Vor einigen Wochen hatte ich zufällig Kontakt mit einem in seiner Pfarrei sehr engagierten Katholiken, der voller Zorn über seinen Bischof war. Tatort war das Bistum Limburg. Nun war mir ja schon öfters aufgefallen, dass zwar in ganz Deutschland Pfarreien im Dutzend eliminiert und zusammengelegt werden (immer auf Wunsch des PGR und zur ungeheuren Begeisterung aller Pfarreimitglieder, wenn man den Artikeln der Kirchenzeitung folgt), aber dass das im Bistum Limburg bisher nicht bekannt ist und die unglücklichen Diözesanen dort solche Unbill nur aufgrund ihres mitleidlosen Bischofs erleiden müssen, der Pfarreien schließt, um seine Privatkapelle im Bischofssitz zu finanzieren (so wurde es schon mehrfach dargestellt).
Jener Herr hatte noch einen besonderen Tadel gegenüber seinem Bischof auszusprechen. Dieser bringe seine arrogante Haltung dadurch zum Ausdruck, dass er stets als Priester (oder gar Bischof) erkennbar gekleidet sei. Denn jeder Priester, der sich nicht wie normale Menschen in Jeans und T-Shirt kleide, verachte diese und halte sich für etwas Besseres. Wie bewunderswert sei doch der Vorgänger dieses Bischofs, der da stets als Normalbürger gekleidet gewesen sei.
Ich hatte zwar schon auch von dem einen oder anderen in Hemd mit Pullunder oder T-Shirt gekleidete Pfarrer mehr oder weniger befremdet Aussagen gehört, dass sie hofften, dass alle ihre Mitbrüder gleich ihnen ihre Standesdünkel ablegen möchten, um auch in ihrer Kleidung zu demonstrieren, dass sie sich in nichts von anderen Christen unterschieden. Nur ganz so heftig war der Vortrag noch nie gewesen.
Irgendwie scheinen hier mehrere Missverständnisse vorzuliegen.
Missverständnis 1: Wer eine Berufskleidung trägt, möchte sich damit absondern
Missverständnis 2: Wer eine Berufskleidung trägt, tut dies, um sich über andere zu erheben
Missverständnis 3: Wer eine Berufskleidung trägt, hält sich für überlegen und will auf Nichtangehörige dieses Berufes herabschauen
Missverständnis 4: Berufskleidung ist eine Art Verkleidung
Nein, liebe Mitbürger. Wer eine Berufskleidung trägt, tut dies in erster Linie, weil diese u.a. mit den Erfordernissen seines Berufes zu tun hat und/oder ihn damit besser für andere verfügbar macht.
Es ist doch manchmal ganz sinnvoll, wenn man einen Polizisten gleich erkennen kann. Oder einen Arzt. Oder die Stewardess. - Oder auch einmal einen Priester.
Natürlich gibt es auch immer Menschen, die sich hinter ihrer Kleidung verstecken. Aber das macht die Kleidung nicht weniger sinnvoll.
Übrigens gerade im Falle von Priestern fällt es auf, dass manche Pastoralreferenten sich gerne "klerikal" kleiden und dabei gleich noch (völlig unrechtmäßigerweise) Sakramente wie die Krankensalbung zu spenden vorgeben. Allerdings greifen sie nicht zu Kleidung, die nun einmal Priestern vorbehalten ist, sondern kleiden sich wie Priester, die typische Priesterkleidung (Kollar etc.) für altmodisch/anmaßend/was auch immer halten.
und dann noch
Missverständnis 5: Priester sind wie evangelische Pfarre, sie haben ein Amt bekommen unterscheiden sich aber sonst in nichts von anderen Menschen.
Doch, tun sie. Und zwar weil sie eine offizielle Erklärung abgegeben haben, dass sie darauf verzichten, über sich selbst zu verfügen sondern dienen werden (man nennt das Gehorsam) und zwar der Kirche, ihrem Bischof, dem ganzen Leib Christi. Und je "höher" die Weihe, desto "tiefer" ist diese Verpflichtung bis hin zum Papst, der nicht proforma den Titel "Diener der Diener Christi" trägt.
Die Weihe (und ihr Kenntlichmachen auch durch die Kleidung) ändern aber tatsächlich etwas. Der Geweihte ist durch die Weihe zu mehr verpflichtet als ein Nichtgeweihter. Das bringt Rechte und Pflichten mit sich. Es fordert von ihm aber es erfordert auch Unterstützung ihm gegenüber, damit er seinen Versprechen nachkommen kann. Genau diese Unterstützung wird aber abgegraben, wenn er sich unkenntlich macht, ihm selbst und denen, denen er helfen kann.
Oremus pro Pontifice nostro Franzisco.
Dominus conservet eum et vivificet eum
et beatum faciat eum in terra et
non tradat eum in animam inimicorum eius.
Sonntag, 28. August 2011
"Befehl" nach ganz oben
Merkwürdig. Da ist doch diese Stelle im Johannesevangelium, in der Jesus zu Nikodemus vom Geist Gottes sagt: "Der Wind weht, wo er will."
Zur Genüge kennen alle schon, die Wünsche an den Papst, die Bischöfe und die Kirche im Allgemeinen. (Kurzform: Ich will, dass ihr tut, was ich will), die gerade auch im Vorfeld des Papstbesuches geäußert wurden und werden. Wobei "Wünsche" eine abmildernde Bezeichnung für recht ultimative Forderungen zu sein pflegt. Doch immerhin wurden diese Wünsche (Befehle) bisher nur Menschen übermittelt.
Jetzt sind wir weiter. "Ich wünsche mir", sagt Pastoralamtsleiterin Veronika Prüller-Jagenteufel (Wien), "dass ... der Heilige Geist der Kirche noch einmal etwas Neues zeigt und neue Wege eröffnet."
Wir können davon ausgehen, dass der Befehl bei der Heiligen Dreifaltigkeit eingetroffen ist (wegen der Allwissenheit).
Wäre die Dame doch nur bei den Wünschen an die Kirche geblieben, die ihrer Meinung nach den Heiligen Geist nicht richtig versteht, aber offenbar war auch die Instanz über der Kirche bisher nicht eilfertig genug, solchen Wünschen nachzukommen, sodass nun öffentlicher Druck vonnöten scheint.
(rofl)
Zur Genüge kennen alle schon, die Wünsche an den Papst, die Bischöfe und die Kirche im Allgemeinen. (Kurzform: Ich will, dass ihr tut, was ich will), die gerade auch im Vorfeld des Papstbesuches geäußert wurden und werden. Wobei "Wünsche" eine abmildernde Bezeichnung für recht ultimative Forderungen zu sein pflegt. Doch immerhin wurden diese Wünsche (Befehle) bisher nur Menschen übermittelt.
Jetzt sind wir weiter. "Ich wünsche mir", sagt Pastoralamtsleiterin Veronika Prüller-Jagenteufel (Wien), "dass ... der Heilige Geist der Kirche noch einmal etwas Neues zeigt und neue Wege eröffnet."
Wir können davon ausgehen, dass der Befehl bei der Heiligen Dreifaltigkeit eingetroffen ist (wegen der Allwissenheit).
Wäre die Dame doch nur bei den Wünschen an die Kirche geblieben, die ihrer Meinung nach den Heiligen Geist nicht richtig versteht, aber offenbar war auch die Instanz über der Kirche bisher nicht eilfertig genug, solchen Wünschen nachzukommen, sodass nun öffentlicher Druck vonnöten scheint.
(rofl)
Mittwoch, 24. August 2011
Kirchenchor
Davon gab es bei uns immer einen. Gewöhnlich trat und tritt er bei größeren Kirchenfesten oder Jubiläen seiner Miglieder mit Messn in Erscheinung und singt, wie man es eben von einem Dorfchor erwartet. Nicht übermäßig gut, nicht übermäßig schlecht, manchmal sogar ganz schön.
Einmal versuchte der Chor sich am Karfreitag an der Matthäuspassion. Da gewisse Solopassagen danach noch nach Wochen eine Vorlage für nicht ganz freundliche Anmerkungen derjenigen, die dabei anwesend gewesen waren, dienten, blieb es bei einem einmaligen solchen Einsatz. Zur Erleichterung der Mehrheit.
Außer dem Kirchenchor gab es auch noch zwei Gesangsvereine und ein Blasorchester. Das Blasorchester trat nur an vier Terminen im Jahr in der Kirche in Erscheinung. Wo es immer das gleiche Repertoire spielte.
Anfangs dachte ich, das Blasorchester sei so katholisch wie der Kirchenchor. Im Laufe der Zeit stellte sich heraus, dass eher der Kirchenchor so katholisch wie das Blasorchester war, soll heißen, die Sänger erschienen zu einem großen Teil nur in der Kirche, wenn es einen Sondereinsatz des Chores gab.
Irgendwann dachte ich darüber nach, was eigentlich den Kirchenchor vom Gesangsverein unterschied und kam nur auf den Schwerpunkt beim Repertoire. Die einen sangen selten Kirchenlieder, die andern sangen häufiger Kirchenlieder und übten für Kirchenfeste. In der Glaubenspraxis bzw. –nichtpraxis unterschieden sie sich kaum. Auch nicht in dem, was sie gerne sangen, wenn kein Hochfest anstand.
Ich singe gern, aber ich tue auch gern anderes, darum war der Kirchenchor für mich nicht interessant, denn sein Hauptzweck schien letztendlich das Vereinsleben zu sein.
Erst in den letzten Monaten ist es mir langsam gedämmert, durch meine gelegentlichen Besuche der alten Messe, dass der Kirchenchor einmal mehr als Dekoration für Feierlichkeiten und Runde für Geselligkeit war: der Choralgesang mit seinen Feinheiten brauchte Übung. Einmal war der Kirchenchor wichtig, um allen, auch den Nichtsängern, eine intensivere Teilnahme an der Messe zu ermöglich, um die alten Texte nach gregorianischer Melodik im Wechsel des Kirchenjahres allen verfügbar zu machen. Und der Gesang des Kirchenchors war aktivste Teilnahme an der himmlischen Liturgie als ein Chor in Gemeinschaft mit den Engelschören.
Und ich denke, ich würde versuchen, bei so einem Chor mitzusingen, um besser zu verstehen und zu beten und bei etwas mitzuwirken, das dem Gottesdienst so dient. Dafür würde ich zeitliche Freiräume suchen. Aber es gibt keinen solchen Chor in der Nähe. Es gibt nur die katholische Version des Gesangvereins, die sich am Singen per se erfreut und den anderen gelegentlich ihre Künste vorführt.
Montag, 8. August 2011
Liebe und Triebe
I Liebe
Liebe im weitesten Sinne ist die Bereitschaft, eine bestimmte Quantität investieren zu wollen, um ein persönlich angestrebtes Ziel zu erreichen.
Das kann auf ganz niedrigem Niveau sein:
„Ich liebe Schokoladenkuchen. Darum zahle ich gerne ein paar Euro, um den Genuss zu haben, ihn zu essen.“
Eine „Liebe“ vollkommen im eigenen Interesse; der Kuchen wird dafür nur verbraucht und um ihn zu erhalten, muss eine Gegenleistung (Geld) gegeben werden.
Auch unter Menschen gibt es solche rein geschäftlichen Liebesbeziehungen, die aber den anderen zu einem Gegenstand machen und ihm damit etwas an Würde rauben.
