Oremus pro Pontifice nostro Franzisco.

Dominus conservet eum et vivificet eum

et beatum faciat eum in terra et

non tradat eum in animam inimicorum eius.

Mittwoch, 7. Oktober 2015

neue Broschüre der CE zu Gebetshäusern und Gebetsinitiativen

Unter diesem Link  findet man eine pdf-Version der neuesten Broschüre des Theologischen Ausschusses der CE Deutschland "Ein Haus des Gebetes".

Es wird zunächst über die jahrhundertealte Tradition des ständigen Gebetes informiert, verschiedene, insbesonders neuere Initiativen werden genannt, weiterhin gibt es Hinweise und Anregungen zu katholischen Gebetshäusern, gefolgt von einem Exkurs zu dem evangelikal geprägten IHOP Kansas, das nicht nur Vorreiter in der neuen Gebetsbewegung ist, sondern auch sehr von Endzeittheorien geprägt ist, die auf in erster Linie protestantischen Konzepten des Milleniarismus und Dispensationalismus basieren und die seitens der römisch-katholischen Kirche nicht akzeptiert sind.

Samstag, 4. Juli 2015

Moderne Glaubenssätze


Dies sind eindeutig Glaubenssätze einer neuen noch recht im Bewusstsein aller ausformulierten Religion, die allerdings ihre Beachtung mithilfe der Gesetzgebung immer stärker anderen auferlegt. Es sind Glaubenssätze, weil ihre Inhalte sich mit Logik nicht erschließen und erklären lassen. Dennoch wird der Eindruck vermittelt (z.B. in Umfrage-Ergebnissen), dass die Mehrheit der Menschen diesem neuen noch unbenannten Glauben anhängt.

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1.       Die Sexualität eines jeden Menschen ist unabhängig vom biologischen Geschlecht und jederzeit frei individuell neu formulierbar. Hiervon gibt es nur eine Ausnahme: rein heterosexuelles Verhalten und Akzeptanz des eigenen biologischen Geschlechts beruht stets auf Manipulation und ist mit allen Mitteln zu bekämpfen und zu untergraben. Nur so kommen auch diese Fehlgeleiteten in den Genuss der Freiheit.

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2.       Emotionale Zuneigung ist das höchste Gut und der oberste Maßstab. Sie wiegt weit mehr als eingegangene Verpflichtungen, die unter Umständen dreist verlangen, man solle auf seine volle emotionale Befriedigung verzichten und Verantwortung gegenüber der eigenen Familie. Wenn diese die emotionalen Bedürfnisse und derzeitigen sexuellen Interessen des Individuums nicht höher schätzt als ihre eigenen, dann haben sie kein Recht auf Berücksichtigung. Dies gilt allerdings nur, wenn es sich bei den sexuellen Interessen um nicht heterosexuelle und der Treue zu einem gegebenen Versprechen verpflichtete handelt.

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3.       Es gibt nicht Bewundernswerteres, als wenn jemand Partner und Kinder verlässt um sich selbst zu verwirklichen und möglichst darüber noch die Presse informiert. Wehe über den, der hier nicht in Jubel ausbricht und applaudiert.

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4.       Heterosexualität, insbesondere wenn sie weder promiskuitiv, noch SM noch fetischisch ist, ist ein Produkt politischer Indoktrinierung und kann nicht natürlich sein. Leute daraus zu befreien, ist das oberste Ziel. Wohingegen die bunte Vielfalt aller anderen Formen von Sexualität ausnahmslos angeboren und natürlich ist. Darum ist jeder Versuch jemanden auch nur zu beraten, der sich davon entfernen möchte um der unnatürlichen Heterosexualität zuzuneigen, mit allen gesetzlichen Mitteln zu kriminalisieren und zu verhindern.

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5.       Es ist völlig unerheblich, dass sich auf gesellschaftlichen Leitungsfunktionen überproportional zu dem, was die noch in ihrer Indoktrination befangene Bevölkerung lebt, Menschen befinden, die dem Leitbild Promiskuität und Nicht-Heterosexualität entsprechen und die sogar oft von den immer noch im Irrtum Befangenen angesichts vermuteter politischer und anderer Fähigkeiten auf diese Positionen gewählt worden sind. Solange die Nicht-Heterosexualität nicht als Idealbild anerkannt ist, ist diese als diskriminiert und unterdrückt zu betrachten und nach allen Kräften zu privilegisieren, um diese Ungerechtigkeit aufzuheben.

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6.       Kinder sind vor sexueller Belästigung zu schützen. Dazu gehört Pornographie aller Art. Ihnen solche zu zeigen ist eine Straftat. Es sei denn, es handelt sich bei den sexuellen Bildern und Akten, die sie möglichst auch selbst experimentell probieren sollten darum, dass sie dadurch an promiskuitives nicht-heterosexuelles Verhalten gewöhnt  und damit befreit werden. Dies ist möglichst schon in den Kindergärten zu fördern.

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7.       Kinder sind ungeheuer wertvoll, d.h. erwünschte Kinder. Sie werden schon im Mutterleib in die Familie integriert, die ganze Familie lebt mit ihnen die vollen 9 Monate bis zu ihrer Geburt und jedes Kind weiß, dass das Brüderchen und Schwesterchen natürlich schon lange vor der Geburt gelebt hat. – Völlig anders ist die Lage, wenn das Kind nicht erwünscht ist, dann ist es bis zur Geburt nur eine Art Tumor, der jederzeit beseitigt werden darf. Darunter fallen selbstverständlich und über jeden Zweifel erhaben auch die Kinder im embryonalen Stadium, die gentechnisch ohnehin nur als Reserve oder Materiallager produziert wurden. Da sie nicht erwünscht sind, sind sie keine Menschen und können auch für Forschungszwecke als Material verwendet werden.

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8.       Aus den bisherigen Glaubenssätzen, die klar definieren, dass Menschen nur dann Menschen oder zu respektierende Menschen sind, wenn sie von den Verfassern dieser Glaubenssätze den Status „erwünscht“ erhalten, ergibt sich, dass auch zu zweckdienlichen Maßnahmen zu greifen ist, wenn jemandem der „Erwünschtstatus“ nicht (mehr) erteilt werden kann. Diese Menschen sollten eigentlich kein Verlangen haben, als der Gesellschaft mit ihren unverhältnismäßigen Forderungen nicht mehr zur Last zu fallen. Infolgedessen ist die Gesetzgebung zum leichteren Zugang für diese nicht (mehr) Erwünschten zu Mitteln und Hilfspersonen zu erleichtern, die ihr schleuniges Ableben garantieren. Nur Menschen, die dem nachkommen, sind wahrhaft frei in ihrer Entscheidung.

DIES SIND NICHT MEINE GLAUBENSSÄTZE. ABER ES SCHEINEN DIE GLAUBENSSÄTZE VIELER POLITIKER UND DER MEDIEN ZU SEIN.
Ich wende mich dagegen.




Samstag, 23. Mai 2015

Wenn ein Mädchen ein Junge sein will (und umgekehrt) -

- dann heißt das noch lange nicht, dass dieses Kind nun transsexuell oder was auch immer ist. Es heißt nur, dass es in Lebensumständen ist, die es ihm wünschenswert erscheinen lassen, nicht das eigene Geschlecht zu haben. In den letzten Tagen haben die Medien ja fleißig solche Geschichtchen ohne irgendeine Beweiskraft geschrieben. Es werden allerhand äußerliche und kulturelle Dinge genannt, die so gut wie nichts über die Geschlechtszuhörigkeit aussagen. "A mochte nie mit Puppen spielen", B wollte lieber Kleider trage usw.

Wenn man mich mit 13 gefragt hat, habe ich ausdauerndst erklärt, dass ich lieber ein Junge wäre, und das hatte rein gar nichts mit Sexualität zu tun oder mit biologischem Geschlecht sondern allein damit, dass man mir genauso ausdauernd klarzumachen versucht hatte, dass ich so ziemlich alles, was ich tun wollte, nicht tun könne, weil ich ein Mädchen sei. Viele der Einschränkungen waren zu meinem Schutz gedacht, aber es waren Einschränkungen.
Wenn ich sagte, ich wäre lieber ein Junge, meinte ich, dass ich die Welt bereisen können wollte, ohne befürchten zu müssen in einigen Ländern als minderwertig behandelt zu werden, weil ich ein Mädchen bin. Ich wollte nicht der Gefahr ausgesetzt zu sein, vergewaltigt zu werden, wie das alleinreisenden Mädchen leider doch öfter zu geschehen schien. Ich wollte einfach eine Form haben, in der ich ich selbst sein kann und nicht auffalle und mit Extrarisiken rechnen muss, und es schien, dass das einfacher wäre, wenn ich kein Mädchen wäre.
Das waren soziale, gesellschaftliche, kulturelle Probleme - aber keine des biologischen Geschlechts per se.

Puppen fand ich eben totlangweilig. Das teile ich mit vielen anderen Mädchen.
In rosa hat mich ab dem Alter von 5 Jahren nicht mehr gesehen (und vorher selten).
Röcke und Kleider fand ich zu unpraktisch zum rennen und klettern.
Ich wollte gerne ein Reisender werden wie Old Shatterhand / Kara ben Nemsi, dafür habe ich geübt mit 13 - und war recht ungehalten über Hindernisse, die mir da in den Weg gelegt wurden, inklusive die der körperlichen Entwicklung.

Ja, ich hatte lange Zeit Probleme anzunehmen, dass ich weiblich bin, aber nur wegen dem, was andere damit verbunden haben und mir aufzwingen wollten

Und offenbar haben etliche Jungen vergleichbare Probleme. Einfach weil sie ein paar andere Interessen haben als die Mehrheit der Jungen. Oft weil sie den Eindruck haben, dass Mädchen ständig bevorteilt werden und es überhaupt viel einfacher haben.

Mir ist die Absurdität dieses Missverständnisses erst klargeworden, als mir ein Mann von mir wissen wollte, ob das nicht viel schöner und leichter als Frau sei. Da konnte ich ihm ein ganz klares Nein geben.
Was mich die meiste Zeit gekostet hat, war den "Mädchen-Mädchen", die mit Begeisterung alle Klischees über Frauen erfüllen nicht konstant mit tiefster Verachtung zu strafen, weil ihre Schminksucht und ihr ganzes Getue mir als ebenfalls Mädchen quasi den Ruf ruiniert.

Wenn ein Junge Röcke tragen möchte, heißt das keineswegs, dass er sexuelle Identitätsprobleme hat, aber es heißt, dass er festgestellt hat, dass um niedliche Röcke tragende Kinder manche Erwachsenen viel mehr Getue machen. Er möchte, dass man von ihm entzückt ist und wenn man das durch einen Rock bekommt, dann her mit dem Rock! Ich vermute stark in einem Land wie Sudan dürfte kaum ein Junge das Verlangen haben, in einen blauen Sack mit Gitter vor den Augen gesteckt zu werden - das bringt ja keine Vorteile. Wenn ein Mädchen keinen Rock tragen mag, heißt das oft: Jetzt nimm mich mal ernst mit meinen Fähigkeiten, mir stinkt das Getue und ach-wie-hübsch, mit dem ich eingesperrt werde, jetzt vergiss den äußerlichen Schrott und sieh mich als Person!

