Oremus pro Pontifice nostro Franzisco.

Dominus conservet eum et vivificet eum

et beatum faciat eum in terra et

non tradat eum in animam inimicorum eius.

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Donnerstag, 23. Dezember 2010

O Immanuel!


Die siebte und letzte Antiphon. Das Zeichen, das zur Zeit des König Ahas gegeben wurde: „Die Jungfrau wird ein Kind empfangen, und sie wird ihm den Namen Immanuel geben. 

Immanuel heißt „Gott mit uns“.  Aber wer hätte sich vorstellen können, was letztendlich geschehen ist: venit ad salvandum nos Dominus Deus noster – unser Herr und Gott ist gekommen, uns zu retten. Das Kind, das geboren wird, ist „Gott mit uns“ und wird unter einem anderen Namen in den historischen Dokumenten erwähnt werden: Jeschuah – „Gott ist Retter“.

O Immanuel, unser König und Lehrer, du Hoffnung und Heiland der Völker, o komm, eile und schaffe uns Hilfe, du unser Gott!

O Emmanuel, Rex et legifer noster, exspectatio gentium, et Salvator earum: veni ad salvandum nos Domine Deus noster.

Lehrer, sagt die Übersetzung, “legifer” – Gesetzgeber – das Original. Hier wurde in der Übersetzung auf einen wichtigen Aspekt verzichtet, auf den Papst Benedikt XVI im ersten Teil seines Buches über Jesus gründlich eingegangen ist. Gerade in Bezug auf das, hat er sich auf die Ausführungen eines heute lebenden Rabbis berufen: Jesus hat klar gemacht, dass seine Person, sein Wort an Stelle des bisherigen Gesetzes tritt, nicht es auflösend, sondern es übersteigend und erfüllend.

Mittwoch, 22. Dezember 2010

O Rex gentium!


Es war schon angedeutet in Radix Iesse und Clavis David: der Erwartete ist ein König aus dem Haus Davids. Die Psalmen und Propheten haben es öfters angedeutet; einmal wird ein davidischer König kommen, der nicht nur über das territoriale Gebiet Judas herrschen wird  sondern der König über alle Völker ist. Nicht als Unterdrücker sondern als tatsächliches Leitbild, als Befreier. 

O König aller Völker, ihre Erwartung und Sehnsucht; Schlussstein, der den Bau zusammenhält: o komm und errette den Menschen, den du aus Erde gebildet!

O Rex gentium, et desideratus earum, lapisque angularis, qui facis utraque unum: veni, et salva hominem, quem de limo formasti.

Ein revolutionärer Gedanke. Andere Völker dem auserwählten Volk gleichgestellt? Wie soll das Unvereinbare vereint werden? Durch den Eckstein, der die beiden Teile zu einem macht, sagt der lateinische Vers. Ein mindestens seit dem 7. Jahrhundert bestehendes liturgisches Mahnmal gegen die Überzeugung, die sich in der Kirche zunehmend verbreitet hatte, das auserwählte Volk sei jetzt von Gott verworfen und ein neues aus allen Völkern sei an seine Stelle getreten.  – Die Verheißung gilt allen und niemand ist von ihr ausgeschlossen. Wie zwei Bauwerke sind  die Geschichte Gottes mit Israel und die mit den Völkern, die durch den Messias untrennbar miteinander verbunden werden.

Wie alle Antiphonen zeigt sich auch hier die Kombination und Gegenüberstellung von schon Geschehenem (das Kommen des Messias), das in die Zukunft wirkt (die Einigung durch den Eckstein steht noch aus, die zu vereinigenden Teile sind noch von einander getrennt.

Dienstag, 21. Dezember 2010

O oriens!


Mit der Übersetzung dieser Anrufung tun sich alle etwas schwer. „o Aufgang“ ist wohl die wörtlichste, ein Licht geht im Osten auf. Doch welchen Himmelskörper man dann als Symbol nehmen soll, da ist man sich nicht einig. „Dayspring“ übersetzen die Englischsprachigen und meinen damit oft den Sonnenaufgang, „Morgenstern“ übersetzt die deutsche Liturgie. Der Tag dieser Antiphon ist der der Wintersonnenwende, der 21. Dezember, der damit auf eine andere Dimension des Anwachsens des Lichtes verweist: ab jetzt werden in der nördlichen Hemisphäre die Tage wieder länger. Gleich welchen Aspekt wir herausgreifen, er steht nur als Metapher für das Anbrechen eines anderen Lichtes, des Lux aeternae, des ewigen Lichtes, der Sonne der Gerechtigkeit:

O Morgenstern, Glanz des unversehrten Lichtes, der Gerechtigkeit strahlende Sonne: o komm und erleuchte, die da sitzen in Finsternis und im Schatten des Todes!

O Oriens, splendor lucis aeternae, et sol iustitiae: veni, et illumina sedentes in tenebris et umbra mortis.

Die Antiphon greift den Widerspruch auf, den wir in der Welt um uns sehen. Mit der Menschwerdung Gottes ist die Zeit in ihre Endzeit eingetreten, der Übergang zur Ewigkeit hat begonnen, das ewige Licht ist präsent, die Gerechtigkeit ist verkündet – aber wir erleben oft anderes: noch immer scheint Dunkel um uns zu sein und oft die ganze Welt zu beherrschen. Noch immer sind sehr viele Menschen von Tod und Elend bedroht und von Gerechtigkeit kann keine Rede sein.

Darum dieser Ruf der Sehnsucht, dass das verheißene und schon aufgegangene Licht ganz aufstrahlt und alles erleuchtet.

Montag, 20. Dezember 2010

O Clavis David!


