Oremus pro Pontifice nostro Franzisco.

Dominus conservet eum et vivificet eum

et beatum faciat eum in terra et

non tradat eum in animam inimicorum eius.

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Montag, 17. Oktober 2011

Beobachtungen bei dem Treffen für die Neuevangelisation, Okt. 2011 - IV Die Papstmesse

Teilnehmer des Treffens der Neuevangelisatoren hatten bevorzugten Zutritt zu der Messe mit dem Heiligen Vater am Sonntagmorgen. Da ich eine der Karten vom Samstagmorgen hatte, war befand ich mich in der dritten Reihe; vor diesen 3 Reihen saßen nur noch alle, die Priester, Bischöfe, Kardinäle und die, die die Kommunion vom Heiligen Vater selbst empfangen durften.

Die Messe war in Latein und zwar die Missa de Angelis, die ich mittlerweile einigermaßen kenne. (Gerade am vorigen Sonntag hatte ich üben können, als sich beim Versuch die Frühmesse der Pfarrgemeinde zu besuchen, herausstellt, dass die Urlaubsvertretung des Pfarrers nicht erschienen war und der Diakon nun einen Wortgottesdienst halten würde, woraufhin ich stante pede zur alten Messe fuhr, die in 20 min per Auto zu erreichen war.)

Beeindruckend war wie sehr die Lesungen zum Anliegen der Neuevangelisation passten; es waren die vom Sonntag des Kirchenjahres.

Auch einen Eindruck, allerdings eher den der Misere, die weite Teile der katholischen Kirche heimgesucht hat, hinterließ das Verhalten einiger weniger der "Träger der Neuevangelisation". Während viele einfach in tiefer Dankbarkeit und im Gebet auf den Beginn der Messe warteten, andere aufgeregt versuchten, möglichst viel zu filmen und zu fotografieren, standen ausgerechnet in der ersten und zweiten Reihe mehrere Herren und eine Dame frankophoner Herkunft, die laut palaverten und gestikulierten und sehr von ihrer Wichtigkeit überzeugt sehr überzeugt schienen und dabei ein denkbar schlechtes Beispiel für das Benehmen in einer Kirche setzten. Nach einer halben Stunde habe ich da interveniert, was es etwas dämpfte. Später beim Gottesdienst mussten die überall verteilten Sicherheitsleute auch mäßigend eingreifen.

Nein, die Neuevangelisation wird nicht einfach werden. Die Verweltlichung und Profanisierung hat vor niemandem Halt gemacht und es wird nicht leicht sein zeitgemäße und doch alles Wesentlich wahrende Asuprägungen der Liturgie und der Evangelisation zu finden, den Grat zu wandern zwischen Sinn für das Heilige und tiefer Mitmenschlichkeit, dass das Zwanglose nicht formlos wird und Ehrfurcht nicht zu Steifheit. Es wird nicht leicht sein, um das Feingefühl zu ringen, das die Begegnung sowohl mit dem Menschen als Einzelnen als auch mit Gott braucht und ohne das es keine Evangelisation geben kann.

Zu lange waren wir alle verwildert und wie hirtenlos und andere sind es noch mehr.

Viele kannten die Missa de angelis nicht, konnten nicht mitsingen. Aber viele wurden von den Gesängen berührt und summten sie noch nach, als sie den Dom verließen. Die Schönheit berührt und verändert, nimmt langsam die Entfremdung wieder weg.

Und da sind gute Hirten, allen voran der Heilige Vater selbst, die geduldig, freundlich, liebenswürdig und bestimmt den Weg vorangehen und vorleben, wie wir sein könnten, wenn wir mitgehen. Ihr Beispiel reißt mit. Und jeder von uns, der ihnen folgend, in der Christusähnlichkeit wächst, wird auch andere mitreißen, anziehend in der Schönheit dieser mit Entschiedenheit gepaarten Sanftmut.

Die Neuevangelisation ist ein Weg, keine Struktur. Eine Verwirklichung von Nachfolge, nicht Diskussionsrunden.

