Oremus pro Pontifice nostro Franzisco.

Dominus conservet eum et vivificet eum

et beatum faciat eum in terra et

non tradat eum in animam inimicorum eius.

Samstag, 3. November 2012

das Konzept Wort-Gottesfeier ist "out-dated"

Ganz zu Anfang dieses Blogs (gut zwei Jahre her ist das) habe ich meine Eindrücke zu Wort-Gottes-Feier versus Besuch der heiligen Messe dargelegt. Mittlerweile sind meine Überlegungen da noch ein Stück weiter gediehen. Denn ich lese ja immer wieder diverse Meinungsäußerungen, wie förderlich der christlichen Gemeinschaft doch die ein Wortgottesdienst sein könne, wenn die Messfeier ausfalle. Und tatsächlich höre ich auch aus betroffenen Gemeinden, der eine oder andere finde die nett und ansprechend gestaltete Feier doch sehr ansprechend und besser als das, was der Pfarrer sonst biete.

Andererseits bin ich mittlerweile auf viele ältere und stark gehbehinderte Menschen gestoßen, die für sich eine andere Lösung entdeckt haben, nämlich die participatio actuosa an einem im Fernsehen übertragenen Gottesdienst, wobei hier EWTN und k-tv favoritisiert zu werden scheinen. Einige äußerten sogar, sie zögen diese übertragene heilige Messe der oft etwas bedrückenden und befremdenden Version vor, in deren Genuß sie kämen, würden sie Verwandte beknien, sie zur Kirche zu bringen und abzuholen und dort eventuell hilflos in der Bank zu verharren, weil der Zelebrant einmal wieder vergisst, ihnen die Kommunion zu bringen und während so manches sie hindert, wirklich aktiv den Gang der Messe zu verfolgen (es wurde ja schon genug geschildert).

Anfangs habe ich solche Aussagen mit Zurückhaltung angehört und fand es äußerst bedenklich, dass einen "virtuelle" Teilnahme an der Messe einer physischen vorgezogen werden kann. Mittlerweile habe ich verstanden, dass diejenigen, die das erzählten, durchaus auch lieber gerne körperlich anwesend eine heilige Messe mitfeiern würden, dass ihnen das aber durch alle Umstände (desinteressierte Familie, unpersönliche Atmosphäre vor Ort und zuviel Ablenkungen durch gruppenspezifische Sonder- und Eigenliturgien) oft sehr schwer gemacht wird. Sie lehnen auch nicht die Gemeinschaft mit anderen Mitchristen ab. Im Gegenteil, manchmal laden sie hoffnungsvoll dazu ein, doch mit ihnen, an der übertragenen heiligen Messe, die doch so tröstlich und erhebend für sie ist, teilzunehmen.

Sicher ist es eine gute Sache, sich gemeinsam zu einem sonntäglichen Wortgottesdienst zu treffen, wenn das die Alternative zu einem nur für sich allein gestalteten Gebet oder zu einem völligen Ausfallen eines solchen ist. So fanden wir das gemeinsame Bibelteilen in einem fremden Land und ohne katholische Kirche in 200 km Umkreis einmal sehr hilfreich. Wohlgemerkt, es war die einzige Möglichkeit, aktiv an einem christlichen Gottesdienst teilzunehmen, denn ein evangelischer Predigtgottesdienst in der Landessprache wäre irgendwie nicht so sehr sinnvoll gewesen.

Und so war es in vergangenen Jahrzehnten sicher sehr sinnvoll, wenn weitab von Rundfunkempfängern aller Art (wegen des Fehlens elektrischer Versorgung) sich Menschen in entlegenen Gegenden, ob nun im afrikanischen Busch oder Dschungel oder in den Gebirgen und Urwäldern Südamerikas oder in irgendwelchen Einöden) sich zu einem Gottesdienst zusammenfanden  und - finden. Aber das wandelt sich immer schneller. Selbst die entlegensten Gegenden werden jetzt mit Internetanschlüssen versorgt und bald wird man auch dort - natürlich am idealsten gemeinsam - dort an livestream-Übertragungen von heiligen Messen teilnehmen können.

Zu bedenken ist auch, dass bei Großveranstaltungen ja auch das aktive Teilnehmen an der heiligen Messe nur über Großleinwände möglich ist, oft sogar nur in benachbarten Örtlichkeiten zum Zelebrationsort. Wo ist da dann eigentlich der große Unterschied zu einer in noch größeren Distanz mitverfolgten gottesdienstlichen Feier? Höchstens noch der, dass bei Großveranstaltungen die Kommunion mit dem in ein- und derselben Feier gewandelten Leib Christi stattfinden kann. Oft aber ist es aus organisatorischen Gründen schon nicht möglich gewesen, dass alle diesen Vorzug hatten, so dass etlichen nur die geistige Kommunion blieb.

Was jetzt tatsächlich miteinander kollidiert sind ein protestantisches und ein römisch-katholisches Verständnis  von Gottesdienst. Die protestantische Sichtweise ist meines Wissens die (denn die Eucharistie als Sakrament gibt es dort ja nicht), dass die Gemeinschaft im gläubigen und die schriftbetrachtenden Zusammensein zweier Christen voll verwirklicht ist. Der römisch-katholische Gemeinschaftsbegriff aber geht von der Feier der heiligen Messe in Gemeinschaft mit dem Bischof aus, als dessen Vertreter die Priester geweiht werden.

Bei einer Messfeier ohne Priester ist die Gemeinschaft mit dem Bischof selbst also nicht mehr gegeben, es ist ein Gottesdienst mit gewaltigen Abstrichen.

Was in den Forderungen nach eucharistielosen Wortgottesdienstfeiern vor Ort durchscheint, ist der Verlust der katholischen Definition der die Gemeinde bildenden Gemeinschaft. Und was hier nicht bedacht wird, ist auch Folgendes: Viele Protestanten nehmen obwohl durchaus fromm und glaubend (auch wenn diese Gruppe in den vergangenen Jahren ebenfalls stark zusammengeschmolzen ist) nicht an protestantischen Gottesdiensten teil, weil sie ihre Schriftlesung auch allein halten können.

Und das würde ich angesichts der Qualität so mancher verbaler Äußerungen von Gottesdienstleitern (und der oft seichten Predigten, die auf kaum praktizierende Christen abzielen) wohl vielleicht auch tun, um zumindest gelegentlich einen in die Tiefe gehenden Gottes-Dienst zu haben. - Dahingegen setze ich einiges ein, um an einer heiligen Messe teilnehmen zu können, ganz unabhängig von den Qualitäten des Predigers, und wenn tatsächlich keine erreichbar wäre - warum sollte ich dann nicht per livestream die heilige Messe sogar mit dem Papst in Rom feiern anstatt eine Gebetsstunde mit ein paar anderen Laien zu halten. Wobei ich nichts gegen Gebetsgottesdienste einzuwenden habe und sie auch ab und an besuche (Andachten, Anbetung, Lobpreisgottesdienst), aber eben nicht anstatt der Feier der heiligen Messe sondern zusätzlich.

Unter den jetzigen Umständen mit Gewalt an dem überholten Konzept von Wortgottesdienstfeiern und Wort-Gottes-Feiern festhalten zu wollen, ist vollkommen überholt. Sinnvoll wäre mittlerweile, Livestreams von Bischofs- oder Papstmessen in den Gemeinden anzubieten, in denen keine heilige Messe gefeiert werden kann und wo die Eucharistiefeier auch andernorts nur schwer erreichbar ist. Auch hier wäre das Engagement von Laien zu einem gelungenen Ablauf sehr gefragt und endlich wäre eine würdige und bereichernde Teilnahme an einer heiligen Messe - wenn auch ohne Empfang der Kommunion aus ebendieser - ermöglicht.

