Oremus pro Pontifice nostro Franzisco.

Dominus conservet eum et vivificet eum

et beatum faciat eum in terra et

non tradat eum in animam inimicorum eius.

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Samstag, 8. Juli 2017

Wahre Loyalität - Papsttreue erklärt unter Bezug auf Thorin Eichenschild und Bilbo

Zugegeben, so ganz habe ich die Linie noch nicht finden können. Es ist ja nicht gerade eine einfache Situation durch die ich mich wie viele andere durch Papst Franziskus gebracht sehe. Denn es ist ein nicht unbeträchtlicher Loyalitätskonflikt, weil sich eine Divergenz aufgetan hat zwischen sehr klaren Aussagen des Evangeliums und Aussagen dessen, der von seinem Amt her die höchste Deutungshoheit darüber hat. Es hat schon zahlreiche Versuche gegeben, die bestehenden Risse zu mörteln und  zu kitten. Nicht zuletzt durch den bisherigen Präfekten der Glaubenskongregation, dem dafür nun auf recht denkwürdige Weise der Lohn gegeben wurde. Wie die Treue halten angesichts sich vermehrender realer Schäden und Unglaubwürdigkeiten, die durch mangelnde Übereinstimmung von Worten und Taten des hohen Kirchenfürsten entstehen?

Vielleicht hilft ein Blick auf Tolkiens Geschichte von Bilbo Beutlin und Thorin Eichenschild:
Thorin ist ein Zwergenfürst, einer der wegen seines Mutes, seiner Unangepasstheit und seines Einsatzes gerade für diejenigen seines Volkes, die alles verloren haben der Respekt und die Liebe seiner Gefolgsleute gehört. Eigentlich ist Thorin König über alle Zwerge, leider fehlt ihm das Symbol seiner Macht, der Arkenstein. Der liegt in seinem verlorenen Herrschersitz, Erebor, und ein Drache sitzt darauf. Bei den Bemühungen, an das Juwel zu kommen, sind Thorin und Bilbo Freunde geworden. Bilbo findet den Arkenstein zuerst. Und er gibt ihn nicht an Thorin. Denn mit diesem ist etwas Erschreckendes geschehen, als er Erebor erreicht hat und der Drache durch andere getötet wird: der edle Thorin verfällt dem Rausch der Macht und des Goldes. Er verweigert die Herausgabe von Schätzen, die ihm nicht gehören. Er verweigert sich Mitgefühl und Barmherzigkeit gegenüber Notleidenden. Er bricht sein Wort, auf das man vorher hätte bauen können, weil ihn nur noch die Gier beherrscht.  Und der Arkenstein, der noch mehr Loyalität an Thorin binden würde, würde einen unsinnigen und unnötigen Krieg auslösen. - Bilbo gibt den Arkenstein denen, die berechtigte Ansprüche gegen Thorin haben, damit diese ein Mittel haben, um sie ohne Krieg zu verfechten und kehrt zu Thorin zurück, um an dessen Seite zu bleiben. Thorin ist zunächst außer sich über den Verrat, kommt aber später zur Besinnung und bestätigt: "Nur ein wahrer Freund tut, was du getan hast."

Bilbo war auch in einem schwierigen Loyalitätskonflikt. Nicht nur, dass ihn ein Vertrag an Thorin band, er ist diesem auch persönlich verbunden und leidet unter dessen Persönlichkeitsänderung. Denn Thorin ist dabei, sich selbst und alles, was ihm wichtig war zu zerstören. Laut seinem Vertrag hat Bilbo das Anrecht auf den 14. Anteil des Schatzes. Er beschließt, den Arkenstein als diesen 14. Anteil zu betrachten und selbst darauf zu verzichten, um einen Krieg zu verhindern, Recht werden zu lassen und denen in Not zu helfen.  Dazu muss er sich erst einmal Thorins klarer Anordnung widersetzen und ihm das Juwel "stehlen". Und zwar auf eine Weise, dass Thorin das für ihn wichtige Juwel sofort in seinen Besitz nehmen kann, wenn er sich wieder an das Recht anderer und den Wert seines Wortes erinnert. Ein geringer Preis für Thorin sollte man denken. Aber dieser ist zunächst verblendet und tobt über den Verrat aus seiner Sicht.

Betrachten wir also einmal die Lage mit Kardinal Jorge Maria Bergoglio, nun Papst Franziskus. Der Kardinal war immer eigenwillig und liebte es, durch sein gegen andere sich abhebendes Verhalten hervorzustechen, sein Verstand war scharf, seine Liebe zur Kirche groß und sein Einsatz für Arme und Bedrängte beeindruckend.

Vielleicht hilft es, hier gleich einmal nach Videos zu suchen, die ihn als Kardinal Bergoglio und jetzt als Papst zeigen. Darauf fällt einiges auf: eine Änderung der Sprache in Artikulation und Stil, eine Änderung der Bewegungen. Natürlich, das Alter. Und wir konnten ja erleben, wie die Sprache Johannes Paul II durch seine Erkrankung immer undeutlicher wurde, während sein Verstand scharf blieb. Keine Beobachtung taugt hier allein für sich.
Jedoch ist es vielleicht zu bedenken, dass das zunehmende Alter auch bei Päpsten einmal - wir können es schon geradezu wundersam nennen, wie wenig das in den letzten zwei Jahrhunderten der Fall war - sich auch auf die Schärfe des Verstandes und des Urteilsvermögens auswirken könnte.

Es wurde bemerkt, dass es kein freies Gespräch mehr mit den neu kreierten Kardinälen dieses Jahres gab. Man kann da etwas bis zum Januar zurückverfolgen. Da war meines Wissens die letzte freie Predigt des Papstes beim Gottesdienst zur Taufe des Herrn. Die Kommentatoren spielten darüber hinweg, aber er verlor dabei sichtbar den Faden und schaffte kaum noch den Bogen zu einem halbwegs schlüssigen Ende. Dazwischen Reminiszenzen wie goldig es ist, wenn Babies weinen und einmal mehr die Aufforderung, die Mütter sollten ihre Kinder doch ruhig im Gottesdienst stillen. (Ahem. Ja. Vor laufender Kamera mit Übertragung weltweit beim besonders festlichen Anlass in der Sixtinischen Kapelle ...) Seitdem herrschen Skripte vor, die auf weiten Strecken keinen Bergoglio-Sprachstil erkennen lassen und offenbar gab es sogar ein gründliches Coaching vor Flugzeuginterviews, wie man auf manche Fragen klugerweise besser nicht eingeht.

Ich war ehrlich gesagt erleichtert, dass jemand den Fettnäpfchenparcours in den Griff zu bekommen schien, denn die Außenwirkung des Papstamtes ist bedeutend und es macht sich nicht so sonderlich gut, zu demonstrieren, wie scharf das Denken hier möglicherweise noch ist oder auch nicht. Ich bin alles andere als froh, wenn ich Anlass habe, etwas zu problematischen Aussagen und Handlungen meines Kirchenoberhauptes zu schreiben. Ich würde ungeheuer gerne, einfach loyal sein und kleine Fehler mit ausbügeln und Unschärfen glätten.