Diese Botschaften wären ernst zu nehmen: dass viele kleine Jungen sich nicht um ihrer selbst willen geliebt fühlen und mehr Aufmerksamkeit wollen und dass viele kleine Mädchen in ihren Fähigkeiten mehr anerkannt werden wollen. Die Aussage ist meistens ganz simpel: "Ich möchte so gut behandelt werden, wie ein Mann/eine Frau." Und was jemand als "gut" empfindet, variiert eben.

Das verheerendste ist, statt auf diese Signale zu hören und zu geben, was so ein Mensch braucht und tatsächlich sucht, dann gleich mit OP und den entsprechenden Verstümmelungen und massiver Hormontherapie eine Hilfe zu bringen, die gar keine ist und das eigentliche Problem belässt.

Es ist die gleiche Verirrung, wie auf die Aussage "ich möchte sterben" mit der freundlichen Beseitigung der Person zu reagieren, obwohl diese doch nur Angst vor drohenden und bestehenden Umständen hat, denen sie sich nicht gewachsen fühlt. Als ob sich nicht fast jeder von uns schon einmal den Weltuntergang bitte in den nächsten 24 Stunden gewünscht hätte, um einen anderen unangenehmen Verhängnis zu entgehen.

Samstag, 16. Mai 2015

Meine Begegnung mit "Wiedersehen mit Brideshead"

In der letzten Zeit sind mir gleich Besprechungen des Buches/Films "Wiedersehen mit Brideshead" von Evelyn Waugh begegnet, und weil diese Filmserie tatsächlich etwas war, das mich mehr berührte als andere Filme, möchte ich das hier auch einmal festhalten.

Ich stieß´vor gut 20 Jahren am Samstagabend mit meinen Eltern bei der Suche nach irgendeinem brauchbaren Fernsehprogramm auf die erste Folge der Serie und irgendwie blieben wir daran hängen. Was meinen Eltern daran gefiel, kann ich nicht sagen. Ich mochte die beteiligten Charaktere und ich denke, ich mochte das Gefühl einer einer Welt, die mitten in der alltäglichen existiert und die vom Katholischsein durchdrungen ist. Keiner der Charaktere ist ganz heil und außer Cordelia gelingt es, glaube ich, niemanden, seine Glaubensüberzeugungen mit dem Gelebten ganz in Einklang zu bringen und trotzdem ist da etwas spürbar, das größer ist, das tragen kann und auffängt, wenn man den Halt verliert. In allem Scheitern scheint immer noch eine Hoffnung da zu sein, und der zentrale Raum, in dem sie fühlbar ist, ist die Hauskapelle, die Charles zu Anfang der Geschichte betritt.

Ich denke, es war dieser Film aus dem in mir die innere Gewissheit reifte, dass gleich welche Stürme toben, gleich wieviele sich vom Glauben abwenden und zum Spielball auf den Wellen des Zeitgeistes werden, es ein unzerstörbares Herz des katholischen Glaubens gibt, weil irgendwo jemand in einer abgelegenen dunklen Kapelle oder Kirche den Berührungspunkt mit der Unendlichkeit gefunden hat und betet.

Ein Danke dem Autor und der wohl sehr guten Verfilmung. Ich bezweifle eher, dass die neuere Filmversion von 2008 Ähnliches vermittelt.

Samstag, 28. März 2015

Wem nützt es? Fortsetzung in Limburg

«Wir haben ein Gutachten eines Kirchenrechtlers mit dem Ergebnis, dass der Bischof als Letztverantwortlicher in der Verwaltung und der Vermögensverwaltung Entscheidungen getroffen hat, die zu Vermögensschäden geführt haben», sagte der Apostolische Administrator für das Bistum Limburg, Weihbischof Manfred Grothe, der «Frankfurter Rundschau» (Donnerstag).

Limburg will jetzt vor das römische Kirchengericht und scheint einen Prozess gegen seinen ehemaligen Bischof zu erhoffen Wundervoll in die Presse lanciert genau vor Palmsonntag, um durch die verschiedenen Empörten so richtig toll von der Karwoche und Ostern abzulenken, könnte man fast meinen. - Eine andere wirklich bittere Meldung hat das so schmackhafte Skandälchen aber von den Titelseiten verdrängt und konfrontiert uns alle mit dem grausamen Tod Unschuldiger.

Dennoch frage ich mich, was man in Limburg mit der angestrebten kirchlichen Verurteilung noch erreichen will. Befriedigung irgendwelcher Rachegelüste? Ich meine, der Bischof ist ja nicht mehr Bischof von Limburg sondern hat jetzt eine recht unbedeutende Stelle an der römischen Kurie inne.
Ein grausiges Spießrutenlaufen und öffentliche Diffamierungen (zum Teil auch ganz ungerechtfertigte) musste der Bischof auch schon über sich ergehen lassen.
Mit was möchte man ihn denn noch strafen? Welchen Sinn können weitere Verurteilungen eigentlich noch haben? Soll er jetzt mit dem, was er an Privatvermögen hat, haftbar gemacht werden? Von seinem derzeitigen Gehalt kann er bestimmt keine riesigen Bußbeträge erstatten - es ist wohl auch nicht zu erwarten, dass er eben dazu von der Rota verurteilt wird.

Er mag ja unkluge Entscheidungen bei den Limburger Baumaßnahmen getroffen haben, die zu mindestens 3-4 Millionen höheren Kosten geführt haben. Und tatsächlich, auch wenn gut 20 Leute, die das hätten verhindern müssen und sollen und können das nicht getan haben, er hat als Bischof letztendlich die Verantwortung, andererseits, er hat sich ja nicht persönlich daran bereichert.und man kann wohl auch nicht behaupten, der Bischöfliche Stuhl sei durch all dies finanziell ruiniert worden.
Dann ist es auch schon sehr befremdlich, dass alle die Nicht-Letztverantwortlichen sich bequem herausreden, sie hätten das aus Respekt vor dem Bischofsamt getan bzw. ja nicht getan, was sie hätten tun müssen. Das aus dem Mund von Personen, die kein Problem hatten, den Bischof gegenüber Presseleuten geisteskrank und anderes zu nennen. - Klar doch, sehr respektvoll.

Was also will man noch erreichen? 
Jedem ist klar, dass so ein Prozess, wenn er überhaupt ernsthaft eine Grundlage haben sollte, dafür sorgen wird, dass das Ansehen der katholischen Kirche weiter geschädigt wird. Denn jenseits aller reell verhandelten Dinge, wird es wieder zu vielen Beschuldigungen kommen. Schlimmer noch, das Ganze macht auf den, der es von außen mitverfolgt einen Eindruck von Hass und Unversöhnlichkeit. - Durch das erste wird wieder einmal massiv von der Beschäftigung mit dem Evangelium abgelenkt, durch das letztere wird die christliche Botschaft in den Augen der Öffentlichkeit in ihr Gegenteil pervertiert.

Wem nützt das Ganze also? Was soll noch erreicht werden?








Samstag, 31. Januar 2015

Kommen Tiere in den "Himmel"?

Da der Begriff "Himmel" zu missverständlich ist, sollte es besser heißen: Wird es in der Ewigkeit auch Tiere geben, insbesondere welche, die wir gern hatten?

Es gibt darauf eine Antwort, die sowohl theologisch akzeptabel sein dürfte UND trauernden Tierfreunden eine Hoffnung gibt UND noch gut für das geistliche Leben der betroffenen Menschen ist.

Die Antwort, die man von theologisch Gebildeten meistens hört, ist: 
Tiere haben keine unsterbliche Seele, daher gibt es für sie kein ewiges Leben. Christus ist gestorben, damit für den zum Ebenbild Gottes geschaffenen Menschen der Weg in die Ewigkeit geöffnet ist.

Das ist vollkommen richtig so. Ohne Jesus Christus, wäre der Himmel auch für alle Menschen verschlossen und wir bräuchten nicht über ewiges Leben zu spekulieren.

Tiere stehen auf einer anderen Stufe der Schöpfungsordnung. Sie haben zwar Gefühle und Intelligenz, das eine mehr, das andere weniger; sie haben sogar eine gewisse Ethik innerhalb ihrer eigenen Gruppe, aber die Beziehung zu Gott (Religion) ist für sie irrelevant. In dem Sinne begehen sie auch keine Sünden. Sie verhalten sich auch manchmal bewusst moralisch ungut (ihrer eigenen Tier-Ethik entsprechend, unsere menschliche zählt nicht für sie), aber das hat eine andere Relation. Wie die ganze Schöpfung brauchen auch sie Erlösung - Paulus erwähnt den Fakt einmal -aber diese Erlösung steht wie der erlösungsbedürftige Zustand in Abhängigkeit vom Menschen.

Um zu verstehen, wie es für Tiere möglich sein könnte, Eingang in die Ewigkeit zu finden, muss man zuerst begreifen, was die Position des Menschen in dieser Frage ist:
Der Mensch gelangt nur in die Ewigkeit, wenn er den Tausch vollzieht, der seinen Ausdruck im Ritus der Taufe findet. Die Taufe hat viele Aspekte, auf die ich hier nicht eingehen will. Aber eines, das Wichtigste und die Grundlage für alles andere, ist, dass mit dem Bundesschluss der Taufe, der Getaufte nicht mehr einfach er selbst ist sondern Teil der Person Christi Getaufte leben nicht mehr ihr eigenes Leben, das unweigerlich zum Tod führt - das haben sie Jesus übereignet -, sie haben dafür einen Anteil am Leben Jesu erhalten. (Wie sie damit umgehen, ist leider oft ein langes trauriges Kapitel.)
Die Aufgabe des Getauften ist es, in Verwirklichung des geschlossenen Bundes, in der Gottesebenbildlichkeit zu wachsen. Das "Erbe" das damit geschenkt ist, ist der vollkommene Anteil an der göttlichen Macht, den göttlichen Fähigkeiten und der Einheit des göttlichen Willens.

Gott ist es, der Leben gibt. Wenn er will, dass etwas lebt, lebt es und der Tod kann es nicht zurückhalten. Logisch folgt daraus, dass wenn wir in dem erwachsen werden, was uns in der Taufe geschenkt ist, wir wohl auch - ganz in Übereinstimmung mit dem Willen des Vaters, alles andere ist dann undenkbar - die Macht haben, dem, was uns untergeordnet ist (und nach Genesis ist das die Tier- und Pflanzenwelt) Leben zu verleihen. 

