Oremus pro Pontifice nostro Franzisco.

Dominus conservet eum et vivificet eum

et beatum faciat eum in terra et

non tradat eum in animam inimicorum eius.

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Dienstag, 7. Februar 2017

Viel zitiert und einseitig interpretiert (2) - Niemand darf ewig verurteilt werden

Die Aussage:
"Niemand darf auf ewig verurteilt werden, denn das ist nicht die Logik des Evangeliums." (AI 297)

Dieser Aussage kann gar nicht voll zugestimmt werden, ohne in Widerspruch mit dem Evangelium zu geraten.

Und zwar geht es hier um Matthäus 16,18-19:
18 Ich aber sage dir: Du bist Petrus und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen und die Mächte der Unterwelt werden sie nicht überwältigen.
19 Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreichs geben; was du auf Erden binden wirst, das wird auch im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, das wird auch im Himmel gelöst sein.

Das heißt, dass die Kirche bzw. Petrus tatsächlich ein Urteil sprechen darf, das auch für die Ewigkeit gültig ist. Dass das natürlich nicht leichtfertig und in geringfügigen Dingen geschehen darf, dürfte sich von selbst verstehen. Denn das wäre absoluter Amtsmissbrauch dessen, der diese Autorität ausübt. Aber es darf definitiv sein, dass ein Urteil auf ewig gesprochen wird.

In den meiisten Fällen ist es so, dass die Kirche zwar darauf hinweist, dass die ein oder andere Entscheidung  mit recht hoher Wahrscheinlichkeit zu einer ewigen Trennung von Gott führen wird aber stellt das endgültige Urteil dem Herrn selbst anheim. D.h. sie verurteilt nicht aber warnt davor, dass jemand die ewige Verurteilung von einziger absolut dazu berechtigter Stelle riskiert.

Merkwürdigerweise wird nun obige Aussage dahin interpretiert, die Kirche (und alle die zu ihr gehören) dürften keine solche Warnung mehr aussprechen, weil diese eine Verurteilung sei.

Hinweis für alle, die das einmal nach Ende dieser Zeit der Verwirrung verwundert lesen:: Neben vielen anderen hat die deutsche Bischofskonferenz sich am 1. Februar 2017 in einem Dokument dahingehend geäußert, dass die Pflege sexueller Kontakte mit Personen, mit denen man nicht kirchlich verheiratet ist, nicht notwendigerweise von den Sakramenten ausschließt. Da man ja niemanden ewig verurteilen dürfe. - Was ohnehin niemand täte, da ein Ausschluss von den Sakramenten sehr sicher nicht ewig sein kann, wenn er jederzeit dadurch beendbar ist, dass man sich von einem gewissen Verhalten abwendet .... Aber gemeint ist anscheinend, man dürfe einige Leute nicht warnend darauf hinweisen, welche Gefahr deren Verhalten in sich birgt. - Ich finde das ja auch hoch bedenklich, gefährlich und nicht gerade der Vernunft entsprechend, aber offenbar scheinen gerade der Papst und viele Bischöfe dieser Meinung zu sein. Vielleicht liegt es an der Theologie, rationales Denken scheint damit nichts zu tun zu haben.

Montag, 6. Februar 2017

Viel zitiert und einseitig interpretiert (1) - Eucharistie als Heilmittel

Die Aussage:
Die Eucharistie ist "nicht eine Belohnung für die Vollkommenen, sondern ein großzügiges Heilmittel und eine Nahrung für die Schwachen" (EG 47)

Das ist natürlich und offensichtlich vollkommen richtig, denn sonst könnte NIEMAND die Eucharistie empfangen, höchstens direkt nach einer Beichte, die gerade einen Zustand der Vollkommenheit (auf Grundlage der Verdienste Jesu nicht weil jemand per se vollkommen wäre) hergestellt hat.