Mit dieser Antiphon wenden sich die ö-Antiphonen, die den Herrn Jesus, als Schöpfer, als Herrn und Gott und als Gott und Herrscher über Israel  angerufen haben, in Erinnerung an Ereignisse, die in den Geschichten des Alten Testamentes beschrieben werden, den Prophetien über den verheißenen Messias zu.  Nach dem christlichen Credo ist der am Kreuz gestorbene Herr „hinabgestiegen zu den Toten“ – etliche Ikonen stellen es dar, und hat die in Treue zu Gott gestorbenen aus der Scheol, dem Totenreich, mitgenommen in die Herrlichkeit Gottes. Vielen ist es heute nicht mehr bewusst, durch Übersetzungen, die sowohl Scheol als auch Gehenna mit Hölle übersetzten ist es verdeckt worden: Es gab nach der jüdischen Überlieferung zwei Aufenthaltsorte für die Verstorbenen, die Gehenna für die Gottlosen und die Scheol für die Freunde Gottes. Der Legende nach gab es davon nur wenige Ausnahmen, Henoch und Elija sind genannt, die direkt in die Herrlichkeit Gottes eingegangen sind. Für alle anderen war sie noch verschlossen.

O Schlüssel Davids, Zepter des Hauses Israel – du öffnest, und niemand kann schließen, du schließt und keine Macht vermag zu öffnen: o komm und öffne den Kerker der Finsternis und die Fessel des Todes.

O clavis David, et sceptrum domus Israel: qui aperis, et nemo claudit; claudis, et nemo aperit: veni, et educ vinctum de domo carceris, sedentem in tenebris.

Der Schlüssel Davids macht den Weg frei aus der Finsternis in den Himmel, der ewigeTod hat dieMacht verloren und kann niemandem mehr festhalten, dem dieser Schlüssel aufschließt, und der Retter, der dies tun wird, kommt aus dem Haus David, verkünden die Propheten. Statt ewiger Unterwelt steht das Tor zum ewigen Leben offen.

Sonntag, 19. Dezember 2010

O Radix Iesse!

Und weiter geht es durch die Heilsgeschichte des Alten Testamentes. Nach der Schöpfung (Sapientia) über die Bundesschlüsse (Adonai - Abraham, Mose) nun zum davidischen Königtum. Gott will und erschafft den Menschen, jeder Mensch ist damit Kind Gottes in diesem Sinne. Gott erwählt das Volk Israel und die Israeliten sehen sich so in besonderem Sinne als Kinder Gottes. Und Gott setzt Jesses Sohn David als König in Israel und Juda ein und verspricht, dass die Königswürde dieses Hauses für immer eingesetzt ist. Eine kaum zu glaubende Behauptung angesichts geschichtlicher Wirren, die auf unerwartete Weise ihre Erfüllung finden wird in Jesus Christus.

O Spross aus Isais Wurzel, gesetzt zum Zeichen für die Völker - vor dir verstummen die Herrscher der Erde, dich flehen an die Völker:  o komm und errette uns, erhebe dich, säume nicht länger!


O Radix Jesse, qui stas in signum populorum, super quem continebunt reges os suum, quem gentes deprecabuntur: veni ad liberandum nos, iam noli tardare.

Das signum - nicht nur einfach ein Zeichen, sondern ein Feldzeichen, ein Banner, das man nicht übersehen kann. Gerade das Verborgene, Unscheinbare wird zum Unübersehbaren zum Zeichen für alle. Aus der Erde werden Menschen, aus einer Nomadenfamilie wird das erwählte Volk Gottes, aus einer unbedeutenden Familie wird einmal der König der Könige hervorgehen.

Hoffnung gerade für die, die vor anderen nichts gelten, die unwichtig und unbedeutend scheinen. Gott wendet sich gerade ihnen zu, wenn sie offen sind für ihn.

Samstag, 18. Dezember 2010

O Adonai!

Meine persönliche Lielingsantiphon - wahrscheinlich schon allein wegen des Klangbildes der Vokale. So ein schönes Wort. Und dann die Übersetzung: der Herr. Meine Vorliebe (nur ganz privat und persönlich) für diese Anrede Gottes hat den vorletzten Tropfen im überlaufenden Faß für meinen Abschied aus den "katholischen" Jugendverbänden geliefert. Dort hat man nämlich diskutiert, diese Anrede sozusagen verbieten zu lassen und jeden Einwand, dass sie aber für das persönliche Gebet sehr wichtig sein kann, nicht nur ignoriert sondern niedergemacht. - Danach war völlig klar, dass diese Leute dem Herrn mit großer Sicherheit noch nicht begegnet waren.

O Adonai, Herr und Führer des Hauses Israel - im flammenden Dornbusch bist du dem Mose erschienen und hast ihm auf dem Berg das Gesetz gegeben: o komm und befreie uns mit deinem starken Arm!

O Adonai, et Dux domus Israel, qui Moysi in igne flammae rubi apparuisti, et ei in Sina legem dedisti: veni ad redimendum nos in brachio extento.

Das Bild aus dieser Antiphon kommt noch einmal mehr ausgedeutet an Neujahr wieder. Beate Heinen hat es in einem Bild ausgestaltet, das bei mir immer als Weihnachtsbild steht. Es ist Mose vor dem brennenden Dornbusch, und in dem Dornbusch sieht man Maria, die das Kind Jesus auf dem Schoß hält. Der Sand auf dem Bild ist so weiß, dass es genauso gut ein Bild im Schnee sein könnte.


Ich verstehe wirklich nicht die ganzen Leute, die das Wort Herr nur mit Unterdrückung verbinden können, und nicht sehen, dass es für den steht, der stark genug ist zu beschützen, zu befreien und loszukaufen (s. lateinischer Text).