Es begab sich, dass in der Wurstelheimer Kirche die aus Holz bestehenden Einrichtungsteile vom Holzwurm befallen wurden. Uneingeweihten fiel es nicht so auf, aber Experten hatten es festgestellt. Betroffen waren unter anderem die Bodendielen des Podestes auf dem die Kirchenbänke standen.
Nun gibt es ein probates Mittel zur Holzwurmbekämpfung: das Muskel- und Nervengas Permethrin, das zur Gruppe der Pyrethroide gehört. Dieses gilt weithin als unbedenklich, da es zwar auch bei Nicht-Holzwürmern Nerven- und Muskellähmungen hervorrufen kann, jedoch mit einem Zusatzstoff versetzt wird, der nur den Metabolismus von Kerbtieren daran hindert, das Gift wieder abzubauen, jedoch nicht den von Säugetieren aller Art, d.h. auch Menschen atmen es ein und können bei höherer Dosierung von den Wirkungen betroffen werden aber sie scheiden es nach einer Weile wieder aus, wie schnell ist u.a. abhängig von der individuellen Leistung von Bauchspeicheldrüse, Leber und Niere, so dass es bei höherer Konzentration und wiederholter längerer Exposition auch im Körper angereichert wird und als Kontaktgift, das es ist, zu diversen Beschwerden führen kann, je nachdem wo die Muskulatur gelähmt wird (Lunge beim Einatmen, Muskulatur allgemein, Lymphwege beim Abtransport zur Leber, Leber bei der Verarbeitung und Nieren- und Blasenmuskulatur beim Ausscheiden).
Die Wurstelheimer Pfarrkirche wurde also für einen Monat in den Sommerferien gesperrt und eine Firma führte die nötige Behandlung durch. Nur war von der Auschreibung her vorgesehen, dass die Dielen nach erfolgter Behandlung versiegelt werden, denn das Gift gast aus diesen bis zu zehn Jahre lang aus. Die Versiegelung hätte aber mehr Geld gekostet, so hatte der Wurstelheimer Pfarrer den klugen Gedanken, man könne sich das ja auch sparen. Darauf meldete ein Mitglied des Verwaltungsrates, das einmal im holzverarbeitenden Gewerbe tätig war, Bedenken an und schlug vor, dann eben für eine aktive Beseitigung des Gases durch einen Ventilator zu sorgen, der im Fensterbereich zu installieren gewesen wäre, um die Luft ständig abzusaugen, insbesondere während der kühleren Jahreszeit, wenn die Türen nicht offen stehen können.
Auch dieser Vorschlag wurde abgewiesen. Vielleicht erinnert sich jemand noch an das Problem der Wurstelheimer Heizkosten? Das hätte die ja noch in die Höhe getrieben! Und so kommt es, dass in Wurstelheim von September bis Mai die Türen fest geschlossen bleiben und das Nervengas sich in Ruhe anreichern kann. Natürlich wurde über die Problematik niemand informiert, das hätte ja nur Unsicherheit hervorgerufen.
Glück hatten die Wurstelheimer Kirchenbesucher, deren Lungen angeschlagen sind. Deren eingeschränkte Lungenfunktion reagierte schnell auf das Permethrin, so dass ihnen schnell schwindlig und übel wurde und sie den Besuch dieser Kirche aufgaben. Das waren natürlich nur Hypochonder. Zwar häuften sich die Fälle von Blasenschwächen bei älteren Leuten und die Anzahl der Gehbeschwerden bei schon anderweitig Angeschlagenen, aber niemand dachte sich jemals etwas dabei, denn das Gas ist geruchlos. Und was nicht riecht, kann auch nicht schaden, meint man in Wurstelheim. Sollte jemand etwas anderes behaupten, kann es nur ein Unruhestifter sein.
Kommen Sie ruhig nach Wurstelheim! Sie werden nichts riechen. Und sollte Ihnen nach einem längeren Gottesdienst leicht übel sein, liegt es allenfalls am Weihrauch. Den kann man riechen.
Oremus pro Pontifice nostro Franzisco.
Dominus conservet eum et vivificet eum
et beatum faciat eum in terra et
non tradat eum in animam inimicorum eius.
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Mittwoch, 10. Februar 2016
Samstag, 7. Dezember 2013
Der Wurstelheimer PGR
Um ein wenig zu verdeutlichen, wie es mit der demokratischen Repräsentativität so mancher Pfarrgemeinderäte bestellt ist, möchte ich hier die Notizen eines Wurstelheimer Gemeindemitgliedes zur Verfügung stellen:
1968
Das Bistum Weinstadt führt die Pfarrgemeinderäte ein.
Das Interesse in Wurstelheim ist groß. Endlich soll es mehr Mitspracherecht geben.Wie es genau laufen wird, weiß man noch nicht.
Natürlich ist klar, dass die Honoratioren, die den "Himmel" tragen und ähnliche angesehene Pfarreimitglieder da hineingehören.
Es gibt 30 Kandidaten. 12 werden direkt gewählt, 4 dazugewählt. Die Wahlbeteiligung ist hoch.
Vositzender wird der einzige Professor, ein Architekt. Dank seines gewichtigen Titels wird er auch Mitglied des Diözesanrates.
(Anmerkung: Eigentlich ist er nur Dozent an der FHS, hat nie promoviert oder habilitiert, darf sich aber aus irgendwelchen Gründen Professor nennen.)
