Oremus pro Pontifice nostro Franzisco.

Dominus conservet eum et vivificet eum

et beatum faciat eum in terra et

non tradat eum in animam inimicorum eius.

Donnerstag, 10. Oktober 2013

Das Problem mit den aktuellen päpstlichen Äußerungen ....

... wurde schon von einigen, u.a. Peter Winnemoeller, aufgegriffen. Ich sehe mich auch ständig damit konfrontiert, mir möglichst originale und zusammenhängende Aussagen zu besorgen, durchzulesen und festzustellen, dass die Intention des Gesagten wohl tadellos ist aber die Formulierung in Teilaspekten äußerst missverständlich.

Ich vermute, Peter Winnemöller trifft den Nagel auf den Kopf, wenn er schreibt: "Dabei wirkt die schon fast erschreckende Selbstverständlichkeit, mit der er [der Papst] für sich (und andere?) die Lehre der Kirche als gegeben annimmt, befremdend."

Wenn man die Lehre der katholischen Kirche kennt (was hierzulande für sehr wenige zutrifft, die meisten haben eher mythologische Vorstellungen davon und konfrontieren sich nicht mit nachlesbaren Fakten) und zu ihr steht und weiß, dass der Papst das selbstverständlich tut, dann sind seine Aussagen klar.
Wenn man die Lehre eher vom Hörensagen und episodischen Erfahrungen kennt, sie ohnehin anzweifelt und glaubt die vom Zeitgeist geprägten Überzeugungen der Mehrheit seien die normative Wahrheit, dann kann man völlig anderes daraus lesen und verstehen.

Ich denke inzwischen auch, dass Papst Franziskus, im Gegensatz zu seinem Vorgänger, nur periphär etwas über den Zustand der katholischen Kirche in Deutschland weiß, in der die große Mehrheit der katholisch Getauften kaum mehr das Vaterunser auswendig kennt oder auch nur die Zehn Gebote aufzählen könnte. In der man Reinkarnation für mit dem christlichen Glauben vereinbar hält und meint, der einzige Unterschied zwischen einem katholischen und einem evangelischen Pfarrer sei der Zölibat, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Wo die Mehrheit der katholischen Theologen seit Jahrzehnten daran arbeitet, große Teile dessen, was im Katechismus steht, ad absurdum zu führen und diese Lehren mit Hilfe der säkularen Presse und leider auch oft der kirchlichen fast konkurrenzlos verbreitet.
Und schließlich, wo es kaum noch eine gesunde Herde mehr gibt, sondern fast nur noch lockere Ansammlungen von kranken, verwahrlosten und halb verwilderten Schafen, zwischen denen mit Schafspelzen angetane Wölfe ungehindert herumlaufen dürfen. Und wehe in einer der Schafsgruppen gibt es zu lautes Gemecker, wenn so ein Wolf in der Nähe ist, dann taucht ganz schnell einer der Hirten auf und sorgt für Ruhe.

Ganz unabhängig von kirchenpolitisch interpretierbaren Äußerungen, mich hat eine Äußerung in Zusammenhang mit dem Weltjugendtag in ihrer Unbedachtheit sehr betroffen gemacht. Da hieß es, ein Jugendlicher, der nicht fröhlich sei, sei kein rechter Jugendlicher. Solche wolle er nicht. - Arme kranke Schäfchen, dachte ich, die da allein und verlassen schon so jung die Hoffnung verloren haben und jetzt noch so etwas um die Ohren geschlagen bekommen.
Gerade Jugendliche neigen oft zu Schwermut, auch katholisch getaufte, und können nirgends einen Sinn erkennen. Von ihrer Kirche wissen sie meist nur eine lange Liste dessen, was gerade auch kirchenintern kritisiert wird. Von der Schönheit des Glaubens wissen sie nichts. Sie suchen ihre Freude in der Gemeinschaft, im Einsatz für etwas - aber die Quelle der Freude, da wissen sie gewöhnlich nicht einmal, dass es die wirklich gibt.

Ja, als Christen haben wir eine Quelle der Freude, die nicht versiegt und das sollte man sehen. Aber viele haben diese Quelle noch nie zu Gesicht bekommen, gerade auch viele Christen, und daher keinen Zugang zu dieser Freude. Sich dessen nicht bewusst zu sein, ist schon tragisch. Sagt man diesen Menschen guten Willens, die sich dennoch trotz einer Dominanz des Leidens in dem von ihnen Erlebten einsetzen und Gott dienen wollen, sie müssten lächeln, werden sie nur eine Maske aufsetzen können.
Und andere, die ihre vorläufige Freudenquelle in ihren Beziehungen oder ihren Leistungen sehen und daher zu lächeln vermögen, möchten dann ihr Heilserlebnis als das universelle andern bringen, ohne zu wissen, wo die wahre Quelle ist.

Schon in einer solch einfachen Aussage wie der obigen kann also viel Missverständliches liegen.

Die Äußerungen des Papstes gehen wohl von einer mehr oder weniger heilen katholischen Welt aus, die wir nur noch aus Büchern kennen in unseren Breiten und können daher in diesem Umfeld nicht die beabsichtigte Wirkung entfalten sondern wirken in vielen Fällen sogar kontraproduktiv. Das ist ein Problem. Und das größere Problem ist tatsächlich, dass es von Rom aus keine Klarstellungen gibt, was und wie etwas wirklich gemeint ist. Damit ist einer Vielzahl von falschen Interpretationen, die mit Begeisterung verbreitet werden, der Weg frei gemacht.

Da kann ich auch nur hoffen und beten, dass die Linie wieder klarer und unzweideutiger wird. So wie sie gemeint ist, nicht wie sie durch nicht aufhörende Missverständnisse verbreitet wird.
Und ja, die Vielzahl der missverständlichen Äußerungen macht es inzwischen fast unmöglich noch für Klärung zu sorgen. Es braucht ja oft ein Nachfragen, weil vieles so rätselhaft ist in seiner Intention. Man kann einfach nicht mehr nachkommen damit.


wie das Vertrauen schwand

(ja, ich existiere noch :) )

Ich höre heute mitunter, dass die Menschen sagen: Wir haben manchmal den Eindruck, dass die Verkündiger, auch wenn sie eine Mitra tragen, sich gleichsam entschuldigen, wenn sie den katholischen Glauben in aller Konsequenz verkünden. Es fehle ihnen das nötige katholische Sendungsbewusstsein, das aus einer vitalen Überzeugung der Glaubenswahrheit fließt. Es wird uns mancherorts nachgesagt, dass wir Bischöfe noch nicht einmal in Grundfragen von Glaube und Leben eine Einheit bilden. Ich will hier niemanden anklagen und halte mir selbst diese Predigt.
Predigt von Joachim Kardinal Meisner bei der DBK Sept. 2013

Der obige Absatz, war mir Anlass dafür, darüber nachzudenken, seit wann ich die Aussagen eines Bischofs erst daraufhin studiere, ob sie mit dem kirchlichen Lehramt übereinstimmen, statt ihnen zu vertrauen, weil es die Aussagen eines Bischofs sind.

Ich erinnere mich noch, vor 25 Jahren (ich bin mittlerweile 47) hielt ich es für selbstverständlich, dass ein Bischof treu zu Rom und dem Papst sei und verlässlich verkündigt, was dem (damals irgendwie in keiner Ausgabe aufspürbaren aber irgendwo vorhandenen) Katechismus entspreche.
Ich fand es als Jugendvertreter im Pfarrgemeinderat sehr hässlich, als der Gemeindereferent über den Bischof wegen dessen mutmaßlicher Romtreue herfiel. - Ähem, sollte ein Bischof nicht gegenüber dem Papst loyal sein????
Ich war der Überzeugung, in einigem nicht mit der katholischen Lehre ganz übereinzustimmen. Aber das war mein Problem und natürlich erwartete ich, dass offizielle Vertreter der katholischen Kirche auch deren Überzeugungen mir und anderen gegenüber vertreten.

Heute ist es leider so (ich finde es wirklich schrecklich, aber es ist so), dass ich, wenn ich lese, ein Bischof habe sich so oder so geäußert, erst einmal gar nichts glaube und wenn mir bei seinen Aussagen Bedenken kommen, weil sie meiner Erinnerung nach päpstlichen und vatikanischen Dokumenten der letzten Jahrzehnte zu widersprechen scheinen, erst einmal in den entsprechenden Quellen bzw. dem wieder existenten Katechismus nachschlage und des öfteren mit einem gewissen Magengrimmen feststelle, dass ich diesem und jenem Bischof ganz bestimmt nicht mehr vertrauen werde, wenn er sich zur Umsetzung des Glaubens im christlichen Leben äußert. Bei einigen Bischöfen ist es mittlerweile soweit, dass ich überrascht bin, wenn sie tatsächlich etwas mit der katholischen Lehre Übereinstimmendes sagen, das nicht zweideutig ist und mutmaße, dass die Aussage wohl aus irgendwelchen taktischen kirchenpolitischen Gründen gemacht werde. - Das ist übel. Aber so ist das.

