Oremus pro Pontifice nostro Franzisco.

Dominus conservet eum et vivificet eum

et beatum faciat eum in terra et

non tradat eum in animam inimicorum eius.

Dienstag, 9. November 2010

Abschließender Kommentar zu Leo XIII und den von ihm formulierten Michaelsgebeten


Zu den bisherigen Texten wäre der Vollständigkeit halber noch hinzuzufügen, dass Leo XIII ein weiteres Gebet geschrieben, in dem der Erzengel Michael prominent zu Hilfe gerufen wird, den sogenannten „kleinen Exorzismus“. Dieser ist nicht zu verwechseln mit dem relativ selten zur Anwendung kommenden (in Deutschland meines Wissens überhaupt nicht, da es hier keinen offiziell bestellten Exorzisten gibt – der nächste im deutschsprachigen Raum könnte der der Diözese Wien sein, was zumindest den Tourismus in solchen Angelegenheiten nach Italien, wo es etliche Exorzisten gibt, etwas eingedämmt haben dürfte) großen Exorzismus.
(Und jetzt hoffe ich, dass mich nicht jemand hinrichten will, weil ich das E-Wort auch nur verwendet habe.)
Zurück zu Leo XIII. Wir sehen hier eine deutliche Entwicklung in den Gebeten.  1888 kam es zu dem einschneidenden Erlebnis, das Leo XIII hatte und das seiner Meinung nach so akuten Bedarf nach Handeln hatte, dass er den schon bestehenden Gebeten am Ende der Messe ein weiteres hinzufügte. Das schien ihm nicht auszureichen, also wurde eine weitere sehr ausführliche Version geschrieben, die detaillierter in Bezug auf mögliche Gefahren ist. Diese wurde wegen missverständlicher Passagen wieder gekürzt. Jedoch war inzwischen auch schon der kleine Exorzismus geschrieben und approbiert, der sich nicht mit Spezifika befasst, sondern ein sehr vollmächtiges Gebet um Schutz und Befreiung ist. Was viele nicht wissen ist, dass jeder für sich selbst (und nur für sich selbst) dieses Gebet still beten darf. Die Intention Leos XIII war, dass die Priester es auch für ihre Pfarreien regelmäßig beteten. Da zu diesen Zeiten zu den Vorstufen der Priesterweihe auch die Exorzistenweihe gehörte, waren alle Priester dazu ermächtigt, auch ohne die spezielle Bevollmächtigung, die es für den großen Exorzismus braucht.
Nachdem Leo XIII sich stufenweise bis zum Empfehlen des täglichen kleinen Exorzismus vorgearbeitet hatte, der durch die geistliche Autorität eines Pfarrers über alle, die zu seiner Pfarrei gehörten, auch diese schützen würde, schien es wohl nicht mehr so essentiell die vorhergehenden Gebete um jeden Preis beizubehalten. Vermutlich fielen aber im Lauf der Jahrzehnte diese Zusammenhänge der Vergessenheit anheim. Schließlich kam man sogar zur Ansicht, dass derartige Gebete vollkommen unnötig seien, da es ja keinen Bösen und keine bösen Geister sondern nur ein schwer zu definiertes allgemeines Böse gebe, das letztendlich irgendwo in der Natur des Einzelnen oder von Gruppen seinen Ursprung nahm.
Ob das so richtig sein kann, muss jeder für sich selbst entscheiden. Ich halte es durchaus für sinnvoll, um Schutz vor bösen Einflüssen aller Art zu beten, unabhängig davon, ob die Vision Leos des XIII sich nun auf das 20. Jahrhundert oder Teile davon oder auf immer bezog.
Es wurde die Frage aufgeworfen, was das wohl heißen möge, dass der Feind „in einen Engel des Lichts verwandelt“ unterwegs sei.
Hierauf gibt es mehrere mögliche Antworten. Zum einen, die ganz allgemeine, dass das Böse sich immer gerne als das wirklich Gute ausgibt. Die wenigsten Menschen würden schließlich absichtlich etwas eindeutig Böses tun, und wenn dann mit schlechtem Gewissen. Massiv Böses geschieht jedoch oft, wenn Verschiedene der Täuschung anheimfallen, etwas wahrhaft Gutes erreichen zu können.
Kurz erwähnt sei die Bibelstelle, die oft auf den Feind (Satan ist nämlich nur das hebräische und arabische Wort für Feind) bezogen wird, in der dieser mit dem Morgenstern verglichen wird. Diese hat letztendlich auch die heutige übliche Deutung des Namens Lucifer begründet. Aber das ist insgesamt eine komplexere Geschichte.
Weiterhin hatte Ignatius von Loyola Visionen, in denen ihm ein Engel des Lichts zu erscheinen schien, bis er dann feststellte, dass die Erscheinungen keineswegs zum Guten waren.
Man könnte auch vermuten, dass sich Leo XIII mit dem  vermeintlichen „Lichtengel“  auf die Freimaurerei bezieht, die zu seiner Zeit sehr stark war. Bei zumindest einigen dieser Vereinigungen spielte Luzifer eine sehr positive Rolle, wurde also keineswegs mit dem Bösen identifiziert sondern war nur schrecklich missverstanden worden.
Ich denke, die allgemeine Deutung, dass das Böse sich oft als gut und erstrebenswert darstellt, ist Deutung genug, die sich auf alle eventuellen konkreten Situationen anwenden lässt. Darum ist es schließlich so wichtig, dass wir das Wort Gottes immer neu verinnerlichen und kennen, damit wir erkennen was damit übereinstimmt oder es nur zu tun scheint, damit wir wie Jesus bei der Versuchung in der Wüste handeln können. Auch ihm wurden dabei scheinbar gute erstrebenswerte Dinge in Aussicht gestellt, die sogar mit dem Wort Gottes begründet zu sein schienen.