Über die Ewigkeit können wir nur spekulieren, aber immer in Anbetracht unserer Unkenntnis über die Details der Ewigkeit können wir wohl davon ausgehen, dass wir durch den Anteil an der Gottheit Christi, den wir erhalten, auch den Tieren und Pflanzen, denen ein Teil unserer Liebe gehört, Leben verleihen können. Warum nicht? Gott sah, dass alles, was er geschaffen hatte, gut war, heißt es in Genesis. Für die Tier- und Pflanzenwelt ist das keine Willens- und Entscheidensfrage in Bezug auf Gott, sie können unsere Freunde sein, die einfach Freude am Dasein haben.

Leider haben wir allerdings keine Macht und Autorität, das gleiche anderen Menschen zu geben; hier stoßen wir auf die Schranken von deren Willensfreiheit und deren Beziehung oder Nichtbeziehung zu Gott.

Woraus folgt: sich für das Seelenheil anderer Menschen einzusetzen, ist eine große Herausforderung, denn alles hängt einmal von deren eigener Entscheidung ab - während das potentielle Dasein und Wohlsein geliebter tierischer Wesen in der Ewigkeit von unserer eigenen Entscheidung in Bezug auf Gott abhängt. Wenn wir in der Liebesbeziehung der Dreieinigkeit sind, kann vieles daraus Leben erhalten.


Mittwoch, 19. November 2014

HINTERGRÜNDE UND ÜBERLEGUNGEN ZUM BEFREIUNGSDIENST (EXORZISMUS) Teil 3: Wer braucht nun einen Exorzismus?

Diese Frage ist gar nicht so einfach zu beantworten.
Nach der Erfahrung vieler Exorzisten sind es oft gar nicht die Menschen, die meinen, sie bräuchten Hilfe auf diesem Gebiet.  D.h. oft liegen Symptome vor, die auf eine außergewöhnliche diabolische Belästigung hindeuten könnten, aber bei genauerer Diagnostik stellt sich dann heraus, dass es sich stattdessen um psychische Probleme handelt. Diese Betroffenen sind darüber oft schwer enttäuscht, da ihr Leidensweg nun doch nicht relativ schnell und effektiv beendet werden kann; Exorzismen können sich zwar über Monate hinziehen, psychische Problem aber über Jahrzehnte hinweg oder lebenslang bestehen.

Viel häufiger sind die Fälle, die sich ihres Problems gar nicht bewusst sind. So berichtet ein US-amerikanischer Priester, dass bisher keiner der Fälle, die ihm durch das Bistum zugeschickt wurden, ein authentischer Fall war. Dennoch hat er reichlich zu tun. Er lädt nämlich Menschen, die ihm – ob nun in Gesprächen, auf Treffen oder bei der Beichte -  begegnen und die Probleme erwähnen, die durchaus auch ihre Ursache im dämonischen Bereich haben können, ein, doch einen Termin zu einer speziellen Segnung zu vereinbaren.  Viele nehmen das Angebot an. Er empfiehlt vorher, bei einem anderen Priester zu beichten, damit der Boden auch entsprechend bereitet ist. Im Verlauf des Termins, der auch durch eine Helfergruppe von Gebet begleitet wird, unterhält man sich zunächst entspannt, bis es nach einer Reihe vorbereitender Gebete auch der kleine Exorzismus  von Leo XIII gesprochen wird, bei dem es dann für viele sehr überraschend zu Manifestationen kommt.
Dabei muss es sich durchaus nicht immer gleich um spektakulärere Formen handeln, die mit einer deutlichen Persönlichkeitsveränderung einhergehen. Manchmal zeigt sich die Belastung nur darin, dass der Betroffene, der aufgefordert ist, still für sich eine kurze Andacht zur Muttergottes zu halten, wobei er/sie sich das Marienbild  aussucht, dem er/sie persönlich am meisten verbunden ist, ihm selbst unerklärlich völlig außerstande ist, sich auf diese Andacht zu konzentrieren.

Hat sich der Verdacht bestätigt, dass es sich hier um außergewöhnliche diabolische Belästigungen handeln könnte, werden nach diesem ersten diagnostischen Termin weitere – gewissermaßen therapeutische vergeben. Bis zu diesen erhält die betroffene Person allerdings Hausaufgaben. Es gilt dem unerwünschten Eindringling den Aufenthalt möglichst unangenehm zu machen und dazu gehört eine entschieden christliche Lebensführung. Es wird dringend angeraten
-          wöchentlich besser täglich an der heiligen Messe teilzunehmen
-          monatlich besser wöchentlich zu beichten
-          täglich persönlich und wenn möglich mit der Familie zu beten: Bibellesung, inneres Gebet, Rosenkranz, Litanei zum kostbaren Blut
-          alles zu meiden, was der katholischen Lehre widerspricht, insbesondere esoterische und spiritistische Praktiken aller Art (diesen wird auch bei den folgenden Exorzismen explizit widersagt) und auch jede Form illegitimer sexueller Beziehungen (den Wesen um die es hier geht, ist es völlig gleichgültig, was der eine oder andere Theologe für barmherzigen Umgang hält, sie kennen die geistlichen Konsequenzen allen Handelns und nutzen sie rücksichtslos aus)


Als Fazit wäre zu sagen: Viele, denen ein Exorzismus helfen könnte, kommen wohl nie auf die Idee ihn in Anspruch zu nehmen, weil die einzigen Manifestationen, die bei Ihnen erkennbar auftreten, physischer, psychischer oder zufälliger Natur zu sein scheinen. Allerdings kann in solchen Fällen auch ein entschiedenes christliches Leben eine effektive Heilmethode sein. Aufmerksamkeit kann dann geboten sein, wenn dies jemand trotz bestem Willen und Anstrengungen einfach nicht gelingen will.

Außer diesen diagnostisch schwierigen Fällen gibt es dann noch die relativ eindeutigen Fälle, die bisher in Europa eher in dessen Süden bekannt sind, bei denen es zu schlichtweg unerklärlichen Vorkommnissen kommt, die dann gewöhnlich auch von der ganzen Familie bestätigt werden können.

Montag, 3. November 2014

Hintergründe und Überlegungen zum Befreiungsdienst (Exorzismus) - Teil 2: Diagnostik

Wie bei allen Leiden, deren Ursachen Parasiten aller Art sind, ob nun Viren, Bakterien, Würmer oder deren psychischen und geistigen Äquivalente, ist es in vielen Fällen so, dass bevor etwas behandelt werden kann, zunächst einmal ermittelt werden muss, was zu behandeln ist.

Zum einen wäre die Grundabgrenzung zu treffen, ob es sich nun um eine körperliche Erkrankung (-> Arzt), eine psychische Erkrankung (-> Psychiater/Psychologe) oder ein geistig-geistlichen Parasitenbefall (-> Exorzist) handelt. Schon diese Abgrenzung ist nicht einfach, denn manche Symptome können ihren Ursprung in allen drei Bereichen haben. Ist zum Beispiel die Ursache psychisch, aber das Symptom körperlich, spricht man von psychosomatischen Erscheinungen, was bedeutet, dass die körperlichen Symptome nicht geheilt werden können, solange die psychischen Probleme nicht angegangen werden.
Innerhalb eines jeden Bereiches braucht es dann eine zusätzliche Differentialdiagnostik. Als Beispiele:
Wird das Kopfweh durch Nackenverspannung, Gallenprobleme, Nierenprobleme, Sehstörungen, Vergiftungen, Tumore oder noch anderes hervorgerufen?
Hat die depressive Verstimmung ihren Ursprung in einem akuten Verlust oder gestörten biochemischen Prozessen oder besteht infolge eines Traumas usw?
Ist die außergewöhnliche diabolische Belästigung die Folge von Beschäftigung mit Okkultem oder einer Verwünschung; ist es überhaupt eine Besessenheit, eine Umsessenheit, eine Oppression oder eine Belästigung geringerer Art?

Wie geht man also vor? Zunächst sucht man den Spezialisten auf, der nach allgemeiner Erfahrung für eine Problem zuständig ist.
Läuft die Nase und steigt das Fieber ist der Arzt die vermutlich richtige Anlaufstelle. Leidet man schon immer oder nach einem Unfall/Trauma an einengenden Phobien (Ängsten) könnte der Psychiater die erste Adresse sein. Gibt es ziemlich unerklärliche Vorkommnisse (oft fällt es nur den Familienmitgliedern auf, manchmal den Betroffenen selbst), die sich so gar nicht einordnen lassen in Medizin und Psychologie, könnte ein Exorzist gefragt sein.

Jeder der drei Bereiche hat auch diagnostische Verfahren. Beim Arzt lässt man Blutbilder machen oder röntgen. Psychologen haben auch Testverfahren, ob z.B. der Rorschachtest noch aktuell ist, weiß ich nicht, ich kenne mich auf diesem Gebiet nicht hundertprozentig aus. Der Exorzist hat den formalen Exorzismus, der sich, was viele nicht wissen, auch zur Diagnostik eignet. Allen gemeinsam ist die Anamnese: sie lassen sich vom Leidenden schildern, was ihn denn alles bedrängt, um sich ein vorläufiges Bild machen zu können und geeignete fortführende Diagnostik zu betreiben.

Und allen gemeinsam ist wohl auch das Erstgespräch, bei dem festgestellt wird, ob der Leidende auch den richtigen Adressat gewählt hat. Exorzisten gibt es nicht viele und ihre Zeit ist kostbar, darum übernehmen für diese gewöhnlich Helfer mit medizinischen und psychologischen Grundkenntnisse die Vorgespräche, so dass möglichst nur die authentischen Fälle oder die, die es sein könnten, einen Termin bekommen.

Mittwoch, 29. Oktober 2014

Hintergründe und Überlegungen zum Befreiungsdienst (Exorzismus) - Teil 1: Nicht Magie, nicht Aberglaube sondern Gebet

Das erste große Missverständnis, dem man im Internet gewöhnlich begegnet, wenn man Informationen zum Exorzismus sucht und dabei oft nicht etwa auf katholischen Webseiten sondern auf denen von Leuten landet, die sich mit diversen spiritistischen oder schamanischen Praktiken beschäftigen, ist dass, das es sich um irgendwie magische Worte großer Macht handelt, eine Art magische Formel mit besonderer Effizienz.
Das mag mit daher rühren, dass die Originalfassung des Exorzismus wie bis vor nicht allzu langer Zeit alle grundlegenden Texte im Bereich der katholischen Kirche (in der aber mittlerweile auch Bischöfe und Kardinäle kaum noch des Lateinischen in fließender Form oder manchmal auch nicht so fließender mächtig sind) im Original in Latein geschrieben ist und bis zur Liturgiereform nach dem Vaticanum II auch wohl nur in dieser Sprache verwendet wurde. Latein wird aber auch bei denen, die sich in Magie versuchen, doch recht gerne verwendet.
Nun kann man besonders im Blick auf die doch sehr vereinfachenden Übersetzungen vieler liturgischer Texte in das Deutsche (in anderen Sprachen mag es ähnlich sein), in denen bewusst auf eine möglichst große Ähnlichkeit mit dem Original verzichtet wurde, durchaus zu der Auffassung kommen, dass die deutsche Sprache nun doch deutlich weniger ausdruckskräftig als die lateinsiche ist. Aber das ist ein Irrtum, nur auf einzelne Ausdrücke mag es zutreffen, aber das ist bei jeder Übertragung von einer Sprache in die andere der Fall. Da der Exorzismus in den letzten Jahrzehnten im deutschen Sprachraum offiziell sowieso eher selten genutzt wurde und viele schon dachten, dieses Überbleibsel vergangener Zeiten sei völlig irrelevant, weicht auch die Übersetzung ins Deutsche vom Latein nicht elementar ab. Man hielt es nicht für nötig, sie vereinfachen (unter Überbordwerfen so manchen Inhalts oder eigenwilliger Neuformulierung von Inhalten wie bei anderen Texten).

