Oremus pro Pontifice nostro Franzisco.

Dominus conservet eum et vivificet eum

et beatum faciat eum in terra et

non tradat eum in animam inimicorum eius.

Mittwoch, 12. Juni 2013

Der Niedergang von Giganten

ist kein schöner Anblick. Jedenfalls nicht, wenn man auch den Giganten anderer Meinung und Überzeugungen die Wertschätzung nicht versagt.  Man mag erleichtert sein, wenn eine große Persönlichkeit, mit der man nicht übereinstimmen konnte oder wollte, nicht mehr über die Macht verfügt, alles mehr oder weniger nach ihrem Willen zu lenken. Aber es stimmt traurig, wenn so ein ehemaliger Gigant auf seinem Feld weitgehend ungeschlagen anfängt, sich selbst immer mehr zu demontieren und sich zu schaden, ohne es selbst zu erkennen und seinen eigenen Niedergang an die Öffentlichkeit trägt, ohne sich darüber klar zu sein. Einen ehemals großen Protagonisten ehrlich bezwungen zu sehen, könnte erfreuen, aber Zeuge seines Verfalls zu sein, stimmt traurig.

Das sind die Gedanken, die mir kommen angesichts der jüngsten Äußerungen von Kardinal Lehmann auf dem Eucharistischen Kongress in Köln. Kardinal Karl Lehmann, zwei Doktor- und ein Professorentitel, einstmals brillant in seinen analytischen Fähigkeiten und seiner Kapazität, Sachverhalte zu erfassen und so darzustellen, dass niemand die Filterung und geschickte Steuerung der Informationen wahrnahm, ein exzellenter Dialektiker, ein Theologe mit enormem Wissen.
Mich haben seine Thesen zwar nie gewinnen oder überzeugen können, aber der Virtuosität, wie das ein oder andere vorgetragen oder umgesetzt wurde, zolle ich doch einen gewissen Respekt. Wenn auch nicht freudig.

Jetzt aber denke ich, der einstige Meister vieler Klassen hat den Überblick verloren, seine Fähigkeit, die Lage klar einzuschätzen und das Urteilsvermögen darüber, wann etwas benannt werden solle oder wann es besser ist zu schweigen.

Zwei Themen wurden in einer DNA-Meldung benannt, Äußerungen zur lateinischen Messe „im Tridentinischen Ritus“ und zur korrekten Übersetzung der Wandlungsworte.

Zum einen soll sich der Kardinal gegen vermehrte Feiern der lateinischen Messe „im Tridentinischen Ritus“ gewandt haben: „Ich habe den Eindruck, die ganze Begeisterung für das Latein hat viel mit Prestige und falschen Vorspiegelungen einer vermeintlichen Kulturelite zu tun.“ Er halte „ein stärkeres Nebeneinander beider liturgischer Formen heute nicht für sinvoll, auch weil es nicht von unten gewachsen ist.“
Ich frage mich, gegen welche Windmühlenflügel er überhaupt kämpft hier und wen er damit zu vertreten meint. Vielleicht geht es um elitäre Kreise, in denen auch er schon lange lebt, gegen die er möglicherweise lange opponierte und die weit weg sind vom Alltag jedes Durchschnittskatholiken.

Ich muss aus meiner Erfahrung sagten, dass bei allen Leuten, die ich kenne, die Präferenz für den „außerordentlichen“ Messritus rein gar nichts mit Prestige und Kulturelite zu tun hat. Das sind alles ziemlich einfache Leute, deren Lateinkenntnisse sehr mager sind und bei deren Denken die Kultur keinen so überhöhten Stellenwert hat. Sie versuchen Halt für ihren Glauben zu finden, wollen vielleicht Erbauung durch die die Sinne mehr ansprechenden Formen und einfach die organische Einheit mit der Kirche in allen Zeiten bewahren. Es mag auch andere geben, aber das sind die Leute, die ich kenne.
Ich selbst mag von der Ausbildung her „Elite“ sein, Kulturelite bin ich bestimmt nicht, mein Latein ist maximal mittelprächtig, was daran liegt, das ich die Sprache einfach mochte. Und Prestige? Man muss sich jede Menge dumme Sprüche und Unterstellungen anhören, wenn man Latein schön und den älteren Ritus ansprechend finden, Prestige in Zusammenhang damit kenne ich nicht.
Ich komme auch selten in so eine Messe, was daran liegt, dass das Angebot dafür mager ist. Die drei Gelegenheiten, die ich kenne, verlangen a) sehr frühes Aufstehen und 30 km Fahrt; b) gut 50 km Fahrt; c) 15 km Fahrt und eine verheerende Parksituation, die einem alles verleiden kann. Also gehe ich normalerweise in die oft unsägliche Gemeindemesse zuhause und wünsche mir tatsächlich ein besseres Angebot.

Wie soll denn unter solchen Bedingungen etwas „von unten wachsen“? Das ginge ja nur, wenn man eine echte Möglichkeit hätte, mit „den Füßen abzustimmen“. Außerdem, was ist denn an den derzeitigen Messzuständen „von unten gewachsen“ – die werden doch von oben (von Kommissionen, Theologen, Pfarrern und vollamtlichen Laien)  schon seit Jahrzehnten aufoktroyiert. Gewachsen war die alte Form, die neue wurde synthetisiert in einem Labor weitweg von allen von Gläubigen gefeierten Messen. Und soll die Messe überhaupt „von unten wachsen“? Ist sie nicht „von oben gewachsen“ in ihrem Einmünden in die himmlische, die „göttliche“ Liturgie, wie sie auch in der Offenbarung beschrieben wird. Das Zusammenmünden des Gottesdienstes der Engel und der Menschen?

Von einem Bischof und Kardinal hätte ich qualifiziertere Äußerungen erwartet.


Das zweite Thema war die korrekte Übersetzung der Wandlungsworte, die in ebendieser korrekten Form wohl demnächst in allen Gesangbüchern und Messbüchern stehen werden. Hier schlug der Kardinal anscheinend vor, man solle auch weiterhin im Widerspruch zum dann gültigen Messbuch die falsche und interpretierende Übersetzung der Worte Jesu nehmen, die uns in den letzten Jahrzehnten vorgetragen wurde, da deren Sinn doch auch theologisch legitim sei (wäre er es nicht, hätte es sich ja auch nur um ca. 40 Jahre Häresie ausgerechnet bei den Wandlungsworten gehandelt, was nun tatsächlich sehr bedenklich wäre).

Ich frage mich nur, möchte der Redner hier ernsthaft spalten oder quertreiben, wenn er versucht sich in Opposition zur korrekten Übersetzung weltweit zu stellen? Warum kann er nicht auch einfach die Einheit wahren? Hängt er so an einer favoritisierten Position, dass er nicht mehr sieht, dass sie sie nur eine kleine Scholle Eis ist, die dabei ist, sich im Wasser aufzulösen, auch wenn sie noch auf den Wellen tanzt? Will er sein Bistum in Verwirrung stürzen, indem er ihm eine Sonderliturgie geben will? Merkt er nicht, dass er sich mit solchen Äußerungen geradezu lächerlich macht?


Gleich wie man zu ihm stehen mag, er war einmal eine Art Gigant – und jetzt tut er mir irgendwie leid, dass niemand ihn davor bewahrt, sich zunehmend zu einem Anrenner gegen Windmühlenflügel zu machen.

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