Leider haben die jüngsten Ereignisse gezeigt, dass diejenigen, die den Papst zu einem gewissen Grad im Griff zu haben scheinen, einen sehr problematischen Weg zu verfolgen scheinen. Ich verweise einmal auf diesen Blog  zur Frage der Personalentscheidungen, von denen es ja noch einige mehr zu nennen gäbe. Es wird nicht nur gegen den normal menschlichen Anstand sondern auch gegen Kirchenrecht verstoßen - so dass man eigentlich von Willkür sprechen muss oder von großem Unverstand der Verantwortlichen. Womit ich die Berater meine und nicht den, der auf sie angewiesen ist.

Und bei solchem Unverstand und den sich weltweit in der Kirche mehrenden Schäden, die dadurch entstehen, dass Strukturen der Kurie regelrecht entkernt werden, ohne dass ein guter Neuaufbau stattfindet, so dass der Vatikan immer mehr einer Baustelle gleicht, durch die etliche seiner ehemaligen Bewohner halb heimatlos irren. Weil das, was Papst Franziskus predigt für alle Welt sichtbar im Widerspruch zu seinem Handeln und Umgang mit anderen steht und das Vorurteil verstärkt, die Kirche stehe nur für Heuchelei, kann es nicht loyal sein zu schweigen.Und wen wundert es, wenn da so mancher der Demonstration der als Heuchelei wahrgenommenen Widersprüche begeistert applaudiert.
Auch sind die ersten Versuche, die Unklarheiten mit dem Betroffenen unter vier Augen zu klären, zum Teil verweigert worden, zum Teil gescheitert. Der nächste Schritt, die Klärung unter Anwesenheit von Zeugen zu suchen, scheint auch nicht erfolgreich zu sein.

Irgendwann bleibt als letzter Schritt nur das öffentliche Einstehen für die Wahrheit. So schmerzlich es ist, wird gerade das von echter Loyalität gefordert sein.

Warum nun hat der Heilige Geist diese Lage zugelassen? Es ist ja so, dass einige Kardinäle ihre Wahl inzwischen als Fehleinschätzung der Person beklagen.
Ich meine, wir müssen unsere Bilbo-Lösung für das Problem noch finden. Die erste Versuchung ist es, über den Papst zu schimpfen und selbst Loyalität und den Gehorsam - da wo er möglich ist - zu verweigern, und diese protestierend protestantische Haltung kann nicht die Lösung sein.

Probleme müssen benannt werden können. Aber ohne selbst das Recht zu brechen.
Richtigstellungen bzw. Anmerkungen zu Aussagen sind nicht nur erlaubt sondern auch notwendig. Aggressionen gegen die Person sind es nicht. Auch dann nicht, wenn die Person in Autoritä selbst sich ungerecht verhalten sollte

Es ist eine große Herausforderung, die Mut und Demut verlangt, die helfen kann mit eigenen Bequemlichkeiten und unguten Kompromissen zu brechen. Beten wir um Weisheit!

Dienstag, 7. Februar 2017

Viel zitiert und einseitig interpretiert (2) - Niemand darf ewig verurteilt werden

Die Aussage:
"Niemand darf auf ewig verurteilt werden, denn das ist nicht die Logik des Evangeliums." (AI 297)

Dieser Aussage kann gar nicht voll zugestimmt werden, ohne in Widerspruch mit dem Evangelium zu geraten.

Und zwar geht es hier um Matthäus 16,18-19:
18 Ich aber sage dir: Du bist Petrus und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen und die Mächte der Unterwelt werden sie nicht überwältigen.
19 Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreichs geben; was du auf Erden binden wirst, das wird auch im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, das wird auch im Himmel gelöst sein.

Das heißt, dass die Kirche bzw. Petrus tatsächlich ein Urteil sprechen darf, das auch für die Ewigkeit gültig ist. Dass das natürlich nicht leichtfertig und in geringfügigen Dingen geschehen darf, dürfte sich von selbst verstehen. Denn das wäre absoluter Amtsmissbrauch dessen, der diese Autorität ausübt. Aber es darf definitiv sein, dass ein Urteil auf ewig gesprochen wird.

In den meiisten Fällen ist es so, dass die Kirche zwar darauf hinweist, dass die ein oder andere Entscheidung  mit recht hoher Wahrscheinlichkeit zu einer ewigen Trennung von Gott führen wird aber stellt das endgültige Urteil dem Herrn selbst anheim. D.h. sie verurteilt nicht aber warnt davor, dass jemand die ewige Verurteilung von einziger absolut dazu berechtigter Stelle riskiert.

Merkwürdigerweise wird nun obige Aussage dahin interpretiert, die Kirche (und alle die zu ihr gehören) dürften keine solche Warnung mehr aussprechen, weil diese eine Verurteilung sei.

Hinweis für alle, die das einmal nach Ende dieser Zeit der Verwirrung verwundert lesen:: Neben vielen anderen hat die deutsche Bischofskonferenz sich am 1. Februar 2017 in einem Dokument dahingehend geäußert, dass die Pflege sexueller Kontakte mit Personen, mit denen man nicht kirchlich verheiratet ist, nicht notwendigerweise von den Sakramenten ausschließt. Da man ja niemanden ewig verurteilen dürfe. - Was ohnehin niemand täte, da ein Ausschluss von den Sakramenten sehr sicher nicht ewig sein kann, wenn er jederzeit dadurch beendbar ist, dass man sich von einem gewissen Verhalten abwendet .... Aber gemeint ist anscheinend, man dürfe einige Leute nicht warnend darauf hinweisen, welche Gefahr deren Verhalten in sich birgt. - Ich finde das ja auch hoch bedenklich, gefährlich und nicht gerade der Vernunft entsprechend, aber offenbar scheinen gerade der Papst und viele Bischöfe dieser Meinung zu sein. Vielleicht liegt es an der Theologie, rationales Denken scheint damit nichts zu tun zu haben.

Montag, 6. Februar 2017

Viel zitiert und einseitig interpretiert (1) - Eucharistie als Heilmittel

Die Aussage:
Die Eucharistie ist "nicht eine Belohnung für die Vollkommenen, sondern ein großzügiges Heilmittel und eine Nahrung für die Schwachen" (EG 47)

Das ist natürlich und offensichtlich vollkommen richtig, denn sonst könnte NIEMAND die Eucharistie empfangen, höchstens direkt nach einer Beichte, die gerade einen Zustand der Vollkommenheit (auf Grundlage der Verdienste Jesu nicht weil jemand per se vollkommen wäre) hergestellt hat.

Niemand von uns ist vollkommen. Jeder von uns hat Schwächen, in denen er Hilfe braucht.

Aber heißt das nun etwa, dass man um so dringender der Eucharistie bedarf und diese empfangen sollte, je schwerer man gesündigt hat? Ich glaube nun eher nicht.

Die Hilfe kann leichter dem werden, der mit seiner Schwäche ringend, die Kraft benötigt, um nicht in was auch immer zu sündigen. Hier kommt die Gnade der fehlenden Kraft im Kampf zu Hilfe.

Es wäre dahingegen, um das andere Extrem zu formulieren, eher unwahrscheinlich (ich würde ja sagen sogar ein Sakrileg) einem mit seiner (schweren) Sünde recht zufrieden lebenden Menschen, die Eucharistie zu verabreichen, damit die ihn gewissermaßen bekehrt.
Eventuell als Mittel, um diesem Menschen auszudrücken, dass man es besonders barmherzig mit ihm meint.

