Oremus pro Pontifice nostro Franzisco.

Dominus conservet eum et vivificet eum

et beatum faciat eum in terra et

non tradat eum in animam inimicorum eius.

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Mittwoch, 10. Februar 2016

Die Sache mit dem Nervengas - Berichtaus Wurstelheim

Es begab sich, dass in der Wurstelheimer Kirche die aus Holz bestehenden Einrichtungsteile vom Holzwurm befallen wurden. Uneingeweihten fiel es nicht so auf, aber Experten hatten es festgestellt. Betroffen waren unter anderem die Bodendielen des Podestes auf dem die Kirchenbänke standen.

Nun gibt es ein probates Mittel zur Holzwurmbekämpfung: das Muskel- und Nervengas Permethrin, das zur Gruppe der Pyrethroide gehört. Dieses gilt weithin als unbedenklich, da es zwar auch bei Nicht-Holzwürmern Nerven- und Muskellähmungen hervorrufen kann, jedoch mit einem Zusatzstoff versetzt wird, der nur den Metabolismus von Kerbtieren daran hindert, das Gift wieder abzubauen, jedoch nicht den von Säugetieren aller Art, d.h. auch Menschen atmen es ein und können bei höherer Dosierung von den Wirkungen betroffen werden aber sie scheiden es nach einer Weile wieder aus, wie schnell ist u.a. abhängig von der individuellen Leistung von Bauchspeicheldrüse, Leber und Niere, so dass es bei höherer Konzentration und wiederholter längerer Exposition  auch im Körper angereichert wird und als Kontaktgift, das es ist, zu diversen Beschwerden führen kann, je nachdem wo die Muskulatur gelähmt wird (Lunge beim Einatmen, Muskulatur allgemein, Lymphwege beim Abtransport zur Leber, Leber bei der Verarbeitung und Nieren- und Blasenmuskulatur beim Ausscheiden).

Die Wurstelheimer Pfarrkirche wurde also für einen Monat in den Sommerferien gesperrt und eine Firma führte die nötige Behandlung durch. Nur war von der Auschreibung her vorgesehen, dass die Dielen nach erfolgter Behandlung versiegelt werden, denn das Gift gast aus diesen bis zu zehn Jahre lang aus. Die Versiegelung hätte aber mehr Geld gekostet, so hatte der Wurstelheimer Pfarrer den klugen Gedanken, man könne sich das ja auch sparen. Darauf meldete ein Mitglied des Verwaltungsrates, das einmal im holzverarbeitenden Gewerbe tätig war, Bedenken an und schlug vor, dann eben für eine aktive Beseitigung des Gases durch einen Ventilator zu sorgen, der im Fensterbereich zu installieren gewesen wäre, um die Luft ständig abzusaugen, insbesondere während der kühleren Jahreszeit, wenn die Türen nicht offen stehen können.
Auch dieser Vorschlag wurde abgewiesen. Vielleicht erinnert sich jemand noch an das Problem der Wurstelheimer Heizkosten? Das hätte die ja noch in die Höhe getrieben! Und so kommt es, dass in Wurstelheim von September bis Mai die Türen fest geschlossen bleiben und das Nervengas sich in Ruhe anreichern kann. Natürlich wurde über die Problematik niemand informiert, das hätte ja nur Unsicherheit hervorgerufen.

Glück hatten die Wurstelheimer Kirchenbesucher, deren Lungen angeschlagen sind. Deren eingeschränkte Lungenfunktion reagierte schnell auf das Permethrin, so dass ihnen schnell schwindlig und übel wurde und sie den Besuch dieser Kirche aufgaben. Das waren natürlich  nur Hypochonder. Zwar häuften sich die Fälle von Blasenschwächen bei älteren Leuten und die Anzahl der Gehbeschwerden bei schon anderweitig Angeschlagenen, aber niemand dachte sich jemals etwas dabei, denn das Gas ist geruchlos. Und was nicht riecht, kann auch nicht schaden, meint man in Wurstelheim. Sollte jemand etwas anderes behaupten, kann es nur ein Unruhestifter sein.

Kommen Sie ruhig nach Wurstelheim! Sie werden nichts riechen. Und sollte Ihnen nach einem längeren Gottesdienst leicht übel sein, liegt es allenfalls am Weihrauch. Den kann man riechen.