Der Prozess zwischen den beiden Positionen war ein schleichender. Ich versuche mich an Stationen auf dem Weg von Punkt A zu Punkt B zu erinnern, und es findet sich kein einschneidendes Erlebnis.

Die erste Station könnte gewesen sein, als ich in eine mittlere Führungsposition eines Jugendverbandes geraten war und dort mit Meinungen und Absichten konfrontiert wurde, die - euphemistisch ausgedrückt - sehr problematisch waren (Abschaffung der Marienverehrung, Aufklärung der "von Rom verdummten Leute" darüber dass die Dogmen falsch seien, Irrelevanz der Eucharistiefeier usw.). Und der vom Bistum bezahlte Referent förderte all das und bemerkte, wie er die im Ordinariat hinters Licht führe, indem er konservativere Positionen mime. - Das Bistum hat das alles finanziell unterstützt.

Da waren die zahlreichen Fälle, in denen der Pfarrer sich über kirchenrechtliche Anordnungen hinwegsetzte, und mir andere erzählten, dass Rückfragen deswegen beim bischöflichen Ordinariat sinnlos seien, denn "denen sei doch alles egal", man handle sich da nur Abfuhren ein.

Und dann kamen irgendwann gehäuft die Zeitungsberichte, in denen sich Bischöfe mehr oder weniger deutlich gegen den Papst positionierten, mit großer Öffentlichkeit Sonderwege propagierten, sich von der Presse feiern ließen.

Und dann so einige Skandale, in denen sich selbst Bischöfe in ihrer persönlichen Lebensführung kompromittiert hatten.

Dass man einem Pfarrer in Glaubensaussagen oft nicht vertrauen kann, wusste ich, seit ich sechzehn war. Damals hatte der unsrige über all das gepredigt, was er nicht glaubte und sich damit auf immer von der Liste der Leute gestrichen, die ich hätte befragen können, wo ich selbst nicht wusste wohin. - Aber irgendwann im Lauf der 25 Jahre kam ich zu der Ansicht, dass Bischöfe gewöhnlich genau so unzuverlässig sind. 

Vielleicht war am ausschlaggebendsten die allgemein praktizierte Illoyalität: das schlechte Reden über Mitbrüder und Bischöfe und Papst, das Unterschlagen (im Sinne von einfach ignorieren oder höchstens ablehnend erwähnen)  von Informationen, die von Rom her kamen, die nicht existente Verkündigung in der Katechese, manchmal sogar die Verkündigung von den Lehramt widersprechenden eigenen Meinungen, ohne die abgelehnte Meinung ausreichend und mit ihren Begründungen darzustellen. Die entschlossene Verteidigung der eigenen Position und das Fallenlassen aller, die die eigene Position gefährden könnten. Das Buhlen um den Applaus der Presse, die ja nun wirklich kaum Richtschnur für christliches Handeln sein kann.
Illoyalität gegen die demjenigen Anvertrauten, die irregeführt werden, gegen die Gleichgestellten, die im Stich gelassen werden, gegen die Übergeordneten, deren Autorität untergraben wird, gegen Jesus selbst, den sie allen repräsentieren sollten in ihrer Hirtenaufgabe.

Ich denke, der einzige Weg, mein Vertrauen wiederherzustellen, wäre praktizierte, öffentlich und nicht-öffentlich gelebte Loyalität. Loyalität, die auch bei differierender Meinung eingehalten wird. Loyalität heißt ja nicht, seine eigene Meinung aufzugeben, sondern sie im Zaum zu halten. Loyalität hieße zumindest, die Meinung des andern klar darzustellen, ohne Abwertungen, und dann die Abweichung der eigenen Meinung zu begründen.
Jedoch denen, die des öfteren demonstrieren, wie illoyal sie sind, indem sie anderen, denen sie eigentlich Loyalität schulden, in den Rücken fallen, kann weder ich ganz vertrauen noch sonst jemand.

Jemand, der loyal ist, mag Fehler machen, aber er verdient auch dann Loyalität. 


Sonntag, 16. Juni 2013

live aus einer "Wurstelheimvorlage"

Unlängst war ein befreundeter Priester in meinem Wohnort zu Besuch. Nicht bei mir, aber wir hatten uns dann noch zum Abendgottesdienst verabredet. Er kennt mein regelmäßiges Stöhnen über die Qualität der Predigten und Gottesdienste. Jetzt bekam er einen live-Eindruck. Auch von ein paar Dingen, die ich gar nicht erst erwähnt hatte: Der extrem schäbig gekleidete Gemeindereferent, der gerade in voller Aktion mit der 72-Stunden-Aktion war, wo das noch verständlicher ist, aber das Outfit war auch bei der Fronleichnamsaktion nicht besser gewesen. Die Jugendarbeit, die keine Rücksicht auf Gottesdienste nehmen kann. Das zerknitterte Chorhemd, indem der Pfarrer die Messe hält (Kaseln gibt es genug in der Sakristei). Das Eintippen von Liednummern in ein kleines Spielzeug, das mit mit viel klack-klack und Vertippen vor sich geht, statt die Nummern einfach anzusagen. Die vielen Bücher und Heftchen mit denen dieser hantiert und gelegentlich den Überblick verliert. Wie ebendieser nach den ersten Worten von Gebeten wie dem Vaterunser so alles mögliche treibt aber nicht mitbetet und überhaupt die für die Zelebration notwendigen Bewegungen so gleichgültig und nachlässig ausführt, dass diese manchmal kaum noch zu erahnen sind und insgesamt den Eindruck vermittelt: "Ich muss das hier jetzt machen, habe aber eigentlich keine Lust, also zieht euer Ding durch, ich gebe halt die Einsätze."

Ich bin schon so darauf konzentriert, die ganzen Störfaktoren konsequent auszublenden, dass mir einiges nicht einmal mehr auffällt, jetzt wurde mir die Liste mit Befremden aufgezählt.

Nein, wundern kann es kaum noch, dass die Zahl der Gottesdienstbesucher sich immer noch nach unten bewegt, obwohl nicht mehr viel Spielraum ist.

Mittwoch, 12. Juni 2013

Alle - außer mir



Wenn die Argumente ausgehen, greift man zu Einzelschicksalen.

Worum geht es? Um die Rückzugsgefechte bei der Veröffentlichung der korrekt übersetzten Wandlungsworte, und zwar darum, ob nun das Blut Jesu „für viele“ (Originaltext) oder „für alle“ (sprachlich nicht korrekte Interpretation statt Übersetzung) vergossen wurde.

Das Problem, das angeführt wird, ist kein lächerliches. Dazu leiden zuviele an solchen Problemen. Nur das dem Problem weder mit einem „alle“ noch mit anderen tröstenden Worten beizukommen ist.

Es gibt Menschen, die leben wirklich in ständiger Angst, dass es unwahrscheinlich ist, dass sie erlöst werden, dass Gott sie tatsächlich lieben könnte, dass sie gemeint sind, wenn von einem „unvergänglichen Erbe“ die Rede ist. Die sogar glauben können, dass das für jeden Menschen auf der Welt gelten könnte, aber wahrscheinlich nicht für sie. Also, dass meinen sie immer noch, wenn da explizit „alle“ steht, weil es ja schließlich immer eine Ausnahme von der Regel gibt, und die sind sie. Natürlich. Und wenn da gar nicht alle steht, dann ist der Beweis für sie endgültig geführt. Einige nicht – und sie sind überzeugt zu den einigen zu zählen.

Es ist kein schöner Zustand. Ich hatte eine Bekannte, die ich längere Zeit davon zu überzeugen versuchte, dass der Satz nicht alle seien auserwählt, nicht hieß, dass sie nicht auserwählt sei.
Ich selbst hatte auch einmal so einen Anfall. Ich war in einer christlichen Gruppe in einer Mobbingsituation, auch das kann es geben, selbst wenn alle wohlmeinend sind, und jemand wollte die Gruppe mit so einem Zuspruch aus der Heiligen Schrift erfreuen. Erfolg: ich war den Rest des Tages in Tränen aufgelöst, weil vielleicht alle Kinder Gottes geliebt sind, aber ich garantiert ein weniger geliebtes Stiefkind bin.

Mein Fall zeigt auch schon, wo das eigentliche Problem bei so etwas liegt. Das war nicht die Schriftstelle. Die war völlig positiv formuliert. Es war meine direkte Erfahrung mit den Mitchristen, die mir nun einmal vermittelte, nicht geliebt zu sein. Die Erfahrung mit den Menschen direkt drum herum, die die Wahrheit in Bezug auf Gott verstellte.

Und irgend so eine Thematik wird auch bei all denen vorhanden sein, die sich sofort verdammt glauben, wenn das Blut Jesu explizit „nur“ für „viele“ vergossen wurde. Sie haben natürlich auch Zweifel, wenn da für „alle“ steht. Ich frage mich allerdings, was hilft ihnen überhaupt, wenn man „für alle“ sagt, obwohl das im Original gar nicht da steht – flehentliche Bitte notfalls belogen zu werden, weil sie sich dann besser fühlen könnten? Eine Kur ist das sicher nicht. Was die brauchen, die mit solchen Zweifeln geschlagen sind, ist eigentlich die liebende Annahme ihrer Brüder und Schwestern im Glauben.