Soweit ich weiß, ging man bisher davon aus, dass der Empfang der Eucharistie in schwerer Sünde eher zu einer Herzensverhärtung (= Mangel an Erkenntnis der eigenen Fehler, evtl. Stolz auf das eigene Verhalten, fehlendes Unrechtsbewusstsein, Gleichgültigkeit)  führt und damit in keiner Weise eine Hilfe für den durch die Sünde Verwundeten ist.

(Die derzeitige äußerst eng geführte Interpretation der diskutierten Aussage ist, dass wiederverheiratete Geschiedene die Sakramente daher unbedingt empfangen können sollten. Ich diskutiere das hier nicht. Ich erwähne es für den Fall, dass wir irgendwann aus der momentanen Verwirrung heraus sind und sich jemand wundert, inwiefern denn diese eigentlich so richtige Aussage sinnwidrig verwendet wurde.)

Donnerstag, 5. Januar 2017

Gibt der Papst nun dem Tratsch einen Ritterschlag?

Eigentlich wollte ich nur an meiner Mandel-Angina pflegen, mit der ich seit dem Weihnachtsfeiertag im Bett liege, aber die Meldung hat mich jetzt so erschüttert, dass ich in aller Wackligkeit doch etwas schreibe:

Zuerst war es nur ein italienischer Blogger, der von kath.net aufgegriffen wurde, aber fast alle zögerten zu schreiben, in der Hoffnung, es sei doch nur ein böses Gerücht.

Es hieß, der Papst habe die sofortige Entlassung dreier Mitarbeiter der Glaubenskongregation gefordert und als Begründung nur angegeben, er sei der Papst, er könne tun, was er wolle. Dies scheint auch der Bescheid zu sein, den Kardinal Müller bekam, als er zugunsten seiner langjährigen und nach bisherigem Wissen absolut integren Mitarbeiter Rücksprache suchte.Genau wissen kann man das ja nicht, da so ein Gespräch vertraulich ist. Aber wenn der Supplicant binnen kürzester Frist entlassen ist und bei Frage nach den Gründen auch nur mit den Schultern zucken kann, gibt es wohl nicht viele Optionen.

Kein Skandal. Keine Indiskretionen aus dem Amt. - Oh, halt. Einer hatte doch eine Vermutung, es betraf allerdings einen guten Freund eines Vertrauten des Papstes, der wohl gehört habe, wie er eine kritische Anmerkung zu etwas machte, das dieser getan hatte. Nicht in der Öffentlichkeit, nur im Gespräch mit jemandem, zufällig belauscht von einem Mitglied des Klatsch- und Tratschvereins, der sich offenbar der ganz besonderen Wertschätzung des Heiligen Vaters erfreut, der zwar schon einmal das unnütze Geschwätz gewaltig anprangerte aber offenbar nicht nur diesem weiterhin fleißig huldigt sondern jetzt - wie es scheint - auf Veranlassung eines Tratschträgers gleich drei Mitarbeiter entlässt.

Letzteres ist kein Gerücht. Zwei sind schon gegangen. Einer, möglicherweise völlig ungerechtfertigt beschuldigt, scheint noch zu hoffen, seinen Dienst weiterhin tun zu dürfen.

Soweit die Schilderung, ansonsten fehlen mir da erst einmal die Worte.

Obiger Blogger nannte noch einen anderen recht traurigen Vorfall. Aus einem Bistum (nicht in Italien) kam die Vorschlagsliste eines Bistums standen drei Kandidaten, deren einen die Kongregation bestens fand, den zweiten gut, nur beim dritten bestanden Bedenken wegen moralischer und Lehrfragen schon seit der Seminarzeit. Aber der dritte erfreute sich der Protektion eines Papstlieblings und wurde von höchster Stelle zum Bischof bestimmt.

Quo vadis, Petrus?

Nur der Vollständigkeit halber: in geradezu unnachahmlicher Selbstherrlichkeit hat der Papst nun eine Untersuchungskommission in Personalfragen des Malteserordens eingesetzt. Nur dass der Malteserorden völkerrechtlich souverän ist und ihm nicht juristisch untersteht. Der Orden hat schon protestiert.

Herrschaft von Klatsch und Tratsch.
"Vetternwirtschaft" ohne Rücksicht auf problematische Kandidaten.
Sehr autoritäre, willkürliche und unangemessene Entscheidungen.

Und Barmherzigkeit? Wird ja eh nur als Keule eingesetzt, um sie denen um die Ohren zu schlagen, die gewissen gegen jede Ratio bevorzugten Kreisen nicht die nötige kniefällige Bewunderung entgegenbringen.

 Die Kirche hat schon Schlimmeres überlebt, aber es ist sehr sehr traurig.

Sonntag, 4. Dezember 2016

Zweiter Advent 2016

Heute waren Minusgrade und der Rauhraif hatte alles Grünende überzogen. Daher war die Scooterfahrt in die Kirche des Nachbarortes - dick eingemummt wegen der Kälte - vom Optischen sehr schön.

Der Vertretungspriester lebt sich richtig ein und hat Freude an dieser Gemeinde - der Pfarrer selbst musste schon seit Oktober in die Klinik wegen eines immer wieder auftretenden Problems.
Die Gemeinde trägt den Gottesdienst sehr engagiert mit: zahllreichen Lektoren und Organisten, die sich richtig Mühe geben. Die Lesungen immer vollständig vorhanden. Die Lieder passen.
Vor dem Gottesdienst wird der Adventskranz entzündet und dabei die entsprechende Strophe von "Wir sagen euch an" gesungen.

Ohne meine gesundheitlichen Probleme hätte ich diese wirklich aufbauenden Gottesdienste dort nie erlebt.

Weniger erbauend sind die Reaktionen und Äußerungen, die aus kirchlichen Kreisen verlauten, weil die vier Kardinäle ihre Dubia öffentlich machten, nachdem ihnen der Adressat nicht antwortete. Man glaubt kaum den eigenen Augen und Ohren trauen zu können:
Zu Zeiten Papst Benedikts war es Usus, dessen Worte, Bitten und Anweisungen bestenfalls zu ignorieren, mindestens zu Verdrehen und ins Lächerliche zu ziehen oder gleich ganz verbal über ihn herzufallen. Das immer mit stolzen Hinweis, man fühle sich wie Paulus, der ja auch Petrus einmal tüchtig die Meinung gesagt habe.
Nun wird Papst Franziskus, der übrigens selbst zu einer Diskussion seiner Beiträge aufrief, sehr sachlich um Stellungnahme zu sehr problematischen Interpretationen gebeten, die sich aus seinen -vermutlich bewusst - unklaren Äußerungen ergeben. Darauf erheben sich empörte Chöre von: Wie kann man es wagen, ihn nur in irgendeiner Weise zu kritisieren? Das sei ja geradezu Verrat.

Seltsam, oder? Nein, diese Kardinäle tun keinesfalls das, was Paulus gegenüber Petrus tat - heißt es. Hmmm.

Schlimmer noch, dann wird gleich eine etwas überzogene Äußerung von jemandem aus der römischen Kurie falsch wiedergegeben und impliziert, diese Kardinäle hätten sich durch diese angebliche Ungeheuerlichkeit selbst suspendiert. Ich bin mir nicht sicher, ob die Empörten auch gleich exkommuniziert sehen wollten. Es hörte sich fast so an.

Das Ganze spricht weder für die Qualität der kirchlichen Presse noch für die geistliche Reife der hier beteiligten Kirchenmitarbeiter. Soviel steht fest.

