Oremus pro Pontifice nostro Franzisco.

Dominus conservet eum et vivificet eum

et beatum faciat eum in terra et

non tradat eum in animam inimicorum eius.

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Dienstag, 12. Juni 2018

Erstaunlich

Nach Auffassung der "Mehrheit" der deutschen katholischen Bischoefe scheint die Ehe eines Nichtkatholiken mit einem Katholiken ein derartiges Martyrium zu sein, dass der Nichtkatholik dadurch in einen suendlosen Zustand versetzt wird infolgedesseneu fuer ihn/sie jederzeit ohne Beichte der Empingham der Kommunion moeglich ist.

Ohne Worte.

Dienstag, 7. Februar 2017

Viel zitiert und einseitig interpretiert (2) - Niemand darf ewig verurteilt werden

Die Aussage:
"Niemand darf auf ewig verurteilt werden, denn das ist nicht die Logik des Evangeliums." (AI 297)

Dieser Aussage kann gar nicht voll zugestimmt werden, ohne in Widerspruch mit dem Evangelium zu geraten.

Und zwar geht es hier um Matthäus 16,18-19:
18 Ich aber sage dir: Du bist Petrus und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen und die Mächte der Unterwelt werden sie nicht überwältigen.
19 Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreichs geben; was du auf Erden binden wirst, das wird auch im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, das wird auch im Himmel gelöst sein.

Das heißt, dass die Kirche bzw. Petrus tatsächlich ein Urteil sprechen darf, das auch für die Ewigkeit gültig ist. Dass das natürlich nicht leichtfertig und in geringfügigen Dingen geschehen darf, dürfte sich von selbst verstehen. Denn das wäre absoluter Amtsmissbrauch dessen, der diese Autorität ausübt. Aber es darf definitiv sein, dass ein Urteil auf ewig gesprochen wird.

In den meiisten Fällen ist es so, dass die Kirche zwar darauf hinweist, dass die ein oder andere Entscheidung  mit recht hoher Wahrscheinlichkeit zu einer ewigen Trennung von Gott führen wird aber stellt das endgültige Urteil dem Herrn selbst anheim. D.h. sie verurteilt nicht aber warnt davor, dass jemand die ewige Verurteilung von einziger absolut dazu berechtigter Stelle riskiert.

Merkwürdigerweise wird nun obige Aussage dahin interpretiert, die Kirche (und alle die zu ihr gehören) dürften keine solche Warnung mehr aussprechen, weil diese eine Verurteilung sei.

Hinweis für alle, die das einmal nach Ende dieser Zeit der Verwirrung verwundert lesen:: Neben vielen anderen hat die deutsche Bischofskonferenz sich am 1. Februar 2017 in einem Dokument dahingehend geäußert, dass die Pflege sexueller Kontakte mit Personen, mit denen man nicht kirchlich verheiratet ist, nicht notwendigerweise von den Sakramenten ausschließt. Da man ja niemanden ewig verurteilen dürfe. - Was ohnehin niemand täte, da ein Ausschluss von den Sakramenten sehr sicher nicht ewig sein kann, wenn er jederzeit dadurch beendbar ist, dass man sich von einem gewissen Verhalten abwendet .... Aber gemeint ist anscheinend, man dürfe einige Leute nicht warnend darauf hinweisen, welche Gefahr deren Verhalten in sich birgt. - Ich finde das ja auch hoch bedenklich, gefährlich und nicht gerade der Vernunft entsprechend, aber offenbar scheinen gerade der Papst und viele Bischöfe dieser Meinung zu sein. Vielleicht liegt es an der Theologie, rationales Denken scheint damit nichts zu tun zu haben.

Sonntag, 4. Dezember 2016

Zweiter Advent 2016

Heute waren Minusgrade und der Rauhraif hatte alles Grünende überzogen. Daher war die Scooterfahrt in die Kirche des Nachbarortes - dick eingemummt wegen der Kälte - vom Optischen sehr schön.

Der Vertretungspriester lebt sich richtig ein und hat Freude an dieser Gemeinde - der Pfarrer selbst musste schon seit Oktober in die Klinik wegen eines immer wieder auftretenden Problems.
Die Gemeinde trägt den Gottesdienst sehr engagiert mit: zahllreichen Lektoren und Organisten, die sich richtig Mühe geben. Die Lesungen immer vollständig vorhanden. Die Lieder passen.
Vor dem Gottesdienst wird der Adventskranz entzündet und dabei die entsprechende Strophe von "Wir sagen euch an" gesungen.

Ohne meine gesundheitlichen Probleme hätte ich diese wirklich aufbauenden Gottesdienste dort nie erlebt.

Weniger erbauend sind die Reaktionen und Äußerungen, die aus kirchlichen Kreisen verlauten, weil die vier Kardinäle ihre Dubia öffentlich machten, nachdem ihnen der Adressat nicht antwortete. Man glaubt kaum den eigenen Augen und Ohren trauen zu können:
Zu Zeiten Papst Benedikts war es Usus, dessen Worte, Bitten und Anweisungen bestenfalls zu ignorieren, mindestens zu Verdrehen und ins Lächerliche zu ziehen oder gleich ganz verbal über ihn herzufallen. Das immer mit stolzen Hinweis, man fühle sich wie Paulus, der ja auch Petrus einmal tüchtig die Meinung gesagt habe.
Nun wird Papst Franziskus, der übrigens selbst zu einer Diskussion seiner Beiträge aufrief, sehr sachlich um Stellungnahme zu sehr problematischen Interpretationen gebeten, die sich aus seinen -vermutlich bewusst - unklaren Äußerungen ergeben. Darauf erheben sich empörte Chöre von: Wie kann man es wagen, ihn nur in irgendeiner Weise zu kritisieren? Das sei ja geradezu Verrat.

Seltsam, oder? Nein, diese Kardinäle tun keinesfalls das, was Paulus gegenüber Petrus tat - heißt es. Hmmm.

Schlimmer noch, dann wird gleich eine etwas überzogene Äußerung von jemandem aus der römischen Kurie falsch wiedergegeben und impliziert, diese Kardinäle hätten sich durch diese angebliche Ungeheuerlichkeit selbst suspendiert. Ich bin mir nicht sicher, ob die Empörten auch gleich exkommuniziert sehen wollten. Es hörte sich fast so an.

Das Ganze spricht weder für die Qualität der kirchlichen Presse noch für die geistliche Reife der hier beteiligten Kirchenmitarbeiter. Soviel steht fest.

Dienstag, 17. Mai 2016

Mainzer Schmonzette

prospesalutis spart mir so einige Worte.

Zuerst gehört hatte ich davon vor drei Wochen. Der Pfarrer kündigte an, am Pfingstmontag falle der 10-Uhr-Gottesdienst aus, da da die große Verabschiedung des Kardinals sei und außer der Politprominenz hatte anscheinend auch die Mainzer Geistlichkeit Platzkarten dazu erhalten (mit Personalausweis zu verifizierend und nicht übertragbar). Er rate dringend davon ab, nach Mainz zu fahren, im Fernsehen sehe man das Ganze sicherlich besser.

Schon am Pfingstsonntag wurden wegen der Vorbereitungen etliche Messen im Dom gestrichen. Man hat ja seien Prioritäten in Mainz. Was ist der Heilige Geist schon im Vergleich zu "Der Kardinal" (so ja schon ein Buchtitel, nicht ein, DER)?

Ich überlegte kurz, mal den Fernseher anzumachen für die Lehmann-latreia, bei der auch eine Eucharistiefeier als mutmaßlich dekoratives Element abgehalten wurde, einzuschalten, geriet aber zuerst auf den Filmanfang von "Tintenherz" und entschied, dass das vermutlich doch erfreulicher sein werde.

Die Entscheidung war vermutlich richtig, wenn ich der heutigen Berichterstattung der Mainzer AZ folge. Etwa 1000 Leute sollen sich zum Public Viewing des Events eingefunden haben. (So als Referenz, es gibt so um die 500 inkardinierte Geistliche im Bistum und die Stadt hat 200.000 Einwohner).

Es war kalt und windig und irgendwie hat man schon Verständnis, dass laut Zeitung, die meisten während des Events im Dom Kaffeebecher in den Händen hielten. Eine junge Frau soll geäußert haben, das sei schon ein Vorteil gegen den Dom. - An dieses tapfere Publikum wurde natürlich auch die Eucharistie ausgeteilt. Es habe dabei eine Unterbrechung gegeben, "weil die Oblaten ausgingen". (Schoko-Elisen oder Makronen überlegt man kurz. Nein, die Zeitung hatte ja geschrieben, es war nichts Sättigendes. )

Dafür schlugen die Emotionen laut Regionalteil hoch. Die Übertragung zeigte jede Regung des Kardinals, um den es ja ging bei dem allen, und wenn er lächelte, hätten die treuen Zuschauer gelächelt. Seien ihm Tränen der Rührung in die Augen gestiegen, so habe man die Taschentücher gezückt.

Äußerst ergreifend - und wohl äußerst fiktiv, dieser Artikel.

Dann die Enttäuschung, der Hochverehrte zeigte sich seinen Anhängern nicht nach dem Event im Dom.

Nur zwei bis drei Dutzend sollen auf den Bänken zur Übertragung aus dem folgenden Festakt gesessen haben, etliche Pizza essend. Dazu waren die Bierbänke sicher hilfreich.

Keine weiteren Kommentare.


Freitag, 12. Februar 2016

Gelegenheitskirchgänger erkennt man so (brandaktuelles Beispiel)

Es war zwei Sonntage vor der Fastenzeit. Da ja leider meine Pfarrkirche für mich Sperrgebiet geworden ist (nach der Holzwurmbekämpfung ohne anschließende Versiegelung), fahre ich in die Nachbargemeinde, wo es eine für Gehbehinderte geeignete Frühmesse gibt (kein steiler Berg, keine Stufen, Parkplätze verfügbar). Im Rheintal haben die meisten Kirchen leider die Eigenschaft hoch oben zu liegen und zusätzlich von Stufen umgeben zu sein. In jener Gemeinde hat man ein durchdacht konzipiertes Pfarrzentrum zu dem auch eine Kapelle gehört, in der bis zu 100 Leute Platz finden können. Es gibt ein paar Parkplätze im Hof aber die überlasse ich möglichst den wirklich schwer Gehbehinderten und halte auf dem sonntags völlig freien Parkplatz der Bank 200 m weiter.

An jenem Sonntag früh war ich gerade auf dem Weg vom Parkplatz zur Kapelle als hinter mir etwas fast wie Hufgestampfe ertönte. Ich blieb vorsichtig an der Häuserwand stehen (bin halt doch etwas wacklig) und sah einen Pulk Leute im Eilschritt heran- und an mir vorüberziehen. Die wehenden Mäntel und Jacken rochen stark nach Rauch und Alkohol. Ob die wohl jetzt noch von einer Sitzung kamen oder in die Bäckerei wollten, die sonntags früh offen hat - oder gar in die Frühmesse?

Es stellte sich heraus, dass es um einen Gedenkgottesdienst dieser Familie ging, den diese löblicherweise so zahlreich besuchten. Offenbar hatte die Familie gehört, dass jene Messe doch recht gut besetzt sei und sich daher entschieden, sich rechtzeitig Plätze zu sichern. Und wo tat man das? Natürlich in den vordersten Bänken. Es musste ja gezeigt werden, wie gut man seine Pflicht für die eigenen Verstorbenen erfüllt. Was diese Leute klar nicht wussten, war, wie viele richtig kranke und kaum gehfähige Menschen gerade in diese Frühmesse gehen, weil es sonst kaum eine Alternative gibt und dass es für diese schwer Kranken, die sich ohne Rollator oder 2 Stöcke gar nicht und damit nur mühsam bewegen können, wichtig ist, in die erste Bank zu gehen, von der aus sie nicht extra zur Kommunion gehen müssen. Auch Küsterin und Lektor finden dort normal ihren Platz.  Diese mussten sich nun über den ganzen Raum in die verbleibenden Ecken verteilen. Zum Glück ist der Pfarrer dort auf Zack und als es zur Kommunionausteilung ging, suchte er die versprengten Kranken zuerst auf.

