Oremus pro Pontifice nostro Franzisco.

Dominus conservet eum et vivificet eum

et beatum faciat eum in terra et

non tradat eum in animam inimicorum eius.

Samstag, 4. Oktober 2014

Ähm, das also nennt sich mittlerweile Satire?

Ich hatte ja nicht vor, mich ausgerechnet dazu zurückzumelden. Beim Durchblättern der Blogs von letzter Woche bin ich nur auch auf den Filmausschnitt von der heute-Show zum Marsch für das Leben 2014 gestoßen. (Nein, verlinken lohnt sich nicht; das ist so erbärmlich schlecht gemacht; ich habe bis zuletzt gewartet, wann denn nach den dümmlichen Fragen des ZDF-Menschen und zahlreichem Bildmaterial von Gegendemostranten, die nicht als solche kenntlich gemacht waren, denn nun die Satire beginnt - aber es kam keine mehr.)

Und ich frage mich, was macht das ZDF mit dem ganzen Gebührengeld, wenn es so einen zusammenhangloses Wirrwarr als Satire hinstellt? Und wollte der fragestellende ZDF-Mensch wirklich von sich aussagen, dass er nicht weiß, wie man einmal einfach nur Spaß hat, ohne gleich mit jemandem intim zu werden? Oh je. Pech auch, dass er statt Spaß Fun sagte, was die ältere Dame gar nicht erst verstand. Ist ja auch verwirrend, wenn einem jemand das Mikrofon mit ZDF-Logo unter die Nase hält und dann etwas peinliche Intimdetails zum Besten zu geben scheint.
Und dann wollte er noch weismachen, dass die Polizei hierzulande ganz brutal zu den Gegendemonstranten ist. Gibt es schon Strafanzeigen wegen unangemessener Gewaltanwendung oder fehlte da ein bisschen Material, was dazu führte, dass da jemand zu Boden gerungen wurde?
Und was ist daran Satire?

Ja, da war ein älterer Herr, dem man Aussagen entlockte, dass die Polizei zur Aufrechterhaltung der Ordnung auch Gewalt anwenden darf. Dazu eingespielte Lacher und Juchzer.
Heißt das jetzt Satire, wenn man irgendwo zusammenhanglos Lachkonserven einspielt?

Oder waren das echte Lacher, als der ZDF-Mensch sich als Sexsüchtigen präsentierte, der nicht weiß, wie man sich auch anderweitig nett amüsieren kann? Ja, wen hatten die denn da als Publikum? Auszubildende gerade über 18, die sich über sowas wegschmeißen können vor Lachen?

Ich schaue ja kein Fernsehen, ich hoffe einfach, dass der Groteske (keineswegs Satire) auch informativer Bericht über den Marsch für das Leben vorausging, so dass niemand den Eindruck erhielt, es sei etwas völlig anderes was er war. Wenn ich keine anderen Informationen als jene Groteske hätte, wäre ich da jetzt nämlich schon mit sehr falschem Eindruck zurückgelassen worden.


Sonntag, 20. Juli 2014

"Tut die Kirche zu wenig für den Lebensschutz?" Zum Beitrag von Kardinal Lehmann in der Kirchenzeitung


Generell möchte ich oben genannten Beitrag von neulich begrüßen. Denn es ist immerhin ein Versuch, das zu benennen, was es im Bistum Mainz an kirchlichen Einrichtungen gibt, die dem Lebensschutz gewidmet sind. Etliches davon sei erst seit 1999 eingeführt worden.
So gibt es ein „Netzwerk Leben“. – Noch keine Information, was das tut. In der Gemeinde meiner Eltern (ich nehme die mal als Referenz) scheint davon nichts bekannt zu sein. Jedenfalls nicht unter den noch so irgendwie halbwegs regelmäßig den Gottesdienst Besuchenden. Aber es gibt da also etwas, wo wohl etwas getan wird.
Dann sei da das „Haus des Lebens“, also irgendwo im Bistum, ich muss einmal recherchieren wo, in oben genannter Gemeinde  (Nähe Stadt Mainz) kein Begriff, daher erst einmal auch nicht ermittelbar, welchem Zweck es dient.
Es gibt Dekanatsbeauftragte für Lebensschutz. Sicher gut. Derjenige des eben diskutierten Dekanates hat sich meines Wissens in den Gemeinden bisher nicht bekanntgemacht und vorgestellt. Was er tut? Leider so noch nicht zu ermitteln.
Aber es gibt jedenfalls solche Dinge, deren Existenz bisher zwar weder befriedigend, noch ausreichend, nicht einmal mangelhaft, eher ungenügend bekannt gemacht wurde für den Normal- und Durchschnittskatholiken; dennoch gibt es sie und also Bemühungen und Gelder, die da hineinfließen. Das ist sicherlich gut, wenn auch an der Bekanntmachung genannter Einrichtungen deutlich zu arbeiten wäre.
Ebenfalls aufgezählt wird die „umfangreiche Beratungstätigkeit“ des SkF, wo auf „vielen Ebenen“ „etwas“ getan werde (bisher weiß ich auch  noch nicht was, in besagter Gemeinde sind die wohl nicht tätig) und es errege Zorn, dass das nicht besser bekannt sei. – Ja, wer ist denn dafür nun verantwortlich? Irgendwo sind die Informationen auf dem Weg zum Kirchenvolk wohl steckengeblieben. – Jedenfalls danke für den Hinweis, dass es da „etwas“ gibt, Konkretisierungen wären allerdings schon hilfreich. Vielleicht in einem Sachartikel der Kirchenzeitung? Einer kleinen Serie? Die wäre doch das geeignete Medium, das bisher wohl die Informationen nicht in geeigneter Weise unter die Leute gebracht hat.