Auch wenn die Konkurrenz um den Titel hart ist

Auch ich habe den Test gemacht und das Ergebnis gefällt mir.
http://typentest.zdf.de/die-deutschen

Montag, 8. November 2010

Neu gefunden zur Geschichte der Michaelsgebete (Teil III): Berichte und Vermutungen über die Vision/Audition Leos XIII

Die englischsprachige Quelle weist hin auf die römische Zeitschrift Liturgicae (V. LXIX, S. 54-60), in der 1955 ein Bericht (Latein und Italienisch) erschien, wie das Michaelsgebet entstanden war. Dort werde in Fußnote 9 auch ein Artikel aus La Settimana del Clero 1947 von Don Domenico Pechenino zitiert; dieser arbeitete in der Amtszeit Leo XIII am Vatikan und berichtet:
 „Ich erinnere mich nicht an das genaue Jahr. Eines Morgens feierte der große Papst Leo die Messe und war wie üblich bei der Danksagungsmesse anwesend. Plötzlich sahen wir, dass er den Kopf hob und auf etwas über dem Kopf des Zelebranten starrte. Er stand da bewegungslos, ohne zu blinzeln. Sein Gesicht zeigte Entsetzen und Ehrfurcht; Gesicht und Ausdruck wechselten schnell. Etwas ungewöhnliches und ernstes geschah mit ihm.
„Schließlich, als käme er wieder zu sich, klopfte er fest auf seine Hand und erhob sich. Er begab sich in sein Privatbüro. Sein Gefolge folgte besorgt und ängstlich und flüsterte:‘Heiliger Vater, geht es Euch nicht gut? Benötigt Ihr etwas?‘ Er antwortete: ‚Nichts, nichts.‘ Etwa eine halbe Stunde später, ließ er den Sekretär der Kongregation für die Riten rufen und reichte ihm ein Blatt Papier, wollte, dass es gedruckt und an alle Ordinarien der Welt verschickt werde. Was war dieses Papier? Es war das Gebet, das wir mit dem Volk am Ende jeder Messe aufsagen. Es ist die Bitte an Maria und die leidenschaftliche Aufforderung an der Fürst des himmlischen Heers (Hl. Michael: Heiliger Erzengel Michael, steh uns bei im Kampf), Gott anzuflehen, den Satan zurück in die Hölle zu schicken.“
Laut dem Artikel in Ephemerides Liturgicae schrieb Kardinal Giovanni Nasalli Rocca di Corneliano in Litteris Pastoralibus pro Quadragesima, der Satzteil „die bösen Geister, die durch die Welt streifen, um die Seelen zu verderben“ habe einen historischen Hintergrund, die auch von seinem Privatsekretär Monsignore Rinaldo Angeli oft wiederholt worden sei. Leo XIII sah tatsächlich in einer Vision, dämonische Geister, die sich über der Ewigen Stadt versammelten. Das Gebet, das die ganze Kirche sprechen sollte sei die Frucht dieses Erlebnisses. Er sprach das Gebet mit starker kräftiger Stimme: wir hörten es oft in der Vatikanbasilika. Leo XIII schrieb auch persönlich einen Exorzismus, der im Römischen Rituale eingeschlossen ist. Er empfahl, die Bischöfe und Priester sollten ihn oft in ihren Bistümern und Pfarreien lesen. Er selbst sprach ihn oft während des Tages.