Samstag, 7. Dezember 2013

Der Wurstelheimer PGR

Um ein wenig zu verdeutlichen, wie es mit der demokratischen Repräsentativität so mancher Pfarrgemeinderäte bestellt ist, möchte ich hier die Notizen eines Wurstelheimer Gemeindemitgliedes zur Verfügung stellen:

1968
Das Bistum Weinstadt führt die Pfarrgemeinderäte ein.
Das Interesse in Wurstelheim ist groß. Endlich soll es mehr Mitspracherecht geben.Wie es genau laufen wird, weiß man noch nicht.
Natürlich ist klar, dass die Honoratioren, die den "Himmel" tragen und ähnliche angesehene Pfarreimitglieder da hineingehören.
Es gibt 30 Kandidaten. 12 werden direkt gewählt, 4 dazugewählt. Die Wahlbeteiligung ist hoch.
Vositzender wird der einzige Professor, ein Architekt. Dank seines gewichtigen Titels wird er auch Mitglied des Diözesanrates.
(Anmerkung: Eigentlich ist er nur Dozent an der FHS, hat nie promoviert oder habilitiert, darf sich aber aus irgendwelchen Gründen Professor nennen.)

1972
Die Rückmeldungen aus der ersten Amtsperiode sind gemischt: Es war alles sehr neu. Die eigentlichen Entscheidungen habe der Pfarrer mit dem Vorsitzenden getroffen, aber man habe über alles abstimmen dürfen.
Der Andrang zur Wahl ist wieder hoch: 25 Kandidaten: 12 gewählt, 4 dazu bestimmt. Gleicher Vorsitzender, weil es dabei einen gescheiten Mann braucht
Zu den gewählten Vertretern kommen die Mitglieder kraft Amtes dazu: der neue Diakon, die Kindergartenleiterin, die Organistin.

1976/1980/1984
Nicht viel Neues. Die Kandidatenzahlen fallen. Es wird auf mehr Frauen im PGR gedrängt. Der Vorsitz wechselt an eine ebensolche, die bekannt ist für ihr großes Engagement bei allem, wo es eine helfende Hand gebraucht wird.
Es mehren sich die Gerüchte, dass der PGR ohnehin nichts zu melden habe.
Ein Gemeindereferent gesellt sich zu den Mitgliedern kraft Amtes.

1988/1992
Die Kandidatenzahlen fallen, inzwischen 16 - 20 für die 12 Plätze. Mehrere Leute, die kandidiert hatten, um bei ein paar brennenderen Anliegen für andere in der Gemeinde zu sprechen, lehnen eine Wiederkandidatur ab. Die wahre Macht läge ohnehin beim Verwaltungsrat und den Rest entscheide der Pfarrer mit Diakon und Gemeindereferent.
Tagesordnungspunkte erfährt man oft aus der Ankündigung am Tag zuvor. Es kann keine sinnvolle Diskussion stattfinden. Beginnt eine wird sie aus Hinweis auf Zeitmangel unterbunden, es sei denn es geht um wichtige Themen wie Kartoffelsorten für den Kartoffelsalat beim Pfarrfest.
Kandidaten für den Verwaltungsrat werden als alternativlos präsentiert und einstimmig gewählt. Da jeder neu gewählte Rat zu ca. 80% aus Neulingen besteht, fühlt sich niemand kompetent Einwände zu erheben.

1994/1998
Die Kandidatenzahlen stagnieren. In etwa die Hälfte der Kandidaten ist der Kerngemeinde unbekannt, da diese gewöhnlich nicht oder gar nicht im Gottesdienst zu sehen sind. Aber mit steigendem Kandidatenmangel wird die Suche nach ebensolchen intensiviert.
Der Wurstelheimer Kantorenkrieg beginnt. Das Thema bestimmt die meisten Sitzungen, aber Beschlüsse werden nicht umgesetzt.
Die Vorsitzende wechselt und versucht mehr Transparenz zu erreichen. Protokolle werden veröffentlicht.
Man munkelt, der Pfarrer traue sich nicht, der Organistin zu widersprechen und Ordnung zu schaffen und konzentriere sich mehr auf den Bau seines Alterssitzes, da sein Ruhestand bevorsteht.
Eines der neuen Mitglieder schließt sich kurz darauf einer anderen Religionsgemeinschaft an.
Der PGR führt eine Gemeindebefragung durch (Schwerpunkt: Kantoren), die Ergebnisse sind nicht opportun und werden ignoriert.
Die Abwanderung der Pfarrmitglieder in umliegende Pfarreien ist noch Gesprächsthema.

