Oremus pro Pontifice nostro Franzisco.

Dominus conservet eum et vivificet eum

et beatum faciat eum in terra et

non tradat eum in animam inimicorum eius.

Sonntag, 20. November 2016

Papst des Postfaktischen

Jede Zeit hat ihre große Irrlehre, und die Aufgabe der Kirche war es von jeher auf solche Herausforderungen zu reagieren und in die Situation hinein die unveränderliche Wahrheit Gottes zu sprechen.

Die vorherrschendste aktuelle Irrlehre wird am besten charakterisiert durch den recht  neuen Ausdruck "postfaktisch", den man nun immer häufiger auch in den Texten verwendet sieht. "postfaktisch" ist eine Übersetzung des Originals "post-truth". Das zu wissen ist wichtig, um ganz zu verstehen, worum es hier geht. Für ganz glücklich halte ich die Übersetzung nicht, obwohl sich deutsches und englisches Wort durchaus ergänzen: die Wahrheit ist ein Fakt, ein Fakt ist wahr. Wird für eine Haltung des Zeitgeistes ein "post" vor etwas gesetzt, wird damit ausgedrückt, dass das folgende Wort etwas ist, das der Vergangenheit angehört.

Postfaktisch bedeutet also, dass objektive Fakten/Tatsachen oder eben die schlichte ungeschminkte Wahrheit als irrelevant betrachtet werden, während eine persönliche Überzeugung, Meinung oder ein gefühlsmäßiger Eindruck als ausschlaggebend und relevant angesehen werden.

Das Christentum gründet auf dem, der im Johannesevangelium als "Logos" (im Deutschen etwas sinnverkürzend das Wort) bezeichnet wird und von sich selbst sagte, er sei die Wahrheit. Es ist offensichtlich, dass es nicht mit einer postfaktischen Einstellung, die sich nur an sich selbst orientiert und subjektive Wahrheiten zu definieren versucht, vereinbar ist.

Hier allerdings ist Unterscheidung vonnöten, und es hat derzeit den Anschein, dass viele Amtsträger der Kirche, auch Bischöfe und wohl auch der Bischof von Rom derzeit noch nicht erkannt haben, was hier am meisten zu verteidigen ist, da es die größte Not unserer Zeit beschreibt, die Abwendung von der Wahrheit, den Fakten, dem Logos.

Für sehr symptomatisch halte ich hier ein ganz aktuelles Ereignis: Vier Kardinäle haben in einer Angelegenheit den Papst um fünf simple Aussagen (so formuliert, dass dies nur mit klarem Ja oder Nein zu tun ist) gebeten, die wichtig sind zur Klärung eines Sachverhaltes, der in der Diskussion sehr stark mit gefühlsmäßigem Handeln und persönlichen Meinungen belastet ist, die viel, wie es scheint, daran hindern, noch klar zu denken. Die nötigen - dem Fakt und der christlichen Wahrheit entsprechenden - Antworten sind offensichtlich.

Leider ist es so, dass der Heilige Vater diese Antworten, die bestätigen würde, was der Ausgangspunkt für alle Diskussionen sein sollte (nämlich die Grundfakten), nicht geben zu wollen scheint. Ich kann nur spekulieren, dass er lieber "ja, aber" sagen würde, um damit die nötige sachliche Diskussion bereits in eine bestimmte Richtung zu lenken. Vielleicht sehe ich das völlig falsch, und es gibt ganz andere Gründe. Es wäre jedenfalls einem gesunden Diskussionsklima sehr abträglich. Denn damit würde er ganz postfaktisch handeln - und nebenbei auch sehr autoritär, fast diktatorisch (ganz im Sinne von durch Gesagtes eine Linie diktiern)
Vielleicht benötigt er auch nur Zeit im Gebet, in der Stille und ohne Ablenkung vor Gott, um Klarheit zu finden, bevor er sprechen möchte. Dazu scheinen ihm ja die überaus zahlreichen Begegnungen, Gespräche, Telefonate und Aktivitäten wenig Zeit zu lassen.

Vielleicht liegt es an der Berichterstattung: Wenn ich die DT lese, bekomme ich sogar den Eindruck - das kann schlicht an dem liegen, was in der Auswahl dort berichtet wird, so dass dieser Eindruck falsch ist -, der Heilige Vater habe die Bitte um die Abklärung von Grundfakten, die einer Diskussion ja nur förderlich sein können, gar völlig missverstanden als Ausprägung eines unbarmherzigen Rigorismus, den er zutiefst verabscheut. Es kann natürlich sein, dass seine aktuellen Äußerungen sich auf völlig andere mir unbekannte Dinge beziehen. Wissen kann ich es nicht, denn wie so oft, hat er leider nicht präzisiert, wen oder was er mit dem allgemeinen Tadel in diese Richtung überhaupt meint.

Vielleicht ist auch noch die Beobachtung erwähnenswert, dass die Anfrage zu den oben genannten Grundfakten sich sehr bewusst aller Wertungen enthält und stattdessen sehr objektiv und der Klärung dienend formuliert. Wohingegen es doch immer wieder unangenehm aufstößt, wenn jemand - wer es auch sei - wiederholt im gleichen Text die Vorzüglichkeit der Barmherzigkeit lobt und dann ohne Details zu nennen Vertreter einer - eben nicht genau spezifizierten von seiner eigenen abweichenden Meinung mit doch recht harten Worten geißelt, was gerade in seiner Vagheit die Gefahr birgt, dass Menschen, die gar nicht gemeint sind, dies betrübt auf sich beziehen. Das ist nicht sehr barmherzig.

Ich bin sehr froh gerade in dieser Hinsicht noch das Beispiel des vorherigen Papstes vor Augen und Herz zu haben, der gerade über seine Gegner - die ihn zum Teil sogar persönlich sehr hart angingen - mit Güte, Milde und Barmherzigkeit sprach. Es ist eine Tugend, die ich auch einmal erreichen möchte, auch wenn sie mir nicht gerade leicht fällt. Aber so ist das mit den virtutes (Tugenden), sie erforden einiges an vis (Stärke).

Ich bitte alle um Gebet für die Verantwortungsträger unserer Kirche, dass ihnen die Gabe der Unterscheidung in den Erfordernissen dieser Zeit in reichem Maße zuteil wird.

Möge der Heilige Vater die Wahrheit in der Zeit des Postfaktischen verteidigen und damit auf diese Not der Menschheit antworten, barmherzig die Hand an diese eiternden Wunden legend.
Möge er zu einem Beispiel einer Güte und Barmherzigkeit werden, die auch denen gilt, die nicht seiner Meinung sind und immer die Demut besitzen, die eigene Meinung nicht für das Sprechen des Heiligen Geistes zu halten sondern auch sie der Prüfung durch die ganze kirchliche Gemeinschaft zu unterstellen.
So wie es von jedem Christen gefordert ist.

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