Oremus pro Pontifice nostro Franzisco.

Dominus conservet eum et vivificet eum

et beatum faciat eum in terra et

non tradat eum in animam inimicorum eius.

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Sonntag, 12. Dezember 2010

"Katholiken vom Speisezettel genommen"

Unter obigem Titel bringt Kirche in Not einen Artikel über das Bild der Maria von Guadalupe, deren offizieller Gedenktag heute ist.


"Die Kirche feiert am 12. Dezember die Erscheinungen von Maria von Guadalupe. Auf dem Gebiet der heutigen Hauptstadt Mexiko-City ist vom 9. bis 12. Dezember 1531 die Muttergottes einem indigenen Christen vier mal erschienen.
Sie stellte sich dem 55-jährigen Juan Diego Cuauhtlatoatzin vom Stamm der Chichimeken auf dem Hügel Tepeyac als “die Mutter des einzig wahren heiligen Gottes, des Leben spendenden Schöpfers aller Menschen” vor."

In einem Interview dort sagt Paul Badde: "Zuvor gab es bei den Azteken, so Badde, “einen zum Teil auch kannibalischen und jedenfalls grässlich verbreiteten Menschenopferkult. Die Azteken glaubten, sie müssten den Göttern Opfer darbringen, damit die Sonne jeden Morgen wieder aufgehen konnte. Aus diesem Gedanken war ein kollektiver Wahn geworden. Den Menschen wurde zu Tausenden auf den Gipfeln der Pyramiden das Herz bei lebendigem Leib herausgerissen, um die Götter zu beschwichtigen.”
Nach der Christianisierung änderte sich laut Badde die bis dahin nekrophil geprägte Literatur und Musik der Azteken: sie wurde “plötzlich auf eine ganz neue Weise hoffnungsvoll und heiter, als würde sie von einer Morgenröte erfüllt.”"

Und meinen Blog wird ab heute das Bild permanent zieren - ich habe schon die ganze Zeit auf den Gedenktag gewartet, um das zu tun.

Erklären kann ich es nicht wirklich, aber ich bin völlig vernarrt in das Bild, seit ich die Hintergründe dazu kenne. (s.a. meinen Post vom September .) Vorher war ich unsicher gewesen, ob ein Bild, das nur Maria zeigt, nicht doch irgendwie die Marienverehrung auf Kosten der Anbetung des Herrn betreibt oder zumindest die Versuchung in sich tragen könne, wie das schließlich oft von Nichtkatholiken aber auch selbst von manchen Katholiken unterstellt wird). Aber mit der Entdeckung, dass Maria auf diesem Bild schwanger und Jesus zwar nicht zu sehen aber da und das Zentrum ist, gab es keinen Grund mehr noch irgendetwas auf solche Bedenken zu geben. Ich halte es für eine der genialsten Darstellungen, die es gibt. Was natürlich kaum verwundern kann, da es ja vom Ursprung aller Genialität herrührt.

Donnerstag, 25. November 2010

Eine Heilige, die hl. Katharina und die ermordete Hypatia/ Alexandrien

Kein einfacher Gedenktag. Keine einfache mehr oder weniger belegbare Geschichte. Statt dessen die Geschichten dreier Frauen. 

Von der einen, der Heiligen, kennen wir den Namen und die Umstände des Todes gar nicht. Ihr Grab mit der unverwesten Leiche wurde erst im 9. Jahrhundert gefunden und stammt möglicherweise aus den Christenverfolgungen um 300 herum. Die Gebeine liegen in der justinianischen Basilika des berühmten Kaharinenklosters auf dem Sinai, dem Kloster des Brennenden Dornbusches. Da es keinen Namen für sie gibt, kann sie wohl als die heilige Katharina betrachtet werden.

*****

Dann ist da die heilige Katharina, die es so wahrscheinlich nie gab. Diese Heilige kannte ich lange Zeit nur über das Verslein, das meine Mutter noch aus einem Gedicht über die 14 Nothelfer erinnerte: „Katharina mit dem Rädchen, das sind die heiligen drei Mädchen.“

