Oremus pro Pontifice nostro Franzisco.

Dominus conservet eum et vivificet eum

et beatum faciat eum in terra et

non tradat eum in animam inimicorum eius.

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Mittwoch, 2. März 2011

Zumutung

Wer von uns ist nicht vertraut mit den vielen Dingen, die anderen nicht zugemutet werden dürfen. Etwa, dass ein Jugendlicher oder Erwachsener lernt, seine Sexualität zu bändigen oder dass Frauen ihre ungeborenen Kinder nicht beseitigen lassen. Am Ende einer solchen Liste meinte Eduard Kamenicky im Jahr 1972:


"Die stolze Reihe jener, denen so vieles nicht zumutbar ist, weist allerdings eine merkwürdige Lücke auf. Das ist der gläubige Katholik. Ihm kann interessanterweise alles zugemutet werden. 

Etwa: daß er seine heiligsten Überzeugungen ungerührt und anstandslos gegen andere, völlig entgegengesetzte, vertausche …; daß er den ehrwürdigen Traditionen des kirchlichen Lebens ohne Träne den Abschied gäbe, als handle es isch um altes Gerümpel und wertlosen Tand, um an ihrer Stelle sich die blasse Nüchternheit intellektueller Skepsis zu eigen zu machen …; daß er die wahrhaft blasphemische Entstellung und Entweihung des Gotteswortes, der er täglich begegnet, mit Beifall und Sympathie quittiere; daß er der gezielten Mißleitung der jungen Generation … auch als Vater und Mutter tatenlos zusehe, ja seine freudig erregte Zustimmung spende; daß er die Lehren der Väter verächtlich finde, seine bisherigen Grundsätze belachenswert, daß er seine Ideale verrate, seine Schwüre breche und im Verzicht auf den letzten Funken Selbstachtung sich zum Partisanen und Handlanger des kirchlichen Suizids erniedrige."

S. 91/92, Ruinen im Licht, Eduard Kamenicky

Dienstag, 1. März 2011

"Angekündigte Revolutionen finden nicht statt ..."


Das zuende gegangene Konzil reflektierend schreibt Eduard Kamenicky im Jahr 1971:

"Angekündigte Revolutionen finden nicht stat. Ausgeklügelte Reformen ereignen sich nicht ... Eigentlich müßte die Welt ja aufblühen in dem eingeschalteten Klima von Friede, Versöhnung und Fertilität.

... Nichts von alledem. Das gemanagte Wunder blieb aus. Statt dessen macht sich unaufhaltsam Alltagsluft breit, ziemlich lau, abgestanden, eher dumpf und gar nicht beschwingend. Begeisterung gedeiht keine in ihr, selbst Sensationen gedeihen nur mehr kümmerlich ...Die Thematik hat sich überspitzt und verbraucht, selbst die ehedem geschliffenen Waffen des Skandals und Disputs sind zu sehr beansprucht und stumpf geworden ...

Liturgie ist der Kern des faktischen Lebens des Christen in der Kirche, mit der Kirche, als die Kirche, und dessen offizielle Gestalt. Werden hier die Akzente falsch gesetzt, werden hier bedenkliche Theologumena und Modethesen zu heimlichen Gesetzgebern und Regisseuren, dann sind die Weichen gestellt für den Niedergang. Wir erleben ihn heute. Aber viele sehen das immer noch nicht."

S. 76/77, Ruinen im Licht, Eduard Kamenicky

Montag, 28. Februar 2011

König, nicht Präsident


"Der Herr ist König. Präsident ist er nicht. Selbst der Räte entbehrt er nach Isaias (40,13-14) und Paulus: „Wer ist sein Ratgeber?“ (Röm 11,34). Dass das Recht vom Volk ausgehe, ist in demokratischen Verfassungen zu lesen. In der Kirche ist das nicht so. Hier geht das Recht vom Herrn aus. Ja, wenn es irgendwo einen absoluten Monarchen im Vollsinn des Wortes gibt, ist es Christus.
Das ist vielen schmerzlich, aber es ist wunderbar wahr. Das ist der verborgene, neuralgische Punkt. Das, was der sich als mündig denkende Mensch in seinem Stolz nicht ertragen kann: eine Kreatur der Gnade zu sein.