2002/2006
Die Kandidatenzahlen fallen: 16 lassen sich mit größeren Mühen auftreiben. Mitglieder der Kerngemeinde lehnen zum großen Teil die Kandidatur ab, weil es ohnehin nur sinnlos investierte Zeit und Arbeit sei.
Die Kandidatenwerber wenden sich beim Austragen des Pfarrbriefes an Leute, die keiner in der Gemeinde kennt und die verwundert ablehnen, weil sie die Pfarrgemeinde gar nicht kennen.
Die Vorsitzende führt einen Windmühlenkrieg in der Kantorenproblematik. Der neue Vorsitzende versucht selbstbewusst zu vermitteln aber resigniert schließlich auch.
Absprachen werden seitens des Pfarrers (mittlerweile der vierte Pfarrer in der Geschichte dieses PGR) - immer in Unio mit Verwaltungsrat und/oder Diakon und/oder Gemeindereferent ignoriert oder kreativ interpretiert.

2010
2 Wochen vor der Wahl sind erst 7 Kandidaten aufgetrieben. Man schafft es bis zum verlängerten Stichtag weitere 5 zu finden. 8 der 12 Kandidaten sind unter 30 Jahre alt, eine Altersgruppe, die in den Gottesdiensten außer als Ministranten im Altarraum weitgehend unsichtbar ist.
Wenn man sich umhört, können Gemeindemitglieder ca. 2-3 PGR-Mitglieder aufzählen. Kaum einer weiß, wer überhaupt gerade der Vorsitzende ist. Zum Glück kann man das im Pfarrbrief nachschlagen.
Der PGR versucht die Gemeinde vermehrt über das Internet zu erreichen, was aber kaum jemanden erreicht. Man vermutet, dass sich die PGR-Mitglieder redlich bemühen. Wie immer.

Ob repräsentative Demokratie so wirklich funktionieren kann?


Dienstag, 4. September 2012

Wurstelheimer Empfehlungen zur Pastoral (5): Notwendige pastorale `Lügen`



Wir fahren fort mit den Auszügen aus den Pastoraltipps von Pfarrer Schlau aus Wurstelheim. Da die Beiträge zu den übrigen Sakramentenkatechesen sich sinngemäß in vielem mit dem schon Zitierten überlappen, wenden wir uns nun einem moraltheologischen Thema zu, das in vielen Bereichen Fragen der Pastoral berührt, der barmherzigen oder pastoralen Lüge:

„Möglicherweise erstaunt die Überschrift dieses Kapitels, „Die Notwendigkeit der pastoralen Lüge“, die pastoral Unerfahrenen ein wenig. Lügen als Seelsorger, werden sie sich fragen, ist das nicht ein Widerspruch in sich? Das verstößt doch gegen das siebte Gebot!
Hier zeigt sich schon wieder die uns wohlbekannte Starrheit des Denkens: Gebote! Gott will doch unsere Freiheit! Der Originaltext spricht doch nur davon, dass man gegen den Nächsten kein falsches Zeugnis ablegen soll. Selbstverständlich fordere ich meine Gemeindemitglieder nicht zu Falschaussagen vor Gericht auf.
Ganz bewusst habe ich den Ausdruck ‚Notwendigkeit‘ gewählt, nicht etwa ‚Wichtigkeit‘, unsere Worte müssen Not wenden, Barmherzigkeit verwirklichen. Das Gegenteil dessen, was eine brutal an den Kopf geschmetterte ‚Wahrheit‘ bewirken würde. Wer von uns kennt nicht selbstgerechte Menschen, die im Namen der Wahrheit andere mit ihren Worten niederschlagen, wir aber wollen unserem evangeliumsgemäßen Auftrag nach aufrichten!  
In den vorhergehenden Kapiteln habe ich im Rahmen der Sakramentenkatechese bereits auch einige Beispiele erwähnt. Wer würde, um das zu wiederholen, auch einem Sterbenden zusätzliche Last auflegen, indem er ihn an eventuell begangene Fehler erinnert? Wer wird seine nachvollziehbaren Lebensentscheidungen plötzlich zur Sünde deklarieren wollen? Oder wer würde gar trauernden Hinterbliebenen gegenüber Andeutungen machen, es könne angebracht, um das ‚Seelenheil‘ ihres geliebten Verstorbenen zu beten! Das würde ja implizieren, dass er möglicherweise nicht in die Seligkeit gelangt sein könne bisher. Die Bedrückung, die das verursachen würde! Nein, besser ermutigt man sie, in gläubiger Zuversicht davon auszugehen, dass der Verschiedene nun bereits in der Gemeinschaft der Heiligen für sie Fürsprache tun kann. Denn gleich, womit er im Leben zu kämpfen mochte, die allumfassende Barmherzigkeit Gottes hat ihn nun zweifellos aufgenommen.
Dass Kritik an der Lebensführung der uns anvertrauten Gläubigen, die stets nur in Verantwortung vor ihrem Gewissen handeln, völlig ausgeschlossen ist, habe ich ja auch schon dargelegt. Wichtig ist es diese Eigenständigkeit zu fördern und zu betonen, dass jeder in sich selbst die Wahrheit erspüren kann und soll. Unsere Aufgabe ist es, sie vor falschen Schuldgefühlen zu bewahren und bei Zweifeln bestärkend beizustehen.
Der kreative Umgang mit der Wahrheit ist auch dann äußerst wichtig, wenn wir uns mit den unglücklichen Menschen konfrontiert sehen, die sich krampfhaft an Regeln und Ordnungen klammern wollen. Zu ihrer Beruhigung sollten wir gelegentlich an öffentlichen Orten, an denen möglichst wenige  von denen versammelt sind, die wir vor ihren angstmotivierten Verirrungen bewahren müssen, Sätze fallen lassen, die auch ihre Ansichten reflektieren. Gut dazu eignen sich zum Beispiel die Standardgottesdienste, die ohnehin die Zukunftsträger unserer Arbeit kaum ansprechen.
Das löst zugleich das Problem, das manche der uns übergeordneten Stellen, von deren Seite wir leider mit Beobachtung rechnen müssen, dadurch ebenfalls Beweise erhalten, dass wir durchaus das vertreten, was sie als katholische Lehre betrachten. Ein gutes Beispiel hierin gibt uns der eine oder andere Bischof, Namen will ich hier aus verständlichen Gründen nicht nennen.  Mancher ist ein wahrer Meister darin, seine Aussagen im externen und internen Forum äußerst gelungen auszubalancieren, um so optimal wirken zu können.
Wie wir an diesen Vorbildern erkennen können, heiligt der gute Zweck die Mittel, zu denen wir leider manchmal greifen müssen. Natürlich steht in diesem bedauerlichen Werk, das als katholischer Katechismus vertrieben wird, das Gegenteil, der Zweck heilige nie die Mittel. Aber daran können wir schon deutlich sehen, wie gering die Vertrautheit seiner Verfasser mit der pastoralen Wirklichkeit ist.
Obwohl ich natürlich strengstens gegen alle Verbote bin und mit Grauen an die Zeiten der Indexliste der Bücher zurückdenke, habe ich manchmal den Eindruck, dass jenes Buch tatsächlich dort gut aufgehoben sein könnte. Andererseits führt es glücklicherweise selten zu Verwirrungen, da die meisten ohnehin keinen Blick hineinwerfen, da sie uns echte Seelsorger als verlässliche Quelle zu allen wichtigen Glaubensaussagen kennen und wir ihnen verständlicherweise versichern, dass sich die Lektüre nicht lohnt, da man darin eine der Pastoral völlig fernstehende Ansammlung von klerikalen Behauptungen findet, die mit der Lebenswelt normaler Menschen nicht vereinbart werden kann. Auch die bahnbrechenden Erkenntnisse unserer weltweit führenden Theologen sind darin so gut wie gar nicht berücksichtigt. Eine solche Missachtung der Wissenschaft spricht ohnehin für sich.
Am besten belasten Sie auch sich selbst nicht mit dieser deprimierenden Lektüre. Verkünden Sie die Wahrheit, die Gott ihnen ins Herz gelegt hat und sie müssen nicht auf tote, auf Papier geschriebene Worte zurückgreifen. So werden wir schon bald erleben, wie die Barmherzigkeit über den unbarmherzigen Legalismus triumphiert. Unser Lohn ist es, die Heerscharen glücklicher Gläubiger zu sehen, die kirchlicher Bindungen gar nicht mehr bedürfen sondern frei und selbstbewusst das Zeugnis ihres Glaubens in die Welt tragen: Es gibt keine Verdammnis mehr. Wir selbst können unsere Welt in ein Paradies der gegenseitigen Annahme, der Barmherzigkeit und der Toleranz verwandeln.“

Wir bleiben im Gespräch mit dem Verlag, ob wir hier noch weitere Auszüge aus Hochwürden Schlaus lehrreichen Erfahrungen eröffentlichen dürfen.