Der völlig entgegengesetzte Pol in der Liebe ist der von Jesus demonstrierte:
Er gibt aus Liebe sein Leben, selbst für die, die sich ihm gegenüber feindlich verhalten.
Eine selbstlose Liebe. Es wird alles gegeben, ohne die Sicherheit für eine Gegenleistung zu erhalten. Das angestrebte Ziel ist allein das Wohl des Geliebten. Der Geliebte erhält etwas, ohne selbst dafür etwas leisten zu müssen oder gar benutzt zu werden.
Manchmal wird er dadurch zu jemandem, der auch so zu lieben versucht.
Unsere Liebesfähigkeit befindet sich meistens zwischen diesen beiden Polen. Wir schätzen aber die uns entgegengebrachte Liebe um so höher, je mehr sie selbstlos wird.
Liebe darf auch auf keinen Fall als identisch mit Geschlechtsbeziehungen gesehen werden, wie das leider oft getan wird. Jeder von uns sollte eigentlich hinreichend andere Beispiele kennen:
- die Liebe zwischen Eltern, Kindern und Verwandten
- die Liebe zwischen guten Freunden
- die Liebe von Gefährten, die gemeinsam schwierige Situationen bestehen
- die Liebe, wenn es gelingt, im Mitmenschen den Bruder zu erkennen, den von Gott geliebten Menschen, den man selbst gar nicht anders als lieben kann
In all diesen Fällen kann die Liebe so tief sein, dass der Liebende bereit ist, für den anderen sein Leben einzusetzen, und in vielen dieser Fälle wäre jeder Gedanke an einen Geschlechtsakt mit der geliebten Person abwegig, in manchen Fällen sogar verbrecherisch.
II Triebe
Der sexuelle Trieb ist ursprünglich ein Trieb, der dem Überleben des Menschen dient. Er ist nicht so elementar wie der Trieb zu essen und zu trinken, was das unmittelbare Überleben sichert oder der, liebevolle Beziehungen zu haben, was das psychische Überleben sichert. Er gehört eher zu situationsbedingten Trieben wie dem Fluchttrieb oder dem Angriffstrieb und ist wie alle Triebe von speziellen Hormonen gesteuert. Und wie alle Triebe kann er ausgelöst werden, ohne dass es sinnvoll ist.
Wer nicht isst, stirbt - darum lösen Hormone beim Essen positive Gefühle aus. Leider so undifferenziert, dass manche Menschen sich dadurch sogar krank essen. Manche werden dabei auch nur noch von Gier getrieben und können das Essen nicht mehr genießen. Das Essen wird zur Sucht.
Wer keine fürsorglichen Beziehungen hat, wird auch nicht lange überleben - darum lösen Hormone dabei glückliche Gefühle aus. Bei manchen führt das leider zu krankhaftem Verhalten, das nicht mehr aus der Ich-Zentriertheit herauskommt. Die Sicherheit durch Fürsorge anderer wird zur Sucht.
Wer nicht flüchten und kämpfen kann, wird schnell getötet - also lösen die entsprechenden Hormone bei der Reaktion auch euphorische Gefühle aus. Bei manchen führt das zu exzessivem Suchen von Gefahrensituationen, was wieder lebensgefährdend wird. Die Gefahrensuche wird zur Sucht.
Wer nicht sexuell tätig wird, kann keine Nachkommen zeugen - darum lösen Hormone bei Geschlechtsakten Glücksgefühle aus. Wie Essen, Trinken und riskantes Verhalten kann es auch hier dazu kommen, dass die dadurch ausgelöste Euphorie zu übermäßig gesucht wird, so dass es zu Verhaltensweisen kommt, die genau das gefährden, was der Trieb sichern sollte, nämlich zu. Zerstörung stabiler sozialer Beziehungen, Gefährdung der eigenen Gesundheit und der anderer und zu sexuelle Praktiken, die nicht der Fortpflanzung dienen und um ihrer selbst willen gesucht werden. Die sexuelle Betätigung wird zur Sucht.
III Liebe und Triebe
Was haben nun die Triebe mit Liebe zu tun?
Wer liebt, versucht dem anderen das zu geben, von dem er selbst weiß, dass im anderen dazu ein Antrieb ist. Der Geliebte wird mit Nahrung versorgt, mit Fürsorge umgeben, vor Gefahren geschützt und man versucht, ihm zu ermöglichen, Nachkommen zu haben (z.B. auch Eltern, die wollen, dass ihre Kinder einen treuen und verlässlichen Partner finden).
Das, was ursprünglich nur der Befriedigung eines Triebes diente, kann zur Ausdrucksform der Liebe werden.
Nur wie das schon bei den eigenen Trieben geschieht, kann auch dieses Bestreben, anderen Liebe zu zeigen, auf Irrwege geraten: Es wird zuviel Nahrung gegeben. Oder Nahrung, die dem anderen nicht nützt. Die Fürsorge kann zu einengend werden, statt andere zu schützen, werden diese in Unselbständigkeit gehalten. Statt dem anderen geistliche und körperliche Fruchtbarkeit zu ermöglichen, wird dieser zur Befriedigung oder Ersatzbefriedigung der eigenen Triebe gebraucht.
Es kann also Ausdruck tiefer Liebe sein, dem anderen ein schönes Essen zu bereiten.
Es kann reine Liebe sein, sich um den anderen zu sorgen.
Es kann Ausdruck hingebender Liebe sein, sich dem anderen in intimen sexuellen Akten zu schenken.
Es kann. Es ist aber nicht notwendigerweise so.
Manchmal ist es Ausdruck der Liebe, das nicht zu geben, zu dem der andere sich getrieben fühlt, weil ihm in der Unterordnung unter einen Trieb Wichtigeres verloren geht.
Die Triebe bieten eine Möglichkeit Liebe zu zeigen. Manchmal, indem einem Bedürfnis nachgekommen wird, manchmal indem man ihnen nicht nachkommt.
IV Das zerstörerische Tabu unserer Zeit
- während offen diskutiert wird, wie Menschen zu helfen ist, denen bei Essen und Trinken jedes Maß so verloren gegangen, dass sie dadurch ihre Gesundheit stark gefährden und staatliche Behörden manchmal sogar in Versuchung sind, „zum Wohle der Betroffenen“ zu repressiven und gängelnden Maßnahmen zu greifen
- während psychische Abhängigkeiten, die ein selbständiges Leben und die Freiheit einschränken, in allen Medien heiß diskutiert werden und zahlreiche Menschen mit entsprechenden Beratungen ihren Lebensunterhalt verdienen
ist es tabuisiert, über die gravierenden Folgen sexueller Unbeherrschtheit auf all ihren Ebenen zu sprechen.
Dies beginnt ganz lapidar mit dem erhöhten Vorkommen von, zum Teil sehr schwerwiegenden Erkrankungen, die in Zusammenhang mit einem einer unklugen sexuellen Triebbefriedigung stehen.
Viele dieser Erkrankungen haben ihren Ursprung erst an zweiter Stelle in der Betrachtung der Sexualität als Konsumgut, was zu sexuellen Kontakten mit (häufig) wechselnden Partner steht; solche Praktiken führen nur zu ihrer stärkeren Verbreitung. In vielen Fällen rühren jedoch die Erkrankungen daher, dass in der ständigem Suche nach immer neuer Erregung ausgerechnet die – aus mehreren biologischen Gründen – sehr infektionsanfälligen Geschlechtsorgane in Kontakt mit Umfeldern gebracht werden, für die sie nicht wirklich tauglich sind. Als drastisches Beispiel ist hier zum Beispiel der Enddarm zu nennen, ein Umfeld, das mit zahlreichen Bakterienstämmen besiedelt und mit Verdauungsrückständen ausgekleidet ist.
Während fast jeder es zu Recht als Angriff gegen seine Menschenwürde betrachten würde, zwänge ihn jemand, seine Zunge in Kontakt mit einer schlecht gereinigten Toilettenschüssel zu bringen, schrecken einige (viele?) unbegreiflicherweise nicht davor zurück, ein anderes Körperorgan, das deutlich infektionsanfälliger ist als der Mundraum und über weniger Abwehrmechanismen verfügt, ausgerechnet in Kontakt mit dem Inneren des Enddarmes zu bringen. Was zum einen oft zu kleinen Verletzungen des Enddarmes selbst führt (immer riskant, da so Bakterien in die Blutbahn gelangen können) und zum anderen die dortigen Bakterienkulturen beim nächsten standardmäßigerem Einsatz besagter Organe in den weiblichen Vaginalraum überträgt, wo sie die verschiedensten Erkrankungen bis hin zum Gebärmutterhalskrebs auslösen können.
Alles sehr tabuisierte Dinge. Mit doppeltem Tabu, da es ja auch noch um die Ausscheidungsorgane geht. – Vielleicht aber könnte hinter so manchem ehemaligem Gesetz, das nun als reine Grausamkeit gegenüber diversen sexuellen Neigungen propagiert wird, doch auch die eine oder andere Erwägung zur Verhütung grassierender Krankheiten gestanden haben?
Wie dem auch sei. Möglicherweise gravierender als Risiken für die physische Gesundheit, wenn gewisse Dinge praktiziert werden, ist die Behauptung – der nicht widersprochen werden darf -, dass es bei der Stillung diverser Triebe vor allem um Liebe gehe. Ja, dass Liebe manchmal unabdingbar in Verbindung mit Geschlechtsverkehr gesehen wird. Dass manchmal fast schon in einem fatalen Umkehrschluss dem Mangel an Liebe vorgeworfen wird, der eine Bändigung der Triebe für sinnvoll hält.
In einigen Fällen scheint es sich tatsächlich um eine Sprachlosigkeit der Liebe zu handeln, die meint, sich nur durch geschlechtliche Intimität ausreichend Ausdruck verschaffen zu können. Ist es dann allerdings verwunderlich, dass bei Menschen, die mit so einem vagen und unvollständigen Begriff von Liebe aufwachsen, der Wille einem Trieb zu widerstehen sehr geschwächt ist? Wird ihnen doch fast gleichzeitig der Vorwurf gemacht, sie liebten gar nicht wirklich, wenn sie sich diesem Trieb widersetzten! Und der Mangel an Liebesfähigkeit ist in unserer Zeit, in der die Emotionalität ständig Pyrrhus-Siege über die Vernunft davonträgt, eine der vernichtendsten und aus der Gemeinschaft ausschließenden Vorwürfe, die erhoben werden können.
Montag, 25. Juli 2011
Wenn einer eine Reise tut ...
... dann kann er was erleben. Und manchmal ist es sehr befremdlich.
Ich befand mich also in einem von Bergen umschlossenen Gau Österreichs, der von allen Seiten nur über Pässe erreichbar ist und - wie jedes Jahr - hatte der Pfarrer der Gegend (einzelne Orte haben schon lange keinen eigenen Pfarrer mehr dort) in Urlaub, während ich meinen Urlaub dort machte.
Der Blick auf die Gottesdienstordnung zeigte, dass der "Pfarrgottesdienst der Gemeinde" am Sonntag nur ein Wortgottesdienst war. Blieb also der Samstagabend.