Ich habe die damals in meiner Krise nicht bekommen. Nur unfreundliche Ermahnungen, dass ich da spinne und mich zusammenreißen soll. Ich habe mich durchgeschlagen und durchgebissen, weil ich Gott ja nicht liebe, um etwas zu bekommen oder um etwas Besonderes zu sein, sondern weil Er es ist. Und dass ich ja im Grunde gesagt habe, er kann mich gebrauchen wie er will und wenn es dann eben als eine Art Schrottmaterial ist, dann sei das auch okay, weil es das ist, was er will. Das war nicht toll, aber es hat geholfen, bis dann endlich, sehr viel später, mir tatsächlich jemand so begegnet ist, dass meine Selbstachtung im Null-komma-nichts repariert war.

Darum behaupte ich jetzt: Das Heilmittel für alle mit solchen (Selbst-)Zweifeln Geschlagenen, die nicht glauben können, dass Gott sie liebt, sind nicht schönende Worte wie Beruhigungsmittel, die sedieren aber nicht heilen sondern das Leben mitsamt dem Leid ersticken. Solche Menschen brauchen Mitchristen, die für sie so da sind, dass sie durch diese Mitchristen erkennen, dass Gott sie liebt. Das wird in vielen Fällen einige Mühe erfordern, aber es wird sie heilen. Wohingegen Manipulationen an Texten das nicht tun werden. Hier ist das Laienapostolat sehr gefordert, denn der priesterliche Seelsorger wird nicht allein in der Lage sein, das allen in dieser Weise Bedürftigen persönlich vermitteln zu können.

Dessen Aufgabe sollte es sein, seine Laienmitarbeiter zu motivieren, hier das nötige zu tun. Auch das ist arbeitsintensiv aber jedenfalls sinnvoller als durch Wortakrobatik eine Schicht Kosmetik auf bestehende Wunden zu legen. 

Der Niedergang von Giganten

ist kein schöner Anblick. Jedenfalls nicht, wenn man auch den Giganten anderer Meinung und Überzeugungen die Wertschätzung nicht versagt.  Man mag erleichtert sein, wenn eine große Persönlichkeit, mit der man nicht übereinstimmen konnte oder wollte, nicht mehr über die Macht verfügt, alles mehr oder weniger nach ihrem Willen zu lenken. Aber es stimmt traurig, wenn so ein ehemaliger Gigant auf seinem Feld weitgehend ungeschlagen anfängt, sich selbst immer mehr zu demontieren und sich zu schaden, ohne es selbst zu erkennen und seinen eigenen Niedergang an die Öffentlichkeit trägt, ohne sich darüber klar zu sein. Einen ehemals großen Protagonisten ehrlich bezwungen zu sehen, könnte erfreuen, aber Zeuge seines Verfalls zu sein, stimmt traurig.

Das sind die Gedanken, die mir kommen angesichts der jüngsten Äußerungen von Kardinal Lehmann auf dem Eucharistischen Kongress in Köln. Kardinal Karl Lehmann, zwei Doktor- und ein Professorentitel, einstmals brillant in seinen analytischen Fähigkeiten und seiner Kapazität, Sachverhalte zu erfassen und so darzustellen, dass niemand die Filterung und geschickte Steuerung der Informationen wahrnahm, ein exzellenter Dialektiker, ein Theologe mit enormem Wissen.
Mich haben seine Thesen zwar nie gewinnen oder überzeugen können, aber der Virtuosität, wie das ein oder andere vorgetragen oder umgesetzt wurde, zolle ich doch einen gewissen Respekt. Wenn auch nicht freudig.

Jetzt aber denke ich, der einstige Meister vieler Klassen hat den Überblick verloren, seine Fähigkeit, die Lage klar einzuschätzen und das Urteilsvermögen darüber, wann etwas benannt werden solle oder wann es besser ist zu schweigen.

Zwei Themen wurden in einer DNA-Meldung benannt, Äußerungen zur lateinischen Messe „im Tridentinischen Ritus“ und zur korrekten Übersetzung der Wandlungsworte.

Zum einen soll sich der Kardinal gegen vermehrte Feiern der lateinischen Messe „im Tridentinischen Ritus“ gewandt haben: „Ich habe den Eindruck, die ganze Begeisterung für das Latein hat viel mit Prestige und falschen Vorspiegelungen einer vermeintlichen Kulturelite zu tun.“ Er halte „ein stärkeres Nebeneinander beider liturgischer Formen heute nicht für sinvoll, auch weil es nicht von unten gewachsen ist.“
Ich frage mich, gegen welche Windmühlenflügel er überhaupt kämpft hier und wen er damit zu vertreten meint. Vielleicht geht es um elitäre Kreise, in denen auch er schon lange lebt, gegen die er möglicherweise lange opponierte und die weit weg sind vom Alltag jedes Durchschnittskatholiken.

Ich muss aus meiner Erfahrung sagten, dass bei allen Leuten, die ich kenne, die Präferenz für den „außerordentlichen“ Messritus rein gar nichts mit Prestige und Kulturelite zu tun hat. Das sind alles ziemlich einfache Leute, deren Lateinkenntnisse sehr mager sind und bei deren Denken die Kultur keinen so überhöhten Stellenwert hat. Sie versuchen Halt für ihren Glauben zu finden, wollen vielleicht Erbauung durch die die Sinne mehr ansprechenden Formen und einfach die organische Einheit mit der Kirche in allen Zeiten bewahren. Es mag auch andere geben, aber das sind die Leute, die ich kenne.
Ich selbst mag von der Ausbildung her „Elite“ sein, Kulturelite bin ich bestimmt nicht, mein Latein ist maximal mittelprächtig, was daran liegt, das ich die Sprache einfach mochte. Und Prestige? Man muss sich jede Menge dumme Sprüche und Unterstellungen anhören, wenn man Latein schön und den älteren Ritus ansprechend finden, Prestige in Zusammenhang damit kenne ich nicht.
Ich komme auch selten in so eine Messe, was daran liegt, dass das Angebot dafür mager ist. Die drei Gelegenheiten, die ich kenne, verlangen a) sehr frühes Aufstehen und 30 km Fahrt; b) gut 50 km Fahrt; c) 15 km Fahrt und eine verheerende Parksituation, die einem alles verleiden kann. Also gehe ich normalerweise in die oft unsägliche Gemeindemesse zuhause und wünsche mir tatsächlich ein besseres Angebot.

Wie soll denn unter solchen Bedingungen etwas „von unten wachsen“? Das ginge ja nur, wenn man eine echte Möglichkeit hätte, mit „den Füßen abzustimmen“. Außerdem, was ist denn an den derzeitigen Messzuständen „von unten gewachsen“ – die werden doch von oben (von Kommissionen, Theologen, Pfarrern und vollamtlichen Laien)  schon seit Jahrzehnten aufoktroyiert. Gewachsen war die alte Form, die neue wurde synthetisiert in einem Labor weitweg von allen von Gläubigen gefeierten Messen. Und soll die Messe überhaupt „von unten wachsen“? Ist sie nicht „von oben gewachsen“ in ihrem Einmünden in die himmlische, die „göttliche“ Liturgie, wie sie auch in der Offenbarung beschrieben wird. Das Zusammenmünden des Gottesdienstes der Engel und der Menschen?

Von einem Bischof und Kardinal hätte ich qualifiziertere Äußerungen erwartet.


Das zweite Thema war die korrekte Übersetzung der Wandlungsworte, die in ebendieser korrekten Form wohl demnächst in allen Gesangbüchern und Messbüchern stehen werden. Hier schlug der Kardinal anscheinend vor, man solle auch weiterhin im Widerspruch zum dann gültigen Messbuch die falsche und interpretierende Übersetzung der Worte Jesu nehmen, die uns in den letzten Jahrzehnten vorgetragen wurde, da deren Sinn doch auch theologisch legitim sei (wäre er es nicht, hätte es sich ja auch nur um ca. 40 Jahre Häresie ausgerechnet bei den Wandlungsworten gehandelt, was nun tatsächlich sehr bedenklich wäre).

Ich frage mich nur, möchte der Redner hier ernsthaft spalten oder quertreiben, wenn er versucht sich in Opposition zur korrekten Übersetzung weltweit zu stellen? Warum kann er nicht auch einfach die Einheit wahren? Hängt er so an einer favoritisierten Position, dass er nicht mehr sieht, dass sie sie nur eine kleine Scholle Eis ist, die dabei ist, sich im Wasser aufzulösen, auch wenn sie noch auf den Wellen tanzt? Will er sein Bistum in Verwirrung stürzen, indem er ihm eine Sonderliturgie geben will? Merkt er nicht, dass er sich mit solchen Äußerungen geradezu lächerlich macht?


Gleich wie man zu ihm stehen mag, er war einmal eine Art Gigant – und jetzt tut er mir irgendwie leid, dass niemand ihn davor bewahrt, sich zunehmend zu einem Anrenner gegen Windmühlenflügel zu machen.