De facto ist es letztendlich gleichgültig, in welcher Sprache der Exorzismus gebetet wird. Es ist ein Gebet, keine magische Formel. Die Worte, die darin verwendet werden, sind das Resultat von Erfahrungen und darauf basierenden Überlegungen, wie das Gemeinte möglichst genau ausgedrückt werden kann. Und natürlich, in der katholischen Kirche gilt die Regel, sich bitte an die Vorgabe zu halten, weil die auch für den Beter die größte Sicherheit bietet. Andererseits gibt es ja auch außerhalb der katholischen Kirche Menschen, die gelegentlich Exorzismen beten, anders formulieren und auch helfen können.

Es reicht auch nicht aus, einfach die Worte zu kennen und zu sprechen. Der Exorzist kann sich für sein Gebet auf die Ermächtigung durch seinen Bischof berufen und so die Autorität der ganzen Kirche in Anspruch nehmen, deren Sprecher er ist, wenn er es betet. Dennoch ist es auch für ihn angeraten, sich besonders um ein intensives Gebetsleben, ein Leben mit Sakramenten und den Tugenden und eine integere Lebensführung in allen Aspekten zu bemühen. In der Taufe sind wir Teil Christi geworden, in seiner Autorität wird dort gehandelt, darum sollten die Ausübenden ihm auch aufs engste verbunden sein. Es zählt mehr, wer jemand in Christus ist denn welche Worte er spricht.

Viele halten generell die Überzeugung, dass es geistliche Mächte (Engel, Dämonen) gibt für Aberglauben. Das ist allerdings eine starke Pauschalisierung und Ausweitung dessen, was Aberglaube eigentlich meint. Gibt es nämlich einerseits einen Mangel an religiöser Praxis, der auf Mangel an Glauben basiert, so gibt es auch ein Zuviel religiöser Praxis, das zum Glauben noch dazu erfindet. Dieses Zuviel ist der Aberglaube.

Zum Beispiel: Beim Betreten der Kirche bekreuzigen wir uns mit Weihwasser, um uns daran zu erinnern, dass wir uns durch die Taufe gestorben sind und Jesus in uns lebt, ein Akt des Erinnerns und der Kontemplation. Ein Mangel dabei könnte sein, dass man das Weihwasser nicht beachtet oder gedankenlos das Kreuz schlägt. Aberglaube wäre es, wenn das Bekreuzigen mit dem Weihwasser zur magischen Handlung wird, dessen Unterlassung oder falsche Ausführung sofort dramatische Konsequenzen hat.

Ob es Engel und Dämonen gibt, ist eine Glaubensfrage (keine absolut grundlegende wie die Dreifaltigkeit Gottes und die Erlösung durch Jesus Christus, aber dennoch eine Glaubensfrage). Der Mangel an Glauben sagt da nein. Der Aberglaube hält sie oft für mächtiger als Gott selbst und nimmt Zuflucht zu magischen Ritualen, mit denen er sich vor ihnen zu schützen versucht.

Der Exorzismus per se also ist ein Gebet. Keine Magie, keine abergläubische Schutzformel sondern ein Gebet. Allerdings in seiner Vollform ein Gebet, das nur den dazu explizit ermächtigten Personen vorbehalten ist, da es in dieser Form den Geistwesen einen Befehl erteilt, und das ist eine Konfrontation, der man als nur für sich stehende Person gewöhnlich nicht gewachsen ist; die Beschränkung auf einen kleinen Personenkreis ist darum als Schutz für alle gedacht.


KLEINE REIHE MIT HINTERGRÜNDEN UND ÜBERLEGUNGEN ZUM BEFREIUNGSDIENST (EXORZISMUS)


EINLEITUNG
Im Zusammenhang mit der nun beendeten außerordentlichen Synode zur  Situation der Familie soll unter anderem geäußert worden sein, die einen hätten sich mehr an der Lehre orientiert, die andern mehr am Leben. Damit wurde implizit der Eindruck erweckt, dass das, was sich aus der Lehre und was sich aus dem Leben ergibt, im Widerspruch zueinander stünden. Quasi, da sei eine Lehre, die auf abstrakten Überlegungen aufbaue und da sei die Wirklichkeit, aus der sich unausweichliche Entscheidungen ergäben, die anders sind als die Konsequenzen der Lehre.

Dem ist bereits widersprochen worden.
Dem muss auch weiterhin klar und entschieden widersprochen werden.

Nun gibt es ein sehr aus dem öffentlichen Bewusstsein verdrängtes Feld, das gerade sehr klar bestätigt, wie lebenswirklich die Lehre tatsächlich ist.
Allerdings ist dies ein Bereich des Lebens, dessen Existenz in der Tat von einer sehr großen Anzahl von Menschen, die sich dabei gewöhnlich den Errungenschaften der Aufklärung verpflichtet sehen, in der Theorie geleugnet wird: Es handelt sich hier um die Grundfrage, ob zu Gottes Schöpfung auch die Geistwesen gehören, die man gewöhnlich als Engel und - näher die Engel spezifizierend, die im Widerspruch zur Schöpfungsordnung leben – Dämonen bezeichnet, und weiterhin, ob diese Einflüsse ausüben können, die direkte Auswirkungen auf das Leben der Menschen haben.

Tatsächlich gibt es sogar einen Abzweig der Theologie und Philosophie, der sich „Angelologie und Dämonologie“ nennt. Die Erwägungen, die dort gemacht werden, sind in erster Linie philosophischer Natur und befassen sich unter anderem mit dem Wesen des Bösen. Die ausführlichste sehr alte philosophische Abhandlung, die mir zu diesem Thema bekannt ist, ist von Anselm von Canterbury. Aus welchem Grund auch immer werden aber als Ausgangsquellen der Argumentation meist nur die Aussagen des hl. Augustinus (nicht so konsequent durchargumentiert und eher als Erläuterung gedacht zum philosophischen Hintergrund Platons und seiner Schüler im Vergleich zu den christlichen Auffassungen)  und des hl. Thomas von Aquin (sehr viel jünger) benannt.

Das Praxisfeld, in dem man allerdings sehr „lebenswirkliche“ Erfahrungen sammelt, ist der Dienst der Befreiung (von den außergewöhnlichen Folgen der Begegnung mit den so oft geleugneten Mächten) der in der römisch-katholischen Kirche der Dienst des Exorzisten ist.

Nun gibt es eine Reihe von Büchern, die sich für jeden zugänglich mit der Materie befassen. Relativ weit verbreitet ist zum Beispiel „Ein Exorzist erzählt“ von Don Gabriele Amorth.
Dennoch gibt es im Zusammenhang mit diesem Dienst einige Fragen, die auch durch solche Lektüre nicht unbedingt beantwortet werden und die wichtig sind, um zu die Vorgänge besser zu verstehen. Andere wiederum haben nicht die Zeit oder Laune, deswegen ein ganzes Buch zu lesen, hätten aber gerne doch ein paar Verständnisfragen schnell geklärt. Ich hoffe dem mit dieser kleine Reihe entgegenzukommen.

Was ich nicht tun werde, ist explizit auf die Details des Exorzismus einzugehen. Das ist nur relevant für die, die mit diesem Dienst beauftragt sind und denen eine gründliche theoretische (Schulung) und praktische (Assistenz bei erfahrenen Exorzisten) Ausbildung ohnehin dringend anzuraten ist.


Dienstag, 28. Oktober 2014

Versuchungen

Das Original steht hier.

In der Ansprache zum Abschluss der III Generalversammlung der Außerordentlichen Bischofssynode äußerte sich Papst Franziskus wie folgt zu Versuchungen, die für die bestehen, die auf der und um die Synode herum fleißig über Verschiedenes diskutierten:

"- Die Versuchung der feindlichen Erstarrung: Das ist der Wunsch, sich im Geschriebenen einzuschließen und sich nicht von Gott überraschen lassen wollen, vom Gott der Überraschungen, dem Geist. Im Gesetz einschließen, in der Sicherheit dessen, was wir wissen und nicht dessen, was wir noch lernen und erreichen müssen. Das ist die Versuchung der Eifrigen, der Skrupulösen, der sogenannten "Traditionalisten" und auch der Intellektualisten.

- Die Versuchung des zerstörerischen Gutmenschentums, das im Namen einer falschen Barmherzigkeit die Wunden verbindet, ohne sie zuvor zu behandeln; dabei handelt es sich um ein Symptom, nicht um Gründe oder Wurzeln. Es ist die Versuchung der "Gutmenschen, der Ängstlichen und auch der so genannten "Progessiven und Liberalen".

- Die Versuchung, Steine in Brot zu verwandeln um ein langes, schweres und schmerzhaftes Fasten zu beenden (Lk 4:1-4).Eine weitere Versuchung: Brot in Steine zu verwandeln und sie auf die Sünder zu werfen, die Schwachen und die Kranken (Joh 8:7) und ihnen so unerträgliche Lasten aufzubinden (Lk 11:46).

- Die Versuchung, vom Kreuz herunter zu steigen, um den Menschen zu gefallen, und nicht dort zu bleiben um den Willen des Vaters zu erfüllen; sich vor dem Geist der Weltlichkeit zu verbeugen anstatt sich zu reinigen und vor dem Geist Gottes zu verneigen.

- Die Versuchung, das "depositum fidei" zu vernachlässigen und sich selber nicht als Hüter, sondern als Besitzer und Herren zu verstehen oder andererseits die Versuchung, die Realität zu vernachlässigen und eine einengende Sprache zu benutzen und so zu sprechen, dass man viel redet und nichts sagt!"

Vielleicht ein wenig unglücklich gewählt, dass es mit einer Kritik, der zu sehr im Legalismus und Buchstabendenken Verhafteten beginnt, da leider auch oft die, die zur Begründung ihrer Position sich auf bestehnde Regeln beziehen, ungerechterweise so eingestuft werden und inzwischen hoch empfindlich auf jede mögliche derartige Unterstellung reagieren.

Doch zur Balance wird auch gleich das nächste Extrem benannt, das Barmherzigkeit völlig falsch versteht und darum nicht in der Lage ist zu heilen sondern eiternde lebensgefährliche Wunden produziert durch seinen fehlgeleiteten Therapieansatz.
Ganz so extrem wie in beiden Fällen benannt ist wohl niemand.