Zudem jedoch moniert der Kardinal eine allgemeine Abstumpfung und Müdigkeit, was den Schutz des Lebens angeht und begrüßt alle Initiativen, die sich mit dieser Situation nicht abfinden wollen. Er gesteht sogar zu, eingeschlafenes Gewissen müsse da durchaus geweckt werden.
Allerdings beklagt er dann, dass das gelegentlich in einer Attitüde des „wir sind die besseren Christen“ geschehe. Inwieweit das zutrifft, kann ich nicht beurteilen, auch nicht worauf genau sich das "Bessersein" beziehen soll. Es fehlt eben wieder ein konkretes Beispiel.

Dann jedoch kommt  in dem bisher recht ausgewogenen Beitrag „Auf ein Wort“ eine Stelle, bei der ich mich frage, ob der bisherige Mangel an Konkretisierung tatsächlich nur der begrenzten Wortzahl in einer solchen Adresse geschuldet ist  oder überhaupt nur bestehende unkonkrete  Annahmen auflistet und zwar da, wo der Beitrag tatsächlich einmal etwas Konkretes benennt, nämlich Babyflaschen und Embryonenmodelle.
Nur zur Rekapitulation:
a)       Babyflaschen sind oft bunt bedruckte Fläschchen mit Schnuller obendrauf, mit denen man Babies und Kleinkindern flüssig-breige Nahrung zuführt. Sie sind meist bei den Kleinen sehr beliebt und ihr Verlust kann großes Geschrei auslösen.
b)       Bei den Embryonenmodellen handelt es sich um Darstellungen von (ungeborenen) Kindern in frühen Entwicklungsstufen, die schon eindeutig als Kinder erkennbar sind, Hände, Füße, Kopf.
Jetzt kann man natürlich der Meinung sein, dass Babyflaschen nicht der Inbegriff der Ästhetik sind – bunte, manchmal vielleicht etwas kitschige, auf Babies abgestimmte Gebrauchsgegenstände sind das eben.
Und sicher gibt es Mitmenschen, die Neugeborene erst einmal grundhässlich finden und Babies bis  zu dem Zeitpunkt an dem sie nicht mehr „an zwei Enden undicht“ sind bevorzugt deren Eltern überlassen. Andere können in den kleinen Wesen durchaus sofort etwas Schönes erkennen, auch wenn das nicht für Miss World oder Mr. Universum klassifiziert.

Durchaus übertrieben jedoch finde ich es, wenn man Babyflaschen und Embryonen/Neugeborene als abstoßend bezeichnet.

Leider tut das der Kardinal aus nicht ganz nachvollziehbaren Gründen. Denn – meiner Information nach, selbst habe ich es nicht erlebt - sind gewisse Sammelaktionen mit Babyflaschen geradezu auf Entzücken gestoßen, weil das eine so nette Idee war und eben gar nicht abstoßend, und besagte Embryonenmodelle werden, soweit ich höre, keineswegs verwendet um Leuten zu zeigen, wie abstoßend ungeborene Kinder sind sondern im Gegenteil, um zu zeigen, dass sie - auch noch ungeboren - echte komplette kleine Menschen sind.
Ich kann nur vermuten, dass dem Kardinal im Hinterkopf die Gerüchte – die letzten, die ich hörte sind gut 15 Jahre alt – von Aktionen sind, bei denen erschreckende Bilder von blutigen, abgetriebenen Embryonen und deren Einzelteile gezeigt wurde. So etwas kann durchaus abstoßend sein. Nur wie man das dann mit Babyflaschen  usw. verwechseln kann, das passiert wohl, wenn man einem Klischee in die Falle geht.

Zuletzt wird noch moniert, es seien anstelle von amtlichen Kollekten private Sammlungen abgehalten worden. (zum Zwecke des Lebensschutzes, wie es scheint)  Ich würde eher vermuten, dass sowohl die amtlichen Kollekten als auch die privaten Sammlungen gemacht wurden, wogegen eigentlich nichts einzuwenden sein kann. (Ich könnte hier etwas zu den amtlichen Kollekten und privaten Sammlungen in einem gewissen Wurstelheim, das ziemlich überall ist,  sagen, übrigens in keinerlei Zusammenhang zu Babyflaschen, was hier etwas den Rahmen sprengen würde.)


