(zu der Thematik, ob Live-Übertragungen von Eucharistiefeiern nicht Wortgottesdiensten vorzuziehen sind)
Das beste Beispiel liefert wohl der Fußball.
Man stelle sich vor, es gibt da ein wirklich bedeutendes Spiel, z.B. Deutschland im Finale um die Weltmeisterschaft - und es steht schon so gut wie fest, dass sie den Titel machen werden.
Jemand, den Fußball begeistert, würde vermutlich einiges dafür geben, wenn er im Stadion dabeisein dürfte. Das ist aber nur wenigen vergönnt. Ausverkauft ist sowieso.
Was tun also Fußballfans? Sie sehen sich die Übertragung an. Das Interesse ist so hoch, dass viele Wirtschaften und andere Betriebe gleich aufgeben und zumachen und andere livestream-Übertragungen selbst arrangieren. Der Verkehr ist deutlich geringer und man kann straßenübergreifend schon akustisch mitverfolgen, wie das Spiel läuft.
Ein Fußballfan würde, wenn er nicht durch irgendetwas geradezu gezwungen würde, diese Übertragung verpassen.
Völlig abwegig wäre es, den Fans das Angebot zu machen, sie könnten sich doch in der Turnhalle treffen und da ein kleines Freundschaftsspiel zeitgleich abhalten. Das ist schließlich live und nicht nur eine Übertragung. Man hat dabei doch wunderbare Gemeinschaft etc.
Das heißt nicht, dass die Fans Freundschaftsspiele und andere Treffen ablehnen. Sie interessieren sich nur nicht dafür, wenn sie stattdessen das Finalspiel mitverfolgen können.
Dann gibt es an Fußball vollkommen Desinteressierte wie mich. Für mich gibt es jede Menge attraktive Angebote, wegen derer ich das Spiel nicht ansehen würde. Ich würde mich mit mildem Interesse irgendwann erkundigen, wer denn gewonnen hätte. Aber es bewegt mich nicht. Ich sehe darin keinen Anlass zu feiern.
Aber gleich, womit ich meine Zeit verbringen würde. Ein Fan würde es gar nicht Erwägung ziehen, dafür auf das ihm Wichtigere zu verzichten.
Genauso ist es mit der Teilnahme an der heiligen Messe. Das, was da geschieht, ist mehr als das WM-Finalspiel; es ist ein Berührungspunkt mit der Ewigkeit in den Ereignissen, die alles für unser Leben und unsere Zukunft bedeuten.
Wenn ich tatsächlich nicht dabei sein kann, werde ich natürlich dankbar sein für eine Live-Übertragung.
Aber eine Andacht gleich welcher Art als Ersatz, wie gut sie auch gestaltet sein mag und wie attraktiv sie zu anderem Zeitpunkt und nicht in Konkurrenz zu der hl. Messe wäre, ist völlig indiskutabel. Ich bin schließlich ein Fan, ein Anhänger Jesu Christi und kann ihm doch nichts anderes vorziehen.
Aber natürlich gibt es Leute denen das alles so wenig bedeutet wie mir das interessanteste Fußballspiel allerzeiten und die werden Konkurrenzangebote durchaus in Betracht ziehen. Oder welche (aus Fußballkreisen kenne ich das eher nicht), denen es völlig egal ist, bei welchem "Spiel" sie dabei sind, Hauptsache, es "rollt ein Ball". Eher merkwürdig wäre sowas, übertragen auf den Fußball. Das kennt man eher nur vom Begriffsvermögen mancher Haustiere, soweit ich weiß. Mir scheint, genau auf so ein Niveau des Begreifens, um was es bei der Messfeier geht, begibt man sich, wenn man ernsthaft behauptet, ein Wortgottesdienst irgendwelcher Art könne ein mehr als mangelhafter Ersatz für die Teilnahme an einer Messe sein. - Das ist vermutlich die Frucht inzwischen Jahrzehnte andauernder Katechesen, die in Bezug auf die Eucharistie völlig auf den Aspekt des gemeinsamen Mahlhaltens verengen und zum Teil nichts darüber Hinausgehendes vermitteln.
Oremus pro Pontifice nostro Franzisco.
Dominus conservet eum et vivificet eum
et beatum faciat eum in terra et
non tradat eum in animam inimicorum eius.
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Samstag, 10. November 2012
Sonntag, 11. März 2012
Gespräch
Ich habe eine Freundin, die katholisch ist. Sie praktiziert nicht, aber sie ist unabstreitbar katholisch. Nicht einfach irgendwann getauft. Sie betet und hält Gebet für sehr wichtig. Die Gremien und Räte und ihre Forderungen haben nichts mit ihrer Lebenswelt zu tun. Sie geht nur einmal im Jahr in die Kirche. Das hat mehrere Gründe. Zum einen ihren Beruf, in dem sie von 16 Uhr - 1Uhr nachts arbeitet. Abendmessen sind da schwierig und morgens würde es auch schon ein Opfer verlangen. Hinzu kommt: Sie und ihr Mann waren beide schon einmal verheiratet. Ihre Ehe wäre sofort zu annullieren, seine wahrscheinlich nicht. Und sie ist vollkommen sachlich und akzeptiert, dass sie deswegen nicht zur Kommunion gehen kann. Womit für sie die Motivation entfällt, überhaupt in einen Gottesdienst zu gehen. Denn, sagt sie, diese Gottesdienste sind ansonsten zu lang, sprechen sie nicht an und sie geht leer aus ihnen heraus. (Der Gottesdienst, den sie gewöhnlich besucht ist die Familien-Christmette.)
Als wir neulich diskutierten und ich darlegte, was wir eigentlich brauchten, sei eine Messe pur am besten mit Choral und Latein, ganz auf das Wesentliche konzentriert und viele verschiedene andere Gottesdienste, die auf einzelne Zielgruppen eingehen, statt möglichst viele verschiedene Gruppen durch eine Vielzahl von zusätzlichen Elementen in der Messe ansprechen zu wollen, stimmt sie mir zu meiner Überraschung völlig zu. Sie war übrigens genauso überrascht, dass ich für so etwas wäre.
Sie wünscht sich ein pastorales Angebot, das auf ihre Situation eingeht und würde sich wahrscheinlich auch des öfteren in eine Messe begeben, in der das Messopfer im Mittelpunkt steht, nicht unnötig geredet wird und alles zeitverschwendende andere wegfällt. Dafür könne sie Zeit finden, meinte sie.
Als wir neulich diskutierten und ich darlegte, was wir eigentlich brauchten, sei eine Messe pur am besten mit Choral und Latein, ganz auf das Wesentliche konzentriert und viele verschiedene andere Gottesdienste, die auf einzelne Zielgruppen eingehen, statt möglichst viele verschiedene Gruppen durch eine Vielzahl von zusätzlichen Elementen in der Messe ansprechen zu wollen, stimmt sie mir zu meiner Überraschung völlig zu. Sie war übrigens genauso überrascht, dass ich für so etwas wäre.
Sie wünscht sich ein pastorales Angebot, das auf ihre Situation eingeht und würde sich wahrscheinlich auch des öfteren in eine Messe begeben, in der das Messopfer im Mittelpunkt steht, nicht unnötig geredet wird und alles zeitverschwendende andere wegfällt. Dafür könne sie Zeit finden, meinte sie.
Freitag, 2. März 2012
zur "Historizität" frei formulierter Hochgebete
Neuerdings wird bei Diskussionen über den sehr willkürlichen Umgang einiger katholischer Priester mit den liturgischen Texten immer öfter ein Argument gezückt, das solche Willkür legitimieren soll: Es sei schließlich, wird gesagt, in der frühen Kirche nicht nur üblich gewesen, alles frei zu formulieren, sondern sogar das Qualitätsmerkmal eines Priesters gewesen, das Hochgebet frei zu formulieren.
Was steckt dahinter? Ein befreundeter Priester, der das Argument noch nicht gehört hatte, hielt das für unwahrscheinlich, seien doch schon in der Didache, aus der Zeit um 100 n. Chr., feste Formulierungen vorgegeben.