... Wie denkt ihr, Kollegen, kirchliches Leben? Nicht wahr, als eine endlose Kette von Debatten, Parteiungen, Machtkämpfen, Resolutionen, Abstimmungen, neuen Debatten (denn der Diskussion darf ja niemals ein Ende sein), Gruppierungen und Kraftproben! Was sonst könnte nach eurer Sinnesart als tätiges Wahrnehmen der Mitverantwortung des Einzelnen für die Gemeinde gelten?
... einige unserer Zeitgenossen schicken sich an, aus eigener Kraft und Willkür der Kirche eine andere Verfassung aufzuzwingen, ein anderes Lebensgesetz, ein neues „Image“. Was sollen wir sagen?
Qui habitat in caelis irridebit eos (Ps 2,4)" 

S.43-45, Ruinen im Licht, Eduard Kamenicky

Samstag, 26. Februar 2011

Njet (Essay aus dem Jahre 1970, E. Kamenicky)


"Wir dürfen nicht vrgessen, dass dieses Wörtchen [nein] das Lieblingsvokabel des Teufels ist ...

Eine Pointe von eigenartiger Wirkung ist nun die Transposition jenes Nein ins Ekklesiale, der Durchführung eines infernatlischen Motives in Kirchentonart vergleichbar. An die Seite des säkularen Vandalen und Auslöschers des Geschichtsbewusstseins tritt der im Heiligtum die Axt schwingende Pfarrherr, in die Gefolgschaft der Naturschänder ... der Altäre zertrümmernde Diakon. Sie sind ebenso zur Symbolfigur der Zeit geworden wie der die Bibel zerfetzende Exeget oder der mit seinen Ideen die Herde zerfleischende Experte der Pastoral-Theorie. Wahrhaftig, eine seltsame Zeit!

Der Bibliker wütet gegen die Schrift, der Priester gegen das Priestertum; der Künstler zersetzt die Kunst, der Schriftsteller die Sprache; der Liturgiker negiert die Litrugie, der Theologe Gott. Wir leben in einer Epoche des Nein ...

Der Kirche selbst ist dies alles zutiefst fremd. Sie kennt nur ein einziges Nein: das Nein zur Verneinung, das heißt theologisch: zu Sünde, Lüge und Häresie ... Sie hat in dieser Gesinnung geschichtlich ein ... überzeugendes Ja zur Welt als dem Entfaltungsraum von Gottes Reich formuliert. Als Kirche ziemt uns ein kühnes Darleben jenes Ja, ungebeugt in den Stromschnellen der Verneinung, die über uns wegbrausen ... Wir sollten Benedikt in uns entdecken, um aufs neue hineinzuwachsen in die christliche Weltbetreuung."
S. 30-33  Ruinen im Licht, Eduard Kamenicky

Freitag, 25. Februar 2011

Heiligkeit als Neuheitserlebnis


Das ist wieder eine der Kamenicky-Passagen von 1969, die mir so prophetisch erscheinen; nach der Zeit der Unheiligkeit, des Zerfalls und der Schändungen wird wieder die Heilheit der Heiligkeit im Leben Anziehungskraft ausstrahlen:

"Gerade die ungewöhnliche Enthaltung von Geist und Kraft dessen, was wir in allen jenen signifikanten Erscheinungen der Kirche inbegrifflich ‚Heiligkeit’ nennen, läßt von der Wiederbegegnung eines jungen Geschlechtes mit den Heiligen Gottes die lebendigste Wirkung erwarten.  

Heiligkeit als Neuheitserlebnis verspricht, einen unerhofften Born von Energien zu erschließen, die sich zum Staunen der Geschichte als fähig erweisen werden, vor dem makabern Hintergrund einer zersetzten Kultur, die selbst Hand an sich gelegt hat, Werte zu schaffen und Menschen zu prägen, in deren Wesen und Wirken das Wunder des unversehrten Gottesbildes aus Macht und Gnade der fortdauernden Gegenwart Christi neu zu leuchten beginnt." (1969)
S. 20, Ruinen im Licht, Eduard Kamenicky

Donnerstag, 24. Februar 2011

Christen und Pseudo-Christen


"Heute gibt es, von den Nicht-Christen abgesehen, Christen und Pseudo-Christen, das heißt solche, die sich selbst aus Christus und seiner Wahrheit verstehen, und solche, die Christus nach dem Modell ihrer selbst, ihrer irdischen Wünsche und Schwächen deuten ...

Gott sei dank dafür, dass kein Zweifel mehr daran besteht, was das Säurebad der eigenwilligen Neuinterpretation des Christentums allein bewirkt, ja bezweckt: keine Erneuerung, sondern Zersetzung der Kiche, Auflösung, Untergang.

Das gläubige Ja zu Gott, zu Christus und zur Kirche schließt das bedingungslose Nein zu den Irrlehren des ungläubigen Pseudochristentums notwendig in sich. Diese Einsicht kristallklar zu machen, ist Ziel der „Entscheidung“."

S. 8/9, Ruinen im Licht, Eduard Kamenicky