Oremus pro Pontifice nostro Franzisco.

Dominus conservet eum et vivificet eum

et beatum faciat eum in terra et

non tradat eum in animam inimicorum eius.

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Montag, 25. Oktober 2010

Augustinus, Über die Bergpredigt Buch I, Kapitel 9 – 2. Teil Abstufungen des Zorns


Hier geht es erst einmal um Übersetzungsprobleme und wie man sie manchmal löst.  Was dann kommt, fand ich interessant wegen der zwei Worte, die ich in keiner heutigen Übersetzung finden kann, nämlich „ohne Grund“.  Denn mit denen erscheint der Text erst wirklich sinnvoll. Schließlich wurde ja auch Jesus laut Evangelien gelegentlich einmal zornig und zwar mit gutem Grund.  Schön herausgestellt finde ich auch die Steigerung: einfach zornig sein – wütende Geräusche von sich geben – den anderen zur Minna machen. ( sehr frei übersetzt)

Absatz 22: „Ihr habt gehört“, sagt Er also, dass in den alten Zeiten gesagt wurde, Du sollst nicht töten, und wer tötet, soll in Gefahr sein, gerichtet zu werden. Aber ich sage euch, dass wer ohne Grund zornig auf seinen Bruder ist, in Gefahr sein soll, gerichtet zu werden. Und wer seinen Bruder „raka“ nennt, soll in Gefahr sein, vor den Rat zu kommen, aber wer sagt „Du Narr“, soll in Gefahr sein, ins Feuer der Gehenna zu kommen.“ Was ist der Unterschied zwischen der Gefahr, gerichtet zu werden und der vor den Rat zu kommen? Das letztere klingt sehr gewichtig und erinnert uns, dass verschiedene Stationen passiert wurden von geringfügigeren zu gewichtigeren, bis das Feuer der Gehenna erreicht war. Und daher ist es geringfügiger, in Gefahr sein, gerichtet zu werden als in der vor den Rat zu kommen, und wenn es  geringfügiger ist, vor den Rat zu kommen als in die Gefahr des Feuers der Gehenna, müssen wir begreifen, dass es geringfügiger ist, ohne Grund zornig über einen Bruder zu sein, als „Raka“ zu sagen, und wieder, dass es geringfügiger ist, „Raka“ zu sagen als „Du Narr“. Denn die Gefahr hätte keine Abstufungen, wenn die Sünden nicht abgestuft aufgezählt würden.
Absatz 23. Aber hier hat ein unbekanntes Wort Platz gefunden, den “Raka” ist weder Latein noch Griechisch. Die anderen jedoch sind in unserer Sprache geläufig. Nun, einige wollten die Interpretation dieses Ausdrucks vom Griechischen ableiten, in der Annahme, dass eine zerlumpte Person  „Raka“ genannt wird, weil ein Lumpen Griechisch „rakos“ heißt; doch wenn man fragt, was eine zerlumpte Person auf Griechisch heißt, sagen sie nicht „Raka“; außerdem, ein Lateinübersezter hätte wohl zerlumpt übersetzt, wo er „raka“ wählte und nicht ein Wort gebraucht, das weder im Latein existiert und noch dazu im Griechischen selten ist. Daher ist die Vermutung wahrscheinlicher, die ich von einem Hebräer hörte, den ich dazu fragte; denn er sagte, das Wort heiße gar nichts, sondern drücke nur die Emotion des Zornigseins aus. Grammatiker nennen solche Sprachpartikel, die einem Affekt oder Erregung entstammen Interjektionen; so wie jemand „ach“ sagt, wenn er trauert oder jemand, der zornig ist „Ha!“ In allen Sprachen werden diese Wörter als Eigennamen geschrieben und sind schwer zu übersetzen; und das hat wohl Griechisch- wie Lateinübersetzer dazu gebracht, das Wort selbst zu schreiben, da sie nichts fanden, um es zu übersetzen.