Bisher habe ich aber noch keine Überlegungen von offizieller Seite dazu gehört.
Stattdessen wird anscheinend immer noch auf Selbstgestricktes mit mangelnder Qualität und zur Förderung der kreativen Selbstverwirklichung von "Gottesdienstleitern" gesetzt, die zu immer stärkerer Verunheitlichung der Liturgie führt, statt etwas zu fördern, das die Gemeinschaft aller Katholiken und besonders die Einheit mit den Hirten unterstützen und wachsen lassen würde.






Kommentare, die hier nicht veröffentlicht werden

Vor einiger Zeit musste ich einen Beitrag streichen, dessen Wortwahl nicht publikationsfähig war.

Einen Kommentatoren, dessen Beiträge nicht einmal entfernt mit dem Thema zu tun hatten, habe ich auf die Spamliste gesetzt.

Jetzt veröffentliche einen Kommentar nicht, der eine Buchempfehlung ist, die auch mit dem Hauptthema dieses Blogs und dem entsprechenden Beitrag nichts zu tun hat. Ich kann zwar annähernd den Gedankengang dieses anonymen Kommentators nachvollziehen, der ihn nicht einfach ziellos irgendwohin gesetzt hat, aber da es sich noch dazu um ein sehr strittiges Werk handelt, möchte ich den Diskussionen, die es unweigerlich nach sich ziehen muss keinen Raum geben.

Samstag, 20. Oktober 2012

Wie sag ich's (m) einem Kinde?

Der Auslöser war, dass mein Bruder erwähnte, mein hier schon mehrfach zitierter Neffe (9 Jahre) habe sich geweigert, sonntags mit in den Gottesdienst zu gehen. Oma (meine Mutter) am Boden zerstört. Opa (mein Vater)  fordert empört, dass ich mich darum kümmere. Ich empfehle, dass die beiden gar nichts erwähnen und schneide das Thema kurz an, nachdem wir ein zusammen am PC gespielt haben.

Heraus kam: Der Papa geht nicht in die normale Messe, in die er schon eher mitginge sondern in den Kindergottesdienst: "Du hast ja gesehen, was die da machen!! Würdest du da etwa hingehen?" Nein, würde ich auch nicht. Für jemanden, der Chaos, hohe Geräuschpegel und Malen verabscheut wie dieser Junge, definitiv nichts, wo er hingehen würde.

So weit, so schlecht. Wie bringt man einem Kind, dem das als Sonntagsgottesdienst verkauft wurde, bei, dass es bei der heiligen Messe um ganz anderes geht. Nachdem der Kommunionunterricht (s. entsprechenden Label) da alle Chancen vertan hatte?

Als mein Neffe das nächste Mal erklärte, ihm sei gerade langweilig, schlug ich also vor, dass wir für 15 Minuten rüber in die Kirche gehen, um ihm da etwas zu zeigen. Wollte er nicht. Begründung: "Das hätten die mir im Kommunionunterricht erklären sollen. Die haben das nicht getan. Also sind die schuld."
Meine Antwort: "Sie haben es nicht erklärt. Das ist ihre Schuld. Richtig. - Aber du hast das Angebot, etwas erklärt zu bekommen. Wenn du es nicht nutzt, ist das deine Schuld." Kurzes Nachdenken. Okay, er kam mit. Aber wirklich nur für 15 Minuten.

Unterwegs fing ich an etwas zu erzählen. Ob er etwas von der Seitenwunde weiß, die Jesus am Kreuz hat. (Wie immer keine Ahnung.) Dass da ein Soldat seine Lanze reingestochen hat, weil er wissen wollte, ob Jesus tatsächlich schon tot war. Und dass Blut, dass schon länger stillsteht, sich in feste rote Bestandteile und helles Serum teilt. Und dass beides herausfloss, als da mit der Lanze reingestochen wurde. Und dass das unter anderem auch ein Zeichen ist für die Sakramente Taufe und Kommunion. Das Wasser (oder das, was so aussieht) für die Taufe und das Blut als das ganz Wichtige, mit dem Jesus alle Sünden ausgelöscht hat, falls man sie ihm überlässt.

Im Kircheneingang haben wir kurz das Kruzifix betrachtet, auf dem die Seitenwunde zu sehen war. Und dann sind wir nach vorne in den Altarraum zum Hochaltar. Ich habe ihm gezeigt, dass über dem Altartisch dort auch ein Kruzifix steht, mit der Seitenwunde, aus der das Blut fließt und gesagt, dass in der Messfeier genau dieser Augenblick da ist und das Blut, das uns von der Schuld frei macht, dann in dem Kelch ist, auch wenn es noch wie Wein aussieht und dass deswegen auch das Dabeisein bei diesem Ereignis etwas von unserer Schuld wegnehmen kann, weil das einfach das ist, was das Blut Jesu macht.

Das fand mein Neffe sehr einleuchtend. Ja, dann sei es schon sinnvoll in den Gottesdienst zu gehen. "Und warum haben die uns das nicht gesagt?"
Tja, meinte ich, weil es Leute gibt, die meinen, dass Kinder so etwas nicht verstehen und dass sie Angst bekommen, wenn sie auch nur etwas von Blut hören. Der indignierte und ingrimmige Blick darauf sprach wahre Bände. Er fand das empörend.

Das war jetzt natürlich eine sehr verkürzte Darstellung, die ich ihm gegeben habe. (Ich hatte ja nur 15 Minuten. :) ) Aber ich hoffe, dass da jetzt doch etwas hängen geblieben ist, weil es ziemlich anschaulich war.

Montag, 8. Oktober 2012

kleine Videoreihe zum Jahr des Glaubens

Ich gebe hier die Mail wieder, die ich heute bekommen habe:

Liebe ____________,
vor einiger Zeit haben die Leiter der ICPE Mission mich gebeten, eine kleine (vierteilige) Videoreihe zu Beginn des "Jahr des Glaubens" zu gestalten. Diese Videos sind für die verschiedenen ICPE Zentren und damit verbundenen Gemeinschaften und Gruppen gedacht. Also wurden sie in Englisch aufgenommen.

Wir haben uns dann gedacht, wir könnten das alles dann doch auch mit relativ wenig Aufwand in Deutsch aufnehmen.
Gesagt, getan.

In dieser kurzen vierteiligen Reihe nehmen wir das "Jahr des Glaubens" und das Schreiben "Porta Fidei" von Papst Benedikt XVI. zum Anlaß uns Gedanken zu machen über das Wort Gottes und den Katechismus ... und warum wir ihn nicht lesen.
Es ist unser Gebet, dass diese kurzen Betrachtungen ein wenig dazu beitragen, dass uns das Wort Gottes in seiner ganzen Herrlichkeit immer neu aufstrahlt und formt.

Wir haben jeweils den
Youtube - Link (falls ihr das Video einfach nur anschauen möchtest) und einen
Download - Link (falls ihr das Video lieber herunterladen und mit anderen schauen möchtet) aufgelistet:

Teil 1: Die Symphonie
Youtube:
http://youtu.be/Sab6R2hwSPA
Download Link:
http://db.tt/Rc3Kh6V3


Teil 2: Die Tür
Youtube:
http://youtu.be/-ScKz4ao3lE
Download Link:
http://db.tt/JndosT16

Teil 3: Der kleine Junge
Youtube:
http://youtu.be/3RsTiUJhVIA
Download Link:
http://db.tt/AH1kXp29

Teil 4: Indiana Jones
Youtube:
http://youtu.be/TrjwJ3WZlwk
Download Link:
http://db.tt/3SwBtvtB

Wir wünschen Euch viel Freude und Gottes Segen
und ein großartiges "Jahr des Glaubens"

--

Michael Papenkordt

ICPE Mission | Sommerstr. 19c | 68219 Mannheim

Sonntag, 7. Oktober 2012

Taufe: die Wahrheit, ein bisschen davon und das gut verborgen

Animiert durch den Kommentar zu katholisch.de beim Beitrag vorher, habe ich mir da auch etwas näher angesehen, nämlich, was denn dort so an Informationen zum Thema "Taufe" erscheint. Jede Menge, viel Organisatorisches und eigentlich nichts Tiefergehendes. Anregungen zur Gestaltung von Tauffeiern kann man sich dort holen, viel über die Taufe erfahren nicht.