Durch einen aus einem Ringbuch gehaltenen Gottesdienst durch den Vertretungsgeistlichen im Vorjahr vorgewarnt, hatte ich dieses Mal den Schott dabei. Vorsichtshalber, damit ich nicht ganz ahnungslos blieb, was die katholische Liturgie für jenen Sonntag eigentlich vorgesehen hatte. (Der Vertretungsgeistliche noch ein Jahr früher, ein Pater aus dem Raum Salzburg, war auch seltsam gewesen. Die allgemeine Stimmung der Ortsansässigen, die sich gerne rühmen, die meisten Sonnenstunden in Österreich zu haben, sank um gefährliche Grade, als er schilderte, wie er durch Nebel und Wolken in diese abgelegene sibirische Gegend gefahren sei - weshalb er wohl auch schon dachte, dass man es an so einem Ende der Welt mit der Liturgie nicht so genau nehmen muss.)
Die Zahl der Gottesdienstbesucher ohne Messdiener und mit anderen Diensten Betraute betrug fünfzehn. In sich schon erschreckend. Allerdings - später wunderte mich das nicht so ganz.
Denn in der Gegend ist es üblich, nicht lange herumzufahren, sondern fast nur in die Messe zu gehen, wenn die auch in der Kirche vor Ort ist, weshalb der Pfarrer jeden Sonntag die Hauptmesse in einer anderen Kirche hält, was den Gesamtgottesdienstbesuch deutlich erhöht. Und das, was da jetzt kam ...
Es war wieder das Ringbuch. Dieses Mal aber wohl andere Blätter daraus. Keine "volkstümlich formulierten" pseudo-liturgischen Texte. Messbuch war es allerdings auch nicht. Na gut, man ist es ja schon gewohnt, hier einiges zu erleiden.
Bedenklich wurde es etwas gegen Ende der Predigt, als der Zelebrant in Minute 15-20 (oder so) noch allen verdeutlichen musste, dass er schon immer mutig und angstfrei den Bedürfnissen des gewöhnlichen Volkes entgegengekommen ist. Denn "keiner hier versteht Latein" (man kann in Gottesdiensten so schlecht laut protestieren). Und in der Kaplanszeit jenes Priesters, in den frühen 60er Jahren sei es üblich gewesen, das Evangelium eben zweimal zu lesen, zuerst in Latein, dann in Deutsch. Er aber habe schon damals die lateinische Lesung, diesen Unsinn gestrichen, woraufhin ihn allerlei Mahnungen und zahlreiche Briefe seines Bischofs erreichten, die er aber allesamt nicht beachtete. Und, wie wir ja alle wüssten, sei dann tatsächlich ein paar Jahre später das Latein beim Konzil verboten worden, wodurch erwiesen sei, dass er nie ungehorsam war, sondern lediglich "vorauseilenden Gehorsam" praktiziert habe.
Eine denkwürdige Logik. Mal abgesehen davon, dass es das "Lateinverbot" nie gab, jedenfalls nicht während oder durch das Konzil, sondern höchstens durch Einzelpersonen wie ihn. Also, wenn ich nächstens auf der Autobahn eine Geschwindigkeitsbegrenzung sehe, die von 22h bis 6 h gilt, es ist aber 4 Uhr, dann darf ich mich vor Gericht darauf berufen, dass ich ja nur vorauseilenden Gehorsam leistete, als ich 50 km/h schneller als erlaubt gefahren bin?
So weit, so ungut. Es nahte das Hochgebet. Geboten wurde eine Variante über das vierte solche mit zahlreichen Ergänzungen, Abänderungen und Auslassungen, die - hier kommt der wirklich dicke Brocken - nicht einmal die Wandlungsworte verschonten.
Danach war ich dann wirklich im Zweifel, ob so etwas noch gültig sein kann. Meines Wissens eher nein. Von daher fragte ich mich, ob es überhaupt irgendeinen Sinn machen könne, jetzt noch zur Kommunion zu gehen bzw. ob das zu verantworten ist..
Das Dilemma fand dann zum Glück dadurch eine Lösung, dass der Pfarrer (nicht der Zelebrant an diesem Tag), wohl für den Sonntags-Wortgottesdienst, ein großes Ziborium voller recht kleiner Hostien konsekriert hatte, die von einer Kommunionhelferin ausgeteilt wurden. Auf der anderen Seite gab es dann die Stücke der zerbrochenen Riesenhostie, die möglicherweise nicht wirklich der Leib Christi war.
Ich habe dann beschlossen, meinen Aufenthalt um einen halben Tag zu kürzen und den folgenden Sonntag (gestern) dann doch lieber mit den Wurstelheimer Verhältnissen vorlieb zu nehmen. Zwar etwas betrübt, dass dieser Zelebrant die Feier der Messe als eine Art lästige Mühe betrachtet, aber immerhin zuversichtlich, dass es trotz allem eine gültig gefeierte heilige Messe ist.
Ich befand mich also in einem von Bergen umschlossenen Gau Österreichs, der von allen Seiten nur über Pässe erreichbar ist und - wie jedes Jahr - hatte der Pfarrer der Gegend (einzelne Orte haben schon lange keinen eigenen Pfarrer mehr dort) in Urlaub, während ich meinen Urlaub dort machte.
Der Blick auf die Gottesdienstordnung zeigte, dass der "Pfarrgottesdienst der Gemeinde" am Sonntag nur ein Wortgottesdienst war. Blieb also der Samstagabend.
Durch einen aus einem Ringbuch gehaltenen Gottesdienst durch den Vertretungsgeistlichen im Vorjahr vorgewarnt, hatte ich dieses Mal den Schott dabei. Vorsichtshalber, damit ich nicht ganz ahnungslos blieb, was die katholische Liturgie für jenen Sonntag eigentlich vorgesehen hatte. (Der Vertretungsgeistliche noch ein Jahr früher, ein Pater aus dem Raum Salzburg, war auch seltsam gewesen. Die allgemeine Stimmung der Ortsansässigen, die sich gerne rühmen, die meisten Sonnenstunden in Österreich zu haben, sank um gefährliche Grade, als er schilderte, wie er durch Nebel und Wolken in diese abgelegene sibirische Gegend gefahren sei - weshalb er wohl auch schon dachte, dass man es an so einem Ende der Welt mit der Liturgie nicht so genau nehmen muss.)
Die Zahl der Gottesdienstbesucher ohne Messdiener und mit anderen Diensten Betraute betrug fünfzehn. In sich schon erschreckend. Allerdings - später wunderte mich das nicht so ganz.
Denn in der Gegend ist es üblich, nicht lange herumzufahren, sondern fast nur in die Messe zu gehen, wenn die auch in der Kirche vor Ort ist, weshalb der Pfarrer jeden Sonntag die Hauptmesse in einer anderen Kirche hält, was den Gesamtgottesdienstbesuch deutlich erhöht. Und das, was da jetzt kam ...
Es war wieder das Ringbuch. Dieses Mal aber wohl andere Blätter daraus. Keine "volkstümlich formulierten" pseudo-liturgischen Texte. Messbuch war es allerdings auch nicht. Na gut, man ist es ja schon gewohnt, hier einiges zu erleiden.
Bedenklich wurde es etwas gegen Ende der Predigt, als der Zelebrant in Minute 15-20 (oder so) noch allen verdeutlichen musste, dass er schon immer mutig und angstfrei den Bedürfnissen des gewöhnlichen Volkes entgegengekommen ist. Denn "keiner hier versteht Latein" (man kann in Gottesdiensten so schlecht laut protestieren). Und in der Kaplanszeit jenes Priesters, in den frühen 60er Jahren sei es üblich gewesen, das Evangelium eben zweimal zu lesen, zuerst in Latein, dann in Deutsch. Er aber habe schon damals die lateinische Lesung, diesen Unsinn gestrichen, woraufhin ihn allerlei Mahnungen und zahlreiche Briefe seines Bischofs erreichten, die er aber allesamt nicht beachtete. Und, wie wir ja alle wüssten, sei dann tatsächlich ein paar Jahre später das Latein beim Konzil verboten worden, wodurch erwiesen sei, dass er nie ungehorsam war, sondern lediglich "vorauseilenden Gehorsam" praktiziert habe.
Eine denkwürdige Logik. Mal abgesehen davon, dass es das "Lateinverbot" nie gab, jedenfalls nicht während oder durch das Konzil, sondern höchstens durch Einzelpersonen wie ihn. Also, wenn ich nächstens auf der Autobahn eine Geschwindigkeitsbegrenzung sehe, die von 22h bis 6 h gilt, es ist aber 4 Uhr, dann darf ich mich vor Gericht darauf berufen, dass ich ja nur vorauseilenden Gehorsam leistete, als ich 50 km/h schneller als erlaubt gefahren bin?
So weit, so ungut. Es nahte das Hochgebet. Geboten wurde eine Variante über das vierte solche mit zahlreichen Ergänzungen, Abänderungen und Auslassungen, die - hier kommt der wirklich dicke Brocken - nicht einmal die Wandlungsworte verschonten.
Danach war ich dann wirklich im Zweifel, ob so etwas noch gültig sein kann. Meines Wissens eher nein. Von daher fragte ich mich, ob es überhaupt irgendeinen Sinn machen könne, jetzt noch zur Kommunion zu gehen bzw. ob das zu verantworten ist..
Das Dilemma fand dann zum Glück dadurch eine Lösung, dass der Pfarrer (nicht der Zelebrant an diesem Tag), wohl für den Sonntags-Wortgottesdienst, ein großes Ziborium voller recht kleiner Hostien konsekriert hatte, die von einer Kommunionhelferin ausgeteilt wurden. Auf der anderen Seite gab es dann die Stücke der zerbrochenen Riesenhostie, die möglicherweise nicht wirklich der Leib Christi war.
Ich habe dann beschlossen, meinen Aufenthalt um einen halben Tag zu kürzen und den folgenden Sonntag (gestern) dann doch lieber mit den Wurstelheimer Verhältnissen vorlieb zu nehmen. Zwar etwas betrübt, dass dieser Zelebrant die Feier der Messe als eine Art lästige Mühe betrachtet, aber immerhin zuversichtlich, dass es trotz allem eine gültig gefeierte heilige Messe ist.
Samstag, 9. Juli 2011
Salomo wusste es besser
Angesichts der unfassbaren Entscheidung des deutschen Bundestags für die PID fiel mir sofort jene Episode aus der Regierung König Salomos ein, schon um die 3000 Jahre alt und immer noch aktuell.
Für alle, bei denen es nicht sofort klickt: Zwei Frauen hatten Kinder geboren. Das der einen starb im Schlaf. Sie tauschte es schnell gegen das andere aus.
So weit, so klar. Diese Frau hatte einen unzweifelhaften Kinderwunsch. So sehr, dass sie - heute würden wir sofort postulieren "in ihrer Verzweiflung" - eine Straftat beging. Sie nahm der anderen Frau das Kind weg.
Die so ihres Kindes Beraubte wollte ihr Kind natürlich zurück. Da aber außer den Müttern niemand die Wahrheit kannte und somit zwei sich widersprechende Aussagen gegeneinander standen, wußte keiner, was zu tun war.
Salomo stellte sicher, dass das Kind die bessere Mutter bekam (höchstwahrscheinlich die eigene). Er schlug vor, da der Fall nicht zu entscheiden sei, solle man das Kind zerteilen und jeder Frau eine Hälfte geben.
Eine Frau war einverstanden. Die andere bat verzweifelt darum, man möge ihren Verzicht auf das Kind annehmen, damit es lebt.
Letztere durfte für dieses Kind sorgen.
Und heute?