Im späten 20. Jahrhundert tauchten farbigere Geschichten auf. Diesen zufolge ging Papst Leo XIII zu den Altarstufen oder stand dort, hielt aber plötzlich inne, starrte gebannt auf etwas in der Luft und brach mit einem Ausdruck des Schreckens im Gesicht zusammen. Manche sagen sogar, er schrie. Er wurde in ein anderes Zimmer gebracht, wo er zu sich kam. Eine Version erzählt es so:
Er erklärte, als er gerade vom Fuß des Altar habe weggehen wollen, habe er zwei Stimmen gehört, eine freundlich und sanft, eine rau und harsch, die vom Tabernakel zu kommen schienen. Er hörte folgendes Gespräch: …
-          Ich kann deine Kirche zerstören. …
-          Kannst du? Dann tue es. …
-          Dazu brauche ich mehr Zeit und mehr Macht. …
-          Wieviel Zeit? Wieviel Macht? …
-          75 bis 100 Jahre und mehr Macht über die, die sich selbst in meinen Dienst begeben …
-          Du hast die Zeit, du wirst die Macht haben. Tu damit, was du willst.
Eine Variante davon erschien von William Saunders 2003 im Arlington Catholic Herald vom 2. Oktober: „Papst Leo XIII (gest. 1903) hatte eine prophetische Vision über das bevorstehende Zeitalter des Leides und Krieges. Nach der Messfeier unterhielt sich der Heilige Vater mit den Kardinälen. Plötzlich fiel er zu Boden. Die Kardinäle riefen sofort nach einem Arzt. Es war kein Puls zu finden und man fürchtete, der Heilige Vater sei tot. Genauso plötzlich wachte Papst Leo auf und sagte: ‚Was für ein schreckliches Bild ich sehen durfte!‘ In dieser Vision ließ Gott Satan ein Jahrhundert wählen, in dem er sein Schlimmstes gegen die Kirche tun könne. Der Teufel wählte das 20. Jahrhundert. Der Heilige Vater war durch die Vision so bewegt, dass er das Gebet zum heiligen Erzengel Michael schrieb.”
Die zitierten Quellen:
  1. ^ Regina Coeli address
  2. ^ Feast of Saint Michael and all Angels
  3. ^ Prayers After Low Mass
  4. ^ Decree Iam inde ab anno of the Sacred Congregation of Rites of 6 January 1884, published in Acta Sanctae Sedis 16 (1884), pages 249–250
  5. ^ Allocution Indictam ante of 30 June 1930, in Acta Apostolicae Sedis 22 (1930), page 301
  6. ^ Inter Oecumenici, 48 j
  7. ^ Antony Cekada: Russia and the Leonine Prayers
  8. ^ Rituale Romanum, 6th ed. post typicam, (Ratisbon: Pustet 1898), 163*ff.
  9. ^ p.58-59, footnote nine

Neu gefunden zur Geschichte der Michaelsgebete (Teil II): Das längere Michaelsgebet


Am 18. Mai 1890 wurde ein längeres Gebet zum hl. Michael approbiert.
Dieses wurde bereits 1902, noch vor dem Tod Leos XIII durch die hier folgende gekürzte Version ersetzt (vorläufig nur die originale englische Version):
O glorious Archangel St Michael, Prince of the heavenly host, defend us in battle, and in the struggle which is ours against the principalities and Powers, against the rulers of this world of darkness, against spirits of evil in high places (Eph 6:12). Come to the aid of men, whom God created immortal, made in his own image and likeness, and redeemed at a great price from the tyranny of the devil (Wis 2:23-24, 1 Cor 6:20).
The Church venerates thee as protector and patron; to thee has God entrusted the souls of men to be established in heavenly beatitude.
Oh, pray to the God of peace that He may put Satan under our feet, so far conquered that he may no longer be able to hold men in captivity and harm the Church. Offer our prayers in the sight of the Most High, so that they may quickly conciliate the mercies of the Lord; and beating down the dragon, the ancient serpent, who is the devil and Satan, do thou again make him captive in the abyss, that he may no longer seduce the nations.

Man nimmt an, das sich die Stelle mit den „gerissenen Feinden“ aus der längeren Version von 1888/90, die den „Thron des grauenvollen Frevels aufgestellt“ haben, auf den italienischen König, der im Quirinal seinen Thron aufgestellt hatte, bezogen habe. Da es 1902 zu einer Annäherung mit dem König kam, seien die entsprechenden Passagen gestrichen worden. Möglicherweise hatte dieser sie auch auf sich bezogen, obwohl sie eher prophetisch gemeint waren und es sollten generell diplomatische Schwierigkeiten vermieden werden.