Sonntag, 20. November 2016

Papst des Postfaktischen

Jede Zeit hat ihre große Irrlehre, und die Aufgabe der Kirche war es von jeher auf solche Herausforderungen zu reagieren und in die Situation hinein die unveränderliche Wahrheit Gottes zu sprechen.

Die vorherrschendste aktuelle Irrlehre wird am besten charakterisiert durch den recht  neuen Ausdruck "postfaktisch", den man nun immer häufiger auch in den Texten verwendet sieht. "postfaktisch" ist eine Übersetzung des Originals "post-truth". Das zu wissen ist wichtig, um ganz zu verstehen, worum es hier geht. Für ganz glücklich halte ich die Übersetzung nicht, obwohl sich deutsches und englisches Wort durchaus ergänzen: die Wahrheit ist ein Fakt, ein Fakt ist wahr. Wird für eine Haltung des Zeitgeistes ein "post" vor etwas gesetzt, wird damit ausgedrückt, dass das folgende Wort etwas ist, das der Vergangenheit angehört.

Postfaktisch bedeutet also, dass objektive Fakten/Tatsachen oder eben die schlichte ungeschminkte Wahrheit als irrelevant betrachtet werden, während eine persönliche Überzeugung, Meinung oder ein gefühlsmäßiger Eindruck als ausschlaggebend und relevant angesehen werden.

Das Christentum gründet auf dem, der im Johannesevangelium als "Logos" (im Deutschen etwas sinnverkürzend das Wort) bezeichnet wird und von sich selbst sagte, er sei die Wahrheit. Es ist offensichtlich, dass es nicht mit einer postfaktischen Einstellung, die sich nur an sich selbst orientiert und subjektive Wahrheiten zu definieren versucht, vereinbar ist.

Hier allerdings ist Unterscheidung vonnöten, und es hat derzeit den Anschein, dass viele Amtsträger der Kirche, auch Bischöfe und wohl auch der Bischof von Rom derzeit noch nicht erkannt haben, was hier am meisten zu verteidigen ist, da es die größte Not unserer Zeit beschreibt, die Abwendung von der Wahrheit, den Fakten, dem Logos.

Für sehr symptomatisch halte ich hier ein ganz aktuelles Ereignis: Vier Kardinäle haben in einer Angelegenheit den Papst um fünf simple Aussagen (so formuliert, dass dies nur mit klarem Ja oder Nein zu tun ist) gebeten, die wichtig sind zur Klärung eines Sachverhaltes, der in der Diskussion sehr stark mit gefühlsmäßigem Handeln und persönlichen Meinungen belastet ist, die viel, wie es scheint, daran hindern, noch klar zu denken. Die nötigen - dem Fakt und der christlichen Wahrheit entsprechenden - Antworten sind offensichtlich.

Leider ist es so, dass der Heilige Vater diese Antworten, die bestätigen würde, was der Ausgangspunkt für alle Diskussionen sein sollte (nämlich die Grundfakten), nicht geben zu wollen scheint. Ich kann nur spekulieren, dass er lieber "ja, aber" sagen würde, um damit die nötige sachliche Diskussion bereits in eine bestimmte Richtung zu lenken. Vielleicht sehe ich das völlig falsch, und es gibt ganz andere Gründe. Es wäre jedenfalls einem gesunden Diskussionsklima sehr abträglich. Denn damit würde er ganz postfaktisch handeln - und nebenbei auch sehr autoritär, fast diktatorisch (ganz im Sinne von durch Gesagtes eine Linie diktiern)
Vielleicht benötigt er auch nur Zeit im Gebet, in der Stille und ohne Ablenkung vor Gott, um Klarheit zu finden, bevor er sprechen möchte. Dazu scheinen ihm ja die überaus zahlreichen Begegnungen, Gespräche, Telefonate und Aktivitäten wenig Zeit zu lassen.

Vielleicht liegt es an der Berichterstattung: Wenn ich die DT lese, bekomme ich sogar den Eindruck - das kann schlicht an dem liegen, was in der Auswahl dort berichtet wird, so dass dieser Eindruck falsch ist -, der Heilige Vater habe die Bitte um die Abklärung von Grundfakten, die einer Diskussion ja nur förderlich sein können, gar völlig missverstanden als Ausprägung eines unbarmherzigen Rigorismus, den er zutiefst verabscheut. Es kann natürlich sein, dass seine aktuellen Äußerungen sich auf völlig andere mir unbekannte Dinge beziehen. Wissen kann ich es nicht, denn wie so oft, hat er leider nicht präzisiert, wen oder was er mit dem allgemeinen Tadel in diese Richtung überhaupt meint.

Vielleicht ist auch noch die Beobachtung erwähnenswert, dass die Anfrage zu den oben genannten Grundfakten sich sehr bewusst aller Wertungen enthält und stattdessen sehr objektiv und der Klärung dienend formuliert. Wohingegen es doch immer wieder unangenehm aufstößt, wenn jemand - wer es auch sei - wiederholt im gleichen Text die Vorzüglichkeit der Barmherzigkeit lobt und dann ohne Details zu nennen Vertreter einer - eben nicht genau spezifizierten von seiner eigenen abweichenden Meinung mit doch recht harten Worten geißelt, was gerade in seiner Vagheit die Gefahr birgt, dass Menschen, die gar nicht gemeint sind, dies betrübt auf sich beziehen. Das ist nicht sehr barmherzig.

Ich bin sehr froh gerade in dieser Hinsicht noch das Beispiel des vorherigen Papstes vor Augen und Herz zu haben, der gerade über seine Gegner - die ihn zum Teil sogar persönlich sehr hart angingen - mit Güte, Milde und Barmherzigkeit sprach. Es ist eine Tugend, die ich auch einmal erreichen möchte, auch wenn sie mir nicht gerade leicht fällt. Aber so ist das mit den virtutes (Tugenden), sie erforden einiges an vis (Stärke).

Ich bitte alle um Gebet für die Verantwortungsträger unserer Kirche, dass ihnen die Gabe der Unterscheidung in den Erfordernissen dieser Zeit in reichem Maße zuteil wird.

Möge der Heilige Vater die Wahrheit in der Zeit des Postfaktischen verteidigen und damit auf diese Not der Menschheit antworten, barmherzig die Hand an diese eiternden Wunden legend.
Möge er zu einem Beispiel einer Güte und Barmherzigkeit werden, die auch denen gilt, die nicht seiner Meinung sind und immer die Demut besitzen, die eigene Meinung nicht für das Sprechen des Heiligen Geistes zu halten sondern auch sie der Prüfung durch die ganze kirchliche Gemeinschaft zu unterstellen.
So wie es von jedem Christen gefordert ist.

Samstag, 21. Mai 2016

zum aktuellen LaCroix Interview des Papstes

La Croix ist nicht irgendeine französische Zeitung, es ist eine katholische Zeitung. Dieser hat der Papst ein Interview gegeben (englische Übersetzung der Herausgeber). Einige Aussagen in diesem Interview ließen wohl bei  Alexander Kissler die Galle überlaufen. Jetzt trifft diesen die Kritik, er sei den Papst zu hart angegangen.Vermutlich ist er das, auch wenn keiner seiner Kritikpunkte völlig ohne Berechtigung ist.

Ich selbst benötige allmählich auch dringend geistlichen Beistand, wie ich aus dem Konflikt zwischen der unabdingbaren Loyalität zum Heiligen Vater und der notwendigen Reaktion auf einige wahrhaft haarsträubend an Weitsicht ermangelnde Äußerungen desselben noch comme-il-faut herausgehen soll.