1972
Die Rückmeldungen aus der ersten Amtsperiode sind gemischt: Es war alles sehr neu. Die eigentlichen Entscheidungen habe der Pfarrer mit dem Vorsitzenden getroffen, aber man habe über alles abstimmen dürfen.
Der Andrang zur Wahl ist wieder hoch: 25 Kandidaten: 12 gewählt, 4 dazu bestimmt. Gleicher Vorsitzender, weil es dabei einen gescheiten Mann braucht
Zu den gewählten Vertretern kommen die Mitglieder kraft Amtes dazu: der neue Diakon, die Kindergartenleiterin, die Organistin.
1976/1980/1984
Nicht viel Neues. Die Kandidatenzahlen fallen. Es wird auf mehr Frauen im PGR gedrängt. Der Vorsitz wechselt an eine ebensolche, die bekannt ist für ihr großes Engagement bei allem, wo es eine helfende Hand gebraucht wird.
Es mehren sich die Gerüchte, dass der PGR ohnehin nichts zu melden habe.
Ein Gemeindereferent gesellt sich zu den Mitgliedern kraft Amtes.
1988/1992
Die Kandidatenzahlen fallen, inzwischen 16 - 20 für die 12 Plätze. Mehrere Leute, die kandidiert hatten, um bei ein paar brennenderen Anliegen für andere in der Gemeinde zu sprechen, lehnen eine Wiederkandidatur ab. Die wahre Macht läge ohnehin beim Verwaltungsrat und den Rest entscheide der Pfarrer mit Diakon und Gemeindereferent.
Tagesordnungspunkte erfährt man oft aus der Ankündigung am Tag zuvor. Es kann keine sinnvolle Diskussion stattfinden. Beginnt eine wird sie aus Hinweis auf Zeitmangel unterbunden, es sei denn es geht um wichtige Themen wie Kartoffelsorten für den Kartoffelsalat beim Pfarrfest.
Kandidaten für den Verwaltungsrat werden als alternativlos präsentiert und einstimmig gewählt. Da jeder neu gewählte Rat zu ca. 80% aus Neulingen besteht, fühlt sich niemand kompetent Einwände zu erheben.
1994/1998
Die Kandidatenzahlen stagnieren. In etwa die Hälfte der Kandidaten ist der Kerngemeinde unbekannt, da diese gewöhnlich nicht oder gar nicht im Gottesdienst zu sehen sind. Aber mit steigendem Kandidatenmangel wird die Suche nach ebensolchen intensiviert.
Der Wurstelheimer Kantorenkrieg beginnt. Das Thema bestimmt die meisten Sitzungen, aber Beschlüsse werden nicht umgesetzt.
Die Vorsitzende wechselt und versucht mehr Transparenz zu erreichen. Protokolle werden veröffentlicht.
Man munkelt, der Pfarrer traue sich nicht, der Organistin zu widersprechen und Ordnung zu schaffen und konzentriere sich mehr auf den Bau seines Alterssitzes, da sein Ruhestand bevorsteht.
Eines der neuen Mitglieder schließt sich kurz darauf einer anderen Religionsgemeinschaft an.
Der PGR führt eine Gemeindebefragung durch (Schwerpunkt: Kantoren), die Ergebnisse sind nicht opportun und werden ignoriert.
Die Abwanderung der Pfarrmitglieder in umliegende Pfarreien ist noch Gesprächsthema.
2002/2006
Die Kandidatenzahlen fallen: 16 lassen sich mit größeren Mühen auftreiben. Mitglieder der Kerngemeinde lehnen zum großen Teil die Kandidatur ab, weil es ohnehin nur sinnlos investierte Zeit und Arbeit sei.
Die Kandidatenwerber wenden sich beim Austragen des Pfarrbriefes an Leute, die keiner in der Gemeinde kennt und die verwundert ablehnen, weil sie die Pfarrgemeinde gar nicht kennen.
Die Vorsitzende führt einen Windmühlenkrieg in der Kantorenproblematik. Der neue Vorsitzende versucht selbstbewusst zu vermitteln aber resigniert schließlich auch.
Absprachen werden seitens des Pfarrers (mittlerweile der vierte Pfarrer in der Geschichte dieses PGR) - immer in Unio mit Verwaltungsrat und/oder Diakon und/oder Gemeindereferent ignoriert oder kreativ interpretiert.
2010
2 Wochen vor der Wahl sind erst 7 Kandidaten aufgetrieben. Man schafft es bis zum verlängerten Stichtag weitere 5 zu finden. 8 der 12 Kandidaten sind unter 30 Jahre alt, eine Altersgruppe, die in den Gottesdiensten außer als Ministranten im Altarraum weitgehend unsichtbar ist.
Wenn man sich umhört, können Gemeindemitglieder ca. 2-3 PGR-Mitglieder aufzählen. Kaum einer weiß, wer überhaupt gerade der Vorsitzende ist. Zum Glück kann man das im Pfarrbrief nachschlagen.
Der PGR versucht die Gemeinde vermehrt über das Internet zu erreichen, was aber kaum jemanden erreicht. Man vermutet, dass sich die PGR-Mitglieder redlich bemühen. Wie immer.
Ob repräsentative Demokratie so wirklich funktionieren kann?
1968
Das Bistum Weinstadt führt die Pfarrgemeinderäte ein.