Da ist zum Beispiel die Definition der Taufe: "Durch die Taufe werden Menschen zu "Kindern Gottes" und Mitgliedern in der Glaubensgemeinschaft der Christen, der Kirche."
Nicht falsch, aber sehr unvollständig.

Zum Vergleich die Definition aus dem Youcat: "Die Taufe ist der Weg aus dem Reich des Todes in das Leben; das Tor in die Kirche und der Beginn einer bleibenden Gemeinschaft mit Gott. Die Taufe ist das grundlegende Sakrament und die Voraussetzung für alle anderen Sakramente. Sie vereinigt uns mit Jesus Christus, nimmt uns hinein in sein erlösendes Sterben am Kreuz, befreit uns dadurch von der Macht der Erbsünde und allen persönlichen Sünden und lässt uns mit ihm auferstehen zu einem Leben ohne Ende. Da die Taufe ein Bund mit Gott ist, muss der Mensch 'Ja' dazu sagen. Bei der Kindertaufe bekennen die Eltern stellvertretend den Glauben."

Um nur ein paar Aspekte aufzuzeigen, die auf katholisch.de unterschlagen, im youcat-Text dagegen kurz angesprochen werden:

Wir werden nicht einfach irgendwie "Kinder Gottes" - wir werden vereinigt mit Christus und sind darum "Sohn Gottes" als Teil seines Leibes.
Es ist ein Bund mit Gott, der ein ständig gelebtes Ja erfordert, kein einmaliges Ereignis, das in sich abgeschlossen ist, sondern ein Weg, ein Tor.

Hier geht es um Tod und Auferstehung im Leben des Getauften. - katholisch.de erklärt, es sei schlicht ein Neuanfang, der das Kind offen für Neues mit Gott mache, die psychische Familiensituation werde von ihm abgewaschen. (UND DAS klingt sehr New Age)

Wir werden von der Macht der Erbsünde befreit - auf katholisch.de zum Beispiel versichert ein Text von Anselm Grün, Erbsünde sei ein mittelalterliches Konzept, das Kind werde nur "aus einem Schicksalszusammenhang herausgenommen", was auch immer das heißen soll.

Den Rest kann man hier nachlesen, kommentieren könnte man da noch sehr viel.

Offenbar hat auf der Seite unserer Bischofskonferenz jemand versucht, das Rad (d.h. die Taufe) neu zu erfinden in wohlklingenden Definitionen.
Warum konnte da eigentlich nicht der kurze und klare youcat-Text genommen werden, dem ein wenig liebevolle Ausführung und Ausgestaltung auch nicht schlecht bekommen wäre, kurz und knapp, wie er gehalten ist.

Mir kann dazu die Eidformel in den Sinn: die Wahrheit, die ganze Wahrheit und nichts als die Wahrheit.

Auf katholisch.de erfährt man dagegen: die Wahrheit, ein bisschen von der Wahrheit und vieles was die Wahrheit möglichst gut unter hübschen Ausschmückungen verbirgt.

Aber ist so etwas überhaupt redlich?

Unterschlägt katholisch.de Teresa von Avila?

Heute steht auf der Hauptseite der Link zu einem Artikel über die Erhebung Hildegard von Bingens zur Kirchenlehrerin und darin wird behauptet, diese Ehre sei bisher nur zwei anderen Frauen zuteil geworden.

Zitat: "Bislang gibt es 33 Kirchenlehrer, nur zwei von ihnen sind Frauen. Die eine ist Katharina von Siena (1347-1380), die andere Therese von Lisieux (1873-1897)."

Dass Paul VI schon 1970 auch Teresa von Avila zur Kirchenlehrerin erklärte, ist da der Renommierseite der dbk irgendwie entgangen, scheint es. Oder jemand ist durcheinandergekommen, weil da zweimal Theresa auftauchte?

Ich hatte die Seite aufgesucht, weil ich nach einer TV-Übertragung des heutigen Gottesdienstes in Rom zur Eröffnung der Synode suchte; leider gab es da keine Hinweise. Fündig wird man aber bei EWTN, das auch am Donnerstag den Gedenkgottesdienst zur Eröffnung des Vaticanum II als livestream übertragen wird.

Samstag, 6. Oktober 2012

Unverwirklichte Konzilshoffnungen

Das "Wort der deutschen Bischöfe zum Auftakt der Jubiläumsfeierlichkeiten des Zweiten Vatikanischen Konzils" (puh, was für ein Titel!) habe ich schon vor ein paar Wochen durchstudiert. Mit dem Kuli in der Hand, um nicht zu vergessen, was mir dazu ein- oder auffällt, weil ich nicht oft Zeit habe, so etwas gründlicher zu lesen.
Was ich jetzt schreibe ist auch keine Rezension, sondern das, was ich als normaler Kirchgänger dabei überlegt habe. Wobei ich stets die Frage im Hinterkopf hatte: "Funktioniert das denn auch so, wie es gedacht ist/war? Oder hat die Idee von vornherein ein paar wichtige Faktoren unbeachtet gelassen, die sie - so schön sie ist - unpraktikabel machen?"  Ich dachte dabei auch an das Problemfeld Religionsunterricht und Katechese, mit dem sich die Bischofskonferenz an einem Studientag beschäftigte. Da wurde ganz explizit gesagt, dass es der Würzburger Synode (diesem Treffen aus für mich ungefähr so grauer Vorzeit wie das Vaticanum II) beschlossen hatte, dass Katechese in die Gemeinde gehöre und dort stattfinden solle, während der Religionsunterricht ergänzend dazu Hintergründe liefern solle (Ethik, Philosophie, andere Religionen, soziales Verhalten usw.), die im Grunde auf der Katechese aufbauen. Im Ansatz ist das schon richtig, wo kann man den Glauben besser erfahren und kennenlernen als in der Gemeinschaft der Glaubenden, die sich zur Gottesverehrung trifft und apostolisch tätig wird, im vollen Bewusstsein ihres allgemeinen Priestertums? Sehr schön in der Theorie. In der Praxis endete es weitgehend damit, dass alle potentiellen Orte der Katechese auf die jeweils anderen Orte und den Religionsunterricht setzten und - Ausnahmen bestätigen die Regel - die allgemeinen Pfarrkatechesen an das Niveau derer angepasst wurden, die die wenigsten Vorkenntnisse hatten, was in vieler Art in einer Art Katechese auf Kindergartenniveau für alle Altersgruppen endete. Mit dem Erfolg, dass Eltern sich überfordert vielen, ihren eigenen Kindern Glaubensinhalte zu erklären, weil sie ihnen nie erklärt wurden und wo es nur mit intensivem Selbststudium (und wer investiert dazu die Zeit und das meist noch ohne Anleitung?) möglich ist, sich selbst in Bezug auf den eigenen Glauben weiterzubilden? - Aber ist man bereit, die Bilanz zu ziehen und zu sagen: "Die Idee war im Grunde gut, aber sie funktioniert nicht?"