Bei der Suche nach den Ursprüngen der Aussage stieß ich dann auf ein Buch von Christoph Markschies von 2007: „Kaiserzeitliche und christliche Theologie und ihre Institutionen“. Dieser zitiert auf S. 147 Bradshaw: „Schriftlich fixierte Texte waren in den ersten drei Jahrhunderten so gut wie unbekannt; der Gottesdienst wurde folglich weithin improvisiert und war in seiner Entwicklung entsprechend flexibel.“ Bradshaw wiederum stützt sich auf ein Werk von Hanson 1961, das allerdings später sehr in Frage gestellt wurde.
Dann fährt Markschies fort:
„Bereits bei Justin heißt es, dass der Vorsteher des eucharistischen Gottesdienstes Gebete und Danksagungen (frei) formuliert, so gut er kann und die sogenannte Traditio Apostolica verbietet dem Bischof dankzusagen, als ob er auswendig gelernt habe, sondern „jeder soll beten wie er kann“. Natürlich darf man die an sich richtige Vorstellung, in der Liturgie sei improvisiert worden, auch nicht übertreiben, da immerhin schriftlich fixierte Texte aus vorkonstantinischer Zeit existieren, die sicher nicht „die römische“, „die antiochenische“ oder „die alexandrinische“Liturgie repräsentieren, wohl aber in diesen Gebieten von Gruppen, deren Grenzen und Einfluss wir nicht mehr exakt bestimmen können, verwendet und überliefert wurden …. Bereits Origenes sagt … (Mitte drittes Jahrhundert): „Beim Beten wollen wir bei den festgelegten Formeln bleiben“, meint aber damit „etwas Gewagtes zu sagen“.“
Eines können wir mit Sicherheit also sagen: nichts ist völlig sicher und keine Aussage wird gültig sein für alle Bereiche, in denen sich das Christentum verbreitet hatte.
Sicher ist, dass es zunächst an ausführlichen schriftlich fixierten liturgischen Texten mangelte, so dass in weiten Bereichen nichts anderes übrig blieb, als frei zu formulieren, und sicherlich war es wünschenswert, dass der Vorsteher des Gottesdienstes dann fähig war zu formulieren und zwar so, dass die Inhalte möglichst gut wiedergegeben wurden und nicht mühsam aus dem Gedächtnis rezitiert wirkten.
Sicher ist auch, dass – auch nach dem Zeugnis der Didache – von Anfang das Bemühen vorhanden war, eine verbindliche schriftliche Vorlage zu schaffen, so dass die Feier der Eucharistie weniger von den rhetorischen Qualitäten des Gottesdienstvorstehers abhängig war. Wohl weil schon damals begnadete Redner, die zugleich flammend begeisterte Christen waren, nicht an jeder Ecke zu finden waren.
Die Ausformulierung der Liturgie war ein Dienst, für den viele dankbar gewesen sein dürften und der Besitz dieser Texte wohl von hohem Wert.
Völlig an den Tatsachen vorbei aber geht es, wenn aufgrund jener historischen Gegebenheiten heutige Messzelebranten (in Überschätzung ihrer rhetorischen und literarischen Begabung und darüber hinaus liturgische Vorschriften brechend) sich in die Vorstellung hineinsteigern, sie würden den Gottesdienst in seiner ursprünglichsten Form feiern, wenn sie statt der in Druckform verfügbaren liturgischen Texte ihre eigenen Ergüsse von Zetteln ablesen (was übrigens gerade keine freie Formulierung ist sondern ein Ablesen, was selbst damals, wie oben angeführt, unerwünscht war.) Die eigene beqeme Selbstüberschätzung und Selbstherrlichkeit auch noch mit den Notständen, Notbehelfen und Notwendigkeiten früherer Zeiten rechtfertigen zu wollen, zeugt schon von einer gewissen Insolenz.
Dienstag, 31. Januar 2012
Latein ist optional - Choral und Stille nicht
Derzeit wird es mancherorts wieder rege diskutiert, was es denn bringen könne, wenn man in der Heiligen Messe wieder mehr Latein verwende anstatt der Landessprache.
Nun, wenn man die hl. Messe, wie sie in den meisten Pfarreien üblich ist, ganz oder teilweise jeweils 1:1 ins Latein übertragen würde, brächte das nicht sonderlich viel. Auf der Habenseite wäre vielleicht, dass es für die wichtigsten Gebete eine allen - mit der Zeit - bekannte und vertraute Sprache gäbe mit hohem Wiedererkennungswert auch im Ausland, auf der Defizitseite, dass viele durch die ihnen erst einmal nicht vertraute Sprache irritiert wären. So wie es auch jetzt gelegentlich ahnungslose Messteilnehmer sind, wenn sie unerwartet mit flotten englischen Gesängen konfrontiert werden, die der Vorbereitungskreis ausgesucht hat.
Wenn jedoch dafür plädiert wird, die lateinische Messe wieder allgemeiner zugänglich zu machen, geht es nicht um eine simple 1:1- Übertragung des derzeit Üblichen. Es geht auch nich um eine nostalgische Rückkehr zu der Zeit vor fünfzig Jahren. Sondern es geht um zwei Güter, die weitgehend verloren gegangen sind und die von denen, die sie noch kannten, immer noch vermisst werden: zum einen die "stille Messe", zum anderen die Choralmesse.
Die "stillen Messen" gab es zumeist an Werktagen. Der Priester las leise (wenn auch nicht völlig still) die Messtexte. Entgegen geläufiger Behauptungen war es nicht so, dass keiner wusste, was er da wann las. Die anwesenden Gläubigen konnten damals sehr gut mit dem zweisprachigen Text im Gesangbuch umgehen (eine Fähigkeit, die dem heutigen Menschen offenbar nicht zugetraut werden kann) und lasen mit oder nutzten die Zeit zu Gebet und Besinnung, was wohl auch nicht völlig zu verurteilen war. Zumindest war das bei denen so, die oft und gern (!!) kamen. Diese Art der Messe wird am häufigsten immer noch vermisst. Sie trug wohl sehr zur geistlichen Vertiefung bei den daran Teilnehmenden bei. - Da jedoch die Messtexte weitgehend leise gebetet wurden, ist diese Form noch nicht einmal wirklich so sehr mit der Verwendung des Lateins verbunden. Hier wäre jede Sprache durchaus denkbar.
Da wo das Latein fehlt, da es nie durch etwas auch nur annähernd ersetzt wurde, ist der Choral. Man kennt ihn fast nur noch aus den orthodoxen Gottesdiensten, in denen der Chor ständig singt. Nicht irgendwelche fröhlichen Lieder, sondern Texte, die genau zum Gedenk-, Fest- oder Feiertag gehören und passen.
Bei uns ist er derart verschwunden, dass ich mit Gregorianik lange Zeit nur das Stundengebet verband und ganz befremdet war, als vor etlichen Jahren Papst Benedikt XVI zitiert wurde, der sagte, die Gregorianik sei die wahre Kirchenmusik (kein echtes Zitat, nur ungefähre Erinnerung). Mittlerweile habe ich gregorianische Messen erlebt und angefangen zu begreifen, wie das gemeint sein konnte. Man muss sich hier auch in Erinnerung rufen, dass es beim II Vatikanischen Konzil bei der Diskussion über Landessprachen in der hl. Messe als schwer vorstellbar empfunden wurde, dass der lateinische Choral wirklich angemessen in andere Sprachen übersetzt werden könne bzw. dass man sich darüber klar war, dass dies sehr sorgfältige, langwierige und einfühlsame Übersetzungsarbeit erfodert hätte. - Wohl kaum jemand erahnte, dass eine Kommission dieses Problem einfach durch Eliminerung des Choralgesangs lösen würde. Selbst die gängigsten Teile (Credo, Sanctus, Agnus Dei) wurden durch "gefällige" Lieder ersetzt, die wohl den "Geist" des Originaltextes wiedergeben sollten.