Nach dieser eher wenig gelungenen Passage jedoch appelliert  der Kardinal dann an alle Katholiken (er sagt katholische Mitchristen – ob er mittels dieses Ausdrucks eventuell Frauen mehr inkludieren wollte oder darauf hinweisen, dass manche Katholiken nicht unbedingt auch Christen sind, das lässt sich wohl nicht klären), nun jedenfalls, dass alle Mitchristen, die katholisch sind sich vor unglücklichen Polarisierungen hüten sollten und sich klarer werden sollten, was Lebensschutz bedeutet, um mit dem Zitat aus Gaudium et spes 51 zu enden, dass Abtreibung und Tötung des Kindes verabscheuenswürdige Verbrechen sind. 
Das unterschreibt er  und das ist tatsächlich mutig  in der heutigen Situation, in der eine solche Aussage sehr heftigen Unmut ernten kann.

Sonntag, 15. Juni 2014

Was hat Ägypten mit Freiburg zu tun?

Update: Die Lösung kam tatsächlich schnell und unbürokratisch - das Bistum Mainz lässt Monsignore Schroedel vorzeitig in den Ruhestand gehen, den er in Ägypten verbringen darf. Möge es in der deutschen Kirchenbürokratie Schule machen.

Ein kausaler Zusammenhang lässt sich natürlich nicht herstellen oder gar belegen, und es gibt ja immer merkwürdige Zusammentreffen.

Was also stößt hier auf?

"Ich bin da geschockt ..."
sagen nicht nur die Exildeutschen in Ägypten sondern es stand auch als Titel über einem Bericht der Mainzer AZ über eine Podiumsdiskussion mit Kardinal Lehmann im Erbacher Hof, der es anderweitig als kürzere dpa-Meldung in die Öffentlichkeit schaffte.
Nun ist Kardinal Lehmann nicht etwa geschockt, dass der zum Bistum Mainz gehörige Monsignore Schrödel kurzfristig und ohne andere öffentlich bekannte Gründe als die "riskante Lage in Ägypten" dort abberufen wird, ohne dass ihn ein Nachfolger ersetzen soll. (Die Betroffenen vor Ort haben dazu ein  Video gedreht, das u.a. hier zu finden ist.) Kardinal Lehmann ist darüber geschockt, dass man in Freiburg drei Vorschläge für den neuen Bischof nach Rom schickte und drei andere zurückbekam.
(Daniel Deckers von der FAZ will wissen, die Alternativen zum Freiburger Kirchenrechtler Burger seien die Kölner Weihbischöfe Puff und Schwaderlapp gewesen oder einer von ihnen und ein Priester aus Rottenburg/Stuttgart.)
"Wer in Rom Reformen durchsetzen wolle, müsse Zivilcourage aufbringen, betont der Mainzer Kardinal." Offenbar meint er zu wissen, der künftige Bischof Burger habe eine solche nicht.
Der Artikel schweift, wohl eine Frage-und-Antwort-Runde darstellend dazu ab, wie vorbildlich der Kardinal gegen Rom für einen Verbleib in der Schwangerschaftskonfliktberatung mit Schein für straffreie Abtreibung kämpfte, dann zur Debatte ob katholische wiederverheiratete Geschiedene zum "Abendmahl" (sic!) dürften. "Ich gebe nicht nach", habe der Kardinal gesagt. In ihm brenne das Reformfeuer, meint der Berichterstatter.

Von seinen deutschen Bischofs-Mitbüdern fordere er eindringlich Courage. - Gott weiß, in dieser Sache sind wir uns alle einig. Möglicherweise nicht darin, worin die Courage bestehen soll.
Auch wenn man "mehrfach abgeschüttelt" werde, müsse man (in Rom) mit "Geduld und Beharrlichkeit seine eigenen Überzeugungen zu Gehör bringen".

Und dann sagt der Kardinal etwas, was er auf das "Zentrum der Weltkirche" bezieht und was ich nur zu gerne ihm und der DBK ins Stammbuch schreiben würde: ...."darf sich nicht als eine in sich selbst kreisende Organisation begreifen, die am Ende an den wirklichen Fragen und den wahren Bedürfnissen der Gemeinden und Ortskirchen vorbeizulaufen droht."

Heißt das etwa, dass man in Nordafrika hoffen darf, dass das Bistum Mainz natürlich auch ohne die DBK seinen Priester Joachim Schrödel dort weiterarbeiten lässt, wo er bisher segensreich gewirkt hat? (Immerhin ist er verantwortlich gewesen für die verantwortlich für die Gemeinden in Syrien, Jordanien, Libanon, Sudan und Äthiopien - und es ist kein Ersatz geplant!) Vermutlich würde man sogar vor Ort, das notwendige Geld aufbringen, um den beliebten und notwendigen Seelsorger zu halten.


Dienstag, 13. Mai 2014

Caritas ohne jegliche (namensgebende) Caritas

Was ist Caritas? Eigentlich die lateinische Übersetzung des griechischen "agape", der selbstlosen Liebe.
Es war einmal, dass eine katholisch-kirchliche Organisation gegründet wurde, die diesen Namen wählte, weil so der Rahmen geschaffen werden sollte, dass katholische Pfarreimitglieder (andere natürlich auch willkommen) gezielt spenden konnten, damit organisiert und effektiv die Hilfe auch die erreichte, die sie am meisten brauchten. Das war einmal.