Also denn, die deutschen Bischöfe kapitulieren in ihrem "Wort", was die wesentlichen Elemente der Reform waren, die das Vaticanum II bewirken wollte/sollte.
Sie erklären das "aggiornamento" am Beispiel der Liturgie. "Die Teilhabe der Gläubigen am Priestertum Christi kraft der Taufe erfordert von der feiernden Gemeinde die geistliche Haltung tätiger Teilnahme am liturgischen Geschehen." Völlig richtig. Nur. Es gibt da gewisse Probleme. Mal ganz außen vor, dass viele immer noch denken, "tätige Teilnahme" hieße "möglichst viele Tätigkeiten und das möglichst ununterbrochen ausüben", während es heißt, "sich möglichst jeden Augenblick vergegenwärtigen, was in der Liturgie gerade geschieht und sich bewusst sein, warum und wie Gott gerade so am besten und einem Willen gemäß geehrt wird bzw. was das hier erlebte Handeln Gottes zu unser aller Heil wirkt".
Ich kenne das aus eigener Anschauung, mit meinem IQ180 und fest entschlossen, der Liturgie aufmerksam zu folgen, begebe ich mich  in den Gottesdienst und bin dann - wenn ich nichts zu Hilfe nehme - nach spätestens 15 Minuten derart abgelenkt, dass ich nicht mehr zuhöre (von wegen gar tätig teilnehme) und kaum noch weiß, was überhaupt in den liturgischen Texten vorkam. (Weil ich aus reinem Selbstschutz bei so manchen recht sinnfreien und zusammenhanglosen Äußerungen des Predigers in Predigt und Statio auf Nicht-genau-hinhören schalte. Weil eine Sondereinlage, die in keiner Liturgie steht, mich völlig durcheinanderbringt. Weil es irgendwie nervt, dass der Pfarrer statt zu beten sichtbar Leute zählt. Weil gerade jemand Sachen erzählt, die eigentlich mit der katholischen Lehre nicht vereinbar sind und ich mir überlege, was man am besten auf sowas erwidern sollte. und und und.) 
Es geht ja auch nicht nur mir so. Die Teilnahme der meisten ist so tätig, dass sie nicht einmal wissen, was das Evangelium war. Und da nie jemand, den ich fragte, wusste, was der Pfarrer überhaupt gepredigt hatte, habe ich bisher auch ganz verzichtet, ihn auf theologischen Unsinn in seinen Darlegungen hinzuweisen. Man muss ja niemand unnötig ärgern, falls er gar keinen verwirrt. - Bei manchen Sondereinlagen wissen gut 60% gar nicht mehr, in welchem Teil der Messe sie gerade sind, da sie auch die Anfangsworte der Hochgebete nicht identifizieren können. Das lernt man ja nirgends. Auf Verdacht stehen dann die einen auf oder setzen sich, bis irgndwann die Wandlungsworte selbst das große Aha-Erlebnis liefern. Zumindest bei denen, die häufiger da sind.
Zur Förderung der tätigen Teilnahme wäre es nötig, zum Beispiel zum Besitz der liturgischen Messtexte zu ermutigen. Möglichkeiten gibt es ja viele: Schott, die Publikation "Magnificat" u.a. Aber das habe ich in meinem Pfarreidasein bisher noch nicht erlebt.
"Den Glanz edler Einfachheit und die Durchschaubarkeit der Riten wünschten die Konzilsväter." Erreicht haben wir inzwischen eine völlige Verwirrung. Sind wir jetzt mit dem Gebet dran, dass unser Pfarrer uns immer sprechen lässt oder lässt er den Text davor diesmal doch nicht weg? (zum Beispiel und siehe auch direkt darüber)
Gerade die zur Regel gewordenen Eigen-Liturgien haben alles undruchschaubar gemacht. Die vielen Auslassungen und Abänderungen verunmöglichen oft Verständnis. Und Einfachheit? In einem Makrameeknoten von mehr oder weniger kreativen Einlagen, damit "die von uns gestaltete Messfeier allen lange im Gedächtnis bleibt"?
"Die Kirche und ihre Ämter sind von ihrem Dienst her zu verstehen." Völlig richtig. Aber wie kommt es dann, dass derart verbissen Ämter als Ermächtigungen zu Macht begriffen werden? Dass kaum jemand noch dienen will?  Sondern nach Führungs- und Entscheidungspositionen verlangt? Hier bräuchten wir dringend eine Rückkehr zu den ursprünglichen Intentionen.

"Deshalb ist es den Konzilsvätern ein Anliegen, das ganze kirchliche Leben am Wort Gottes auszurichten und den Gläubigen einen neuen Zugang zur Heiligen Schrift zu eröffnen." Absolut richtiger Ansatz. Aber wie kommt es, dass die viele selbst bei Zachäus (der, der in den Katechesestundengeschichten auf den Baum geklettert war, weil er Jesus sehen wollte) oder David große Fragezeichen auf recht vielen Gesichtern erscheinen. Denn bei den Lesungen - falls die jemand überhaupt hört, weil er noch in die Kirche geht - hört man ja meistens weg. Ständig wird man von überall berieselt, da ist man doch froh, einfach mal den eigenen Gedanken nachzuhängen. Und die Lektoren sind entweder relativ monoton (wie es ihnen beigebracht wurde) oder stolpern gar durch die Texte. Auch kann man sich an keinem Satz aufhalten sonst verpasst man ja den nächsten und gerät doch in Gedanken und das war es. Der Bibelkreis passt zeitlich nicht und wenn man das dicke Buch auf Gutdünken aufschlägt, gerät man an unverständliche Stellen. In der Predigt kommen die Lesungen meist nur als kurzer Aufhänger vor, um dann Alltagssituationen und moderner Literatur zu weichen, die laut dem Prediger aussagekräftiger sind. Hmmm, vielleicht sollte man jenen Roman kaufen, bestimmt spannender als die Bibelstelle, die "uns ja heute sowieso nicht mehr ansprechen kann".
Nein, das Anliegen der Konzilsväter wurde bisher nicht verwirklicht. Auffällig ist, dass die vorkonziliare Generation deutlich bibelfester ist .... Auch wenn sie nicht die komplette Bibel kennt.

"Es forderte alle Glieder der Kirche auf, sich selbstbewusst und ohne innere Vorbehalte mit den Fragen der Gesellschaft und der Kultur zu beschäftigen." Daraus wurde ein, die Meinungen der Gesellschaft möglichst 1:1 zu übernehmen und den Glauben so "neu auszulegen", dass er die vorherrschenden gesellschaftlichen Meinungen bestätigt. Von Selbstbewusstsein keine Rede: "Ich bin zwar katholisch, aber in Wirklichkeit bin ich genauso wie sie und lehne alles spezifisch Katholisch ab, besonders alle Lehrmeinungen." ist das neue Credo geworden.

"Deshalb dürfen wir uns auch in einer von vielen als unübersichtlich und bisweilen sogar bedrohlich empfundenen Gegenwart nicht auf uns selbst zurückziehen." Als ob das ginge. Die meisten von uns leben in einer weitgehend entchristlichten Welt. Unsere Freunde, Kollegen und Bekannten sind zu einem großen Teil Nichtchristen und wir müssen mit ihnen interagieren; es gibt kein Milieu mehr, in das wir uns zurückziehen könnten. Oder ist das ängstliche Verschweigen eigener Überzeugungen gemeint? Das "ich erwähne lieber nicht, dass ich tatsächlich ab und zu Gottesdienste besuche", das "eigentlich finde ich, das Kinder nicht getötet werden sollen, bevor sie geboren werden, aber ich ich darf mich nicht intolerant zeigen" oder das "ich wünschte mir manchmal schon, es gäbe etwas, an dem ich mich festhalten könnte, aber dann werde ich als unselbständig ausgelacht" und solche Dinge? Mut brächte es viel. Doch wer ermutigt uns?