Sie war im Mittelalter die beliebteste weibliche Heilige und Schutzpatronin nach der Jungfrau Maria selbst. Zuerst hatten die Kreuzritter sie als Patronin gewählt, wohl aufgrund ihres unerschütterlichen Mutes. Aber dann wuchs das Patronat kräftig an auf alle, die zu ihr einen Bezugspunkt finden konnten: Mädchen, Frauen, Ritter, Philosophen, Theologen und Gelehrte, Lehrer und Studenten, Redner und Advokaten, Wagner, Müller, Töpfer, Gerber, Spinner, Tuchhändler, Seiler, Schiffer, Buchdrucker, Sekretäre, Anwälte, Notare, Waffenschmiede, Schuhmacher, Frisöre, Näherinnen, Scherenschleifer und alle Berufe, die mit Rädern zu tun haben. Dazu kamen dann noch Krankenhäuser, Hochschulen und Bibliotheken. Sie sollte Helferin für Migräne (weil sie ja enthauptet wurde) und Krankheiten der Zunge (da sie eine gute Rednerin war) sowie für die Auffindung Ertrunkener sein.

Dargestellt wird sie mit Rad (Folter), Buch (Gelehrtheit), Schwert (Enthauptung) und Krone (eine königliche Frau und Märtyrerin).

1969 wurde sie aus dem Heiligenkalender gestrichen, da es sie nie gegeben habe. 2001 wurde sie wieder in diesen aufgenommen. In Dokumenten erwähnt ist sie nachweisbar erst ab 840.
Sie soll aus Zypern gestammt haben, aber 306 in Alexandrien hingerichtet worden sein. Sie sei eine sehr gebildete Frau gewesen, schön und reich, die sich zum Christentum bekehrt habe. Sie habe argumentativ viele für diesen Glauben gewonnen, so auch in einer Diskussion mit den 50 besten Philosophen, die in Alexandria aufzutreiben waren. Die Details der Folter, zu der es gekommen sein soll, weil sie weder den Kaiser Maxentius heiraten noch ihren Glauben aufgeben wollte. Beim Versuch sie zu rädern, soll das Rad zerbrochen sein. Schließlich wurde sie nach brutaler Folter enthauptet.

*****

Und dann eine dritte Frau, Hypatia, Philosophin, Gelehrte, klug, tugendhaft, überhaupt trifft auf sie fast alles zu, was in der Heiligenlegende erzählt wird, bis auf eines: Sie war keine Christin (und als sie ermordet wurde wohl bereits an die 60 Jahre alt). Das war im Jahr 415 in Alexandria und ist eines der Kapitel, durch der Name Christi sehr verunehrt worden ist. Gerne greife ich solche Kapitel nicht auf. Denn das waren Christen, die sie damals grausam umgebracht haben, weil sie ein relativ leichtes Opfer war, während der Auseinandersetzungen, die damals in Alexandria stattfanden.

Die Adventszeit soll ja – auch wenn das weitgehend durch Weihnachtsromantik überdeckt ist – eine Zeit der Vorbereitung und Buße sein. Da ist es durchaus angemessen auch solcher Opfer zu gedenken. Es ist natürlich leicht zu sagen, dass das keine richtigen Christen waren und wenn man von dem ausgeht, was Jesus Christus wollte, dann haben sie das klar nicht getan. Aber die Verantwortlichen waren getauft und zum Teil sogar hohe Würdenträger der Kirche. Ich kann mit fast 1595 Jahren Zeitunterschied und ohne mich näher mit den Quellen beschäftigt zu haben, nicht sagen, was sie eventuell als mildernd vorbringen würden. Es bleibt dennoch diese Untat, für die Hypatia nur exemplarisch steht, bestehen.

Es war keiner von uns. Es ist lange her. Es hat nie der christlichen Lehre entsprochen. Aber es ist geschehen. Beten wir für die, die heute so irregeführt sind, wie es damals unsere Brüder und Schwestern im Glauben waren. Auch das ist ein wichtiger Gedanke zur Eröffnung der geschlossenen Zeit (*)  vor Weihnachten, die mit dem Katharinentag beginnt.

Heilige Katharina, bitte für uns!

*Geschlossene Zeit hieß, dass es von jetzt bis Weihnachten keine Tanzveranstaltungen und ähnliche Feiern mehr gab, da sich jeder mehr dem Gebet, der Besinnung und dem Fasten widmen sollte.

Samstag, 9. Oktober 2010

Nachtrag zum 29. September: der Erzengel Michael und die Vision Leo XIII

Update:
Mittlerweile haben sich ein paar Daten in diesem Post als inkorrekt gezeigt, zur Anzeige des vollständigen Hintergrunds der Michaelsgebete, ruft einfach den Label "Michael" auf, dann wird alles angezeigt.
 