Die sich Caritas nennende Organisation wurde immer mehr zu einem Unternehmen, das Geld erwirtschaften wollte. Belange der ursprünglichen Caritas wurden zunehmend irreleveant, Hauptsache, die geschäftliche Seite stimmte. Schon seit über 30 Jahren höre ich von Verwandten und Bekannten, die Caritas verschwende Gelder, wende sie unsinnig an und christliche Arbeit leiste sie kaum. Belege werden dafür nicht angeführt, gelegentlich Beispiele, die den einzelnen bekannt sind, aber so reden die Leute. So gar mancher wies deshalb die Caritassammler mit zunehmend schlechtem Ruf von der Tür ab. Generell, weil man lieber da spendete, wo man genauer wusste, was mit dem Geld geschah.

Hier vor Ort zum Beispiel baute die Caritas ein Altenheim. Mit Subvention der Ortsgemeinde, die deswegen bestimmte Auflagen stellte. Alle Auflagen wurden, wie es scheint, inzwischen zunächst aktiv gebrochen und annulliert. Der Zweck des Altenheims wurde mehrfach geändert, Verträge mit betreutem wohnen, die eigentlich unbegrenzte Laufzeit hatten, gekündigt, Leistungen aus den Verträgen nicht erbracht. Geschulte Arbeitskräfte durch ungeschulte Teilzeitkräfte ersetzt. Die Senioren vor Ort, für die das Altenheim geplant war, bekamen keine Plätze, weil Pflegefälle aus einer anderen Caritaseinrichtung dorthin umverlagert wurden. Jetzt werden diese auch ausquartiert und die neuen Insassen sollen für ihre hohen Wohnkosten noch arbeiten und selbst die hilfloseren Fälle pflegen. Zumindest erzählen mir das so einige aufgebrachte Senioren. Der Ruf der Caritas in diesem Ort ist schon sehr tief gesunken. Und nicht dort, an anderen Orten gibt es andere Geschichten dieser Art.

Und jetzt kommt die "Spenden-gehören-uns"-Bekämpfungskampagne der Caritas gegen eine Laienorganisation, die Konfliktberatung für Frauen in Schwangerschaftskonflikten macht. Wie nun der Generalsekretär der Caritas verlauten lässt, möchte der Caritasverband dass alle Bistumsleitungen verbieten, dass irgendeine Organisation neben diesem Verband  Pfarreien über ihre Angebot im Sektor Konfliktberatung auch nur informieren darf. Die Caritas selbst habe jede Kooperation mit dieser Konkurrenz strikt abgelehnt. (Diese wurde also sogar von dem anderen Verein sogar angestrebt, wie es scheint.) Nein, da dürfe es keinen Spielraum geben, dass die anderen an Spenden gelangen.

Liebe Leute, des Vereines, der sich Caritas nennt und den Namen so völlig zweckentfremdet, seid sicher, dass ich ganz bestimmt keine Spende mehr - egal für was - an euch geben werde. Ihr missbraucht eure Anerkennung als katholisch wie der Weltbildverlag sein Image als "katholischer Verlag" missbraucht hat. Der Verlag vertrieb Bücher mit allem, was katholischen Überzeugungen zuwider lief. Der "katholische Verein" lehnt es ab, z.B. über natürliche Empfängnisregulierung zu informieren. Der Begriff "Mutter" wird gemieden, man bevorzugt, "Frauen, die Kinder haben". Verhütungsmittel werden empfohlen. Die Haltung bezüglich Abtreibungen ist fraglich.

Mir scheint, wir brauchen eine katholische Caritas, die diesen Namen noch zu recht trägt, aber diesem Verein, der ihn in Anspruch nimmt, gehört wohl eher das "katholisch" als auch der irreführende Name "Caritas" aberkannt. Soll er sich der Verband mit neuem Namen mit ProFamilia um den einträglichen Markt schlagen.
Jetzt auch noch die Bistumsleitungen instrumentalisieren zu wollen, einer echten caritativen Laieninitiative den Boden zu entziehen, ist einfach zu ungeheuerlich.

Mittwoch, 30. April 2014

Güte – Vergleich dreier Päpste

Der nun heiliggesprochene Papst Johannes XXXIII war berühmt für seine Güte. Güte im Sinne von gütig sein, die Menschen anzunehmen und jedem einzelnen etwas von der Liebe Christi sichtbar zu machen.  Aus seinem geistlichen Tagebuch strahlt dieser innerste Kern seines Seins hervor. Das Ringen, andern keinen Anstoß zu geben, der Verzicht, eigene Rechte und Interessen durchzusetzen, das ständige Bemühen – mit all seinen kleinen Schiffbrüchen – in dieser hingebenden Liebe und Güte zu wachsen. Gott hat all diesem Ringen ganz offensichtlich seine Gnade dazugegeben, so dass diese Güte auch wirklich aus ihm herausstrahlen konnte.
Nein, wer die Aufzeichnungen dieser reinen Seele liest, braucht kein Wunder mehr, um die Heiligkeit erkennen zu können, die hier aufstrahlt.