Ist es nicht eher so, dass wenn ein (junger) Mensch versucht, sein Leben zaghaft an katholischen Überzeugungen auszurichten, er sofort mit Prügelworten wie "konservativ", "fundamentalistisch", "reaktionär", "triumphalistisch", "intolerant" usw. bedacht. Gerade seitens geweihter und ungeweihter Kleriker und Vertretern der Theologie und Inhabern von kleinen Pfarrei-Machtpositionen? Ich weiß, dass ich da fast nur von allen Seiten Prügel bekommen habe, als ich anfing darüber nachzudenken, was Gott denn nun von mir will und wie ich christlicher als bisher leben kann. Wie so viele habe ich erst einmal das katholische Umfeld etwas verlassen und freikirchliche Räume aufgesucht, um über den Glauben sprechen und austauschen zu können, ohne dass mein Wunsch nach "mehr" sofort eine Gesinnungspolizei auf den Platz rief. Ich selbst war persönlich trotz aller Zweifel, Fragen und Fastkirchnaustritt zu tief mit der katholischen Liturgie verbunden, als dass ich sie gegen die Freikirchenwelt hätte eintauschen wollen. Aber viele sind dort geblieben, weil sie in ihrer katholischen Gemeinde keine Möglichkeit sahen, im Glauben zu wachsen.
Wird das bedacht? Wohin die seit nunmehr 50 Jahren währende katholische Selbstzerfleischung geführt hat und führt? Dass es fast keinen Ort mehr gibt, an dem zarte Glaubenspflänzchen gehegt, gestützt, begossen und genährt werden? Dass es eher so ist, wenn sich an etwas Katholischem ein kleiner feiner grüner Trieb zeigt, sofort davon ausgegangen wird, dass hier ein massiver Baum steht? Den man möglichst schnell beschneiden muss, damit er nicht zu hoch und falsch wächst?

All das kam mir so, als ich das Wort der Bischöfe las.


Halbwegs tätige Teilnahme ist mir nur dank meines Schott-Messbuchs möglich.

Freitag, 5. Oktober 2012

Da unsere Bischöfe uns nicht so etwas Ansprechendes geschrieben haben,

hier also das Hirtenwort der österreichischen Bischöfe zum Jahr des Glaubens.
Ein wenig wünsche ich mir, ihre deutschen Mitbrüder hätten da einfach ihre Unterschrift darunter gesetzt.

Das Wort der deutschen Bischöfe zum Auftakt der Jubiläumsfeierlichkeiten des Zweiten Vatikanischen Konzils findet man hier . Gar nicht so einfach zu finden, wenn man den Wortlaut des Titels nicht kennt; meine ersten Versuche auf der dbk-Seite waren jedenfalls erfolglos, weil ich nicht wusste, wo das steckte und es auf der Titelseite erwartet hatte.
Was ohnehin auffällt ist die Akzentverschiebung in der Thematik. Natürlich ist das Jahr des Glaubens auch das Jahr des Konzilsgedenkens. Der Heilige Vater hat explizit vorgeschlagen, es zum Anlass zu nehmen, die Konzilstexte neu zu lesen und zu bedenken. Er selbst wird ja gerade zu diesen Katechesen halten. Aber das Jahr des Glaubens ist mehr, ist größer als ein schlichtes Gedenken.

Der Neuaufbruch, den die Konzilsväter erhofften und der zu einer Vertiefung des Glaubens, zu seiner Neuübersetzung in die aktuelle Zeit im Leben jedes einzelnen Gläubigen stattfinden sollte, ist viel diskutiert und benannt worden doch stattdessen kam es in vielem und bei vielen zu einer immer stärkeren Entfremdung vom eigenen Glauben, zu immer weniger Wissen um die Inhalte des eigenen Glaubens, zu einem sich stetig wachsenden Unverständnis der nichtgläubigen Umwelt, weil die Glaubenden selbst immer mehr von ihrem Glauben verloren.

Wenn wir jetzt also im Lesen und Bedenken der Konzilstexte an einen doch recht hoffnungsfrohen Startpunkt zurückgehen, dann nicht, um noch einmal intensiv alle Irrwege zu verfolgen, die bei der Umsetzung des Konzils ausprobiert wurden, sondern um von diesem Sprechen Gottes mit dem Wissen um viele mögliche Fehlentwicklungen noch einmal neu auszugehen und uns endlich wirklich der Aufgabe zuzuwenden, zu der wir in den letzten 50 Jahren nur sehr vereinzelt gekommen sind: die Strahlkraft und Schönheit des Lebens in und Mit Jesus Christus sichtbar zu machen, unser Leben immer mehr zu seinem werden zu lassen und so menschgeworden in die Welt hineinzuwirken.
Das ist wohl kaum machbar, werden hier die meisten einwenden. Natürlich ist es nicht machbar.Aber Gott kann es wirken, sobald wir anfangen, dem Heiligen Geist dabei die Leitung zu überlassen anstatt selbst eine Unzahl von Konzepten auszudenken und auszuprobieren. Unsererseits braucht es eigentlich nur ein Vertiefen unserer Beziehung mit dem Herrn, die unsere Hingabe wachsen lässt, so dass er ungehindert durch uns handeln kann.

kleine Unterschiede

Bei der Verlinkung der Papstansprachen gestern stieß ich auch auf das Video der Generalaudienz vom 3. Oktober 2012:  hier

Ich "blätterte" mal schnell durch und blieb am Ende hängen, als eine Reihe von Kardinälen kurz den Papst begrüßen darf, weil das doch trotz der Kürze sehr persönliche Begegnungen sind. Man findet das ab der Zeit 01:25:03, also in den letzten zwei Minuten. Und irgendwie machte ich mir schon so meine Gedanken zu den kleinen Unterschieden im Auftreten ...

Donnerstag, 4. Oktober 2012

Die Katechesen Papst Benedikts XVI zu den Konzilsdokumenten haben begonnen

Mit der  Mittwochsaudienz der vergangenen Woche. 

Thema ist zunächst die erste Konstitution des Vaticanum II, die über die Liturgie; ich denke, es wird äußerst empfehlenswert sein, diese systematische Aufbereitung der Dokumente mitzuverfolgen.

Die Fortsetzung dazu folgte heute.

Mittwoch, 3. Oktober 2012

Plädoyer für Kirchensteuerverweigerer aus Gewissensgründen



Eigentlich hatte ich nicht vor gehabt, in Sachen Kirchensteuer etwas zu schreiben. Vielleicht liegt es daran, dass ich in einer ganz durchschnittlichen Gemeinde aufgewachsen bin und quasi davon geprägt wurde, dass ein Kirchenaustritt hieße, sich nach außen vom Glauben loszusagen. Außerdem wusste ich ja, dass diese Kirchensteuergelder für vieles Gute, Vernünftige und Notwendige eingesetzt werden. Und (leider?) gehöre ich zu den Leuten, die immer erst einen richtigen Anstoß brauchen, um über etwas nachzudenken, das sie eigentlich als gegeben hinnehmen.

Mein „Moment mal“ kam durch einige der Beiträge, die ich jetzt im Internet zum Thema gelesen habe und zwar sind es insbesondere die vielen Polemiken, gerade auch in Zusammenhang mit Stufe 2 des Dialogprozesses in Hannover, die den Kommunionempfang für allen und jeden fordern – nämlich völlig unabhängig von irgendeiner geistlichen Disposition, sprich vorheriger Bereinigung von allem, was in einem Leben „schwere Sünde“ darstellen kann, also in sich zu einer Position führt, die mit dem Willen Gottes nicht vereinbar ist. Und plötzlich stelle ich fest, dass es nach Meinung vieler – wie es den Anschein hat auch etlicher Bischöfe – nur einen einzigen Grund gibt, jemanden von den Sakramenten auszuschließen: nämlich die Bekundung des Kirchenaustritts (oft aus dem alleinigen Wunsch keine Kirchensteuer zahlen zu wollen) vor einer Behörde.