Brauch ich Latein in der hl. Messe? Da ich aus meiner Pfarreimesse meist niedergeschlagen nach Hause ging und bei meinen seltenen Besuchen in einer alten Messe mit tiefem inneren Frieden, da ich bei ersterem Anlass ständig grässlich zerstreut und abgelenkt war und bei zweiterem konzentriert, habe ich in den letzten Wochen einen Feldversuch in der Pfarreimesse gemacht. Konzentration ist dort normalerweise sehr schwierig. Selbst völlig abgesehen von den recht wirren Äußerungen unseres Zelebranten an den dafür vorgesehenen Stellen (Statio, Predigt, Schlussansprache) sind bei uns die liturgischen Texte ja nach Gutdünken modifiziert und abgewandelt, werden teilweise falsch abgelesen und durch phantasievolle Konstruktionen wieder auf eine Bahn gebracht und auch wenn man geflissentlich übersieht, wie der geweihte Vorsteher während des Credos oder des Vaterunsers, die er aus Prinzip nicht mitbetet, die Anwesenden zählt oder zu was immer seine optischen Annäherungsversuche an die Gemeinde dienen - war es schwierig mit der Andacht.
Ich habe also nur konsequent das Kyrie still gebetet, wenn es ausfiel, weil im Eröffnungslied ein Kyrie vorkam, den Psalm gebetet, wie er im Schott steht, Gloria und Credo in Originalfassung still gebetet, während fröhlich eine Kurzfassung gesungen wurde und siehe da: die Konzentrationsfähigkeit verbesserte sich durch Ausblenden auch dieser Ablenkungen erheblich. Trotz alles anderen habe ich jetzt nach so einer Messe auch tatsächlich das Gefühl, an einer hl. Messe teilgenommen zu haben. - Was auch vorher andernorts und unter Umständen durchaus schon der Fall war.
Nun mag ich Latein natürlich. Aber das Hauptübel scheint gar nicht in seinem Wegfall zu bestehen sondern in dem ständigen unnötigen Geschwätz, unnötigen Aktivitäten, Mangel an Möglichkeit zur Besinnung und Wegfall des mittragenden Chorals, an den gestützt eine wahrhaft aktive Teilnahme an der Messe wesentlich erleichtert wird.
Si
Nun, wenn man die hl. Messe, wie sie in den meisten Pfarreien üblich ist, ganz oder teilweise jeweils 1:1 ins Latein übertragen würde, brächte das nicht sonderlich viel. Auf der Habenseite wäre vielleicht, dass es für die wichtigsten Gebete eine allen - mit der Zeit - bekannte und vertraute Sprache gäbe mit hohem Wiedererkennungswert auch im Ausland, auf der Defizitseite, dass viele durch die ihnen erst einmal nicht vertraute Sprache irritiert wären. So wie es auch jetzt gelegentlich ahnungslose Messteilnehmer sind, wenn sie unerwartet mit flotten englischen Gesängen konfrontiert werden, die der Vorbereitungskreis ausgesucht hat.
Wenn jedoch dafür plädiert wird, die lateinische Messe wieder allgemeiner zugänglich zu machen, geht es nicht um eine simple 1:1- Übertragung des derzeit Üblichen. Es geht auch nich um eine nostalgische Rückkehr zu der Zeit vor fünfzig Jahren. Sondern es geht um zwei Güter, die weitgehend verloren gegangen sind und die von denen, die sie noch kannten, immer noch vermisst werden: zum einen die "stille Messe", zum anderen die Choralmesse.
Die "stillen Messen" gab es zumeist an Werktagen. Der Priester las leise (wenn auch nicht völlig still) die Messtexte. Entgegen geläufiger Behauptungen war es nicht so, dass keiner wusste, was er da wann las. Die anwesenden Gläubigen konnten damals sehr gut mit dem zweisprachigen Text im Gesangbuch umgehen (eine Fähigkeit, die dem heutigen Menschen offenbar nicht zugetraut werden kann) und lasen mit oder nutzten die Zeit zu Gebet und Besinnung, was wohl auch nicht völlig zu verurteilen war. Zumindest war das bei denen so, die oft und gern (!!) kamen. Diese Art der Messe wird am häufigsten immer noch vermisst. Sie trug wohl sehr zur geistlichen Vertiefung bei den daran Teilnehmenden bei. - Da jedoch die Messtexte weitgehend leise gebetet wurden, ist diese Form noch nicht einmal wirklich so sehr mit der Verwendung des Lateins verbunden. Hier wäre jede Sprache durchaus denkbar.
Da wo das Latein fehlt, da es nie durch etwas auch nur annähernd ersetzt wurde, ist der Choral. Man kennt ihn fast nur noch aus den orthodoxen Gottesdiensten, in denen der Chor ständig singt. Nicht irgendwelche fröhlichen Lieder, sondern Texte, die genau zum Gedenk-, Fest- oder Feiertag gehören und passen.
Bei uns ist er derart verschwunden, dass ich mit Gregorianik lange Zeit nur das Stundengebet verband und ganz befremdet war, als vor etlichen Jahren Papst Benedikt XVI zitiert wurde, der sagte, die Gregorianik sei die wahre Kirchenmusik (kein echtes Zitat, nur ungefähre Erinnerung). Mittlerweile habe ich gregorianische Messen erlebt und angefangen zu begreifen, wie das gemeint sein konnte. Man muss sich hier auch in Erinnerung rufen, dass es beim II Vatikanischen Konzil bei der Diskussion über Landessprachen in der hl. Messe als schwer vorstellbar empfunden wurde, dass der lateinische Choral wirklich angemessen in andere Sprachen übersetzt werden könne bzw. dass man sich darüber klar war, dass dies sehr sorgfältige, langwierige und einfühlsame Übersetzungsarbeit erfodert hätte. - Wohl kaum jemand erahnte, dass eine Kommission dieses Problem einfach durch Eliminerung des Choralgesangs lösen würde. Selbst die gängigsten Teile (Credo, Sanctus, Agnus Dei) wurden durch "gefällige" Lieder ersetzt, die wohl den "Geist" des Originaltextes wiedergeben sollten.
Brauch ich Latein in der hl. Messe? Da ich aus meiner Pfarreimesse meist niedergeschlagen nach Hause ging und bei meinen seltenen Besuchen in einer alten Messe mit tiefem inneren Frieden, da ich bei ersterem Anlass ständig grässlich zerstreut und abgelenkt war und bei zweiterem konzentriert, habe ich in den letzten Wochen einen Feldversuch in der Pfarreimesse gemacht. Konzentration ist dort normalerweise sehr schwierig. Selbst völlig abgesehen von den recht wirren Äußerungen unseres Zelebranten an den dafür vorgesehenen Stellen (Statio, Predigt, Schlussansprache) sind bei uns die liturgischen Texte ja nach Gutdünken modifiziert und abgewandelt, werden teilweise falsch abgelesen und durch phantasievolle Konstruktionen wieder auf eine Bahn gebracht und auch wenn man geflissentlich übersieht, wie der geweihte Vorsteher während des Credos oder des Vaterunsers, die er aus Prinzip nicht mitbetet, die Anwesenden zählt oder zu was immer seine optischen Annäherungsversuche an die Gemeinde dienen - war es schwierig mit der Andacht.
Ich habe also nur konsequent das Kyrie still gebetet, wenn es ausfiel, weil im Eröffnungslied ein Kyrie vorkam, den Psalm gebetet, wie er im Schott steht, Gloria und Credo in Originalfassung still gebetet, während fröhlich eine Kurzfassung gesungen wurde und siehe da: die Konzentrationsfähigkeit verbesserte sich durch Ausblenden auch dieser Ablenkungen erheblich. Trotz alles anderen habe ich jetzt nach so einer Messe auch tatsächlich das Gefühl, an einer hl. Messe teilgenommen zu haben. - Was auch vorher andernorts und unter Umständen durchaus schon der Fall war.
Nun mag ich Latein natürlich. Aber das Hauptübel scheint gar nicht in seinem Wegfall zu bestehen sondern in dem ständigen unnötigen Geschwätz, unnötigen Aktivitäten, Mangel an Möglichkeit zur Besinnung und Wegfall des mittragenden Chorals, an den gestützt eine wahrhaft aktive Teilnahme an der Messe wesentlich erleichtert wird.
Si
Dienstag, 25. Oktober 2011
Der Mensch, den es nie gab
Zumindest scheint sich der Verdacht, immer mehr zu erhärten, dass dem so ist.