Heute entscheidet die Regierung eines Landes, dass die Eltern, die es gerne in Kauf nehmen, dass einige ihrer Kinder in den frühen und frühesten Stadien der Entwicklung, möglicherweise notfalls noch kurz vor der Geburt, wenn die Behinderung gravierend genug erscheint, getötet werden. Möglicherweise bekommen sie auch mit PID kein Kind, das ihren Kriterien genügt. Aber lieber ein Haufen tote Embryonen (Kinder ganz am Beginn ihrer Entwicklung) als ihr Recht, ein Kind zu haben aufzugeben.
Salomo wusste, was er von einer solchen Einstellung zu halten hat. Unser Staat aber gebietet solchen Verirrungen keinen Einhalt sondern fördert sie.
Wobei die - gewöhnlich unausgesprochene Motivation - vieler PID-Befürworter weniger das Mitgefühl mit der Handvoll Eltern sein dürfte, die lieber einen Teil ihrer Kinder töten lässt, um ein spezifisches Kind zu erhalten, sondern das, was in deutschen Landen zum obersten Kriterium geworden ist: Die Produktivität und Minderung von Kosten, die die Gemeinschaft zu tragen hat.
Behinderte und schwer Kranke sind nicht produktiv, und damit sind sie hierzulande unerwünscht.
All die Behindertenbeauftragten und Auflagen für öffentlich zugängliche Räume sind nun als Heuchelei enttarnt: Die Wahrheit ist, in Wirklichkeit wünscht die Mehrheit der Abgeordneten, es hätte diese Menschen nie gegeben. Und zur Vermeidung solcher "Unfälle", wie sie es offenbar in den Augen der Politiker sind, sollen sie jetzt schon im frühestmöglichen Stadium ausgerottet werden. Dann, wenn sie noch nicht einmal schreien können und wenn es so unter Ausschluss der Öffentlichkeit passieren kann, dass es gar nicht mehr wahrgenommen wird.
Für alle, bei denen es nicht sofort klickt: Zwei Frauen hatten Kinder geboren. Das der einen starb im Schlaf. Sie tauschte es schnell gegen das andere aus.
So weit, so klar. Diese Frau hatte einen unzweifelhaften Kinderwunsch. So sehr, dass sie - heute würden wir sofort postulieren "in ihrer Verzweiflung" - eine Straftat beging. Sie nahm der anderen Frau das Kind weg.
Die so ihres Kindes Beraubte wollte ihr Kind natürlich zurück. Da aber außer den Müttern niemand die Wahrheit kannte und somit zwei sich widersprechende Aussagen gegeneinander standen, wußte keiner, was zu tun war.
Salomo stellte sicher, dass das Kind die bessere Mutter bekam (höchstwahrscheinlich die eigene). Er schlug vor, da der Fall nicht zu entscheiden sei, solle man das Kind zerteilen und jeder Frau eine Hälfte geben.
Eine Frau war einverstanden. Die andere bat verzweifelt darum, man möge ihren Verzicht auf das Kind annehmen, damit es lebt.
Letztere durfte für dieses Kind sorgen.
Und heute?
Heute entscheidet die Regierung eines Landes, dass die Eltern, die es gerne in Kauf nehmen, dass einige ihrer Kinder in den frühen und frühesten Stadien der Entwicklung, möglicherweise notfalls noch kurz vor der Geburt, wenn die Behinderung gravierend genug erscheint, getötet werden. Möglicherweise bekommen sie auch mit PID kein Kind, das ihren Kriterien genügt. Aber lieber ein Haufen tote Embryonen (Kinder ganz am Beginn ihrer Entwicklung) als ihr Recht, ein Kind zu haben aufzugeben.
Salomo wusste, was er von einer solchen Einstellung zu halten hat. Unser Staat aber gebietet solchen Verirrungen keinen Einhalt sondern fördert sie.
Wobei die - gewöhnlich unausgesprochene Motivation - vieler PID-Befürworter weniger das Mitgefühl mit der Handvoll Eltern sein dürfte, die lieber einen Teil ihrer Kinder töten lässt, um ein spezifisches Kind zu erhalten, sondern das, was in deutschen Landen zum obersten Kriterium geworden ist: Die Produktivität und Minderung von Kosten, die die Gemeinschaft zu tragen hat.
Behinderte und schwer Kranke sind nicht produktiv, und damit sind sie hierzulande unerwünscht.
All die Behindertenbeauftragten und Auflagen für öffentlich zugängliche Räume sind nun als Heuchelei enttarnt: Die Wahrheit ist, in Wirklichkeit wünscht die Mehrheit der Abgeordneten, es hätte diese Menschen nie gegeben. Und zur Vermeidung solcher "Unfälle", wie sie es offenbar in den Augen der Politiker sind, sollen sie jetzt schon im frühestmöglichen Stadium ausgerottet werden. Dann, wenn sie noch nicht einmal schreien können und wenn es so unter Ausschluss der Öffentlichkeit passieren kann, dass es gar nicht mehr wahrgenommen wird.
Blogpause
Wegen Überbelastung habe ich die ganze Woche nicht reingeschaut, aber ab Dienstag bin ich dann tatsächlich in Urlaub und schalte dann vorsichtshalber die Kommentarfunktion ab. Heute aber wenigstens noch ein Beitrag.
Freitag, 24. Juni 2011
lohnt zwar nicht wirklich
aber zur Dokumentation des Pfarrlebens und der Verkündigung dort im Jahre 2011 in deutschen Landen:
aus der Predigt gestern: "Im Tabernakel heben wir etwas auf, das uns an etwas Wichtiges erinnert." Gefolgt von Ausführungen über das "Brot", zweimal auch eine kurze Erwähnung, dass das Brot irgendwie Jesus ist.
Beim Vaterunser wussten die versammelten Erstkommunionkinder nicht, dass nach "erlöse und von dem Bösen" ein Einschub kommt und beteten in ausdünnendem Chor weiter, der vor dem letzten Wort verstummte. Woraufhin der Pfarrer direkt zum Friedensgruß überging nach der Devise: Belasst alle in ihren Irrtümern, ihr könntet sie sonst verschrecken.
Nichts Besonderes, traurige Alltäglichkeit.
aus der Predigt gestern: "Im Tabernakel heben wir etwas auf, das uns an etwas Wichtiges erinnert." Gefolgt von Ausführungen über das "Brot", zweimal auch eine kurze Erwähnung, dass das Brot irgendwie Jesus ist.
Beim Vaterunser wussten die versammelten Erstkommunionkinder nicht, dass nach "erlöse und von dem Bösen" ein Einschub kommt und beteten in ausdünnendem Chor weiter, der vor dem letzten Wort verstummte. Woraufhin der Pfarrer direkt zum Friedensgruß überging nach der Devise: Belasst alle in ihren Irrtümern, ihr könntet sie sonst verschrecken.
Nichts Besonderes, traurige Alltäglichkeit.
Dienstag, 21. Juni 2011
Augenhöhen-Unsinn
"Augenhöhe" scheint derzeit ein beliebtes Modewort zu sein, dass in durchschnittlich jedem fünften Presseartikel oder so auftaucht - gleichgültig wer jetzt mit wem sprechen oder dialogisieren soll oder will. Aber ist dieser Ausdruck wirklich durchdacht?
Die Menschen, die ich auf der Straße treffe, variieren in etwa zwischen 150 und 200 cm Körpergröße. Um auf Augenhöhe zu sprechen, müssten die einen ständig auf Stühle steigen oder die andern auf die Knie fallen und manche müssten sich noch zusätzlich verbeugen. Zum Beispiel mein bester Freund, der müsste vor mir knien, damit wir auf Augenhöhe sind. Aber bin ich verrückt, auf so eine Idee zu kommen und ihm das zuzumuten? Nö - ich habe ja keinen Minderwertigkeitskomplex.
Den aber scheinen einige Gruppen durch entsprechende Forderungen kompensieren zu wollen. Unter Augenhöhe meinen sie, dass eine Gruppe von fünf Leuten gegebenenfalls, wenn sie mit einer Gruppe von 1000 Leuten verhandelt, genauso eine Stimme haben soll wie die andere Gruppe. Weil das sonst nicht "auf Augenhöhe" sei.
Die Forderung nach "Augenhöhe" impliziert im Grunde, dass es auf beiden Seiten an Respekt vor dem andern mangelt. Dem, bei dem es eingefordert wird, wird es unterstellt. Der, der es einfordert, ist nicht bereit, ihn dem andern zu zollen.
Die Menschen, die ich auf der Straße treffe, variieren in etwa zwischen 150 und 200 cm Körpergröße. Um auf Augenhöhe zu sprechen, müssten die einen ständig auf Stühle steigen oder die andern auf die Knie fallen und manche müssten sich noch zusätzlich verbeugen. Zum Beispiel mein bester Freund, der müsste vor mir knien, damit wir auf Augenhöhe sind. Aber bin ich verrückt, auf so eine Idee zu kommen und ihm das zuzumuten? Nö - ich habe ja keinen Minderwertigkeitskomplex.
Den aber scheinen einige Gruppen durch entsprechende Forderungen kompensieren zu wollen. Unter Augenhöhe meinen sie, dass eine Gruppe von fünf Leuten gegebenenfalls, wenn sie mit einer Gruppe von 1000 Leuten verhandelt, genauso eine Stimme haben soll wie die andere Gruppe. Weil das sonst nicht "auf Augenhöhe" sei.
Die Forderung nach "Augenhöhe" impliziert im Grunde, dass es auf beiden Seiten an Respekt vor dem andern mangelt. Dem, bei dem es eingefordert wird, wird es unterstellt. Der, der es einfordert, ist nicht bereit, ihn dem andern zu zollen.
Montag, 20. Juni 2011
eigentlich war 2006 doch alles gesagt gewesen
Da gab es einen Artikel in der DT, den ich damals in der Zenit-Bearbeitung las. Ich fahnde noch, ob ich auch irgendwo die Äußerung von Papst Benedikt XVI zum pro multis abgespeichert habe.
Was doch meine Meinung zu redlichen Übersetzungen so umfassende Stellungnahmen provoziert hat.
Was doch meine Meinung zu redlichen Übersetzungen so umfassende Stellungnahmen provoziert hat.
Freitag, 17. Juni 2011
Nachtrag
Das Theodor auf meinen letzten Beitrag Bezug nimmt, doch noch eine Ergänzung.
Einen - vermutlich - aramäischen Urtext hat niemand vorliegen von dem, was Jesus im Abendmahlssaal gesagt hat. Wir haben nur eine griechische und eine lateinische Übersetzung. In beiden heißt es original in Matthäus und Markus "viele" und nicht "alle", Lukas und Johannes überliefern die Worte nicht.
Lange Zeit wurde als Begründung angegeben, das Aramäische habe keine unterschiedlichen Worte für "viel" und "alle" gehabt, aber das ist inzwischen widerlegt worden. Papst Benedikt XVI hat in einer seiner Ansprachen darauf hingewiesen.
Nun stimmt es zwar, dass man das "viele" durchaus als alle meinend verstehen kann, aber es ist nicht ganz so festgelegt in seiner Aussage wie das "alle". Es mit "alle" zu übersetzen ist sprachlich falsch, denn der Originaltext, den wir haben und der die Vorlage für die Messliturgie ist, wird nicht richtig wiedergegeben.