Montag, 27. Mai 2013

Der Hagenkordt'sche Teufel und der des Katechismus

In der neuesten "Pilgerzeitung" der DT findet sich ein Interview mit P. Hagenkordt SJ, bei dem ich einen Absatz etwas - sagen wir mal - irritierend fand. Er findet sich nach der Frage, ob Papst Franziskus evtl. so oft auch die Existenz des Teufels erwähnt, weil das ein Grundlage in einer der Haupt-Betrachtungen des Ignatius von Loyola hat.

Und zwar wird dort P. Hagenkordt wie folgt zitiert: "Ich glaube, das ist ein Detail der Sprache, aus der er kommt. Wir haben es uns ja hier in Zentraleuropa ziemlich abgewöhnt, von der klaren Alternative zwischen der hellen Seite des Glaubens - Gott, ich nenne es mal so - und der dunklen Seite des Glaubens -dem Teufel - zu spreche, also der Realität, dass man auch scheitern kann und dass das eine Eigengesetzlichkeit bekommt, so würden wir das heute umschreiben. Franziskus nennt das Ganze "Teufel", entsprechend der Tradition aus der wir kommen."

Nun weiß ich nicht, ob da jemand etwas aus der Originalaussage aus redaktorischen Gründen unglücklich abgeändert hat. So etwas soll ja vorkommen. Denn dann würde P. Hagenkordt hier aussagen ein "es", die "helle Seite des Glaubens" sei Gott.
Dann diese etwas merkwürdige Vorstellung, der Teufel sei "die dunkle Seite des Glaubens". Ich fühle mich etwas an Krieg der Sterne erinnert, mit der hellen und der dunklen Seite der Macht.
So weit, so seltsam
Und dann kommt da die dritte Seltsamkeit, der Teufel sei die "Realität, dass man scheitern kann und dass das eine Eigengesetzlichkeit bekommt".
Und zum vierten, genau das wolle Papst Franziskus aussagen.

Statt zu kommentieren möchte ich lieber den Katechismus der Katholischen Kirche zitieren:
"(394) Die Schrift bezeugt den unheilvollen Einfluss dessen, den Jesus den "Mörder von Anfang an" nennt und der sogar versucht hat, Jesus von seiner vom Vater erhaltenen Sendung abzubringen ...Das verhängnisvollste dieser Werke war die lügnerische Verführung, die den Menschen dazu gebracht hat, Gott nicht zu gehorchen."
Der Katechismus spricht von einem Geschöpf, keiner dunklen Seite und nicht von einem Scheitern hinter dem man guten Willen vermuten muss sondern einer aktiv eingebrachten Verführung, die die Gutwilligen zu Fall bringen will.

"(395) ... Er ist bloß ein Geschöpf, zwar mächtig, weil er reiner Geist ist, aber doch nur ein Geschöpf ... Sein Tun bringt schlimme geistige und mittelbar selbst physische Schäden über jeden Menschen und jede Gesellschaft."
Ganz klar "er", nicht "es".
Mir gelingt es nicht den Text des Katechismus mit den P. Hagenkordt zugeschriebenen Äußerungen in Einklang zu bringen. Und ich habe die gleiche Muttersprache wie der Pater ....

Ich habe außerdem zwar schon öfters gehört, dass diverse Theologen der Meinung seien es gebe nur das Böse als "strukturelle Sünde" und derartiges.
Aber die Konstruktion, dass persönliches Scheitern und seine Folgen der Teufel sind, ist mir jetzt völlig neu. Ich finde einfach keinen Sinn in einer solchen Aussage. Wenn ich also aus Faulheit oder Nachlässigkeit vergessen würde, Salz zu streuen, wenn Glatteis ist und jemand bricht sich das Bein, wäre das dann der Hagenkordt'sche Teufel?
Ich bin da ja an etwas in mir gescheitert und es hatte üble Folgen.
Ich würde das ja meine Sünde der Faulheit oder Nachlässigkeit nennen und der Teufel hätte damit nun wirklich nichts zu tun, denn ich hätte es besser gewusst und wieder besseres Wissen eben nachlässig gehandelt.



Donnerstag, 23. Mai 2013

Woran Katechese scheitern kann



Ich hatte in diesem Blog von dem leider sehr oberflächlichen Kommunionunterricht meines Neffen im vorigen Jahr erzählt. Unabhängig davon hat er an der Grundschule eine recht gute Religionslehrerin, die alles elementare Grundwissen in Sachen katholischer Glaube auch wirklich durchspricht.
Nun kam Pfingsten. Im Vorjahr war das im Religionsunterricht besprochen worden. Anscheinend war alles darüber bei den Kindern wieder völlig gelöscht, darum hatten sie als Hausaufgabe, die Informationen zu suchen und aufzuschreiben. Für die Hausaufgaben meines Neffen bin ich mit zuständig. Also habe ich zwei Tage versucht ihm Bröckchen dazu zu füttern, damit er es selbst aufschreiben kann, was an Pfingsten passiert ist. Erfolglos, gehört und vergessen.

Da Worte nicht halfen, suchte ich mir ein Bild: Die Apostel und Maria im Abendmahlssaal,, über ihnen eine Quelle roten Feuers, von dem Strahlen ausgingen.
Mein Neffe sollte das beschreiben und war nicht uninteressiert. Leider hatte ich nicht mit dem Torpedierer namens „Opa“ gerechnet. Der hatte haarscharf gefolgert, um was es ging, auch wenn er keine Ahnung hatte, was auf dem Bild zu sehen war.

„Was könnte hier denn dargestellt sein?“ Mein Neffe überlegt. Der Opa: „Pfi-, Pfing-“. – Alle werfen ihm ungnädige Blicke fürs Vorsagen zu.

„Warum ist das denn ein Bild von Pfingsten? Woran erkennt man das? Beschreib mal, was du da siehst.“
Der Opa: „Die Taube! Die Taube oben!“
„Da ist keine Taube.“
„Der Heilige Geist ist immer eine Taube.“
„Nein, an Pfingsten hat sich der Heilige Geist NICHT als Taube gezeigt.“
.... 2 Minuten Diskussion ob der Heilige Geist immer als Taube darzustellen sei ...
... Oma schimpft über den unmöglichen Religionsunterricht, wo die Kinder nicht lernen, was an Pfingsten passiert sei, ich stelle richtig, dass es nicht am Religionsunterricht liegt, weil sie das durchgenommen haben ...
... kurze Einlassungen seitens des Opas zu den (Nicht-)Qualitäten des Pfarrers, die ich möglichst im Keim ersticke, bevor sie ausufern ...
.... destruktive Bemerkungen von Oma zur religiösen Praxis der Eltern des Enkels und ihrer jeweiligen Lebenspartner, die ich auch zu blocken versuche ...
Neffe verschwindet vor den Fernseher

Resultat eine Woche später: „Pfingsten – keine Ahnung was da war.“ „Du hast mir so ein Bild gezeigt, da war eine rote Sonne drauf.“ „Und dann ging es darum, ob der Heilige Geist eine Taube ist.“

Und wer ist nun schuld, dass mein Neffe immer noch jede Information über Pfingsten abperlen lässt wie eine gut geölte Regenhaut das Wasser?

Mittelbar natürlich auch die Mutter, die ihre religiöse Praxis ad acta gelegt hat, deren Partner, der gerne erklärt, dass das alles Blödsinn ist, der Vater, der zwar die Grundkenntnisse hat, aber nur über Fussball redet und für den Glaube eher kultureller Hintergrund ist.  Auch der Pfarrer, der nicht in der Lage ist, persönliche Glaubensgespräche zu führen sondern lieber eine Wellness-Atmosphäre von „ist schon irgendwie alles gut“ verbreitet und meint, er tue damit allen einen Gefallen.
Unmittelbar aber leider mein Vater, der regelmäßige Kirchgänger, der all die Aufgezählten gerne kritisiert, der sein Katechismuswissen noch hat und dessen Entscheidungen stark von christlichen Überzeugungen geprägt sind, was Moralisches betrifft, aber der seinen Glauben nie reflektiet hat und dem religiöse Übungen eher lästig sind und der es in diesem Fall geschafft hat, mit mehreren vom Thema ablenkenden aber scheinbar damit verbundenen Themenwechseln zu verhindern, dass sein Enkel anhand eines ihn durchaus interessierenden Bildes etwas über Pfingsten herausfindet und der in Kombo mit meiner Mutter soviel Negatives über andere loswerden musste, dass das Kind davor nur noch die Flucht ergreifen konnte.


Sonntag, 5. Mai 2013

Kirchenaustritte würden folgen, würden Forderungen nach dem Frauendiakonat nicht erfüllt

- das zumindest meint Julia Klöckner, rheinland-pfälzische CDU-Politikerin, die oft bewusst ein Image pflegt, das sie für kirchliche Belange engagiert  zeigt. Geäußert haben soll sie das laut Zeitungsberichten, die sich auf KNA beziehen bei der jüngsten Versammlung des ZDK.