Vor einiger Zeit hatte ich in einem Post schon einmal gefragt, wer oder was denn der "moderne Mensch" sei, da ich in diesem Terminus eindeutig nicht inbegriffen war, andererseits dieser Begriff nahezulegen scheint, es handele sich um hier und heute lebende Menschen.
Dem ist vermutlich nicht so. Denn wir leben ja auch gar nicht mehr in der Zeitära, die die "Moderne" genannt wurde. Soweit ich weiß sogar nicht eimal mehr in der "Postmoderne", denn dieser Begriff wurde schon vor 10 Jahren für vergangene Zeiten verwendet. Ich bin kein Soziologe - oder wer auch immer diese Zeiteinteilungen vornimmt - und die meisten von uns sind es wohl auch nicht.
Wir sind aber gerade in den Verlautbarungen unserer Theologen der Fachrichtung "katholisch" (katholische Theologen möchte ich einige davon eher nicht nennen) recht gerne noch der "moderne Mensch" genannt, an den sich der Glaube (ein diskussionswürdiges Verständnis von Glaube tritt hier auch hervor) der Kirche in seiner gelebten Umsetzung anzupassen habe. Insbesondere seien auch noch die Texte des Vaticanums in Bezug auf den "modernen Menschen" umzusetzen.
Schon vor einigen Tagen fragte ich mich anhand der Äußerungen eines Liturgiereferenten, ob es den von einigen postulierten "modernen Menschen" je gegeben habe. Nepomuk griff das in einem Artikel auf und schrieb, manches sei wohl "nur mit der Gruppendynamik der Konzilsväter und dem vermeintlich positiv-fortschrittlichen Menschenbild der 50er und frühen 60er Jahre erklären".
Und immer noch fordern manche Liturgiker, die "Mitte müsse leer bleiben", weil dann Platz für Gott sei. Und die Menschen werden um die nun leere Mitte versammelt und sehen - Nichts und fragen sich, warum sie für Nichts kommen sollen, was sie mit noch mehr Leere sollen. Sie sind keine modernen Menschen, sie werden es höchstwahrscheinlich nie sein, aber sie werden ständig dazu ermahnt es zu werden und fühlen sich als die, die sie sind gering geschätzt. Auch eine der unterschwelligen Botschaften.
Es ist höchste Zeit, dem Mythos, vom "modernen Menschen" ein dauerhaftes Ende zu setzen.
Dienstag, 18. Oktober 2011
Wenn hehre Ideen an der Wirklichkeit scheitern
In den vergangenen Wochen durfte ich zuhören, wie ein Liturgiereferent eines Bistums den Unterschied zwischen der Liturgie vor und nach dem Vaticanum II erläuterte. Das Konzil habe "die Liturgie auf den Kopf gestellt", und zwar dahingehend, dass es sich zuvor um eine "Klerikerliturgie" gehandelt habe, nun aber sei es eine "Volksliturgie". Die alte Liturgie sei für das Volk gehalten worden, die neue werde mit dem Volk gehalten. Die Abgrenzung des Altarraums, habe dazu geführt, dass das Volk nur Zuschauer gewesen sei. Durch das Konzil sei Gott in die Mitte gestellt worden, darum sei ein Rundbau nun die eigentliche Kirchenform. In der alten Liturgie sei Jesus Christus der Liturge gewesen, in der neuen sei einfach dadurch gegenwärtig, dass 2 oder 3 in seinem Namen versammelt seien. Daher sollte eigentlich jeder der Anwesenden ein liturgisches Gewand zum Gottesdienst anlegen. Zeichen der Gegenwart Gottes seien erstens die versammelt Gemeinde, zweitens das Wort Gottes repräsentiert durch das Ambo, drittens die Sakramente, viertens die Feier der Messe und fünftens der Priester. Die durch das Konzil verlangten Änderungen seien erst zu etwa 40 % umgesetzt. Insbesondere fehle das diakonische Element im Gottesdienst noch zu stark. Denn die bisherige Liturgie orientiere sich zu sehr an den ersten drei Evangelien, während das Johannesevangelium die Fußwaschung explizit schildere, während die Einsetzungsworte nicht einmal erwähnt würden, diese würden also gerade in diesem zentralen Evangelium als vernachlässigbar gegenüber der Fußwaschung betrachtet.
Es ist doch immer sehr erhellend, solchen Ausführungen zuzuhören. Ohne sie versteht man gar nicht, was eigentlich geschehen ist.
Man sieht , dass durchaus einige hehre Ideen dahinterstehen. All das wurde sogar so mitreißend vorgetragen, dass viele der Anwesenden hellauf begeistert waren - ich habe es hier nur auf die Kernaussagen reduziert, da sieht es ein bisschen anders aus.
Aber vielleicht kennen das einige. Hehre Ideen und Theorien sind eines, die raue Wirklichkeit das andere. Wer jemals bei Firm- oder Kommunionkatechesen mitgearbeitet hat, kennt das vielleicht. Zwei Stunden lang wurde das Programm für eine Stunde mit den Kindern/Jugendlichen besprochen und durchgearbeitet, mit allen sinnvollen pädagogischen Aspekten ausgeplant - die Stunde kommt - und das ganze tolle Programm ist durch die Kinder in 5 Minuten abgehakt. Der Rest der Stunde wird dann mit Spielen, Malen oder belanglosem Plaudern irgendwie durchgestanden, weil so schnell aufzuhören mit dem anspruchsvollen Programm natürlich peinlich für den Gruppenleiter wäre. Woran ist es gescheitert? Gewöhnlich am mangelnden Vorwissen der Kinder. Ihnen wurden Dinge präsentiert, die auf sie zugeschnitten sein sollten, aber die ihnen völlig Fremdes präsentierten. Darum hatten sie nichts dazu zu sagen, noch weniger hatten sie Fragen dazu. Es berührte sie nicht.
Genauso ist es mit den liturgischen Ideen die zur Umkrempelung der bis dahin gültigen liturgischen Ordnung führten. Die wesentlichste Grundvoraussetzung war offenbar: Jeder der am Gottesdienst teilnimmt ist ein getaufter Christ, der sich klar seiner Identität in Christus bewusst ist und in der vollen ihm geschenkten Würde seiner Salbung mit den Brüdern und Schwestern den Gottesdienst zelebriert. Aufgrund der gelebten Christusähnlichkeit eines jeden Teilnehmenden sind dann die Teile, in denen einem Mitglied dieser Versammung, dem Priester, die repräsentative Durchführung einzelner Teile übertragen wird, nicht mehr besonders relevant, da die Christusnachfolge in jeder Handlung der Anwesenden ohnehin gewährleistet ist.
Utopia lässt grüßen.
Aber genau diese Utopie war die Voraussetzung für die liturgischen Steinbrucharbeiten, die durchgeführt wurden. Änderungen, die in Wirklichkeit fast hundertprozentig an der Lebenswirklichkeit der Gläubigen vorbeigingen.
Denn - jetzt kommt der Gipfel der Weltfremdheit - irgendwie gingen und gehen die Anhänger dieser Theorie gegen alle Tatsachen davon aus, dass diese vollkommene Christusähnlichkeit durch Taufe und Firmung bei den Gläubigen einfach (hokuspokus) vorhanden ist, denn zeitgleich zur Einführung dieser Liturgie der Vollkommenen glaubte man auf fast alle grundlegenden Elemente der Katechese, der Formung und Schulung des Glaubens und der Darstellung der grundlegenden Elemente der christlichen Lehre verzichten zu können.
Und all das in einer Zeit, als bereits bekannt war, dass eine Entfremdung vieler Gläubiger von ihrem Glauben schon deutlich fortgeschritten war.