Eigentlich war jetzt ein anderer Post geplant, aber dann bekam ich heute abend den Eindruck, erst einmal sei dies hier dran. Einige werden es kennen; es ist ein Gebet mit einer bemerkenswerten Geschichte. Am 25.7.1888 hatte Papst Leo XIII am Ende einer hl. Messe eine Audition (wie Vision, nur gehört, nicht gesehen), in der der Teufel behauptete, er könne die Kirche innerhalb von 75 Jahren zerstören, wenn er die Erlaubnis bekäme. Der sehr erschrockene Leo XIII ordnete daher an, am Ende der hl. Messe stets in dieser Angelegenheit wie folgt zu beten. Zunächst kommt weiter unten, die seit 1934 verwendete Kurzfassung. Nach Ablauf der 75 Jahre wurde das Gebet dann wieder abgeschafft, das war dann wohl 1963. Vielleicht wurde es auch noch ein paar Jahre weiter gebetet – ich bin zu jung, um das zu wissen. Aber ob das so eine gute Idee war, es war nämlich nie gesagt, dass diese 75 Jahre nun gleich 1888 anfangen. Ich persönlich bete daher die Kurzfassung gern am Ende jeder hl. Messe (in Englisch, weil ich es so zuerst gelernt habe und mir dieses Gebet gefiel).
Hier also für alle, die es interessiert:

Sancte Michael Archangele, defende nos in proelio;
contra nequitiam et insidias diaboli esto praesidium.
Imperat illi Deus; supplices deprecamur:
tuque, Princeps militia coelestis Satanam aliosque spiritus malignos
qui ad perditionem animarum pervagantur in mundo
divina virtute in infernum detrude. Amen.

Heiliger Erzengel Michael, verteidige uns im Kampfe
gegen die Bosheit und die Nachstellungen des Teufels sei unser Schutz;
ihm befehle Gott, so bitten wir flehentlich;
Du aber, Fürst der himmlischen Heerscharen,stürze den Satan
und die anderen bösen Geister, die zum Verderben der Seelen
in der Welt umherschleichen, mit göttlicher Kraft hinab in den Abgrund.
Amen.

Das ursprüngliche Gebet war ausführlicher, wurde aber wie oben schon erwähnt 1934 gekürzt:
Oh ruhmreicher Erzengel, heiliger Michael, Prinz der himmlischen Heerscharen, sei unser Verteidiger in diesem schrecklichen Krieg, den wir gegen die Fürstentümer und Mächte, gegen die Herrschenden dieser Welt des Dunkels und gegen die bösen Geister führen. Komme dem Menschen zu Hilfe, den Gott nach Seinem Abbild unsterblich erschaffen hat, und zu einem sehr hohen Preis von der Tyrannei des Bösen erlöst hat.
Kämpfe heute wieder zusammen mit den heiligen Engeln diesen Kampf des Herrn, so wie du ihn schon gegen den Führer der stolzen Engel, Luzifer mit samt seinen abtrünnigen Scharen, gekämpft hast. Sie hatten weder Kraft, Dir zu widerstehen, noch gab es länger Platz für sie im Himmel.
Jene grausame Urschlange, die auch Teufel oder Satan genannt wird, und die ganze Welt verführt, wurde samt Anhang in den Abgrund gestoßen.
Siehe, dieser Urfeind und Menschenmörder von Anbeginn hat wieder Mut gefasst,
Verwandelt in einen Lichtengel wandert er mit einer Vielzahl von bösen Geistern, die Erde überfallend, herum, um den Namen Gottes und seines Christus auszumerzen, und von den für die Krone des ewigen Ruhmes bestimmten Seelen Besitz zu ergreifen, sie zu töten und in die ewige Verdammnis zu stoßen. Wie das schmutzigste Abwasser, gießt dieser böse Drache, das Gift seiner Boshaftigkeit, nämlich den Geist des Bösen, der Unfrömmigkeit, der Gotteslästerung, den stinkenden Hauch von Unzucht und jegliche Art von Lastern und Gemeinheiten auf Menschen verdorbenen Geistes und Herzens aus.
Diese gerissensten Feinde haben die Kirche, die unbefleckte Braut des Lammes , mit Galle und Bitterkeit erfüllt und getränkt, und haben ihre frevlerischen Hände auf Ihre heiligsten Schätze gelegt. Selbst am Heiligen Ort, wo der Sitz des heiligsten Peter und der Thron der Wahrheit zur Erleuchtung der Welt, errichtet wurde, haben sie ihren Thron des grauenvollen Frevels aufgestellt, mit der heimtückischen Absicht, dass, wenn der Hirte einmal geschlagen ist, sich die Schafe in alle Richtungen zerstreuen werden.
Erhebe dich denn, Oh unbesiegbarer Prinz, bringe dem Volk Gottes Hilfe gegen die Angriffe der verlorenen Geister, und gib ihm den Sieg. Es verehrt Dich als seinen Beschützer und Schutzpatron; du bringst der heiligen Kirche den Ruhm, in dem Du sie gegen die bösen Mächte der Hölle verteidigst; Dir hat Gott die Seelen von Menschen anvertraut, die in die ewige Freude eingehen werden. Oh, bete zum Gott des Friedens, Er möge Satan unter unsere Füße legen, damit er derart besiegt sein möge, dass er nicht mehr länger Menschen in seiner Gefangenschaft halte, und der Kirche schade.
Bringe unsere Gebete im Angesicht des Allerhöchsten dar, damit diese zur Aussöhnung mit den Gnaden Unseres Herrn dienen mögen, und damit der Drache, die Urschlange, die nichts weiter als der Teufel und der Satan ist, erschlagen werde und wieder in der Hölle gefangen gehalten werde, damit er die Völker nicht länger verführe. Amen