Nein, nicht schlimm, dass die Gottesdienstbesucher des Tages sich kaum in allem auskannten; sie guckten sich immer wieder um und korrigierten sich dann. (Wäre einfacher gewesen, hätte man nicht die ersten Bänke belegt.) Oder dass sie die Reihenfolge beim Kommuniongang nicht begriffen; der Mittelgang ist eng, es kommt erst die linke Seite von vorn nach hinten dran und dann die rechte von hinten nach vorn.

Es zeigt nur, wen oder was man hier leicht glossieren könnte. Nicht nämlich die regulären Gottesdienstbesucher, die sich - vielleicht aufgrund der vielen Kranken - durch besondere Rücksicht und Anteilnahme auszeichnen, wie ich sie auch aus der Heimatgemeinde gar nicht gewohnt war.

Donnerstag, 11. Februar 2016

Meine Gedanken bei Herrn Odendahls versuchter Glosse

In die anderen Blogs habe ich ja auch jetzt monatelang (zerknirscht) nicht gesehen. Schade. Es ist doch immer wieder interessant, was sich im Netz tut. So stieß ich gestern auf die Schlussbemerkungen zu diesem Beitrag . Jemand hatte sich zu Fasching mit einer Glosse zu Kirchgängern versucht, auf katholisch.de.

Okay, ich gehe fast jeden Sonntag in die Kirche. Manchmal werde ich durch Havarien und gesundheitlichen Problemen oder unüberwindbaren Widrigkeiten abgehalten. Jedenfalls kann ich schon mitreden, was für Leute es so im Gottesdienst gibt und irgendwie scheinen in unserer Gegend ganz andere Sitten zu herrschen als bei dem Verfasser der Glosse - oder hat er gar keine eigene Erfahrung und nur auf schon Jahrzehnte überholte Klischees zurückgegriffen?

Also, wenn hier jemand zu spät kommt, sind es meist Leute, die gute Gründe haben: die Mitfahrgelegenheit, auf die man angewiesen war, war verspätet oder der Pflegedienst für ein Elternteil oder es gab andere häusliche Krisen. Wer morgens nicht so ganz raus kommt, das betrifft eher die Frühmessen, trudelt gewöhnlich spätestens während des Eingangsliedes ein. Worauf manche absichtlich etwas später kommen, um dem Einüben neuer Lieder bis genau zum Einzug zu entgehen.

Besondere Sonntagskleidung kenne ich gar nicht. Jeder erscheint in etwas so, wie er auch unter der Woche zum einkaufen oder zum Arzttermin geht: normal gepflegt. Einzige Ausnahme, die ich kenne, ist unser Gemeindereferent, der gelegentlich (ich vermute als eine Art kirchenpolitisches Statement) in ausgeleierten T- oder Sweat-Shirts nicht ganz definierter Farbe erscheint. Uneingeweihte denken dann wohl ein Not-Baustellen-Arbeiter hat sich die Zeit abgeknappst, Eingeweihte wissen, er ist halt so. (Achselzucken)

Regelmäßige Kirchgänger nehmen ihr Gotteslob nur bei Festgottesdiensten mit, wenn mit hohem Bedarf zu rechnen ist. Ansonsten reicht der Bestand hinten in der Kirche locker für die Anwesenden aus. Man teilt die aber gerne mit anderen Sangeswilligen - auch die eigenen - wenn einmal  Knappheit ist. Genau für diese Notfälle hat man sich ja ein Buch angeschafft. Die meisten Lieder kann man ohnehin auswendig aber ab und zu braucht ein Besucher da ja Hilfe.

Kinder? Ach, die gibt es eigentlich so gut wie nie um 8 Uhr 30. Aus dem Konzept bringen die bei späteren Gottesdiensten höchstens den Pfarrer, der den Faden bei der Predigt verliert und wenn tatsächlich mal ein Kind einen Tob- oder Schreianfall hinlegt (eher selten) gehen die Eltern eben raus mit ihm, bis es sich beruhigt. Wer natürlich einen Familiengottesdienst besucht, rechnet ohnehin mit Lärm, Gerenne und Chaos verschiedenster Art und wollte das entweder oder denkt reuevoll, es wäre schlauer gewesen, die Gottesdienstordnung anzusehen bei der Wahl des Gottesdienstes.

Kommunionhelfer sind so selbstverständlich, das braucht keinen Kommentar mehr. Reihenwechsel gibt es eigentlich nur, wenn einer der haupt- oder ehrenamtlichen Austeiler gar zu langsam macht und sich die Schlange vor ihm staut.

Mundkommunion traut man sich ja kaum. Man wird gleich aller möglichen Dinge verdächigt. Dabei wäre es manchmal so hilfreich, weil die Anreise zum Gottesdienst doch öfters etwas länger ist und es irgendwie unangemessen ist mit Händen, die man sich zuhause erst einmal waschen würde, bevor man isst oder sich auch nur hinsetzt, dann ausgerechnet den Leib Christi zu empfangen. Aber das Problem ist bei mir gelöst. Ich brauche derzeit einen Stock, um garantiert ohne Sturz zur Kommunion und zurück zu kommen. Besonders der side-step zum Kommunionausteiler nach der kurzen Beschleunigung um die Lücke des Kommunikanten vornedran schnell auszufüllen und die dann folgende 180-Grad-Drehung sind einfach tricky und Handkommunion mit Stock in der Hand ist noch viel trickier. Wohin fuchteln damit? Also empfange ich jetzt schon aus rein praktischen Gründen die Mundkommunion. :)

Wozu man kniet? Also nicht, um gesehen zu werden. Sonst würde man das ja am Bahnhof tun oder sonstwo, wo es richtig viel Leute gibt. Wieso Quälerei??? Ich glaube da kennt jemand nicht viele Kirchenbänke, die brutaler für den verlängerten Rücken sind als die Kniebank für die Knie. :D Und - uh - wohl noch nie ein näheres Encounter mit dem Herrn gehabt, oder? Der ist einfach so, dass man manchmal nicht gelangweilt rumsitzen oder stehenbleiben kann. Nennt sich Anbetung, was da das Herz überwältigt und Ausdruck sucht. (Man bete hier für die Armen, die davon keine Ahnung haben. Das gibt ein besseres Gefühl als es sich so viele andere mit erlaubten und unerlaubten Drogen aller Art holen - und ohne schädliche Nebeneffekte!) Nein, ich fühle das auch nicht immer aber auch wenn ich grad ziemlich abgelenkt bin, habe ich immer noch den Wunsch dem, den ich liebe, meine prinzipielle Verehrung auszudrücken und dazu eignet sich knien ganz gut. Es macht auch den Kopf aufmerksam, ein paar Nebensächlichkeiten einmal zur Seite zu legen.

Vaterunser? Kann ich wahrscheinlich noch im Koma, wahlweise in verschiedenen Sprachen. Ich meine, das ist das eine Gebet, von dem Jesus gesagt hat, man solle es kennen, als er danach gefragt wurde. Er hat sich wohl etwas dabei gedacht. Und die liturgischen Antworten: na ja, wenn man so 20 Gottesdienste hinter sich hat, muss man schon an akut schlechtem Gedächtnis leiden, um die paar kurzen Sätzchen nicht zu kennen ...

Jemand fragt, warum man nicht im Gottesdienst war? Wo? Also bei mir hat noch nie jemand nachgefragt. Die Leute sind doch dauernd auf Urlaub, Veranstaltungen, Reisen und in wechselnden Kirchen, um überhaupt in einen der immer rarer werdenden Gottesdienste kommen zu können. - Wenn jemand nach mir fragt, freue ich mich, weil da tatsächlich Anteilnahme ist ...

Den KKK, lol, da hat jemand keine Ahnung. Ich habe da eine ganze Sammlung bekommen mit der Zeit, inklusive Youcat und dem Trienter Catechismus Romanus. Ich lese da tatsächlich gelegentlich drin. Manche Dinge sind komplex und es ist nicht einfach, eine wirklich gute Entscheidung zu treffen und da drin findet man recht nützliche Unterscheidungs- und Entscheidungshilfen. Aber Lieblingsbuch? Ich vermute, den Topplatz von am meisten gelesen hält immer noch Der Herr der Ringe. :D

Und zum Schluss konstatiere ich noch einen Widerspruch: Anfangs behauptete Herr Odendahl, er vergleiche einen Normal-Gottesdienstbesucher mit einer Art Musterexemplar, aber dann kam nur die Kontrastierung von jemand, der sich alle paar Monate einmal in eine Kirche verirrt mit jemanden, wie es ihn wohl schon lange kaum noch gibt. Ja, ich kenne Gerüchte über solche Leute aber keine Exemplare in echt. Wie auch immer, Glosse sollte sich doch an tatsächlich Vorhandenem orientieren? Oder irre ich mich da.




Montag, 27. Oktober 2014

Wo sind sie hin, die Kardinaltugenden?

Während hier so allgemein die Diskussion über die Synode zur Familie durch Presse und Internet tobte, war ich in der vergangenen Woche in Rom, um einmal wieder bei einer Konferenz in Rom, auf der alle so voll beschäftigt waren, dass keiner auch nur von den Vorgängen um die Synode redete.

Völlig unabhängig davon kamen durchaus Themen zur Sprache, die einen gewissen Beitrag zur laufenden Diskussion leisten könnten - so aus ganz praktisch-pastoraler Sicht. Es ging nämlich um den Dienst, der von denen in Anspruch genommen wird, die unter "außergewöhnlichen diabolischen Belästigungen" leiden. Verschiedene Priester schilderten ihre Praxiserfahrungen und mehrere erwähnten, dass man es bei den Personen, die in irregulären Beziehungen leben und daran nichts ändern wollen, es auch gleich lassen kann, ihnen helfen zu wollen: die Verursacher oben genannter Belästigungen lassen sich nun einmal nicht entfernen, wenn das Leben der Opfer nicht eine - wie sie ca. 2000 Jahre betrachtet wurde, bis das seit kurzem als überholt gelten soll - sehr überzeugende christliche Lebensführung annehmen.
Ob sich das als Argument anführen lässt? Schwierig die meisten glauben ja, dass es diese Dinge auch nicht gibt.

Jedenfalls ging es auf der Konferenz auch um den laufenden Seligsprechungsprozess von P. Amantini, der demnächst zum Abschluss kommen wird. Der Vortragende setzte auseinander, was dabei geprüft wird und es wurden sehr explizit die theologischen Tugenden - Glaube, Hoffnung, Liebe - als auch ein Leben genannt, indem die Kardinaltugenden sichtbar werden: iustitia, temperantia, prudentia und fortitudo.

Wenn das die 4 Angelpunkte sind, an denen sich alles Tun (und Schreiben) messen lassen sollte, sieht es in weiten Teilen ja nicht so gut aus.
Wie ich ja weiter oben im Text schon angedeutet habe, halte ich aufgrund zahlreicher praktischer Erfahrungen, die viele schon gemacht haben, ganz und gar nichts davon, Dinge die in sich schwere Sünden sind und die Ausübenden in sehr ernste Schwierigkeiten bringen können, plötzlich als lobenswert und positiv erachten zu sollen. Aber zu denen, die gerade das vorantreiben wollen, sage ich heute nichts.

Und ich habe durchaus Verständnis, dass alle, die man gewöhnlich "konservativ" nennt, allmählich sehr besorgt sind, was den derzeitigen Papst und die künftige Wahrung der katholischen Lehre angeht. Damit mache ich ganz explizit keine Aussage darüber, was der Papst nun wirklich denken mag, denn ich stehe da auch vor einem Rätsel. Vielmehr erinnert es mich ein wenig an die Situation, als mein Bruder (10 Jahre) mir (12 Jahre) mitteilte, Mama habe ihn überhaupt und sowieso viel lieber als mich, das habe sie ihm gesagt. Und so teilen uns ja gewisse Leute seit Monaten schon mit, unser "Papa" liebe alle, die endlich die Moral der Kirche völlig über den Haufen werfen wollen, weil das barmherzig sei und werde es denen, die begründen wollen, warum die in Frage stehenden moralischen Überzeugungen, noch so richtig eintränken, dass sie nur legalistisch und herzlos seien.