Den Gläubigen wird zudem wieder einmal etwas nicht zugemutet, nämlich die Auseinandersetzung mit der Frage, warum Jesus es so gesagt hat und nicht anders.
Die zensierende und wohl glättend gemeinte Wortwahl "alle" ist möglicherweise die schlechte Frucht zweier Extrempositionen. Wobei die Argumentation beider fast gleichlautend ist, nämlich: "Wenn da viele steht, können gar nicht alle gemeint sein." Woraus die eine Meinung in ihrer extremsten Form dann folgerte, dass da ja schrecklicherweise jemand ausgeschlossen sein müsste, was ja nicht sein dürfe und die andere ebenso in extremster Form triumphierte, dass da zum Glück, jemand nicht inbegriffen sei.
Weder das eine noch das andere lässt sich aus der offenen Formulierung "viele" herleiten, sie beinhaltet nur mehr Möglichkeiten.
"Alle" zu übersetzen ist genauso deutend, als hätte sich eine Richtung durchgesetzt, die dasselbe Wort mit "einige" oder "sehr viele" übersetzt. Um die eine oder andere Deutung klarer hervorzuheben. Für beides lassen sich Argumente finden, wenn man unbedingt will. Und in beiden Fällen ist und bleibt es eine Deutung.
Bewusst deutende Übersetzung birgt aber eine gewisse Unredlichkeit in sich., wenn nicht in einer Fußnote klar auf die wortgetreue Aussage verwiesen wird.
Gerade in der Theologie aber haben sich Unredlichkeiten stark verbreitet, nicht nur als sinnverändernde Übersetzungen, deren es so einige gibt, sondern oft auch als "pastoral" genannte Aussagen, die bei genauer Betrachtung eben auch nur wohl gemeinte Lügen sind.
Solche pastorale Unredlichkeit hat mich schon einmal fast in die Lage gebracht, als Lügner dazustehen. Ein wohlmeinender Seelsorger hatte einerseits (in aller Heimlichkeit) eine Art Ehezeremonie für einen Geschiedenen gefeiert. Jener Mensch kandidierte für eine Position, die ihrnach der Wiederheirat kirchenrechtlich verschlossen war und der gleiche Hirte, versicherte mir, es sei meine Pflicht auf die Situation hinzuweisen. Die betroffene Person konnte es dann nicht fassen, dass ein und derselbe Hirte einmal zugesichert hatte, alles sei bestens und sich mir gegenüber genau das Gegenteil erklärt hatte. Zu meinem Glück hatte ich seine Aussage schriftlich. Es war für alle Beteiligten eine äußerst unangenehme Situation, die durch diese pastorale Unredlichkeit entstand.
Es ist nicht die einzige, von der ich hier schreiben könnte.
Wie hieß es doch: Euer Ja sei ein Ja, euer Nein ein Nein. Und vielleicht daher auch ein viele nicht plötzlich ein alle, nur weil es opportuner erscheint. Oder mal dies und mal jenes, je nachdem, mit wem man spricht.
Einen - vermutlich - aramäischen Urtext hat niemand vorliegen von dem, was Jesus im Abendmahlssaal gesagt hat. Wir haben nur eine griechische und eine lateinische Übersetzung. In beiden heißt es original in Matthäus und Markus "viele" und nicht "alle", Lukas und Johannes überliefern die Worte nicht.
Lange Zeit wurde als Begründung angegeben, das Aramäische habe keine unterschiedlichen Worte für "viel" und "alle" gehabt, aber das ist inzwischen widerlegt worden. Papst Benedikt XVI hat in einer seiner Ansprachen darauf hingewiesen.
Nun stimmt es zwar, dass man das "viele" durchaus als alle meinend verstehen kann, aber es ist nicht ganz so festgelegt in seiner Aussage wie das "alle". Es mit "alle" zu übersetzen ist sprachlich falsch, denn der Originaltext, den wir haben und der die Vorlage für die Messliturgie ist, wird nicht richtig wiedergegeben.
Den Gläubigen wird zudem wieder einmal etwas nicht zugemutet, nämlich die Auseinandersetzung mit der Frage, warum Jesus es so gesagt hat und nicht anders.
Die zensierende und wohl glättend gemeinte Wortwahl "alle" ist möglicherweise die schlechte Frucht zweier Extrempositionen. Wobei die Argumentation beider fast gleichlautend ist, nämlich: "Wenn da viele steht, können gar nicht alle gemeint sein." Woraus die eine Meinung in ihrer extremsten Form dann folgerte, dass da ja schrecklicherweise jemand ausgeschlossen sein müsste, was ja nicht sein dürfe und die andere ebenso in extremster Form triumphierte, dass da zum Glück, jemand nicht inbegriffen sei.
Weder das eine noch das andere lässt sich aus der offenen Formulierung "viele" herleiten, sie beinhaltet nur mehr Möglichkeiten.
"Alle" zu übersetzen ist genauso deutend, als hätte sich eine Richtung durchgesetzt, die dasselbe Wort mit "einige" oder "sehr viele" übersetzt. Um die eine oder andere Deutung klarer hervorzuheben. Für beides lassen sich Argumente finden, wenn man unbedingt will. Und in beiden Fällen ist und bleibt es eine Deutung.
Bewusst deutende Übersetzung birgt aber eine gewisse Unredlichkeit in sich., wenn nicht in einer Fußnote klar auf die wortgetreue Aussage verwiesen wird.
Gerade in der Theologie aber haben sich Unredlichkeiten stark verbreitet, nicht nur als sinnverändernde Übersetzungen, deren es so einige gibt, sondern oft auch als "pastoral" genannte Aussagen, die bei genauer Betrachtung eben auch nur wohl gemeinte Lügen sind.
Solche pastorale Unredlichkeit hat mich schon einmal fast in die Lage gebracht, als Lügner dazustehen. Ein wohlmeinender Seelsorger hatte einerseits (in aller Heimlichkeit) eine Art Ehezeremonie für einen Geschiedenen gefeiert. Jener Mensch kandidierte für eine Position, die ihrnach der Wiederheirat kirchenrechtlich verschlossen war und der gleiche Hirte, versicherte mir, es sei meine Pflicht auf die Situation hinzuweisen. Die betroffene Person konnte es dann nicht fassen, dass ein und derselbe Hirte einmal zugesichert hatte, alles sei bestens und sich mir gegenüber genau das Gegenteil erklärt hatte. Zu meinem Glück hatte ich seine Aussage schriftlich. Es war für alle Beteiligten eine äußerst unangenehme Situation, die durch diese pastorale Unredlichkeit entstand.
Es ist nicht die einzige, von der ich hier schreiben könnte.
Wie hieß es doch: Euer Ja sei ein Ja, euer Nein ein Nein. Und vielleicht daher auch ein viele nicht plötzlich ein alle, nur weil es opportuner erscheint. Oder mal dies und mal jenes, je nachdem, mit wem man spricht.
Donnerstag, 16. Juni 2011
"pro multis" - übersetzt oder gedolmetscht
Heute abend kam das Thema mal wieder auf. Ein netter Mensch verfocht, wie schrecklich es sei, wenn da wieder die alte Übersetzung in die Messbücher solle. Die Runde enthielt Verfechter vieler kirchlicher Lager und es war anderes zu diskutieren. Darum habe ich dem Betreffenden nur einen Zettel geschrieben:
Das ist eines der wenigen wortwörtlichen Zitate, die wir von Jesus haben, und er hat "viele" gesagt. Ein Übersetzer hat nicht das Recht den gesagten Text zu verändern. Denn der Sprecher hat sein Wort bewusst gewählt. - Wer sind wir denn, dass wir den Herrn zensieren könnten?
(in etwa so: Also, Herr Jesus, du hast dich da etwas missverständlich ausgedrückt, als du diesen Befehl da gegeben hast. Jemand könnte sich dadurch ausgegrenzt fühlen. Da ich die Menschen etwas besser kenne als du, korrigiere ich mal deinen Fehler.)
Worüber sich viele nicht klar sind, ist der Unterschied zwischen "übersetzen" und "dolmetschen". Übersetzen muss ganz exakt sein, dolmetschen überlässt einiges der Kreativität des Dometschers. Ich habe schon in beiden Bereichen gearbeitet. Dolmetschen ist relativ einfach, wenn man die Zielsprache gut beherrscht. Übersetzen kann äußerst vertrackt sein, da kann es schon vorkommen, dass eine Passage mehrfach zur Korrektur zurückgeschickt wird, wenn der Autor des Originaltexts Kenntnisse in der Zielsprache hat. Denn er weiß schließlich, was er ausdrücken wollte, der Übersetzer muss raten.
Ein Dolmetscher berücksichtigt, dass der Sprecher Gegebenheiten in der Zielsprache nicht kennt und ergänzt mit seinem Wissen - und seinen Annahmen.
Ich bin der Meinung, Worte unseres Herrn Jesus verdienen eine exakte Übersetzung, auch wenn sie zum Stolperstein werden für den einen oder anderen. Sie zu verdolmetschen und mit unserer Interpretation zu verbessern, ist dahingegen reichlich anmaßend, insbesondere, wenn dadurch die originalen Worte ganz verdrängt werden.
Aber da die Rechthaberei und Besserwisserei in deutschen Landen lange Tradition hat, werden wohl auch die Worte Jesu noch ihr Opfer sein, wenn alle Welt sonst ihre Übersetzungsfehler verbessert hat.
Das ist eines der wenigen wortwörtlichen Zitate, die wir von Jesus haben, und er hat "viele" gesagt. Ein Übersetzer hat nicht das Recht den gesagten Text zu verändern. Denn der Sprecher hat sein Wort bewusst gewählt. - Wer sind wir denn, dass wir den Herrn zensieren könnten?
(in etwa so: Also, Herr Jesus, du hast dich da etwas missverständlich ausgedrückt, als du diesen Befehl da gegeben hast. Jemand könnte sich dadurch ausgegrenzt fühlen. Da ich die Menschen etwas besser kenne als du, korrigiere ich mal deinen Fehler.)
Worüber sich viele nicht klar sind, ist der Unterschied zwischen "übersetzen" und "dolmetschen". Übersetzen muss ganz exakt sein, dolmetschen überlässt einiges der Kreativität des Dometschers. Ich habe schon in beiden Bereichen gearbeitet. Dolmetschen ist relativ einfach, wenn man die Zielsprache gut beherrscht. Übersetzen kann äußerst vertrackt sein, da kann es schon vorkommen, dass eine Passage mehrfach zur Korrektur zurückgeschickt wird, wenn der Autor des Originaltexts Kenntnisse in der Zielsprache hat. Denn er weiß schließlich, was er ausdrücken wollte, der Übersetzer muss raten.
Ein Dolmetscher berücksichtigt, dass der Sprecher Gegebenheiten in der Zielsprache nicht kennt und ergänzt mit seinem Wissen - und seinen Annahmen.
Ich bin der Meinung, Worte unseres Herrn Jesus verdienen eine exakte Übersetzung, auch wenn sie zum Stolperstein werden für den einen oder anderen. Sie zu verdolmetschen und mit unserer Interpretation zu verbessern, ist dahingegen reichlich anmaßend, insbesondere, wenn dadurch die originalen Worte ganz verdrängt werden.
Aber da die Rechthaberei und Besserwisserei in deutschen Landen lange Tradition hat, werden wohl auch die Worte Jesu noch ihr Opfer sein, wenn alle Welt sonst ihre Übersetzungsfehler verbessert hat.