Das Interesse in Wurstelheim ist groß. Endlich soll es mehr Mitspracherecht geben.Wie es genau laufen wird, weiß man noch nicht.
Natürlich ist klar, dass die Honoratioren, die den "Himmel" tragen und ähnliche angesehene Pfarreimitglieder da hineingehören.
Es gibt 30 Kandidaten. 12 werden direkt gewählt, 4 dazugewählt. Die Wahlbeteiligung ist hoch.
Vositzender wird der einzige Professor, ein Architekt. Dank seines gewichtigen Titels wird er auch Mitglied des Diözesanrates.
(Anmerkung: Eigentlich ist er nur Dozent an der FHS, hat nie promoviert oder habilitiert, darf sich aber aus irgendwelchen Gründen Professor nennen.)
1972
Die Rückmeldungen aus der ersten Amtsperiode sind gemischt: Es war alles sehr neu. Die eigentlichen Entscheidungen habe der Pfarrer mit dem Vorsitzenden getroffen, aber man habe über alles abstimmen dürfen.
Der Andrang zur Wahl ist wieder hoch: 25 Kandidaten: 12 gewählt, 4 dazu bestimmt. Gleicher Vorsitzender, weil es dabei einen gescheiten Mann braucht
Zu den gewählten Vertretern kommen die Mitglieder kraft Amtes dazu: der neue Diakon, die Kindergartenleiterin, die Organistin.
1976/1980/1984
Nicht viel Neues. Die Kandidatenzahlen fallen. Es wird auf mehr Frauen im PGR gedrängt. Der Vorsitz wechselt an eine ebensolche, die bekannt ist für ihr großes Engagement bei allem, wo es eine helfende Hand gebraucht wird.
Es mehren sich die Gerüchte, dass der PGR ohnehin nichts zu melden habe.
Ein Gemeindereferent gesellt sich zu den Mitgliedern kraft Amtes.
1988/1992
Die Kandidatenzahlen fallen, inzwischen 16 - 20 für die 12 Plätze. Mehrere Leute, die kandidiert hatten, um bei ein paar brennenderen Anliegen für andere in der Gemeinde zu sprechen, lehnen eine Wiederkandidatur ab. Die wahre Macht läge ohnehin beim Verwaltungsrat und den Rest entscheide der Pfarrer mit Diakon und Gemeindereferent.
Tagesordnungspunkte erfährt man oft aus der Ankündigung am Tag zuvor. Es kann keine sinnvolle Diskussion stattfinden. Beginnt eine wird sie aus Hinweis auf Zeitmangel unterbunden, es sei denn es geht um wichtige Themen wie Kartoffelsorten für den Kartoffelsalat beim Pfarrfest.
Kandidaten für den Verwaltungsrat werden als alternativlos präsentiert und einstimmig gewählt. Da jeder neu gewählte Rat zu ca. 80% aus Neulingen besteht, fühlt sich niemand kompetent Einwände zu erheben.
1994/1998
Die Kandidatenzahlen stagnieren. In etwa die Hälfte der Kandidaten ist der Kerngemeinde unbekannt, da diese gewöhnlich nicht oder gar nicht im Gottesdienst zu sehen sind. Aber mit steigendem Kandidatenmangel wird die Suche nach ebensolchen intensiviert.
Der Wurstelheimer Kantorenkrieg beginnt. Das Thema bestimmt die meisten Sitzungen, aber Beschlüsse werden nicht umgesetzt.
Die Vorsitzende wechselt und versucht mehr Transparenz zu erreichen. Protokolle werden veröffentlicht.
Man munkelt, der Pfarrer traue sich nicht, der Organistin zu widersprechen und Ordnung zu schaffen und konzentriere sich mehr auf den Bau seines Alterssitzes, da sein Ruhestand bevorsteht.
Eines der neuen Mitglieder schließt sich kurz darauf einer anderen Religionsgemeinschaft an.
Der PGR führt eine Gemeindebefragung durch (Schwerpunkt: Kantoren), die Ergebnisse sind nicht opportun und werden ignoriert.
Die Abwanderung der Pfarrmitglieder in umliegende Pfarreien ist noch Gesprächsthema.
2002/2006
Die Kandidatenzahlen fallen: 16 lassen sich mit größeren Mühen auftreiben. Mitglieder der Kerngemeinde lehnen zum großen Teil die Kandidatur ab, weil es ohnehin nur sinnlos investierte Zeit und Arbeit sei.
Die Kandidatenwerber wenden sich beim Austragen des Pfarrbriefes an Leute, die keiner in der Gemeinde kennt und die verwundert ablehnen, weil sie die Pfarrgemeinde gar nicht kennen.
Die Vorsitzende führt einen Windmühlenkrieg in der Kantorenproblematik. Der neue Vorsitzende versucht selbstbewusst zu vermitteln aber resigniert schließlich auch.
Absprachen werden seitens des Pfarrers (mittlerweile der vierte Pfarrer in der Geschichte dieses PGR) - immer in Unio mit Verwaltungsrat und/oder Diakon und/oder Gemeindereferent ignoriert oder kreativ interpretiert.
2010
2 Wochen vor der Wahl sind erst 7 Kandidaten aufgetrieben. Man schafft es bis zum verlängerten Stichtag weitere 5 zu finden. 8 der 12 Kandidaten sind unter 30 Jahre alt, eine Altersgruppe, die in den Gottesdiensten außer als Ministranten im Altarraum weitgehend unsichtbar ist.