Güte ist auch ein herausragendes Zeichen bei Papst Benedikt XVI. Seine Güte hatte nicht die Qualität der schlichten Einfachheit wie bei Johannes XXIII sondern stets die Qualität einer bewussten Entscheidung, auch dem ärgsten Gegner mit Respekt zu begegnen .  Die Güte eines Johannes XXIII war - zum Beispiel mir – unerreichbar, diese Heiligkeit ist nicht jedem gegeben. Die Güte Benedikts XVI  war etwas, dem ich nacheifern konnte. Das war Christus, der sehr wohl weiß, was falsch und schief ist und wie es mit jemand steht und demjenigen dennoch begegnet als wäre es ein gleich-zu-gleich. Eine Zuwendung, die den, der sich treffen lässt, auf heilsame Weise beschämen kann, weil der eigene Egoismus, die eigene Rechthaberei plötzlich durch den Kontrast hervortreten und der Wunsch stark werden kann, diese Hässlichkeiten endlich loszulassen.
 Das war eine Güte, die so rein sie war, vielen nicht genehm war, weil sie nicht bereit waren, sich selbst in Frage zu stellen.

Was gleich war bei diesen beiden Manifestationen des Wesens Gottes ist, dass die Güte – weder die einfach mit Liebe umarmende Johannes XXIII noch die den eigenen Edelmut aus dem Schlaf rufende Benedikts XVI – in irgendeiner Weise auf Kosten anderer ging.  Die eine kritisierte gar nicht, die andere basierte auf Selbstkritik, beide gründeten in Demut.

Auch bei Papst Franziskus ist ein Bild der Güte zu sehen. Bei ihm ist es eher die flammende Leidenschaft für die Ärmsten, für Ausgegrenzte, für Leidende. Ein Herz das brennt, Not zu lindern und Ungerechtigkeiten zu beheben. Eine Sehnsucht bei denen zu sein, die leiden und dort das Leiden Christi zu sehen, das nach unserm Handeln ruft. Da ist ein Hirte, den die Not berührt, der sofort herbeieilen will, um zu helfen und bei dem es dann schon einmal vorkommt, dass bei der Rettung des einen Schäfchens in der Eile ein anderes Schäfchen einen Schubs bekommt, nachdem es dann auch rettungsbedürftig ist. Was dann natürlich auch geschieht, sobald die Situation erkannt ist. Ein Hirte, der wirklich will, das keins verloren geht.

Wie drückte es letzt jemand aus? „Ach die beiden andern, das sind  halt Heilige (auch wenn der eine noch lebt, wird ihm das irgendwie zugestanden), aber der Franziskus, der ist wie wir. Der gefällt mir besser.“ Wie wir. Ja, warum eigentlich schlagen die Wellen der Beliebtheit plötzlich in vorher ungeahnte Höhen?
Wenn man es wirklich bedenkt, P. Werenfried von Straten z.B. hat mehr mobilisiert für Arme aller Art. Wenn er gepredigt hat, hat es Herzen so getroffen, dass die Zuhörer bis an die eigene Schmerzgrenze gegeben haben und manchmal sogar darüber hinaus, weil sie erkannten, dass da – ein ihnen fremder – Bruder, eine Schwester, das Ebenbild Christi in Not ist. Hat Papst Franziskus bisher eine solche Welle der Hilfsbreitschaft in Gang gebracht? Es würde ihn ungeheuer freuen, gelänge ihm das. Aber nein.
Es wird viel geredet darüber, dass der oder jener mehr tun solle, um Armen zu helfen, aber natürlich nicht man selbst sondern „die Kirche“, „der Bischof XY“, „diese selbstherrlichen Pfarrer“ usw. 
„Die da“, nicht wir.

Woher kommt das?
Nicht weil Papst Franziskus da ein schlechtes Beispiel gäbe. Nein, er wird gerne als Beispiel angeführt, dass „die da“ es ihm mal nachtun sollten. „Die da“, nicht die Sprecher selbst.

Wo also sitzt der Wurm?
Der Wurm, der nichts mit Güte gemein hat und der eine Umkehr bei  sich selbst nicht will sondern bei den andern fordert. Der Wurm, der sich im eigenen Bessersein sonnt und auf andere herabschauen möchte. Der Wurm, bei dem lang kultivierte Rachegelüste und Zerstörungswille an die Oberfläche kriechen, weil sie glänzende moralische Deckmäntel gefunden haben.

Ich kann es nicht sicher sagen. Mir fällt nur auf, dass das Einschlupfloch für diesen selbstgefälligen Wurm, der die Früchte frisst, die den wahrhaft Armen und Leidenden zukommen sollten, das folgende sein könnte:
Die Güte, die Johannes XXIII praktizierte und Benedikt XVI noch praktiziert, diszipliniert sich selbst und verzichtet(e) auf Vorwürfe außer sie beziehen das Selbst ein. 
Die Güte von Papst Franziskus liefert immer Sündenböcke mit, auf die man dann Steine werfen zu dürfen glaubt. 
Das erfreut die gefallene Seele natürlich, sich gar nicht selbst disziplinieren zu müssen sondern mit andern abrechnen zu können, die ja ganz klar von komptetenter Seite benannt wurden.