Montag, 3. September 2012

Wurstelheimer Empfehlungen zur Pastoral (4)




Wir fahren fort mit den Auszügen aus den Pastoraltipps von Pfarrer Schlau aus Wurstelheim:

„Nach diesem kurzen Ausflug in die pastoralen Möglichkeiten der Familiengottesdienste können wir uns fast übergangslos der nächsten Sakramentenkatechese zuwenden, der Vorbereitung der Drittklässler auf die Erstkommunion.
Wie bereits mehrfach ausgeführt ist es von essentieller Bedeutung auch hier das Angebot sehr niedrigschwellig zu halten, da wir davon ausgehen müssen, dass ein nicht zu vernachlässigender Anteil der Kinder kein Gebet sprechen kann. Wir können jedoch an den beliebten Familienritus vor dem Essen „piep, piep, piep, wir haben uns alle lieb“ anknüpfen, der in zahlreichen Familien praktiziert wird und uns bereits eine exzellente Vorlage liefert. Den worum geht es bei der Erstkommunion? Um ein Mahl, DAS Mahl per se. Ein Mahl, zu dem alle eingeladen sind, in dem Jesus zusammen mit uns feiert. Sozusagen seine Party, an der wir auch teilnehmen dürfen. Das ist etwas, was alle Kinder leicht erfassen werden, das gemeinsame Genießen der Tischgemeinschaft. Ich brauche wohl kaum zu erwähnen, dass Verknüpfungen der eucharistischen Mahlgemeinschaft mit traumatisierenden Begriffen wie „Opfer“ pädagogisch äußerst ungeschickt wären. Wir vermitteln Liebe und Annahme.  Darum sprechen wir auch konsequent vom heiligen Brot statt vom „Fleisch und Blut Christi“. Wie sollten Kinder etwas so kannibalisch Klingendes auch verstehen? Sie könnten auf die Idee kommen, dass das Christsein ihnen etwas abverlangen könnte (Opfer), dabei geht es doch darum, sich beschenken zu lassen von der Güte und Liebe Gottes, die alle erreicht.
Wenn sie dieser Leitlinie gut folgen, können Sie auch völlig problemlos eine Einheit zum Sakrament der Versöhnung einfügen.  Vermeiden Sie hierbei nur Begriffe wie „Sünde“ oder gar „Schuld“. Sagen Sie den Kindern, dass das nur eine nette Unterhaltung ist, an deren Ende ihnen noch einmal Gottes Segen erteilt wird. Zeigt sich irgendwo ein Anzeichen von Schuldgefühlen, glätten Sie sofort die Wogen und versichern, dass das doch gar nicht schlimm war. Ich brauche sicher nicht zu erwähnen, dass Sie auf keinen Fall die Kinder kritisieren sollten, indem Sie auf Dinge hinweisen, die sie „falsch“ gemacht haben. Sie wollen doch nicht etwa Ihr Urteil diesen unschuldigen Wesen aufzwingen? Besonders wichtig ist es dann noch, dass diese Versöhnungsfeier auch in irgendeiner Weise feierlich begangen wird. Dafür sollen und dürfen Sie keine Rücksicht auf Kalendertage wie Freitage oder Aschermittwoche nehmen, wahres Fasten zeigt sich ohnehin nicht im Verzicht auf Banales wie verschiedene Speisen sondern in der geistigen Haltung. Und Feiern ist schließlich der Hauptinhalt, den wir in der Erstkommunionkatechese vermitteln wollen. In dieser heiteren Atmosphäre wird der Glaube der Kinder gut gedeihen.
Da die Standardgottesdienste für ältere Gemeindemitglieder leider immer noch persönlichere Gemeindefeiern wie Familien- und Kindergottesdienste  blockieren, achten Sie gut darauf, dass die Kinder nicht von unbedachten Eltern, die meinen, sie damit auf den Empfang des heiligen Brotes vorbereiten zu können, in solche ungeeigneten Gottesdienste mitgenommen werden. Erteilen Sie klipp und klar die Anweisung,  dass nur passende Feiern, die speziell für die Kinder gestaltet werden, besucht werden.  Alles andere wäre in keiner Weise förderlich.
Legen Sie besonderen Wert darauf, dass die Gottesdienste mit den Kommunionkindern besonders bunt und lebendig sind.  Die fröhliche Schar sollte möglichst immer um den Tisch für das heilige Mahl versammelt sein und passenderweise auf Stühlen darum herum Platz nehmen.  Kreative Interaktionen mit viel Malen und Gesang unterstützen die Vermittlung aller wichtigen Inhalte. Gebrauchen Sie nur kindgerechte Texte und streichen Sie möglichst viel unnützes liturgisches Beiwerk. Achten Sie darauf, dass zumindest ein Teil der Kinder stets beschäftigt ist mit dem Vortragen von Texten oder dem Umhertragen des einen oder anderen, das fördert ihre Aufmerksamkeit und das Verständnis. Und vermeiden Sie unter allen Umständen bedrückende Stille und einschüchternde Aufforderungen, sich weniger lebendig zu verhalten, weil das heilige Brot in der Kirche aufbewahrt wird. Mit etwas Glück gelingt es ihnen auch die Kirche so zu renovieren, dass der problematische Tabernakel, der nun einmal als Aufbewahrungsort für die Wegspeisung für die Kranken nötig ist, sich gut abgeschirmt in einem Seitenraum befindet. Eine zentrale Position im Altarraum fördert nur unerwünschte Einwände seitens konservativer Personen, die deswegen ein Verhalten einfordern möchten, dass ich nur verkrampft nennen kann. Jesus liebt diese Kinder und will ihre Freude nicht durch Verbote beeinträchtigen. Und Gott braucht doch keine Verehrung von uns, er will, dass wir glücklich sind. Das ist doch der Kern der Sache.
Jesus liebt dich und will mit dir feiern. Wenn Sie das vermitteln konnten, haben Sie das Ziel der Erstkommunionkatechese erreicht und es bestehen gute Chancen, dass die Kinder noch etwa zwei bis drei Jahre in eigens für sie arrangierte Feiern kommen, bevor sie die problematische Pubertät erreicht haben."