Wenn man sich umhört, können Gemeindemitglieder ca. 2-3 PGR-Mitglieder aufzählen. Kaum einer weiß, wer überhaupt gerade der Vorsitzende ist. Zum Glück kann man das im Pfarrbrief nachschlagen.
Der PGR versucht die Gemeinde vermehrt über das Internet zu erreichen, was aber kaum jemanden erreicht. Man vermutet, dass sich die PGR-Mitglieder redlich bemühen. Wie immer.
Ob repräsentative Demokratie so wirklich funktionieren kann?
Dienstag, 4. September 2012
Wurstelheimer Empfehlungen zur Pastoral (5): Notwendige pastorale `Lügen`
Wir fahren fort mit den Auszügen aus den Pastoraltipps von
Pfarrer Schlau aus Wurstelheim. Da die Beiträge zu den übrigen
Sakramentenkatechesen sich sinngemäß in vielem mit dem schon Zitierten
überlappen, wenden wir uns nun einem moraltheologischen Thema zu, das in vielen
Bereichen Fragen der Pastoral berührt, der barmherzigen oder pastoralen Lüge:
„Möglicherweise erstaunt die Überschrift dieses Kapitels, „Die
Notwendigkeit der pastoralen Lüge“, die pastoral Unerfahrenen ein wenig. Lügen
als Seelsorger, werden sie sich fragen, ist das nicht ein Widerspruch in sich?
Das verstößt doch gegen das siebte Gebot!
Hier zeigt sich schon wieder die uns wohlbekannte Starrheit
des Denkens: Gebote! Gott will doch unsere Freiheit! Der Originaltext spricht
doch nur davon, dass man gegen den Nächsten kein falsches Zeugnis ablegen soll.
Selbstverständlich fordere ich meine Gemeindemitglieder nicht zu Falschaussagen
vor Gericht auf.
Ganz bewusst habe ich den Ausdruck ‚Notwendigkeit‘ gewählt,
nicht etwa ‚Wichtigkeit‘, unsere Worte müssen Not wenden, Barmherzigkeit
verwirklichen. Das Gegenteil dessen, was eine brutal an den Kopf geschmetterte ‚Wahrheit‘
bewirken würde. Wer von uns kennt nicht selbstgerechte Menschen, die im Namen
der Wahrheit andere mit ihren Worten niederschlagen, wir aber wollen unserem
evangeliumsgemäßen Auftrag nach aufrichten!
In den vorhergehenden Kapiteln habe ich im Rahmen der
Sakramentenkatechese bereits auch einige Beispiele erwähnt. Wer würde, um das
zu wiederholen, auch einem Sterbenden zusätzliche Last auflegen, indem er ihn
an eventuell begangene Fehler erinnert? Wer wird seine nachvollziehbaren
Lebensentscheidungen plötzlich zur Sünde deklarieren wollen? Oder wer würde gar
trauernden Hinterbliebenen gegenüber Andeutungen machen, es könne angebracht,
um das ‚Seelenheil‘ ihres geliebten Verstorbenen zu beten! Das würde ja
implizieren, dass er möglicherweise nicht in die Seligkeit gelangt sein könne
bisher. Die Bedrückung, die das verursachen würde! Nein, besser ermutigt man
sie, in gläubiger Zuversicht davon auszugehen, dass der Verschiedene nun
bereits in der Gemeinschaft der Heiligen für sie Fürsprache tun kann. Denn
gleich, womit er im Leben zu kämpfen mochte, die allumfassende Barmherzigkeit
Gottes hat ihn nun zweifellos aufgenommen.
Dass Kritik an der Lebensführung der uns anvertrauten
Gläubigen, die stets nur in Verantwortung vor ihrem Gewissen handeln, völlig
ausgeschlossen ist, habe ich ja auch schon dargelegt. Wichtig ist es diese
Eigenständigkeit zu fördern und zu betonen, dass jeder in sich selbst die Wahrheit
erspüren kann und soll. Unsere Aufgabe ist es, sie vor falschen Schuldgefühlen
zu bewahren und bei Zweifeln bestärkend beizustehen.
Der kreative Umgang mit der Wahrheit ist auch dann äußerst
wichtig, wenn wir uns mit den unglücklichen Menschen konfrontiert sehen, die
sich krampfhaft an Regeln und Ordnungen klammern wollen. Zu ihrer Beruhigung
sollten wir gelegentlich an öffentlichen Orten, an denen möglichst wenige von denen versammelt sind, die wir vor ihren angstmotivierten
Verirrungen bewahren müssen, Sätze fallen lassen, die auch ihre Ansichten
reflektieren. Gut dazu eignen sich zum Beispiel die Standardgottesdienste, die
ohnehin die Zukunftsträger unserer Arbeit kaum ansprechen.
Das löst zugleich das Problem, das manche der uns
übergeordneten Stellen, von deren Seite wir leider mit Beobachtung rechnen
müssen, dadurch ebenfalls Beweise erhalten, dass wir durchaus das vertreten,
was sie als katholische Lehre betrachten. Ein gutes Beispiel hierin gibt uns
der eine oder andere Bischof, Namen will ich hier aus verständlichen Gründen
nicht nennen. Mancher ist ein wahrer
Meister darin, seine Aussagen im externen und internen Forum äußerst gelungen
auszubalancieren, um so optimal wirken zu können.