1890 wurde das lange Gebet als eine Art Prolog den Exorzismusgebeten des Römischen Rituale vorangestellt.
(Teil III wird dann verschiedene zeitnahe Berichte über die Vision/Audition Leo XIII referieren, die zur Verfassung dieses längeren Originalgebetes führte.)

Sonntag, 7. November 2010

Neu gefunden zur Geschichte der Michaelsgebete (Teil I): Das ältere Michaelsgebet Leos XIII

Auf der original englischsprachigen Webseite  
(und wählt nur nicht die grauenhafte computergemachte Deutsch-Übersetzung!) finden sich Informationen und Quellen zur Geschichte der von Papst Leo XIII verfassten Michelsgebete. Das uns am geläufigste Gebet „Heiliger Erzengel Michael …“, wurde 1886 zu den “Leoninischen Gebeten” hinzugefügt, die Papst Leo XIII 1884 für den Abschluss der Feier der Heiligen Messe angeordnet hatte. Die Intention dieser Gebete war eine zufriedenstellende Lösung für die Problematik, dass der Papst nicht mehr auch als weltlicher Souverän anerkannt war und damit seine geistliche Autorität nicht mehr unabhängig einsetzen konnte. Mit der Schaffung des Vatikanstaates im Jahr 1929 war dieses Problem gelöst, und Papst Pius XI widmete die Gebete um, „dass das leidende Volk Russlands wieder Ruhe und Frieden finde, um den Glauben zu verkünden“.
Diese Gebete wurden mit der Instruktion Inter Oecumenici vom 26. September 1964, die ab dem 7. März 1965 galt, gestrichen.
(Teil II folgt dann zu der von mir bereits veröffentlichten längeren Version des Michaelsgebetes und als Teil III kommen dann verschiedene Versionen, was Leo XIII tatsächlich erlebt haben soll.)
hier mein voriger Post zum Thema