Es ist wirklich problematisch, wenn Politiker ihr Verständnis von ihrer Partei (wenn mir die Linie nicht passt, trete ich aus - etwas das der CDU, aber nicht nur dieser, in den letzten Jahren recht vertraut worden ist) auf die Gemeinschaft der Glaubenden Kirche 1:1 überträgt.
Parteien haben Parteitage auf denen die Mitglieder abstimmen, was denn Inhalt ihres Parteiprogrammes sein soll. Dabei wird dann möglichst das gewählt mit dem man hofft, möglichst viele Wähler, besser noch natürlich zahlende Mitglieder, gewinnen zu können. Eine Partei hat zwar einen Gründungsauftrag, aber der kann abgeändert und angepasst werden, wie es die Mehrheit der jeweiligen Mitglieder für adäquat hält.

Die katholische Kirche hat dahingegen einen Gründer, der zwar zeitweise leiblich von ihr gegangen ist, aber nicht verstorben ist, sondern auferstanden und lebt und der wiederkommen wird und bis dahin erwartet, dass seinen Anweisungen, die er gegeben hat, weil die nun einmal heilsnotwendig sind, Folge geleistet wird, weil sonst alles nicht funktioniert. Heilsnotwendig heißt aber nicht unbedingt zustimmungsfähig für möglichst viele. Im Gegenteil, dieser Gründer hat darauf hingewiesen, dass dem, was er als richtig weist, heftigst widersprochen werden wird.

Jeder, Mann oder Frau, der nur dann Teil der Kirche sein möchte, wenn ihm diverse Leitungsfunktionen offeriert werden, ist in der Kirche tatsächlich fehl am Platz. Denn es geht tatsächlich stattdessen um das Dienen.

Nun hebt hier ein sprachliches Verwirrspiel an: Das griechische Wort "diakonia" heißt Hauswirtschaft oder Dienst. Nun sah sich die frühchristliche Kirche von Anfang an dafür zuständig, dass es in ihrer Gemeinschaft Fürsorge füreinander gab, und dass auch Witwen und Waisen von dem, was andere gaben, versorgt wurden. Arme gab es immer viele und Bedürfnisse auch. Die Gemeinde wuchs und die zwölf Apostel waren irgendwann mit der gerechten Verteilung der Güter überfordert. Es wurden "Hauswirtschaftler" gebraucht, die Diakone.  Deren Aufgabe war es, sich darum zu kümmern, dass alles möglichst gerecht verteilt wurde. Das heißt nicht, dass diese Diakone die einzigen waren, die diakonisch tätig war. Das Diakonische ist eine Verpflichtung für JEDEN Christen ohne Ausnahme. Niemand ist davon dispensiert, Armen, Hungernden, Verfolgten, Gefangenen, Kranken, Notleidenden aller Art nach besten Kräften zu helfen. Niemand benötigt dazu eine Sonderbeauftragung. Wenn also neuerdings darauf hingewiesen wird, dass insbesondere Frauen diakonisch tätig seien, dann ist das nichts besonders Lobenswertes sondern tröstlich, dass zumindest viele Frauen nicht völlig vergessen zu haben, was ihre Aufgabe als Christinnen ist. Und es ist zu hoffen, dass nicht nur geweihte Diakone diakonisch tätig sind.

Nun hat sich die Aufgabenbeschreibung für einen Diakon im Laufe der Geschichte etwas geändert. Was geblieben ist, ist dass es ein Weiheamt ist, dass durch Handauflegung verliehen wird. De facto haben viele Frauen in der katholischen Kirche Leitungsämter in Bezug auf diakonische Dienste, z.B. die Leiterinnen und Direktorinnen der Caritas. Soll nun etwa eine Diakoninnenweihe für Caritas-Leiterinnen eingefordert werden, die diesen noch völlig neue zusätzliche Verpflichtungen auferlegen würde? (Einmal ganz davon abgesehen, dass es keine Weiheämter für Frauen geben wird und kann.)

Nein, darum geht es nicht.

Möchten alle Pastoralreferentinnen und Gemeindereferentinnen nun zusätzlich einen Diakoninnenweihe? Mit der derzeit gültigen Auflage lebenslang unverheiratet zu bleiben, falls sie noch nicht im Ehestand sind? Eher auch nicht. Nicht zu vergessen der Diakonatskurs, der sie mehrere Wochenenden im Jahr über mehrere Jahre von ihren Familien trennen würde und der so belastend ist, dass darüber leider die eine oder andere Ehe zerbricht. (Hier wäre ein realer Handlungsbedarf.) Alternativ gibt so mancher sehr zum Diakon geeignete Familienvater seine Absicht, Diakon zu werden auf, bevor seine Familie darüber zerbricht.

Nein, das wollen die Damen, die die Diakonatsweihe einfordern möchten, höchstwahrscheinlich auch nicht.

Diakone sind nämlich in vielen Diözesen im Nebenberuf tätig. Das heißt: Sie haben eine Vollzeitarbeit. Sie haben in den meisten Fällen eine Familie. Sie erhalten nur eine geringe Aufwandsentschädigung für ihren Einsatz und keinerlei finanzielle Absicherung seitens des Bischofs, für den sie tätig sind. Der Familie verlangt das so einiges ab. Wieviel Frauen sind wohl auf eine derartige weitere Zusatzbelastung besonders erpicht? Wieviele Ehemänner werden es mittragen können, wenn ihre Gattin so etwas auf sich nehmen würde? - Die Menge, der an einer Diakonatsweihe tatsächlich interessierten Frauen - selbst wäre eine solche Weihe möglich - dürfte relativ gering sein. Wie ja auch derzeit kein Riesenandrang von zu beschäftigenden Diakonen vorhanden ist und bei diesen leider in so manchem Fall gilt, dass die Familie unter der Sehnsucht des Familienvaters nach diesem Amt sehr leidet.

Ich frage mich, ob man die ganzen Problemfelder damals bei der Einführung des ständigen Diakonates wirklich bedacht hat.

Es scheint so eine vage Vorstellung zu herrschen, dass mit Erfüllung der Forderung nächstens Frau Müller nach einen 3-Wochenenden-Lehrgang oder so dann alle priesterlichen Aufgabung exklusive Beichte und Konsekration bei der Eucharistiefeier übernehmen kann - eine letzte Bastion, die dann auch binnen kurzem geschliffen werden kann.

Und Leute, so wird das nicht laufen.

Wer das will, sollte tatsächlich erwägen, sich eine eigene Kirche zu gründen, die so etwas verwirklichen möchte. Mit dem römisch-katholischen Glauben hat es nur ganz zufällig noch ein paar Übereinstimmungen.

Wer dahingehend endlich die volle diakonische Dimension des Christseins leben möchte, was nun einmal Grundbestandteil des Christseins ist, über den werden sich alle sehr freuen. Und - gute Nachricht - es braucht dazu wirklich keine Weihe irgendeiner Art. Dienen darf jeder und jede.







Mittwoch, 1. Mai 2013

Ämterhäufung

... könnte auch ein Faktor sein, dass ein paar Frauen dann nicht in Führungspositionen kommen, ob nun innerkirchlich oder anderswo . Frau L. M. hier hat zum Beispiel ein stattliches Arsenal politischer und kirchlicher Führungspositionen. Da ist noch gar nicht aufgeführt, dass sie auch Generalsekretärin des Cusanuswerkes ist.

Gleiche Ämterhäufungen gibt es sicherlich bei den meisten Politikern. Das sind ja "wichtige" Leute, die hat man gerne in jeder Führungsposition. Je  mehr sie haben, desto mehr Einfluss erhofft man sich wohl für alles mögliche. - Ich persönlich kann mich nur wundern, wie eine einzige Person diese ganzen Posten überhaupt wahrnehmen soll, ohne dass etliche der anderen Verpflichtungen darunter leiden, aber ich bin ja auch kein Politiker.


Die Bedeutung der Fußwaschung

kann ich hier nicht umfassend abhandeln. Denn es handelt sich um ein äußerst symbol- und aussagekräftiges Handeln Jesu kurz vor seinem Tod, das uns im Johannesevangelium überliefert ist. Vor dem, was er seinen Aposteln noch einmal konzentriert in Worten näherbringt, während die Zeit viel zu knapp ist, steht diese Handlung, Teil seines Testamentes für seine Jünger. Ein Handeln, das auch seinen Auftrag mit untermalt, den er kurz darauf gibt: "Liebt einander wie ich euch geliebt habe."

Es ist schon oft gesagt und dargelegt worden, also nur kurz zusammengefasst: Die Füße, die vorher gewöhnlich nackt in Sandalen steckten und vom Weg auf den damals weder asphaltierten noch betonierten Straßen gewöhnlich sehr schmutzig waren, zumindest von Staub, möglicherweise auch mit Unangenehmeren, wusch sich selbst oder man hatte Bedienstete und Bedienstete hieß damals meistens Sklaven, die das erledigten.
Jesus also besteht darauf, diesen unangenehmen Dienst für seine Freunde zu tun. Er sagt, es sei nötig, ohne das näher zu erläutern und zwar dazu, um in dieser Freundschaft zu bleiben. Petrus zumindest ist zuerst entsetzt, dass sein geliebter Freund und Meister das tun will. Aber nach dessen kurzer Begründung, würde er sich gerne noch mehr Körperteile waschen lassen, um noch mehr zu ihm zu gehören. Simple Logik einfachen Denkens. Jesus lehnt ab. Er sagt, es genüge, die Füße zu waschen.