Unser derzeitiger Zustand in den Gemeinden ist, dass viele der Anwesenden bestenfalls als Katechumenen durchgehen könnten. In vielen Fällen kommen sie in den Gottesdienst aus einer Sehnsucht nach Gott und Gemeinschaft. Andere kommen noch aus einem in Teue zu dem, was sie vor vielen Jahren einmal in ihrer damals noch vorhandenen Katechese gelernt haben. Aber weder können diese formulieren, warum sie bei vielen der Neuerungen ein ungutes und leeres Gefühl haben, noch finden die Suchenden das, was ihre Sehnsucht stillt. Denn vieles in der erneuerten Liturgie richtet sich an Christen, die ihren Glauben zutiefst verinnerlicht haben, ohne aber deren Bedürfnis nach der Anbetung ihres Herrn viel Raum zu verschaffen, weil viele der Formen dazu gedacht sind, nur ihre eigene Würde und Bedeutung als Christusträger zu betonen.
In einer Annäherung an die Realität wurden dann - eigentlich völlig inkongruent zu den ursprünglichen Ansprüchen der Liturgiereform - viele Elemente eingeführt, die berücksichtigen, dass die Gottesdienstbesucher eigentlich mit dem, an dem sie teilnehmen, völlig überfordert sind. (Das Volk kann keine drei Lesungen hören. Das Volk versteht ohnehin nicht viel, man darf es nicht mit Worten wie "Opfer" schockieren, da ist es besser vom "heiligen Brot" zu sprechen, von dem sie mitessen dürfen.) Und weil es ja unmöglich ist (außer die Teilnehmerzahlen fallen noch weiter), dass jeder ein Pöstchen ausüben darf, um wirklich aktiv teilzunehmen, dürfen die "engagierten" als Repräsentanten wichtige Aufgaben übernehmen. Wobei eigentlich nur sie die Ideale der Reform voll verwirklichen usw. ...
Man müsste den ganzen Irrsinn einmal gründlich analysieren, der sich hier aufgebaut hat.
Wie jener Liturgiereferent etwas später selbst sagte, hat die katholische Kirche durch die Reform, wie sie bisher ist, fast alle "einfachen Leute" verloren, die Bauern und Arbeiter, die durch die ältere Form angesprochen worden seien. Der durchschnittliche Gottesdienstbesucher sei eher mittelständisch bis intellektuell. Die meisten der Gruppen, die durch die Sinus- Milieu-Studie identifiziert worden seien, seien durch diese Gottesdienstform in keiner Weise erreichbar.
Die Lösung dafür sei, stärker zielgruppenorientierte Gottesdienste anzubieten. Halt, nicht einfach Gottesdienste, zielgruppenorientierte Eucharistiefeiern, die sich den Bedürfnissen der Milieus anpassten.
Zwar führt diese Sicht dazu, dass auch diejenigen, die als tradititionalistisch betrachtet werden, als eigenes Milieu akzeptiert werden und daher neuerdings mehr Toleranz erwarten dürfen.
Was dieser Denkansatz - und all das vorige - völlig aus den Augen verloren zu haben scheint, ist der Aspekt der himmlischen Liturgie, die den Standard für die irdische Liturgie setzt und die - da ewig - unveränderlich ist.
Hier wäre noch viel zu sagen, aber fürs erste sei mit dieser Darstellung des Standes der Liturgie in unserem Bistum genug getan.
Es ist doch immer sehr erhellend, solchen Ausführungen zuzuhören. Ohne sie versteht man gar nicht, was eigentlich geschehen ist.
Man sieht , dass durchaus einige hehre Ideen dahinterstehen. All das wurde sogar so mitreißend vorgetragen, dass viele der Anwesenden hellauf begeistert waren - ich habe es hier nur auf die Kernaussagen reduziert, da sieht es ein bisschen anders aus.
Aber vielleicht kennen das einige. Hehre Ideen und Theorien sind eines, die raue Wirklichkeit das andere. Wer jemals bei Firm- oder Kommunionkatechesen mitgearbeitet hat, kennt das vielleicht. Zwei Stunden lang wurde das Programm für eine Stunde mit den Kindern/Jugendlichen besprochen und durchgearbeitet, mit allen sinnvollen pädagogischen Aspekten ausgeplant - die Stunde kommt - und das ganze tolle Programm ist durch die Kinder in 5 Minuten abgehakt. Der Rest der Stunde wird dann mit Spielen, Malen oder belanglosem Plaudern irgendwie durchgestanden, weil so schnell aufzuhören mit dem anspruchsvollen Programm natürlich peinlich für den Gruppenleiter wäre. Woran ist es gescheitert? Gewöhnlich am mangelnden Vorwissen der Kinder. Ihnen wurden Dinge präsentiert, die auf sie zugeschnitten sein sollten, aber die ihnen völlig Fremdes präsentierten. Darum hatten sie nichts dazu zu sagen, noch weniger hatten sie Fragen dazu. Es berührte sie nicht.
Genauso ist es mit den liturgischen Ideen die zur Umkrempelung der bis dahin gültigen liturgischen Ordnung führten. Die wesentlichste Grundvoraussetzung war offenbar: Jeder der am Gottesdienst teilnimmt ist ein getaufter Christ, der sich klar seiner Identität in Christus bewusst ist und in der vollen ihm geschenkten Würde seiner Salbung mit den Brüdern und Schwestern den Gottesdienst zelebriert. Aufgrund der gelebten Christusähnlichkeit eines jeden Teilnehmenden sind dann die Teile, in denen einem Mitglied dieser Versammung, dem Priester, die repräsentative Durchführung einzelner Teile übertragen wird, nicht mehr besonders relevant, da die Christusnachfolge in jeder Handlung der Anwesenden ohnehin gewährleistet ist.
Utopia lässt grüßen.
Aber genau diese Utopie war die Voraussetzung für die liturgischen Steinbrucharbeiten, die durchgeführt wurden. Änderungen, die in Wirklichkeit fast hundertprozentig an der Lebenswirklichkeit der Gläubigen vorbeigingen.
Denn - jetzt kommt der Gipfel der Weltfremdheit - irgendwie gingen und gehen die Anhänger dieser Theorie gegen alle Tatsachen davon aus, dass diese vollkommene Christusähnlichkeit durch Taufe und Firmung bei den Gläubigen einfach (hokuspokus) vorhanden ist, denn zeitgleich zur Einführung dieser Liturgie der Vollkommenen glaubte man auf fast alle grundlegenden Elemente der Katechese, der Formung und Schulung des Glaubens und der Darstellung der grundlegenden Elemente der christlichen Lehre verzichten zu können.
Und all das in einer Zeit, als bereits bekannt war, dass eine Entfremdung vieler Gläubiger von ihrem Glauben schon deutlich fortgeschritten war.
Unser derzeitiger Zustand in den Gemeinden ist, dass viele der Anwesenden bestenfalls als Katechumenen durchgehen könnten. In vielen Fällen kommen sie in den Gottesdienst aus einer Sehnsucht nach Gott und Gemeinschaft. Andere kommen noch aus einem in Teue zu dem, was sie vor vielen Jahren einmal in ihrer damals noch vorhandenen Katechese gelernt haben. Aber weder können diese formulieren, warum sie bei vielen der Neuerungen ein ungutes und leeres Gefühl haben, noch finden die Suchenden das, was ihre Sehnsucht stillt. Denn vieles in der erneuerten Liturgie richtet sich an Christen, die ihren Glauben zutiefst verinnerlicht haben, ohne aber deren Bedürfnis nach der Anbetung ihres Herrn viel Raum zu verschaffen, weil viele der Formen dazu gedacht sind, nur ihre eigene Würde und Bedeutung als Christusträger zu betonen.
In einer Annäherung an die Realität wurden dann - eigentlich völlig inkongruent zu den ursprünglichen Ansprüchen der Liturgiereform - viele Elemente eingeführt, die berücksichtigen, dass die Gottesdienstbesucher eigentlich mit dem, an dem sie teilnehmen, völlig überfordert sind. (Das Volk kann keine drei Lesungen hören. Das Volk versteht ohnehin nicht viel, man darf es nicht mit Worten wie "Opfer" schockieren, da ist es besser vom "heiligen Brot" zu sprechen, von dem sie mitessen dürfen.) Und weil es ja unmöglich ist (außer die Teilnehmerzahlen fallen noch weiter), dass jeder ein Pöstchen ausüben darf, um wirklich aktiv teilzunehmen, dürfen die "engagierten" als Repräsentanten wichtige Aufgaben übernehmen. Wobei eigentlich nur sie die Ideale der Reform voll verwirklichen usw. ...