Die merkwürdige Situation ist doch diese:
-         

       Katholiken, die alle moralischen Regeln ihrer eigenen Kirche brechen - und dazu gehören eine innere Distanz zur Gemeinschaft (= Gottesdienstbesuch nur in Ausnahmefällen, weil sie die Sonntagspflicht als nicht zumutbar empfinden), Tötung der eigenen Kinder (durch sogenannte Verhütungsmittel oder Abtreibung), Förderung der Tötung von menschlichem Leben (durch künstliche Befruchtung, PID, Pränataldiagnostik) und Ignorieren christlicher Auffassungen von Sexualität (nichtehelicher Geschlechtsverkehr aller Art) - sollen aus "Barmherzigkeitsgründen" nicht von den Sakramenten ausgeschlossen werden. So wünschen es einige deutsche Kreise mit katholischer Kirchenmitgliedschaft.
-           
      Nichtkatholiken sollen ebenfalls aus Gründen der „Gastfreundschaft“ möglichst nicht von Sakramenten ausgeschlossen werden. Das ergibt sich übrigens logisch aus dem Postulat, dass eine Disposition, die die Trennung von schweren Sünden via Bußsakrament, nicht erforderlich ist.

-          Nichtchristen werden aus organisatorischen Gründen und um eventuelle unangenehme Szenen zu vermeiden auch schon mal durchgewinkt, sich die Kommunion abzuholen. Man denke an die Horrorszenarien mancher Schulgottesdienste.

Für all diese Gruppen (außer der letztgenannten, soweit ich weiß) setzen sich in deutschsprachigen Landen Pfarrer- und Theologenkreise ein. Nur eine Gruppe schließt sich nach allgemeiner Meinung vom Kommunionempfang aus: diejenigen, die in Deutschland keine Kirchensteuer zahlen möchten.
Besonders pikant wird die Angelegenheit ja dadurch, dass in diese Gruppe unter anderem auch einige Katholiken fallen, die sich äußerste Mühe geben, sich an die Lehre ihrer Kirche zu halten und die sogar ihre Bereitschaft bekunden, durchaus den kompletten Zehnten ihres Einkommens (mehr als die Kirchensteuer) kirchlichen Einrichtungen widmen zu wollen. Leider sieht man seitens deutscher Bischöfe keine Möglichkeit, dieser Gruppe, die Gewissensvorbehalte hat, wie ihre Gelder verwendet werden, eine zweckgebundene Zahlung zu ermöglichen, die ja letztendlich wohl doch (mit wenigen Ausnahmen) den gleichen Zwecken zugewendet würde wie die Kirchensteuer. Sondern irgendwie schon knallhart werden die Kirchensteuerverweigerer aus Gewissensgründen mit denen gleichgestellt, die eine Trennung von allen katholischen Inhalten wünschen. Ohne jede Gnade und Barmherzigkeit.

Allerdings ergeben sich hier tatsächlich mehrere Fragestellungen:

      1)      Ist der Kirchensteuerverweigerer automatisch wieder aus Ökumenegründen beim Sakramentenempfang toleriert, wenn er angibt, gelegentlich zum Beispiel einen freikirchlichen Gottesdienst zu besuchen, weshalb er dort als Teil der Gemeinde betrachtet wird? Denn da gälte ja die Gastfreundschaftsbegründung.
  
      2)      Ist der Kirchensteuerverweigerer automatisch aus Barmherzigkeitsgründen wieder beim Sakramentenempfang toleriert, wenn er es über sich bringen kann, nicht der katholischen Lehre gemäß zu leben und ja vermuten könnte, dass man ihn nur deswegen diskriminiert? Wenn er sich also durch Leben im Widerspruch zu katholischer Lehrmeinung quasi neu als barmherzigkeitsbedürftige Zielgruppe positioniert? Und wenn ja, wie schwerwiegend müssten diese Verstöße dann sein, um als akzeptabel zu gelten? Reicht es vielleicht einfach, sich nicht mehr um Übereinstimmung, mit katholischer Lehrmeinung zu bemühen?
   
     3)      Was ist, wenn der Kirchensteuerverweigerer ins Ausland fährt? Seine Intention war ja nur, keine Steuer an die deutsche Kirche zu zahlen. Er hatte nie vor, sich von der katholischen Weltkirche zu trennen und sobald er sich im Ausland befindet, liegt seitens der Ortskirche dort ja auch kein Grund vor, ihm die Sakramente zu verweigern, wenn er entsprechend der kirchlichen Ordnung lebt (was in Deutschland zwar irrelevant ist, aber andernorts nicht), die Gemeinde dort vielleicht sogar finanziell unterstützt und seinen Glauben dort öffentlich bekundet.  
   
     4)      Können wir also in grenznahen Gegenden mit mehr Kirchensteuerverweigerern aus Gewissensgründen rechnen, da ja evtl. die katholischen Gemeinden der Nachbarländer denen, die guten Willen durch ein christliches Leben bekunden, barmherzig ihre Skrupel bezüglich der Verwendung deutscher Kirchensteuergelder verzeihen? Insbesondere da die deutschen Bischöfe es ihnen verweigern, ihre Gewissensnöte bezüglich der Verwendung der Gelder zu berücksichtigen und ihnen barmherzig andere Möglichkeiten der Zahlung zu eröffnen?

     5)      Und was ist eigentlich mit denen, die ein Gespräch mit ihrem Pfarrer führen und ihm auseinandersetzen, dass sie sich die ganze Schmach des offiziellen Austritts nur angetan haben, weil sie nicht mehr ertrugen, wie manche der Kirchensteuergelder eingesetzt wurden und dass sie natürlich alle Pfarrprojekte mittragen werden und furchtbar unter der Situation leiden, zu der sie durch den unbarmherzigen Bescheid der deutschen Bischöfe und deren unpastorales Nichteingehen auf ihre Konfliktsituation gezwungen wurden, in dem auch Rom den deutschen Oberhirten kein konzilianteres Vorgehen abtrotzen konnte. Werden sie genauso Gnade finden wie soviele der staatlich wiederverheirateten Geschiedenen, die ihren Hirten ihre Situation darlegen? Oder sollte es für solche Gewissensgründe wirklich keine Barmherzigkeit geben können?

Ich persönlich gehe zwar davon aus, dass der Großteil der Kirchensteuergelder tatsächlich auch in meinem Sinne eingesetzt wird. Aber ich kann durchaus Verständnis aufbringen für Kirchensteuerverweigerung aus Gewissensgründen. Warum eigentlich nicht die deutschen Bischöfe, die sonst für wirklich jeden Bruch des Kirchenrechts Verständnis bekunden und versprechen sich für alle einzusetzen, die sich durch irgendeine Entscheidung selbst von den Sakramenten ausgeschlossen haben?

Ist es wirklich unmöglich, Kirchensteuerverweigerern aus Gewissensgründen einen Sonderweg zu ermöglichen, ihre Solidarität mit der kirchlichen Gemeinschaft zu bekunden?

Samstag, 29. September 2012

Nicht nur Katholiken wallfahren ...

... zu Marienheiligtümern. In diesem Falle Maria Absam in Tirol. Die Geschichte dazu ist unter dem Link nachzulesen.
Bei meinem jüngsten Besuch in Mariapfarr war dort auch eine Wallfahrt nach Absam geplant und der Fahrer erzählte, von den zwei Wallfahrten, die vor und nach den "Pfarr"ern dort einträfen. Die eine davon komme aus Dubai. Offenbar hat sich in diesem islamischen Land herumgesprochen, dass es in Absam ein wundersam erschienenes Abbild der auch dort durchaus verehrten Jungfrau Maria zu sehen gibt, so dass seitdem Wallfahrten dorthin organisiert werden, muslimische Wallfahrten wohlgemerkt.

Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass im deutschsprachigen Raum die Marienverehrung leider immer noch oft als Ökumenehindernis betrachtet wird, während sie gerade im Bezug auf den Islam ein sehr verbindungsstiftendes Element ist. Insbesondere scheinen viele Muslime durchaus ganz klar zwischen Verehrung und Anbetung unterscheiden zu können (und darum können sie so eine Wallfahrt in Verehrung machen), was vielen deutschsprachigen Christen und Nichtchristen ein völliges Ding der Unmöglichkeit zu sein scheint.