Damals hatte ich tatsächlich den Eindruck, dass die Indizien für die Behauptung meines Bruders sprächen,  und habe erstmal auf meinem Zimmer geweint. Aber dann kamen mir Zweifel, weil mein Bruder es doch nicht immer so genau mit der Wahrheit nahm. Also habe ich meine Mutter gefragt - und sie hatte ihm nie so etwas gesagt.

Es ist erschreckend, wenn die Presse sich jetzt auf Meldungen stürzen kann, dass gewisse "konservative Kreise" (vorerst in Italien, aber ich kenne ja die Pappenheimer hier, da ziehen irgendwann welche nach) sich in apokalyptischen Szenarien ergehen, dass der jetzige Papst die Kirche ins Verderben ziehen werden.

Leute, ich glaube, alle die sich da sorgen, sollten einfach auch einmal den "Papa" ganz vertraulich (per Brief geht das ja) fragen, ob er sie wirklich nicht leiden kann. Es scheint ja so zu sein, dass ihm alle möglichen Leute herzzerreißende Briefe schicken, wie grausam sie von legalistischen Priestern und "Konservativen" behandelt werden - und sein mitleidiges Herz will den Unterdrückten helfen. Wie wäre es denn, ihm keine Lehrabhandlung, was er alles falsch macht, zu schicken, sondern auch ganz persönlich zu schildern, wie es einem das Herz zerreißt, wenn man als jemand, der die Kirche und die Gebote Jesu liebt, ständig von vielen Priestern, manchen Bischöfen und jetzt anscheinend auch noch vom Papst selbst als dumm und herzlos hingestellt wird, wenn jemand, der sich um das Seelenheil anderer sorgt, ständig als unbarmherzig dargestellt wird und einfach darzulegen, dass die ungerecht so Titulierten gerne auch einmal von ihrem "Papa" beschützt würden und sehen würden, dass der zu ihnen steht? Wenn es sich dann erweisen würde, dass Mitgefühl nur zu haben ist, wenn man sich von den bisherigen Lehrmeinungen der Kirche abwendet, dann wäre öffentlicheres Handeln gefragt.

Doch zornige Angriffe und mehr oder weniger verzweifelte Attacken und Beleidigungen werden die bestehenden und ständig wiederholten Vorurteile und Vorverurteilungen sicher nicht zum Besseren wenden.
Klugheit, Mäßigung, Mut und Fairness sind die Angelpunkte nach denen beurteilt werden wird, wie sehr der Glauben wirklich gelebt und geliebt wird.


Sonntag, 15. Juni 2014

Was hat Ägypten mit Freiburg zu tun?

Update: Die Lösung kam tatsächlich schnell und unbürokratisch - das Bistum Mainz lässt Monsignore Schroedel vorzeitig in den Ruhestand gehen, den er in Ägypten verbringen darf. Möge es in der deutschen Kirchenbürokratie Schule machen.

Ein kausaler Zusammenhang lässt sich natürlich nicht herstellen oder gar belegen, und es gibt ja immer merkwürdige Zusammentreffen.

Was also stößt hier auf?

"Ich bin da geschockt ..."
sagen nicht nur die Exildeutschen in Ägypten sondern es stand auch als Titel über einem Bericht der Mainzer AZ über eine Podiumsdiskussion mit Kardinal Lehmann im Erbacher Hof, der es anderweitig als kürzere dpa-Meldung in die Öffentlichkeit schaffte.
Nun ist Kardinal Lehmann nicht etwa geschockt, dass der zum Bistum Mainz gehörige Monsignore Schrödel kurzfristig und ohne andere öffentlich bekannte Gründe als die "riskante Lage in Ägypten" dort abberufen wird, ohne dass ihn ein Nachfolger ersetzen soll. (Die Betroffenen vor Ort haben dazu ein  Video gedreht, das u.a. hier zu finden ist.) Kardinal Lehmann ist darüber geschockt, dass man in Freiburg drei Vorschläge für den neuen Bischof nach Rom schickte und drei andere zurückbekam.
(Daniel Deckers von der FAZ will wissen, die Alternativen zum Freiburger Kirchenrechtler Burger seien die Kölner Weihbischöfe Puff und Schwaderlapp gewesen oder einer von ihnen und ein Priester aus Rottenburg/Stuttgart.)
"Wer in Rom Reformen durchsetzen wolle, müsse Zivilcourage aufbringen, betont der Mainzer Kardinal." Offenbar meint er zu wissen, der künftige Bischof Burger habe eine solche nicht.
Der Artikel schweift, wohl eine Frage-und-Antwort-Runde darstellend dazu ab, wie vorbildlich der Kardinal gegen Rom für einen Verbleib in der Schwangerschaftskonfliktberatung mit Schein für straffreie Abtreibung kämpfte, dann zur Debatte ob katholische wiederverheiratete Geschiedene zum "Abendmahl" (sic!) dürften. "Ich gebe nicht nach", habe der Kardinal gesagt. In ihm brenne das Reformfeuer, meint der Berichterstatter.

Von seinen deutschen Bischofs-Mitbüdern fordere er eindringlich Courage. - Gott weiß, in dieser Sache sind wir uns alle einig. Möglicherweise nicht darin, worin die Courage bestehen soll.
Auch wenn man "mehrfach abgeschüttelt" werde, müsse man (in Rom) mit "Geduld und Beharrlichkeit seine eigenen Überzeugungen zu Gehör bringen".

Und dann sagt der Kardinal etwas, was er auf das "Zentrum der Weltkirche" bezieht und was ich nur zu gerne ihm und der DBK ins Stammbuch schreiben würde: ...."darf sich nicht als eine in sich selbst kreisende Organisation begreifen, die am Ende an den wirklichen Fragen und den wahren Bedürfnissen der Gemeinden und Ortskirchen vorbeizulaufen droht."

Heißt das etwa, dass man in Nordafrika hoffen darf, dass das Bistum Mainz natürlich auch ohne die DBK seinen Priester Joachim Schrödel dort weiterarbeiten lässt, wo er bisher segensreich gewirkt hat? (Immerhin ist er verantwortlich gewesen für die verantwortlich für die Gemeinden in Syrien, Jordanien, Libanon, Sudan und Äthiopien - und es ist kein Ersatz geplant!) Vermutlich würde man sogar vor Ort, das notwendige Geld aufbringen, um den beliebten und notwendigen Seelsorger zu halten.


Dienstag, 13. Mai 2014

Caritas ohne jegliche (namensgebende) Caritas

Was ist Caritas? Eigentlich die lateinische Übersetzung des griechischen "agape", der selbstlosen Liebe.
Es war einmal, dass eine katholisch-kirchliche Organisation gegründet wurde, die diesen Namen wählte, weil so der Rahmen geschaffen werden sollte, dass katholische Pfarreimitglieder (andere natürlich auch willkommen) gezielt spenden konnten, damit organisiert und effektiv die Hilfe auch die erreichte, die sie am meisten brauchten. Das war einmal.

Die sich Caritas nennende Organisation wurde immer mehr zu einem Unternehmen, das Geld erwirtschaften wollte. Belange der ursprünglichen Caritas wurden zunehmend irreleveant, Hauptsache, die geschäftliche Seite stimmte. Schon seit über 30 Jahren höre ich von Verwandten und Bekannten, die Caritas verschwende Gelder, wende sie unsinnig an und christliche Arbeit leiste sie kaum. Belege werden dafür nicht angeführt, gelegentlich Beispiele, die den einzelnen bekannt sind, aber so reden die Leute. So gar mancher wies deshalb die Caritassammler mit zunehmend schlechtem Ruf von der Tür ab. Generell, weil man lieber da spendete, wo man genauer wusste, was mit dem Geld geschah.

Hier vor Ort zum Beispiel baute die Caritas ein Altenheim. Mit Subvention der Ortsgemeinde, die deswegen bestimmte Auflagen stellte. Alle Auflagen wurden, wie es scheint, inzwischen zunächst aktiv gebrochen und annulliert. Der Zweck des Altenheims wurde mehrfach geändert, Verträge mit betreutem wohnen, die eigentlich unbegrenzte Laufzeit hatten, gekündigt, Leistungen aus den Verträgen nicht erbracht. Geschulte Arbeitskräfte durch ungeschulte Teilzeitkräfte ersetzt. Die Senioren vor Ort, für die das Altenheim geplant war, bekamen keine Plätze, weil Pflegefälle aus einer anderen Caritaseinrichtung dorthin umverlagert wurden. Jetzt werden diese auch ausquartiert und die neuen Insassen sollen für ihre hohen Wohnkosten noch arbeiten und selbst die hilfloseren Fälle pflegen. Zumindest erzählen mir das so einige aufgebrachte Senioren. Der Ruf der Caritas in diesem Ort ist schon sehr tief gesunken. Und nicht dort, an anderen Orten gibt es andere Geschichten dieser Art.

Und jetzt kommt die "Spenden-gehören-uns"-Bekämpfungskampagne der Caritas gegen eine Laienorganisation, die Konfliktberatung für Frauen in Schwangerschaftskonflikten macht. Wie nun der Generalsekretär der Caritas verlauten lässt, möchte der Caritasverband dass alle Bistumsleitungen verbieten, dass irgendeine Organisation neben diesem Verband  Pfarreien über ihre Angebot im Sektor Konfliktberatung auch nur informieren darf. Die Caritas selbst habe jede Kooperation mit dieser Konkurrenz strikt abgelehnt. (Diese wurde also sogar von dem anderen Verein sogar angestrebt, wie es scheint.) Nein, da dürfe es keinen Spielraum geben, dass die anderen an Spenden gelangen.

Liebe Leute, des Vereines, der sich Caritas nennt und den Namen so völlig zweckentfremdet, seid sicher, dass ich ganz bestimmt keine Spende mehr - egal für was - an euch geben werde. Ihr missbraucht eure Anerkennung als katholisch wie der Weltbildverlag sein Image als "katholischer Verlag" missbraucht hat. Der Verlag vertrieb Bücher mit allem, was katholischen Überzeugungen zuwider lief. Der "katholische Verein" lehnt es ab, z.B. über natürliche Empfängnisregulierung zu informieren. Der Begriff "Mutter" wird gemieden, man bevorzugt, "Frauen, die Kinder haben". Verhütungsmittel werden empfohlen. Die Haltung bezüglich Abtreibungen ist fraglich.

Mir scheint, wir brauchen eine katholische Caritas, die diesen Namen noch zu recht trägt, aber diesem Verein, der ihn in Anspruch nimmt, gehört wohl eher das "katholisch" als auch der irreführende Name "Caritas" aberkannt. Soll er sich der Verband mit neuem Namen mit ProFamilia um den einträglichen Markt schlagen.
Jetzt auch noch die Bistumsleitungen instrumentalisieren zu wollen, einer echten caritativen Laieninitiative den Boden zu entziehen, ist einfach zu ungeheuerlich.

Samstag, 19. April 2014

Zumindest hier liegt Kardinal Kasper einfach falsch

Und zwar beziehe ich mich auf seinen in der DT vom Dienstag, 15. April 2014 abgedruckten Leserbrief.

Darin vertritt der Kardinal die Meinung ein verlassener Ehepartner, der darunter litte, dass sein treubrüchiges Gemahl - als wäre nichts geschehen - seine nächste (oder vielleicht auch über- oder überübernächste) Beziehung lebt, als sei er nach katholischem Recht verehelicht (mit dem oder der Neuen) und - nach Meinung des Kardinals ruhig zur Kommunion gehen dürfe, weil das doch barmherzig sei, wenn die neue Beziehung (abgesehen von dem bestehenden Ehebruch, der irgendwie recht irrelevant zu sein scheint) doch völlig christlich lebt also, wenn dieser Verlassene das nicht gut fände, begebe er sich in die Rolle des älteren Bruders in der Geschichte vom verlorenen Sohn.