Absatz 24. Hier wird also eine Abstufung der Sünden genannt, zuerst ist man zornig und hält dieses Gefühl im Herzen; doch wenn nun die Emotion einen Ausdruck des Ärgers ohne klare Bedeutung hervorlockt, aber doch dem Gefühl Ausdruck gibt durch diesen Ausbruch, wodurch der, auf den man zornig ist, angegangen wird, dann ist das sicherlich mehr als ein aufkommender Zorn, der in Stille zurückgehalten wird; wenn man jedoch mehr als nur seinen Ärger ausdrückt, sondern auch ein Wort sagt, durch das der, der es ausspricht seine Meinung über den, gegen den es sich richtet, klar zum Ausdruck bringt, wer kann zweifeln, dass das dann mehr ist als ein bloßer Ausruf des Zorns? Daher ist es zuerst nur Zorn, dann gibt es den Zorn und einen Ausruf und als drittes den Zorn und das Wort, das ihn zum Ausdruck bringt und in diesem eine klare Meinung über jemanden. Betrachtet nun die drei Grade, in denen zur Verantwortung gezogen wird: das Gericht, der Rat, das Feuer der Gehenna.  Denn bei einem Gericht gibt es die Möglichkeit, sich zu verteidigen; vor dem Rat, jedoch, obwohl es auch ein Richten gibt (jedoch die Unterscheidung selbst zwingt uns einzugestehen, dass hier ein gewisser Unterschied besteht, dem Rat steht es zu, das Urteil zu fällen, denn hier liegt der Fall des Angeklagten selbst vor, ob er zu verurteilen ist oder nicht, doch die, die richten beraten miteinander, wozu sie ihn verurteilen sollen), steht schon die Verurteilung fest. Das Feuer der Gehenna jedoch fragt nicht mehr nach einer Verurteilung wie das Gericht oder einer Bestrafung des Verurteilten wie der Rat, denn Verurteilung und Strafe, der Verurteilten stehen für die Gehenna schon fest. So gibt es also Abstufungen in der Sünde und in der ausstehenden Strafe; doch wer kann sagen, wie sich das unsichtbar in den Strafen der Seelen zeigt? Wir sollen daher lernen, wie groß der Unterschied ist zwischen der Gerechtigkeit der Pharisäer und der größeren Gerechtigkeit, die in das Himmelreich hineinführt, denn es ist ein schwereres Verbrechen zu töten, als jemandem mit Worten einen Vorwurf zu machen. Im einen Fall liefert das Töten dem Gericht aus, im anderen der Zorn, was die geringste dieser drei Sünden ist. Denn im vorhergehenden Fall wurde die Sünde des Mordes unter Menschen diskutiert, aber im Folgenden geht es um das göttliche Gericht, wo die Verurteilten im Feuer der Gehenna enden. Aber wenn man sagt, dass Mord bei größerer Gerechtigkeit schwerer bestraft wird, wenn schon ein Vorwurf mit dem Feuer der Gehenna bestraft wird, zwingt man uns zu verstehen, dass es verschiedene Gehennas gibt.
Absatz 25. Tatsächlich, in den drei vorliegenden Aussagen müssen wir beachten, dass einige Wörter vorausgesetzt werden. Die erste Aussage enthält alle notwendigen Wörter. „Wer“, sagt Er, „ohne Grund zornig ist auf seinen Bruder, soll in Gefahr sein, gerichtet zu werden.“ Aber bei der  zweiten, wenn Er sagt, „wer zu seinem Bruder „Raka“ sagt“, ist der Ausdruck „ohne Grund“ mit beinhaltet, und so wird geschlossen mit „ist in Gefahr, vor den Rat zu kommen“. In der dritten jetzt, wenn Er sagt, „wer zu ihm sagt: Du Narr!“, zwei Dinge sind mit enthalten, sowohl zu seinem Bruder als auch ohne Grund. Und hier ist es wichtig, das Wort Bruder mitzuhören, da über den Fall eines Feindes danach gesprochen wird und wie dieser unter der größeren Gerechtigkeit zu behandeln ist.

Augustinus, Über die Bergpredigt Buch I, Kapitel 9 – 1. Teil


Hier ein Auszug aus einer Augustinuspredigt zur Bergpredigt; das ist eine ganz andere Auslegung, als ich sie bisher gehört habe, für die folgenden Stellen und daher sehr interessant. Augustinus hat ja kein Sondergut gepredigt, sondern das, was damals christliche Lehre war. Da seine Predigten immer veröffentlicht wurden, wurden sie auch stets von anderen Bischöfen und Kirchenleuten gelesen und diskutiert, wenn nötig. Mit Hieronymus gab es zum Beispiel einmal einen heftigen Disput; damals nahm niemand ein Blatt vor den Mund, wenn er die Lehre Christi und der Apostel falsch ausgelegt sah.