Manche Reformer der Liturgie favoritisierten sogar, man solle die Fußwaschung in jeder Feier der heiligen Messe praktizieren, weil sie so gut verdeutliche, dass der Auftrag Jesu immer auch ein Auftrag ist, anderen zu dienen und weil dies eine Grundsäule des christlichen Lebens ist. Das wäre voraussichtlich auf Widerstände bei den Gläubigen gestoßen, man hat das also dann doch nicht umgesetzt. - Ich will mit damit verdeutlichen, dass die herausragende Bedeutung der Fußwaschung eigentlich keinem ernsthaften Katholiken völlig verborgen ist, ganz unabhängig davon ob man ihm ein Etikett mit konservativ oder progressiv oder was auch immer anhängen möchte.

Nun hat Papst Franziskus bei der Fußwaschung am Gründonnerstag dieses Jahres sich veranlasst gefühlt, ein bisschen mehr zu machen, als das, was der Herr Jesus getan hat, und hat - mir ist nicht bekannt ob mehrfach, bei jedem oder einmal - auch zu waschende oder gewaschene Füße geküsst.
Ich gehe davon aus, dass das eine ganz genuine Regung war zu verdeutlichen, wie wertvoll Jesus jeder dieser Menschen ist und dass er auch vor so etwas nicht zurückgescheut wäre.
Ich persönlich meine, es wäre besser gewesen, das zu tun, was Jesus getan hat, nämlich die Füße waschen und nicht auch noch Köpfe (was ja nicht geschehen ist) und zusätzliche Bezeugungen der zärtlichen Liebe der  Herrn zu geben, die dieser so nicht selbst getan hat. Es empfiehlt sich einfach generell, vom Evangelium nichts wegzunehmen und nichts hinzuzufügen.
Und wie man sieht, hat es für einige ja gleich auch ganz verheerende Folgen gehabt, zum Beispiel bei der Vizepräsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Frau Lücking-Michel. Die arme Frau konnte dabei offenbar nur noch assoziieren: Küsse = Sex = Papst Franziskus lehnt die bisherige Sexualmoral der katholischen Kirche ab und demonstriert Unverklemmtheit.

Vermutlich können dem Gedankengang einige nur mit größerer Mühe folgen. Ich auch.
Beim Füßewaschen denkt eigentlich keiner an Sex. Ausnahmen mag es geben. Also müssen es die Küsse gewesen sein. Diese Geste ganz tiefer Verdemütigung wurde dann gar nicht als solche erkannt sondern offenbar erotisch interpretiert und aus dieser mutmasslich (in der Phantasie des einen oder anderen dazu gewordenen) erotischen Handlung im Gottesdienst sprossen dann gleich recht wilde und abenteuerliche Thesen, die Frau Lücking-Michel dan auf der Vollversammlung des ZdK zum besten gab.
Möglicherweise um von der mangelnden logischen Konsequenz solcher Folgerungen abzulenken, dachte sie sich dann noch eine höchste seltsame Geschichte aus, ausgerechnet Papst Benedikt XVI - der doch besonders hohen Wert auf eine korrekt gefeierte Liturgie legte - habe etwas bisher nicht Dagewesenes getan, sondern statt Füße zu waschen, besockte Füße mit etwas Weihwasser besprengt. Das offenbar mit der Gründonnerstag wenig - oder vielleicht doch - vertraute Publikum des ZDK soll diesen hanebüchenen Blödsinn dann mit Amüsiertheit beantwortet haben. Genau weiß man es ja nicht: lachten sie über den vorherigen Papst, weil sie das tatsächlich für wahr hielten? Oder lachten sie über die Rednerin, die derartigen Stuß von sich gab? Man könnte ja das erstere hoffen Dann müssen entschiedene Gegner von Frau Lücking-Michel ihre peinliche Aussage auf der ZDK-Seite der Öffentlichkeit zugänglich gemacht haben, um sie endgültig zu brüskieren oder ist da wirklich niemand bei den Verantwortlichen des ZDK, denen klar war, wie oberpeinlich das Ganze für sie selbst sein könnte? Weil Papstmessen, Liturgie und das Johannesevangelium für sie so weit weg sind, dass ihnen gar nicht mehr auffällt, wenn jemand kompletten Unsinn daherredet?

Ja, dann verwundert es natürlich nicht, dass jemand wie Frau Lücking-Michel auch noch Vizepräsidentin dieses Gremiums ist, bei dem leider immer noch viele meinen, es repräsentiere die Katholiken Deutschlands. Leider unterstützt die DBK diesen Irrtum durch den Zuschuss reichlicher Gelder aus der Kirchensteuer für diesen dubiosen Verein, der vorspiegelt etwas zu sein, das er in keiner Weise ist. Und dann verwundert es auch nicht, dass nach so einem Vorfall Frau Lücking-Michel nicht ganz schnell von den repräsentativen Pflichten dort entbunden wird; sie repräsentiert damit ja anscheinend tatsächlich die dort Versammelten.

Da hilft auch keine Entschuldigung, sie habe sich im Ton vergriffen und nicht vorgehabt Papst Benedikt XVI in irgendeiner Weise herabzuwürdigen. Ersteres könnte man noch glauben, tragbar wäre es in ihrer Position dennoch nicht. Zweiteres kann man eigentlich nur eine glatte Lüge nennen: aus welchem Grund sonst erzählt man denn öffentlich eine Lüge über jemanden, die diese Person lächerlich macht?

Gut, wenn die Masken dort einmal so öffentlich fallen.


Sonntag, 28. April 2013

Kindesmissbrauch wurde in den 70ern geradezu gefordert von vielen

und zwar, weil viele aus der Intelligenz-Schicht der Meinung waren, das, was heute klar als Missbrauch erkannt wird, sei Kindern förderlich.

Bei der Lektüre eines Buches von Klaus Berger, "Glaubensspaltung ist Gottesverrat" stieß ich auf S.114/15 auf einen interessanten Bericht aus dem Jahre 1977 und zwar lud ihn die ESG Heidelberg zu einem Diskussionsabend über Pädophilie als Referent ein:

"Der Abend war gut besucht, und zwar vorwiegend von Studierenden mit besonderen sexuellen Neigungen (Schwule, Lesben, Pädophile), und zwar in erster Linie Studierenden der Theologie. Ich sah mich nach meinem Referat alsbald einer wütenden Menge gegenüber, die einhellig dafür plädierte, sexuellen Umgang Erwachsener mit kleinen Kindern zu befürworten, da er ja "aus Liebe" geschehe. Man berief sich auf das Liebesgebot und auf Augustinus. Die Auseinandersetzung eskalierte, und ich wurde schließlich gefragt, welche Bischöfe mich denn für meine Meinung bezahlten. Wenigstens vermutete man demnach Ungutes gegenüber der gewünschten Position. Sexueller Missbrauch wurde als Zärtlichkeit erklärt, was die Kleinen doch brauchten, denen man nichts Besseres antun könne, als mit ihnen sexuell zu verkehren. ... Nun schildere ich diese Begebenheit nicht aus Böswilligkeit, sondern um zu erklären, welcher Willkür bisweilen und in besonderen historischen Konstellationen unsere Vernunft ausgesetzt ist."

Der Text spricht für sich.

lange nicht mehr reingesehen ...

An Themen fehlte es ja nicht.
Und irgendwie bin ich bei meiner mehrwöchigen Absenz aus der Leserliste von politischunpolitisches gekickt worden und finde jetzt keine Mailadresse, um mich neu dort zu bewerben ... :(

Zu Papst Franziskus ist wahrscheinlich schon überall alles gesagt. Presse, Medien aber selbst kirchliche Vertreter stilisieren ihn zu etwas, was er aller Logik nach nicht ist und benutzen das von ihnen kolportierte Bild, um mehr oder weniger durch die Blume Papst Benedikt XVI zu diskreditieren, den ich wie so viele schmerzlich  vermisse. Immer noch. Der neue Papst sagt nichts Falsches und nichts Schlechtes, und er ist eben der Papst, aber mein Herz hat er bisher nicht erreichen können. Das liegt weniger daran, dass ich an der Person des vorigen Papstes hinge, obwohl dieser mir sehr sympathisch war, sondern daran, dass Benedikt XVI so durchscheinend für Christus war, dass er alles eigene völlig dahinter zurückstellte, um der Welt dieses Licht sichtbar zu machen. Auf ihn zu sehen, auf ihn zu hören, hat mich gewöhnlich zu einem besseren Menschen gemacht, mich motiviert, auch die eigene Wichtigkeit weiter nach hinten zu schieben und durchlässiger sein zu wollen für den, um den es eigentlich geht.