Donnerstag, 27. September 2012

Mariapfarr im 19. Jahrhundert: Wie man eine Wallfahrt systematisch zerstört

Blick in den hinteren Altarraum mit dem derzeitigen Gnadenbild in der Mitte des Altares

Nur um es vorwegzuschicken, die Wallfahrt nach Mariapfarr ist inzwischen wiederaufgelebt. Es kommen des öfteren Busse und auch Einzelbesucher aus dem deutschsprachigen Raum, was sicherlich mehreren Faktoren zu verdanken ist, u.a. der Tatsache, dass Joseph Mohr "Stille Nacht", wohl tatsächlich hier geschrieben hat (auch wenn es dort nicht zuerst in der Kirche gesungen wurde sondern nur in privatem Rahmen), dem Wallfahrts- und Pfarrmuseum, das einige Exponate aufzuweisen hat, die tatsächlich als Exponate von europaweitem Rang gelten und der Pfarrkirche selbst, in der sich sehr sehenswerte Zeugnisse der Kirchenkunst aus etlichen Jahrhunderten finden. Dennoch ist es ein schwacher Abglanz gegenüber der Bedeutung, die die Wallfahrt auf Pfarr im 13. bis 16. Jahrhundert hatte.

Es begann mit der Aufklärung und den Kriegen, bei denen französische Truppen auch in Österreich einmarschierten. Noch einschneidender waren die Anordnungen des Erzbischofes Hieronymus Colloredo; er beschränkte nicht nur die offiziellen Wallfahrtstage und Zahl und Durchführung der Bittprozessionen. Dramatischer war die Aufhebung des Kapuzinerklosters in Tamsweg, das die Wallfahrten von Mariapfarr und St. Leonhard mitbetreut hatte. Ab da fehlten die Prediger und Beichtväter. Eine Abordnung der Lungauer Bauern, die flehentlich baten, die Verordnungen zurückzunehmen, hatte keinerlei Erfolg.


Verheerender allerdings erwiesen sich dann die Moderniesierungsbemühungen mehrerer Pfarrer. So hatte man gegen 1873 begonnen, die fünf sehr wertvollen barocken Seitenaltäre zu entfernen - Neugotik hieß der aktuelle Modetrend, dem alles weichen musste. Man meinte, die neue Einrichtung passe besser zum gotischen Langhaus der Kirche. Gerettet werden Teile dieser Altäre von den Besitzern des Suppanhofes in Pichl, wenige Kilometer südlich von Mariapfarr; sie konnten Teile der zu vernichtenden Altäre abkaufen und errichteten auf ihrem Besitz eine eigene Kapelle dafür, in der die barocken Stücke noch immer zu bewundern sind:







20 Jahre später folgte dann noch der Hochaltar, dessen oberen Teil man noch im Wallfahrtsmuseum finden kann. (kein Bild)

Noch problematischer allerdings war, dass die Gnadenstatue aus dem Friedrich-Pacher-Altar von 1510 ihrer Schmuckgewänder und -ketten entkleidet wurde und sich herausstellte, dass sie stark beschädigt war. Man ließ sie neu vergolden, aber seitdem kursierten Vermutungen, es handele sich gar nicht mehr um das altbekannte Gnadenbild, das doch so anders ausgesehen habe. "Schlagartig hörten die Wallfahrten von auswärts auf und auch im Pfarrvolke ist die früher so hohe Verehrung Unserer Lieben Frau von Pfarr allmählich abgeklungen", schrieb Hw. Prof. Josef Schitter 1986 in einer Denkschrift. Man vermutete, es sei nur eine ebenfalls neugotische Nachahmung. Tatsächlich ist aber unter der Vergoldung von 1894 die tatsächliche Entstehungszeit (1510) dokumentiert.

Auch akutell gibt es Kontroversen um die bauliche Gestaltung, wenn auch wesentlich geringfügigerer Art; es geht um das Kirchengitter, das den Altarraum vom Kirchenschiff abtrennt, hier ein Blick darauf:



Dienstag, 25. September 2012

Und das meint Bono (U2) zum Thema Beschneidung:



Bono (U2, sehr engagiert in der Afrikahilfe) anlässlich des Welt-AIDS-Tages in Time Dec 12, 2011:

„Male circumcision has now come out as being a really powerful tool to fight the disease.“
“Die männliche Beschneidung hat sich jetzt als sehr wirkkräftiges Instrument zur Bekämpfung der Erkrankung erwiesen.”
 (im Kontext genannt neben antiretroviralen Medikamenten und der Eindämmung der Übertragung von Müttern auf ihre Kinder.)
„Those three things together have the effect of lowering between 40% and 60% [the rate] of infections“
“Diese drei zusammen bewirken eine 40 – 60 % geringere Infektionsrate."

Ein gutes Beweisstück dafür, dass die zur Zeit als Körperverletzung in Frage gestellte Beschneidung nicht nur den mindestens 4% Prozent später an Phimose leidenden Jungen und Männern einige Schmerzen und Leiden schon sehr früh erspart, nämlich dadurch, dass der Eingriff gemacht wird, wenn die Heilungskräfte ohnehin am stärksten sind, sondern auch dafür, dass durch eine Entfernung der Vorhaut sexuell übertragbare Infektionskrankheiten (bei weitem nicht nur HIV) stark reduziert werden.

Es muss nicht immer ein großes Wunder sein

Seit anderthalb Jahren ist bei mir eine Erkrankung aus dem rheumatischen Formenkreis diagnostiziert, die Polymyositis heißt, dabei greift das Immunsystem selektiv bestimmte Teile der Muskulatur an und zerstört sie. Die Schulmedizin behandelt mit starken Immunsuppressiva, die allerdings auch problematische Auswirkungen auf die Entgiftungsorgane Leber und Niere haben und zu einer Serie von ständigen Infekterkrankungen führen. Aus diesem Grund habe ich mich gegen eine solche Behandlung entschieden und selbst Ursachenforschung betrieben und verursacht, die orthomolekularen Einzelmittel (Vitamine, Spurenelemente etc.) zu finden, die die Prozesse zumindest verlangsamen können. Leider ging es trotz aller Bemühungen immer noch stetig bergab, bis am Abend des 14. August für mich ein kleines Wunder geschah: am Vormittag war eine neu bestellte Substanz, Ubichinol, eingetroffen, von der ich gleich eine Kapsel eingenommen hatte. Die Besserung bis zum Abend war für mich frappierend, die seit einer Woche eingesetzte Verschlechterung war bis dahin wieder ganz zurückgegangen und seitdem geht es sehr, sehr langsam aber kontinuierlich aufwärts. (Zu den Details schreibe ich vielleicht auch etwas in meinem kleinen Medizinblog, da das für viele mit Muskelerkrankungen relevant sein könnte.)

Nun ist es an mir durchaus nicht unbemerkt vorübergegangen, dass die Besserung genau mit dem Vorabend von Maria Himmelfahrt begann, was man natürlich für ein völlig zufälliges Zusammentreffen halten kann. Ich entscheide mich einmal, das nicht als reinen Zufall zu sehen und gewissermaßen auch als Dankeschön für die Inspiration, das richtige Mittel zu finden, möchte ich einer Pfarrkirche eine kleine Serie widmen, die ihr Patrozinium an Maria Himmelfahrt feiert. Davon gibt es eine große Auswahl, aber eine zu der ich immerhin einen flüchtigen Bezug habe - wenn auch manchmal mit eher leidvollen Erfahrungen mit der Liturgie dort - ist die von Mariapfarr im Lungau.

Dass Mariapfarr überhaupt einmal ein bedeutenderer Wallfahrtsort war, erfuhr ich eher zufällig im Juli, als ich bei meinen Gastgebern von meinem Ausflug nach Mariazell erzählte. Ich wollte es nicht recht glauben, dachte es sei reiner Lokalpatriotismus, aber da steckte so einiges mehr dahinter, bei dem vieles Interessante zutage kam. Mehr davon im nächsten Beitrag unter diesem Label.