Siehe das Kreuz des Herrn, seid zerschmettert, ihr feindlichen Mächte.
Der Löwe aus dem Stamme Juda hat erobert, die Wurzel Davids.
Lasse uns deine Gnaden zufließen, O Herr.
Die wir auf Dich hoffen.
Oh Herr, höre mein Gebet,
und lasse meinen Ruf zu Dir hinaufsteigen
Oh Gott, Vater Unseres Herrn Jesus Christus, wir rufen Deinen Heiligsten Namen an, und bittend erflehen wir deine Sanftmut, dass durch die Fürbitte Mariens, der immerwährenden Jungfrau und unserer Mutter, und des ruhmreichen Erzengels Michael, Du uns deine Hilfe gegen Satan und alle anderen unreinen Geister, die zum Schaden der menschlichen Rasse und zum Ruin der Seelen herumwandern, gewährest. Amen

Mittwoch, 29. September 2010

Vom Grund der christlichen Freude - Causa nostrae laetitae: eine Beobachtung, was uns das mexikanische Marienbild sagt

Wir Christen sind oft ganz schön ernsthaft, oft sogar richtig verbissen, wenn es um das eine oder andere geht. Und dann verlieren wir noch vor lauter Eifer für die Wahrheit und den Herrn gelegentlich so ziemlich alles aus dem Auge, was Er uns angelegentlich aufgetragen hat. Ganz besonders das mit der Liebe, das Johannes in seinem Evangelium im Kapitel 15 ausführlich darlegt. Und so war das auch, als die Spanier unter Cortez nach Südamerika kamen. Klar, es lockten Gold und Reichtum, aber Cortez war es auch ein ehrliches Anliegen, die aztekischen Völker zum Christentum zu bekehren.
Die Azteken konnten aber mit dem Gekreuzigten gar nichts anfangen. Menschenopfer kannten sie, die gab es täglich in großen Zahlen. Das war normal, dass Menschen grausam starben. Nicht schön, aber normal. Ein Elend, aber, so dachten sie, ohne das Blut der zahllosen Opfer würde die Sonne am nächsten Tag nicht mehr aufgehen können, also war es nicht ganz sinnlos. Und es war zum einen nicht einsichtig, warum sie nun irgendein Opfer verehren sollten statt Göttern, die zwar grausam aber immerhin mächtig waren. Und dann: Die Spanier behaupteten zwar, ihr Gott wolle Frieden und Liebe, aber was taten sie? Sie brachten dauernd die Indios um und manchmal auch sich gegenseitig. Das war wirklich nicht glaubwürdig. Wozu sollten sie die eine Art von Elend und Grausamkeit durch eine neue Variante ersetzen, die möglicherweise sogar noch schlechter war (und eventuell das Ende der Welt bedeutete, weil die Sonne ohne rituelle Menschenopfer ja nicht mehr aufgehen würde)?
Und da passiert diese völlig unwahrscheinliche kleine Episode. Ein schon angejahrter Indio, Unterschicht, keiner der adligen Führerschaft, der sich – aus welchen Gründen auch immer – doch hat taufen lassen, will zur Kirche seiner Pfarrei gehen und unterwegs begegnet ihm eine junge Frau (den Interpreten des drei Tage später auf rätselhafte Weise entstehenden Bildes nach ca. 14 Jahre alt). Um sie herum Vogelgezwitscher und Blütenduft auf einem eigentlich recht kahlen dornigen Hügel in der kalten Jahreszeit. Sie stellt sich schließlich als Maria vor und dann ein aztekisches Wort über das Uneinigkeit besteht, das aber möglicherweise „Besiegerin der Schlange“ hieß und von den Spaniern später als „Guadalupe“ verstanden wurde. Sie schickt den Indio Juan zum Bischof, weil sie hier eine Kapelle gebaut haben möchte. Der Bischof will einen Beweis. Sie lässt Juan Rosen pflücken, die er in seinem Umhang aus Agavefasern zum Bischof bringt. Durchaus ein Beweis, denn solche Rosen hätte er dort und besonders in dieser Jahreszeit nicht pflücken können. Die große Überraschung kommt dann, als er die Rosen ausleert, auf dem Umhang ist ein ziemlich erstaunliches Bild zu sehen: die junge Frau mit einem Gewand mit goldenem Blütendekor und einem Sternenmantel , vor der Sonne stehend, eine Mondsichel unter den Füßen.
Einmal abgesehen von allen ungewöhnlichen Eigenschaften, die dieses Bild hat und die ich hier nicht ausbreiten will, was hat die Indios an diesem Bild so angesprochen, dass sie plötzlich in Scharen zum Christentum übertraten?