Also, mir wurde leicht übel, als ich das las. Ich hatte aber keine Zeit durchzudenken, warum sich die Aussage so falsch anfühlt, außer dass ich mit etlichen treuen Katholiken bekannt bin, die von ihren Partnern schnöde abserviert und teils mit den Kindern sitzengelassen wurden und die in der Kraft des Glaubens dennoch treu geblieben und nie eine neue Beziehung eingegangen sind. Ich hoffte erst einmal still, dass sie so einen Satz nie ins Gesicht hören werden.  Aber das lässt sich wohl nach soviel Publizität kaum noch vermeiden.

Ich versuchte also gestern einmal logisch über das Argument nachzudenken und kam zu folgendem Schluss:

Ehepartner sind keine Schwestern oder Brüder.

Sonst wäre ja auch die Ehe in keiner Beziehung gültig, mal ganz vordergründig.

Aber was ist denn z.B. ein wesentlicher Unterschied zwischen dem älteren Bruder und dem verlassenen Ehepartner.

1) Da wäre zum einen, den Bruder hat man sich nie ausgesucht. Man kann für den einfach nichts, der ist göttliche Fügung ob nun zum Guten oder Bösen. Den Ehepartner hat man sich ausgesucht, sich bewusst für diese Person entschieden.

2) Der verlorene Sohn begeht kein Unrecht gegen seinen Bruder. Er lässt sich sein Erbteil auszahlen. Das war unschön und eine Belastung für alle aber kein Unrecht. Mit seinem Bruder hat er keinen Vertrag, keine Absprache. Es geht hier um die Eltern. Den älteren Bruder mag es ärgern, aber er hat keinen Schaden.
Der untreue Ehepartner begeht ein Unrecht gegen seinen Vertragspartner. Er bricht sein Wort. Er nimmt dem andern, was diesem gehört und verfügt darüber. Er bringt den anderen in große Schwierigkeiten.

3) Als der verlorene Sohn zurückkehrt, kommt er zu seinem Vater, der dem andern Bruder sein Erbe noch nicht übergeben hat. Hätte er es übergeben, besäße er ein Altenteil, über das er verfügen könnte. Jedenfalls hätte er auch dann etwas, mit dem er seinen verlorenen Sohn willkommen heißen könnte. Er nimmt also etwas von seinem Eigentum und freut sich und feiert.
Der ältere Bruder ist verstimmt, weil er findet, dass der jüngere zu gut wegkommt und besser behandelt wird als er.

Der untreue - in neuer Beziehung lebende - Ehepartner kehrt nicht zurück. Er lässt sich mit dem, was dem andern immer noch gehört (seine Person) nieder. Er bereut nicht, dass er den andern verlassen hat. Er hat keine Intention das zu heilen. Er kommt nicht demütig und bittet da er schon als Ehepartner nichts getaugt habe, würde er gerne wie ein Diener seine verlassene Familie unterstützen und wolle damit zufrieden sein.

4) Der Vater kann dem verlorenen Sohn kein neues Erbteil aussetzen. Er kann mit ihm teilen was er hat. Er kann nicht seinem anderen Sohn wegnehmen, was diesem gehört. Der ältere Bruder muss sich damit abfinden oder seinem Bruder auch Essen und Wohnung gönnen. Sein Problem ist ja, dass er ihm das Elend gönnt.

Der verlassene Ehepartner würde in vielen Fällen seinen untreuen Partner wie der barmherzige Vater zurücknehmen. Aber er will ja gar nicht sondern hat neue Fakten geschaffen. Sie werden gar nicht um Verzeihung gebeten, sie sollen nur aus der Gleichung gelöscht werden, weil sie stören und nach Meinung des untreuen ein Fehler sind und waren.


Ich kann nur sagen verlassene Ehepartner in irgendeiner Beziehung als geistige ältere Brüder des umkehrenden Sohnes zu bezeichnen, die ihm nicht einmal ein freundliches Wort gönnen mögen,  zeigt von allem anderen als Barmherzigkeit.

(zur Ergänzung das Originalzitat:
"Ganz abgesehen davon, dass die Absolution nicht vom Ehebruch sondern von der Schuld des Ehebruchs freispricht (freispräche wäre wohl richtiger und ehrlich gesagt, ich verstehe nicht, wie man von der Schuld des Ehebruchs freisprechen will und gleichzeitig nicht vom Ehebruch), würde sich ein solcher (...) in der Ta wirklich dumm in der Rolle des brav im Hause gebliebenen älteren Sohnes im Gleichnis Jesu begeben, der dem barmherzigen Vater Vorwürfe macht, weil er dem verlorenen Sohn Barmherzigkeit zuteil werden lässt ... Wer so argumentieren würde, hat von Gottes Barmherzigkeit noch gar nicht verstanden."

Samstag, 5. April 2014

Deutsche Kirche tut sich schwer mit Laienengagement

Offenbar wird die Problematik aktuell am Umgang der Diözesen Speyer und Augsburg (eigentlich keine Hauptverdächtigen in Bezug auf Verweltlichung und Anpassung an den Zeitgeist) mit der Schwangerenkonfliktberatung von 1000plus.

Allgemein - also nicht in Bezug auf obigen Fall - formuliert ist es so:

Katholische Laien, die nicht in irgendeiner Form ein theologisches Fach mit Abschluss studiert haben, werden generell als unqualifiziert in allen Dingen betrachtet, die über untergeordnete Dienstleistungen hinausgehen. Gleich ob es um geistliches, soziales oder politisches Engagement geht, wie es scheint.

Dahingegen werden klerikalisierte Laien verschiedenster Provenienz (theologische Studien verschiedenster Art, studierte Soziologen im kirchlichen Dienst, auf hohen politischen und kirchlichen Positionen befindliche Laien unabhängig von ihrem religiösen Leben) als kompetent angesehen; ihnen ist höchste Anerkennung zuzollen, auch wenn sie sich klar gegen jeden beliebigen Glaubensinhalt oder im katholischen Glauben begründete moralische Auffassungen wenden.

Kurz gesagt: in Deutschland hat man als Katholik nur was zu melden, wenn man einen Abschluss oder einen sozialen hohen  Rang aufzuweisen hat. Die niedere Kaste der theologisch unstudierten bzw. politisch nicht-einflussreichen Laien ist stets vernachlässigbar.

Eigentlich hatten die Bischöfe im zweiten Vaticanum sich das anders gedacht:
Laien - und zwar gerade die nicht theologisch studierten Laien - sind die Fachleute in den meisten Bereichen. Wenn Sie sich dort von ihrem Glauben getragen engagieren, sollten sie seitens der geweihten Personen mit allen Kräften unterstützt und gefördert werden.

Sicher kann so eine Unterstützung und Förderung durchaus auch in Kursen bestehen, bei denen man Abschlüsse erwerben kann. Diese können sogar sehr hilfreich sein. Nur leider ist gerade die deutsche Mentalität wohl extrem in Bezug auf dokumentierte Abschlüsse. Interessant ist nicht, ob jemand etwas kann, sondern ob er ein Zertifikat vorweisen kann. Zertifikat geht immer über Können.

Diese Mentalität scheint sich auch im Fall von 1000 plus zu offenbaren:
Da haben sich - zum Teil sogar studierte (Theologie, Soziologie, Psychologie)  - Laien zusammengetan um unter hohem persönlichem Einsatz Frauen zu beraten, die wegen ihrer Schwangerschaft nicht mehr aus noch ein wissen und eigentlich oft nur möchten, dass Ihnen jemand zuhört, um ihre Gedanken und Gefühle ordnen zu können. Und dieser Dienst steht bei 1000 plus auch dann zur Verfügung, wenn die - durchaus gute Arbeit leistenden - Mitarbeiter offizieller Organisationen wie u.a. Caritas und SkF Feierabend und Wochenende und Nachtruhe haben.
Es konnte vielen Frauen geholfen werden. Etwa zwei Drittel haben sich sogar dafür entschieden, ihr Kind zu bekommen, weil ihnen die nötigen finanziellen und anderweitigen Hilfen vermittelt werden konnten.
Aber selbst die engagierteste Arbeit benötigt Geld, Spenden in dem Fall.
Man wandte sich also an die Diözesen - und wurde offenbar von einigen nicht einmal einer Antwort gewürdigt.
Kein Problem. Man bemühte sich, Multiplikatoren zu informieren, die dann zu Veranstaltungen (Info) in Pfarreien einluden. Natürlich bat man da auch um Spenden. Viele Pfarrer und ihre Gemeinden waren sehr angetan von dem, was da geleistet wurde und wollten diese Arbeit unterstützen. Ein ganz natürlicher Prozess.Man informierte sich, prüfte und befand für gut.

Was dann geschah - man kann nur darüber spekulieren. Sahen sich Caritas und SkF kritisiert? Glaubte man der eigenen Organisation gingen Spendengelder verloren? Oder war es nur die so oft in allen möglichen Dingen erfolgende Abklassifizierung, diese Leute könnten doch keine normalen Katholiken sein, wenn sie sich so einsetzen sondern seien deswegen halb unter Sektenverdacht, "evangelikal" und "katholikal" (was auch immer das ist) sollen als abwertende Begriffe (zum Schutz eigener Pfründe? aber welcher genau?) gefallen sein. Als könne man nur katholische Arbeit leisten, wenn  diese in kirchlicher Besoldung geschieht.

Tatsache ist doch, dass viele Frauen bei dieser Beratung Hilfe fanden, obwohl es parallel die Angebote von Caritas und SkF in der Diözese gab, nur dass das Angebot von 1000plus, wo vermehrt auf Internetarbeit gesetzt wird, wohl noch niedrigschwelliger angesetzt ist.
Offenbar freute es niemanden, wie vielen dort geholfen wurde.
Die obigen zwei Bistümer verboten den Pfarreien eine weitere Unterstützung - da es sich nicht um einen kirchliche Organisation handle.

Ein durchschnittlicher Laie kann das eigentlich nur noch als Bürokratie einordnen. Da hat man sich die Sache angesehen, selbst der Pfarrer fand es gut und einwandfrei und es machte Freude, das Gute zu unterstützen und die Pfarrei war der natürlich Ort dafür, wenn man katholisch war, aber es darf nicht sein. Verstehen kann man es nicht wirklich. Extrem weltfremd könnte man sagen.

Wer sagt denn eigentlich, dass die katholische Kirche in regionaler Ausprägung sich nicht hinter eine Initiative stellen darf, die in allem ihren Glaubenssätzen entspricht aber nicht von kirchlichen Gremien und Behörden selbst initiiert wurde?
Dieselbe merkwürdige "wenn-es- nicht-von-uns-kommt-kann-es-nicht-gut-sein- und-falls-doch-auch-egal- wir-machen-selbst-was"-Haltung zeigte sich ja auch schon in Bezug auf die Bürgerinitiative Einer-von-uns, die in Deutschland fast gescheitert wäre, hätten sie dann nicht doch noch etliche Bischöfe befürwortet (die Bischofskonferenz lehnte zuvor jede Unterstützung ab).

Sonntag, 19. Januar 2014

Drahtseilakt Familiensonntag mit Bauklötzen

Heute ist also Familiensonntag (hab es gerade nachgesehen), vorgegebenes Thema "Drahtseilakt Ehe". Auf dem Kirchenzettel stand das nicht.
Was da stand war ganz harmlos "Familiengottesdienst" - und ich hatte ja nicht draufgeguckt aber manchmal gehen die.
Was nicht da stand war, dass der Gemeindereferent die angehenden Kommunionkinder dazu geladen hatte. Von denen etwa die Hälfte fehlte, weil die einen im Kino wegen Kindergeburtstagsfeier und die andern auf einem Fussballspiel waren (die für Kinder sind oft sonntagvormittags).

Es war NICHT der grausigste Gottesdienst, in dem ich je war; das war vor vielen Jahren der, nachdem einer der Veranstalter meinte, nach dem Chaos jetzt , wäre es doch nett noch einen richtigen Gottesdienst zu haben.
Es war noch nicht einmal einer der nächstschlimmsten sondern einer aus der großen Gruppe danach, dem Verfolgerfeld.