Niemand von uns ist vollkommen. Jeder von uns hat Schwächen, in denen er Hilfe braucht.

Aber heißt das nun etwa, dass man um so dringender der Eucharistie bedarf und diese empfangen sollte, je schwerer man gesündigt hat? Ich glaube nun eher nicht.

Die Hilfe kann leichter dem werden, der mit seiner Schwäche ringend, die Kraft benötigt, um nicht in was auch immer zu sündigen. Hier kommt die Gnade der fehlenden Kraft im Kampf zu Hilfe.

Es wäre dahingegen, um das andere Extrem zu formulieren, eher unwahrscheinlich (ich würde ja sagen sogar ein Sakrileg) einem mit seiner (schweren) Sünde recht zufrieden lebenden Menschen, die Eucharistie zu verabreichen, damit die ihn gewissermaßen bekehrt.
Eventuell als Mittel, um diesem Menschen auszudrücken, dass man es besonders barmherzig mit ihm meint.

Soweit ich weiß, ging man bisher davon aus, dass der Empfang der Eucharistie in schwerer Sünde eher zu einer Herzensverhärtung (= Mangel an Erkenntnis der eigenen Fehler, evtl. Stolz auf das eigene Verhalten, fehlendes Unrechtsbewusstsein, Gleichgültigkeit)  führt und damit in keiner Weise eine Hilfe für den durch die Sünde Verwundeten ist.

(Die derzeitige äußerst eng geführte Interpretation der diskutierten Aussage ist, dass wiederverheiratete Geschiedene die Sakramente daher unbedingt empfangen können sollten. Ich diskutiere das hier nicht. Ich erwähne es für den Fall, dass wir irgendwann aus der momentanen Verwirrung heraus sind und sich jemand wundert, inwiefern denn diese eigentlich so richtige Aussage sinnwidrig verwendet wurde.)

Sonntag, 20. November 2016

Papst des Postfaktischen

Jede Zeit hat ihre große Irrlehre, und die Aufgabe der Kirche war es von jeher auf solche Herausforderungen zu reagieren und in die Situation hinein die unveränderliche Wahrheit Gottes zu sprechen.

Die vorherrschendste aktuelle Irrlehre wird am besten charakterisiert durch den recht  neuen Ausdruck "postfaktisch", den man nun immer häufiger auch in den Texten verwendet sieht. "postfaktisch" ist eine Übersetzung des Originals "post-truth". Das zu wissen ist wichtig, um ganz zu verstehen, worum es hier geht. Für ganz glücklich halte ich die Übersetzung nicht, obwohl sich deutsches und englisches Wort durchaus ergänzen: die Wahrheit ist ein Fakt, ein Fakt ist wahr. Wird für eine Haltung des Zeitgeistes ein "post" vor etwas gesetzt, wird damit ausgedrückt, dass das folgende Wort etwas ist, das der Vergangenheit angehört.

Postfaktisch bedeutet also, dass objektive Fakten/Tatsachen oder eben die schlichte ungeschminkte Wahrheit als irrelevant betrachtet werden, während eine persönliche Überzeugung, Meinung oder ein gefühlsmäßiger Eindruck als ausschlaggebend und relevant angesehen werden.

Das Christentum gründet auf dem, der im Johannesevangelium als "Logos" (im Deutschen etwas sinnverkürzend das Wort) bezeichnet wird und von sich selbst sagte, er sei die Wahrheit. Es ist offensichtlich, dass es nicht mit einer postfaktischen Einstellung, die sich nur an sich selbst orientiert und subjektive Wahrheiten zu definieren versucht, vereinbar ist.

Hier allerdings ist Unterscheidung vonnöten, und es hat derzeit den Anschein, dass viele Amtsträger der Kirche, auch Bischöfe und wohl auch der Bischof von Rom derzeit noch nicht erkannt haben, was hier am meisten zu verteidigen ist, da es die größte Not unserer Zeit beschreibt, die Abwendung von der Wahrheit, den Fakten, dem Logos.