Man müsste den ganzen Irrsinn einmal gründlich analysieren, der sich hier aufgebaut hat.
Wie jener Liturgiereferent etwas später selbst sagte, hat die katholische Kirche durch die Reform, wie sie bisher ist, fast alle "einfachen Leute" verloren, die Bauern und Arbeiter, die durch die ältere Form angesprochen worden seien. Der durchschnittliche Gottesdienstbesucher sei eher mittelständisch bis intellektuell. Die meisten der Gruppen, die durch die Sinus- Milieu-Studie identifiziert worden seien, seien durch diese Gottesdienstform in keiner Weise erreichbar.
Die Lösung dafür sei, stärker zielgruppenorientierte Gottesdienste anzubieten. Halt, nicht einfach Gottesdienste, zielgruppenorientierte Eucharistiefeiern, die sich den Bedürfnissen der Milieus anpassten.
Zwar führt diese Sicht dazu, dass auch diejenigen, die als tradititionalistisch betrachtet werden, als eigenes Milieu akzeptiert werden und daher neuerdings mehr Toleranz erwarten dürfen.
Was dieser Denkansatz - und all das vorige - völlig aus den Augen verloren zu haben scheint, ist der Aspekt der himmlischen Liturgie, die den Standard für die irdische Liturgie setzt und die - da ewig - unveränderlich ist.
Hier wäre noch viel zu sagen, aber fürs erste sei mit dieser Darstellung des Standes der Liturgie in unserem Bistum genug getan.
Mittwoch, 24. August 2011
Kirchenchor
Davon gab es bei uns immer einen. Gewöhnlich trat und tritt er bei größeren Kirchenfesten oder Jubiläen seiner Miglieder mit Messn in Erscheinung und singt, wie man es eben von einem Dorfchor erwartet. Nicht übermäßig gut, nicht übermäßig schlecht, manchmal sogar ganz schön.
Einmal versuchte der Chor sich am Karfreitag an der Matthäuspassion. Da gewisse Solopassagen danach noch nach Wochen eine Vorlage für nicht ganz freundliche Anmerkungen derjenigen, die dabei anwesend gewesen waren, dienten, blieb es bei einem einmaligen solchen Einsatz. Zur Erleichterung der Mehrheit.
Außer dem Kirchenchor gab es auch noch zwei Gesangsvereine und ein Blasorchester. Das Blasorchester trat nur an vier Terminen im Jahr in der Kirche in Erscheinung. Wo es immer das gleiche Repertoire spielte.
Anfangs dachte ich, das Blasorchester sei so katholisch wie der Kirchenchor. Im Laufe der Zeit stellte sich heraus, dass eher der Kirchenchor so katholisch wie das Blasorchester war, soll heißen, die Sänger erschienen zu einem großen Teil nur in der Kirche, wenn es einen Sondereinsatz des Chores gab.
Irgendwann dachte ich darüber nach, was eigentlich den Kirchenchor vom Gesangsverein unterschied und kam nur auf den Schwerpunkt beim Repertoire. Die einen sangen selten Kirchenlieder, die andern sangen häufiger Kirchenlieder und übten für Kirchenfeste. In der Glaubenspraxis bzw. –nichtpraxis unterschieden sie sich kaum. Auch nicht in dem, was sie gerne sangen, wenn kein Hochfest anstand.
Ich singe gern, aber ich tue auch gern anderes, darum war der Kirchenchor für mich nicht interessant, denn sein Hauptzweck schien letztendlich das Vereinsleben zu sein.
Erst in den letzten Monaten ist es mir langsam gedämmert, durch meine gelegentlichen Besuche der alten Messe, dass der Kirchenchor einmal mehr als Dekoration für Feierlichkeiten und Runde für Geselligkeit war: der Choralgesang mit seinen Feinheiten brauchte Übung. Einmal war der Kirchenchor wichtig, um allen, auch den Nichtsängern, eine intensivere Teilnahme an der Messe zu ermöglich, um die alten Texte nach gregorianischer Melodik im Wechsel des Kirchenjahres allen verfügbar zu machen. Und der Gesang des Kirchenchors war aktivste Teilnahme an der himmlischen Liturgie als ein Chor in Gemeinschaft mit den Engelschören.
Und ich denke, ich würde versuchen, bei so einem Chor mitzusingen, um besser zu verstehen und zu beten und bei etwas mitzuwirken, das dem Gottesdienst so dient. Dafür würde ich zeitliche Freiräume suchen. Aber es gibt keinen solchen Chor in der Nähe. Es gibt nur die katholische Version des Gesangvereins, die sich am Singen per se erfreut und den anderen gelegentlich ihre Künste vorführt.
Dienstag, 14. Juni 2011
Pf ....ingsten ....arrfest
Wir befinden uns derzeit in der - liturgischerseits abgeschafften - Pfingstoktav.
Bei uns zuhause war dann auch Pf...ingsten fast abgeschafft, denn es war Pf....arrfest, das mit einem Familiengottesdienst mit Taufe und Erstkommunionempfang eines der Kinder begangen wurde.
Ich war in der Frühmesse davor.
In dem übliche Satzwirrwarr der Predigt, bei der es um die Lebensnotwendigkeit von Wasser ging, kam irgendwann die Passage, dass heute eigentlich das wichtige Lied mit der Herabrufung des Heiligen Geistes dran gewesen wäre (gemeint war die Pfingstsequenz), aber das sei nicht möglich gewesen.
Ich habe mich - wie immer - beherrscht und nicht laut "wieso?" gefragt. Da ich mit dem Schott bewaffnet war, habe ich die Pfingstsequenz während des sehr langen Halleluja-Vorspiels privat gebetet.
Da der Rest der Pfarrfesttagsgottesdienste wohl an den Familiengottesdienst angepasst war, gab es auch nur ein Credolied und das echte Gloria ... ist wie wir wissen sowieso kaum gemeindefähig.
Noch besser wird es nächste Woche: Dreifaltigkeitssonntag für die Eingeweihten. Der steht natürlich nicht in den Normalkalendern. Dieses Jahr ist es auch der letzte Sonntag vor den Schulferien. Dem ist es wohl zu verdanken, dass die Gemeinde an diesem Tag am Sonntagvormittag eingeladen ist, sich an der Kindermesse des KiWoGoDi-Kreises zu erfreuen. - Bin Gott sei Dank! sowieso woanders.
Bei uns zuhause war dann auch Pf...ingsten fast abgeschafft, denn es war Pf....arrfest, das mit einem Familiengottesdienst mit Taufe und Erstkommunionempfang eines der Kinder begangen wurde.
Ich war in der Frühmesse davor.
In dem übliche Satzwirrwarr der Predigt, bei der es um die Lebensnotwendigkeit von Wasser ging, kam irgendwann die Passage, dass heute eigentlich das wichtige Lied mit der Herabrufung des Heiligen Geistes dran gewesen wäre (gemeint war die Pfingstsequenz), aber das sei nicht möglich gewesen.
Ich habe mich - wie immer - beherrscht und nicht laut "wieso?" gefragt. Da ich mit dem Schott bewaffnet war, habe ich die Pfingstsequenz während des sehr langen Halleluja-Vorspiels privat gebetet.
Da der Rest der Pfarrfesttagsgottesdienste wohl an den Familiengottesdienst angepasst war, gab es auch nur ein Credolied und das echte Gloria ... ist wie wir wissen sowieso kaum gemeindefähig.
Noch besser wird es nächste Woche: Dreifaltigkeitssonntag für die Eingeweihten. Der steht natürlich nicht in den Normalkalendern. Dieses Jahr ist es auch der letzte Sonntag vor den Schulferien. Dem ist es wohl zu verdanken, dass die Gemeinde an diesem Tag am Sonntagvormittag eingeladen ist, sich an der Kindermesse des KiWoGoDi-Kreises zu erfreuen. - Bin Gott sei Dank! sowieso woanders.