Die Vorabdrucke werden fortgesetzt.

Sonntag, 2. September 2012

Wurstelheimer Empfehlungen zur Pastoral (3)



„Nach den zahlreichen Beispielen für Gespräche mit Suchenden und Ratsuchenden möchte ich mich nun dem Themenkomplex zuwenden,  durch den wir immer noch die meisten Menschen erreichen können: die Sakramentenpastoral. Taufe, Erstkommunion, Firmung, Eheschließung, Trauerfälle – hier ist Kirche immer noch gefragt. Hier erreicht Kirche Menschen, von denen sie sich schon lange in allem anderen entfernt und entfremdet hat. Hier eröffnen sich die Gelegenheiten für eine fruchtbare Durchdringung der Welt mit dem Evangelium. Hier legen wir die winzigen Saatkörner, die keiner wahrnehmen kann und die dennoch zu großen Bäumen wachsen.

Beginnen wir mit der Taufpastoral. Der Zeitplan eines Pfarrers ist eng, wir sollten dennoch großzügig etwa 45 Minuten veranschlagen für solche wichtigen katechetischen Möglichkeiten.  Diese wertvollen 45 Minuten müssen genutzt werden, die meisten der Menschen, die uns gegenüber sitzen, werden wir wahrscheinlich nach dem eigentlichen Tauftermin erst einmal einige Jahre nicht wiedersehen, aber jetzt können wir ihr Bild von Kirche bleibend prägen.  Halten Sie sich noch einmal vor Augen: Auf keinen Fall Anstoß erregen! Nichts sagen, was wie Kritik wirken könnte! Denken Sie nicht im Traum daran etwas von Geboten, Vorschriften, Rechten und Pflichten zu sagen – wir müssen hier Ängste nehmen nicht aufbauen! Erzeugen Sie eine Atmosphäre von Harmonie und Annahme! Bedingungsloser! Und vor allem KEINE (!!!) Zwänge oder Vorschriften irgendeiner Art. 

Sie gehen hier doch auf die Menschen ein. Um Himmels willen erwähnen sie nicht gefährliche Worte wie „Gott“, „Jesus“, „Sünde“ oder anderes Erschreckendes und Abschreckendes. Wir müssen hier niedrigschwellig (!) arbeiten. Wir sind oft die ersten Kontaktpersonen nach vielen Jahren.
Sprechen Sie ausdrücklich über die kreativen Fähigkeiten, die in den Eltern und ihrem Kind schlummern und die jetzt dank der Hilfe der Kirche zum Ausdruck kommen dürfen. Weisen Sie explizit darauf hin, dass es zwar kirchliche Regeln, nein Vorschläge , gibt, wie eine Tauffeier durchzuführen ist, aber dass das im Grunde alles verhandelbar ist. Der Wunsch der Eltern ist das einzig Wichtige hier. Ermuntern Sie zu kreativer und ganz persönlicher Gestaltung der Feier mit eigenen Elementen: Gesangseinlagen, Musikstücke aller Art, Darbietung eigener gestalterischer und dichterischer Kompositionen. Alles, was von dem unangenehmen und fremden Kirchlichen der Feier ablenkt, ist unbedingt zu fördern.  Beschäftigen Sie auch die Leute mit kreativen Arbeiten in Vorbereitung auf die Tauffeier, zum Beispiel der Ausgestaltung von Kerzen. Je mehr sie sich mit dieser Feier beschäftigen, desto unvergesslicher wird sie ihnen bleiben. 
 Wichtig ist, dass die Namen der Mitfeiernden wenn irgend möglich erwähnt werden, nur dann fühlen sie, dass das ihre Feier ist.