Papst Franziskus sagt nicht: „Wir Priester verletzen oft durch unbedachte Worte.“ Er sagt: „Viele Priester machen das schlecht.“ Was der Wahrheit ja durchaus entspricht, nur allgemeiner Konsens ist dann: „Er macht es ja gut. Ja, wenn die es machten wie er. Denen sagen wir mal Bescheid.“
Papst Franziskus sagt nicht: „Wir Christen leben oft nicht die Freude des Glaubens.“ Er sagt, dass es da traurige Exemplare gebe, die das nicht tun, die sich da besinnen müssten. Und der Chorus tönt: „Seht ihr. Er ist ein gutes Beispiel. Aber ihr da, tut mal endlich was.“
Die Liste wäre lange fortsetzbar.

Und das heilt keine Wunden, es reißt neue auf, es spaltet tiefer. Es verbittert die Angeklagten, es erbittert die Ankläger. Statt Güte und Vergebung verbreitet sich eine Mentalität der Selbstgerechtigkeit, der Anklage, des Beschuldigens, des Hetzens und Steinigens der Sündenböcke.

Ich weiß nicht, ob ich den ablaufenden Mechanismus hier ganz erfassen konnte, und ich kann nur hoffen, dass Papst Franziskus gewahr wird, dass hier etwas seine genuinen und guten Absichten bei ihrer Präsentation und Vermittlung ständig auf Gleise umlenkt, die in völlig unerwünschte und ungute Richtungen führen.

Aber schön wäre es, wenn dieser Spuk endlich ein Ende fände.

Samstag, 19. April 2014

Zumindest hier liegt Kardinal Kasper einfach falsch

Und zwar beziehe ich mich auf seinen in der DT vom Dienstag, 15. April 2014 abgedruckten Leserbrief.

Darin vertritt der Kardinal die Meinung ein verlassener Ehepartner, der darunter litte, dass sein treubrüchiges Gemahl - als wäre nichts geschehen - seine nächste (oder vielleicht auch über- oder überübernächste) Beziehung lebt, als sei er nach katholischem Recht verehelicht (mit dem oder der Neuen) und - nach Meinung des Kardinals ruhig zur Kommunion gehen dürfe, weil das doch barmherzig sei, wenn die neue Beziehung (abgesehen von dem bestehenden Ehebruch, der irgendwie recht irrelevant zu sein scheint) doch völlig christlich lebt also, wenn dieser Verlassene das nicht gut fände, begebe er sich in die Rolle des älteren Bruders in der Geschichte vom verlorenen Sohn.

Also, mir wurde leicht übel, als ich das las. Ich hatte aber keine Zeit durchzudenken, warum sich die Aussage so falsch anfühlt, außer dass ich mit etlichen treuen Katholiken bekannt bin, die von ihren Partnern schnöde abserviert und teils mit den Kindern sitzengelassen wurden und die in der Kraft des Glaubens dennoch treu geblieben und nie eine neue Beziehung eingegangen sind. Ich hoffte erst einmal still, dass sie so einen Satz nie ins Gesicht hören werden.  Aber das lässt sich wohl nach soviel Publizität kaum noch vermeiden.

Ich versuchte also gestern einmal logisch über das Argument nachzudenken und kam zu folgendem Schluss:

Ehepartner sind keine Schwestern oder Brüder.

Sonst wäre ja auch die Ehe in keiner Beziehung gültig, mal ganz vordergründig.

Aber was ist denn z.B. ein wesentlicher Unterschied zwischen dem älteren Bruder und dem verlassenen Ehepartner.

1) Da wäre zum einen, den Bruder hat man sich nie ausgesucht. Man kann für den einfach nichts, der ist göttliche Fügung ob nun zum Guten oder Bösen. Den Ehepartner hat man sich ausgesucht, sich bewusst für diese Person entschieden.

2) Der verlorene Sohn begeht kein Unrecht gegen seinen Bruder. Er lässt sich sein Erbteil auszahlen. Das war unschön und eine Belastung für alle aber kein Unrecht. Mit seinem Bruder hat er keinen Vertrag, keine Absprache. Es geht hier um die Eltern. Den älteren Bruder mag es ärgern, aber er hat keinen Schaden.
Der untreue Ehepartner begeht ein Unrecht gegen seinen Vertragspartner. Er bricht sein Wort. Er nimmt dem andern, was diesem gehört und verfügt darüber. Er bringt den anderen in große Schwierigkeiten.

3) Als der verlorene Sohn zurückkehrt, kommt er zu seinem Vater, der dem andern Bruder sein Erbe noch nicht übergeben hat. Hätte er es übergeben, besäße er ein Altenteil, über das er verfügen könnte. Jedenfalls hätte er auch dann etwas, mit dem er seinen verlorenen Sohn willkommen heißen könnte. Er nimmt also etwas von seinem Eigentum und freut sich und feiert.
Der ältere Bruder ist verstimmt, weil er findet, dass der jüngere zu gut wegkommt und besser behandelt wird als er.

Der untreue - in neuer Beziehung lebende - Ehepartner kehrt nicht zurück. Er lässt sich mit dem, was dem andern immer noch gehört (seine Person) nieder. Er bereut nicht, dass er den andern verlassen hat. Er hat keine Intention das zu heilen. Er kommt nicht demütig und bittet da er schon als Ehepartner nichts getaugt habe, würde er gerne wie ein Diener seine verlassene Familie unterstützen und wolle damit zufrieden sein.