Für sehr symptomatisch halte ich hier ein ganz aktuelles Ereignis: Vier Kardinäle haben in einer Angelegenheit den Papst um fünf simple Aussagen (so formuliert, dass dies nur mit klarem Ja oder Nein zu tun ist) gebeten, die wichtig sind zur Klärung eines Sachverhaltes, der in der Diskussion sehr stark mit gefühlsmäßigem Handeln und persönlichen Meinungen belastet ist, die viel, wie es scheint, daran hindern, noch klar zu denken. Die nötigen - dem Fakt und der christlichen Wahrheit entsprechenden - Antworten sind offensichtlich.

Leider ist es so, dass der Heilige Vater diese Antworten, die bestätigen würde, was der Ausgangspunkt für alle Diskussionen sein sollte (nämlich die Grundfakten), nicht geben zu wollen scheint. Ich kann nur spekulieren, dass er lieber "ja, aber" sagen würde, um damit die nötige sachliche Diskussion bereits in eine bestimmte Richtung zu lenken. Vielleicht sehe ich das völlig falsch, und es gibt ganz andere Gründe. Es wäre jedenfalls einem gesunden Diskussionsklima sehr abträglich. Denn damit würde er ganz postfaktisch handeln - und nebenbei auch sehr autoritär, fast diktatorisch (ganz im Sinne von durch Gesagtes eine Linie diktiern)
Vielleicht benötigt er auch nur Zeit im Gebet, in der Stille und ohne Ablenkung vor Gott, um Klarheit zu finden, bevor er sprechen möchte. Dazu scheinen ihm ja die überaus zahlreichen Begegnungen, Gespräche, Telefonate und Aktivitäten wenig Zeit zu lassen.

Vielleicht liegt es an der Berichterstattung: Wenn ich die DT lese, bekomme ich sogar den Eindruck - das kann schlicht an dem liegen, was in der Auswahl dort berichtet wird, so dass dieser Eindruck falsch ist -, der Heilige Vater habe die Bitte um die Abklärung von Grundfakten, die einer Diskussion ja nur förderlich sein können, gar völlig missverstanden als Ausprägung eines unbarmherzigen Rigorismus, den er zutiefst verabscheut. Es kann natürlich sein, dass seine aktuellen Äußerungen sich auf völlig andere mir unbekannte Dinge beziehen. Wissen kann ich es nicht, denn wie so oft, hat er leider nicht präzisiert, wen oder was er mit dem allgemeinen Tadel in diese Richtung überhaupt meint.

Vielleicht ist auch noch die Beobachtung erwähnenswert, dass die Anfrage zu den oben genannten Grundfakten sich sehr bewusst aller Wertungen enthält und stattdessen sehr objektiv und der Klärung dienend formuliert. Wohingegen es doch immer wieder unangenehm aufstößt, wenn jemand - wer es auch sei - wiederholt im gleichen Text die Vorzüglichkeit der Barmherzigkeit lobt und dann ohne Details zu nennen Vertreter einer - eben nicht genau spezifizierten von seiner eigenen abweichenden Meinung mit doch recht harten Worten geißelt, was gerade in seiner Vagheit die Gefahr birgt, dass Menschen, die gar nicht gemeint sind, dies betrübt auf sich beziehen. Das ist nicht sehr barmherzig.

Ich bin sehr froh gerade in dieser Hinsicht noch das Beispiel des vorherigen Papstes vor Augen und Herz zu haben, der gerade über seine Gegner - die ihn zum Teil sogar persönlich sehr hart angingen - mit Güte, Milde und Barmherzigkeit sprach. Es ist eine Tugend, die ich auch einmal erreichen möchte, auch wenn sie mir nicht gerade leicht fällt. Aber so ist das mit den virtutes (Tugenden), sie erforden einiges an vis (Stärke).