Im Vergleich dazu, zu dieser Hinwendung zu wirklich allen Menschen, die allen, auch den Gegnern galt, wirken die Engführungen auf finanziell benachteiligte Teile der Weltbevölkerung, "die Armen" so einschränkend und damit wieder ausschließend, so vom zentralen Thema der Christusähnlichkeit ablenkend. Papst Franziskus meint es sicherlich nicht so, aber das was die Presse vermittel, ist das.

Weiter will ich gar nichts sagen oder selbst vergleichen. Es wäre nur unfair gegenüber jemandem, der sich plötzlich mit der Last und den Herausforderungen des Papstamtes zurechtfinden muss. Das braucht auch ein Herantasten an so vieles.




Mittwoch, 20. Februar 2013

Die Dringlichkeit der Zeit


Unser Heiliger Vater hat nicht „das Handtuch geworfen“, nicht aufgegeben, nicht resigniert.
Er hat gewissermaßen, die Posaune ergriffen und bläst der katholischen Christenheit einen eigentlich unüberhörbaren Weckruf: Nutzt diese Fastenzeit und betet für die Kirche! Hört auf mit den Forderungen des Ich und geht auf die Knie, um den Willen Gottes zu suchen. Jetzt ist die Zeit, jetzt ist die Stunde.

Er weiß, wie es viele von uns beunruhigt und erschüttert, dass er sein Amt niederlegt. Er hat das alles bedacht. Er weiß auch, dass wir ihm allzu gern die ganze Verantwortung überlassen haben, anstatt uns selbst den Erfordernissen der Stunde zu stellen, das Laienapostolat zu verwirklichen, das das Vaticanum II initiieren wollte. Die Kleriker und Professor haben es uns nicht vermittelt; aber wir können selbst lesen, um was es geht in den Texten des Konzils. Sie haben nicht vermittelt, dass es auf jeden Einzelnen ankommt, sondern das Gefühl gegeben, dass wir stattdessen ihnen folgen sollten mit ihren Ideen und Interpretationen und dagegen sträubte sich so mancher gesunde Instinkt. 
Sicher, wir haben diskutiert, wir haben uns nicht völlig treiben lassen, wir haben sogar ein wenig gebetet. – Aber wir haben auch unsere Aufgaben und Verpflichtungen als Begründung genommen, dass wir nicht mehr beten können, haben unsere Freizeit nicht dafür beschnitten. Und der Diener der Diener Gottes kennt unsere Situation nur zu gut und versucht uns wachzurütteln.

Ich kenne eine etwas ähnliche Situation sogar persönlich. Etliche Jahre habe ich eine geistliche Gemeinschaft auf diözesaner Ebene geleitet. Es war als Übergang gedacht, bis andere da sind, um in den diversen Bereichen wieder neu die Verantwortung zu übernehmen. Ich habe jedes Quentchen Zeit in die Erwachsenen-, die Jugend- und die Kinderarbeit gesteckt und immer wieder appelliert und gebeten, wir bräuchten Mitarbeiter. Bis auf wenige hat sich niemand motivieren lassen. Und da ich noch einen Beruf habe, konnte ich alles auch nur gerade so am Laufen halten. Alle hatten gute Gründe, warum sie nicht mehr taten, die ich verstehe und respektiere. Aber nach etlichen  Jahren war ich zu der Einsicht gekommen, dass die letzte Möglichkeit, andere zu aktivieren, ist, meine Ämter niederzulegen. Denn nun wird es sich zeigen, wieviel allen der Weiterbestand der diözesanen Gemeinschaft wert ist.

Und so wird sich jetzt zeigen, wie viel uns Katholiken die ganze katholische Kirche wert ist.  Die Art, wie wir diese Fastenzeit verbringen, wird lauter sprechen als Worte und Absichtserklärungen. Jeder von uns hat völlig legitime Begründungen und Gründe, warum er dafür (fast) keine Zeit einsetzen kann. Durchaus gewichtige Gründe. Recht zwingende Gründe familiärer, beruflicher und gesundheitlicher Art sogar.

Ganz unabhängig davon wird der Fakt sein, wie sehr wir uns trotzdem auf Gott ausgerichtet, ihn gesucht, haben und eigene Bedürfnisse zurückgestellt haben oder wie sehr wir das unterlassen haben. Vielleicht sind wirklich nur zehn Minuten extra an dem einen oder andern Tag herauszuschlagen. Aber es werden dann diese zehn Minuten mehr am Tag sein, die für das Gebet für die Kirche zur Verfügung sind. Niemand wird uns einen Vorwurf machen können für unsere gut begründbaren Entscheidungen. Aber wir werden darum wissen und das Resultat wird auch das Resultat unserer Bemühungen oder Nicht-Bemühungen sein. Unsere Aussage, was für uns höchste Priorität hat. Die Fische und das Brot, mit denen die 5000 gespeist werden können – oder eben nicht, weil nicht einmal zwei Fische und fünf Brote da waren …

und ganz aktuell


„Die Kirche, die Mutter und Lehrmeisterin ist, ruft alle ihre Mitglieder auf, sich geistlich zu erneuern, sich entschlossen erneut auf Gott auszurichten und Hochmut und Egoismus abzulehnen, um in der Liebe zu leben.
...
Das führt immer zu ... einem geistlichen Kampf, weil der Geist des Bösen sich natürlich unser Heiligung widersetzt und versucht, uns vom Weg Gottes abzubringen
...
Er drängt nicht direkt zum Bösen, sondern zu einem falschen Guten, indem er glauben lässt, dass die wahren Realitäten die Macht sowie die Befriedigung  der Grundbedürfnisse sind.
Auf diese Weise wird Gott zweitrangig, er wird auf ein Hilfsmittel reduziert ... Wollen wir dem Ich folgen oder Gott?“

Papst Benedikt XVI, Ansprache beim Angelus am 17. Februar 2013-02-20

Viel klarer geht es wohl kaum. Werden wir es hören und befolgen?

St. Albanuslied


Zettelversion vor der Liedreform 1974:

(Name der Ortschaft) lass Jubel klingen deinem heilgen Schutzpatron;
freudig soll dein Loblied dringen bis hinauf zu seinem Thron.
Seht dort oben hocherhoben St. Alban in Gott sich freut,
blickt hernieder auf die Lieder, die sein treues Volk ihm weiht.

Jesu Gottheit ward bestritten blutig einst im Mainzer Land.
Christi Braut hat schwer gelitten dort von der Vandalen Hand.
Frech verachtet, hingeschlachtet ward der Gläubgen fromme Schar,
selbst den Hirten die Verirrten morden feig am Hochaltar.

St. Alban im Priesterkleide, Gott im Herzen, mit ihm eins,
zieht daher voll heilger Freude mutig bis zum Goldnen Mainz.
Hat geweidet, hat geleitet die verlassne Herde dort,
Satans Lügen, Irrtums Trügen hat besiegt sein Feuerwort.

Zettelversion nach der Liedreform:

Lasst uns Jubellieder singen unserm heilgen Schutzpatron;
freudig soll das Lob erklingen bis hinauf zu Gottes Thron,
wo Sankt Alban sich erfreuet nun in ewger Seligkeit
und bei Gott für uns erflehet Gnade und Barmherzigkeit.

Jesu Gottheit ward bestritten blutig einst im Maninzer Land.
Gottes Volk hat schwer gelitten unter seiner Gegner Hand:
denn verraten und erschlagen wurde eine große Schar;
selbst den Bischof, ihren Hirten mordete man am Altar.

Drauf Sankt Alban hat geleitet die verlassne Herde dort;
den Betrug der falschen Lehr deckte auf sein klares Wot.
Er bezeugte und bekannte Christus seinen Herrn und Gott,
ließ den Glauben sich nicht rauben, nahm auf sich den Martertod.

Gott, dem Vater, Lob und Ehre, auch dem Sohn, den er gesandt,
und dem Geiste, seiner Liebe immerwährend Unterpfand.
Lasst uns danken für den Hirten, der sich Christus ganz geweiht,
der sein Leben hingegeben für den Herrn der Herrlichkeit.

Auf Christen singt festliche Lieder


undatierte Version, in meiner Heimatgemeinde bis in die 70er Jahre in Gebrauch:

Auf Christen singt festliche Lieder und jauchzet mit freudigem Schall.
Es hallet auf Erden laut wider süß tönender Jubelgesang.
Der Vater hat unser Verlangen, die Wünsche des Herzens erfüllt,
der Heiland, nach welchem wir bangen, erscheinet im Geiste verhüllt.

Im Stalle bei Bethlehems Fluren hat mitten in nächtlicher Zeit,
Maria, die Jungfrau, geboren, ein Kindlein, das Engel erfreut.
Sieh, Rosen und Lilien erblühen im Antlitz des Kindes hervor.
Die Augen und Lippen sie glühen voll Schönheit in reizendem Flor.

Version, die laut Angabe dem Trierer Text von 1846 entspricht:

Auf Christen singt festliche Lieder und jauchzet mit fröhlichem Klang!
Es schalle auf Erden laut wider der himmlische Jubelgesang!
Im Stalle bei Bethlehems Toren hat mitten in nächtlicher Zeit
Maria, die Jungfrau geboren, den Heiland, der alle erfreut.