Als mich 10 min vor Beginn die Geräuschkulisse traf wusste ich, dass ich einen Fehler gemacht hatte, aber es war zu spät.
Eröffnung: "Aufstehn! Aufeinander zugehn!" - kann sein, dass die Ausrufezeichen nicht im Liedtext standen, es gab nicht genug Zettelbücher (illegal kopiert) für alle. Wer hält sich in den Gemeinden schon an die Vorschriften der GEMA.

Die Befehlskette ging weiter: "Lasst uns miteinander!" statt Gloria.
Später "Zieh den Kreis nicht zu eng!"
Kurze Info, dass Familiengottesdienst, man aber den Drahtseilakt Ehe in einen Balanceakt Familie verändert habe.
Statt Predigt Transport eines Klötzchenturms von vier Jungen, bis der an 3 Stufen zusammenstürzte mit Kommentar des Gemeindereferenten.

Statt Agnus Dei "Da berühren sich Himmel und Erde". Nichts gegen das Lied, aber es ist kein Agnus Dei, nicht einmal ein Substitut von Friedenslied.
Und da die Kommunionkinder da waren fehlte natürlich wieder das Zwischengebet beim Vaterunser, die dürfen damit einfach nicht belastet werden, vermute ich.

Bin dann beim Schlussbefehlslied vorzeitig gegangen. Schon eine reife Leistung mit zwei Ausnahmen nur Apell-Lieder zu singen.
Und dann kriegen gewisse Leute Gehorsamsaversion. Man kann es fast verstehen.


Dienstag, 7. Januar 2014

Die Sache mit dem, was wer versteht, wenn der Papst etwas sagt

Das hier wollte ich schon länger schreiben. Denn hier geht es noch nicht einmal um eine freundlich gemeinte Äußerung des Papstes, der allzu strenge Geistliche in Argentinien meint, die es in anderen Ländern so gut wie gar nicht gibt, nein, es sind die Notizen für seine Ansprache vor dem Konklave.

Die interessanterweise auch missverständliche Stelle, auf die ich stieß, war diese: "Evangelisierung setzt apostolischen Eifer voraus. Sie setzt in der Kirche kühne Redefreiheit voraus, damit sie aus sich selbst herausgeht."

Wir sollten den Text in einer Gruppenarbeit durchgehen; anwesend waren Vertreter verschiedener kirchlicher Gruppierungen.

Mein Ergebnis bei dieser Passage war: "Wir müssen lernen, wieder mutiger über das Evangelium zu sprechen, auch da, wo man meint es nicht hören zu wollen. Das braucht Eifer, weil es Widerstände gibt."
Ja, das lese ich da.

Nun gab es aber auch eine Reihe kirchlicher Angestellter unter den Vertretern und die verstanden da etwas völlig anderes, nämlich: "Es muss endlich Schluss damit sein, dass wir als kirchliche Angestellte nicht unsere der Lehrmeinung widersprechende Meinung offen äußern können, ohne um unseren Job fürchten zu müssen. Der Papst will das endlich ändern und so die Freiheit des Evangelium verwirklichen."

Kein Witz. Keine Satire. Als ich und noch jemand unsere andere Auffassung vortrugen, wurden wir verwundert angesehen. Aber es sei doch eindeutig, der Papst wolle, Schluss machen mit der unsinnigen Diktatur kirchlicher Lehrmeinungen, die Leute wie sie quasi zum Heucheln auf ihren Stellen zwängen.

Wenn ich daran zurückdenke, fällt mir nur noch die Bibelstelle ein von denen, "die hören und doch nicht hören, sehen und doch nicht sehen", weil sie in ihren Denkschemata völlig verhärtet sind und der Heilige Geist keine Chance hat, da durchzukommen.

Und, nein, das waren keine schrecklichen Leute. Die waren ganz nett, so für sich und meinten es gut. Sie stecken nur in diesem Denken fest.

Freitag, 22. November 2013

Fremdschämen als Hobby?

Elsas Beitrag bizarr und noch bizarrer kann ich mich nur anschließen.

Wenn ein (nominell) protestantischer Christ aus seiner Kirche austritt, weil nach diversen (bisher unbewiesenen) Behauptungen ein katholischer Bischof möglicherweise katholische Stiftungsgelder für Baumaßnahmen an seinem Sitz umgewidmet hat und er einem Journalisten in die Falle lief, der ihm dann eine Klage anhängte, die das Gericht aber regelte, ohne es zum Prozess kommen zu lassen, dann

- hat dieser (irgendwann einmal getaufte aber wohl eher nicht praktizierende) protestantische Christ so wenig Ahnung von seiner protestantischen Glaubensgemeinschaft, dass er vielleicht auch ausgetreten wäre, wenn der BVB das nächste Spiel verliert oder weil der Flughafen Tegel monatlich Millionen Geld verliert oder warum auch immer. (Man kann das auch schlicht Dummheit und dumme Vorwände nennen.)

oder

- dieser (wie auch immer) protestantische Christ vermutet und hat Hinweise darauf, dass in seiner eigenen Kirche mit dem Geld nach seiner Meinung falsch umgegangen. Die Presseberichterstattung hat ihn noch einmal daran erinnert und er hat seine Konsequenzen gezogen.

oder

- dieser bisher landeskirchlich protestantische Christ hat schon lange eine Freikirche entdeckt, in der ihm leider auch oft gesagt wird, die Großkirchen taugten sowieso nichts und macht wegen dem scheinbaren Beweis für die These Nägel mit Köpfen.

Also Dummheit oder Konsequenzen von Fehlern oder Entwicklungen in den protestantischen Kirchen.

Ich sehe nicht, warum ein katholischer Bischof (Ackermann) sich deshalb als katholischer Bischof schämen müsste.
Ist er für die Dummheit verantwortlich?
Hat er Informationen über Fehlverhalten in der protestanischen Kirche geliefert, was den Austretenden zu seinem Schritt brachte?
Ist er ein geheimer Katharer, der meint, wenn ein Kirchenmitglied Fehler mache, rechtfertige das die Annahme einer Kollektivschuld in der der Fehler begangen wurde?
Ist er vielleicht irgenwie des logischen Denkens nicht fähig?

Kein von seinem Glauben Überzeugter tritt aus seiner Glaubensgemeinschaft aus, wenn irgendjemand gegen die Regeln von denen er überzeugt sein sollte, verstoßen sollte.
Man wünscht sich höchstens, der so gegen die eigenen Regeln Verstoßende möge zur Einsicht kommen und entweder umkehren oder gehen.

Für protestantische Gemeinschaften jedoch ist es von Anfang an typisch, dass bei jeder Unstimmigkeit, eine Gruppe oder Einzelne austreten und eigene neue Gemeinschaften bilden oder ganz individuell ihren eigenen Weg verfolgen.
Darum gibt es ja (was neuerdings auf protestantischer Seite begrüßenswert genannt wird) Hunderte, ach was Tausende protestantische "Kirchen"/Gemeinden, die keinerlei echte Verständigungsbasis finden können.
Wohingegegen es nach wie vor eine römisch-katholische Kirche gibt.

Entschuldigt sich Ackermann also etwa, dafür dass Protestanten nun ja Protestanten sind und ihren Protest durch Bruch und Austritt zum Ausdruck bringen?
Dann warum?



Sonntag, 13. Oktober 2013

Fakten und Machinationen

Die FAZ hat diese freundlicherweise hier zur Verfügung gestellt. Eher nicht zu den Fakten sondern in die Polemik gehört der Begleittext.

Wie zahlreiche der Leseranmerkungen feststellen, wurde hier durchaus kein Geld verschwendet, sondern in ein Bauwerk investiert, das in Endsumme wohl mehr wert ist, als die neuen Investitionen. Zudem wurden keine öffentlichen Gelder verschwendet, auch keine Kirchensteuergelder. Sondern alle Mehrkosten trug das Bistum aus seinem Vermögen, dass es durch diese Baumaßnahme quasi umschichtete. - Man beachte ja, die Gelder sind nicht in Spekulationen verloren gegangen, sondern haben einen Gegenwert erkauft. Offenbar konnte das Bistum es finanziell stemmen, denn es scheint auch des neueren nicht verschuldet zu sein.
Anklagen, diese und jene Pfarrkirche habe die Gelder nötiger gebraucht, gehen am Sachbestand vorbei. Pfarrkirchen werden eigentlich so gut wie nie aus Bistumseigentum finanziert. Dazu gibt es das sogenannte Kirchengut in den Pfarreien, und aus der Kirchensteuer und evtl. anderen Quellen werden solche Bauvorhaben bezuschusst. Das Bistum wiederum hat kein Geld verloren sondern in seine Immobilien investiert und den Wert, wie es scheint, erhalten.

Ein Faktum war auch, dass der Bischof von Limburg nicht bereits gestern nach Rom flog. Ob da sein Büro geschickt vorging und falsche Daten von einer undichten Quelle durchsickern ließ, bevor es umbuchte, kann niemand wissen. Die versammelte Meute wartete gestern vergebens.

Kein Faktum ist, was die Berichterstattung daraus machte. Da wurde kühn in die Welt gesetzt, aus Rom habe man dem Bischof beschieden, er dürfe erst dorthin reisen, nachdem man seinen Fall mit Kardinal Zollitsch abgeklärt habe, der natürlich nur deswegen nach Rom fährt. Denn inzwischen habe sich jeder inklusive dem Erzbischof Müller in Rom von ihm abgewandt.
Tja, dann flog der Bischof heute nach Rom. Die wilden Spekulationen waren fehlgegangen, aber was setzt sich in den Köpfen fest?

Mein Vater, der sich zum Leidwesen meiner Mutter, gerne darin ergeht, jede Beschuldigung gegen den Limburger Bischof zu glauben und weiterzugeben (nein, sie wohnen nicht in der Diözese), berichtete mir die wilde Story vom Flugverbot aus Rom. Ich meinte, das sei Unsinn und dass der Bischof von Freiburg in Rom wohl eher erklären müsse, was sich sein Seelsorgerat da an Kirchenspalterischem geleistet habe. Die Glaubenskongregation greift ja selten so schnell ein. Ach was, meinte mein Vater, der Zollitsch habe da doch nur das durchgeführt, was der Papst angeordnet habe. - Wie bitte?, meinte ich. - Aber klar doch, der Franziskus habe doch selbst gefordert, dass wiederverheiratete Geschiedene zur Kommunion zugelassen werden sollten. Er wisse es genau, im Fernsehen hätten sie das oft gesagt.

Wieder ein Beleg, wie hier das Fernsehen massiv manipuliert und Unwahrheiten verbreitet und ein dringendes Signal, dass klare unmissverständliche Worte aus Rom sehr dringend am Platz wären.

Donnerstag, 10. Oktober 2013

wie das Vertrauen schwand

(ja, ich existiere noch :) )

Ich höre heute mitunter, dass die Menschen sagen: Wir haben manchmal den Eindruck, dass die Verkündiger, auch wenn sie eine Mitra tragen, sich gleichsam entschuldigen, wenn sie den katholischen Glauben in aller Konsequenz verkünden. Es fehle ihnen das nötige katholische Sendungsbewusstsein, das aus einer vitalen Überzeugung der Glaubenswahrheit fließt. Es wird uns mancherorts nachgesagt, dass wir Bischöfe noch nicht einmal in Grundfragen von Glaube und Leben eine Einheit bilden. Ich will hier niemanden anklagen und halte mir selbst diese Predigt.
Predigt von Joachim Kardinal Meisner bei der DBK Sept. 2013

Der obige Absatz, war mir Anlass dafür, darüber nachzudenken, seit wann ich die Aussagen eines Bischofs erst daraufhin studiere, ob sie mit dem kirchlichen Lehramt übereinstimmen, statt ihnen zu vertrauen, weil es die Aussagen eines Bischofs sind.