Es gibt drei zentrale Punkte des Handelns Gottes, in denen das Heil, das allen Menschen offen steht, gewirkt wird und die so untrennbar miteinander verbunden sind wie die Offenbarung, dass da nur ein Gott ist und dennoch in drei Personen. Verstehen kann man es nicht, nur staunend betrachten. Von diesen drei zentralen Punkten, die nur eine Wirklichkeit sind, gibt es je ein Bild (das eigentlich kein Bild ist, da es keine wirklichen Farben enthält) auf drei verschiedenen Stoffen, das auf bisher sehr rätselhafte Weise entstanden ist. Es gibt das Grabtuch von Turin (mit dem Ganzkörperabdruck des gekreuzigten und gestorbenen Jesus). Es gibt das Muschelseidentuch in Manoppello (mit dem Gesichtsabdruck des lebenden (auferstandenen) Jesus). Es gibt das Marienbild von Mexiko (mit dem Beginn der Menschwerdung). Also Inkarnation (Menschwerdung), Tod am Kreuz (Erlösung) und Auferstehung.
Hier ist besonders interessant, dass dieses Bild am 12. Dezember entstand, bzw. Anfang Dezember generell. Es gibt etliche Hinweise, dass der Geburtstag Jesu in Wirklichkeit ein Tag Anfang September war. Eine Überlegung, die besonders berücksichtigt, was wohl die drei Weisen, die kurz nach der Geburt anreisten, beobachtet haben könnten, das sie veranlasste, dort hinzureisen, gibt eine gute Argumentation, warum die Sternenkonstellation vom 1. September im Jahr 2 v.Chr., 4 Uhr 30 sehr wahrscheinlich ist. Anfang Dezember ist neun Monate vorher, also um den jahreszeitlichen Zeitpunkt der Beginn der Schwangerschaft Marias.
Denn auf diesem Bild ist Maria als schwanger dargestellt. Nach Paul Badde ist auf ihrem Kleid unter dem Gürtel eine Jasminblüte zu sehen, die sich gerade öffnet und in der man bei starker Vergrößerung Teile eines winzigen Gesichtchens erkennen kann.
Das ist nämlich der ganz entscheidende Punkt in aller Symbolik. Maria bringt Jesus, auf ihn weist sie hin. Sie tritt vor die Sonne und steht über dem Mond (zwei miteinander streitende mächtige Aztekengötter) in dem Moment, indem sie selbst Mutter wird. An die Stelle des permanenten Tötens und Sterbens wird der Neubeginn der Schöpfung in der Menschwerdung Jesu gesetzt. Blumen und singende Vögel verdeutlichen den Frieden des Paradieses. Und so viel mehr, man kann sich lange darin vertiefen.
Zwar liegt in jedem Moment des Heilsgeschehens eine Mischung von Freude und Schmerz vor. Das Kreuz ist von Anfang an gegenwärtig, aber auch selbst im Kreuz die Auferstehung. Doch die Gewichtung der Elemente verschiebt sich bei der Betrachtung der einzelnen Aspekte. Sie alle können heilend und heilsam sein. Die Passion wie die Hoffnung der Auferstehung. Das Wissen, das Gott unser Leid ganz verstehen kann, genauso wie das Vertrauen, dass das Leid nur der Durchgang zu Freude ist. In dem dargestellten Moment der Menschwerdung aber überwiegt die stille, leise Freude, das Wunder, dass die Ewigkeit die Zeit berührt, der Himmel die Erde. In einem Bild, das jeder verstehen kann, dem einer jungen werdenden Mutter.
Hier konnten die Indios die frohe Botschaft sehen und in den dokumentierten Worten des liebevollen Gesprächs zwischen Juan und der jungen Frau hören und es hat sie im Herzen erreicht und selbst das so Befremdliche des Kreuzes und so Unvorstellbare der Auferstehung begreifen lassen.
Auch ich selbst habe einiges von dieser Freude gefühlt, als ich die Beschreibungen darüber las und als ich versuchte es in Worte zu fassen, was Maria in diesem Bild für uns ist, fand ich „Grund unserer Freude“ , um festzustellen, dass das auch eine Anrufung der Lauretanischen Litanei ist. Und es schien mir, dass uns die Freude so oft fehlt, weil wir verlernt haben, genau dieses Bild (ob nun so wie das mexikanische, das uns geschenkt ist oder wie wir es uns sonst vorstellen können) zu betrachten, dass es da diesen Berührungsmoment von Zeit und Ewigkeit gibt, in dem eine bis dahin unbekannte große Freude in unsere Welt gekommen ist.