Nehmen wir die kurze Passage hier: "Heute ist es, denke ich, weniger Angst vor dem Islam als die vor ISIS und dessen Eroberungskrieg. Es trifft zu, dass das Konzept des Eroberns der Seele des Islam innewohnt." Gut formulierte Aussage soweit, die ganze Problematik verkürzt auf einen Satz. Aber dann kommen folgende Worte: "Es ist jedoch auch möglich, den Auftrag im Matthäusevangelium, als Jesus seine Jünger zu allen Völkern schickt, genauso im Sinne von Eroberung zu verstehen."

Auch dieser Satz ist für sich tadellos. Es gab schon Menschen (vermutlich gibt es auch aktuell Vereinzelte), die den Missionsauftrag, zu Jüngern zu machen in Verkennung dessen, was es heißt, ein Jünger Jesu zu sein, als eine Legitimation zu gewalttätiger Eroberung sehen.

Das Problem kommt wie so oft in Texten des Papstes aus der mangelhaften Verknüpfung zweier Aussagen, die fast unweigerlich zu einer ganzen Bandbreite von möglichen Missverständnissen führt. Es fehlt der klarstellende letzte Satz, den man gerade vom Oberhaupt der Christenheit erwarten würde.Nämlich, dass eine solche Interpretation der Worte Jesu ganz klar dessen Intention widerspricht.

Die einen deuten das als gedankenloses Dahinschwätzen.
Andere sehen dahinter gar eine perfide Absicht.

Es gibt aber noch eine dritte Möglichkeit: Dem so Sprechenden ist der innere Zusammenhang so klar, dass er es nicht für nötig hält, diesen zu formulieren.

Und genau das ist in gleichem Maße verhängnisvoll, wie es die beiden ersten Möglichkeiten wären.
Jemand mit dem Autoritätsstatus des Papstes sollte solche verheerend missverständlichen Aussagen um jeden Preis vermeiden. Nur offenbar ist nicht einmal bei Genehmigung des Interviews jemandem die Problematik aufgefallen.
Leider kann die Aussage des Papstes, so wie sie ist,  von denen, die dem Christentum ablehnend oder gar feindlich gegenüberstehen als Eingeständnis gewertet werden, Islam und Christentum legitimierten in gleicher Weise Eroberungskriege, was NICHT den Tatsachen entspricht.






Dienstag, 3. Mai 2016

Worte wie Felsblöcke ....

Ich habe es geschafft. Das nachsynodale Schreiben ist durchgelesen. Ich bin ja kein Theologe, der das als Teil der bezahlten Arbeitszeit deklarieren kann, sondern muss es irgendwie in Arbeit, familiäre Verpflichtungen und gesteigerten Erholungsbedarf wegen meines Medikamentes (10 Stunden Schlaf Minimumm, davon eine nachmittags) einpassen, und es ist ja nicht gerade leichte Unterhaltung sondern ich wollte beim Lesen denkfähig sein.

Wie war es doch? Da sitzt jemand auf dem Stuhl Petri und wirft Wortmassen wie ein ganzer Felsensturz auf das Leben eines gewöhnlichen Laien, der sich irgendwie durch die Fels- und Erdmassen graben muss, um selbst einen Überblick zu bekommen zwischen sich widersprechenden Pressemeldungen und interpretierenden Äußerungen von Bischöfen und Theologen, die diametral von einander abweichen, in allgemeinem Chaos und zunehmender Verwirrung?

Ach, hab ich da jetzt aus Kapitel 8 falsch zitiert?

Nein, es hilft auch nicht, dass auf dem ganzen überall groß und dick und wiederholt "Barmherzigkeit - dies hier ist Barmherzigkeit - und zwar die einzig gültige Version davon!! Niemand sonst versteht, was Barmherzigkeit ist!" steht. Oder um das an anderer Stelle zu paraphrasieren: "Kleriker haben ja alle keine Ahnung von der normalen Lebenswelt der Menschen. Außer mir. Ich bin zwar auch Kleriker, sogar der Chef aller katholischen Kleriker, der absolut nichtklerikale Oberkleriker sozusagen, aber auf mich trifft das nicht zu. ICH weiß, wie ein normaler Katholik sich durchschlagen muss. ICH bin immer verständnisvoll und barmherzig außer es geht um Katholiken, die einwenden: "Aber Jesus hat doch gesagt, ..." Die leiden alle an unbarmherziger Moralhörigkeit. und denen muss man gehörig Bescheid sagen, dass sie so etwas mal schön bleiben lassen sollen."

Ich bin wirklich kein Kleriker Ich lebe nicht in der geschützten Welt moralphilosophischer Diskussionen über recht und unrecht. Ich lebe inmitten einer Welt, der Christus nicht oder nicht besonders wichtig ist. Ich habe jede Menge Bekannte und Freunde, die in "irregulären Situationen", ach Quatsch, die in inzwischen völlig als regulär betrachtet und akzeptierten Verhältnissen leben, die ganz objektiv in sich sündhaft (wenn auch gesellschaftlich salonfähig) sind, sündhaft in dem Sinne, dass ein Festhalten an diesem Status Quo und ein vermeintlich barmherziges Umarmen derselben den Keil zwischen ihnen und Jesus immer weiter treiben wird (Sünde = sondern, sich von Gott entfernen). Das sind Leute, die ich mag und die in vielem gesunde und in sich gute Ansichten haben, Leute, die ich persönlich sehr schätze und die mir so wertvoll sind, dass ich sie nicht belügen werde, und ihnen versichere, etwas sei in bester Ordnung, was ihre Beziehung zu Gott gefährdet oder tötet. Oft kennen sie ihr Problem und sind sich klar darüber, dass es ein Problem ist. Und genau dieses Wissen verhindert, dass die unter Umständen schwere Sünde tatsächlich zur ewig tödlichen Sünde wird, was sich einfach ausdrücken lässt mit: "Ich weiß, was ich tue, ist nicht, was objektiv gut und von Gott gewollt ist. Aber ich bin nicht stark genug, es besser zu machen und versuche das, was schuldhaft ist, in der Lage gering zu halten und hoffe für den Rest auf Vergebung." Genau das ist die Haltung, die die Möglichkeit zur Läuterung (-> purgatio) offen hält und ein Wachstum in Christus hinein ermöglicht.

Mir fiel in diesem nachsynodalen Schreiben auf, dass die sogenannte "Barmherzigkeit", die dort postuliert wird, die aber in einigen Aspekten eine wohlmeinende Lüge zu sein scheint, stets als Alternative zu Moralismus genannt wird. Nun ist ja Moral keine schlechte Sache und es ist wohl so, dass vieles von dem, was die Nachfolge Christi verlangt, auch moralisch gewöhnlich gut geheißen wird (je nach der dominierenden Moral, es gibt Moralethiken, die chrisltiches Denken verurteilen). Aber Moral ist für uns als Christen letztendlich sekundär, wenn nicht noch von geringerem Range. Unser Maßstab ist eine Person, nämlich Jesus Christus. Und das Maßnehmen an Jesus Christus vermisse ich in dem Dokument sehr. Gewiss, er wird gelegentlich erwähnt. Aber, dass sein Leben und Sterben der gelebte Verzicht darauf war, eigenes Wollen und Wünschen durchzusetzen und ein Aufgehen darin, ganz den Willen des Vaters zu erfüllen, das wird nicht erwähnt. Dass es für jeden letztendlich nötig ist, sein Kreuz auf sich nehmen, dem eigenen Wollen und Wünschen zu sterben und sich hinzugeben für das, was Gott will - das fehlt. Und oft - nicht immer - oft, fehlt gerade das bei den "irregulären Situatione", die doch inzwischen völlig die Regel sind. Hier mangelt es oft an dem Willen zu sagen: "Ich habe - auch aufgrund meiner eigenen Entscheidungen - hier ein Kreuz zu tragen und ich nehme es an, auch wenn es weh tut." Stattdessen heißt es: "Gib mir das Schmerzmittel der Pseudo-Barmherzigkeit, damit ich nicht mehr fühle, dass da ein Kreuz auf mir lastet. Gesundwerden ist nicht wichtig, Schmerzvermeidung ist alles."