Ich erinnere mich noch, vor 25 Jahren (ich bin mittlerweile 47) hielt ich es für selbstverständlich, dass ein Bischof treu zu Rom und dem Papst sei und verlässlich verkündigt, was dem (damals irgendwie in keiner Ausgabe aufspürbaren aber irgendwo vorhandenen) Katechismus entspreche.
Ich fand es als Jugendvertreter im Pfarrgemeinderat sehr hässlich, als der Gemeindereferent über den Bischof wegen dessen mutmaßlicher Romtreue herfiel. - Ähem, sollte ein Bischof nicht gegenüber dem Papst loyal sein????
Ich war der Überzeugung, in einigem nicht mit der katholischen Lehre ganz übereinzustimmen. Aber das war mein Problem und natürlich erwartete ich, dass offizielle Vertreter der katholischen Kirche auch deren Überzeugungen mir und anderen gegenüber vertreten.

Heute ist es leider so (ich finde es wirklich schrecklich, aber es ist so), dass ich, wenn ich lese, ein Bischof habe sich so oder so geäußert, erst einmal gar nichts glaube und wenn mir bei seinen Aussagen Bedenken kommen, weil sie meiner Erinnerung nach päpstlichen und vatikanischen Dokumenten der letzten Jahrzehnte zu widersprechen scheinen, erst einmal in den entsprechenden Quellen bzw. dem wieder existenten Katechismus nachschlage und des öfteren mit einem gewissen Magengrimmen feststelle, dass ich diesem und jenem Bischof ganz bestimmt nicht mehr vertrauen werde, wenn er sich zur Umsetzung des Glaubens im christlichen Leben äußert. Bei einigen Bischöfen ist es mittlerweile soweit, dass ich überrascht bin, wenn sie tatsächlich etwas mit der katholischen Lehre Übereinstimmendes sagen, das nicht zweideutig ist und mutmaße, dass die Aussage wohl aus irgendwelchen taktischen kirchenpolitischen Gründen gemacht werde. - Das ist übel. Aber so ist das.

Der Prozess zwischen den beiden Positionen war ein schleichender. Ich versuche mich an Stationen auf dem Weg von Punkt A zu Punkt B zu erinnern, und es findet sich kein einschneidendes Erlebnis.

Die erste Station könnte gewesen sein, als ich in eine mittlere Führungsposition eines Jugendverbandes geraten war und dort mit Meinungen und Absichten konfrontiert wurde, die - euphemistisch ausgedrückt - sehr problematisch waren (Abschaffung der Marienverehrung, Aufklärung der "von Rom verdummten Leute" darüber dass die Dogmen falsch seien, Irrelevanz der Eucharistiefeier usw.). Und der vom Bistum bezahlte Referent förderte all das und bemerkte, wie er die im Ordinariat hinters Licht führe, indem er konservativere Positionen mime. - Das Bistum hat das alles finanziell unterstützt.

Da waren die zahlreichen Fälle, in denen der Pfarrer sich über kirchenrechtliche Anordnungen hinwegsetzte, und mir andere erzählten, dass Rückfragen deswegen beim bischöflichen Ordinariat sinnlos seien, denn "denen sei doch alles egal", man handle sich da nur Abfuhren ein.

Und dann kamen irgendwann gehäuft die Zeitungsberichte, in denen sich Bischöfe mehr oder weniger deutlich gegen den Papst positionierten, mit großer Öffentlichkeit Sonderwege propagierten, sich von der Presse feiern ließen.

Und dann so einige Skandale, in denen sich selbst Bischöfe in ihrer persönlichen Lebensführung kompromittiert hatten.

Dass man einem Pfarrer in Glaubensaussagen oft nicht vertrauen kann, wusste ich, seit ich sechzehn war. Damals hatte der unsrige über all das gepredigt, was er nicht glaubte und sich damit auf immer von der Liste der Leute gestrichen, die ich hätte befragen können, wo ich selbst nicht wusste wohin. - Aber irgendwann im Lauf der 25 Jahre kam ich zu der Ansicht, dass Bischöfe gewöhnlich genau so unzuverlässig sind. 

Vielleicht war am ausschlaggebendsten die allgemein praktizierte Illoyalität: das schlechte Reden über Mitbrüder und Bischöfe und Papst, das Unterschlagen (im Sinne von einfach ignorieren oder höchstens ablehnend erwähnen)  von Informationen, die von Rom her kamen, die nicht existente Verkündigung in der Katechese, manchmal sogar die Verkündigung von den Lehramt widersprechenden eigenen Meinungen, ohne die abgelehnte Meinung ausreichend und mit ihren Begründungen darzustellen. Die entschlossene Verteidigung der eigenen Position und das Fallenlassen aller, die die eigene Position gefährden könnten. Das Buhlen um den Applaus der Presse, die ja nun wirklich kaum Richtschnur für christliches Handeln sein kann.
Illoyalität gegen die demjenigen Anvertrauten, die irregeführt werden, gegen die Gleichgestellten, die im Stich gelassen werden, gegen die Übergeordneten, deren Autorität untergraben wird, gegen Jesus selbst, den sie allen repräsentieren sollten in ihrer Hirtenaufgabe.

Ich denke, der einzige Weg, mein Vertrauen wiederherzustellen, wäre praktizierte, öffentlich und nicht-öffentlich gelebte Loyalität. Loyalität, die auch bei differierender Meinung eingehalten wird. Loyalität heißt ja nicht, seine eigene Meinung aufzugeben, sondern sie im Zaum zu halten. Loyalität hieße zumindest, die Meinung des andern klar darzustellen, ohne Abwertungen, und dann die Abweichung der eigenen Meinung zu begründen.
Jedoch denen, die des öfteren demonstrieren, wie illoyal sie sind, indem sie anderen, denen sie eigentlich Loyalität schulden, in den Rücken fallen, kann weder ich ganz vertrauen noch sonst jemand.

Jemand, der loyal ist, mag Fehler machen, aber er verdient auch dann Loyalität. 


Mittwoch, 12. Juni 2013

Der Niedergang von Giganten

ist kein schöner Anblick. Jedenfalls nicht, wenn man auch den Giganten anderer Meinung und Überzeugungen die Wertschätzung nicht versagt.  Man mag erleichtert sein, wenn eine große Persönlichkeit, mit der man nicht übereinstimmen konnte oder wollte, nicht mehr über die Macht verfügt, alles mehr oder weniger nach ihrem Willen zu lenken. Aber es stimmt traurig, wenn so ein ehemaliger Gigant auf seinem Feld weitgehend ungeschlagen anfängt, sich selbst immer mehr zu demontieren und sich zu schaden, ohne es selbst zu erkennen und seinen eigenen Niedergang an die Öffentlichkeit trägt, ohne sich darüber klar zu sein. Einen ehemals großen Protagonisten ehrlich bezwungen zu sehen, könnte erfreuen, aber Zeuge seines Verfalls zu sein, stimmt traurig.

Das sind die Gedanken, die mir kommen angesichts der jüngsten Äußerungen von Kardinal Lehmann auf dem Eucharistischen Kongress in Köln. Kardinal Karl Lehmann, zwei Doktor- und ein Professorentitel, einstmals brillant in seinen analytischen Fähigkeiten und seiner Kapazität, Sachverhalte zu erfassen und so darzustellen, dass niemand die Filterung und geschickte Steuerung der Informationen wahrnahm, ein exzellenter Dialektiker, ein Theologe mit enormem Wissen.
Mich haben seine Thesen zwar nie gewinnen oder überzeugen können, aber der Virtuosität, wie das ein oder andere vorgetragen oder umgesetzt wurde, zolle ich doch einen gewissen Respekt. Wenn auch nicht freudig.

Jetzt aber denke ich, der einstige Meister vieler Klassen hat den Überblick verloren, seine Fähigkeit, die Lage klar einzuschätzen und das Urteilsvermögen darüber, wann etwas benannt werden solle oder wann es besser ist zu schweigen.

Zwei Themen wurden in einer DNA-Meldung benannt, Äußerungen zur lateinischen Messe „im Tridentinischen Ritus“ und zur korrekten Übersetzung der Wandlungsworte.

Zum einen soll sich der Kardinal gegen vermehrte Feiern der lateinischen Messe „im Tridentinischen Ritus“ gewandt haben: „Ich habe den Eindruck, die ganze Begeisterung für das Latein hat viel mit Prestige und falschen Vorspiegelungen einer vermeintlichen Kulturelite zu tun.“ Er halte „ein stärkeres Nebeneinander beider liturgischer Formen heute nicht für sinvoll, auch weil es nicht von unten gewachsen ist.“
Ich frage mich, gegen welche Windmühlenflügel er überhaupt kämpft hier und wen er damit zu vertreten meint. Vielleicht geht es um elitäre Kreise, in denen auch er schon lange lebt, gegen die er möglicherweise lange opponierte und die weit weg sind vom Alltag jedes Durchschnittskatholiken.

Ich muss aus meiner Erfahrung sagten, dass bei allen Leuten, die ich kenne, die Präferenz für den „außerordentlichen“ Messritus rein gar nichts mit Prestige und Kulturelite zu tun hat. Das sind alles ziemlich einfache Leute, deren Lateinkenntnisse sehr mager sind und bei deren Denken die Kultur keinen so überhöhten Stellenwert hat. Sie versuchen Halt für ihren Glauben zu finden, wollen vielleicht Erbauung durch die die Sinne mehr ansprechenden Formen und einfach die organische Einheit mit der Kirche in allen Zeiten bewahren. Es mag auch andere geben, aber das sind die Leute, die ich kenne.
Ich selbst mag von der Ausbildung her „Elite“ sein, Kulturelite bin ich bestimmt nicht, mein Latein ist maximal mittelprächtig, was daran liegt, das ich die Sprache einfach mochte. Und Prestige? Man muss sich jede Menge dumme Sprüche und Unterstellungen anhören, wenn man Latein schön und den älteren Ritus ansprechend finden, Prestige in Zusammenhang damit kenne ich nicht.
Ich komme auch selten in so eine Messe, was daran liegt, dass das Angebot dafür mager ist. Die drei Gelegenheiten, die ich kenne, verlangen a) sehr frühes Aufstehen und 30 km Fahrt; b) gut 50 km Fahrt; c) 15 km Fahrt und eine verheerende Parksituation, die einem alles verleiden kann. Also gehe ich normalerweise in die oft unsägliche Gemeindemesse zuhause und wünsche mir tatsächlich ein besseres Angebot.

Wie soll denn unter solchen Bedingungen etwas „von unten wachsen“? Das ginge ja nur, wenn man eine echte Möglichkeit hätte, mit „den Füßen abzustimmen“. Außerdem, was ist denn an den derzeitigen Messzuständen „von unten gewachsen“ – die werden doch von oben (von Kommissionen, Theologen, Pfarrern und vollamtlichen Laien)  schon seit Jahrzehnten aufoktroyiert. Gewachsen war die alte Form, die neue wurde synthetisiert in einem Labor weitweg von allen von Gläubigen gefeierten Messen. Und soll die Messe überhaupt „von unten wachsen“? Ist sie nicht „von oben gewachsen“ in ihrem Einmünden in die himmlische, die „göttliche“ Liturgie, wie sie auch in der Offenbarung beschrieben wird. Das Zusammenmünden des Gottesdienstes der Engel und der Menschen?

Von einem Bischof und Kardinal hätte ich qualifiziertere Äußerungen erwartet.


Das zweite Thema war die korrekte Übersetzung der Wandlungsworte, die in ebendieser korrekten Form wohl demnächst in allen Gesangbüchern und Messbüchern stehen werden. Hier schlug der Kardinal anscheinend vor, man solle auch weiterhin im Widerspruch zum dann gültigen Messbuch die falsche und interpretierende Übersetzung der Worte Jesu nehmen, die uns in den letzten Jahrzehnten vorgetragen wurde, da deren Sinn doch auch theologisch legitim sei (wäre er es nicht, hätte es sich ja auch nur um ca. 40 Jahre Häresie ausgerechnet bei den Wandlungsworten gehandelt, was nun tatsächlich sehr bedenklich wäre).

