucharistiefeier wenn nicht besser. Vielleicht hätten ein paar gründliche Erklärungen für die Masse der Getauften doch nicht geschadet?
Wie dem auch sei, es gibt Orte und Umstände, wo eine Wort-Gottes-Feier sehr zu befürworten ist, z.B. in Ländern, in denen die Pfarreien in etwa so groß sind wie Hessen oder Bayern und in Diasporagebieten, in denen es zum nächsten Gottesdienst schon mal 100 km Landstraße sind oder eine Tagesanreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Da ist es sehr sinnvoll, dass sich die wenigen Gläubigen statt ganz auf einen gemeinsamen Gottesdienst zu verzichten, treffen, um wenigstens das Wort Gottes in den Lesungen und im gemeinsamen Gebet miteinander zu teilen, anstatt den Sonntag ganz untergehen zu lassen.
Fragwürdiger wird das ganze nun in der deutschen Situation. Auch wenn die Pfarreienzahl zur Zeit auf ein Drittel bis ein Zwanzigstel des bisherigen Bestandes reduziert wird, denn es gibt zunehmend weniger Priester. In den meisten Fällen ist es doch so, dass die nächste Eucharistiefeier in drei bis zehn Kilometern Entfernung stattfindet, dass sich durchaus Fahrgemeinschaften bilden ließen, um diese heiligen Messen zu erreichen, und dass man so vielleicht tatsächlich erstaunlich volle Kirchen sehen könnte. Aber das ist gewöhnlich nicht erwünscht. Zum einen sehen viele Getaufte keine Notwendigkeit, eine Eucharistiefeier zu besuchen (s.o.), weil die Wort-Gottes-Feier doch eigentlich netter und bequemer ist. Dann wird auch immer gerne das Argument angeführt, die Gemeinschaft der Gemeinde vor Ort werde besser gestärkt durch das Verbleiben in der konstanten Gruppe und dass man schließlich lernen müsse autarker und nicht so abhängig von Priestern zu sein, das sei das Zeichen einer mündigen Gemeinde.
Aus vermutlich derselben Gruppe kommen auch Aussagen wie, dass es keinen Notstand bei den Priesterberufungen gebe, das alles sei eine gute und gesunde Entwicklung, dass die Gemeinden sich selbst versorgten und der Glaube werde darunter in keiner Weise leiden. Mag sein - was nicht mehr da ist, kann auch nicht mehr leiden.
Eine zweite Situation, in der sich Wort-Gottes-Feiern relativer Beliebtheit erfreuen, sind Gottesdienste kleiner Gruppen, die sich für Wochenenden oder Seminare treffen. Da man bei „normalen“ Gemeindegottesdiensten nicht so recht weiß, auf was man treffen wird – abenteuerliche Veranstaltungen für Kinder und Familien, die möglicherweise auch Elemente einer Eucharistiefeier beinhalten; Taufen in der Sonntagsmesse, die den Zeitplan mal um eine halbe Stunde verschieben; Pfarrer, die die Sonntagsarbeit als Zumutung betrachten und sich in Abschreckungspolitik zwecks angezielter Exterminierung versuchen; experimentierfreudige Gemeinden, die eigene Liturgien entwickeln (das gibt es offiziell nicht – sehr witzig); oder nur schlicht eine relativ anonyme Atmosphäre, die nicht so recht zum herzlichen Gruppengefühl passen will. Also, da man nicht weiß, in was man hineingeraten wird und es mit ziemlicher Sicherheit nicht ganz so vertraut sein wird wie in der Gruppe, die hier zusammen ist, zieht man etwas vor, das sich gruppendynamisch sicherlich besser auswirken wird.
Nach Durchleiden so etlicher Misshandlungen und Missbräuche an der Liturgie bin ich durchaus gelegentlich in der Versuchung, mich dem anzuschließen. Es gibt wundervolle Gottesdienste, in denen die Versammelten alles daran setzen, Gott zu ehren und sich gegenseitig Zeugnis geben (einander erzählen), was dieser Großes in ihrem Leben getan hat, ja wo man herausgefordert wird, sein Leben stärker an Jesus zu orientieren und engagierter als Christ zu leben. Ehrlich, es gibt eine ganze Reihe von Gründen, einen solchen Gottesdienst dem vorzuziehen, was leider aus der Liturgie einer Eucharistiefeier oft gemacht wird. Wenn da nicht eines wäre: Jesus hat nicht gesagt „Tut was Ihr zu recht oder unrecht meint, was Euch gut tut“ sondern „Tut dies zu meinem Gedächtnis“.