Dienstag, 31. Mai 2011
Die Gabenbereitung der Messe – das Stiefkind der liturgischen Elemente
Aufgrund des im kurzen Post vom vergangenen Sonntag erwähnten Vorfalls, der Gabenprozession für Kardinal Lehmann parallel zur Gabenprozession in der Eucharistiefeier auf den Domplätzen in Mainz im Rahmen des Bistumsfestes, das – mit seinen 5000 Teilnehmern am Gottesdienst ein zentrales einheitsstiftendes Element für das ganze Bistum Mainz war und natürlich nur rein koinzidentiell mit dem 75. Geburtstag des Kardinals zusammenfiel, der nach eigener Aussage nicht so viel von solchen Massenveranstaltungen hält, aber wenn sie denn – ganz gegen seine Wünsche – stattfinden , diese entgegenkommend dadurch unterstützt, dass alle Pfarreien im Stadtgebiet aufgefordert sind, keine zeitgleichen Messfeiern stattfinden zu lassen. Ein wahrer Volksbischof eben, der seine tief verborgene Sehnsucht nach Zurückgezogenheit regelmäßig den Wünschen seiner Herde nach mehrseitigen Berichterstattungen über den Bischof und zahlreichen Medienauftritten und Teilnahmen an Festen aller Art unterordnet.
Nun als theologisch nur autodidaktisch gebildeter Laie, habe ich, bevor ich unqualifizierte, nur dem persönlichen Empfinden entspringende Äußerungen zur Bedeutung der Gabenbereitung in der Heiligen Messe mache, die von der deutschen Bischofskonferenz approbierte „Grundordnung des Römischen Messbuchs/Missale Romanum. Editio Typica Tertia 2002“ zu diesem Thema konsultiert, um die tiefere Bedeutung einer Gratulationsprozession für Geburtstagskinder in dem Teil der Heiligen Messe, die mit „C) Die Eucharistische Liturgie“ überschrieben ist, zu ergründen.
Was ich dort gefunden habe, war aber nur das Folgende:
Den Worten und Handlungen Christi entsprechend werde in der Feier der Eucharistischen Liturgie bei der Gabenbereitung „Brot und Wein mit Wasser zum Altar getragen, jene Elemente also, die Christus in seine Hände genommen hat … Auch Geld oder andere Gaben, die von den Gläubigen für die Armen oder für die Kirche gespendet beziehungsweise in der Kirche eingesammelt werden, sind willkommen. Deshalb werden sie an einem geeigneten Ort niedergelegt, nicht jedoch auf dem Tisch der Eucharistie.“
An einem andern Ort niedergelegt wurden die Gaben ja. Nur dass sie nicht für die Armen gedacht waren und auch nicht für die Kirche im Allgemeinen, die ja ihre Güter prinzipiell einsetzt, um ihren Dienst der Verkündigung und der Caritas auszuüben, sondern es handelte es um persönliche Geschenke.
Wie gesagt, ich bin kein Theologe und schon gar kein Liturgiker, aber wenn ich versuche mich in die Situation des so Geehrten versetze, kann ich nicht ganz nachvollziehen, warum ausgerechnet der Hirt und Vater der Gläubigen des Mainzer Bistums einen offiziellen Akt geduldet hat, der sehr nach Verehrung seiner Person aussieht, im Mittelpunkt der „Hochform der Anbetung Gottes“, der Heiligen Messe, zu Beginn der Eucharistischen Liturgie, in der alle aufgefordert sind, sich jetzt ganz auf das Handeln Christi zu konzentrieren und auf das, was während des Letzten Abendmahls geschehen ist. Irgendwie komme ich zu dem Schluss, dass ich in ähnlicher Position darum gebeten hätte, doch bitte die Aufmerksamkeit ganz auf den Herrn zu richten, zu dessen Anbetung ich da bin und nicht auf Seinen Diener.
Aber die Gabenbereitung ist ja schon lange das Stiefkind der Liturgie. Der Zeitpunkt, zu dem jedes beliebige Lied gesungen werden kann, um die Gemeinde zu unterhalten, während der Priester mit den lästigen Vorbereitungen für das, was danach kommt, beschäftigt ist. Was genau er da tut, bekommt man sowieso nicht mit, man muss ja mitsingen. Eigentlich unverständlich, dass der Küster das nicht schon vor der Feier der Gemeinde gerichtet hat, damit man nicht diese komische Leerlaufphase hat, oder?
In Mainz scheint man jedenfalls dieser Meinung zu sein.
Sonntag, 13. Februar 2011
Das Wort Gottes aktuell: Die Tageslesungen passen mal wieder auf die Ereignisse
Zwei Stellen stachen für mich besonders hervor:
"Gott gab den Menschen seine Gebote und Vorschriften.
Wenn du willst, kannst du das Gebot halten;
Gottes Willen zu tun ist Treue.
Feuer und Wasser sind vor dich hingestellt;
streck deine Hände aus nach dem, was dir gefällt.
Der Mensch hat Leben und Tod vor sich;
was er begehrt wird ihm zuteil." (Jesus Sirach 15, 15-17)
Da liegt uns ein Memorandum vor, das neue Forderungen den offenbarten Geboten vorziehen will. Und der Mensch darf wählen, was er begehrt, Treue zu der Offenbarung oder eben nicht Und "was er begehrt, wird ihm zuteil."
Und dann die Bergpredigt:
"Bis Himmel und Erde vergehen, wird auch nicht der kleinste Buchstabe des Gesetzes vergehen, bevor nicht alles geschehen ist.
Wer auch nur eines von den kleinsten Geboten aufhebt und die Menschen entsprechend lehrt, der wird im Himmelreich der Kleinste sein ... Wenn eure Gerechtigkeit nicht weit größer ist als die der Schriftgelehrten ... werdet ihr nicht in das Himelreich kommen."
Das Memorandum stellt nicht etwa kleinste Gebot in Frage sondern ganze Grundbegriffe des Glaubens. Immer diese Schriftgelehrten (heute wie damals nicht in ihrer Gesamtheit sondern in einzelnen Repräsentanten) - denn von wem geht das Memorandum aus? Von Theologen, diejenigen, deren Lebensaufgabe es ist, die wahre Bedeutung der Schrift auszulegen. Mit voller Lehrautorität fordern sie die Missachtung genau etlicher Dinge, die Jesus selbst in der Bergpredigt gesagt hat. Dass ihnen nicht die Ohren klingeln, wenn sie das lesen! Oder lesen und hören sie es nicht? Weil sie schon lange über die "toten Riten" der Liturgie hinaus sind und ihre Texte, falls sie überhaupt in einer Messe sind, selbst ausgesucht und redigiert haben.
Denn die obigen Texte sind Teil des immer gleichen im 3-Jahres-Rhythmus festgelegten Leseplanes für die ganze katholische Kirche und nicht etwa bewusst für diesen Sonntag hier in Deutschland ausgesucht.
Wer Ohren hat, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt.
"Gott gab den Menschen seine Gebote und Vorschriften.
Wenn du willst, kannst du das Gebot halten;
Gottes Willen zu tun ist Treue.
Feuer und Wasser sind vor dich hingestellt;
streck deine Hände aus nach dem, was dir gefällt.
Der Mensch hat Leben und Tod vor sich;
was er begehrt wird ihm zuteil." (Jesus Sirach 15, 15-17)
Da liegt uns ein Memorandum vor, das neue Forderungen den offenbarten Geboten vorziehen will. Und der Mensch darf wählen, was er begehrt, Treue zu der Offenbarung oder eben nicht Und "was er begehrt, wird ihm zuteil."
Und dann die Bergpredigt:
"Bis Himmel und Erde vergehen, wird auch nicht der kleinste Buchstabe des Gesetzes vergehen, bevor nicht alles geschehen ist.
Wer auch nur eines von den kleinsten Geboten aufhebt und die Menschen entsprechend lehrt, der wird im Himmelreich der Kleinste sein ... Wenn eure Gerechtigkeit nicht weit größer ist als die der Schriftgelehrten ... werdet ihr nicht in das Himelreich kommen."