Mittwoch, 15. Juni 2011
Link für Hilfesuchende in Sachen Stundengebet
Jedes Jahr dasselbe Problem: Pfingsten ist vorbei und auf dem Beiblatt im Stundenbuch steht nur bis 2003 oder so, welche Woche danach im Stundenbuch dran ist. Zum Glück gibt es hier eine exzellente Seite, auf der man nicht nur die richtige Woche angezeigt bekommt, sondern sogar noch nach Tageszeit, welche Hore dran ist und wie und wann man was betet. Sehr nützlich für alle interessierten Einsteiger!
Dienstag, 14. Juni 2011
Der Heilige Geist - und die Gespenster
Wie schon erwähnt (s. Post untendrunter), haben viele es heutzutage nicht mehr nötig, auf den Knien (s. Pfingstliturgie) um den Heiligen Geist zu bitten oder gar zu flehen, denn aller sind ja überzeugt voll des Geistes zu sein. Wie es auch in der hiesigen Statio zum Pfingstmontag hieß: die Zeit, die damals angebrochen ist, ist unsere. Oder wie der Pfarrbrief erläuterte, "das Reich Gottes ist nicht ein Exklusivangebot für Christen, sondern ein Auftrag an alle, die sich als Jünger und Jüngerinnen Jesu verstehen". Man muss es nicht sein, nicht leben, man muss sich nur so verstehen. Das ist dann der "rechte Geist". Die Griechen hätten so einen Geist wohl "daimon" genannt, was bei ihnen durchaus nicht negativ besetzt war. So eine Kraft, die einen völlig besitzt und antreibt mit schier unmenschlicher Kraft Dinge zu tun
Dass es den Heiligen Geist gibt, hat irgendwie alle Geister geadelt, die so herumschwirren. Geist muss gut sein, ob aus Flaschen oder anderswoher. Nicht so gut sind Gespenster, die machen Angst.
So ein Gespenst spukt seit ein paar Wochen in höheren deutschsprachigen kirchlichen Kreisen, sagte bereits gelegentlich leise Buh auf Blogs und bekam jetzt im Spiegel eine große Bühne: der Geist der Kirchenspaltung hat sich zum Geist des Konzils gesellt.
Wie der Geist des Konzils ist er wenig substantiell. Man stelle sich nur vor, irgendein Bischof (der damit keine Bezüge vom Staat mehr hätte, denn dieKonkordate ist mit der römisch-katholischen Kirche, aber vielleicht zögen auch Politiker mit und würden die umwidmen, wer weiß) erklärte offen den Bruch mit Rom, zum Beispiel durch die Diakonatsweihe von Frauen oder durch öffentliches Anerkennen von nach römisch-katholischem (und generell christlichem) Verständnis zutiefst sündhafte (=die Lebenshingabe an Gott massiv be- oder verhindernde) Praktiken, die bisher nur geduldet und zum Teil sogar (völlig nicht-öffentlich) ermutigt und gefördert wurden.
Also, nehmen wir mal an, jemand würde das nur als Eigenweg der deutschen Kirche bezeichnen und der Papst würde klipp und klar erklären, dass das nicht mehr römisch-katholisch ist. Würden tatsächlich die Pfarreien und Bistümer sich jubelnd dem Eigenweg anschließen?
In fast allen Fällen wohl kaum. Denn die bisher schweigende, duldende und verwirrte Mehrheit, würde endlich handeln. Und die vermutlichsten Handlungen - immer vorausgesetzt, der deutsche Sonderweg hätte das Kirchensteuergeld weiterhin, sonst wird es ihn NIE geben - wären wohl:
1) Na endlich. Wir wussten doch, dass wir das alles nicht brauchen, weil wir in den Himmel kommen, egal, was wir tun. Da brauchen wir auch kein unnötiges Geld an den deutschen Eigenweg zu zahlen, die bieten sowieso nichts Berauschendes dafür. Gute Gelegenheit, endgültig den Schlussstrich zu ziehen.
2) Wir wollen aber richtig katholisch bleiben. Ohne den Papst sind wir doch nur noch evangelisch. Egal wie das genannt. Und jetzt können wir sogar römisch-katholisch bleiben ohne Kirchensteuer. Super!
Am allerwahrscheinlichsten aber ist, dass der Geist der Kirchenspaltung sich ganz schnell in Luft auflöst, wenn erst einmal klar durchdacht, dass jeder Eigenwegsversuch mit großer Sicherheit in ein große finanzielle Wüste der Eigenwegler führen würde. Das dürfte es den meisten denn doch nicht wert sein, um ihre Meinung durchzusetzen.
Ja aber, könnte man fragen: Was ist mit den Gemeindemigliedern, die durch solche Erschütterungen vielleicht in eine Glaubenskrise geraten. Nun, Erschütterungen haben es an sich, dass sie zeigen, ob etwas auf den Felsen oder auf Sände verschiedenster Art gebaut ist. Zur Zeit verschließen wir doch fast alle die Augen davor, wie weit wir alle davon entfernt sind, wahre Christen zu sein. D.h. die von uns, die sich bemühen, an der Lehre festzuhalten, haben eine Ahnung für sich selbst und wissen, wie sie auf die Gnade Gottes dabei angewiesen sind. Da beten wir dringlich um den Heiligen Geist, der uns verändert und alle Angst nehmen kann.
Aber die anderen. Ist es etwas verantwortbar, sie weiter auf dem wasserunterspülten Sand wohnen zu lassen, auf dem sie jedenfalls die Erschütterung des zeitlichen Todes ereilen wird? Ist es nicht besser, es bringt etwas die bequemen Wände so ins Wanken, dass doch wieder auf den Felsen umgezogen wird? Bevor es zu spät ist?
Also, Geist der Kirchenspaltung, rufe ruhig Buh! Wo der Heilige Geist ist, da ist keine Angst sondern zuversichtliche Hoffnung.
Dass es den Heiligen Geist gibt, hat irgendwie alle Geister geadelt, die so herumschwirren. Geist muss gut sein, ob aus Flaschen oder anderswoher. Nicht so gut sind Gespenster, die machen Angst.
So ein Gespenst spukt seit ein paar Wochen in höheren deutschsprachigen kirchlichen Kreisen, sagte bereits gelegentlich leise Buh auf Blogs und bekam jetzt im Spiegel eine große Bühne: der Geist der Kirchenspaltung hat sich zum Geist des Konzils gesellt.
Wie der Geist des Konzils ist er wenig substantiell. Man stelle sich nur vor, irgendein Bischof (der damit keine Bezüge vom Staat mehr hätte, denn dieKonkordate ist mit der römisch-katholischen Kirche, aber vielleicht zögen auch Politiker mit und würden die umwidmen, wer weiß) erklärte offen den Bruch mit Rom, zum Beispiel durch die Diakonatsweihe von Frauen oder durch öffentliches Anerkennen von nach römisch-katholischem (und generell christlichem) Verständnis zutiefst sündhafte (=die Lebenshingabe an Gott massiv be- oder verhindernde) Praktiken, die bisher nur geduldet und zum Teil sogar (völlig nicht-öffentlich) ermutigt und gefördert wurden.
Also, nehmen wir mal an, jemand würde das nur als Eigenweg der deutschen Kirche bezeichnen und der Papst würde klipp und klar erklären, dass das nicht mehr römisch-katholisch ist. Würden tatsächlich die Pfarreien und Bistümer sich jubelnd dem Eigenweg anschließen?
In fast allen Fällen wohl kaum. Denn die bisher schweigende, duldende und verwirrte Mehrheit, würde endlich handeln. Und die vermutlichsten Handlungen - immer vorausgesetzt, der deutsche Sonderweg hätte das Kirchensteuergeld weiterhin, sonst wird es ihn NIE geben - wären wohl:
1) Na endlich. Wir wussten doch, dass wir das alles nicht brauchen, weil wir in den Himmel kommen, egal, was wir tun. Da brauchen wir auch kein unnötiges Geld an den deutschen Eigenweg zu zahlen, die bieten sowieso nichts Berauschendes dafür. Gute Gelegenheit, endgültig den Schlussstrich zu ziehen.
2) Wir wollen aber richtig katholisch bleiben. Ohne den Papst sind wir doch nur noch evangelisch. Egal wie das genannt. Und jetzt können wir sogar römisch-katholisch bleiben ohne Kirchensteuer. Super!
Am allerwahrscheinlichsten aber ist, dass der Geist der Kirchenspaltung sich ganz schnell in Luft auflöst, wenn erst einmal klar durchdacht, dass jeder Eigenwegsversuch mit großer Sicherheit in ein große finanzielle Wüste der Eigenwegler führen würde. Das dürfte es den meisten denn doch nicht wert sein, um ihre Meinung durchzusetzen.
Ja aber, könnte man fragen: Was ist mit den Gemeindemigliedern, die durch solche Erschütterungen vielleicht in eine Glaubenskrise geraten. Nun, Erschütterungen haben es an sich, dass sie zeigen, ob etwas auf den Felsen oder auf Sände verschiedenster Art gebaut ist. Zur Zeit verschließen wir doch fast alle die Augen davor, wie weit wir alle davon entfernt sind, wahre Christen zu sein. D.h. die von uns, die sich bemühen, an der Lehre festzuhalten, haben eine Ahnung für sich selbst und wissen, wie sie auf die Gnade Gottes dabei angewiesen sind. Da beten wir dringlich um den Heiligen Geist, der uns verändert und alle Angst nehmen kann.
Aber die anderen. Ist es etwas verantwortbar, sie weiter auf dem wasserunterspülten Sand wohnen zu lassen, auf dem sie jedenfalls die Erschütterung des zeitlichen Todes ereilen wird? Ist es nicht besser, es bringt etwas die bequemen Wände so ins Wanken, dass doch wieder auf den Felsen umgezogen wird? Bevor es zu spät ist?
Also, Geist der Kirchenspaltung, rufe ruhig Buh! Wo der Heilige Geist ist, da ist keine Angst sondern zuversichtliche Hoffnung.
Pf ....ingsten ....arrfest
Wir befinden uns derzeit in der - liturgischerseits abgeschafften - Pfingstoktav.
Bei uns zuhause war dann auch Pf...ingsten fast abgeschafft, denn es war Pf....arrfest, das mit einem Familiengottesdienst mit Taufe und Erstkommunionempfang eines der Kinder begangen wurde.
Ich war in der Frühmesse davor.
In dem übliche Satzwirrwarr der Predigt, bei der es um die Lebensnotwendigkeit von Wasser ging, kam irgendwann die Passage, dass heute eigentlich das wichtige Lied mit der Herabrufung des Heiligen Geistes dran gewesen wäre (gemeint war die Pfingstsequenz), aber das sei nicht möglich gewesen.
Ich habe mich - wie immer - beherrscht und nicht laut "wieso?" gefragt. Da ich mit dem Schott bewaffnet war, habe ich die Pfingstsequenz während des sehr langen Halleluja-Vorspiels privat gebetet.
Da der Rest der Pfarrfesttagsgottesdienste wohl an den Familiengottesdienst angepasst war, gab es auch nur ein Credolied und das echte Gloria ... ist wie wir wissen sowieso kaum gemeindefähig.