Es geht hier um einen Gehorsam gegenüber einem der Dinge, die Jesus seinen Jüngern kurz vor seinem Tod aufgetragen hat. So ein Gehorsam ist nicht immer angenehm. Vielleicht kommt er uns manches Mal selbst wie ein Kreuz vor. Aber wie der Herr es sagte: „Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es der mich liebt.“ (Joh 14 und 15)
Das klingt nun, als sei es eine trockene Angelegenheit, an der Eucharistiefeier teilzunehmen. Nein, das ist es ganz und gar nicht. Mir persönlich ist es ein großer Reichtum, ein Geschenk und ich will nicht darauf verzichten. Aber manchmal ist auch eben viel Kreuz dabei, durch die Umstände und alles, was so aus menschlicher Gemeinschaft erwachsen kann. Und manchmal ist es ein Mitleiden an dem, wie mit Jesus umgegangen wird, gerade da, wo er sich uns so völlig ausliefert und sich für uns hingibt. Aber gerade das, sollte und will ich tun. Donec venias.
Jetzt ist es aber so, dass das Wort Gottes (d.h. Jesus) in der heiligen Messe nicht nur durch diese Wandlung ganz Gegenwart in der versammelten Gemeinde wird, sondern auch als Wort selbst, nämlich im gemeinsamen Betrachten und Bedenken von ausgewählten Texten aus dem Alten und Neuen Testament. Die Textauswahl ist für jeden Tag im Jahr in 2- bzw. 3-Jahresplänen vorgegeben. Und diese Texte können den Versammelten durchaus auch von Laien vorgetragen werden. Damit das nicht zu beliebig wird, ist es auch plausibel, dafür eine bestimmte Form zu finden. So wird nichts Wichtiges vergessen, es hat etwas Feierliches und ist durch die Übereinstimmung auch einigend für verschiedene solche Gemeinden. Bei dieser Feier können die Gläubigen auch Leib und Blut Jesu empfangen, falls dieses während einer früheren Messe gewandelt und danach – gewöhnlich im Tabernakel – für diesen Zweck und z.B. für die Krankenkommunion aufbewahrt wurde.
Stopp, werden einige sagen. Das gab es schon lange, hieß aber früher anders. Stimmt. Früher gab es so genannte Kommunionfeiern. Die liefen ab wie eine Eucharistiefeier, nur dass der Teil namens Hochgebet fehlte, in dem die Gaben Brot und Wein gewandelt wurden. Früher (soll heißen, vor ca. etwa 30 Jahren) war noch allen klar, dass hier ein elementarer Unterschied zu einer Eucharistiefeier besteht. Irgendwie fehlte dabei, was man eigentlich als das Herz und das Wichtigste der Feier kannte und deswegen vermisste. Aber irgendwie haben das dann in den folgenden Jahrzehnten viele Leute nicht mehr erklärt bekommen und wissen gar nicht so recht, was es mit dem Teil der Messe auf sich hat, zu dem sich die meisten hinknie(t)en und meinten eigentlich ist das ohne genauso gut und auch ein bisschen bequemer (ohne das Knien).
Vermutlich weil es zu mühselig ist, den Leuten von klein auf und immer wieder den Unterschied deutlich zu erklären (wenn man den Aussagen einiger Theologen folgt vielleicht auch deswegen, weil als Teil einer Antidiskriminierungspolitik und Quotenregelung durch eine Verknappung der Bedeutung der Wandlung eine Aufwertung der Wertschätzung des Wortes Gottes zu erreichen ist, so zumindest folgert man aus ihren Erklärungen) und in der Annahme, dass sowieso niemand zuhören wird aber weil man doch nicht ganz vergessen lassen wollte, dass es einen Unterschied gibt, hat man einfach die Reihenfolge von Lesungen, Fürbitten und allen anderen Teilen der Eucharistiefeier (abzüglich des Hochgebetes) gründlich gemischt und in neuer Reihenfolge als Wort-Gottes-Feier präsentiert. – Seltsam nur, man trifft weiterhin Leute, die meinen, die Wort-Gottes-Feier sei zeitgemäßer, weil die auch von Frauen geleitet werden könne und überhaupt moderner und mindestens gleichwertig wie eine Eucharistiefeier wenn nicht besser. Vielleicht hätten ein paar gründliche Erklärungen für die Masse der Getauften doch nicht geschadet?
Wie dem auch sei, es gibt Orte und Umstände, wo eine Wort-Gottes-Feier sehr zu befürworten ist, z.B. in Ländern, in denen die Pfarreien in etwa so groß sind wie Hessen oder Bayern und in Diasporagebieten, in denen es zum nächsten Gottesdienst schon mal 100 km Landstraße sind oder eine Tagesanreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Da ist es sehr sinnvoll, dass sich die wenigen Gläubigen statt ganz auf einen gemeinsamen Gottesdienst zu verzichten, treffen, um wenigstens das Wort Gottes in den Lesungen und im gemeinsamen Gebet miteinander zu teilen, anstatt den Sonntag ganz untergehen zu lassen.