Insbesondere jedoch vermisse ich in dem Dokument klare Worte über das Versagen der Kirche gerade in den europäiichen und amerikanischen Ländern, das Evangelium wirklich zu verkündigen. Die oft fast ganz fehlende und äußerst mangelhafte Katechese die dazu führt, dass inzwischen ganze Generationen von Getauften aufgewachsen sind, für die die Religion eines von vielen Vehikeln zum Wohlfühlen darstellt, die weder ernsthaft an ein ewiges Leben und die Auferstehung glauben, für die Jesus ein netter Mensch ist, der vor 2000 Jahren gelebt hat und der wollte, dass alle sich einfach gut fühlen können und nicht mit der Anforderung, an sich arbeiten zu müssen, behelligt werden. Voller Kinder, die nach der Erstkommunion möglicherweise wieder zu ihrer Firmung und noch unwahrscheinlicher zu ihrer Eheschließung in einer Kirche auftauchen, weil sie gerne dieses dekorative Element und die Zusicherung eines Segens, dass sie alles genau richtig machen, hätten. Länder, in denen die Teilnahme an der Eucharistie so irrelevant geworden ist, dass die Teilnahme daran zum Teil unter 10 Prozent gesunken ist. Mit Menschen, die nur einmal im Jahr - aus diversen Gründen - an einer Messe teilnehmen möchten und dann natürlich unbedingt auch dieses Brotstück abbekommen wollen, weil das doch alle bekommen, weil sie ja schließlich dafür Kirchensteuer zahlen und das ihr gutes Recht ist und da es ja irgendwie ein geistliches Stärkungsmittel sein soll, das man gerne mitnimmt, aber bitte ohne Hinweis, dass man damit angeblich erklärt, wie Christus sein Leben ganz in den Dienst das Reich Gottes zu stellen und eigene Wünsche zurückzustellen.

Ich vermisse da ein Schuldbekenntnis des verantwortlichen Oberklerikers und einen Appell, die Katechese mit allen Mitteln neu zu überdenken und diese üblen Zustände zu beheben.

So wie es ist, werden alle nicht nur weiterhin allein damit gelassen, herauszufinden, was überhaupt denn christliches Leben ausmacht, sondern es wird noch zusätzlich Verwirrung und Orientierungslosigkeit erzeugt. Menschen wissen nicht mehr, an was sie sich noch orientieren sollten und verlieren dadurch die Hoffnung oder das, was ihnen bisher die Kraft gab, an sich zu arbeiten.

Da nützt es auch nicht, dass im gleichen Dokument ein paar recht hübsche - aber nicht neue und in entsprechender Literatur besser und exakter ausgeführte - Überlegungen zur christlichen Liebe stehen. Wobei die Caritas nur verengt auf die eheliche Liebe betrachtet wird. Und ich habe den Verdacht, dass Augustinus das von ihm verwendete und sehr spezifisch angewandte Zitat mit einem seiner längeren Briefe beantworten würde, in denen er klar stellen würde, was er damit ausdrücken wollte und was nicht. Er war in dieser Hinsicht nämlich sehr exakt und präzise.


Dienstag, 28. Oktober 2014

Versuchungen

Das Original steht hier.

In der Ansprache zum Abschluss der III Generalversammlung der Außerordentlichen Bischofssynode äußerte sich Papst Franziskus wie folgt zu Versuchungen, die für die bestehen, die auf der und um die Synode herum fleißig über Verschiedenes diskutierten:

"- Die Versuchung der feindlichen Erstarrung: Das ist der Wunsch, sich im Geschriebenen einzuschließen und sich nicht von Gott überraschen lassen wollen, vom Gott der Überraschungen, dem Geist. Im Gesetz einschließen, in der Sicherheit dessen, was wir wissen und nicht dessen, was wir noch lernen und erreichen müssen. Das ist die Versuchung der Eifrigen, der Skrupulösen, der sogenannten "Traditionalisten" und auch der Intellektualisten.

- Die Versuchung des zerstörerischen Gutmenschentums, das im Namen einer falschen Barmherzigkeit die Wunden verbindet, ohne sie zuvor zu behandeln; dabei handelt es sich um ein Symptom, nicht um Gründe oder Wurzeln. Es ist die Versuchung der "Gutmenschen, der Ängstlichen und auch der so genannten "Progessiven und Liberalen".

- Die Versuchung, Steine in Brot zu verwandeln um ein langes, schweres und schmerzhaftes Fasten zu beenden (Lk 4:1-4).Eine weitere Versuchung: Brot in Steine zu verwandeln und sie auf die Sünder zu werfen, die Schwachen und die Kranken (Joh 8:7) und ihnen so unerträgliche Lasten aufzubinden (Lk 11:46).

- Die Versuchung, vom Kreuz herunter zu steigen, um den Menschen zu gefallen, und nicht dort zu bleiben um den Willen des Vaters zu erfüllen; sich vor dem Geist der Weltlichkeit zu verbeugen anstatt sich zu reinigen und vor dem Geist Gottes zu verneigen.

- Die Versuchung, das "depositum fidei" zu vernachlässigen und sich selber nicht als Hüter, sondern als Besitzer und Herren zu verstehen oder andererseits die Versuchung, die Realität zu vernachlässigen und eine einengende Sprache zu benutzen und so zu sprechen, dass man viel redet und nichts sagt!"

Vielleicht ein wenig unglücklich gewählt, dass es mit einer Kritik, der zu sehr im Legalismus und Buchstabendenken Verhafteten beginnt, da leider auch oft die, die zur Begründung ihrer Position sich auf bestehnde Regeln beziehen, ungerechterweise so eingestuft werden und inzwischen hoch empfindlich auf jede mögliche derartige Unterstellung reagieren.

Doch zur Balance wird auch gleich das nächste Extrem benannt, das Barmherzigkeit völlig falsch versteht und darum nicht in der Lage ist zu heilen sondern eiternde lebensgefährliche Wunden produziert durch seinen fehlgeleiteten Therapieansatz.
Ganz so extrem wie in beiden Fällen benannt ist wohl niemand.

Der Inhalt wird dann jeweils in drei bzw. zwei Beispielen noch einmal vertieft, wobei sich auch die Reihenfolge der beidgenannten Extreme verändert.

Insgesamt also einfach eine Benennung dessen, was man nun wirklich vermeiden sollte und nichts das in seiner - für Papst Franziskus üblichen - Balanciertheit geeignet wäre, um es nun dem "feindlichen Lager" um die Ohren zu hauen.
Vielleicht in der Hoffnung, alle Beteiligten zu einem christlicheren Umgang miteinander zu bewegen?