4) Der Vater kann dem verlorenen Sohn kein neues Erbteil aussetzen. Er kann mit ihm teilen was er hat. Er kann nicht seinem anderen Sohn wegnehmen, was diesem gehört. Der ältere Bruder muss sich damit abfinden oder seinem Bruder auch Essen und Wohnung gönnen. Sein Problem ist ja, dass er ihm das Elend gönnt.

Der verlassene Ehepartner würde in vielen Fällen seinen untreuen Partner wie der barmherzige Vater zurücknehmen. Aber er will ja gar nicht sondern hat neue Fakten geschaffen. Sie werden gar nicht um Verzeihung gebeten, sie sollen nur aus der Gleichung gelöscht werden, weil sie stören und nach Meinung des untreuen ein Fehler sind und waren.


Ich kann nur sagen verlassene Ehepartner in irgendeiner Beziehung als geistige ältere Brüder des umkehrenden Sohnes zu bezeichnen, die ihm nicht einmal ein freundliches Wort gönnen mögen,  zeigt von allem anderen als Barmherzigkeit.

(zur Ergänzung das Originalzitat:
"Ganz abgesehen davon, dass die Absolution nicht vom Ehebruch sondern von der Schuld des Ehebruchs freispricht (freispräche wäre wohl richtiger und ehrlich gesagt, ich verstehe nicht, wie man von der Schuld des Ehebruchs freisprechen will und gleichzeitig nicht vom Ehebruch), würde sich ein solcher (...) in der Ta wirklich dumm in der Rolle des brav im Hause gebliebenen älteren Sohnes im Gleichnis Jesu begeben, der dem barmherzigen Vater Vorwürfe macht, weil er dem verlorenen Sohn Barmherzigkeit zuteil werden lässt ... Wer so argumentieren würde, hat von Gottes Barmherzigkeit noch gar nicht verstanden."

Samstag, 5. April 2014

Deutsche Kirche tut sich schwer mit Laienengagement

Offenbar wird die Problematik aktuell am Umgang der Diözesen Speyer und Augsburg (eigentlich keine Hauptverdächtigen in Bezug auf Verweltlichung und Anpassung an den Zeitgeist) mit der Schwangerenkonfliktberatung von 1000plus.

Allgemein - also nicht in Bezug auf obigen Fall - formuliert ist es so:

Katholische Laien, die nicht in irgendeiner Form ein theologisches Fach mit Abschluss studiert haben, werden generell als unqualifiziert in allen Dingen betrachtet, die über untergeordnete Dienstleistungen hinausgehen. Gleich ob es um geistliches, soziales oder politisches Engagement geht, wie es scheint.

Dahingegen werden klerikalisierte Laien verschiedenster Provenienz (theologische Studien verschiedenster Art, studierte Soziologen im kirchlichen Dienst, auf hohen politischen und kirchlichen Positionen befindliche Laien unabhängig von ihrem religiösen Leben) als kompetent angesehen; ihnen ist höchste Anerkennung zuzollen, auch wenn sie sich klar gegen jeden beliebigen Glaubensinhalt oder im katholischen Glauben begründete moralische Auffassungen wenden.

Kurz gesagt: in Deutschland hat man als Katholik nur was zu melden, wenn man einen Abschluss oder einen sozialen hohen  Rang aufzuweisen hat. Die niedere Kaste der theologisch unstudierten bzw. politisch nicht-einflussreichen Laien ist stets vernachlässigbar.

Eigentlich hatten die Bischöfe im zweiten Vaticanum sich das anders gedacht:
Laien - und zwar gerade die nicht theologisch studierten Laien - sind die Fachleute in den meisten Bereichen. Wenn Sie sich dort von ihrem Glauben getragen engagieren, sollten sie seitens der geweihten Personen mit allen Kräften unterstützt und gefördert werden.

Sicher kann so eine Unterstützung und Förderung durchaus auch in Kursen bestehen, bei denen man Abschlüsse erwerben kann. Diese können sogar sehr hilfreich sein. Nur leider ist gerade die deutsche Mentalität wohl extrem in Bezug auf dokumentierte Abschlüsse. Interessant ist nicht, ob jemand etwas kann, sondern ob er ein Zertifikat vorweisen kann. Zertifikat geht immer über Können.

Diese Mentalität scheint sich auch im Fall von 1000 plus zu offenbaren:
Da haben sich - zum Teil sogar studierte (Theologie, Soziologie, Psychologie)  - Laien zusammengetan um unter hohem persönlichem Einsatz Frauen zu beraten, die wegen ihrer Schwangerschaft nicht mehr aus noch ein wissen und eigentlich oft nur möchten, dass Ihnen jemand zuhört, um ihre Gedanken und Gefühle ordnen zu können. Und dieser Dienst steht bei 1000 plus auch dann zur Verfügung, wenn die - durchaus gute Arbeit leistenden - Mitarbeiter offizieller Organisationen wie u.a. Caritas und SkF Feierabend und Wochenende und Nachtruhe haben.
Es konnte vielen Frauen geholfen werden. Etwa zwei Drittel haben sich sogar dafür entschieden, ihr Kind zu bekommen, weil ihnen die nötigen finanziellen und anderweitigen Hilfen vermittelt werden konnten.
Aber selbst die engagierteste Arbeit benötigt Geld, Spenden in dem Fall.
Man wandte sich also an die Diözesen - und wurde offenbar von einigen nicht einmal einer Antwort gewürdigt.
Kein Problem. Man bemühte sich, Multiplikatoren zu informieren, die dann zu Veranstaltungen (Info) in Pfarreien einluden. Natürlich bat man da auch um Spenden. Viele Pfarrer und ihre Gemeinden waren sehr angetan von dem, was da geleistet wurde und wollten diese Arbeit unterstützen. Ein ganz natürlicher Prozess.Man informierte sich, prüfte und befand für gut.

