Oremus pro Pontifice nostro Franzisco.

Dominus conservet eum et vivificet eum

et beatum faciat eum in terra et

non tradat eum in animam inimicorum eius.

Montag, 25. Oktober 2010

Augustinus, Über die Bergpredigt Buch I, Kapitel 9 – 1. Teil


Hier ein Auszug aus einer Augustinuspredigt zur Bergpredigt; das ist eine ganz andere Auslegung, als ich sie bisher gehört habe, für die folgenden Stellen und daher sehr interessant. Augustinus hat ja kein Sondergut gepredigt, sondern das, was damals christliche Lehre war. Da seine Predigten immer veröffentlicht wurden, wurden sie auch stets von anderen Bischöfen und Kirchenleuten gelesen und diskutiert, wenn nötig. Mit Hieronymus gab es zum Beispiel einmal einen heftigen Disput; damals nahm niemand ein Blatt vor den Mund, wenn er die Lehre Christi und der Apostel falsch ausgelegt sah.

Interessant ist hier, wie „kleinstes Gebot“ verstanden wird und was daraus für den Rest des Textes folgt.

Absatz 21 „Darum sage ich euch: Wenn eure Gerechtigkeit nicht größer ist als die der Schriftgelehrten und Pharisäer, werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen können.“
D.h. wenn ihr nicht mehr als die Mindestvorschriften des Gesetzes (=kleinste Gebote)erfüllt, die den Menschen ausmachen und nicht auch die, die ich hinzufüge, der ich nicht gekommen bin, um das Gesetz zu zerstören, sondern um es zu erfüllen, dann werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen. Aber ihr sagt zu mir: Wenn Er sagte – als Er über diese kleinsten Gebote sprach -, dass wer auch nur eines davon bricht und andere seiner Übertretung entsprechend lehrt, im Himmelreich der Kleinste genannt wird, aber dass wer danach handelt und so lehrt, groß genannt wird und so schon im Himmelreich ist, weil er groß ist. Wenn das also so ist, wozu braucht es dann die Ergänzungen zu den kleinsten Geboten des Gesetzes, wenn jemand bereits im Himmelreich sein kann, wenn er sie hält und andere so lehrt und dadurch groß ist? Darum ist dieser Satz so zu verstehen: „Wer immer dies erfüllt und andere lehrt, der soll groß genannt werden im Himmelreich“ bezieht sich nicht auf die kleinsten Gebote, sondern auf das, was ich jetzt zitiere. Und was ist das? „Eure Gerechtigkeit“, sagt Er, „kann die der Schriftgelehrten und Pharisäer übertreffen“, denn wenn sie das nicht tut, werdet ihr nicht in das Himmelreich gelangen. Wer also diese geringsten Gebote bricht und andere so lehrt, wird der Kleinste genannte werden; aber wer sie hält und andere so lehrt ist nicht unbedingt groß und geeignet für das Himmelreich, auch wenn er nicht ganz so der Geringste ist, wie der, der sie bricht. Aber damit er groß und für das Himmelreich geeignet ist, sollte er tun und lehren, was Christus jetzt lehrt, damit seine Gerechtigkeit die der Schriftgelehrten und Pharisäer übertrifft. Die Gerechtigkeit der Pharisäer besteht darin, dass sie nicht töten sollen, die Gerechtigkeit derer, die in das Reich Gottes eintreten sollen, dass sie nicht ohne Grund zornig sein sollen. Das kleinste Gebot ist also nicht zu töten und wer das bricht, soll im Himmelreich der Geringste genannt werden, aber wer das Gebot nicht zu töten, erfüllt, wird nicht notwendigerweise groß sein und geeignet für das Himmelreich, wenn er nicht einen weiteren Schritt nach oben macht. Darum wird der, der lehrt, nicht zornig zu sein, nicht das Gebot brechen, nicht zu töten, sondern es vielmehr erfüllen; und so bewahren wir die Unschuld nach außen, indem wir nicht töten und im Herzen, indem wir nicht zornig sind.“

Soweit für heute. Es ist länger, als ich dachte. Eigentlich sollte alles auf einmal kommen. Aber das ist schon sensationell für unsere Begriffe: Du sollst nicht töten ist ein „kleines“ Gebot, eine Mindestvorschrift, weil das ja wohl so selbstverständlich ist, dass man es kaum noch als Gebot festlegen muss. Darum ist es nichts Besonderes, wenn man es einhält. Aber nicht zornig zu sein, dass ist ein wahrer Litmustest.

Und da hat der heilige Augustinus doch recht.

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