Sonntag, 5. Oktober 2014

Gebet zur Heiligen Familie anläßlich der Familiensynode

Das ist das offizielle Gebet für die Synode:

Jesus, Maria und Josef,
in euch betrachten wir
den Glanz der wahren Liebe,
an euch wenden wir uns voll Vertrauen.

Heilige Familie von Nazareth,
mache auch unsere Familien
zu Orten der Gemeinschaft und Räumen des Gebetes,
zu echten kleinen Schulen des Evangeliums
und kleinen Hauskirchen.

Heilige Familie von Nazareth,
nie mehr gebe es in unseren Familien
Gewalt, Verschlossenheit und Spaltung:
Wer Verletzung erfahren oder Anstoß nehmen musste,
finde bald Trost und Heilung.

Heilige Familie von Nazareth,
möge die (kommende) Bischofssynode
in allen wieder das Bewusstsein erwecken
für die Heiligkeit und die Unantastbarkeit der Familie,
für ihre Schönheit im Plan Gottes.

Jesus, Maria und Josef,
hört und erhört unser Flehen!

Papst Franziskus, 29. Dezember 2013

Mittwoch, 30. April 2014

Güte – Vergleich dreier Päpste

Der nun heiliggesprochene Papst Johannes XXXIII war berühmt für seine Güte. Güte im Sinne von gütig sein, die Menschen anzunehmen und jedem einzelnen etwas von der Liebe Christi sichtbar zu machen.  Aus seinem geistlichen Tagebuch strahlt dieser innerste Kern seines Seins hervor. Das Ringen, andern keinen Anstoß zu geben, der Verzicht, eigene Rechte und Interessen durchzusetzen, das ständige Bemühen – mit all seinen kleinen Schiffbrüchen – in dieser hingebenden Liebe und Güte zu wachsen. Gott hat all diesem Ringen ganz offensichtlich seine Gnade dazugegeben, so dass diese Güte auch wirklich aus ihm herausstrahlen konnte.
Nein, wer die Aufzeichnungen dieser reinen Seele liest, braucht kein Wunder mehr, um die Heiligkeit erkennen zu können, die hier aufstrahlt.

Güte ist auch ein herausragendes Zeichen bei Papst Benedikt XVI. Seine Güte hatte nicht die Qualität der schlichten Einfachheit wie bei Johannes XXIII sondern stets die Qualität einer bewussten Entscheidung, auch dem ärgsten Gegner mit Respekt zu begegnen .  Die Güte eines Johannes XXIII war - zum Beispiel mir – unerreichbar, diese Heiligkeit ist nicht jedem gegeben. Die Güte Benedikts XVI  war etwas, dem ich nacheifern konnte. Das war Christus, der sehr wohl weiß, was falsch und schief ist und wie es mit jemand steht und demjenigen dennoch begegnet als wäre es ein gleich-zu-gleich. Eine Zuwendung, die den, der sich treffen lässt, auf heilsame Weise beschämen kann, weil der eigene Egoismus, die eigene Rechthaberei plötzlich durch den Kontrast hervortreten und der Wunsch stark werden kann, diese Hässlichkeiten endlich loszulassen.
 Das war eine Güte, die so rein sie war, vielen nicht genehm war, weil sie nicht bereit waren, sich selbst in Frage zu stellen.

Was gleich war bei diesen beiden Manifestationen des Wesens Gottes ist, dass die Güte – weder die einfach mit Liebe umarmende Johannes XXIII noch die den eigenen Edelmut aus dem Schlaf rufende Benedikts XVI – in irgendeiner Weise auf Kosten anderer ging.  Die eine kritisierte gar nicht, die andere basierte auf Selbstkritik, beide gründeten in Demut.

Auch bei Papst Franziskus ist ein Bild der Güte zu sehen. Bei ihm ist es eher die flammende Leidenschaft für die Ärmsten, für Ausgegrenzte, für Leidende. Ein Herz das brennt, Not zu lindern und Ungerechtigkeiten zu beheben. Eine Sehnsucht bei denen zu sein, die leiden und dort das Leiden Christi zu sehen, das nach unserm Handeln ruft. Da ist ein Hirte, den die Not berührt, der sofort herbeieilen will, um zu helfen und bei dem es dann schon einmal vorkommt, dass bei der Rettung des einen Schäfchens in der Eile ein anderes Schäfchen einen Schubs bekommt, nachdem es dann auch rettungsbedürftig ist. Was dann natürlich auch geschieht, sobald die Situation erkannt ist. Ein Hirte, der wirklich will, das keins verloren geht.

Wie drückte es letzt jemand aus? „Ach die beiden andern, das sind  halt Heilige (auch wenn der eine noch lebt, wird ihm das irgendwie zugestanden), aber der Franziskus, der ist wie wir. Der gefällt mir besser.“ Wie wir. Ja, warum eigentlich schlagen die Wellen der Beliebtheit plötzlich in vorher ungeahnte Höhen?
Wenn man es wirklich bedenkt, P. Werenfried von Straten z.B. hat mehr mobilisiert für Arme aller Art. Wenn er gepredigt hat, hat es Herzen so getroffen, dass die Zuhörer bis an die eigene Schmerzgrenze gegeben haben und manchmal sogar darüber hinaus, weil sie erkannten, dass da – ein ihnen fremder – Bruder, eine Schwester, das Ebenbild Christi in Not ist. Hat Papst Franziskus bisher eine solche Welle der Hilfsbreitschaft in Gang gebracht? Es würde ihn ungeheuer freuen, gelänge ihm das. Aber nein.
Es wird viel geredet darüber, dass der oder jener mehr tun solle, um Armen zu helfen, aber natürlich nicht man selbst sondern „die Kirche“, „der Bischof XY“, „diese selbstherrlichen Pfarrer“ usw. 
„Die da“, nicht wir.

Woher kommt das?
Nicht weil Papst Franziskus da ein schlechtes Beispiel gäbe. Nein, er wird gerne als Beispiel angeführt, dass „die da“ es ihm mal nachtun sollten. „Die da“, nicht die Sprecher selbst.

Wo also sitzt der Wurm?
Der Wurm, der nichts mit Güte gemein hat und der eine Umkehr bei  sich selbst nicht will sondern bei den andern fordert. Der Wurm, der sich im eigenen Bessersein sonnt und auf andere herabschauen möchte. Der Wurm, bei dem lang kultivierte Rachegelüste und Zerstörungswille an die Oberfläche kriechen, weil sie glänzende moralische Deckmäntel gefunden haben.

Ich kann es nicht sicher sagen. Mir fällt nur auf, dass das Einschlupfloch für diesen selbstgefälligen Wurm, der die Früchte frisst, die den wahrhaft Armen und Leidenden zukommen sollten, das folgende sein könnte:
Die Güte, die Johannes XXIII praktizierte und Benedikt XVI noch praktiziert, diszipliniert sich selbst und verzichtet(e) auf Vorwürfe außer sie beziehen das Selbst ein. 
Die Güte von Papst Franziskus liefert immer Sündenböcke mit, auf die man dann Steine werfen zu dürfen glaubt. 
Das erfreut die gefallene Seele natürlich, sich gar nicht selbst disziplinieren zu müssen sondern mit andern abrechnen zu können, die ja ganz klar von komptetenter Seite benannt wurden.