Es steht Ihnen keinesfalls zu, in irgendeiner Form nachzufragen, wie etwa die christliche Erziehung des Kindes aussehen wird. Diese Menschen bringen ihr Kind zur Taufe! Wie könnten sie daran zweifeln, dass sie es auch entsprechend erziehen werden.  Sie müssen davon ausgehen, dass die Ihnen Gegenübersitzenden alles über das Sakrament der Taufe und Kirche wissen und zutiefst verinnerlicht haben, alles andere wäre ja beleidigend. Deren persönlichen  Lebensumstände sind hier völlig irrelevant. Sie werden das Kind schon höchstwahrscheinlich irgendwann zur Erstkommunion anmelden, falls – FALLS – Sie sie jetzt nicht verschrecken, indem Sie sie mit religiösen Inhalten überfallen. Und die Erstkommunionkatechese wird dann alles richten. Keine Sorge, die hält man über mehrere Wochen hinweg und danach kennen sich die Kinder mit allem Wichtigen aus, egal was sie in ihrem Elternhaus nie gehört haben. Außerdem gibt es auch noch den schulischen Religionsunterricht, da erfahren die Kinder wirklich alles. Gerade die Erstkommunion eignet sich zur Katechese der Eltern. Indem sie ihre Kinder unterrichten, bauen sie ihr eigenes Glaubenswissen auf. Idealer geht es nicht. Aber dazu später.

Seien Sie in allem kompromissbereit! Fast alles kann gekürzt, angepasst oder ausgelassen werden oder so ausgeführt, dass man gar nicht merkt, um was es geht. Zum Beispiel dieses unglückliche Gebet um Schutz vor dem Bösen, auch Exorzismus genannt. Erwähnen Sie das ganz beiläufig in dem Kontext, das es da eigentlich nichts gibt, das man irgendwie fürchten müsse.  Dass das reine Formsache ist. Ein Relikt unaufgeklärter Zeiten, aber leider, man weiß ja, die in Rom …

Noch ein kurzer aber wichtiger Hinweis: Gelegentlich kommt es vor, dass Ihnen – möglicherweise als Pate – , es ist wirklich selten, aber es kommt vor, jemand gegenübersitzt, der nicht schlicht von Glück überwältigt ist, dass ihm die Ehre zuteil wurde, Pate zu sein. Das ist schließlich eine Auszeichnung und die damit einhergehenden Verpflichtungen … Sie erinnern sich, Verpflichtungen sollte man einfach nicht erwähnen! Seien Sie gewarnt, wenn dann jemand sagt, es sei doch nicht so ganz einfach, der Verpflichtung nachzukommen, ein Kind christlich zu erziehen. Hier hat sich einer der ewig Gestrigen verraten. Lassen Sie sich nicht von seinem eventuell jugendlichen Aussehen täuschen.  Das ist eine zwanghafte Persönlichkeit, die sich an Verbote klammert und voller Ängste ist. Lassen Sie nicht zu, dass dieser Mensch andere infiziert. Machen Sie ihm unmissverständlich klar, dass man eine Taufe leicht zu nehmen hat. Erzählen Sie am besten ein paar Witze! Besser noch natürlich, wenn es Ihnen gelingt, seine Bedenken ins Lächerliche zu ziehen. Dann sind alle gerettet. Hätten Sie die Person weiterreden lassen, wären vielleicht Tabuworte wie Gott oder Jesus gefallen. Das DARF nicht sein. Diese Worte können die Freiheit der Eltern beeinträchtigen.

Vielleicht eine kleine Schlussanmerkung: Sollte es durch unglückliche Umstände geschehen sein (wer rechnet auch mit sowas), dass sie das Kind zweier Nichtchristen getauft haben, ohne dass ihnen das klar war, weil Sie ja niemandem mit Fragen zu nahe treten wollten, machen Sie sich nichts daraus. Warum das Kind getauft werden sollte, werden Sie dann sowieso auch nicht wissen, aber das ist ja auch völlig nebensächlich. Hauptsache getauft. Gott kümmert sich schon um den Rest. – Wie? Nein, nein. In diesem Pastoralbuch kann ich den Ausdruck Gott natürlich gebrauchen, wir sind ja hier unter uns und wissen, was wir darunter zu verstehen haben."