Noch besser wird es nächste Woche: Dreifaltigkeitssonntag für die Eingeweihten. Der steht natürlich nicht in den Normalkalendern. Dieses Jahr ist es auch der letzte Sonntag vor den Schulferien. Dem ist es wohl zu verdanken, dass die Gemeinde an diesem Tag am Sonntagvormittag eingeladen ist, sich an der Kindermesse des KiWoGoDi-Kreises zu erfreuen. - Bin Gott sei Dank! sowieso woanders.
Bei uns zuhause war dann auch Pf...ingsten fast abgeschafft, denn es war Pf....arrfest, das mit einem Familiengottesdienst mit Taufe und Erstkommunionempfang eines der Kinder begangen wurde.
Ich war in der Frühmesse davor.
In dem übliche Satzwirrwarr der Predigt, bei der es um die Lebensnotwendigkeit von Wasser ging, kam irgendwann die Passage, dass heute eigentlich das wichtige Lied mit der Herabrufung des Heiligen Geistes dran gewesen wäre (gemeint war die Pfingstsequenz), aber das sei nicht möglich gewesen.
Ich habe mich - wie immer - beherrscht und nicht laut "wieso?" gefragt. Da ich mit dem Schott bewaffnet war, habe ich die Pfingstsequenz während des sehr langen Halleluja-Vorspiels privat gebetet.
Da der Rest der Pfarrfesttagsgottesdienste wohl an den Familiengottesdienst angepasst war, gab es auch nur ein Credolied und das echte Gloria ... ist wie wir wissen sowieso kaum gemeindefähig.
Noch besser wird es nächste Woche: Dreifaltigkeitssonntag für die Eingeweihten. Der steht natürlich nicht in den Normalkalendern. Dieses Jahr ist es auch der letzte Sonntag vor den Schulferien. Dem ist es wohl zu verdanken, dass die Gemeinde an diesem Tag am Sonntagvormittag eingeladen ist, sich an der Kindermesse des KiWoGoDi-Kreises zu erfreuen. - Bin Gott sei Dank! sowieso woanders.
Sonntag, 5. Juni 2011
was man so findet
Das eine war die etwas ratlose Mail eines Bekannten. Ihm war etwas zugesandt worden, bei dem der Versender um weitestmögliche Bekanntmachung bat, z.B. in Blogs. Ich habe jetzt zwei Tage darüber nachgedacht, weil das eine Debatte ist, aus der ich mich bisher herausgehalten habe. Es geht darum, dass Johannes Kandel darum bittet vor radikalen Predigern wie P. Vogel zu warnen (hier).
Heute nun - da endlich etwas Zeit habend - googelte ich ein wenig und fand etwas, das mich nun bewog, den Hinweis tatsächlich zu posten, und zwar diese Äußerungen (hier):
"Kandel verlangt von den religiösen muslimischen Autoritäten, sie sollten den politischen Islamismus verwerfen. Bahners zeigt, daß Kandel Religiöses mit Politischem durcheinander schmeißt und dabei verkennt, daß sich z.B. die katholische Kirche aus für sie gutem Grunde ebenfalls nie von ihren politischen Fundamentalisten, den Ultramontanen, distanziert hat."
Wikipedia erklärte mir dazu, freundlich wie immer:
"Mit dem Begriff Ultramontanismus wird eine politische Haltung des Katholizismus in deutschsprachigen Ländern und den Niederlanden bezeichnet, die sich ausschließlich auf Weisungen von der päpstlichen Kurie, also aus dem „jenseits der Berge“ (lateinisch ultra montes - gemeint sind die Alpen) liegenden Vatikan, stützt."
Wer möchte, kann gerne den ganzen Eintrag lesen, aber es steht da nichts, dass die Ultramontanen damals vor gut 150 Jahren zu Terroranschlägen und Waffengewalt gegriffen hätten oder sich durch besondere Neigung zu Straftaten ausgezeichnet hätten. Etwas,was wohl leider in letzter Zeit doch von einigen Menschen gesagt werden muss, die sich gerne als Muslime bezeichnen aber ihre - jedenfalls nominelle - Zugehörigkeit zum Islam dazu missbrauchen, unschuldige Menschen zu misshandeln und zu töten und vor deren Gewaltbereitschaft auch ihre -vorgeblichen - Glaubensbrüder nicht sicher sind.
Nachdem hier also Äpfel mit (explosiven) Granaten verglichen wurden (wobei ich auf Spekulationen für die Hintergründe lieber verzichte), habe ich mich doch entschlossen, den Hinweis zu veröffentlichen.
Heute nun - da endlich etwas Zeit habend - googelte ich ein wenig und fand etwas, das mich nun bewog, den Hinweis tatsächlich zu posten, und zwar diese Äußerungen (hier):
"Kandel verlangt von den religiösen muslimischen Autoritäten, sie sollten den politischen Islamismus verwerfen. Bahners zeigt, daß Kandel Religiöses mit Politischem durcheinander schmeißt und dabei verkennt, daß sich z.B. die katholische Kirche aus für sie gutem Grunde ebenfalls nie von ihren politischen Fundamentalisten, den Ultramontanen, distanziert hat."
Wikipedia erklärte mir dazu, freundlich wie immer:
"Mit dem Begriff Ultramontanismus wird eine politische Haltung des Katholizismus in deutschsprachigen Ländern und den Niederlanden bezeichnet, die sich ausschließlich auf Weisungen von der päpstlichen Kurie, also aus dem „jenseits der Berge“ (lateinisch ultra montes - gemeint sind die Alpen) liegenden Vatikan, stützt."
Wer möchte, kann gerne den ganzen Eintrag lesen, aber es steht da nichts, dass die Ultramontanen damals vor gut 150 Jahren zu Terroranschlägen und Waffengewalt gegriffen hätten oder sich durch besondere Neigung zu Straftaten ausgezeichnet hätten. Etwas,was wohl leider in letzter Zeit doch von einigen Menschen gesagt werden muss, die sich gerne als Muslime bezeichnen aber ihre - jedenfalls nominelle - Zugehörigkeit zum Islam dazu missbrauchen, unschuldige Menschen zu misshandeln und zu töten und vor deren Gewaltbereitschaft auch ihre -vorgeblichen - Glaubensbrüder nicht sicher sind.
Nachdem hier also Äpfel mit (explosiven) Granaten verglichen wurden (wobei ich auf Spekulationen für die Hintergründe lieber verzichte), habe ich mich doch entschlossen, den Hinweis zu veröffentlichen.
Rätsel oder Eingeständnis?
Wie erlangt man in der deutschen katholischen Kirche die Bezeichnung einer Art Randgruppe, einem "Flügel" anzugehören. Ganz einfach, indem man öffentlich darum bittet, dass:
- (angehende) Priester ermutigt werden, den Zölibat zu leben
- Theologen den Glauben argumentativ unterstützen
- Theologiestudenten Seelsorger finden, die nicht gegen den Papst polemisieren
- die Liturgie ordentlich gefeiert wird
- das Sakrament der Ehe gefördert wird
- ein Dialog stattfindet, der alle Gläubigen mit einbezieht und nicht auf nicht-repräsentative Gruppen und Vertreter der Bischofskonferenz beschränkt bleibt
- Bischöfe klar Stellung beziehen, wenn katholische Glaubensüberzeugungen öffentlich in Frage gestellt werden
Das oben Genannte sind die Bitten der Petition Pro Ecclesia an die Bischöfe gewesen.
Wie anders soll ich es verstehen, wenn Erzbischof Zollitsch Folgendes sagt?
" Er finde sich derzeit in der paradoxen Situation, dass er zwischen den verschiedenen Flügeln innerhalb der katholischen Kirche - etwa den Anhängern des reformorientierten Theologenmemorandums und der dagegen gerichteten „Petition Pro Ecclesia“ - vermitteln müsse, damit sie miteinander sprächen."
Sind ganz normale Katholiken (zumindest das, was überall sonst in der Welt so bezeichnet werden würde, denn -ernsthaft- wer kann sich diesen Bitten denn nicht anschließen?) in Deutschland nur nur ein "Flügel"?
Und wieso verdient die Forderung (!), die katholische Sexualmoral aufzugeben, alles als potentiell vorbildhaft zu bezeichnen, bei dem es zu einvernehmlichen sexuellen Beziehungen kommt, dazu noch mehrere Sakramente ihres bisherigen Inhaltes zu berauben (Ehe, Priesterweihe, Eucharistie, Bußsakrament) und sich offen gegen eine Entscheidung zu stellen, die der jetzige und der derzeitige Papst klar als bindend bekräftigen
das Etikett "reformorientiert"?
Und auch: Da die Unterzeichner der Petition ja darum baten, dass sie bitte in das Gespräch mit einbezogen werden, kann es eigentlich nicht sie meinen, wenn der Erzbischof hier sagt, er müsse vermitteln, damit die "Flügel" miteinander sprächen. Ist dies also eine indirekte Mitteilung, dass der "reformorientierte Flügel" (also die meisten Pastoraltheologen, Religionslehrer etc.) es für indiskutabel halten, nicht-studierte Theologen und Theologen, die anderer Meinung sind, auch einmal zu Wort kommen zu lassen?
Rätsel über Rätsel. Oder aussagekräfig?
- (angehende) Priester ermutigt werden, den Zölibat zu leben
- Theologen den Glauben argumentativ unterstützen
- Theologiestudenten Seelsorger finden, die nicht gegen den Papst polemisieren
- die Liturgie ordentlich gefeiert wird
- das Sakrament der Ehe gefördert wird
- ein Dialog stattfindet, der alle Gläubigen mit einbezieht und nicht auf nicht-repräsentative Gruppen und Vertreter der Bischofskonferenz beschränkt bleibt
- Bischöfe klar Stellung beziehen, wenn katholische Glaubensüberzeugungen öffentlich in Frage gestellt werden
Das oben Genannte sind die Bitten der Petition Pro Ecclesia an die Bischöfe gewesen.
Wie anders soll ich es verstehen, wenn Erzbischof Zollitsch Folgendes sagt?
" Er finde sich derzeit in der paradoxen Situation, dass er zwischen den verschiedenen Flügeln innerhalb der katholischen Kirche - etwa den Anhängern des reformorientierten Theologenmemorandums und der dagegen gerichteten „Petition Pro Ecclesia“ - vermitteln müsse, damit sie miteinander sprächen."
Sind ganz normale Katholiken (zumindest das, was überall sonst in der Welt so bezeichnet werden würde, denn -ernsthaft- wer kann sich diesen Bitten denn nicht anschließen?) in Deutschland nur nur ein "Flügel"?
Und wieso verdient die Forderung (!), die katholische Sexualmoral aufzugeben, alles als potentiell vorbildhaft zu bezeichnen, bei dem es zu einvernehmlichen sexuellen Beziehungen kommt, dazu noch mehrere Sakramente ihres bisherigen Inhaltes zu berauben (Ehe, Priesterweihe, Eucharistie, Bußsakrament) und sich offen gegen eine Entscheidung zu stellen, die der jetzige und der derzeitige Papst klar als bindend bekräftigen
das Etikett "reformorientiert"?
Und auch: Da die Unterzeichner der Petition ja darum baten, dass sie bitte in das Gespräch mit einbezogen werden, kann es eigentlich nicht sie meinen, wenn der Erzbischof hier sagt, er müsse vermitteln, damit die "Flügel" miteinander sprächen. Ist dies also eine indirekte Mitteilung, dass der "reformorientierte Flügel" (also die meisten Pastoraltheologen, Religionslehrer etc.) es für indiskutabel halten, nicht-studierte Theologen und Theologen, die anderer Meinung sind, auch einmal zu Wort kommen zu lassen?