Gemeindeleben Wurstelheim: Energiesparmaßnahmen

Während der Wurstelheimer PGR (Pfarrgemeinderat) weiterhin seine Zeit in der Liturgie-Werkstatt aufopfert, möchten wir dem rätselhaften Phänomen des Wurstelheimer Gottesdienstbesucherschwundes selber ein wenig weiter nachgehen. Unsere ersten Nachforschungen konnten leider kein Licht ins Dunkel bringen. Denn Wurstelheim ist eine wirklich vorbildliche Gemeinde. Man betrachte nur das essentiell christliche Thema des Umweltbewusstseins.
Schon lange bevor der höchste Prälat der Dekanatsgruppe Weinland, Dr. Dr. Heinz Schlemmert, in einem Interview im September dieses Jahres betonte, dass es mehr spirituelle Impulse aus der Mitte des Glaubens in der Debatte um die Zukunft unserer Energieversorgung geben muss, hatte man in Wurstelheim schon längst die Priorität dieses Auftrages in die Praxis umgesetzt.
Zunächst war die Gemeindeleitung Wurstelheim zwar von der Höhe einer Heizkostenrechnung im Jahre 2008 überwältigt worden, die hohe Nachzahlungen erfordert hatte. Denn die Einsparungsmöglichkeiten schienen begrenzt. Weder schien es realistisch, bei den das Pfarrheim benutzenden Gruppen zwingend durchzusetzen, nicht bei offenen Fenstern die Heizungen hochzudrehen, noch konnte man das Risiko eingehen, dass Einzelne bei diesen für das Gemeindeleben hoch relevanten Veranstaltungen frieren würden. Genausowenig kam in Frage, der Gruppe, die im alten Pfarrheim gegen Bezahlung Kleinkinder betreute. etwa die Heizung abzudrehen. Gleiches galt für den Kindergarten. Das Besucherzimmer des Pfarrhauses war ohnehin schon kühl gehalten und dem Pfarrer war nicht zuzumuten, die Heizkostenrechnung selbst zu übernehmen, da die Zählerkosten für das Pfarrbüro nicht getrennt ermittelt wurden. Doch schließlich fand man die ideale Lösung:  „Wir muten unseren Kirchenbesuchern in der kalten Jahreszeit eine kalte Kirche zu, weil uns das Umweltbewusstsein wichtig ist,“ erklärte der PGR in einem seiner Protokolle des Jahres 2009.
Diese wegweisende Entscheidung setzte viel Kreativität frei. Schrittweise wurden die Kirchentemperaturen für Werktage auf etwa 5 Grad abgesenkt, während man an Sonntagen in luxuriösen 12 Grad schwelgen konnte. Ausgenommen war natürlich die Sakristei, in der Hochwürden Schlau sich umzieht und wo seine nicht winterfesten Pflanzen untergebracht wurden.
Weitere Einsparmöglichkeiten ergaben sich bei der Beleuchtung. Indem man bis  um Einzug mit einer einzelnen Glühbirne auskam und auch während des Gottesdienstes größere Teile der Kirche unbeleuchtet ließ, ließen sich pro Gottesdienst weitere 50 Cent sparen.  So konnte den meisten Gottesdienstbesuchern auch endlich die Unart abgewöhnt werden, die hinteren Bänke zu besetzen.
Ein noch größeres Sparpotenzial zeigte sich bei den elektrisch betriebenen Glocken der Pfarrkirche. Bis dahin war beim Tod eines Gemeindemitgliedes  nach Bekanntwerden  dieses Ereignisses das Totengeläut erklungen. Mit dieser energiefressenden Maßnahme hat es nun ein Ende. Totengeläut gibt es jetzt nur noch als Verlängerung des von fünf auf zwei Minuten gekürzten Angelusgeläutes, ohne Unterbrechung und ohne die energieverschlingende Aktivierung der Totenglocke. Auch sonstige Läutzeiten wurden drastisch gekürzt. So dauert das Vorläuten nun nur noch 1 statt bis zu 5 Minuten und das „Zusammenläuten“ vor Gottesdiensten wurde von fast 10 auf maximal 5 Minuten gekürzt.
Wer denkt, hiermit wäre das Sparpotenzial ausgeschöpft gewesen, irrt sich. Als Beispiele möchten wir hier nur anführen, dass Kerzenschmuck des Altares sich im Advent als absolut unnötig erwiesen hat, da auch eine Ecke des Adventskranzes über eine Altarecke gestellt werden kannn.  Für die Osterkerze nimmt man ein Plastikimitat, dessen Verzierungen an Ostern ausgetauscht werden und lässt als Licht ein Teelicht brennen. Opferlichter am Seitenaltar werden im Supermarkt für etwa 5 Cent das Stück eingekauft und für 1 Euro zur Verfügung gestellt. (Das Mitbringen eigener Teelichter ist natürlich strengstens untersagt.) Blumenschmuck erübrigt sich im Winterhalbjahr, da hier weitere Pflanzen von Hochwürden Schlau zur Verfügung gestellt werden, die während dieser Zeit nicht im Freien bleiben können.
Sparmaßnahmen sind in  Wurstelheim zutiefst verinnerlicht. So spart Hochwürden Schlau während der Fastenzeit des öfteren den liturgischen Teil des Kyrie und geht vom Eingangslied, das ein Kyrie als Wort enthält direkt zum Tagesgebet über. Da auch das kürzeste Hochgebet noch zu lange ist, ergeben sich auch hier zahlreiche Einsparmöglichkeiten. Wir sehen, der Kreativität und Phantasie sind keine Grenzen gesetzt.
Um so unverständlicher scheint uns das ständige Anwachsen des Ausbleibens der Gottesdienstbesucher.

Samstag, 6. November 2010

Briefe nach Baghdad

Gerade bin ich über andere Links auf  diese Webseite gestoßen und habe gleich auch einen Brief geschrieben. Man muss dazu nur den Text eintippen und zur Sicherheit die Email eingeben, die aber nicht weitergegeben wird.

Ich glaube, das ist eine gute Möglichkeit, der verfolgten Gemeinde dort ein Zeichen zu geben, dass sie nicht völlig vergessen sind.

Auch mich vertritt das ZdK nicht

Jetzt habe ich getan, womit ich schon seit Beginn dieses Blogs liebäugele: hier prangt jetzt das ZDK-vertritt-mich-nicht-Emblem.

Das soll nicht verschiedene Einzelne brüskieren, die auf den üblichen, immer etwas bürokratischen und rätselhaften Wegen im ZdK gelandet sind und dort jetzt viel Zeit und Mühe in Arbeitskreisen und Diskussionsrunden und Sitzungen verbringen und sich wer weiß wie anstrengen, eine sinnvolle Arbeit zu leisten - und meist nur viel Frust davontragen.

Aber diese ganze Struktur ist einfach wenig sinnvoll. Repräsentiert sind fast ausschließlich Akademiker verschiedenster Art. (Nichts gegen Akademiker, ich war selbst lange genug an der Uni.) Es kann jedoch in keiner Weise behauptet werden, dass hier die normale katholische Bevölkerung vertreten sei.

Der Resultat der jüngsten Tagung war bisher nur Bürokratie (was schon halb erleichtert), denn im Vorfeld hieß es ja, die Vertreter der Bischofskonferenz wollten mit Vertretern des ZdK Maßnahmen zum "Reformstau" besprechen, und die lange leidige Liste dahinter kennen wir schon alle auswendig.