Samstag, 25. September 2010

Die Seeschlacht von Lepanto und Maria von Guadalupe

Am 7. Oktober wird das Rosenkranzfest begangen, in Erinnerung an die Seeschlacht von Lepanto, die überraschend doch noch von den Verteidigern gegen die angreifenden Osmanen gewonnen wurde. Damals (1571) hatte Papst Pius V die ganze christliche Welt zum Rosenkranzgebet aufgerufen. Die Lage war so verzweifelt, dass sogar einige sonst verfeindete europäische Staaten Allianzen geschlossen hatten. Aber vielleicht ist es interessant, auch ein weiteres Detail über diese Schlacht zu kennen:
Die Schlacht vor Lepanto war schon so gut wie verloren, die Flotte war direkt in eine Falle gesegelt, sie war klar unterlegen und der Wind stand auch noch gegen sie; das Flaggschiff des Oberkommandos war bereits geentert. Da "stürzte Andrea Doria" (der Kommandant der genuesischen Streitkräfte) "unter Deck und warf sich vor einem neuen Gnadenbild Marias nieder. Nur die Königin des Himmels könne ihm jetzt noch helfen, flehte er, wenn nicht alles verloren sein sollte. Wenn ihr die Christenheit noch irgendwie lieb und teuer war. Unter Tränen rief der junge Kondottiere die fremde Jungfrau mit dem Kreuzmedaillon an.
Es war die erste Kopie der Morenita in Europa, es war Maria von Guadalupe. Alonso Montúfar, Mexikos neuer Erzbischof, hatte das Bild ein Jahr zuvor anfertigen und als Geschenk an Spaniens König verschiffen lassen. Philipp II hatte das Bild an Juan de Austria weitergegeben. Der hatte die Madonna auf dem Halbmond dem gleichaltrigen Admiral Andrea Doria als Glück verheißendes "Pallium" anvertraut, als Schutzmantel für den entscheidenden Waffengang.
Als Andrea Doria wieder an Deck kam, hatte sich der Wind gedreht. Ein Sturm war ausgebrochen und fegte die türkischen Formationen auseinander. Plötzlich konnten die Europäer ihre Feuerkraft ausspielen. Spanier enterten das Flaggschiff Ali Paschas und enthaupteten den Eliteadmiral Selims noch an Bord. Furcht ergriff die Türken, Panik machte ihr Manövrieren unmöglich ..." (zitiert aus Paul Badde: Maria von Guadalupe. Wie das Erscheinen der Jungfrau Weltgeschichte schrieb).