Der Inhalt wird dann jeweils in drei bzw. zwei Beispielen noch einmal vertieft, wobei sich auch die Reihenfolge der beidgenannten Extreme verändert.

Insgesamt also einfach eine Benennung dessen, was man nun wirklich vermeiden sollte und nichts das in seiner - für Papst Franziskus üblichen - Balanciertheit geeignet wäre, um es nun dem "feindlichen Lager" um die Ohren zu hauen.
Vielleicht in der Hoffnung, alle Beteiligten zu einem christlicheren Umgang miteinander zu bewegen?

Montag, 27. Oktober 2014

Wo sind sie hin, die Kardinaltugenden?

Während hier so allgemein die Diskussion über die Synode zur Familie durch Presse und Internet tobte, war ich in der vergangenen Woche in Rom, um einmal wieder bei einer Konferenz in Rom, auf der alle so voll beschäftigt waren, dass keiner auch nur von den Vorgängen um die Synode redete.

Völlig unabhängig davon kamen durchaus Themen zur Sprache, die einen gewissen Beitrag zur laufenden Diskussion leisten könnten - so aus ganz praktisch-pastoraler Sicht. Es ging nämlich um den Dienst, der von denen in Anspruch genommen wird, die unter "außergewöhnlichen diabolischen Belästigungen" leiden. Verschiedene Priester schilderten ihre Praxiserfahrungen und mehrere erwähnten, dass man es bei den Personen, die in irregulären Beziehungen leben und daran nichts ändern wollen, es auch gleich lassen kann, ihnen helfen zu wollen: die Verursacher oben genannter Belästigungen lassen sich nun einmal nicht entfernen, wenn das Leben der Opfer nicht eine - wie sie ca. 2000 Jahre betrachtet wurde, bis das seit kurzem als überholt gelten soll - sehr überzeugende christliche Lebensführung annehmen.
Ob sich das als Argument anführen lässt? Schwierig die meisten glauben ja, dass es diese Dinge auch nicht gibt.

Jedenfalls ging es auf der Konferenz auch um den laufenden Seligsprechungsprozess von P. Amantini, der demnächst zum Abschluss kommen wird. Der Vortragende setzte auseinander, was dabei geprüft wird und es wurden sehr explizit die theologischen Tugenden - Glaube, Hoffnung, Liebe - als auch ein Leben genannt, indem die Kardinaltugenden sichtbar werden: iustitia, temperantia, prudentia und fortitudo.

Wenn das die 4 Angelpunkte sind, an denen sich alles Tun (und Schreiben) messen lassen sollte, sieht es in weiten Teilen ja nicht so gut aus.
Wie ich ja weiter oben im Text schon angedeutet habe, halte ich aufgrund zahlreicher praktischer Erfahrungen, die viele schon gemacht haben, ganz und gar nichts davon, Dinge die in sich schwere Sünden sind und die Ausübenden in sehr ernste Schwierigkeiten bringen können, plötzlich als lobenswert und positiv erachten zu sollen. Aber zu denen, die gerade das vorantreiben wollen, sage ich heute nichts.

Und ich habe durchaus Verständnis, dass alle, die man gewöhnlich "konservativ" nennt, allmählich sehr besorgt sind, was den derzeitigen Papst und die künftige Wahrung der katholischen Lehre angeht. Damit mache ich ganz explizit keine Aussage darüber, was der Papst nun wirklich denken mag, denn ich stehe da auch vor einem Rätsel. Vielmehr erinnert es mich ein wenig an die Situation, als mein Bruder (10 Jahre) mir (12 Jahre) mitteilte, Mama habe ihn überhaupt und sowieso viel lieber als mich, das habe sie ihm gesagt. Und so teilen uns ja gewisse Leute seit Monaten schon mit, unser "Papa" liebe alle, die endlich die Moral der Kirche völlig über den Haufen werfen wollen, weil das barmherzig sei und werde es denen, die begründen wollen, warum die in Frage stehenden moralischen Überzeugungen, noch so richtig eintränken, dass sie nur legalistisch und herzlos seien.

Damals hatte ich tatsächlich den Eindruck, dass die Indizien für die Behauptung meines Bruders sprächen,  und habe erstmal auf meinem Zimmer geweint. Aber dann kamen mir Zweifel, weil mein Bruder es doch nicht immer so genau mit der Wahrheit nahm. Also habe ich meine Mutter gefragt - und sie hatte ihm nie so etwas gesagt.

Es ist erschreckend, wenn die Presse sich jetzt auf Meldungen stürzen kann, dass gewisse "konservative Kreise" (vorerst in Italien, aber ich kenne ja die Pappenheimer hier, da ziehen irgendwann welche nach) sich in apokalyptischen Szenarien ergehen, dass der jetzige Papst die Kirche ins Verderben ziehen werden.

Leute, ich glaube, alle die sich da sorgen, sollten einfach auch einmal den "Papa" ganz vertraulich (per Brief geht das ja) fragen, ob er sie wirklich nicht leiden kann. Es scheint ja so zu sein, dass ihm alle möglichen Leute herzzerreißende Briefe schicken, wie grausam sie von legalistischen Priestern und "Konservativen" behandelt werden - und sein mitleidiges Herz will den Unterdrückten helfen. Wie wäre es denn, ihm keine Lehrabhandlung, was er alles falsch macht, zu schicken, sondern auch ganz persönlich zu schildern, wie es einem das Herz zerreißt, wenn man als jemand, der die Kirche und die Gebote Jesu liebt, ständig von vielen Priestern, manchen Bischöfen und jetzt anscheinend auch noch vom Papst selbst als dumm und herzlos hingestellt wird, wenn jemand, der sich um das Seelenheil anderer sorgt, ständig als unbarmherzig dargestellt wird und einfach darzulegen, dass die ungerecht so Titulierten gerne auch einmal von ihrem "Papa" beschützt würden und sehen würden, dass der zu ihnen steht? Wenn es sich dann erweisen würde, dass Mitgefühl nur zu haben ist, wenn man sich von den bisherigen Lehrmeinungen der Kirche abwendet, dann wäre öffentlicheres Handeln gefragt.

Doch zornige Angriffe und mehr oder weniger verzweifelte Attacken und Beleidigungen werden die bestehenden und ständig wiederholten Vorurteile und Vorverurteilungen sicher nicht zum Besseren wenden.
Klugheit, Mäßigung, Mut und Fairness sind die Angelpunkte nach denen beurteilt werden wird, wie sehr der Glauben wirklich gelebt und geliebt wird.


Sonntag, 5. Oktober 2014

Auditur et altera pars

Bevor ich sonst etwas dazu äußere, wollte ich das offizielle Gebet für die Familiensynode  hier einstellen, was nun getan ist. Vielleicht wäre es eine gute Idee, es immer zuerst zu beten, bevor noch irgendetwas zu der nun begonnenen Synode gesagt wird. In all den Diskussionen und Argumentationen, den wild aufgebauten Erwartungen und haarsträubenden Befürchtungen sollten wir nie vergessen, dass der Herr seine Kirche immer noch selbst leitet, dass er in den Getauften (und sogar in Nicht-Getauften) wirken kann und dass unser Gebet die wichtigste Mitwirkung ist, die wir leisten können, wenn es um kirchliche Neuausrichtung und Selbstbesinnung geht. Insbesondere brauchen die unser Gebet, die in so einer Synode anwesend sind, damit sie die Gnade bekommen, gut auf den Heiligen Geist zu hören, und wir sollten nie unterschätzen, dass der Heilige Geist sehr wohl in der Lage ist sich denen mitzuteilen, denen er sich mitteilen möchte. Auch wenn sie sich in eine Position verrannt haben sollten, die dem Willen Gottes zuwiderläuft.

Dann möchte ich ganz kurz (und paraphrasiert) auf das hinweisen, was Papst Franziskus in Evangelii Gaudium dargelegt hat, worauf man bei der Wahrheits- und Richtungsfindung in der Kirche achten sollte, wobei die vier Punkte NUR in ihrer Gesamtheit wirksam werden:

1) Es ist wichtig zu bewahren und es ist wichtig neue Wege zu finden. Wenn beides gegeneinander steht, ist das zu bevorzugen, das nicht in eine Sackgasse führt.

2) Es ist wichtig die Einheit zu wahren und es ist wichtig, Konflikte zuzulassen. Die Konflikte dürfen aber nicht die Einheit zerstören.

3) Es ist wichtig, sich den Realitäten zu stellen und es ist wichtig, neue Ideen zuzulassen und auzutesten. Letztendlich aber kann ein Ideengebilde nicht der Wirklichkeit aufgesetzt werden, wenn es ihr nicht gerecht wird.

4) Das Ganze ist wichtig und die Teile sind wichtig. Jeder ist zu würdigen, aber die Würdigung des Einzelnen darf nicht auf Kosten des Ganzen geschehen.

Diese vier Punkte sind in ihrer Kombination ein sehr gutes gutes Instrument zur Entscheidunsfindung und wir dürfen wohl vertrauen, dass jemand der sie ausformuliert, sich auch an Ihnen orientiert.


Und zuletzt: Wenn eine Diskussion gut geführt werden soll, müssen die Beteiligten ihre Meinung auch vollständig und mit den besten Begründungen, die sie finden können, vortragen können. Auch wenn klar zu sein scheint, gilt, dem andern sorgfältig zuzuhören: Auditur et altera pars.
Man siehe auch auf das Prozedere von Heiligsprechungen, bei denen jemand der Part des Advocatus Diaboli übertragen wird, um auch wirklich alle widersprechenden Argumente vorzutragen.

Ja, mir graust es auch, wenn jemand impliziert, dass es schon so gut wie entschieden sei, aus pastoralen Gründen Dinge zu entscheiden, die rein logisch betrachtet, Ehe und Eucharistie in Frage stellen und die allen Aussagen widersprechen, die wir in Texten prophetisch begabter Heiliger wie z.B. Hildegard von Bingen in ihren Visionen finden, weil Visionen heute nicht ernst genommen werden, die Konstrukte moderner Theologie dagegen sehr.
Aber ich vertraue auch, dass der Heilige Geist in der Kirche das letzte Wort hat, dass Papst Franziskus trotz aller Pastoralität und Einfachheit ein kluger Kopf und ein frommer Mensch ist und dass hier nach altehrwürdigen katholischen Prinzipien die Wahrheit gesucht und gefunden werden wird.

Beten wir alle dafür, wie es auch unsere Pflicht ist!

Gebet zur Heiligen Familie anläßlich der Familiensynode

Das ist das offizielle Gebet für die Synode:

Jesus, Maria und Josef,
in euch betrachten wir
den Glanz der wahren Liebe,
an euch wenden wir uns voll Vertrauen.

Heilige Familie von Nazareth,
mache auch unsere Familien
zu Orten der Gemeinschaft und Räumen des Gebetes,
zu echten kleinen Schulen des Evangeliums
und kleinen Hauskirchen.