Ich frage mich nur, möchte der Redner hier ernsthaft spalten oder quertreiben, wenn er versucht sich in Opposition zur korrekten Übersetzung weltweit zu stellen? Warum kann er nicht auch einfach die Einheit wahren? Hängt er so an einer favoritisierten Position, dass er nicht mehr sieht, dass sie sie nur eine kleine Scholle Eis ist, die dabei ist, sich im Wasser aufzulösen, auch wenn sie noch auf den Wellen tanzt? Will er sein Bistum in Verwirrung stürzen, indem er ihm eine Sonderliturgie geben will? Merkt er nicht, dass er sich mit solchen Äußerungen geradezu lächerlich macht?


Gleich wie man zu ihm stehen mag, er war einmal eine Art Gigant – und jetzt tut er mir irgendwie leid, dass niemand ihn davor bewahrt, sich zunehmend zu einem Anrenner gegen Windmühlenflügel zu machen.

Mittwoch, 1. Mai 2013

Die Bedeutung der Fußwaschung

kann ich hier nicht umfassend abhandeln. Denn es handelt sich um ein äußerst symbol- und aussagekräftiges Handeln Jesu kurz vor seinem Tod, das uns im Johannesevangelium überliefert ist. Vor dem, was er seinen Aposteln noch einmal konzentriert in Worten näherbringt, während die Zeit viel zu knapp ist, steht diese Handlung, Teil seines Testamentes für seine Jünger. Ein Handeln, das auch seinen Auftrag mit untermalt, den er kurz darauf gibt: "Liebt einander wie ich euch geliebt habe."

Es ist schon oft gesagt und dargelegt worden, also nur kurz zusammengefasst: Die Füße, die vorher gewöhnlich nackt in Sandalen steckten und vom Weg auf den damals weder asphaltierten noch betonierten Straßen gewöhnlich sehr schmutzig waren, zumindest von Staub, möglicherweise auch mit Unangenehmeren, wusch sich selbst oder man hatte Bedienstete und Bedienstete hieß damals meistens Sklaven, die das erledigten.
Jesus also besteht darauf, diesen unangenehmen Dienst für seine Freunde zu tun. Er sagt, es sei nötig, ohne das näher zu erläutern und zwar dazu, um in dieser Freundschaft zu bleiben. Petrus zumindest ist zuerst entsetzt, dass sein geliebter Freund und Meister das tun will. Aber nach dessen kurzer Begründung, würde er sich gerne noch mehr Körperteile waschen lassen, um noch mehr zu ihm zu gehören. Simple Logik einfachen Denkens. Jesus lehnt ab. Er sagt, es genüge, die Füße zu waschen.

Manche Reformer der Liturgie favoritisierten sogar, man solle die Fußwaschung in jeder Feier der heiligen Messe praktizieren, weil sie so gut verdeutliche, dass der Auftrag Jesu immer auch ein Auftrag ist, anderen zu dienen und weil dies eine Grundsäule des christlichen Lebens ist. Das wäre voraussichtlich auf Widerstände bei den Gläubigen gestoßen, man hat das also dann doch nicht umgesetzt. - Ich will mit damit verdeutlichen, dass die herausragende Bedeutung der Fußwaschung eigentlich keinem ernsthaften Katholiken völlig verborgen ist, ganz unabhängig davon ob man ihm ein Etikett mit konservativ oder progressiv oder was auch immer anhängen möchte.

Nun hat Papst Franziskus bei der Fußwaschung am Gründonnerstag dieses Jahres sich veranlasst gefühlt, ein bisschen mehr zu machen, als das, was der Herr Jesus getan hat, und hat - mir ist nicht bekannt ob mehrfach, bei jedem oder einmal - auch zu waschende oder gewaschene Füße geküsst.
Ich gehe davon aus, dass das eine ganz genuine Regung war zu verdeutlichen, wie wertvoll Jesus jeder dieser Menschen ist und dass er auch vor so etwas nicht zurückgescheut wäre.
Ich persönlich meine, es wäre besser gewesen, das zu tun, was Jesus getan hat, nämlich die Füße waschen und nicht auch noch Köpfe (was ja nicht geschehen ist) und zusätzliche Bezeugungen der zärtlichen Liebe der  Herrn zu geben, die dieser so nicht selbst getan hat. Es empfiehlt sich einfach generell, vom Evangelium nichts wegzunehmen und nichts hinzuzufügen.
Und wie man sieht, hat es für einige ja gleich auch ganz verheerende Folgen gehabt, zum Beispiel bei der Vizepräsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Frau Lücking-Michel. Die arme Frau konnte dabei offenbar nur noch assoziieren: Küsse = Sex = Papst Franziskus lehnt die bisherige Sexualmoral der katholischen Kirche ab und demonstriert Unverklemmtheit.

Vermutlich können dem Gedankengang einige nur mit größerer Mühe folgen. Ich auch.
Beim Füßewaschen denkt eigentlich keiner an Sex. Ausnahmen mag es geben. Also müssen es die Küsse gewesen sein. Diese Geste ganz tiefer Verdemütigung wurde dann gar nicht als solche erkannt sondern offenbar erotisch interpretiert und aus dieser mutmasslich (in der Phantasie des einen oder anderen dazu gewordenen) erotischen Handlung im Gottesdienst sprossen dann gleich recht wilde und abenteuerliche Thesen, die Frau Lücking-Michel dan auf der Vollversammlung des ZdK zum besten gab.
Möglicherweise um von der mangelnden logischen Konsequenz solcher Folgerungen abzulenken, dachte sie sich dann noch eine höchste seltsame Geschichte aus, ausgerechnet Papst Benedikt XVI - der doch besonders hohen Wert auf eine korrekt gefeierte Liturgie legte - habe etwas bisher nicht Dagewesenes getan, sondern statt Füße zu waschen, besockte Füße mit etwas Weihwasser besprengt. Das offenbar mit der Gründonnerstag wenig - oder vielleicht doch - vertraute Publikum des ZDK soll diesen hanebüchenen Blödsinn dann mit Amüsiertheit beantwortet haben. Genau weiß man es ja nicht: lachten sie über den vorherigen Papst, weil sie das tatsächlich für wahr hielten? Oder lachten sie über die Rednerin, die derartigen Stuß von sich gab? Man könnte ja das erstere hoffen Dann müssen entschiedene Gegner von Frau Lücking-Michel ihre peinliche Aussage auf der ZDK-Seite der Öffentlichkeit zugänglich gemacht haben, um sie endgültig zu brüskieren oder ist da wirklich niemand bei den Verantwortlichen des ZDK, denen klar war, wie oberpeinlich das Ganze für sie selbst sein könnte? Weil Papstmessen, Liturgie und das Johannesevangelium für sie so weit weg sind, dass ihnen gar nicht mehr auffällt, wenn jemand kompletten Unsinn daherredet?

Ja, dann verwundert es natürlich nicht, dass jemand wie Frau Lücking-Michel auch noch Vizepräsidentin dieses Gremiums ist, bei dem leider immer noch viele meinen, es repräsentiere die Katholiken Deutschlands. Leider unterstützt die DBK diesen Irrtum durch den Zuschuss reichlicher Gelder aus der Kirchensteuer für diesen dubiosen Verein, der vorspiegelt etwas zu sein, das er in keiner Weise ist. Und dann verwundert es auch nicht, dass nach so einem Vorfall Frau Lücking-Michel nicht ganz schnell von den repräsentativen Pflichten dort entbunden wird; sie repräsentiert damit ja anscheinend tatsächlich die dort Versammelten.

Da hilft auch keine Entschuldigung, sie habe sich im Ton vergriffen und nicht vorgehabt Papst Benedikt XVI in irgendeiner Weise herabzuwürdigen. Ersteres könnte man noch glauben, tragbar wäre es in ihrer Position dennoch nicht. Zweiteres kann man eigentlich nur eine glatte Lüge nennen: aus welchem Grund sonst erzählt man denn öffentlich eine Lüge über jemanden, die diese Person lächerlich macht?

Gut, wenn die Masken dort einmal so öffentlich fallen.


Sonntag, 16. Dezember 2012

Wo die besseren Argumente liegen, muss nicht polemisiert werden

Das was die Kirche zu Sexualität mit sehr guter Begründung - auch wenn die leider den normalen Pfarreimitgliedern weitgehend unzugänglich und unbekannt sind, weil es an geeigneten Katechesen vor Ort fehlt, bzw. das überhaupt nicht in kirchlichen Publikationen in geeigneter Weise thematisiert wird - zu Sinn und Unsinn von Sexualität zu sagen hat, wird großflächig und weitgehend auch von den eigenen Kirchenmitgliedern ignoriert. Wobei ignorare das Schlüsselwort ist, sie wissen es oft einfach nicht besser, und es bräuchte viele, wiederholte und geduldige Verkündigung um die komplexen Zusammenhänge einsichtig zu machen.

Schön ist es nicht, aber jede Menge Getaufte praktizieren mit bestem Gewissen die verschiedensten Formen von Sexualität außerhalb der Ehe bzw. nehmen rein routinemäßig Verhütungsmittel, die ohne Ausnahme hin und wieder für die eine oder andere Frühabtreibung sorgen; nach der vorsichtigsten Statistik, die von 3 Promille Zutreffwahrscheinlichkeit ausgehen, gibt es genauso viele Frühabtreibungen durch hormonelle Verhütungsmittel wie Abtreibungen, die als solche wahrgenommen werden, die Dunkelziffer könnte deutlich höher liegen.

Zwischen dem was katholische Lehre ist und dem was die meisten praktizieren klafft ein Abgrund. Aber es ist den meisten recht egal, denn sie machen sowieso was sie wollen. Sie hätten zwar gerne, dass die Lehre so abgeändert wird, wie es für sie am genehmsten ist, aber es ist nicht ungeheuer dringlich, da die Diskrepanz nur manchmal vage Schuldgefühle oder gelegentlich Empörung über soviel "Unwissenheit in Sachfragen" (die aber leider auf der eigenen Seite zu finden ist) hervorruft.

Jetzt plötzlich aber macht eine der vielen Gruppen, die in Diskrepanz zur katholischen Lehre leben, woran sie ja in keiner Weise gehindert wird durch die völlige Minderheit von ca. 5% Katholiken in Deutschland, die sich intensiv mit ihrem Glauben beschäftigen, eine gewaltige Treibjagd auf den Papst und alles, was sie hierzulande als ihnen gegenüber feindlich einstuft. Wobei das Feindliche darin besteht, dass die "Gegner" eine andere Meinung haben, genauer gesagt einen Glauben, der eben etwas anderes glaubt als sie selbst.

Warum die extreme Aggression? Warum müssen diese maximal 5% der Bevölkerung mit aller Macht zum Schweigen gebracht werden? Warum wird hier die Religionsfreiheit und die Meinungsfreiheit massiv angegriffen? Warum wird eine Minorität massiv diskriminiert, angeblich um eine Diskriminierung zu bekämpfen, die in Wahrheit eine Meinungsverschiedenheit ist?

Die Lösung kann nur sein: Die Minderheit verbalisiert etwas, das die Mehrheit auch empfindet aber nicht verbalisieren kann, und die Minderheit hat Argumente, die die Mehrheit übernehmen könnte, wenn sie eine Chance erhielte sie zu Gehör zu bringen. Also muss die Minderheit mundtot gemacht werden. Durch übertriebene Anschuldigungen, durch Drohungen, durch Beschimpfungen. Durch Verletzung der Meinungsfreiheit. Durch was auch immer.

Das Kampffeld heißt: Definition der Ehe und dazugehöriges Adoptionsrecht.

Die Argumente scheinen völlig auf Seiten der katholischen Kirche zu liegen, denn nichts anderes kann der Grund sein für einen Angriff, der hauptsächlich auf Emotionalität setzt, mit falschen Behauptungen arbeitet und darauf setzt, dass in Deutschland inzwischen jeder beim Begriff "katholische Kirche" nur an Negatives denkt. Und darauf, dass die deutschen Bischöfe  bei jedem "öffentlichen" Widerstand leider die Gewohnheit haben, mehr oder weniger einzuknicken und den Weg des geringsten Widerstandes zu gehen. Selbst wenn der Löwe, der da brüllt, ihnen eigentlich gar nichts anhaben kann. In diesem Falle dürfte man sich allerdings verrechnet haben, die in Frage gestellten Dinge gehen an die absolute Glaubenssubstanz.