Beobachtungen bei dem Treffen für die Neuevangelisation, Okt. 2011 - III "Neue Hymne"

Beim Treffen mit den 8500 Teilnehmern am Nachmittag des 15. Oktober wurde als der Papst eintrat und den Raum verließ eine Hymne gespielt. Nicht etwas die Vatikanhymne, sondern ein Lied, das mittlerweile gut 10 Jahre alt ist: "Jesus Christ, you are my life."

Zuerst war ich etwas verwundert über die Auswahl dieses Weltjugendtagliedes. Allerdings klang es sehr mitreißend als Hymnus, begeisternd, erhebend. Und dazu der einfache Text, der dennoch Programm für alles ist, was Papst Benedikt XVI tut und sagt: "Jesus Christ, you are my life."
Genau das, was geschehen sollte, damit wir wirklich neu zu Evangelisierenden werden. Nur wenn Jesus Christus unser Leben ist, können wir dieses Leben weitergeben. Wenn wir in etwas anderem unser Leben suchen, wird es nur vergänglich sein.

Vor gut einem Jahr gab es ein sehr schönes Video mit dieser Hymne im Hintergrund auf einem der Mitblogs. Leider finde ich es nicht mehr, daher statt dessen zumindest die Musik  hier; es war allerdings mit etwas anderer instrumentaler Besetzung eindeutig hymnenartig gespielt:

Beobachtungen bei dem Treffen für die Neuevangelisation, Okt. 2011 - III Das Motto

Das Treffen der "Neuevangelisatoren" hatte auch ein Motto. Es war Apostelgeschichte 12,24: "Das Wort Gottes wächst und breitet sich aus."

Es ging darum die Vielfalt dieser Dynamik des Wortes Gottes in den vielen verschiedenen Bewegungen sichtbar zu machen. Ob es nun die Großmütterwallfahrt oder Jugend 2000, ob ein Dienst, der sich um Strafgefangene und Drogensüchtige bemüht, eine Organisation, die ihren Schwerpunkt im Zeugnisgeben an öffentlichen Orten sieht oder junge Ordensgemeinschaften, ob Wissenschaftler, ob Schüler. Die Art, wie sich das Wort Gottes verbreitet muss so vielfältig sein, wie die Menschen, an die es sich richtet. Geeint werden alle durch ihr Ergriffensein von der Schönheit der Begegnung mit dem Glauben.

Die Wertschätzung für jeden der Mitbrüder und Mitschwestern im Glauben, ohne Ansehen von Amt, Rang, Größe der Organisation, Geschlecht oder Stand zeigte sich in vielem. Das Mittagsbuffet war für alle gleich, genauso wie die Beschränkung der Redezeit.

Ganz besonders darum, unnötige Schwellen abzubauen und für alle ansprechbar zu sein, bemühte sich der Vorsitzende des Rates für Neuevangelisation, Erzbischof Rino Fisichella. Zwei Dinge, die mir auffielen waren: zuerst die Frage, welche der Anwesenden Priester am nächsten Morgen bei der Papstmesse konzelebrieren könnten. Jemand hatte die Zahl auf 150 beschränkt (Grund: Platzmangel). Es wurde angesagt, wer sich zuerst auf der entsprechenden Liste eintrage, gehöre zu den Glücklichen. Erzbischof Fisichella griff ein und verhinderte damit möglicherweise eine unschöne Situation, jeder, der sich eintrage, könne konzelebrieren, es werde sich schon eine Möglichkeit finden.
Weder an diesem Tag noch vor einigen Monaten in Mailand habe ich gesehen, dass Erzbischof Fisichella nicht zumindest ein freundliches Wort für jeden gehabt hätte, der ihn anzusprechen versuchte. Jeder konnte sich wichtig genommen fühlen. Auch ein Motto, das gelebt wird.

Beobachtungen bei dem Treffen für die Neuevangelisation, Okt. 2011 - II Wer war eingeladen?