Die Serie mit den Auszügen aus Hochwürden Schlaus "Wurstelheimer Empfehlungen zur Pastoral" wird fortgesetzt.

Wurstelheimer Empfehlungen zur Pastoral (2)



Wir setzen unsere Serie der Wurstelheimer Empfehlungen zur Pastoral fort.

„ Noch immer ist das Image unserer Kirche zu sehr mit der Drohbotschaft verbunden, die das Leben der Menschen einengt. Obwohl die junge Generation eine gesunde Abwehrhaltung gegen diese unterdrückerischen die Freiheit beeinträchtigenden Überzeugungen besitzt, die das Lehramt noch immer gegen alle wissenschaftlichen Erkenntnisse zu verteidigen versucht, werden auch junge Menschen gelegentlich von Zweifeln befallen, ob sie es wirklich wagen dürfen, ihr eigenes Leben zu leben. Da war zum Beispiel Lara M., eine engagierte junge Mitarbeiterin, die regelmäßig als Lektorin und Kommunionhelferin tätig wurde, wozu ich sie stets ermutigt hatte. Eines Tages bat sie um ein Gespräch und teilte mir mit: „Herr Pfarrer, ich habe mich nach längerem Überlegen dazu entschlossen, mit meinem muslimischen Mitarbeiter zu schlafen. Eine Heirat kommt für uns aus verschiedenen Gründen nicht in Frage, aber ich sehe das als Liebe meines Lebens.  Allerdings möchte ich mich an die Regeln halten und zumindest nicht mehr als Kommunionhelferin tätig sein.“
Kann man es glauben?  Ich habe mein bestes getan, ihr diesen Unsinn auszureden: ‚Lara, Sie sind eine unserer Besten. Was Sie da tun, ist doch eine völlig private Entscheidung und hat nun wirklich rein gar nichts mit Ihrem Dienst hier in der Kirche zu tun! Sie wollen sich doch nicht von so ein paar Heuchlern einschüchtern lassen! Solches Pharisäertum dulde ich nicht in meiner Gemeinde! Sie werden gleich morgen wieder Kommunion austeilen! Und Sie werden dabei KEIN schlechtes Gewissen haben. So etwas tut man einfach in Ihrem Alter. Sie haben hier meine volle Unterstützung.“ Leider konnte ich Frau M. nicht völlig überzeugen. Sie übte ihren Dienst nur noch wenige Monate aus, bevor sie nicht mehr kam. 

In anderen Fällen bin ich erfolgreicher. Jugendliche, die im Zweifel sind, ob es tatsächlich kein Problem ist, nur gelegentlich (alle paar Wochen) einen Gottesdienst zu besuchen. Natürlich, versichere ich ihnen, das ist doch viel häufiger, als andere es tun. Außerdem gibt es ja auch selten Angebote, die wirklich für sie passen. Das sogenannte Kirchengebot, das den sonntäglichen Kirchgang fordert, ist völlig antiquiert und überholt und der Lebenswelt des modernen Menschen in nichts mehr angemessen.  Zum Glück kennen das die meisten Jugendlichen ohnehin nicht.
 Es geschieht nur gelegentlich, dass sie an religiöse Eiferer geraten, die ihre völlig überzogenen Praktiken, sich am Katechismus (!) – stellen Sie sich das vor, die haben einen Katechismus (!!!) und lesen gelegentlich da drin, diese reaktionären  rechtskonservativen Elemente! –orientierend, auch jungen Menschen nahebringen wollen und diese dabei in entsetzliche Gewissenskonflikte stürzen. Aber damit räume ich schnell auf. In den meisten Fällen haben sie danach keine Probleme mehr, mit ihrem Freund oder ihrer Freundin zu schlafen, wann immer sie das für richtig halten. Sonst wären sie ja  völlige Fremdkörper in ihrem Umfeld! Und ich sehe sie auch nur die normalen zwei- bis sechsmal jährlich in der Kirche. Das ist unsere Zukunft, junge Leute, die in ihrem Umfeld ihre christlichen Werte leben, in Freiheit und ohne Zwänge, und die so der ganzen Welt ein Zeugnis geben, was es heißt, katholisch zu sein. Sie wurden von mir nicht verurteilt, nun verurteilen auch sie niemanden, gleich, wie der die Liebe leben möchte. Nur so sieht wahre Pastoral aus."

Sie lasen einen Auszug aus Wurstelheimer Empfehlungen zur Pastoral von Hochwürden Peter Schlau
Die Serie wird fortgesetzt.