Heilige Familie von Nazareth,
nie mehr gebe es in unseren Familien
Gewalt, Verschlossenheit und Spaltung:
Wer Verletzung erfahren oder Anstoß nehmen musste,
finde bald Trost und Heilung.

Heilige Familie von Nazareth,
möge die (kommende) Bischofssynode
in allen wieder das Bewusstsein erwecken
für die Heiligkeit und die Unantastbarkeit der Familie,
für ihre Schönheit im Plan Gottes.

Jesus, Maria und Josef,
hört und erhört unser Flehen!

Papst Franziskus, 29. Dezember 2013

Samstag, 4. Oktober 2014

Ähm, das also nennt sich mittlerweile Satire?

Ich hatte ja nicht vor, mich ausgerechnet dazu zurückzumelden. Beim Durchblättern der Blogs von letzter Woche bin ich nur auch auf den Filmausschnitt von der heute-Show zum Marsch für das Leben 2014 gestoßen. (Nein, verlinken lohnt sich nicht; das ist so erbärmlich schlecht gemacht; ich habe bis zuletzt gewartet, wann denn nach den dümmlichen Fragen des ZDF-Menschen und zahlreichem Bildmaterial von Gegendemostranten, die nicht als solche kenntlich gemacht waren, denn nun die Satire beginnt - aber es kam keine mehr.)

Und ich frage mich, was macht das ZDF mit dem ganzen Gebührengeld, wenn es so einen zusammenhangloses Wirrwarr als Satire hinstellt? Und wollte der fragestellende ZDF-Mensch wirklich von sich aussagen, dass er nicht weiß, wie man einmal einfach nur Spaß hat, ohne gleich mit jemandem intim zu werden? Oh je. Pech auch, dass er statt Spaß Fun sagte, was die ältere Dame gar nicht erst verstand. Ist ja auch verwirrend, wenn einem jemand das Mikrofon mit ZDF-Logo unter die Nase hält und dann etwas peinliche Intimdetails zum Besten zu geben scheint.
Und dann wollte er noch weismachen, dass die Polizei hierzulande ganz brutal zu den Gegendemonstranten ist. Gibt es schon Strafanzeigen wegen unangemessener Gewaltanwendung oder fehlte da ein bisschen Material, was dazu führte, dass da jemand zu Boden gerungen wurde?
Und was ist daran Satire?

Ja, da war ein älterer Herr, dem man Aussagen entlockte, dass die Polizei zur Aufrechterhaltung der Ordnung auch Gewalt anwenden darf. Dazu eingespielte Lacher und Juchzer.
Heißt das jetzt Satire, wenn man irgendwo zusammenhanglos Lachkonserven einspielt?

Oder waren das echte Lacher, als der ZDF-Mensch sich als Sexsüchtigen präsentierte, der nicht weiß, wie man sich auch anderweitig nett amüsieren kann? Ja, wen hatten die denn da als Publikum? Auszubildende gerade über 18, die sich über sowas wegschmeißen können vor Lachen?

Ich schaue ja kein Fernsehen, ich hoffe einfach, dass der Groteske (keineswegs Satire) auch informativer Bericht über den Marsch für das Leben vorausging, so dass niemand den Eindruck erhielt, es sei etwas völlig anderes was er war. Wenn ich keine anderen Informationen als jene Groteske hätte, wäre ich da jetzt nämlich schon mit sehr falschem Eindruck zurückgelassen worden.


Sonntag, 20. Juli 2014

"Tut die Kirche zu wenig für den Lebensschutz?" Zum Beitrag von Kardinal Lehmann in der Kirchenzeitung


Generell möchte ich oben genannten Beitrag von neulich begrüßen. Denn es ist immerhin ein Versuch, das zu benennen, was es im Bistum Mainz an kirchlichen Einrichtungen gibt, die dem Lebensschutz gewidmet sind. Etliches davon sei erst seit 1999 eingeführt worden.
So gibt es ein „Netzwerk Leben“. – Noch keine Information, was das tut. In der Gemeinde meiner Eltern (ich nehme die mal als Referenz) scheint davon nichts bekannt zu sein. Jedenfalls nicht unter den noch so irgendwie halbwegs regelmäßig den Gottesdienst Besuchenden. Aber es gibt da also etwas, wo wohl etwas getan wird.
Dann sei da das „Haus des Lebens“, also irgendwo im Bistum, ich muss einmal recherchieren wo, in oben genannter Gemeinde  (Nähe Stadt Mainz) kein Begriff, daher erst einmal auch nicht ermittelbar, welchem Zweck es dient.
Es gibt Dekanatsbeauftragte für Lebensschutz. Sicher gut. Derjenige des eben diskutierten Dekanates hat sich meines Wissens in den Gemeinden bisher nicht bekanntgemacht und vorgestellt. Was er tut? Leider so noch nicht zu ermitteln.
Aber es gibt jedenfalls solche Dinge, deren Existenz bisher zwar weder befriedigend, noch ausreichend, nicht einmal mangelhaft, eher ungenügend bekannt gemacht wurde für den Normal- und Durchschnittskatholiken; dennoch gibt es sie und also Bemühungen und Gelder, die da hineinfließen. Das ist sicherlich gut, wenn auch an der Bekanntmachung genannter Einrichtungen deutlich zu arbeiten wäre.
Ebenfalls aufgezählt wird die „umfangreiche Beratungstätigkeit“ des SkF, wo auf „vielen Ebenen“ „etwas“ getan werde (bisher weiß ich auch  noch nicht was, in besagter Gemeinde sind die wohl nicht tätig) und es errege Zorn, dass das nicht besser bekannt sei. – Ja, wer ist denn dafür nun verantwortlich? Irgendwo sind die Informationen auf dem Weg zum Kirchenvolk wohl steckengeblieben. – Jedenfalls danke für den Hinweis, dass es da „etwas“ gibt, Konkretisierungen wären allerdings schon hilfreich. Vielleicht in einem Sachartikel der Kirchenzeitung? Einer kleinen Serie? Die wäre doch das geeignete Medium, das bisher wohl die Informationen nicht in geeigneter Weise unter die Leute gebracht hat.

Zudem jedoch moniert der Kardinal eine allgemeine Abstumpfung und Müdigkeit, was den Schutz des Lebens angeht und begrüßt alle Initiativen, die sich mit dieser Situation nicht abfinden wollen. Er gesteht sogar zu, eingeschlafenes Gewissen müsse da durchaus geweckt werden.
Allerdings beklagt er dann, dass das gelegentlich in einer Attitüde des „wir sind die besseren Christen“ geschehe. Inwieweit das zutrifft, kann ich nicht beurteilen, auch nicht worauf genau sich das "Bessersein" beziehen soll. Es fehlt eben wieder ein konkretes Beispiel.

Dann jedoch kommt  in dem bisher recht ausgewogenen Beitrag „Auf ein Wort“ eine Stelle, bei der ich mich frage, ob der bisherige Mangel an Konkretisierung tatsächlich nur der begrenzten Wortzahl in einer solchen Adresse geschuldet ist  oder überhaupt nur bestehende unkonkrete  Annahmen auflistet und zwar da, wo der Beitrag tatsächlich einmal etwas Konkretes benennt, nämlich Babyflaschen und Embryonenmodelle.
Nur zur Rekapitulation:
a)       Babyflaschen sind oft bunt bedruckte Fläschchen mit Schnuller obendrauf, mit denen man Babies und Kleinkindern flüssig-breige Nahrung zuführt. Sie sind meist bei den Kleinen sehr beliebt und ihr Verlust kann großes Geschrei auslösen.
b)       Bei den Embryonenmodellen handelt es sich um Darstellungen von (ungeborenen) Kindern in frühen Entwicklungsstufen, die schon eindeutig als Kinder erkennbar sind, Hände, Füße, Kopf.
Jetzt kann man natürlich der Meinung sein, dass Babyflaschen nicht der Inbegriff der Ästhetik sind – bunte, manchmal vielleicht etwas kitschige, auf Babies abgestimmte Gebrauchsgegenstände sind das eben.
Und sicher gibt es Mitmenschen, die Neugeborene erst einmal grundhässlich finden und Babies bis  zu dem Zeitpunkt an dem sie nicht mehr „an zwei Enden undicht“ sind bevorzugt deren Eltern überlassen. Andere können in den kleinen Wesen durchaus sofort etwas Schönes erkennen, auch wenn das nicht für Miss World oder Mr. Universum klassifiziert.

Durchaus übertrieben jedoch finde ich es, wenn man Babyflaschen und Embryonen/Neugeborene als abstoßend bezeichnet.

Leider tut das der Kardinal aus nicht ganz nachvollziehbaren Gründen. Denn – meiner Information nach, selbst habe ich es nicht erlebt - sind gewisse Sammelaktionen mit Babyflaschen geradezu auf Entzücken gestoßen, weil das eine so nette Idee war und eben gar nicht abstoßend, und besagte Embryonenmodelle werden, soweit ich höre, keineswegs verwendet um Leuten zu zeigen, wie abstoßend ungeborene Kinder sind sondern im Gegenteil, um zu zeigen, dass sie - auch noch ungeboren - echte komplette kleine Menschen sind.
Ich kann nur vermuten, dass dem Kardinal im Hinterkopf die Gerüchte – die letzten, die ich hörte sind gut 15 Jahre alt – von Aktionen sind, bei denen erschreckende Bilder von blutigen, abgetriebenen Embryonen und deren Einzelteile gezeigt wurde. So etwas kann durchaus abstoßend sein. Nur wie man das dann mit Babyflaschen  usw. verwechseln kann, das passiert wohl, wenn man einem Klischee in die Falle geht.

Zuletzt wird noch moniert, es seien anstelle von amtlichen Kollekten private Sammlungen abgehalten worden. (zum Zwecke des Lebensschutzes, wie es scheint)  Ich würde eher vermuten, dass sowohl die amtlichen Kollekten als auch die privaten Sammlungen gemacht wurden, wogegen eigentlich nichts einzuwenden sein kann. (Ich könnte hier etwas zu den amtlichen Kollekten und privaten Sammlungen in einem gewissen Wurstelheim, das ziemlich überall ist,  sagen, übrigens in keinerlei Zusammenhang zu Babyflaschen, was hier etwas den Rahmen sprengen würde.)


Nach dieser eher wenig gelungenen Passage jedoch appelliert  der Kardinal dann an alle Katholiken (er sagt katholische Mitchristen – ob er mittels dieses Ausdrucks eventuell Frauen mehr inkludieren wollte oder darauf hinweisen, dass manche Katholiken nicht unbedingt auch Christen sind, das lässt sich wohl nicht klären), nun jedenfalls, dass alle Mitchristen, die katholisch sind sich vor unglücklichen Polarisierungen hüten sollten und sich klarer werden sollten, was Lebensschutz bedeutet, um mit dem Zitat aus Gaudium et spes 51 zu enden, dass Abtreibung und Tötung des Kindes verabscheuenswürdige Verbrechen sind. 
Das unterschreibt er  und das ist tatsächlich mutig  in der heutigen Situation, in der eine solche Aussage sehr heftigen Unmut ernten kann.