Bei gloria.tv wurde berichtet, der BDKJ habe sich brüskiert gefühlt, nicht konkret eingeladen worden zu sein. Die Ausführungen dort erwecken den Anschein, es habe sich um eine Jugendveranstaltung gehandelt. Sicherlich war die Mehrzahl der Anwesenden recht jung, viele in ihren 30ern und 40ern. Aber das lag keineswegs an der Formulierung der Einladung dazu. Diese Einladung erging an alle geistlichen Gemeinschaften, von denen dem Rat bekannt war, dass sie sich zumindest teilweise der Evangelisation verpflichtet sehen, jedoch nur an deren internationale Hauptorganisationen, nicht an nationale Gruppen. So erhielt - um ein Beispiel zu nennen - die in Rom ansässige Koordinationsgruppe der Charismatischen Erneuerung die Einladung, nicht jedoch die deutsche Koordinationsgruppe. - Könnte es also sein, dass der BDKJ nicht Teil einer internationale Gruppe ist?

Des weiteren wurde diese Einladung von den Eingeladenen an die weitergegeben, von denen sie wussten, von denen sie wussten, dass diese sich für Katechese und Neuevangelisation einsetzen. Möglicherweise ist es so, dass vom BDKJ bisher noch nicht bekannt wurde, dass er sich sehr in darin profiliert hat, Menschen zu einer persönlichen und lebensverändernden Begegnung mit dem Herrn Jesus Christus zu führen und die offizielle Lehre der katholischen Kirche zu verkünden. Vielleicht wurde auch bisher übersehen, wieviel Freude am Glauben der BDKJ ausstrahlt, seine überbordende Begeisterung über die Erlösung und die einzigartigen Möglichkeiten, die die Vergebung der Sünden in der Beichte ermöglicht, diesem Geschenk der Kirche an alle, die zu ihr gehören. Leider wurden die bisher nicht so ganz wahrgenommen; es würde allerdings helfen, um das sichtbar zu machen, wenn sie sich nicht mehr hinter dicken Mauern von kritisierenden Äußerungen, problematisierenden Sichtweisen und öffentlichen Bekundungen von Depression und Frust über ihre katholische Identität verbürgen.

Wer also nicht erwartete, persönlich eingeladen zu werden, konnte sich auch ganz einfache persönlich an den Rat für die Neuevangelisierung wenden, um kommen zu dürfen.

Was den Nachmittagsteil mit den 8500 Teilnehmern angeht, haben das zum Beispiel 1500 Vertreter des Pfarrzellsystems so gemacht.

Beobachtungen bei dem Treffen für die Neuevangelisation, Okt. 2011 - I Übersetzung

Ich hatte die Ehre bei diesem Treffen, auf da manche argwöhnisch, manche hoffnungsvoll blicken und blickten, dabei zu sein. Warum? Im Grunde weiß wohl nur der Herr selbst, warum Er das so arrangiert hat.

Ich war keiner der Delegierten sondern beteiligt an der Übersetzung in 6 Sprachen, und zwar in der deutschen Kabine. Wobei weder ich noch die ausgebildete Übersetzerin, mit der ich für die Übertragung ins Deutsche verantwortlich war zu 100 % für die Simultanübersetzung aus dem Italienischen qualifiziert waren. Meine Stärke ist Englisch, die ihre Englisch, Spanisch und Französisch - aber zusammen gelingt es uns, auch dann noch wenigstens ungefähr den Inhalt wiederzugeben, wenn plötzlisch Portugiesisch, Polnisch oder anderes gesprochen wird. Beide hatten wir schon des öfteren mit der Organisation zusammengearbeitet, die mit der Übersetzung betraut worden war.
Und vielleicht sollte das dazugesagt werden: für diese Übersetzungen ist niemand bezahlt worden. Im Gegenteil, Anreise und Unterkunft waren selbst zu tragen. Wobei dies für einige der Übersetzer andere Privatleute übernommen haben.
Und, ganz ehrlich, es ist eine Ehre, bei so einer Veranstaltung mithelfen zu dürfen.