Ich bitte alle um Gebet für die Verantwortungsträger unserer Kirche, dass ihnen die Gabe der Unterscheidung in den Erfordernissen dieser Zeit in reichem Maße zuteil wird.

Möge der Heilige Vater die Wahrheit in der Zeit des Postfaktischen verteidigen und damit auf diese Not der Menschheit antworten, barmherzig die Hand an diese eiternden Wunden legend.
Möge er zu einem Beispiel einer Güte und Barmherzigkeit werden, die auch denen gilt, die nicht seiner Meinung sind und immer die Demut besitzen, die eigene Meinung nicht für das Sprechen des Heiligen Geistes zu halten sondern auch sie der Prüfung durch die ganze kirchliche Gemeinschaft zu unterstellen.
So wie es von jedem Christen gefordert ist.

Donnerstag, 24. Oktober 2013

ein falscher Mythos: Nikolaus und der Artemistempel von Ephesos/UN will holländisches Sinterklaas verbieten

Auf die Behauptung stieß ich gerade wieder in den Lesermeinungen zu einer absonderlichen Auseinandersetzung einer UN-Expertengruppe und den Niederlanden: das Sinterklaas-Fest sei rassistisch
Und zwar geht es darum, dass dort am Niederrhein der heilige Nikolaus einen schwarzbemalten Begleiter hat, den Piet. Dieser sei, die Meinungen gehen auseinander, ein vom Nikolaus aus Kohleminen befreiter Sklave (darum so schwarz) oder eine Erinnerung an die Maurenkriege (was dann eher nichts mit dem heiligen Nikolaus zu tun hättte, der im 3./4. Jahrhundert lebte).
Jedenfalls fordert die UN-Gruppe die Abschaffung, weil damit die Sklaverei gefördert und verherrlicht werde und das rassistisch sei - und die Holländer sind nicht einsichtig - warum wohl.

Nun, in einer der Lesermeinungen auf einer der Zeitungsseiten, kam zwischen viel Amüsement über die merkwürdigen Verlautbarungen der UN auch jemand zu Worte, der giftete, anders kann man es nicht nennen, dieser brutale Nikolaus gehöre sowieso verboten, weil er ja den Artemistempel von Ephesos, eines der Weltwunder niedergebrannt habe.

Das kommt dabei heraus, wenn nichts von historischen Fakten weiß:

1) Der Artemistempel wurde schon direkt nach seiner Erbauung niedergebrannt, im Jahre 356 vor Christus, von Hersotratos.
2) Der Artemistempel wurde endgültig weitgehend zerstört im Jahre 268 nach Christus von Goten, die damals mehrere griechische Städte niederbrannten. Es soll danach Reparaturen gegeben haben, aber im großen und ganzen scheint die Ruine ab da als Steinbruch für Häuserbau genutzt worden zu sein.
3) Der heilige Nikolaus wurde 280 nach Christus geboren, war also zum Zeitpunkt des Goteneinfalls zarte 12 Jahre alt und wohl kaum beteiligt, denn er gehörte zur überfallenen griechischen Bevölkerung.
4) Nikolaus hat später als Bischof wohl tatsächlich etliche kleinere Artemisheiligtümer in den Küstenstädten entfernen lassen. Es scheint, die dortigen Seeleute gingen auf Nummer sicher und huldigten neben dem christlichen Glauben für Seefahrten auch noch zusätzlich der Artemis.
5) Ganz so böse können die Seefahrer auf Nikolaus nicht gewesen sein, denn während Artemis für diese heute keine Rolle mehr spielt, ist Nikolaus zu deren Schutzpatron geworden und wird schon lange bei Seenot um Hilfe gebeten aber auch generell um sicher über das Meer zu reisen.

Samstag, 19. Oktober 2013

Was ist ein Lüge?