Sonntag, 15. Juni 2014

Was hat Ägypten mit Freiburg zu tun?

Update: Die Lösung kam tatsächlich schnell und unbürokratisch - das Bistum Mainz lässt Monsignore Schroedel vorzeitig in den Ruhestand gehen, den er in Ägypten verbringen darf. Möge es in der deutschen Kirchenbürokratie Schule machen.

Ein kausaler Zusammenhang lässt sich natürlich nicht herstellen oder gar belegen, und es gibt ja immer merkwürdige Zusammentreffen.

Was also stößt hier auf?

"Ich bin da geschockt ..."
sagen nicht nur die Exildeutschen in Ägypten sondern es stand auch als Titel über einem Bericht der Mainzer AZ über eine Podiumsdiskussion mit Kardinal Lehmann im Erbacher Hof, der es anderweitig als kürzere dpa-Meldung in die Öffentlichkeit schaffte.
Nun ist Kardinal Lehmann nicht etwa geschockt, dass der zum Bistum Mainz gehörige Monsignore Schrödel kurzfristig und ohne andere öffentlich bekannte Gründe als die "riskante Lage in Ägypten" dort abberufen wird, ohne dass ihn ein Nachfolger ersetzen soll. (Die Betroffenen vor Ort haben dazu ein  Video gedreht, das u.a. hier zu finden ist.) Kardinal Lehmann ist darüber geschockt, dass man in Freiburg drei Vorschläge für den neuen Bischof nach Rom schickte und drei andere zurückbekam.
(Daniel Deckers von der FAZ will wissen, die Alternativen zum Freiburger Kirchenrechtler Burger seien die Kölner Weihbischöfe Puff und Schwaderlapp gewesen oder einer von ihnen und ein Priester aus Rottenburg/Stuttgart.)
"Wer in Rom Reformen durchsetzen wolle, müsse Zivilcourage aufbringen, betont der Mainzer Kardinal." Offenbar meint er zu wissen, der künftige Bischof Burger habe eine solche nicht.
Der Artikel schweift, wohl eine Frage-und-Antwort-Runde darstellend dazu ab, wie vorbildlich der Kardinal gegen Rom für einen Verbleib in der Schwangerschaftskonfliktberatung mit Schein für straffreie Abtreibung kämpfte, dann zur Debatte ob katholische wiederverheiratete Geschiedene zum "Abendmahl" (sic!) dürften. "Ich gebe nicht nach", habe der Kardinal gesagt. In ihm brenne das Reformfeuer, meint der Berichterstatter.

Von seinen deutschen Bischofs-Mitbüdern fordere er eindringlich Courage. - Gott weiß, in dieser Sache sind wir uns alle einig. Möglicherweise nicht darin, worin die Courage bestehen soll.
Auch wenn man "mehrfach abgeschüttelt" werde, müsse man (in Rom) mit "Geduld und Beharrlichkeit seine eigenen Überzeugungen zu Gehör bringen".

Und dann sagt der Kardinal etwas, was er auf das "Zentrum der Weltkirche" bezieht und was ich nur zu gerne ihm und der DBK ins Stammbuch schreiben würde: ...."darf sich nicht als eine in sich selbst kreisende Organisation begreifen, die am Ende an den wirklichen Fragen und den wahren Bedürfnissen der Gemeinden und Ortskirchen vorbeizulaufen droht."

Heißt das etwa, dass man in Nordafrika hoffen darf, dass das Bistum Mainz natürlich auch ohne die DBK seinen Priester Joachim Schrödel dort weiterarbeiten lässt, wo er bisher segensreich gewirkt hat? (Immerhin ist er verantwortlich gewesen für die verantwortlich für die Gemeinden in Syrien, Jordanien, Libanon, Sudan und Äthiopien - und es ist kein Ersatz geplant!) Vermutlich würde man sogar vor Ort, das notwendige Geld aufbringen, um den beliebten und notwendigen Seelsorger zu halten.


Dienstag, 13. Mai 2014

Caritas ohne jegliche (namensgebende) Caritas

Was ist Caritas? Eigentlich die lateinische Übersetzung des griechischen "agape", der selbstlosen Liebe.
Es war einmal, dass eine katholisch-kirchliche Organisation gegründet wurde, die diesen Namen wählte, weil so der Rahmen geschaffen werden sollte, dass katholische Pfarreimitglieder (andere natürlich auch willkommen) gezielt spenden konnten, damit organisiert und effektiv die Hilfe auch die erreichte, die sie am meisten brauchten. Das war einmal.

Die sich Caritas nennende Organisation wurde immer mehr zu einem Unternehmen, das Geld erwirtschaften wollte. Belange der ursprünglichen Caritas wurden zunehmend irreleveant, Hauptsache, die geschäftliche Seite stimmte. Schon seit über 30 Jahren höre ich von Verwandten und Bekannten, die Caritas verschwende Gelder, wende sie unsinnig an und christliche Arbeit leiste sie kaum. Belege werden dafür nicht angeführt, gelegentlich Beispiele, die den einzelnen bekannt sind, aber so reden die Leute. So gar mancher wies deshalb die Caritassammler mit zunehmend schlechtem Ruf von der Tür ab. Generell, weil man lieber da spendete, wo man genauer wusste, was mit dem Geld geschah.

Hier vor Ort zum Beispiel baute die Caritas ein Altenheim. Mit Subvention der Ortsgemeinde, die deswegen bestimmte Auflagen stellte. Alle Auflagen wurden, wie es scheint, inzwischen zunächst aktiv gebrochen und annulliert. Der Zweck des Altenheims wurde mehrfach geändert, Verträge mit betreutem wohnen, die eigentlich unbegrenzte Laufzeit hatten, gekündigt, Leistungen aus den Verträgen nicht erbracht. Geschulte Arbeitskräfte durch ungeschulte Teilzeitkräfte ersetzt. Die Senioren vor Ort, für die das Altenheim geplant war, bekamen keine Plätze, weil Pflegefälle aus einer anderen Caritaseinrichtung dorthin umverlagert wurden. Jetzt werden diese auch ausquartiert und die neuen Insassen sollen für ihre hohen Wohnkosten noch arbeiten und selbst die hilfloseren Fälle pflegen. Zumindest erzählen mir das so einige aufgebrachte Senioren. Der Ruf der Caritas in diesem Ort ist schon sehr tief gesunken. Und nicht dort, an anderen Orten gibt es andere Geschichten dieser Art.

Und jetzt kommt die "Spenden-gehören-uns"-Bekämpfungskampagne der Caritas gegen eine Laienorganisation, die Konfliktberatung für Frauen in Schwangerschaftskonflikten macht. Wie nun der Generalsekretär der Caritas verlauten lässt, möchte der Caritasverband dass alle Bistumsleitungen verbieten, dass irgendeine Organisation neben diesem Verband  Pfarreien über ihre Angebot im Sektor Konfliktberatung auch nur informieren darf. Die Caritas selbst habe jede Kooperation mit dieser Konkurrenz strikt abgelehnt. (Diese wurde also sogar von dem anderen Verein sogar angestrebt, wie es scheint.) Nein, da dürfe es keinen Spielraum geben, dass die anderen an Spenden gelangen.

Liebe Leute, des Vereines, der sich Caritas nennt und den Namen so völlig zweckentfremdet, seid sicher, dass ich ganz bestimmt keine Spende mehr - egal für was - an euch geben werde. Ihr missbraucht eure Anerkennung als katholisch wie der Weltbildverlag sein Image als "katholischer Verlag" missbraucht hat. Der Verlag vertrieb Bücher mit allem, was katholischen Überzeugungen zuwider lief. Der "katholische Verein" lehnt es ab, z.B. über natürliche Empfängnisregulierung zu informieren. Der Begriff "Mutter" wird gemieden, man bevorzugt, "Frauen, die Kinder haben". Verhütungsmittel werden empfohlen. Die Haltung bezüglich Abtreibungen ist fraglich.

Mir scheint, wir brauchen eine katholische Caritas, die diesen Namen noch zu recht trägt, aber diesem Verein, der ihn in Anspruch nimmt, gehört wohl eher das "katholisch" als auch der irreführende Name "Caritas" aberkannt. Soll er sich der Verband mit neuem Namen mit ProFamilia um den einträglichen Markt schlagen.
Jetzt auch noch die Bistumsleitungen instrumentalisieren zu wollen, einer echten caritativen Laieninitiative den Boden zu entziehen, ist einfach zu ungeheuerlich.

Mittwoch, 30. April 2014

Güte – Vergleich dreier Päpste

Der nun heiliggesprochene Papst Johannes XXXIII war berühmt für seine Güte. Güte im Sinne von gütig sein, die Menschen anzunehmen und jedem einzelnen etwas von der Liebe Christi sichtbar zu machen.  Aus seinem geistlichen Tagebuch strahlt dieser innerste Kern seines Seins hervor. Das Ringen, andern keinen Anstoß zu geben, der Verzicht, eigene Rechte und Interessen durchzusetzen, das ständige Bemühen – mit all seinen kleinen Schiffbrüchen – in dieser hingebenden Liebe und Güte zu wachsen. Gott hat all diesem Ringen ganz offensichtlich seine Gnade dazugegeben, so dass diese Güte auch wirklich aus ihm herausstrahlen konnte.
Nein, wer die Aufzeichnungen dieser reinen Seele liest, braucht kein Wunder mehr, um die Heiligkeit erkennen zu können, die hier aufstrahlt.

Güte ist auch ein herausragendes Zeichen bei Papst Benedikt XVI. Seine Güte hatte nicht die Qualität der schlichten Einfachheit wie bei Johannes XXIII sondern stets die Qualität einer bewussten Entscheidung, auch dem ärgsten Gegner mit Respekt zu begegnen .  Die Güte eines Johannes XXIII war - zum Beispiel mir – unerreichbar, diese Heiligkeit ist nicht jedem gegeben. Die Güte Benedikts XVI  war etwas, dem ich nacheifern konnte. Das war Christus, der sehr wohl weiß, was falsch und schief ist und wie es mit jemand steht und demjenigen dennoch begegnet als wäre es ein gleich-zu-gleich. Eine Zuwendung, die den, der sich treffen lässt, auf heilsame Weise beschämen kann, weil der eigene Egoismus, die eigene Rechthaberei plötzlich durch den Kontrast hervortreten und der Wunsch stark werden kann, diese Hässlichkeiten endlich loszulassen.
 Das war eine Güte, die so rein sie war, vielen nicht genehm war, weil sie nicht bereit waren, sich selbst in Frage zu stellen.

Was gleich war bei diesen beiden Manifestationen des Wesens Gottes ist, dass die Güte – weder die einfach mit Liebe umarmende Johannes XXIII noch die den eigenen Edelmut aus dem Schlaf rufende Benedikts XVI – in irgendeiner Weise auf Kosten anderer ging.  Die eine kritisierte gar nicht, die andere basierte auf Selbstkritik, beide gründeten in Demut.