Papst Franziskus sagt nicht: „Wir Priester verletzen oft durch unbedachte Worte.“ Er sagt: „Viele Priester machen das schlecht.“ Was der Wahrheit ja durchaus entspricht, nur allgemeiner Konsens ist dann: „Er macht es ja gut. Ja, wenn die es machten wie er. Denen sagen wir mal Bescheid.“
Papst Franziskus sagt nicht: „Wir Christen leben oft nicht die Freude des Glaubens.“ Er sagt, dass es da traurige Exemplare gebe, die das nicht tun, die sich da besinnen müssten. Und der Chorus tönt: „Seht ihr. Er ist ein gutes Beispiel. Aber ihr da, tut mal endlich was.“
Die Liste wäre lange fortsetzbar.

Und das heilt keine Wunden, es reißt neue auf, es spaltet tiefer. Es verbittert die Angeklagten, es erbittert die Ankläger. Statt Güte und Vergebung verbreitet sich eine Mentalität der Selbstgerechtigkeit, der Anklage, des Beschuldigens, des Hetzens und Steinigens der Sündenböcke.

Ich weiß nicht, ob ich den ablaufenden Mechanismus hier ganz erfassen konnte, und ich kann nur hoffen, dass Papst Franziskus gewahr wird, dass hier etwas seine genuinen und guten Absichten bei ihrer Präsentation und Vermittlung ständig auf Gleise umlenkt, die in völlig unerwünschte und ungute Richtungen führen.

Aber schön wäre es, wenn dieser Spuk endlich ein Ende fände.

Donnerstag, 10. Oktober 2013

Das Problem mit den aktuellen päpstlichen Äußerungen ....

... wurde schon von einigen, u.a. Peter Winnemoeller, aufgegriffen. Ich sehe mich auch ständig damit konfrontiert, mir möglichst originale und zusammenhängende Aussagen zu besorgen, durchzulesen und festzustellen, dass die Intention des Gesagten wohl tadellos ist aber die Formulierung in Teilaspekten äußerst missverständlich.

Ich vermute, Peter Winnemöller trifft den Nagel auf den Kopf, wenn er schreibt: "Dabei wirkt die schon fast erschreckende Selbstverständlichkeit, mit der er [der Papst] für sich (und andere?) die Lehre der Kirche als gegeben annimmt, befremdend."

Wenn man die Lehre der katholischen Kirche kennt (was hierzulande für sehr wenige zutrifft, die meisten haben eher mythologische Vorstellungen davon und konfrontieren sich nicht mit nachlesbaren Fakten) und zu ihr steht und weiß, dass der Papst das selbstverständlich tut, dann sind seine Aussagen klar.
Wenn man die Lehre eher vom Hörensagen und episodischen Erfahrungen kennt, sie ohnehin anzweifelt und glaubt die vom Zeitgeist geprägten Überzeugungen der Mehrheit seien die normative Wahrheit, dann kann man völlig anderes daraus lesen und verstehen.

Ich denke inzwischen auch, dass Papst Franziskus, im Gegensatz zu seinem Vorgänger, nur periphär etwas über den Zustand der katholischen Kirche in Deutschland weiß, in der die große Mehrheit der katholisch Getauften kaum mehr das Vaterunser auswendig kennt oder auch nur die Zehn Gebote aufzählen könnte. In der man Reinkarnation für mit dem christlichen Glauben vereinbar hält und meint, der einzige Unterschied zwischen einem katholischen und einem evangelischen Pfarrer sei der Zölibat, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Wo die Mehrheit der katholischen Theologen seit Jahrzehnten daran arbeitet, große Teile dessen, was im Katechismus steht, ad absurdum zu führen und diese Lehren mit Hilfe der säkularen Presse und leider auch oft der kirchlichen fast konkurrenzlos verbreitet.
Und schließlich, wo es kaum noch eine gesunde Herde mehr gibt, sondern fast nur noch lockere Ansammlungen von kranken, verwahrlosten und halb verwilderten Schafen, zwischen denen mit Schafspelzen angetane Wölfe ungehindert herumlaufen dürfen. Und wehe in einer der Schafsgruppen gibt es zu lautes Gemecker, wenn so ein Wolf in der Nähe ist, dann taucht ganz schnell einer der Hirten auf und sorgt für Ruhe.

Ganz unabhängig von kirchenpolitisch interpretierbaren Äußerungen, mich hat eine Äußerung in Zusammenhang mit dem Weltjugendtag in ihrer Unbedachtheit sehr betroffen gemacht. Da hieß es, ein Jugendlicher, der nicht fröhlich sei, sei kein rechter Jugendlicher. Solche wolle er nicht. - Arme kranke Schäfchen, dachte ich, die da allein und verlassen schon so jung die Hoffnung verloren haben und jetzt noch so etwas um die Ohren geschlagen bekommen.
Gerade Jugendliche neigen oft zu Schwermut, auch katholisch getaufte, und können nirgends einen Sinn erkennen. Von ihrer Kirche wissen sie meist nur eine lange Liste dessen, was gerade auch kirchenintern kritisiert wird. Von der Schönheit des Glaubens wissen sie nichts. Sie suchen ihre Freude in der Gemeinschaft, im Einsatz für etwas - aber die Quelle der Freude, da wissen sie gewöhnlich nicht einmal, dass es die wirklich gibt.

Ja, als Christen haben wir eine Quelle der Freude, die nicht versiegt und das sollte man sehen. Aber viele haben diese Quelle noch nie zu Gesicht bekommen, gerade auch viele Christen, und daher keinen Zugang zu dieser Freude. Sich dessen nicht bewusst zu sein, ist schon tragisch. Sagt man diesen Menschen guten Willens, die sich dennoch trotz einer Dominanz des Leidens in dem von ihnen Erlebten einsetzen und Gott dienen wollen, sie müssten lächeln, werden sie nur eine Maske aufsetzen können.
Und andere, die ihre vorläufige Freudenquelle in ihren Beziehungen oder ihren Leistungen sehen und daher zu lächeln vermögen, möchten dann ihr Heilserlebnis als das universelle andern bringen, ohne zu wissen, wo die wahre Quelle ist.

Schon in einer solch einfachen Aussage wie der obigen kann also viel Missverständliches liegen.

Die Äußerungen des Papstes gehen wohl von einer mehr oder weniger heilen katholischen Welt aus, die wir nur noch aus Büchern kennen in unseren Breiten und können daher in diesem Umfeld nicht die beabsichtigte Wirkung entfalten sondern wirken in vielen Fällen sogar kontraproduktiv. Das ist ein Problem. Und das größere Problem ist tatsächlich, dass es von Rom aus keine Klarstellungen gibt, was und wie etwas wirklich gemeint ist. Damit ist einer Vielzahl von falschen Interpretationen, die mit Begeisterung verbreitet werden, der Weg frei gemacht.

Da kann ich auch nur hoffen und beten, dass die Linie wieder klarer und unzweideutiger wird. So wie sie gemeint ist, nicht wie sie durch nicht aufhörende Missverständnisse verbreitet wird.
Und ja, die Vielzahl der missverständlichen Äußerungen macht es inzwischen fast unmöglich noch für Klärung zu sorgen. Es braucht ja oft ein Nachfragen, weil vieles so rätselhaft ist in seiner Intention. Man kann einfach nicht mehr nachkommen damit.