Die wenigsten wissen, dass es im Grunde 2 Veranstaltungen gab: eine am Vormittag, zu der nur mehrere hundert Delegierte zugelassen waren und die am Nachmittag mit 8500 Teilnehmern.

Zum Inhaltlichen werde ich mich nicht viel äußern, das überlasse ich offiziellen Verlautbarungen. Aber vielleicht können diese Beobachtungen am Rande mit dazu beitragen zu verstehen, was da gerade geschieht. Die deutsche Mentalität denkt gern in Planung und Strukturen, aber hier ist der Heilige Geist am Handeln. Viele denken sicher, Sein Wirken wahrzunehmen, sei allein eine Angelegenheit der persönlichen Interpretation von Dingen und diese dürfen gerne bei dieser Einschätzung bleiben. Ich persönlich habe im Vorfeld dieses Treffens zuviele Zusammentreffen erlebt, als dass ich einen Zweifel hätte, wer dabei die Hauptregie geführt hat.

An dieser Stelle also zunächst etwas zu den Bedingungen für die Übersetzungen bei diesen Treffen. Für den ersten Teil, der in einem Stockwerk über der Audienzhalle Pauls VI stattfand, waren sie sehr gut. Dort gibt es ausgezeichnete Kabinen für Simultanübersetzung mit der Möglichkeit zur Relay-Schaltung. Das einzige Manko, das dort auftrat, war das an Skripten. Angefangen vom ca. 20-seitigen (sehr interessanten) Eröffnungsvortrag von Erzbischof Rino Fisichella, der in relativ hohem Tempo vorgetragen wurde über die vorher festgelegten sieben ausgewählten Beiträge, von denen sich aufgrund der knappen Zeit niemand an sein Skript hielt, soweit es überhaupt vorlag, bis hin zu den auf je 3 Minuten beschränkten Meldungen aus den Zuhörern gegen Ende, von denen viele nicht zu Wort kommen konnten und bei denen erst feststand, in welcher Sprache gesprochen wurde, nachdem der Betreffende zu reden begann.

Schwieriger wurde es am Nachmittag. Die Audienzhalle ist nicht für Simultanübersetzungen ausgestattet. Die Techniker dort taten ihr Bestes, doch niemand hatte sie auf die Besonderheiten der Simultanübersetzung hingewiesen. Meistens müssen sie dafür sorgen, dass anwesende Journalisten eine Tonübertragung von der Bühne haben, bzw. wohl Berichte sprechen können. Und es scheint, Journalisten wollen dabei ihre eigene Stimme hören. (Das ist meine Vermutung.) Denn sobald einer der Übersetzer zu sprechen begann, wurde die Stimme des Redners auf ganz leise im Kopfhörer geblendet und die des Übersetzers laut. Das ist gut für die Zuhörer der Übersetzung, aber nicht besonders gut für den Übersetzer, der ja eigentlich hören will, was der Redner sagt. Beide benötigen eigentlich getrennte Tonspuren für ihre jeweiligen Kopfhörer. Zum Ausgleich gab es für diesen Teil Manuskripte, die weitgehend eingehalten wurden.

Dennoch fühlt sich vielleicht einmal ein Gönner aufgrund dieser Zeilen ermutigt, der Audienzhalle Pauls VI eine moderne Simultanübersetzungsanlage zukommen zu lassen, denn es ist sicherlich nicht das letzte Mal, dass diese benötigt werden wird.
Hilfreich wäre es auch, wenn dort tatsächlich abgetrennte Kabinen entstünden. Denn die bisherigen Abteilungen sind im vorderen Teil nicht voneinander abgetrennt, so dass man - ohne Kopfhörer - überall gleichzeitig hören kann, was in allen Kabinen gesprochen wird, wohingegen die Worte des Sprechers auf dem Podium durch eine Plexiglasscheibe gut abgedämpft werden ...