Auch bei Papst Franziskus ist ein Bild der Güte zu sehen. Bei ihm ist es eher die flammende Leidenschaft für die Ärmsten, für Ausgegrenzte, für Leidende. Ein Herz das brennt, Not zu lindern und Ungerechtigkeiten zu beheben. Eine Sehnsucht bei denen zu sein, die leiden und dort das Leiden Christi zu sehen, das nach unserm Handeln ruft. Da ist ein Hirte, den die Not berührt, der sofort herbeieilen will, um zu helfen und bei dem es dann schon einmal vorkommt, dass bei der Rettung des einen Schäfchens in der Eile ein anderes Schäfchen einen Schubs bekommt, nachdem es dann auch rettungsbedürftig ist. Was dann natürlich auch geschieht, sobald die Situation erkannt ist. Ein Hirte, der wirklich will, das keins verloren geht.

Wie drückte es letzt jemand aus? „Ach die beiden andern, das sind  halt Heilige (auch wenn der eine noch lebt, wird ihm das irgendwie zugestanden), aber der Franziskus, der ist wie wir. Der gefällt mir besser.“ Wie wir. Ja, warum eigentlich schlagen die Wellen der Beliebtheit plötzlich in vorher ungeahnte Höhen?
Wenn man es wirklich bedenkt, P. Werenfried von Straten z.B. hat mehr mobilisiert für Arme aller Art. Wenn er gepredigt hat, hat es Herzen so getroffen, dass die Zuhörer bis an die eigene Schmerzgrenze gegeben haben und manchmal sogar darüber hinaus, weil sie erkannten, dass da – ein ihnen fremder – Bruder, eine Schwester, das Ebenbild Christi in Not ist. Hat Papst Franziskus bisher eine solche Welle der Hilfsbreitschaft in Gang gebracht? Es würde ihn ungeheuer freuen, gelänge ihm das. Aber nein.
Es wird viel geredet darüber, dass der oder jener mehr tun solle, um Armen zu helfen, aber natürlich nicht man selbst sondern „die Kirche“, „der Bischof XY“, „diese selbstherrlichen Pfarrer“ usw. 
„Die da“, nicht wir.

Woher kommt das?
Nicht weil Papst Franziskus da ein schlechtes Beispiel gäbe. Nein, er wird gerne als Beispiel angeführt, dass „die da“ es ihm mal nachtun sollten. „Die da“, nicht die Sprecher selbst.

Wo also sitzt der Wurm?
Der Wurm, der nichts mit Güte gemein hat und der eine Umkehr bei  sich selbst nicht will sondern bei den andern fordert. Der Wurm, der sich im eigenen Bessersein sonnt und auf andere herabschauen möchte. Der Wurm, bei dem lang kultivierte Rachegelüste und Zerstörungswille an die Oberfläche kriechen, weil sie glänzende moralische Deckmäntel gefunden haben.

Ich kann es nicht sicher sagen. Mir fällt nur auf, dass das Einschlupfloch für diesen selbstgefälligen Wurm, der die Früchte frisst, die den wahrhaft Armen und Leidenden zukommen sollten, das folgende sein könnte:
Die Güte, die Johannes XXIII praktizierte und Benedikt XVI noch praktiziert, diszipliniert sich selbst und verzichtet(e) auf Vorwürfe außer sie beziehen das Selbst ein. 
Die Güte von Papst Franziskus liefert immer Sündenböcke mit, auf die man dann Steine werfen zu dürfen glaubt. 
Das erfreut die gefallene Seele natürlich, sich gar nicht selbst disziplinieren zu müssen sondern mit andern abrechnen zu können, die ja ganz klar von komptetenter Seite benannt wurden.

Papst Franziskus sagt nicht: „Wir Priester verletzen oft durch unbedachte Worte.“ Er sagt: „Viele Priester machen das schlecht.“ Was der Wahrheit ja durchaus entspricht, nur allgemeiner Konsens ist dann: „Er macht es ja gut. Ja, wenn die es machten wie er. Denen sagen wir mal Bescheid.“
Papst Franziskus sagt nicht: „Wir Christen leben oft nicht die Freude des Glaubens.“ Er sagt, dass es da traurige Exemplare gebe, die das nicht tun, die sich da besinnen müssten. Und der Chorus tönt: „Seht ihr. Er ist ein gutes Beispiel. Aber ihr da, tut mal endlich was.“
Die Liste wäre lange fortsetzbar.

Und das heilt keine Wunden, es reißt neue auf, es spaltet tiefer. Es verbittert die Angeklagten, es erbittert die Ankläger. Statt Güte und Vergebung verbreitet sich eine Mentalität der Selbstgerechtigkeit, der Anklage, des Beschuldigens, des Hetzens und Steinigens der Sündenböcke.

Ich weiß nicht, ob ich den ablaufenden Mechanismus hier ganz erfassen konnte, und ich kann nur hoffen, dass Papst Franziskus gewahr wird, dass hier etwas seine genuinen und guten Absichten bei ihrer Präsentation und Vermittlung ständig auf Gleise umlenkt, die in völlig unerwünschte und ungute Richtungen führen.

Aber schön wäre es, wenn dieser Spuk endlich ein Ende fände.

Samstag, 19. April 2014

Zumindest hier liegt Kardinal Kasper einfach falsch

Und zwar beziehe ich mich auf seinen in der DT vom Dienstag, 15. April 2014 abgedruckten Leserbrief.

Darin vertritt der Kardinal die Meinung ein verlassener Ehepartner, der darunter litte, dass sein treubrüchiges Gemahl - als wäre nichts geschehen - seine nächste (oder vielleicht auch über- oder überübernächste) Beziehung lebt, als sei er nach katholischem Recht verehelicht (mit dem oder der Neuen) und - nach Meinung des Kardinals ruhig zur Kommunion gehen dürfe, weil das doch barmherzig sei, wenn die neue Beziehung (abgesehen von dem bestehenden Ehebruch, der irgendwie recht irrelevant zu sein scheint) doch völlig christlich lebt also, wenn dieser Verlassene das nicht gut fände, begebe er sich in die Rolle des älteren Bruders in der Geschichte vom verlorenen Sohn.

Also, mir wurde leicht übel, als ich das las. Ich hatte aber keine Zeit durchzudenken, warum sich die Aussage so falsch anfühlt, außer dass ich mit etlichen treuen Katholiken bekannt bin, die von ihren Partnern schnöde abserviert und teils mit den Kindern sitzengelassen wurden und die in der Kraft des Glaubens dennoch treu geblieben und nie eine neue Beziehung eingegangen sind. Ich hoffte erst einmal still, dass sie so einen Satz nie ins Gesicht hören werden.  Aber das lässt sich wohl nach soviel Publizität kaum noch vermeiden.

Ich versuchte also gestern einmal logisch über das Argument nachzudenken und kam zu folgendem Schluss:

Ehepartner sind keine Schwestern oder Brüder.

Sonst wäre ja auch die Ehe in keiner Beziehung gültig, mal ganz vordergründig.

Aber was ist denn z.B. ein wesentlicher Unterschied zwischen dem älteren Bruder und dem verlassenen Ehepartner.

1) Da wäre zum einen, den Bruder hat man sich nie ausgesucht. Man kann für den einfach nichts, der ist göttliche Fügung ob nun zum Guten oder Bösen. Den Ehepartner hat man sich ausgesucht, sich bewusst für diese Person entschieden.

2) Der verlorene Sohn begeht kein Unrecht gegen seinen Bruder. Er lässt sich sein Erbteil auszahlen. Das war unschön und eine Belastung für alle aber kein Unrecht. Mit seinem Bruder hat er keinen Vertrag, keine Absprache. Es geht hier um die Eltern. Den älteren Bruder mag es ärgern, aber er hat keinen Schaden.
Der untreue Ehepartner begeht ein Unrecht gegen seinen Vertragspartner. Er bricht sein Wort. Er nimmt dem andern, was diesem gehört und verfügt darüber. Er bringt den anderen in große Schwierigkeiten.

3) Als der verlorene Sohn zurückkehrt, kommt er zu seinem Vater, der dem andern Bruder sein Erbe noch nicht übergeben hat. Hätte er es übergeben, besäße er ein Altenteil, über das er verfügen könnte. Jedenfalls hätte er auch dann etwas, mit dem er seinen verlorenen Sohn willkommen heißen könnte. Er nimmt also etwas von seinem Eigentum und freut sich und feiert.
Der ältere Bruder ist verstimmt, weil er findet, dass der jüngere zu gut wegkommt und besser behandelt wird als er.

Der untreue - in neuer Beziehung lebende - Ehepartner kehrt nicht zurück. Er lässt sich mit dem, was dem andern immer noch gehört (seine Person) nieder. Er bereut nicht, dass er den andern verlassen hat. Er hat keine Intention das zu heilen. Er kommt nicht demütig und bittet da er schon als Ehepartner nichts getaugt habe, würde er gerne wie ein Diener seine verlassene Familie unterstützen und wolle damit zufrieden sein.

4) Der Vater kann dem verlorenen Sohn kein neues Erbteil aussetzen. Er kann mit ihm teilen was er hat. Er kann nicht seinem anderen Sohn wegnehmen, was diesem gehört. Der ältere Bruder muss sich damit abfinden oder seinem Bruder auch Essen und Wohnung gönnen. Sein Problem ist ja, dass er ihm das Elend gönnt.

Der verlassene Ehepartner würde in vielen Fällen seinen untreuen Partner wie der barmherzige Vater zurücknehmen. Aber er will ja gar nicht sondern hat neue Fakten geschaffen. Sie werden gar nicht um Verzeihung gebeten, sie sollen nur aus der Gleichung gelöscht werden, weil sie stören und nach Meinung des untreuen ein Fehler sind und waren.


Ich kann nur sagen verlassene Ehepartner in irgendeiner Beziehung als geistige ältere Brüder des umkehrenden Sohnes zu bezeichnen, die ihm nicht einmal ein freundliches Wort gönnen mögen,  zeigt von allem anderen als Barmherzigkeit.

(zur Ergänzung das Originalzitat:
"Ganz abgesehen davon, dass die Absolution nicht vom Ehebruch sondern von der Schuld des Ehebruchs freispricht (freispräche wäre wohl richtiger und ehrlich gesagt, ich verstehe nicht, wie man von der Schuld des Ehebruchs freisprechen will und gleichzeitig nicht vom Ehebruch), würde sich ein solcher (...) in der Ta wirklich dumm in der Rolle des brav im Hause gebliebenen älteren Sohnes im Gleichnis Jesu begeben, der dem barmherzigen Vater Vorwürfe macht, weil er dem verlorenen Sohn Barmherzigkeit zuteil werden lässt ... Wer so argumentieren würde, hat von Gottes Barmherzigkeit noch gar nicht verstanden."