Mir ist in letzter Zeit schon öfters aufgefallen, dass schon den Grundschulkindern hier Falsches beigebracht wird: eine Lüge sei zum Beispiel, wenn man selbst getäuscht etwas Unwahres weitersagt. Genau ein solcher Tatbestand kam in der Pflichlektüre vor und leider auch in den Auslegungen des Gemeindereferenten zu den Zehn Geboten.

Schauen wir also mal in den Katechismus der katholischen Kirche:
Dort steht die Lüge unter den Verstößen gegen die Wahrheit, und zwar interessanterweise nicht an allererster Stelle.
Zuerst kommt "falsches Zeugnis und Meineid", die öffentlich gemacht dazu beitragen, dass Unschuldige verurteilt oder Schuldige entlastet werden oder die Strafe eines Angeklagten verschärft wird.
(Ich glaube, da fallen so einige neuerliche Pressemeldungen darunter.)
folgender Fettdruck und Unterstreichungen von mir

Dann wird erklärt (2477): Die Rücksicht auf den guten Ruf eines Menschen verbietet jede Haltung und jedes Wort, die ihn ungerechterweise schädigen könnte. Schuldig macht sich
- des vermessenen Urteils, wer ohne ausreichende Beweise und sei es auch nur stillschweigend, von einem Mitmenschen annimmt, er habe einen Fehltritt begangen;
- der üblen Nachrede, wer ohne objektiv gültigen Grund Fehler und Vergehen eines Mitmenschen gegenüber Personen aufdeckt, die nichts davon wissen;
(na, ob da einigen das Gewissen mal schlägt - ich fürchte nicht)
- der Verleumdung, wer durch wahrheitswidrige Aussagen dem guten Ruf anderer schadet und zu Fehlurteilen über sie Anlass gibt.

Als nächstes kommen: Schmeichelei, Lobhudelei und Gefälligkeit, die andere in schlechten Handlungen und falschem Verhalten bestärken.

Gefolgt von Prahlerei und Aufschneiderei sowie von Ironie, die jemanden herabsetzen will, indem sie ihn böswillig lächerlich macht.

Die Lüge nun ist "der unmittelbarste Verstoß gegen die Wahrheit"(2483)
"Lügen heißt gegen die Wahrheit reden oder handeln, um jemanden zu täuschen, der ein Recht hat, sie zu kennen."
(2484) "Eine Lüge ist mehr oder weniger schwerwiegend gemessen an der Natur der Wahrheit, die sie entstellt, den Umständen, den Absichten dessen, der sie begeht und den Nachteilen, die den Belogenen daraus erwachsen. Die Lüge ist an sich nur eine läßliche Sünde, wird jedoch zur Todsünde, wenn sie gegen die Tugenden der Gerechtigkeit und der Liebe schwer verstößt."

Das wird dann noch näher erläutert und schließt mit der Wiedergutmachung: "Die Pflicht zur Wiedergutmachung betrifft auch die Verfehlungen gegen den guten Ruf eines anderen."

(Und ich setze mal den Label Limburg mit hier darunter, weil es in den Handlungen sovieler die sich an den öffentlich-medialen Hinrichtungen dort von Verstößen gegen die Wahrheit wie oben ausgeführt nur so wimmelt. Von Wiedergutmachungen bisher keine Spur bei den Teilnehmern der Hatz. Der Hauptbeschuldigte und übelst verleumdete hat bisher immerhin eingestanden, Fehler gemacht zu haben und dann sorgfältig jeden der oben genannten Posten gemieden.)

Samstag, 11. Februar 2012

Aus den Angeln gehoben

"cardo" ist das lateinische Wort für die Türangel.  Und kaum noch bekannt sind die vier Kardinaltugenden, die so nicht heißen, weil es Tugenden von Kardinälen sind, obwohl diese sie natürlich in vorbildlicher Weise ausüben sollten, sondern dass diese vier gut ausgebildeten Eigenschaften in Ausgewogenheit miteinander, dafür sorgen, dass was wir tun, verbal zum Ausdruck bringen und denken, christliches Handeln ist und bleibt.