Dies schönste der menschlichen Kinder ist Gott in die Menschheit gehüllt;
es weiht sich zum Mittler der Sünder, von himmlischer Liebe erfüllt.
Dies große Geheimnis erklären die Engel den Hirten im Feld.
Sie singen dem Schöpfer zu Ehren, sie singen vom Frieden der Welt.

Was atmet soll alles dich loben, dich Herr auf himmlischem Thron!
Du sendest uns Sündern von oben den ewigen götllichen Sohn.
O lasst uns ihn liebend empfangen, die Herzen ihm öffnen allhier!
Erfüllt ist der Welten Verlangen, Dreifaltiger, Ehre sei dir!

Dreikönigslied


T: 1850 und 1974 (kursiv)

Drei Könige führt Gottes Hand durch einen Stern aus Morgenland
zum Christkind durch Jerusalem in einen Stall nach Bethlehem.
Gott führ uns auch zu diesem Kind, mach dass wir seine Diener sind.

Mit einem Stern führt Gottes Hand die Weisen aus dem Morgenland.
Er führst sie durch Jerusalem hin zu dem Kind nach Bethlehem.
Gott führ auch uns zu diesem Kind, mach, dass wir seine Diener sind.

Aus Morgenland sind unverweilt viel weite Länder sie durcheilt,
bergauf, bergab, durch Reif und Schnee, Gott suchend über Land und See.
Zu Dir, o Gott, kein Pilgerfahrt, kein Weg uns sei zu steil und hart.

identisch

Herodes sie gar fürstlich ehrt; doch andre Lust ihr Herz begehrt;
den Königshof sie lassen stehn, geschwind sie hin zur Krippe gehn.
Gott, lass auch uns nichts halten ab vom guten Weg bis an das Grab.

........                                       andre Freud ihr Herz begehrt                                                                         
........                                       hin zum Kinde gehn.
Lass keinen Wohlstand, keine Not uns bringen ab von dir, o Gott.

Sobald sie kamen zu dem Stall, auf ihre Knie sie fielen all.
Gold, Weihrauch, Myrrhn sie brachten dar dem Kinde, das ihr Heiland war.
Gott nimm von uns als Opfergut Herz, Leib und Seele, Ehr und Blut.

Gold, Weihrauch, Myrrhn sie bringen dar dem Gott, der Mensch geworden war;
so ehren sie den Herrn der Welt, der uns zu seinem Dienst bestellt.
Gott nimm von uns als Gaben hin uns selbst und was du uns verliehn.

Durch Weihrauch stellten fromm sie dar, dass dieses Kind Gott selber war;
die Myrrh auf seine Menschheit wies; das Gold das Kind als König pries.
O Gott, halt uns bei dieser Lehr, vom Irrtum alle Welt bekehr.

...
...
Gott, lass uns glauben Jesus Christ, der Gott und Mensch und König ist.

Maria sie willkommen hieß, legt an ihr Herz das Kindlein süß;
das war die Zehrung auf den Weg, ihr frei Geleit durch Weg und Steg.
Gott, gib auch uns die Himmelsspeis und dies Geleit zur letzten Reis.

So lasst uns preisen Gott den Herrn, der uns geführt durch seinen Stern,
der sich in Liebe zu uns neigt und uns den Weg des Heiles zeigt.
Gott, geh mit uns durch diese Zeit und führ uns hin zur Seligkeit.

(unkommentiert, die Änderungen sprechen für sich selbst)

da ich länger nicht zum Posten kam

folgen hier zwei nicht gerade Beiträge. Also bitte nicht wundern. :)

Samstag, 19. Januar 2013

nach längerer Zeit wieder da

Die inzwischen eingegangenen Kommentare sind jetzt veröffentlicht, ich war seit Weihnachten nicht mehr auf meinem Blog. Irgendwie kam ich nicht dazu. Jetzt wird das hoffentlich wieder glatter laufen.

Sonntag, 16. Dezember 2012

Wo die besseren Argumente liegen, muss nicht polemisiert werden

Das was die Kirche zu Sexualität mit sehr guter Begründung - auch wenn die leider den normalen Pfarreimitgliedern weitgehend unzugänglich und unbekannt sind, weil es an geeigneten Katechesen vor Ort fehlt, bzw. das überhaupt nicht in kirchlichen Publikationen in geeigneter Weise thematisiert wird - zu Sinn und Unsinn von Sexualität zu sagen hat, wird großflächig und weitgehend auch von den eigenen Kirchenmitgliedern ignoriert. Wobei ignorare das Schlüsselwort ist, sie wissen es oft einfach nicht besser, und es bräuchte viele, wiederholte und geduldige Verkündigung um die komplexen Zusammenhänge einsichtig zu machen.

Schön ist es nicht, aber jede Menge Getaufte praktizieren mit bestem Gewissen die verschiedensten Formen von Sexualität außerhalb der Ehe bzw. nehmen rein routinemäßig Verhütungsmittel, die ohne Ausnahme hin und wieder für die eine oder andere Frühabtreibung sorgen; nach der vorsichtigsten Statistik, die von 3 Promille Zutreffwahrscheinlichkeit ausgehen, gibt es genauso viele Frühabtreibungen durch hormonelle Verhütungsmittel wie Abtreibungen, die als solche wahrgenommen werden, die Dunkelziffer könnte deutlich höher liegen.

Zwischen dem was katholische Lehre ist und dem was die meisten praktizieren klafft ein Abgrund. Aber es ist den meisten recht egal, denn sie machen sowieso was sie wollen. Sie hätten zwar gerne, dass die Lehre so abgeändert wird, wie es für sie am genehmsten ist, aber es ist nicht ungeheuer dringlich, da die Diskrepanz nur manchmal vage Schuldgefühle oder gelegentlich Empörung über soviel "Unwissenheit in Sachfragen" (die aber leider auf der eigenen Seite zu finden ist) hervorruft.

Jetzt plötzlich aber macht eine der vielen Gruppen, die in Diskrepanz zur katholischen Lehre leben, woran sie ja in keiner Weise gehindert wird durch die völlige Minderheit von ca. 5% Katholiken in Deutschland, die sich intensiv mit ihrem Glauben beschäftigen, eine gewaltige Treibjagd auf den Papst und alles, was sie hierzulande als ihnen gegenüber feindlich einstuft. Wobei das Feindliche darin besteht, dass die "Gegner" eine andere Meinung haben, genauer gesagt einen Glauben, der eben etwas anderes glaubt als sie selbst.

Warum die extreme Aggression? Warum müssen diese maximal 5% der Bevölkerung mit aller Macht zum Schweigen gebracht werden? Warum wird hier die Religionsfreiheit und die Meinungsfreiheit massiv angegriffen? Warum wird eine Minorität massiv diskriminiert, angeblich um eine Diskriminierung zu bekämpfen, die in Wahrheit eine Meinungsverschiedenheit ist?

Die Lösung kann nur sein: Die Minderheit verbalisiert etwas, das die Mehrheit auch empfindet aber nicht verbalisieren kann, und die Minderheit hat Argumente, die die Mehrheit übernehmen könnte, wenn sie eine Chance erhielte sie zu Gehör zu bringen. Also muss die Minderheit mundtot gemacht werden. Durch übertriebene Anschuldigungen, durch Drohungen, durch Beschimpfungen. Durch Verletzung der Meinungsfreiheit. Durch was auch immer.

Das Kampffeld heißt: Definition der Ehe und dazugehöriges Adoptionsrecht.

Die Argumente scheinen völlig auf Seiten der katholischen Kirche zu liegen, denn nichts anderes kann der Grund sein für einen Angriff, der hauptsächlich auf Emotionalität setzt, mit falschen Behauptungen arbeitet und darauf setzt, dass in Deutschland inzwischen jeder beim Begriff "katholische Kirche" nur an Negatives denkt. Und darauf, dass die deutschen Bischöfe  bei jedem "öffentlichen" Widerstand leider die Gewohnheit haben, mehr oder weniger einzuknicken und den Weg des geringsten Widerstandes zu gehen. Selbst wenn der Löwe, der da brüllt, ihnen eigentlich gar nichts anhaben kann. In diesem Falle dürfte man sich allerdings verrechnet haben, die in Frage gestellten Dinge gehen an die absolute Glaubenssubstanz.

Allerdings - wird die deutsche katholische Kirche es tatsächlich fertigbringen, die eigene Glaubenslehre in ausreichender und verständlicher Form so darzulegen, dass ihre Argumente verstanden werden können? Oder wird man sich weiter in inneren Grabenkämpfen über dies und jenes zerfleischen?

Ungefähr so wie als die Türken vor Wien standen und mit dem Fall der Stadt wohl ganz Mitteleuropa an den Sultan gefallen wäre und das christliche Frankreich in der Hoffnung, die damaligen Konkurrenten um die Macht damit loszuwerden, einen Vertrag mit dem Sultan geschlossen hatte. Ohne zu beachten, dass nach Mitteleuropa auch die Stunde des westeuropäischen Restes geschlagen hätte.