Wie wir an diesen Vorbildern erkennen können, heiligt der
gute Zweck die Mittel, zu denen wir leider manchmal greifen müssen. Natürlich
steht in diesem bedauerlichen Werk, das als katholischer Katechismus vertrieben
wird, das Gegenteil, der Zweck heilige nie die Mittel. Aber daran können wir
schon deutlich sehen, wie gering die Vertrautheit seiner Verfasser mit der
pastoralen Wirklichkeit ist.
Obwohl ich natürlich strengstens gegen alle Verbote bin und
mit Grauen an die Zeiten der Indexliste der Bücher zurückdenke, habe ich
manchmal den Eindruck, dass jenes Buch tatsächlich dort gut aufgehoben sein
könnte. Andererseits führt es glücklicherweise selten zu Verwirrungen, da die
meisten ohnehin keinen Blick hineinwerfen, da sie uns echte Seelsorger als
verlässliche Quelle zu allen wichtigen Glaubensaussagen kennen und wir ihnen
verständlicherweise versichern, dass sich die Lektüre nicht lohnt, da man darin
eine der Pastoral völlig fernstehende Ansammlung von klerikalen Behauptungen
findet, die mit der Lebenswelt normaler Menschen nicht vereinbart werden kann. Auch
die bahnbrechenden Erkenntnisse unserer weltweit führenden Theologen sind darin
so gut wie gar nicht berücksichtigt. Eine solche Missachtung der Wissenschaft
spricht ohnehin für sich.
Am besten belasten Sie auch sich selbst nicht mit dieser
deprimierenden Lektüre. Verkünden Sie die Wahrheit, die Gott ihnen ins Herz
gelegt hat und sie müssen nicht auf tote, auf Papier geschriebene Worte zurückgreifen.
So werden wir schon bald erleben, wie die Barmherzigkeit über den
unbarmherzigen Legalismus triumphiert. Unser Lohn ist es, die Heerscharen
glücklicher Gläubiger zu sehen, die kirchlicher Bindungen gar nicht mehr
bedürfen sondern frei und selbstbewusst das Zeugnis ihres Glaubens in die Welt
tragen: Es gibt keine Verdammnis mehr. Wir selbst können unsere Welt in ein
Paradies der gegenseitigen Annahme, der Barmherzigkeit und der Toleranz
verwandeln.“
Wir bleiben im Gespräch mit dem Verlag, ob wir hier noch
weitere Auszüge aus Hochwürden Schlaus lehrreichen Erfahrungen eröffentlichen
dürfen.
Montag, 3. September 2012
Wurstelheimer Empfehlungen zur Pastoral (4)
Wir fahren fort mit den Auszügen aus den Pastoraltipps von
Pfarrer Schlau aus Wurstelheim:
„Nach diesem kurzen Ausflug in die pastoralen Möglichkeiten
der Familiengottesdienste können wir uns fast übergangslos der nächsten
Sakramentenkatechese zuwenden, der Vorbereitung der Drittklässler auf die
Erstkommunion.
Wie bereits mehrfach ausgeführt ist es von essentieller
Bedeutung auch hier das Angebot sehr niedrigschwellig zu halten, da wir davon
ausgehen müssen, dass ein nicht zu vernachlässigender Anteil der Kinder kein
Gebet sprechen kann. Wir können jedoch an den beliebten Familienritus vor dem
Essen „piep, piep, piep, wir haben uns alle lieb“ anknüpfen, der in zahlreichen
Familien praktiziert wird und uns bereits eine exzellente Vorlage liefert. Den
worum geht es bei der Erstkommunion? Um ein Mahl, DAS Mahl per se. Ein Mahl, zu
dem alle eingeladen sind, in dem Jesus zusammen mit uns feiert. Sozusagen seine
Party, an der wir auch teilnehmen dürfen. Das ist etwas, was alle Kinder leicht
erfassen werden, das gemeinsame Genießen der Tischgemeinschaft. Ich brauche
wohl kaum zu erwähnen, dass Verknüpfungen der eucharistischen Mahlgemeinschaft
mit traumatisierenden Begriffen wie „Opfer“ pädagogisch äußerst ungeschickt
wären. Wir vermitteln Liebe und Annahme.
Darum sprechen wir auch konsequent vom heiligen Brot statt vom „Fleisch
und Blut Christi“. Wie sollten Kinder etwas so kannibalisch Klingendes auch
verstehen? Sie könnten auf die Idee kommen, dass das Christsein ihnen etwas
abverlangen könnte (Opfer), dabei geht es doch darum, sich beschenken zu lassen
von der Güte und Liebe Gottes, die alle erreicht.
Wenn sie dieser Leitlinie gut folgen, können Sie auch völlig
problemlos eine Einheit zum Sakrament der Versöhnung einfügen. Vermeiden Sie hierbei nur Begriffe wie „Sünde“
oder gar „Schuld“. Sagen Sie den Kindern, dass das nur eine nette Unterhaltung
ist, an deren Ende ihnen noch einmal Gottes Segen erteilt wird. Zeigt sich
irgendwo ein Anzeichen von Schuldgefühlen, glätten Sie sofort die Wogen und
versichern, dass das doch gar nicht schlimm war. Ich brauche sicher nicht zu
erwähnen, dass Sie auf keinen Fall die Kinder kritisieren sollten, indem Sie
auf Dinge hinweisen, die sie „falsch“ gemacht haben. Sie wollen doch nicht etwa
Ihr Urteil diesen unschuldigen Wesen aufzwingen? Besonders wichtig ist es dann
noch, dass diese Versöhnungsfeier auch in irgendeiner Weise feierlich begangen
wird. Dafür sollen und dürfen Sie keine Rücksicht auf Kalendertage wie Freitage
oder Aschermittwoche nehmen, wahres Fasten zeigt sich ohnehin nicht im Verzicht
auf Banales wie verschiedene Speisen sondern in der geistigen Haltung. Und
Feiern ist schließlich der Hauptinhalt, den wir in der Erstkommunionkatechese
vermitteln wollen. In dieser heiteren Atmosphäre wird der Glaube der Kinder gut
gedeihen.