Die vier verankernden Tugenden heißen: Klugheit, Tapferkeit/Stärke, Gerechtigkeit und Maß.

Einzeln für sich können auch sie durch Übertreibung zu Verhalten führen, das nicht gerade eine Ähnlichkeit mit dem Herrn Jesus lebt.
So könnte die Klugheit zu übermäßiger Vorsicht führen, die Stärke zu Starrheit oder Tollkühnheit, das Maßhalten zu unkluger und feiger Zurückhaltung, die Gerechtigkeit zu Unbarmherzigkeit, wo es notwendig ist und vieles mehr.

Zusammen aber verhindern sie jedes Ungleichgewicht. Sie gilt es also zu trainieren und zu fördern. Leider sind sie kaum noch bekannt.
Gerade das führt zu Verhalten, das für Christen schon wahrhaft peinlich falsch ist.

Wie würden unsere Diskussionen aussehen, wenn was wir sagen durch diese vier Filter müsste:
Entspricht es der Gerechtigkeit?
Ist es klug,  oder wäre es besser zu schweigen?
Bringe ich den nötigen Mut auf?
Ist es noch im rechten Maß oder mehr oder weniger als das Notwendige?

Sonntag, 20. Februar 2011

Begriffserklärungen 2: „Freiheit der Lehre“ für die katholische Theologie


Freiheit ist immer ein gutes Schlagwort. Wer will sie nicht?

Theologie als Wissenschaft ist natürlich denkbar mit völliger „Freiheit der Lehre“. Als reine Wissenschaft muss die Theologie auch nicht unbedingt mit dem Glauben an irgendetwas oder irgendjemanden verbunden werden. Rein theoretisch. Rein praktisch wird solche Theologie, denke ich, „Vergleichende Religionswissenschaft“ genannt.  Also eine reine Wissenschaft bei der völlige Freiheit der Lehre sinnvoll ist.

Nun kennen wir als Theologen im eigentlichen Sinne hierzulande in erster Linie solche, die zur näheren Klassifikation „katholische Theologen“ oder „evangelische Theologen“ genannt werden. Ihr Studienfach heißt ebenfalls „katholische Theologie“ oder „evangelische Theologie“.

Man könnte die Adjektive „katholisch“ und „evangelisch“ natürlich als Hinweis sehen, dass nicht diese Theologen katholisch oder evangelisch sind, sondern dass sie sich eben nur mit diesem Thema befassen. Dies scheint jedoch in der Regel nicht der Fall zu sein. Im Normalfall haben „katholische Theologen“ die Religionszugehörigkeit „römisch-katholisch“. Das könnte damit zu tun haben, dass die Dozenten und Professoren der „katholischen Theologie“ auch die Aufgabe haben, Mitarbeiter der Bischöfe, also Priester, Pastoralreferenten, Gemeindereferenten, andere Laientheologen, auszubilden.

Für alle Wissenschaftler ist die Lehre immer nur ein Teil ihres Aufgabenbereiches, für manche ein sehr lästiger. Mit größerer Energie widmen sich viele Wissenschaftler der Forschung. Das ist sinnvoll. Schließlich sollte man davon ausgehen, dass sie sich mit der gelehrten Materie am besten auskennen und dadurch am ehesten auch neue Erkenntnisse gewinnen können.

Hier stoßen wir auf ein mögliches Problemfeld. Auch in der Theologie ist es möglich, neue Erkenntnisse zu gewinnen. Durch Studium von Quellen, philosophische Betrachtung, wissenschaftliche Analyse usw. Nur gibt es Bereiche, mit denen sich die Theologie beschäftigt, die nicht reine Wissenschaft betreffen sondern die mit etwas zu tun haben, das sich „Offenbarung“ nennt.