Rätsel über Rätsel. Oder aussagekräfig?
Donnerstag, 2. Juni 2011
Ritenstreit? - Komisch in Mailand redet niemand von Spaltung!
Während heute auf einigen Blogs von Ritenstreit die Rede ist (wobei es seltsamerweise nur um einen Ritus geht, nämlich den römischen in älterer und neuerer Ausführung), kehre ich mit diesem Post in eine Gemeinde zurück, die ganz selbstverständlich wie alle (viele?) in ihrer Stadt und dem Umland tatsächlich einen anderen Ritus feiert, nämlich den ambrosianischen.
Im ambrosianischen Ritus gibt es etwas andere Messtexte als im römischen, andere Tagesheilige, andere Lesungen, einen anderen Ablauf der Liturgie (manchmal etwas verwirrend für Gäste, besonders der Friedensgruß zu Anfang des eucharistischen Teils des Gottesdienstes).
Aber obwohl das in Mailand alles anders ist, kommt keiner auch nur auf die Idee, das könne der Anfang einer Spaltung sein. Schließlich feiert man schon seit Jahrhunderten ambrosianisch die Messe und hat immer noch kein Schisma mit Rom.
Und keiner bekommt die Krise, wenn mal der römische Ritus gefeiert wird. Das passierte bei der Konferenz in der vergangenen Woche, als Erzbischof Rino Fisichella zu Gast war; seine Predigt war nämlich auf die Lesungen des römischen Ritus ausgerichtet und er bat darum, den auch ganz zu verwenden. Kurze Hektik, dass die Übersetzung die richtigen Lesungen bekam und damit hatte es sich. Gerade für Sant'Eustorgio bedeutete es sogar eine größere Umstellung, da dort sehr viele Laien kleine Dienste in der Liturgie übernehmen, die in keinem Messbuch stehen.
Was aber so manches Gemeindemitglied von Sant'Eustorgio schon betrübt hat, hörte ich in Privatgesprächen außerhalb der heiligen Messe. In Deutschland da sei das schon traurig. Wie da verbissen um Ämter in der Messe gerungen werde und verbittert auf Rom geschimpft. Wie wenig Freude die Gemeinde an der Liturgie selbst habe. Dass man ständig über Strukturen diskutiere statt das Wort Gottes mit Freude aufzunehmen. Und wie unwürdig da oft die Liturgie gefeiert werde. Wie schwer es da zu vermitteln ist, dass das Gebet die Basis bildet, auf der man andere Menschen erreicht. Traurig!!
Und das sagen Leute, die alles andere als traditionell sind, sondern die in Bezug auf Liturgisches oft sogar sehr innovativ sind. Deren Basis für alles das Dokument Evangelii nuntiandi ist und die es schaffen, eine Liebe auszustrahlen, wie sie sonst kaum zu finden ist. (Klar gibt es auch mal Streit dort. Aber der Gesamteindruck ist doch eine überwältigende Freude und Liebe.)
Weil ich die Sache mit dem harmonischen Dasein dieses Ritus neben dem römischen schon gut 10 Jahre kenne, war ich völlig erstaunt, als wegen der alten Messe neben der neuen Messe - beides wie gesagt römischer Ritus - bei einigen Leuten eine Panik auszubrechen schien. Für mich absolut NICHT nachvollziehbar. Schließlich besuche ich selbst normalerweise Messen in der neuen Form und genieße es gelegentlich auch in die alte zu können, würde mir sogar mehr davon wünschen. Aber ich bin auch mit jeder andächtig und würdig gefeierten Messe in der neuen Form glücklich. Nur dass die eher rar sind!!!
In Mailand war es entlastend ohne Aufhebens zu verursachen, die Mundkommunion empfangen zu können. Zuhause verzichte ich darauf, weil einige Leute daraus ein Politikum machen!!
Ich sehe hier in Deutschland einfach einen gewaltigen Mangel an Katholizität, d.h. an Offenheit auch von der eigenen Meinung Abweichendes stehen zu lassen. (Wohl gemerkt Meinungen und persönliche Auffassungen!) Aber bitte keine Abweichungen von dem was katholische Glaubenslehre und verbindlich ist. Nur, werden hier gerade von denen, die sich für besonders modern halten, oft Meinungen, die von der ihren abweichen, sehr intolerant verfolgt, während dieselben Menschen sehr großzügig damit sind, ihr eigenes Lehramt zu sein.
Das ist das Problem.
Im ambrosianischen Ritus gibt es etwas andere Messtexte als im römischen, andere Tagesheilige, andere Lesungen, einen anderen Ablauf der Liturgie (manchmal etwas verwirrend für Gäste, besonders der Friedensgruß zu Anfang des eucharistischen Teils des Gottesdienstes).
Aber obwohl das in Mailand alles anders ist, kommt keiner auch nur auf die Idee, das könne der Anfang einer Spaltung sein. Schließlich feiert man schon seit Jahrhunderten ambrosianisch die Messe und hat immer noch kein Schisma mit Rom.
Und keiner bekommt die Krise, wenn mal der römische Ritus gefeiert wird. Das passierte bei der Konferenz in der vergangenen Woche, als Erzbischof Rino Fisichella zu Gast war; seine Predigt war nämlich auf die Lesungen des römischen Ritus ausgerichtet und er bat darum, den auch ganz zu verwenden. Kurze Hektik, dass die Übersetzung die richtigen Lesungen bekam und damit hatte es sich. Gerade für Sant'Eustorgio bedeutete es sogar eine größere Umstellung, da dort sehr viele Laien kleine Dienste in der Liturgie übernehmen, die in keinem Messbuch stehen.
Was aber so manches Gemeindemitglied von Sant'Eustorgio schon betrübt hat, hörte ich in Privatgesprächen außerhalb der heiligen Messe. In Deutschland da sei das schon traurig. Wie da verbissen um Ämter in der Messe gerungen werde und verbittert auf Rom geschimpft. Wie wenig Freude die Gemeinde an der Liturgie selbst habe. Dass man ständig über Strukturen diskutiere statt das Wort Gottes mit Freude aufzunehmen. Und wie unwürdig da oft die Liturgie gefeiert werde. Wie schwer es da zu vermitteln ist, dass das Gebet die Basis bildet, auf der man andere Menschen erreicht. Traurig!!
Und das sagen Leute, die alles andere als traditionell sind, sondern die in Bezug auf Liturgisches oft sogar sehr innovativ sind. Deren Basis für alles das Dokument Evangelii nuntiandi ist und die es schaffen, eine Liebe auszustrahlen, wie sie sonst kaum zu finden ist. (Klar gibt es auch mal Streit dort. Aber der Gesamteindruck ist doch eine überwältigende Freude und Liebe.)
Weil ich die Sache mit dem harmonischen Dasein dieses Ritus neben dem römischen schon gut 10 Jahre kenne, war ich völlig erstaunt, als wegen der alten Messe neben der neuen Messe - beides wie gesagt römischer Ritus - bei einigen Leuten eine Panik auszubrechen schien. Für mich absolut NICHT nachvollziehbar. Schließlich besuche ich selbst normalerweise Messen in der neuen Form und genieße es gelegentlich auch in die alte zu können, würde mir sogar mehr davon wünschen. Aber ich bin auch mit jeder andächtig und würdig gefeierten Messe in der neuen Form glücklich. Nur dass die eher rar sind!!!
In Mailand war es entlastend ohne Aufhebens zu verursachen, die Mundkommunion empfangen zu können. Zuhause verzichte ich darauf, weil einige Leute daraus ein Politikum machen!!
Ich sehe hier in Deutschland einfach einen gewaltigen Mangel an Katholizität, d.h. an Offenheit auch von der eigenen Meinung Abweichendes stehen zu lassen. (Wohl gemerkt Meinungen und persönliche Auffassungen!) Aber bitte keine Abweichungen von dem was katholische Glaubenslehre und verbindlich ist. Nur, werden hier gerade von denen, die sich für besonders modern halten, oft Meinungen, die von der ihren abweichen, sehr intolerant verfolgt, während dieselben Menschen sehr großzügig damit sind, ihr eigenes Lehramt zu sein.
Das ist das Problem.
Mittwoch, 1. Juni 2011
Zwei Berichte
Gestern abend war eine Bekannte bei mir. Die arbeitet an einer Schule, die den Namen von Bischof Ketteler trägt. Fast eines der ersten Dinge, die sie sagte war: „Weißt du noch von dem Gottesdienst, zu dem unsere Schule in Mainz beordert war? Ich wünschte, ich wäre nicht da gewesen.“
Was war passiert?
Das Ordinariat hatte angeordnet, dass alle katholischen Schulen, die den Namen Ketteler tragen, an diesem Tag nach Mainz kommen. Statt Unterricht war die Teilnahme an einer heiligen Messe und am Rahmenprogramm Pflicht. Es handelt sich um sehr verschiedene Schulen mit jungen Menschen aller Altersklassen und religiösen Zugehörigkeiten, d.h. es waren jede Menge Nicht-Glaubende, Muslime, nicht-katholische Christen, nicht praktizierende katholische Christen und natürlich auch der eine oder andere aktive Gläubige anwesend. Zur Kommunion gegangen sind sie alle. Vielleicht wurde auch jemand übersehen, aber eine Gruppe von Erzieherinnen befahl selbst den Zweitklässlern im Vorkommunionalter nach vorne zu marschieren. Meine Bekannte war als Kommunionhelferin eingeteilt. Sie hat beobachtet, wie verschiedene Kinder keine Ahnung hatten, was sie denn überhaupt mit der Hostie tun sollten, damit gestikulierend durch die Kirche liefen.
Eine Ansage vor der Kommunion, wie man sich verhalten könne, hatte es nicht gegeben. Auch keine Informationen über oder Vorbereitung auf den Gottesdienst.
Meine Bekannte meinte, ihr sei jetzt noch übel, wenn sie daran denke. Aber was habe sie tun sollen. Sie sei doch nicht verantwortlich gewesen. Ich habe ihr vorgeschlagen, nächstens bei solcher Gelegenheit, schlicht die Ausübung des Kommunionhelferdienstes zu beenden, statt an so etwas mitzuwirken. Dazu kann man schließlich nicht gezwungen werden.
In der Kirchenzeitung stieß ich dann heute auf die folgende Darstellung des Geschehenen:
„Mehr als 1600 junge Menschen ... feierten in Mainz ein Fest zu Ehren von Bischof Wilhelm Emmanuel von Ketteler, dessen 200. Geburtstag dieses Jahr begangen wird. Fünf Schulen aus dem Bistum, die Ketteler gründete oder die seinen Namen tragen, feierten einen Gottesdienst im Dom, besuchten eine eigens errichtete Ausstellung im Kreuzgang und widmeten sich einigen Projekten, die sich mit dem Leben und Werk Kettelers befassten. In der Predigt betonte Weihbischof Neymeyr die bis heute spürbare Bedeutung Ketterlers für die sozialen Errungenschaften der deutschen Arbeitnehmer.“
Zwei Berichte.
Vielleicht ist noch zu vermerken, dass es sich bei einer der Schulen um eine Lernhilfeschule handelte, deren Schüler mit der Ausstellung und der sozialen Bedeutung Kettelers relativ wenig anfangen konnten.
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