Das Memorandum stellt nicht etwa kleinste Gebot in Frage sondern ganze Grundbegriffe des Glaubens. Immer diese Schriftgelehrten (heute wie damals nicht in ihrer Gesamtheit sondern in einzelnen Repräsentanten) - denn von wem geht das Memorandum aus? Von Theologen, diejenigen, deren Lebensaufgabe es ist, die wahre Bedeutung der Schrift auszulegen. Mit voller Lehrautorität fordern sie die Missachtung genau etlicher Dinge, die Jesus selbst in der Bergpredigt gesagt hat. Dass ihnen nicht die Ohren klingeln, wenn sie das lesen! Oder lesen und hören sie es nicht? Weil sie schon lange über die "toten Riten" der Liturgie hinaus sind und ihre Texte, falls sie überhaupt in einer Messe sind, selbst ausgesucht und redigiert haben.
Denn die obigen Texte sind Teil des immer gleichen im 3-Jahres-Rhythmus festgelegten Leseplanes für die ganze katholische Kirche und nicht etwa bewusst für diesen Sonntag hier in Deutschland ausgesucht.
Wer Ohren hat, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt.
Dienstag, 21. Dezember 2010
Eine liturgische Frage und viele Fragen zu Schweizer Lokalmerkwürdigkeiten
mal wieder mit Korrektur, da gestern abend zu eilig geschrieben:
Vaticanus hat einen Post geschrieben, in dem die Frage nach dem Platz des Diakons in der heutigen alten Messe gestellt wird. Ich kenne mich in solchen liturgischen Fragen nicht aus. Es hat jedoch den Anschein, der Diakon könne darin nur sinnvoll seinen liturgischen Platz einnehmen, wenn es einen Subdiakon gibt. Subdiakone gibt es aber schon lange nicht mehr.
Die Frage scheint erst einmal nicht relevant zu sein, da sie nur wenige betrifft. Ich denke sie ist aber durchaus beachtenswert. Nicht nur, weil einige Ständige Diakone, die die alte Messe ablehnen, dies auch darum tun, weil sie ihr Diakonsein auch durch anderes mit dieser Messe Zusammenhängende bedroht sehen. Sondern auch, weil das eine Frage ist, die alles andere als rückwärtsgerichtet ist. Wie sie zu lösen ist (Anpassung der Liturgie?, Wiedereinführung des Subdiakonats?, …), ist kein Thema für hier.
Ich bin dem Link bei Vaticanus zum Artikel einer Schweizer Zeitung über Bischof Huonder gefolgt. Da werden Schweizer Ängste verbalisiert, die wie immer, wenn es mit der alten Messe zu tun hat, erstaunlich überbordend sind.
Der Bischof will Priester ausbilden, die die „lateinische Messe“ lesen.
Mal abgesehen davon (und das weiß anscheinend nicht nur dieser Journalist nicht), dass es gar nicht um Latein oder nicht, was nach wie vor Originalsprache für jede Messe jeder Art ist, geht, sondern um eine liturgische Form. Es wird sofort etwas Beunruhigendes befürchtet: „die Heranbildung eines Parallelklerus“. Was das genau heißen soll, wird nicht erklärt. Ob es dann einen Pfarrer für lateinische und einen für nicht-lateinische Messen gäbe oder so etwas, fragt man sich verwundert.
Dann erinnert Journalist Meier, schon Bischof Haas habe ein Priesterseminar ohne Laientheologen vorgeschwebt.
??????? – Also ein Seminar nur für geweihte Priester? Oder durfte man erst nach der Diakonatsweihe eintreten? Oder war das vorher gar kein Priesterseminar mehr sondern ein Ausbildungszentrum mit Wohngemeinschaft für Gemeindereferenten, Pastoralreferenten und Priesteramtskandidaten? – Ich habe keine Ahnung. Und obwohl Herrn Meier diese Assoziation zu „Parallelklerus“ einfällt, finde ich da erst recht keinen Zusammenhang.
Dann kommt die übliche Falschbehauptung, die „außerordentliche Form“ sei bis vor kurzem verboten gewesen. Das ist irgendwie wie mit dem hoch eisenhaltigen Spinat: jeder hat es abgeschrieben, erst nach Jahrzehnten flog der Druckfehler auf.
Dann die recht intolerante Ausgrenzung die durch Domherr Stampfli vorgeschlagen wird: wer die alte Messe will, solle in eine eigene Personalprälatur (so wie die übertrittswilligen Anglikaner, nur dass es bei jenen Eingliederungshilfe sein soll, bei den seitens Herrn Stampfli unerwünschten Katholiken eher Ausgliederungshilfe), das könne dann der Bischof übernehmen, dann bekäme man einen neuen.
Immerhin bringt Herr Meier dann eine klare Darstellung dessen, was der Bischof sagt. Er wolle sich nicht von der Petrusbruderschaft abhängig machen, sondern diözesane Priester haben, die die alte Messe feiern könnten. Und er selbst habe in diesem Jahr in seinem Bistum 120x die Messe in der ordentlichen und nur 5x in der außerordentlichen Form zelebriert.
Jedoch, gibt Herr Maier zu bedenken, habe Bischof Huonder gewagt, bei der Liturgietagung in Herzogenrath bei Aachen ein lateinisches Hochamt zu feiern, und diese Tagung sei von „den Traditionalisten“ abgehalten worden. Nun weiß ich nicht, was Journalist Meier als Traditionalisten bezeichnet, und ich bin in diesem Feld nicht völlig firm. Aber soweit ich weiß, bezeichnet man die Piusbrüder als Traditionalisten. Bei der Tagung bei Aachen handelte es sich aber nicht um diese sondern um in völliger Einheit mit Rom stehende Katholiken, die damit juristisch den gleichen Status wie alle anderen haben sollten. Von daher war jenes Hochamt dann wohl doch nicht so gewagt, wie Herr Meier meint.
Einen Absatz kann ich gar nicht dechiffrieren, da fehlen mir Lokalkenntnisse:
„Huonder lässt die ausserordentliche Liturgie auch in anderen Schweizer Bistümern zelebrieren, etwa durch Martin Ramm in Flums, das zum Bistum St. Gallen gehört. Sorge bereitet dem pensionierten Pfarrer Albert Lienert, dass der für Flums zuständige Pfarrer Emil Hobi die lateinische Liturgie von Ramm feiern liess, ohne die anderen Priester darüber informiert zu haben. Seither lehnt Lienert es ab, weiterhin seine priesterlichen Dienste anzubieten. Wie viele andere Priester seiner Generation finde er es verhängnisvoll, wenn «die Kirche das Heil in der Vergangenheit sucht und die Bedürfnisse der heutigen Menschen übergeht».“
Ist an der Person des Martin Ramm irgendetwas besonders Anstößiges? Ich weiß nicht, wer das ist. Welche Priester (außer dem Pfarrer, der einverstanden war) hätten informiert werden müssen, wenn er eine Messe in Latein feiert und warum? Und wieso will Pfarrer Lienert seitdem nicht mehr als Priester wirken?
Ich bin nun doch etwas verwirrt. Aber vielleicht betrifft die Verwirrung auch jenen Pfarrer Lienert, denn wenn ich den von ihm geäußerten Satz betrachte, geht der an den Tatsachen vorbei. Er moniert die Bedürfnisse der heutigen Menschen würden übergangen. Dabei wurde gerade diesen Bedürfnissen doch hier nachgekommen? Oder waren das keine heutigen Menschen? Aber was sind dann heutige Menschen? Gibt es da eine Spezialdefinition? Und wieso sucht die Kirche das Heil in der Vergangenheit, wenn sie irgendwelchen Menschen, die keine heutigen sind, sondern nur heute leben und das Bedürfnis nach einer Messe in Latein haben, eine solche Messe halten lässt? Sie hat sich doch dann um eine aktuelle Frage gekümmert, oder?
Auch die Kommentare werfen für den unbedarften Leser Fragen auf. So scheinen einige der Kommentierenden der Meinung zu sein, eine Messe in Latein zu lesen, sei ein Ausdruck von Machtstreben und wolle Menschen durch Angst beeinflussen. Außerdem werde die Kirche dadurch zum „verschrobenen Männerbund“ und komme der „Unterwerfungssehnsucht mancher Leute“ nach.
Sicher gibt es irgendwo Texte, die solche doch etwas weit hergeholt scheinenden Zusammenhänge näher erläutern können.
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