Fragwürdiger wird das ganze nun in der deutschen Situation. Auch wenn die Pfarreienzahl zur Zeit auf ein Drittel bis ein Zwanzigstel des bisherigen Bestandes reduziert wird, denn es gibt zunehmend weniger Priester. In den meisten Fällen ist es doch so, dass die nächste Eucharistiefeier in drei bis zehn Kilometern Entfernung stattfindet, dass sich durchaus Fahrgemeinschaften bilden ließen, um diese heiligen Messen zu erreichen, und dass man so vielleicht tatsächlich erstaunlich volle Kirchen sehen könnte. Aber das ist gewöhnlich nicht erwünscht. Zum einen sehen viele Getaufte keine Notwendigkeit, eine Eucharistiefeier zu besuchen (s.o.), weil die Wort-Gottes-Feier doch eigentlich netter und bequemer ist. Dann wird auch immer gerne das Argument angeführt, die Gemeinschaft der Gemeinde vor Ort werde besser gestärkt durch das Verbleiben in der konstanten Gruppe und dass man schließlich lernen müsse autarker und nicht so abhängig von Priestern zu sein, das sei das Zeichen einer mündigen Gemeinde.
Aus vermutlich derselben Gruppe kommen auch Aussagen wie, dass es keinen Notstand bei den Priesterberufungen gebe, das alles sei eine gute und gesunde Entwicklung, dass die Gemeinden sich selbst versorgten und der Glaube werde darunter in keiner Weise leiden. Mag sein - was nicht mehr da ist, kann auch nicht mehr leiden.
Eine zweite Situation, in der sich Wort-Gottes-Feiern relativer Beliebtheit erfreuen, sind Gottesdienste kleiner Gruppen, die sich für Wochenenden oder Seminare treffen. Da man bei „normalen“ Gemeindegottesdiensten nicht so recht weiß, auf was man treffen wird – abenteuerliche Veranstaltungen für Kinder und Familien, die möglicherweise auch Elemente einer Eucharistiefeier beinhalten; Taufen in der Sonntagsmesse, die den Zeitplan mal um eine halbe Stunde verschieben; Pfarrer, die die Sonntagsarbeit als Zumutung betrachten und sich in Abschreckungspolitik zwecks angezielter Exterminierung versuchen; experimentierfreudige Gemeinden, die eigene Liturgien entwickeln (das gibt es offiziell nicht – sehr witzig); oder nur schlicht eine relativ anonyme Atmosphäre, die nicht so recht zum herzlichen Gruppengefühl passen will. Also, da man nicht weiß, in was man hineingeraten wird und es mit ziemlicher Sicherheit nicht ganz so vertraut sein wird wie in der Gruppe, die hier zusammen ist, zieht man etwas vor, das sich gruppendynamisch sicherlich besser auswirken wird.
Nach Durchleiden so etlicher Misshandlungen und Missbräuche an der Liturgie bin ich durchaus gelegentlich in der Versuchung, mich dem anzuschließen. Es gibt wundervolle Gottesdienste, in denen die Versammelten alles daran setzen, Gott zu ehren und sich gegenseitig Zeugnis geben (einander erzählen), was dieser Großes in ihrem Leben getan hat, ja wo man herausgefordert wird, sein Leben stärker an Jesus zu orientieren und engagierter als Christ zu leben. Ehrlich, es gibt eine ganze Reihe von Gründen, einen solchen Gottesdienst dem vorzuziehen, was leider aus der Liturgie einer Eucharistiefeier oft gemacht wird. Wenn da nicht eines wäre: Jesus hat nicht gesagt „Tut was Ihr zu recht oder unrecht meint, was Euch gut tut“ sondern „Tut dies zu meinem Gedächtnis“.
Es geht hier um einen Gehorsam gegenüber einem der Dinge, die Jesus seinen Jüngern kurz vor seinem Tod aufgetragen hat. So ein Gehorsam ist nicht immer angenehm. Vielleicht kommt er uns manches Mal selbst wie ein Kreuz vor. Aber wie der Herr es sagte: „Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es der mich liebt.“ (Joh 14 und 15)
Das klingt nun, als sei es eine trockene Angelegenheit, an der Eucharistiefeier teilzunehmen. Nein, das ist es ganz und gar nicht. Mir persönlich ist es ein großer Reichtum, ein Geschenk und ich will nicht darauf verzichten. Aber manchmal ist auch eben viel Kreuz dabei, durch die Umstände und alles, was so aus menschlicher Gemeinschaft erwachsen kann. Und manchmal ist es ein Mitleiden an dem, wie mit Jesus umgegangen wird, gerade da, wo er sich uns so völlig ausliefert und sich für uns hingibt. Aber gerade das, sollte und will ich tun. Donec venias.
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