Offenbarung aber gehört nicht in die Wissenschaft sondern ist eine Glaubensfrage.
Die Theologie kann für ihre wissenschaftlichen Bereiche durchaus die „Freiheit der Lehre“ in Anspruch nehmen. Hier geht es um menschliche Schlussfolgerungen aus Beobachtungen und Daten. Hier können problemlos Thesen aufgestellt und erprobt werden.

Sobald es aber um das Offenbarte geht, sind auch Theologen durch ihren Glauben, so wie dieser durch das Offenbarte vorgegeben ist, gebunden und können keine beliebigen Thesen aufstellen. Wer einem Glauben angehört, steht im Glaubensgehorsam gegenüber dem Offenbarten. Stellt er es in Frage, gibt er den Glauben auf. Dann kann er zwar noch rein wissenschaftlich „Theologe“ ist aber nicht mehr im eigentlichen Sinne katholischer oder evangelischer Theologe.

Diese Vorgabe war klar, manchen ist sie es auch noch. Um sie zu unterlaufen wurde immer wieder versucht, in Frage zu stellen, was überhaupt offenbart ist.  Hier trifft man auf das Hindernis der starken Authentizität der Heiligen Schrift, die mit akribischer Genauigkeit überliefert wurde.  Einziger sinnvoller Ansatzpunkt ist zu versuchen, den Text als interpretierbar hinzustellen und das mit Forschungsergebnissen zu untermauern. Meistens beschränkt sich das allerdings auf Thesen, die nie den Sprung zu echten wissenschaftlichen Theorien schaffen, weil sich entkräftende Beweise finden.

Dass derartige Thesen dann in der Öffentlichkeit oft als Tatsachen präsentiert werden, kann nur als unredlich bezeichnet werden.

Festzuhalten ist jedenfalls, dass in der konfessionell gebundenen Theologie keine Freiheit der Lehre in dem Maße besteht, wie das für reine Wissenschaften der Fall ist, weil sie keine reine Wissenschaft ist.

Samstag, 19. Februar 2011

Begriffsklärungen 1: „verlogene Sexualmoral der katholischen Kirche“


Ich starte mal eine kleine, unregelmäßig erscheinende Serie mit Begriffsklärungen.

Ein offenbar gern gebrauchtes Schlagwort, das zwar schon in sich widersprüchlich ist, aber wem fällt das heute noch auf, ist die „verlogene Sexualmoral“.

Gemeint ist: Die katholische Kirche hat  eine Sexualmoral. Es halte sich aber niemand daran. Insbesondere nicht die Amtsträger. Die brächen sie zwar so ziemlich alle, forderten aber alle anderen auf, es nicht zu tun. Daran aber sei die Sexualmoral schuld.  Da es sie gibt und keiner sie halten wolle oder könne, zwinge sie durch ihre Existenz alle zur Lüge.“

Gemeint ist also nicht, dass die Sexualmoral verlogen sei, sondern dass es durch die Sexualmoral zu Lügen komme. Verlogen sind die, die die Sexualmoral nicht halten, aber darüber lügen.

Das aber will wer-auch-immer nicht direkt sagen, denn mit so einer Pauschalbeschuldigung („das sind doch alles Lügner“), riskiert wer-auch-immer fast schon eine Verleumdungsklage.

Die Sexualmoral ist aber keine Person und hat keine Personenrechte, also kann man sie ungestraft verlogen nennen, obwohl sie es nicht ist, sondern selbst verletzt wird.

Es wird also ein mehrfaches Unrecht begangen. Jemand verletzt die Sexualmoral und jemand bricht gleich noch das Gebot, nicht zu lügen.

Aber genau die Personen, die hier mehrfach die Gebote brechen, sollen durch die Beschuldigung des wahren Opfers selbst als arme bemitleidenswerte Opfer hingestellt werden.
Das ist eine wahre Verdrehung von Recht und Unrecht.