Mittwoch, 12. September 2012

Mariapfarr: Eine Wallfahrt ohne Wunder (?)

"In Mariapfarr hat es nie ein Wunder gegeben", teilte uns die Dame mit, die sehr engagiert durch das - sehr sehenswerte (doch davon ein andermal) Wallfahrtsmuseum des Ortes führte. Und die vielen Votivgaben und Votivtafeln, die sie uns gerade gezeigt hatte? "Das haben die Leute aus Frömmigkeit gemacht. Die haben das dann so gedeutet, wenn ihnen etwas Gutes passiert ist."

Tatsächlich nahm die Mariapfarrer Wallfahrt ihren Anfang nicht aufgrund eines Wunders; die Kirche wurde auch nicht aufgrund einer Erscheinung gebaut; sie ist eine Stiftung, und zwar vermachte der Herr Konrad von Pfarr (Fharr) im Jahre 1217 sein Haus der Kirche als Pfarrhof. Es wird vermutet, dass der älteste Teil der Kirche, das Chorturmgeviert, bis dahin die Kapelle des Gutes war. Dieser ist mit alten (derzeit stark verblassten und durch spätere Ausbrüche für Fenster teilweise zerstörten) Fresken ausgemalt, die aus der Zeit vor 1220 stammen. Die älteste Urkunde, die eine Wallfahrt dokumentiert stammt von 1296; in ihr werden Ablässe für die Marienwallfahrt verliehen.

Es gibt Vermutungen, dass sich schon aus vorchristlicher Zeit eine Art Wallfahrt zu diesem Hügel gebildet hatte. Man fand Steinplatten, die auf ein Vorhandensein des zur Römerzeit verbreiteten Mithraskultes hindeuten. Auch könnte die heutige Krypta unterhalb des Chorturmgevierts (zugänglich ist sie durch die um 1421 erbaute Seitenkapelle des hl. Georg) einstmals als Opferstätte des Mithraskults gedient haben. Dies sind allerdings nur Spekulationen.
Es mag auch sein, dass in Anlehnung an andere Marienkirchen die zu Fharr gehörenden Menschen, wenn sie die Gottesmutter um Hilfe gebeten hatten, schlicht und einfach eine Wallfahrt zu der nächsten ihr geweihten Kirche machten, wenn sie erhört wurden und dass diese Frömmigkeit gefördert wurde. In diesem Sinne kann es an Wundern nicht gemangelt haben. Im Grunde war dies also eine Wallfahrt, der wirklich keine fehlgeleitete Verehrung eines bestimmten Gegenstandes vorgeworfen werden kann, sondern eine, in der der himmlischen Hilfe schlicht eine Verortung in erreichbarer Nähe gegeben wurde, um dort die eigene Dankbarkeit ausdrücken zu können. Wie ja auch jedes Wunder letztendlich nur durch Gott geschehen kann und sich dafür manchmal diverser Mittel und Mittler bedient.

Sicherlich gab es ein Gnadenbild, das so zu einem wurde. Über dessen Verbleib ist allerdings nur wenig bekannt. Es befinde sich in einem amerikanischen Museum, teilt der offizielle Museumsführer mit. Ersetzt wurde es schon vor langer Zeit durch eine Statue, die aus dem Jahre 1510 datiert und evtl. schon lange vor  Ende der berühmten Wallfahrten als Gnadenbild galt. Ganz zu klären scheint das derzeit nicht. Davon dann mehr im nächsten Beitrag, der sich dem Thema widmet, wie man eine weithin beliebte und etablierte Wallfahrt erfolgreich zerstören kann.

Sagt an, wer ist doch diese (Version von 1865, Dreves)

(Original 1638. Joh. Khuen)

Sagt an, wer ist doch diese, die auf am Himmel geht,
die überm Paradiese als Morgenröte steht?
Sie kommt hervor von ferne; es schmücken Mond und Sterne
die Braut von Nazareth.

Sie ist die reinste Rose, ganz schön und auserwählt,
die Magd, die makellose, die sich der Herr vermählt.
O eilet sie zu schauen, die schönste aller Frauen,
die Freude aller Welt!

Sie strahlt im Tugendkleide, kein Engel gleichet ihr,
die Reinheit ihr Geschmeide, die Demut ihre Zier;
ein Blumengart verschlossen, mit Himmelstau begossen,
so blüht sie für und für.

Sie ist der Himmelsheere, der Engel Königin, 
der Heilgen Lust und Ehre, der Menschen Trösterin,
die Zuflucht aller Sünder, die Hilfe ihrer Kinder,
die beste Mittlerein.

Drum fallen wir zu Füßen der Jungfrau gnadenreich
und sie mit Andacht grüßen aus Herz und Mund zugleich;
ihr Leib und Seel und Leben wir gänzlich übergeben 
zur Hut ins Himmelreich.

Die Änderungen in der aktuellen Version von 1972 (GL 588) sind mir nicht immer erklärbar:
In der 1. Strophe "die vor dem Tag aufgeht" - hier wurde wohl die Aufnahme Mariens in den Himmel gekonnt umgangen? Aber warum "im Sonnenglanz erhöht" statt "Braut von Nazareth"??
In Strophe 2 wurde "rein" durch "edel" ersetzt. Wieder warum nur??
Strophe 3 im Gotteslob ist dann eine völlige Neudichtung:
"Du strahlst im Glanz der Sonne                       - vorher strahlte sie in Tugenden
Maria, hell und rein                                          - Reinheit aufgetaucht, Demut gestrichen
von deinem lieben Sohne kommt all das Leuchten dein.
Durch diesen Glanz der Gnaden sind wir aus Todes Schatten kommen zum wahren Schein."

Inhaltmäßig ist da ja nichts dran auszusetzen. Statt Liebeslied und Freude an der Causa nostrae laetitiae mit inkorporierten Anrufungen aus der lauretanischen Litanei eben eine Belehrung, dass man Maria nicht ohne Jesus sehen kann. Aber die ganze Leuchterei ist hauptsächlich ja erst durch die Umdichtungen entstanden und geriet dann in Kollision mit der Gleichsetzung von Jesus selbst als dem "Morgenstern der finstern Nacht".

Ich persönlich habe immer schon gerätselt, warum man Maria hier den Morgenstern angedichtet hat. "Stella maris" etc. hat ja völlig andere Inhalte und Hintergründe. Rätsel halb gelöst: die Morgenstern-Verwechslung kam nur, weil jemand die "Himmelfahrt/Assumptio" raushaben wollte und verlangte dann eine Unterweisung im Liedtext, damit kein totales Durcheinander entsteht. Na ja.

Und dass Strophe 5 mit der Marienweihe flach fiel, wen wundert das schon?
Zur Erklärung für alle mit protestantischen Überlegungen und Vorstellungen Marinierten: Strophe 5 ist keine Anbetungsgeste, sondern ein Anerkennen der eigenen Fehlerhaftigkeit, so dass man Maria, die ja makellos ist, bittet, sich dessen anzunehmen und diese Person mit all ihren kleinen Hässlichkeiten mit ihrer eigenen gottgegebenen Reinheit zu umgeben und sie so vor den Herrn zu bringen. Eine Geste, die das ehrt, was Gott an Maria getan hat und die Gott ehrt, weil man ihm nur das Beste und Schönste geben will, das im Rahmen der eigenen Umstände eben möglich ist. Demut eben, was eine Strophe vorher gestrichen wurde.

Sehr ausführlich erklärt wird dieser Kontext unter anderem in Grignion de Monforts Schriften zur Marienweihe.
Zu Zeiten, in denen die Marienweihe verbreitet war, erforderte das keine weitere Erklärung. Heute ist viel Glaubenswissen verschüttet worden, sodass der Text erst einmal befremdlich wirkt. Doch statt ihn zum Anlass einer erhellenden Katechese in Predigten zu nehmen, ließ man ihn lieber wegfallen. Wie so vieles andere auch.