Oremus pro Pontifice nostro Franzisco.

Dominus conservet eum et vivificet eum

et beatum faciat eum in terra et

non tradat eum in animam inimicorum eius.

Donnerstag, 13. Dezember 2012

1200 statt 59 Millionen Tote durch die Spanische Inquisition?

Es ist Was-hat-voltaire-wirklich-zur Meinungsfreiheit gesagt?.
Dieses Thema scheint die Gemüter so zu bewegen, dass fast jeden Tag mindestens eine Person auf der Suche danach bei meinem Beitrag landet. Selbst wenn ich wochenlang nichts Neues schreibe.

Nun Voltaire schrieb einmal: "„ Das Recht zu sagen und zu drucken, was wir denken, ist eines jeden freien Menschen Recht, welches man ihm nicht nehmen könnte, ohne die widerwärtigste Tyrannei auszuüben.

Womit Voltaire also unserer gegenwärtigen Lage bescheinigt, dass hier gerade die widerwärtigste Tyrannei ausgeübt wird, weil neuerdings Leute, die ruhig und höflich ihre Meinung zum Ausdruck bringen, zum Beispiel, dass es nötig ist, Kinder auch vor ihrer Geburt vor Tötung zu schützen oder dass nach Auffassung der katholischen Kirche jedwede ausgeübte Sexualität, die nicht innerhalb einer Ehe zwischen Mann und Frau stattfindet, eine schwere Sünde ist, für diese Meinungsäußerung sogar mit dem Tod bedroht werden - oft sogar von Leuten, die sich als im Tradition der Aufklärung stehend bezeichnen. Wie man jetzt nach einer Talkshow sehen kann, bei der gleich zwei Teilnehmer für Meinungsäußerung so etwas geerntet haben. Wie ernst die jeweiligen Schreiber es meinten, kann man nicht wissen. Dass doch leider Aufforderungen immer wieder von wirren Gemütern aufgegriffen werden, ist doch bekannt.

Da aber (ver)wirr(t)e Gemüter auch auf einem anderen Blog etwas von den unzähligen Opfern der Inquisition  anführten (um damit solche Morddrohungen zu rechtfertigen - anscheinend hat sie der Gedanke an Blutrausch so erregt, dass sie mehr davon wollen, obwohl sie gleichzeitig behaupten genau dieses vergossene Blut zu beklagen), sei hier nun ein anderes Büchlein zitiert, nämlich das von Ulrich Filler mit dem schönen Titel "Deine Kirche ist ja wohl das letzte".

Filler zitiert zum Thema Inquisition als Beleg H.C. Zander, Kurzgefasste Verteidigung der Heiligen Inquisition (2007). Und zwar fasst Filler zusammen: "Die kirchenfeindliche Propaganda spricht von 95 Millionen Opfern der Inquisition. Seit 2004 sind die Vatikanischen Archive zur Inquisition für den Historiker ohne Einschränkung zugänglich, und es treten andere Zahlen ans Licht: Im 17. Jahrhundert gab es 44.647 Inquisitionsverfahren, von denen 1,8 Prozent mit dem Todesurteil endeten. In 1,7 Prozent der Fälle lautete das Urteil auf Verbrennen "in effigie" (als Strohpuppe, weil dem Verurteilten die Flucht gelungen war). In einem Drittel der Fälle endete das Verfahren mit Freispruch. Heute geht man davon aus, dass die Spanische Inquisition in ihrer ganzen Geschichte 1200 bis 2000 Hinrichtungen zu verantworten hat. Ein Prozess wurde nur angestrengt, wenn eindeutige Beweise vorlagen: In der Regel wurde nur aus einer von zehn Anzeigen auch ein Prozess, jedes dritte Verfahren wieder ausgesetzt."

Auch wenn unter diesen maximal 2000 Hinrichtungen Fehlurteile waren - das kommt leider bei jedem Gericht vor, das Todesstrafen ausspricht und ebendies ist ja auch der Hauptgrund (die Verurteilung Unschuldiger), dass die katholische Kirche sich nun schon seit einiger Zeit gegen die gerichtliche Todesstrafe überhaupt wendet.

Da die Unterlagen einsehbar sind, sollte man eigentlich hoffen, dass die im Umlauf befindlichen falschen Zahlenangaben allmählich korrigiert würden. Aber das scheint vielen zu langweilig zu sein.

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