Interessant ist hier, wie „kleinstes Gebot“ verstanden wird und was daraus für den Rest des Textes folgt.

Absatz 21 „Darum sage ich euch: Wenn eure Gerechtigkeit nicht größer ist als die der Schriftgelehrten und Pharisäer, werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen können.“
D.h. wenn ihr nicht mehr als die Mindestvorschriften des Gesetzes (=kleinste Gebote)erfüllt, die den Menschen ausmachen und nicht auch die, die ich hinzufüge, der ich nicht gekommen bin, um das Gesetz zu zerstören, sondern um es zu erfüllen, dann werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen. Aber ihr sagt zu mir: Wenn Er sagte – als Er über diese kleinsten Gebote sprach -, dass wer auch nur eines davon bricht und andere seiner Übertretung entsprechend lehrt, im Himmelreich der Kleinste genannt wird, aber dass wer danach handelt und so lehrt, groß genannt wird und so schon im Himmelreich ist, weil er groß ist. Wenn das also so ist, wozu braucht es dann die Ergänzungen zu den kleinsten Geboten des Gesetzes, wenn jemand bereits im Himmelreich sein kann, wenn er sie hält und andere so lehrt und dadurch groß ist? Darum ist dieser Satz so zu verstehen: „Wer immer dies erfüllt und andere lehrt, der soll groß genannt werden im Himmelreich“ bezieht sich nicht auf die kleinsten Gebote, sondern auf das, was ich jetzt zitiere. Und was ist das? „Eure Gerechtigkeit“, sagt Er, „kann die der Schriftgelehrten und Pharisäer übertreffen“, denn wenn sie das nicht tut, werdet ihr nicht in das Himmelreich gelangen. Wer also diese geringsten Gebote bricht und andere so lehrt, wird der Kleinste genannte werden; aber wer sie hält und andere so lehrt ist nicht unbedingt groß und geeignet für das Himmelreich, auch wenn er nicht ganz so der Geringste ist, wie der, der sie bricht. Aber damit er groß und für das Himmelreich geeignet ist, sollte er tun und lehren, was Christus jetzt lehrt, damit seine Gerechtigkeit die der Schriftgelehrten und Pharisäer übertrifft. Die Gerechtigkeit der Pharisäer besteht darin, dass sie nicht töten sollen, die Gerechtigkeit derer, die in das Reich Gottes eintreten sollen, dass sie nicht ohne Grund zornig sein sollen. Das kleinste Gebot ist also nicht zu töten und wer das bricht, soll im Himmelreich der Geringste genannt werden, aber wer das Gebot nicht zu töten, erfüllt, wird nicht notwendigerweise groß sein und geeignet für das Himmelreich, wenn er nicht einen weiteren Schritt nach oben macht. Darum wird der, der lehrt, nicht zornig zu sein, nicht das Gebot brechen, nicht zu töten, sondern es vielmehr erfüllen; und so bewahren wir die Unschuld nach außen, indem wir nicht töten und im Herzen, indem wir nicht zornig sind.“

Soweit für heute. Es ist länger, als ich dachte. Eigentlich sollte alles auf einmal kommen. Aber das ist schon sensationell für unsere Begriffe: Du sollst nicht töten ist ein „kleines“ Gebot, eine Mindestvorschrift, weil das ja wohl so selbstverständlich ist, dass man es kaum noch als Gebot festlegen muss. Darum ist es nichts Besonderes, wenn man es einhält. Aber nicht zornig zu sein, dass ist ein wahrer Litmustest.

Und da hat der heilige Augustinus doch recht.

Dienstag, 12. Oktober 2010

Alle Texte der Kirchenväter und mehr für ca. 30 Euro auf Englisch

heute nur ein kurzer Infopost
Vor ein paar Jahren suchte ich eine deutsche Übersetzung von De civitate Dei (Augustinus)zu erschwinglichem Preis; war schon drauf und dran notfalls auch die lateinische Fassung zu nehmen; nur war die auch nicht aufzutreiben. Und dann fand ich dieses Angebot bei www.newadvent.org: damals war es noch billiger. Für jeden, der gut Englisch kann, ist es sicher eine sehr interessante Sammlung. Die Enzyklopädie ist beeindruckend, zu den Kirchenvätertexten kommt noch Thomas von Aquin, Texte der alten Synoden und Konzile, s. u. die Liste, was auf der Webseite dort steht. Ich lese mich seitdem stetig durch Augustinus, was ich hoch interessant finde.