Da die Standardgottesdienste für ältere Gemeindemitglieder
leider immer noch persönlichere Gemeindefeiern wie Familien- und
Kindergottesdienste blockieren, achten
Sie gut darauf, dass die Kinder nicht von unbedachten Eltern, die meinen, sie
damit auf den Empfang des heiligen Brotes vorbereiten zu können, in solche
ungeeigneten Gottesdienste mitgenommen werden. Erteilen Sie klipp und klar die
Anweisung, dass nur passende Feiern, die
speziell für die Kinder gestaltet werden, besucht werden. Alles andere wäre in keiner Weise förderlich.
Legen Sie besonderen Wert darauf, dass die Gottesdienste mit
den Kommunionkindern besonders bunt und lebendig sind. Die fröhliche Schar sollte möglichst immer um
den Tisch für das heilige Mahl versammelt sein und passenderweise auf Stühlen
darum herum Platz nehmen. Kreative
Interaktionen mit viel Malen und Gesang unterstützen die Vermittlung aller
wichtigen Inhalte. Gebrauchen Sie nur kindgerechte Texte und streichen Sie
möglichst viel unnützes liturgisches Beiwerk. Achten Sie darauf, dass zumindest
ein Teil der Kinder stets beschäftigt ist mit dem Vortragen von Texten oder dem
Umhertragen des einen oder anderen, das fördert ihre Aufmerksamkeit und das
Verständnis. Und vermeiden Sie unter allen Umständen bedrückende Stille und
einschüchternde Aufforderungen, sich weniger lebendig zu verhalten, weil das
heilige Brot in der Kirche aufbewahrt wird. Mit etwas Glück gelingt es ihnen
auch die Kirche so zu renovieren, dass der problematische Tabernakel, der nun
einmal als Aufbewahrungsort für die Wegspeisung für die Kranken nötig ist, sich
gut abgeschirmt in einem Seitenraum befindet. Eine zentrale Position im
Altarraum fördert nur unerwünschte Einwände seitens konservativer Personen, die
deswegen ein Verhalten einfordern möchten, dass ich nur verkrampft nennen kann.
Jesus liebt diese Kinder und will ihre Freude nicht durch Verbote
beeinträchtigen. Und Gott braucht doch keine Verehrung von uns, er will, dass
wir glücklich sind. Das ist doch der Kern der Sache.
Jesus liebt dich und will mit dir feiern. Wenn Sie das
vermitteln konnten, haben Sie das Ziel der Erstkommunionkatechese erreicht und
es bestehen gute Chancen, dass die Kinder noch etwa zwei bis drei Jahre in
eigens für sie arrangierte Feiern kommen, bevor sie die problematische Pubertät
erreicht haben."
Die Vorabdrucke werden fortgesetzt.
Sonntag, 2. September 2012
Wurstelheimer Empfehlungen zur Pastoral (3)
„Nach den zahlreichen Beispielen für Gespräche mit Suchenden
und Ratsuchenden möchte ich mich nun dem Themenkomplex zuwenden, durch den wir immer noch die meisten Menschen
erreichen können: die Sakramentenpastoral. Taufe, Erstkommunion, Firmung,
Eheschließung, Trauerfälle – hier ist Kirche immer noch gefragt. Hier erreicht
Kirche Menschen, von denen sie sich schon lange in allem anderen entfernt und
entfremdet hat. Hier eröffnen sich die Gelegenheiten für eine fruchtbare
Durchdringung der Welt mit dem Evangelium. Hier legen wir die winzigen
Saatkörner, die keiner wahrnehmen kann und die dennoch zu großen Bäumen
wachsen.
Beginnen wir mit der Taufpastoral. Der Zeitplan eines
Pfarrers ist eng, wir sollten dennoch großzügig etwa 45 Minuten veranschlagen
für solche wichtigen katechetischen Möglichkeiten. Diese wertvollen 45 Minuten müssen genutzt
werden, die meisten der Menschen, die uns gegenüber sitzen, werden wir
wahrscheinlich nach dem eigentlichen Tauftermin erst einmal einige Jahre nicht
wiedersehen, aber jetzt können wir ihr Bild von Kirche bleibend prägen. Halten Sie sich noch einmal vor Augen: Auf
keinen Fall Anstoß erregen! Nichts sagen, was wie Kritik wirken könnte! Denken
Sie nicht im Traum daran etwas von Geboten, Vorschriften, Rechten und Pflichten zu
sagen – wir müssen hier Ängste nehmen nicht aufbauen! Erzeugen Sie eine
Atmosphäre von Harmonie und Annahme! Bedingungsloser! Und vor allem KEINE (!!!)
Zwänge oder Vorschriften irgendeiner Art.