Wenn das ZdK mich vertreten würde, dann hätten diese Vertreter in jener Runde darauf hingewiesen, dass man sich Themen widmen müsse wie Neuevangelisation, Katechese oder zumindest gründlicher Information der Getauften über die grundliegenden Inhalte des Glaubens zu dem sie gehören. Denn dann würden sich viele vermeintliche Probleme recht schnell erledigen.
Statt dessen sind neue Ausschüsse gegründet worden.

Mittwoch, 3. November 2010

Wieso eigentlich kuschelig ...

Die Äußerungen von Dompfarrer Toni Faber - ich verlinke erst gar nicht drauf - bestehen ja ohnehin hauptsächlich aus vermeintlich populistischen Platitüden, aber wie kommt man nur bei Rosenkranzbeten auf das Adjektiv "kuschelig"?
Ich denke jetzt schon den dritten Tag darüber nach und bringe es nicht zusammen. Ganz offensichtlich fehlt es mir an Vorstellungsvermögen sowie an Erfahrung. Also, ungern bete ich Rosenkranz in der Gruppe vor den Werktagsmessen. Könnte am mangelnden Kuscheligkeitsfaktor liegen: die Kirche ist eiskalt und spärlich beleuchtet und gemeinsames Aufsagen von Gebetstexten fördert bei mir nicht gerade die Besinnung. Nur kuschelig - ??????
Ich bete Rosenkranz beim Autofahren. - Kuscheligkeit Fehlanzeige. Erstens wäre Kuschelei beim Autofahren wohl nicht ganz angebracht und zweitens wäre es angenehmer, Musik zu hören und die Gedanken schweifen zu lassen, ist also mit disziplinmäßigem Wählen des Besseren aber Unbequemeren verbunden.
Beim Wandern ist Rosenkranzbeten - außer in Steilwänden, da kann man so schlecht mitzählen - hilfreich bei der Bewältigung von langen oder anstrengenden Strecken. Aber keine Kuscheligkeit.
Und wenn ich mir zuhause oder anderswo Zeit nehme, um den Rosenkranz zu beten, den täglich zu beten ich mir vorgenommen habe, ist das auch nicht kuschelig. Das wäre dann eher, ein Buch zu nehmen oder bei Chips Musik oder (den gelegentlich auch akzeptablen) Fernsehsendungen zu lauschen.

Ich bleibe also ratlos und frage mich weiter: Wie betet man den Rosenkranz kuschelig? Herr Toni Faber, können Sie mich da mal aufklären?

Dienstag, 2. November 2010

Wen es interessiert

- der kann jetzt unter akatairstexte.blogspot.com auch etwas lesen. Für den Anfang kommt keine Fiktion (Wurstelheim bleibt des Themas wegen auch bei den Anmerkungen Donec Venias) sondern etwas, das ich einmal zum Gedenktag meiner äußerst folgenreichen Begegnung mit dem Herrn geschrieben habe.
Quasi als poetischer Annäherungsversuch an etwas, das real natürlich viel mehr Aspekte und Facetten hatte, aber im Grunde auf das hinauslief, was ich da geschrieben habe. Das war es, was mir dabei als inneres Bild vor den Augen stand.

Das ist bei weitem nicht das erste, was ich je geschrieben habe, aber ohne das würde ich das meiste andere nicht schreiben und nicht geschrieben haben.

Montag, 1. November 2010

Gemeindeleben Wurstelheim: Ganz nah am Puls der Zeit


Die Pfarrgemeinde Wurstelheim geht neue Wege, um den Schwund ihrer Gottesdienstbesucher zu verringern. Wir berichteten.  Hierbei zeigt sich, wie sehr Gemeindeleitung und Pfarrgemeinderat (PGR) zum Einsatz aller Mittel bereit sind. Bereits im Vorfeld (vor etwa zwei Jahren) hatte der PGR diskutiert, das Internet vermehrt nutzen zu wollen, um insbesondere kirchenferne Jugendliche und junge Erwachsene zu erreichen. Aus diesem Grund waren auch die Protokolle des PGR schon längere Zeit auf der Bistumswebseite für alle interessierten Kirchenfernen gut erreichbar eingestellt. Der PGR war sich jedoch völlig im Klaren darüber, dass diese Maßnahme sich nicht als ausreichend erweisen würde. Darum wurde im Rahmen der Liturgiewerkstatt eine neue bahnbrechende Initiative ins Leben gerufen: Auf einer eigens dafür erstellten Webseite der Pfarrei werden Beiträge zur Wurstelheimer Liturgiereform gesammelt.