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Dienstag, 24. August 2010

Nachtrag zu Augustinus und Pelagius und den Zeitdaten im King Arthur - Film

Bei meinem Beitrag vom Sonntag hatte ich den genauen Zeitrahmen nicht mehr überprüft. Ich wusste, dass der heilige Augustinus sehr beschäftigt war, logisch und ausführlich darzulegen, warum die Lehren von Pelagius und Caelestius falsch waren. Bischof Augustinus führte viel Korrespondenz und viele Fragesteller wandten sich an ihn, wenn sie mit etwas selbst nicht weiter kamen.
Nun starb Augustinus schon 430 AD und von Pelagius hörte man schon seit 418 AD keine Neuigkeiten mehr. Bis etwa 411 AD war er in Rom gewesen, danach reiste er im Mittelmeerraum herum, von einer Ermordung kann - anders als im King Arthur-Film behauptet keine Rede sein.
Da die Filmhandlung angeblich 1 Jahr nach dem Tod des Pelagius stattfindet, müsste sie also 419 AD stattfinden, nicht 460 AD, wie dort im Begleittext behauptet.
Das römische Heer hatte sich laut Wikipedia seit 410 AD vom Hadrianswall zurückgezogen, Nachkommen von Legionären sollen aber die Festungen zum Teil noch weitere 100 Jahre bewohnt haben. Es wird vermutet, dass ab ca. 410 AD sächsische Hilfstruppen angeworben wurden. Zu einer größeren sächsischen Invasion kam es allerdings erst um 440/441 AD. Die Sachsen und Angeln ließen sich zur Besiedlung des Landes nieder. Die Regierungssituation war insgesamt chaotisch. Der römische Kaiser erhob noch bis ca. 540 AD Ansprüche auf Britannien, die Angelsachsen herrschten seit 440 AD im Westen, im Rest des Landes dominierten römisches oder keltisches Erbe.

Kurzum, der Film, der Anlass dieser zwei Posts war, verbiegt die tatsächlichen Gegebenheiten vollkommen. Das wäre für reine Fiktion akzeptabel, aber eben nicht für etwas, das behauptet "echter" zu sein als die anderen Sagen und Legenden.

Sonntag, 22. August 2010

Un-Historisches: King Arthur Film von 2004

Bis vor einer Woche habe ich nie auch nur in Erwägung gezogen, einen Blog zu schreiben - dieser Film hat es geschafft. Von daher: auch wenn es niemand lesen sollte, möchte ich ein paar Kommentare schreiben zu dem Fim "King Arthur" von 2004.

Im Kino hatte ich mir dieses Werk nicht angesehen, da ich die Porträtierung Gwenhwyfars als wilde Kriegerin als klaren Bruch mit dem Material genauso wie mit der von den Machern dieses Filmes postulierten Historizität empfand. Nun stand der Film mit Topwertung in einer Programmzeitschrift  und das wollte ich doch nutzen.

Was die Historizität angeht, muss ich sagen, dass möglicherweise einige der bisherigen Sagen, inklusive Drachen und Monstern, höhere Ansprüche darauf erheben können.

Die Geschichte soll im Jahre 460 n. Chr. spielen. Die Ritter der Tafelrunde sind zwangsrekrutierte Asiaten (gespielt von Europäischstämmigen), ca. 15 Stück unter der Führung des britisch-römischen Artorius. Diese kleine Reitergruppe schafft es übrigens fast von Anfang an, anscheinend den ganzen Hadrianswall zu sichern und die Bewohner der schottischen Lowlands zurückzuhalten, obwohl das Hunderte zu sein scheinen.
Die Sachsen fallen aus irgendeinem Grund (laut Film: totale Zerstörung, Mord und Brandschatzung und nicht der Druck der Völkerwanderung) weit im Norden jenseits des Hadrianswalls ein (müssen viele gute Schiffe gehabt haben) und marschieren nach Süden - unter Trommelklang und anscheinend im Gleichschritt obwohl ein wilder Haufe.