Sie gehen hier doch auf die Menschen
ein. Um Himmels willen erwähnen sie nicht gefährliche Worte wie „Gott“, „Jesus“,
„Sünde“ oder anderes Erschreckendes und Abschreckendes. Wir müssen hier
niedrigschwellig (!) arbeiten. Wir sind oft die ersten Kontaktpersonen nach
vielen Jahren.
Sprechen Sie ausdrücklich über die kreativen Fähigkeiten,
die in den Eltern und ihrem Kind schlummern und die jetzt dank der Hilfe der
Kirche zum Ausdruck kommen dürfen. Weisen Sie explizit darauf hin, dass es zwar
kirchliche Regeln, nein Vorschläge , gibt, wie eine Tauffeier durchzuführen
ist, aber dass das im Grunde alles verhandelbar ist. Der Wunsch der Eltern ist
das einzig Wichtige hier. Ermuntern Sie zu kreativer und ganz persönlicher
Gestaltung der Feier mit eigenen Elementen: Gesangseinlagen, Musikstücke aller
Art, Darbietung eigener gestalterischer und dichterischer Kompositionen. Alles,
was von dem unangenehmen und fremden Kirchlichen der Feier ablenkt, ist
unbedingt zu fördern. Beschäftigen Sie
auch die Leute mit kreativen Arbeiten in Vorbereitung auf die Tauffeier, zum
Beispiel der Ausgestaltung von Kerzen. Je mehr sie sich mit dieser Feier
beschäftigen, desto unvergesslicher wird sie ihnen bleiben.
Wichtig ist, dass die
Namen der Mitfeiernden wenn irgend möglich erwähnt werden, nur dann fühlen sie,
dass das ihre Feier ist.
Es steht Ihnen keinesfalls zu, in irgendeiner Form
nachzufragen, wie etwa die christliche Erziehung des Kindes aussehen wird.
Diese Menschen bringen ihr Kind zur Taufe! Wie könnten sie daran zweifeln, dass
sie es auch entsprechend erziehen werden.
Sie müssen davon ausgehen, dass die Ihnen Gegenübersitzenden alles über
das Sakrament der Taufe und Kirche wissen und zutiefst verinnerlicht haben,
alles andere wäre ja beleidigend. Deren persönlichen Lebensumstände sind hier völlig irrelevant.
Sie werden das Kind schon höchstwahrscheinlich irgendwann zur Erstkommunion
anmelden, falls – FALLS – Sie sie jetzt nicht verschrecken, indem Sie sie mit
religiösen Inhalten überfallen. Und die Erstkommunionkatechese wird dann alles
richten. Keine Sorge, die hält man über mehrere Wochen hinweg und danach kennen
sich die Kinder mit allem Wichtigen aus, egal was sie in ihrem Elternhaus nie
gehört haben. Außerdem gibt es auch noch den schulischen Religionsunterricht,
da erfahren die Kinder wirklich alles. Gerade die Erstkommunion eignet sich zur
Katechese der Eltern. Indem sie ihre Kinder unterrichten, bauen sie ihr eigenes
Glaubenswissen auf. Idealer geht es nicht. Aber dazu später.
Seien Sie in allem kompromissbereit! Fast alles kann
gekürzt, angepasst oder ausgelassen werden oder so ausgeführt, dass man gar
nicht merkt, um was es geht. Zum Beispiel dieses unglückliche Gebet um Schutz
vor dem Bösen, auch Exorzismus genannt. Erwähnen Sie das ganz beiläufig in dem
Kontext, das es da eigentlich nichts gibt, das man irgendwie fürchten müsse. Dass das reine Formsache ist. Ein Relikt
unaufgeklärter Zeiten, aber leider, man weiß ja, die in Rom …
Noch ein kurzer aber wichtiger Hinweis: Gelegentlich kommt
es vor, dass Ihnen – möglicherweise als Pate – , es ist wirklich selten, aber
es kommt vor, jemand gegenübersitzt, der nicht schlicht von Glück überwältigt
ist, dass ihm die Ehre zuteil wurde, Pate zu sein. Das ist schließlich eine
Auszeichnung und die damit einhergehenden Verpflichtungen … Sie erinnern sich,
Verpflichtungen sollte man einfach nicht erwähnen! Seien Sie gewarnt, wenn dann
jemand sagt, es sei doch nicht so ganz einfach, der Verpflichtung nachzukommen,
ein Kind christlich zu erziehen. Hier hat sich einer der ewig Gestrigen
verraten. Lassen Sie sich nicht von seinem eventuell jugendlichen Aussehen
täuschen. Das ist eine zwanghafte
Persönlichkeit, die sich an Verbote klammert und voller Ängste ist. Lassen Sie
nicht zu, dass dieser Mensch andere infiziert. Machen Sie ihm
unmissverständlich klar, dass man eine Taufe leicht zu nehmen hat. Erzählen Sie
am besten ein paar Witze! Besser noch natürlich, wenn es Ihnen gelingt, seine
Bedenken ins Lächerliche zu ziehen. Dann sind alle gerettet. Hätten Sie die
Person weiterreden lassen, wären vielleicht Tabuworte wie Gott oder Jesus
gefallen. Das DARF nicht sein. Diese Worte können die Freiheit der Eltern
beeinträchtigen.