Um die zu erwartende große Masse der Beiträge bewältigen zu können, wurden auch mehrere Arbeitsausschüsse für diese Internetplattform gegründet, die sich den verschiedenen Themen wie Jugendgottesdienste, allgemeine Gottesdienste usw. widmen werden. Der Wurstelheimer Internetbeauftragte des PGR verspricht sich viel von diesem Projekt: „Hier kommen wir den kirchenfernen Jugendlichen sehr entgegen. Denn es ist bekannt, dass sich Jugendliche viel im Internet aufhalten und dort bestens auskennen. So werden wir viele interessante Beiträge erhalten.“

Zugleich ist sich der Wurstelheimer PGR auch der Problematiken einer Internetpräsenz bewusst. Um  einem Missbrauch der Wurstelheimer Internetseite vorzubeugen, ist daher eine namentliche Registrierung zwingend notwendig. „Die Beiträge zu den Foren bleiben natürlich völlig anonym, wenn das gewünscht wird“, versicherte der Internetbeauftragte.

Der PGR kann mit Stolz auf die bisherigen Erfolge verweisen. Nach den ersten vier Monaten hatte es bereits drei Diskussionsbeiträge gegeben. Nachdem nun durch die Aktivierung weiterer PGR-Mitglieder die Teilnehmerzahl der Wurstelheimer Foren auf stolze 15 angestiegen ist, konnten sogar inzwischen 20 Beiträge vermerkt werden.

Der größeren Transparenz wegen haben sich die PGR-Mitglieder entschieden, selbst nicht anonym zu bleiben und schreiben ihre Beiträge unter ihren eigenen Namen. Diese vertrauensbildende Maßnahme wird sicherlich gute Früchte tragen.

„Natürlich werden wir auch Beiträge berücksichtigen, die nicht über das Internet an uns herangetragen werden“, erklärte der PGR-Vorsitzende Rührig. „Uns sind aber vor allem die Außenstehenden wichtig, die ohne diese Initiative nicht erreicht werden könnten.“

Sonntag, 31. Oktober 2010

Eine Lanze für den Allerseelenablass


(Die sachdienlichen Informationen und Links kommen nach dem persönlichen Vorspann.)
Endlich einmal habe ich in der Sache gründlich recherchiert.  Irgendwie wusste ich schon, dass es noch Ablässe geben muss, da wurde beim Urbi et Orbi immer so etwas gesagt, und das war bei meinen Eltern Pflichtprogramm im Fernsehen an Weihnachten und Ostern; dafür wurde sogar das Essen verschoben und/oder unterbrochen.  Andererseits hörte ich immer nur, das sei völlig überholt und veraltet und irgendwie etwas für abergläubische Leute. Bei mir rangierte daher das Ganze lange unter der Rubrik „suspekt und irrelevant“.

Dann waren da die Erzählungen Einzelner über merkwürdige Praktiken an Allerseelen in der grauen Vergangenheit: rein in die Kirche – kurz gebetet – raus aus der Kirche – eine Runde um die Kirche – im Trab zum Friedhof – ein Gebet und das in ziemlich langer Wiederholungsschleife, möglichst einmal für jeden verstorbenen Verwandten jedes Jahr wieder, obwohl das angeblich ein vollkommener Ablass war. ???????

Seit etwa drei Jahren war ich eigentlich ganz erpicht, einmal selbst die Erfahrung zu machen. Nur, wie das eben so ist, gab es Hindernisse. Zum Beispiel die Sache mit dem Beichttermin.  Der ist auch abhängig vom Terminkalender meines geistlichen Begleiters, und da ich den recht regelmäßig sehe, ist da dann auch nicht soviel, das für eine „Normal-Beichte“ übrig bliebe und sich so verpacken ließe,  dass der eine oder andere Pfarrer es als beichtwürdig erachtet.  (Darüber sollte ich mal einen eigenen Post schreiben. Und meines Wissens musste der Beichttermin möglichst nahe an Allerseelen liegen, aber die Lage ist, wenn das, was ich gefunden habe, stimmt, viel günstiger: Denn der Zeitrahmen ist 20 Tage vor oder nach Allerseelen.