Allerdings - wird die deutsche katholische Kirche es tatsächlich fertigbringen, die eigene Glaubenslehre in ausreichender und verständlicher Form so darzulegen, dass ihre Argumente verstanden werden können? Oder wird man sich weiter in inneren Grabenkämpfen über dies und jenes zerfleischen?

Ungefähr so wie als die Türken vor Wien standen und mit dem Fall der Stadt wohl ganz Mitteleuropa an den Sultan gefallen wäre und das christliche Frankreich in der Hoffnung, die damaligen Konkurrenten um die Macht damit loszuwerden, einen Vertrag mit dem Sultan geschlossen hatte. Ohne zu beachten, dass nach Mitteleuropa auch die Stunde des westeuropäischen Restes geschlagen hätte.


Montag, 3. Dezember 2012

Wie katholisch war kreuz.net?

Da die unsägliche Seite vom Netz ist, kann ich sie ja einmal ausschreiben, ohne damit jemanden dort hinzuschicken.

Barer Unsinn wird zur Zeit leider viel verbreitet. Für ein Musterbeispiel besuche man einmal den Beitrag von t-online. (Ich denke gerade darüber nach, zu einem anderen Provider zu wechseln, nachdem ich diese Sammelsurium von falsch zusammengestellten und falschen Behauptungen gelesen habe.)

Denn, Kirche in Not hat ganz sicherlich keine Finanzierung für kreuz.net gegeben und zwischen kreuz.net und kath.net liegen unendliche Weiten. Außer man macht es wie gewisse Kreise, die kolportieren, dass alles, was katholische Lehrmeinung ist per se fundamentalistisch usw. sei.

Und so grausig es auch vermutlich immer im Kommentarbereich von kreuz.net zuging, es gab dort auch (weitgehend) sachliche Artikel; die Redaktion hatte nur den Hang diese dann mit polemischen Titeln zu versehen, die auf oder unter dem Niveau der Zeitung mit dem 4-buchstabigen Namen waren. Es ist jedoch nicht zufällig, dass das unsägliche Portal so viele 100.000 Zugriffe hatte, man stieß bei vielen Sachrecherchen darauf und konnte aus dem Unrat doch auch einige relevante Informationen heraussieben.

Zurück zur Frage: Wie katholisch war kreuz.net?
Wenn man sich die Mehrheit der regelmäßigen Nutzer und Kommentatoren ansah und wohl auch die Betreiber und nach deren Denomination gefragt hätte, hätte wohl bei den meisten oder sehr vielen römisch-katholisch gestanden. Daher macht man es sich zu einfach, wenn man entgegenhält: dieses Portal war absolut unkatholisch.

Richtig ist, dass Verleumdung, üble Nachrede, unmäßiger Zorn, Beschimpfung anderer usw. zutiefst jeder christlichen - und damit auch römisch-katholischen - Grundhaltung widersprechen. In diesem Sinne war kreuz.net ein aus katholischer Sicht schon geradezu blasphemisches Portal.

Wieso aber haben sich dann so viele Katholiken darauf herumgetrieben?
Vielleicht kann ich das am Beispiel eines Bekannten erläutern, übrigens die einzige Person meiner Bekanntschaft, die dort regelmäßig vorbeischaute. (Ich vermute und hoffe, dass er nicht in der Kommentarschlacht dort mitwirkte.)
Dieser Mensch ist grundkatholisch und würde sich sogar selbst gerne dem konservativen Lager zuordnen. Im Privatleben zeichnet er sich durch enorme Hilfsbereitschaft, Freundlichkeit und Kontaktfreude aus. Er hat durchaus evangelistische Talente und hat durch authentisch gelebten Glauben schon manch einem aus seinem weitgehend nicht-katholischen Umfeld auf die Idee gebracht zur katholischen Kirche zu konvertieren.

Nur manchmal fing in den letzten Jahren der liebenswürdige Mensch an, ein giftiges Zeug von sich zu geben, aus dem ich haarscharf folgern konnte, er hatte wohl einmal wieder kreuz.net besucht. Nach einigen meiner Philippikas über das äußert unchristliche Verhalten das er danach an den Tag legte und das in völligem Widerspruch zu allem andern stand, das er sonst tat und redete, hat er sich dann auch tatsächlich die Kandarre angelegt und es wurde verträglicher.

Warum hat er sich auf diesem Portal herumgetrieben? Ich denke, da spielen viele Gründe hinein. Sicherlich war es ein Stück Sensationslust, man konnte da oft auf so richtig skandalöse Dinge stoßen. Dann waren es natürlich auch katholischen Interna, die nirgendwo sonst zu finden und zu erfahren waren. (Ich weiß noch, wie vor einigen Jahren eine alte Dame vage aber beharrlich über ihren Pfarrer klagte. Um zu verstehen, was da los war, half kreuz.net durchaus weiter. Es war nichts Schlimmes, der Geistliche hatte nur manchmal eine etwas rüde Art. - Man fand dort also nicht nur Verleumdungen.)

Es gibt aber noch ein Element. Wie Peter Winnemoeller schon ausgeührt hat, besteht da eine katholische Subkultur. Ich zitiere: "Der Nährboden für ein solches Portal bildet sich auch(!) auf verschlossenen bischöflichen Türen, unbeantworteten Briefen und Mails und auf dem Gefühl von den eigenen Hirten und ihren Mitarbeitern öffentlich im Stich gelassen zu werden. Er bildet sich auch(!) auf dem Boden einer allzu schwammigen Sprache in der Verkündigung und im Umgang miteinander. Solcherart fruchtbar gemachter Boden läßt die Saat des Übels nur zu leicht aufgehen."

Es gibt eine nicht unbeträchtliche Anzahl von Katholiken, die jahrzehntelang im Grunde weder Gehör noch Öffentlichkeit finden konnte. Die meisten von ihnen haben kein Internet. In Bezug auf ihre diözesanen Bischofsbüros sagen sie resigniert: "Denen ist doch sowieso alles egal." Anfangs versuchten sie mit dem, was sie verstört, befremdet und verunsichert mit den entsprechenden Stellen in Kontakt zu treten. Sie wollten helfen, unterstützen, mitarbeiten und wurden abgeschmettert, als pharisäisch beschimpft, wenn sie moralische Bedenken hatten, als reaktionär und weltfremd, wenn es um liturgische Fragen ging, als Denunzianten, wenn sie Kirchenrechtsbrüche zu Gehör bringen wollten. Die meisten haben sich zurückgezogen. Die, deren Glaube eher oberflächlich war, sind vielfach aus der Kirche ausgetreten, die sie nicht mehr als Heimat empfanden; es hat sie entwurzelt. Andere haben sich auf Grabenstellungen zurückgezogen und sind verbittert und attackieren alles, was sie in Frage zu stellen scheint.  Manche haben sicherlich auch heftige Neurosen entwickelt. Viele haben in letzter Verzweiflung nach Rom geschrieben, weil sie bei ihrem Bischof keinerlei Gehör fanden. Nur in Rom wurden sie zwar gehört aber dennoch allein gelassen; wegen der Achtung der bischöflichen Kollegialität sei leider kein Eingreifen möglich so sehr man bedaure. Wen wundert es da, dass einige sehr bitter reagieren, wenn sie die Worte "Kollegialität" oder "Dialog" hören? Dialog gab es immer nur für einzelne Gruppen. Viele haben sich in eine Art Ghetto zurückgezogen und dass Ghettos nicht gerade der Weltoffenheit förderlich sind, ist ja eine Binsenweisheit.

Kann es auch wundern, dass vieles Wunderliche und Skurrile mit an den Tag getreten ist, als sich nach Jahrzehnten allmählich Möglichkeiten fanden, sich gerade über die neuen Medien mit Gleichgesinnten zusammenzuschließen? Und wundert es wirklich, dass bei manchen Bitterkeit und Zorn die christlichen Überzeugungen überwuchert haben? Insbesondere da die einzigen Seelsorger, die sie in den langen Jahren fanden, oft sehr traditionalistischen Kreisen entstammten? Viele haben auch den Weg dorthin abgelehnt. Viele haben gar keinen Seelsorger mehr gefunden, wussten oft gar nicht, dass andere, denen es ging wie ihnen gar nicht soweit entfernt waren und haben sich selbst alles nach besten Kräften zusammengereimt. - Natürlich nicht das Bildungsbürgertum, die einflussreichen konservativ-katholischen Kreise, deren Einfluss allerdings auch schon lange auf kleine Zirkel geschrumpft war. Dort fand man allerdings aufgrund der ebenfalls starken Isolierung oft nur eine Rückverstärkung des Extremen. Man hielt sich auch sehr für sich. Ich habe über diese Kreise nur gelegentlich Gerüchte gehört, meistens wenn jemand mich aus irgendwelchen Gründen dort einsortieren wollte, obwohl ich aus einem völlig anderen Umfeld komme.

Ich persönlich war für diese sehr konservativen Kreis ohnehin völlig uninteressant, denn ich hatte bis dahin meinen Weg in die charismatische Erneuerung gefunden, auf der Suche nach Menschen, irgendwem, die nicht nur dauernd über Kirchenpolitisches diskutieren wollten sondern mit denen ich mich über persönliche Glaubens- und Gotteserfahrungen austauschen konnte. Das Charismatische ist aber für viele aus dem konservativen Lager ein völliges Anathema, da man es - völlig zu Unrecht - eher Richtung okkult einordnet.

Was auch ein Grund ist, dass ich Publikationen wie kreuz.net mit sehr vorsichtiger Distanz gegenüberstand: denn in solchen Kreisen, wie sie sich dort tummelten, bekommt alles, was sich "charismatisch" nennt, auch einige Schelte ab, um es ganz höflich und vorsichtig auszudrücken. Das Schicksal teilen wohl so einige katholische Bewegungen, von den einen als erzkonserativ und ähnliches verschrien, von der anderen Seite als  Gefährdung des wahren Glaubens eingestuft. Für ein und denselben Satz kann man die Rückmeldungen bekommen, dass er sowohl völlig unkatholisch sei, weil zu protestantisch angehaucht, als auch extrem konservativ-katholisch  und zu unökumenisch. Man konnte immer froh sein, wenn zumindest die Klippen vermieden waren, gleich als Fall für den Psychiater eingestuft worden zu sein - von allen Seiten. Die Position der katholisch-charismatischen Erneuerung ist es aber, sich möglichst aller Polemiken zu enthalten, sich möglichst nicht an innerkirchlichen Grabenkämpfen zu beteiligen und zu tun, was der Einheit dient, ob nun in ökumischem Engagement (Anathema für die eine Seite) oder in Treue zum kirchlichen Lehramt (Anathema für die andere Seite).

kreuz.net war also durchaus ein katholisches Phänomen, auch wenn die Art seines Umgangs mit Problemen zutiefst unchristlich und unkatholisch war. Es war die Folge eines über Jahrzehnte verweigerten Dialogs mit vielen Katholiken, die viele in ein Extremismen nahestehendes Denken getrieben hat. Es war eine Eiterbeule.Eiterbeulen entstehen, wenn das Immunsystem eines Körpers versucht mit lebensgefährlichern Krankheitserregern fertigzuwerden. Eiterbeulen schmerzen und wenn die Abszesse nicht rechtzeitig geöffnet und beseitigt werden, können sie lebensgefährlich werden. Eiterbeulen sind aber auch Nebenerscheinungen von Krankheits- und Heilungsprozessen. Sie entstehen, weil versucht wird, etwas noch Zerstörerisches zu eliminieren. Eiterbeulen sind der Hinweis auf Krankheitsherde und dass Hilfe vonnöten ist. Eiterbeulen können zu Sepsis und Vergifungen führen oder auch einfach abheilen, wenn der Eiter abfließen konnte. Und wenn so eine Eiterbeule geöffnet worden ist, bleibt eine Wunde zurück, die angemessene medizinische Versorgung braucht, damit kein neuer, eventuell schlimmerer Eiterherd entsteht. Ob diese Wunde das bekommen wird? Oder ob der Verband, der sie jetzt zudecken soll, nie gewechselt wird und vor sich hin modert?