Hier geschah etwas sehr Signifikantes. Durch das Erscheinen dieses Bildes (anders kann man es nicht nennen, da es neben dem Volto Santo von Manopello und dem Turiner Grabtuch eines der drei nicht von Menschenhand geschaffenen Bilder ist, von deren Existenz wir wissen) wurde ganz Mittel- und Südamerika christlich. Nicht etwa durch den Zwang der Eroberer, der hatte nur Widerstand geweckt. Mit dem gekreuzigten Jesus hatten die Indios nichts anfangen können; Menschenopfer waren für sie zu alltäglich. Tod und Blut waren so sehr Alltag, dass sie da nichts erschüttern konnte. Erst die Symbolik jenes Bildes erschloss ihnen die Heilsbotschaft. Und dann kommt die erste Kopie gerade rechtzeitig nach Europa und an Bord eines Schiffes eines der Befehlshaber bei der Seeschlacht von Lepanto.

Es ist faszinierend, und nicht der einzige Mosaikstein faszinierender Zusammenhänge, den Badde in seinen Büchern über das Muschelseidentuch und das mexikanische Marienbild aufschließt.

Dienstag, 24. August 2010

Nachtrag zu Augustinus und Pelagius und den Zeitdaten im King Arthur - Film

Bei meinem Beitrag vom Sonntag hatte ich den genauen Zeitrahmen nicht mehr überprüft. Ich wusste, dass der heilige Augustinus sehr beschäftigt war, logisch und ausführlich darzulegen, warum die Lehren von Pelagius und Caelestius falsch waren. Bischof Augustinus führte viel Korrespondenz und viele Fragesteller wandten sich an ihn, wenn sie mit etwas selbst nicht weiter kamen.
Nun starb Augustinus schon 430 AD und von Pelagius hörte man schon seit 418 AD keine Neuigkeiten mehr. Bis etwa 411 AD war er in Rom gewesen, danach reiste er im Mittelmeerraum herum, von einer Ermordung kann - anders als im King Arthur-Film behauptet keine Rede sein.
Da die Filmhandlung angeblich 1 Jahr nach dem Tod des Pelagius stattfindet, müsste sie also 419 AD stattfinden, nicht 460 AD, wie dort im Begleittext behauptet.
Das römische Heer hatte sich laut Wikipedia seit 410 AD vom Hadrianswall zurückgezogen, Nachkommen von Legionären sollen aber die Festungen zum Teil noch weitere 100 Jahre bewohnt haben. Es wird vermutet, dass ab ca. 410 AD sächsische Hilfstruppen angeworben wurden. Zu einer größeren sächsischen Invasion kam es allerdings erst um 440/441 AD. Die Sachsen und Angeln ließen sich zur Besiedlung des Landes nieder. Die Regierungssituation war insgesamt chaotisch. Der römische Kaiser erhob noch bis ca. 540 AD Ansprüche auf Britannien, die Angelsachsen herrschten seit 440 AD im Westen, im Rest des Landes dominierten römisches oder keltisches Erbe.

Kurzum, der Film, der Anlass dieser zwei Posts war, verbiegt die tatsächlichen Gegebenheiten vollkommen. Das wäre für reine Fiktion akzeptabel, aber eben nicht für etwas, das behauptet "echter" zu sein als die anderen Sagen und Legenden.

Sonntag, 22. August 2010

Un-Historisches: King Arthur Film von 2004

Bis vor einer Woche habe ich nie auch nur in Erwägung gezogen, einen Blog zu schreiben - dieser Film hat es geschafft. Von daher: auch wenn es niemand lesen sollte, möchte ich ein paar Kommentare schreiben zu dem Fim "King Arthur" von 2004.

Im Kino hatte ich mir dieses Werk nicht angesehen, da ich die Porträtierung Gwenhwyfars als wilde Kriegerin als klaren Bruch mit dem Material genauso wie mit der von den Machern dieses Filmes postulierten Historizität empfand. Nun stand der Film mit Topwertung in einer Programmzeitschrift  und das wollte ich doch nutzen.

Was die Historizität angeht, muss ich sagen, dass möglicherweise einige der bisherigen Sagen, inklusive Drachen und Monstern, höhere Ansprüche darauf erheben können.

Die Geschichte soll im Jahre 460 n. Chr. spielen. Die Ritter der Tafelrunde sind zwangsrekrutierte Asiaten (gespielt von Europäischstämmigen), ca. 15 Stück unter der Führung des britisch-römischen Artorius. Diese kleine Reitergruppe schafft es übrigens fast von Anfang an, anscheinend den ganzen Hadrianswall zu sichern und die Bewohner der schottischen Lowlands zurückzuhalten, obwohl das Hunderte zu sein scheinen.
Die Sachsen fallen aus irgendeinem Grund (laut Film: totale Zerstörung, Mord und Brandschatzung und nicht der Druck der Völkerwanderung) weit im Norden jenseits des Hadrianswalls ein (müssen viele gute Schiffe gehabt haben) und marschieren nach Süden - unter Trommelklang und anscheinend im Gleichschritt obwohl ein wilder Haufe.