Exzellent! Endlich die Möglichkeit, für andere etwas Gutes tun zu können.
Also, den Allerseelenablass zugunsten der Verstorbenen gibt es ab Allerheiligen 12 Uhr mittags (high noon) und dann täglich bis zum 8. November je einmal am Tag, wenn man innerhalb obiger Frist sakramental beichtet, an dem Tag die heilige Kommunion empfängt, in der Meinung des Papstes betet; in einer öffentlichen Kapelle oder Kirche ein Vaterunser und das Glaubensbekenntnis betet und/oder auf dem Friedhof für den/die Verstorbenen betet. Gut zusammengefasst ist das auf Kathpedia. Allgemeines in großer Ausführlichkeit zu verschiedensten Details bei Ablässen und eine Sammlung von Gebeten für Verstorbene gibt es dann noch hier.
Dazu kommt die übliche Vorbedingung für jeden Ablass, frei von jeder lässlichen Sünde zu sein, wenn man diese Gebete verrichtet. Ein Artikel der Zeit von gestern stellt das auch gar nicht schlecht dar, hält aber gerade das für ein unüberwindliches Hindernis, so dass ja dann doch niemand einen vollkommenen Ablass für sich oder andere gewinnen könne. Ich zitiere aus der letztgenannten Quelle: „Diese Bedingung stellt das eigentliche Problem dar. Wer sich Gott nicht vollends zuwendet, kann auch durch die Kirche keinen Vollablass erhalten. Als lässliche Sünde ist all das aufzufassen, was im Leben das Verhältnis zu Gott und den Mitmenschen stört, das Band der „Taufgnade“ aber nicht vollends zerreißt (also keine „Todsünde“ ist, die bei versäumter Vergebung die Höllenstrafe nach sich ziehen muss) … Auffällig ist zudem eine wunderliche Paradoxie. In den kirchlichen Verlautbarungen wird normalerweise die fundamentale Bedingung für den Straferlass verschwiegen: Der Empfänger der Gnade muss im Augenblick der Zusage frei sein von jeglicher sündhafter Neigung! Mit dieser Kondition – wenn sie denn wirklich ernst gemeint wäre – hätte die katholische Kirche ihr gesamtes Ablasswesen, das sie seit Johannes Paul II. wieder mit verstärkter Intensität betreibt, ad absurdum geführt. Denn dieselbe Kirche lehrt ja, dass niemand frei von Sünde sei. Erst die Gnade Gottes befreie uns. Um die Gnade des vollkommenen Ablasses zu erlangen, müsste der Mensch seine Seele in einer engelsgleichen Reinheit stabilisieren – und selbst von den Engeln wird erzählt, dass sie wider Gott den Aufstand probten.“
Das kann zwar ein Problem werden, für sich selbst einen vollkommenen Ablass zu erhalten, weil man bei bester Intention –zack – doch wieder einmal denselben Mist macht und das dann wieder regeln muss. Aber für den Allerseelenablass zugunsten der anderen ist das nun doch wirklich kein Problem. Lässlich heißt doch, dass ich das nun wirklich nicht will und dann gerate ich doch dummer- und ärgerlicherweise und/oder gedankenlos hinein.  Lässlich heißt auch, dass ich nicht unbedingt die sofortige sakramentale Lossprechung brauche, sondern Gott auch einmal so um Verzeihung bitten kann, um mich von dem Fehler wieder abzuwenden. Klar ist das Gnade Gottes, aber eben doch gar nicht so schwer zu haben – finde ich jedenfalls. Oder kann sich da jemand erst gar nicht vorstellen, dass man tatsächlich die Absicht haben kann, alles Ungute lassen zu wollen?
Fazit: Das mit dem Allerseelenablas eine echte Option. Und selbst wenn es - wider alles Erwarten - nicht für einen vollkommenen Ablass reichen sollte, ein teilweiser wäre doch wohl auch besser als nichts.

Ich werde jedenfalls morgen mein Bestes geben, damit jemand etwas davon hat (muss ja gar nicht Familie sein, ist doch ganz egal, wem von den mir bekannten oder unbekannten Brüdern und Schwestern im Herrn da etwas zufällt; der Herr wird das schon richtig verteilen).

Donnerstag, 28. Oktober 2010

Ich schreibe wie ...

Nach dem Post bei Materamata musste ich es auch einmal ausprobieren. Wie wer schreibe ich denn? Freud war es bei mir dann doch nicht, aber eine merkwürdige Sammlung:
Peter Handke - einer meiner Posts
Georg Trakl - hier unveröffentlichte Prosa
Sibylle Berg - dito
Joseph Roth - dito
Immanuel Kant - und das ausgerechnet für Wurstelheim! Hat Kant Satire geschrieben?
Und das Unangenehmste bei einem Erzählpost. Nun ja, was hatte ich erwartet. Wenn ich es da schon ganz nonchalant und einfach versuche und völlig ohne schriftstellerische Ambition ... Trotzdem, wenn das dann ausgerechnet klingt wie .... Aaargh! Und ich habe jetzt doch wirklich ein ganz anderes Vokabular und Thema! Also, angeblich war das ein Stil wie Charlotte Roche.
Grausig, grausig, grausig.