Vielleicht eine kleine Schlussanmerkung: Sollte es durch
unglückliche Umstände geschehen sein (wer rechnet auch mit sowas), dass sie das
Kind zweier Nichtchristen getauft haben, ohne dass ihnen das klar war, weil Sie
ja niemandem mit Fragen zu nahe treten wollten, machen Sie sich nichts daraus. Warum
das Kind getauft werden sollte, werden Sie dann sowieso auch nicht wissen, aber
das ist ja auch völlig nebensächlich. Hauptsache getauft. Gott kümmert sich
schon um den Rest. – Wie? Nein, nein. In diesem Pastoralbuch kann ich den
Ausdruck Gott natürlich gebrauchen, wir sind ja hier unter uns und wissen, was
wir darunter zu verstehen haben."
Die Serie mit den Auszügen aus Hochwürden Schlaus "Wurstelheimer Empfehlungen zur Pastoral" wird fortgesetzt.
Die Serie mit den Auszügen aus Hochwürden Schlaus "Wurstelheimer Empfehlungen zur Pastoral" wird fortgesetzt.
Wurstelheimer Empfehlungen zur Pastoral (2)
Wir setzen unsere Serie der Wurstelheimer Empfehlungen zur
Pastoral fort.
„ Noch immer ist das Image unserer Kirche zu sehr mit der
Drohbotschaft verbunden, die das Leben der Menschen einengt. Obwohl die junge
Generation eine gesunde Abwehrhaltung gegen diese unterdrückerischen die
Freiheit beeinträchtigenden Überzeugungen besitzt, die das Lehramt noch immer
gegen alle wissenschaftlichen Erkenntnisse zu verteidigen versucht, werden auch
junge Menschen gelegentlich von Zweifeln befallen, ob sie es wirklich wagen
dürfen, ihr eigenes Leben zu leben. Da war zum Beispiel Lara M., eine
engagierte junge Mitarbeiterin, die regelmäßig als Lektorin und
Kommunionhelferin tätig wurde, wozu ich sie stets ermutigt hatte. Eines Tages
bat sie um ein Gespräch und teilte mir mit: „Herr Pfarrer, ich habe mich nach
längerem Überlegen dazu entschlossen, mit meinem muslimischen Mitarbeiter zu
schlafen. Eine Heirat kommt für uns aus verschiedenen Gründen nicht in Frage,
aber ich sehe das als Liebe meines Lebens.
Allerdings möchte ich mich an die Regeln halten und zumindest nicht mehr
als Kommunionhelferin tätig sein.“
Kann man es glauben?
Ich habe mein bestes getan, ihr diesen Unsinn auszureden: ‚Lara, Sie sind
eine unserer Besten. Was Sie da tun, ist doch eine völlig private Entscheidung
und hat nun wirklich rein gar nichts mit Ihrem Dienst hier in der Kirche zu
tun! Sie wollen sich doch nicht von so ein paar Heuchlern einschüchtern lassen!
Solches Pharisäertum dulde ich nicht in meiner Gemeinde! Sie werden gleich
morgen wieder Kommunion austeilen! Und Sie werden dabei KEIN schlechtes
Gewissen haben. So etwas tut man einfach in Ihrem Alter. Sie haben hier meine
volle Unterstützung.“ Leider konnte ich Frau M. nicht völlig überzeugen. Sie
übte ihren Dienst nur noch wenige Monate aus, bevor sie nicht mehr kam.
In anderen Fällen bin ich erfolgreicher. Jugendliche, die im
Zweifel sind, ob es tatsächlich kein Problem ist, nur gelegentlich (alle paar
Wochen) einen Gottesdienst zu besuchen. Natürlich, versichere ich ihnen, das
ist doch viel häufiger, als andere es tun. Außerdem gibt es ja auch selten
Angebote, die wirklich für sie passen. Das sogenannte Kirchengebot, das den
sonntäglichen Kirchgang fordert, ist völlig antiquiert und überholt und der
Lebenswelt des modernen Menschen in nichts mehr angemessen. Zum Glück kennen das die meisten Jugendlichen
ohnehin nicht.
Es geschieht nur
gelegentlich, dass sie an religiöse Eiferer geraten, die ihre völlig
überzogenen Praktiken, sich am Katechismus (!) – stellen Sie sich das vor, die
haben einen Katechismus (!!!) und lesen gelegentlich da drin, diese reaktionären rechtskonservativen Elemente! –orientierend,
auch jungen Menschen nahebringen wollen und diese dabei in entsetzliche
Gewissenskonflikte stürzen. Aber damit räume ich schnell auf. In den meisten
Fällen haben sie danach keine Probleme mehr, mit ihrem Freund oder ihrer
Freundin zu schlafen, wann immer sie das für richtig halten. Sonst wären sie
ja völlige Fremdkörper in ihrem Umfeld!
Und ich sehe sie auch nur die normalen zwei- bis sechsmal jährlich in der
Kirche. Das ist unsere Zukunft, junge Leute, die in ihrem Umfeld ihre
christlichen Werte leben, in Freiheit und ohne Zwänge, und die so der ganzen
Welt ein Zeugnis geben, was es heißt, katholisch zu sein. Sie wurden von mir
nicht verurteilt, nun verurteilen auch sie niemanden, gleich, wie der die Liebe
leben möchte. Nur so sieht wahre Pastoral aus."
Sie lasen einen Auszug aus Wurstelheimer Empfehlungen zur Pastoral von Hochwürden Peter Schlau
Die Serie wird fortgesetzt.
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