Obwohl die Römer Britannien schon um 440 n.Chr. geräumt hatten, gibt es fast zwei Tagesreisen nördlich des Hadrianswalls noch ein römisches Gut (mitten im "Pikten"land), das anscheinend floriert und erst durch die Sachsen bedroht wird. Noch unglaublicher: dieses Gut wurde dem Inhaber vom Papst (!) verliehen, der laut Film alle römischen Truppen zu kontrollieren scheint und dessen Patenkind "Allecto" dort wohnt. Ebendieser Papst verlangt durch einen als General gekleideten Bischof, der sich durch ausgeprägtem Zynismus auszeichnet, dass die zwangsrekrutierten Asiaten noch die Römer vor den Sachsen retten, bevor sie in die Heimat dürfen.

Artorius ringt sich schweren Herzens zu der Aktion durch und die anderen machen seinetwillen mit. Hier sind ein paar Worte darüber zu verlieren, dass das Hauptanliegen des Filmes zu sein scheint, gegen die katholische Kirche zu hetzen und diese mit allen Mitteln zu verleumden. Kleriker sind laut Film samt und sonders ausgemachte Feiglinge, die selbst nicht an ihre nutzlosen Gebete glauben und ihr frommes Gehabe ohnehin nur als Vorwand nehmen, um arrogant Vorrechte einzufordern und ihren perversen Neigungen (Foltern und dergleichen) nachzugehen. Damit das ganze nicht eindeutig christenfeindlich ist, hat man als Lichtfigur den britischen Mönch Pelagius entdeckt. Laut Film setzte er sich für Freiheit und Gleichheit für alle ein und wurde deswegen von den machtgierigen Herrschenden in Rom ermordet. Da sicher nicht jeder Pelagius kennt: zur Zeit des Augustinus kam durch ihn der Pelagianismus auf, dessen Hauptpostulate waren, dass jeder Mensch aus sich heraus perfekt gut leben kann ohne die Erlösung durch Jesus Christus zu benötigen und dass es keine Erbsünde gibt. Seine Schüler fügten dem einige Punkte hinzu. Man kann der Meinung des Pelagius sein oder nicht, aber das war ein Bruch mit der christlichen Lehre, daher wurde er vor ein paar Bischöfe zitiert, vor denen er beteuerte, missverstanden worden zu sein und natürlich die allgemein christlichen Überzeugungen zu teilen. Kaum war er frei gesprochen, verkündete er, seine Aussagen seien von den Bischöfen als richtig anerkannt worden. Soviel also zu Pelagius.

Auf dem Landgut in Schottland gibt es dann eine von Mönchen als Folterwerkstatt genutzte Kapelle, in deren Krypta als einzige Überlebende ein blonder Junge mit gebrochenem Arm (Pikte!) und die Tochter des Herrschers aller Pikten (Merlin), namens Gwenhwyfar gerettet werden, der man alle Finger ausgerenkt hat. Zu den weiteren Abstrusitäten will ich gar nicht mehr viel äußern. War gerade noch Spätherbst, ist einen Tag später tiefster Winter, bei dem verfolgende Sachsen in einem zugefrorenen See versenkt werden, den vorher eine Reisegruppe samt Wagen überqueren konnte. Nach Rettung der römischen Familie (ohne den Vater, der wird noch eliminiert), verteidigen die Reiter mit den Schottenvorfahren den Hadrianswall gegen die von Norden eindringenden Sachsen, die nur an dieser Stelle mit ihren paar tausend Mann auf ihn losstürmen und gewinnen natürlich (Gwenhwyfar macht halbnackt und blau bemalt Saltos mitten unter den Kämpfenden) und weil Artorius ja halber Brite ist und entsetzt über den Zustand der Kirche jetzt doch nicht nach Rom will, darf er die Piktenprinzessin heiraten und alles ist gut.

Für wie dumm werden die Zuschauer denn gehalten? Wenn man schon Sagen und Legenden dekonstruiert und größere Realität postuliert, sollte das doch wenigstens auf irgendwelchen Tatsachen beruhen.

Und warum protestiert niemand gegen die oben geschilderten Verunglimpfungen, die geschichtlich nun wirklich jeder Grundlage entbehren?