Obwohl die Römer Britannien schon um 440 n.Chr. geräumt hatten, gibt es fast zwei Tagesreisen nördlich des Hadrianswalls noch ein römisches Gut (mitten im "Pikten"land), das anscheinend floriert und erst durch die Sachsen bedroht wird. Noch unglaublicher: dieses Gut wurde dem Inhaber vom Papst (!) verliehen, der laut Film alle römischen Truppen zu kontrollieren scheint und dessen Patenkind "Allecto" dort wohnt. Ebendieser Papst verlangt durch einen als General gekleideten Bischof, der sich durch ausgeprägtem Zynismus auszeichnet, dass die zwangsrekrutierten Asiaten noch die Römer vor den Sachsen retten, bevor sie in die Heimat dürfen.

Artorius ringt sich schweren Herzens zu der Aktion durch und die anderen machen seinetwillen mit. Hier sind ein paar Worte darüber zu verlieren, dass das Hauptanliegen des Filmes zu sein scheint, gegen die katholische Kirche zu hetzen und diese mit allen Mitteln zu verleumden. Kleriker sind laut Film samt und sonders ausgemachte Feiglinge, die selbst nicht an ihre nutzlosen Gebete glauben und ihr frommes Gehabe ohnehin nur als Vorwand nehmen, um arrogant Vorrechte einzufordern und ihren perversen Neigungen (Foltern und dergleichen) nachzugehen. Damit das ganze nicht eindeutig christenfeindlich ist, hat man als Lichtfigur den britischen Mönch Pelagius entdeckt. Laut Film setzte er sich für Freiheit und Gleichheit für alle ein und wurde deswegen von den machtgierigen Herrschenden in Rom ermordet. Da sicher nicht jeder Pelagius kennt: zur Zeit des Augustinus kam durch ihn der Pelagianismus auf, dessen Hauptpostulate waren, dass jeder Mensch aus sich heraus perfekt gut leben kann ohne die Erlösung durch Jesus Christus zu benötigen und dass es keine Erbsünde gibt. Seine Schüler fügten dem einige Punkte hinzu. Man kann der Meinung des Pelagius sein oder nicht, aber das war ein Bruch mit der christlichen Lehre, daher wurde er vor ein paar Bischöfe zitiert, vor denen er beteuerte, missverstanden worden zu sein und natürlich die allgemein christlichen Überzeugungen zu teilen. Kaum war er frei gesprochen, verkündete er, seine Aussagen seien von den Bischöfen als richtig anerkannt worden. Soviel also zu Pelagius.

Auf dem Landgut in Schottland gibt es dann eine von Mönchen als Folterwerkstatt genutzte Kapelle, in deren Krypta als einzige Überlebende ein blonder Junge mit gebrochenem Arm (Pikte!) und die Tochter des Herrschers aller Pikten (Merlin), namens Gwenhwyfar gerettet werden, der man alle Finger ausgerenkt hat. Zu den weiteren Abstrusitäten will ich gar nicht mehr viel äußern. War gerade noch Spätherbst, ist einen Tag später tiefster Winter, bei dem verfolgende Sachsen in einem zugefrorenen See versenkt werden, den vorher eine Reisegruppe samt Wagen überqueren konnte. Nach Rettung der römischen Familie (ohne den Vater, der wird noch eliminiert), verteidigen die Reiter mit den Schottenvorfahren den Hadrianswall gegen die von Norden eindringenden Sachsen, die nur an dieser Stelle mit ihren paar tausend Mann auf ihn losstürmen und gewinnen natürlich (Gwenhwyfar macht halbnackt und blau bemalt Saltos mitten unter den Kämpfenden) und weil Artorius ja halber Brite ist und entsetzt über den Zustand der Kirche jetzt doch nicht nach Rom will, darf er die Piktenprinzessin heiraten und alles ist gut.

Für wie dumm werden die Zuschauer denn gehalten? Wenn man schon Sagen und Legenden dekonstruiert und größere Realität postuliert, sollte das doch wenigstens auf irgendwelchen Tatsachen beruhen.

Und warum protestiert niemand gegen die oben geschilderten Verunglimpfungen, die geschichtlich nun wirklich jeder Grundlage entbehren?