Was dann geschah - man kann nur darüber spekulieren. Sahen sich Caritas und SkF kritisiert? Glaubte man der eigenen Organisation gingen Spendengelder verloren? Oder war es nur die so oft in allen möglichen Dingen erfolgende Abklassifizierung, diese Leute könnten doch keine normalen Katholiken sein, wenn sie sich so einsetzen sondern seien deswegen halb unter Sektenverdacht, "evangelikal" und "katholikal" (was auch immer das ist) sollen als abwertende Begriffe (zum Schutz eigener Pfründe? aber welcher genau?) gefallen sein. Als könne man nur katholische Arbeit leisten, wenn  diese in kirchlicher Besoldung geschieht.

Tatsache ist doch, dass viele Frauen bei dieser Beratung Hilfe fanden, obwohl es parallel die Angebote von Caritas und SkF in der Diözese gab, nur dass das Angebot von 1000plus, wo vermehrt auf Internetarbeit gesetzt wird, wohl noch niedrigschwelliger angesetzt ist.
Offenbar freute es niemanden, wie vielen dort geholfen wurde.
Die obigen zwei Bistümer verboten den Pfarreien eine weitere Unterstützung - da es sich nicht um einen kirchliche Organisation handle.

Ein durchschnittlicher Laie kann das eigentlich nur noch als Bürokratie einordnen. Da hat man sich die Sache angesehen, selbst der Pfarrer fand es gut und einwandfrei und es machte Freude, das Gute zu unterstützen und die Pfarrei war der natürlich Ort dafür, wenn man katholisch war, aber es darf nicht sein. Verstehen kann man es nicht wirklich. Extrem weltfremd könnte man sagen.

Wer sagt denn eigentlich, dass die katholische Kirche in regionaler Ausprägung sich nicht hinter eine Initiative stellen darf, die in allem ihren Glaubenssätzen entspricht aber nicht von kirchlichen Gremien und Behörden selbst initiiert wurde?
Dieselbe merkwürdige "wenn-es- nicht-von-uns-kommt-kann-es-nicht-gut-sein- und-falls-doch-auch-egal- wir-machen-selbst-was"-Haltung zeigte sich ja auch schon in Bezug auf die Bürgerinitiative Einer-von-uns, die in Deutschland fast gescheitert wäre, hätten sie dann nicht doch noch etliche Bischöfe befürwortet (die Bischofskonferenz lehnte zuvor jede Unterstützung ab).

Donnerstag, 20. März 2014

und zu den Leserbriefen zu Kardinal Müller und dem AZ-Interview

Gut geschriebene Leserbriefe können manchmal besser sein als Zeitungsartikel. Allerdings findet man gute Leserbriefe gewöhnlich in Zeitungen mit guten Artikeln; das mag daran liegen, dass auch Leserbriefe meist redaktionell überarbeitet werden und nicht unbedingt dem Wortlaut des Verfassers entsprechen (je schlechter das Artikelniveau, desto geringer die Übereinstimmung  möglicherweise).

Nun, in der MAZ prangten heute viel Leserbriefe, die dem Niveau der Zeitung entsprachen. Besonders stach mir jener ins Auge, der ausführte: Als der Schreiber fröhlich nichtehelichen Sex hatte, sei er ja zu den Sakramenten zugelassen gewesen. (Das meinte er offenbar ernst.) Dann habe er sich standesamtlich trauen lassen und sei von den Sakramenten ausgeschlossen gewesen. Dies  zeige wie dumm und weltfremd die katholische Kirche sei und wie verrückt ihre Lehren.
Tja, wenn das stimmte, wäre es verrückt - ES STIMMT ABER NICHT!
Aber es zeigt wieder einmal welcher unglaubliche Wissensmangel dank der Vernachlässigung von Lehre und Katechese entstanden ist: JEDER außerehliche Geschlechtsverkehr schließt per se vom Empfang der Kommunion aus.

Den Rest der Ausführungen zu Kardinal Müller und dem was er - vermeintlich - gesagt hat, kann man sich dann ja noch denken.
Dabei war es doch nur eine väterliche Ermahnung, sich doch einmal zu erinnern, was einmal die Mainzer Fastnacht so charakteristisch gemacht hatte. Nicht das Heulen mit der Wolfsmeute sondern das Aufzeigen von Wahrheit die keiner sehen will.
Doch die Lust am Niedermachen ist an die Herrschaft gekommen und heult jetzt auf, wenn jemand auf sie hinweist.

Mainzer Zeitung setzt ihre Causa Tebartz mit fröhlichem Jagen auf Kardinal Müller fort

Dabei sah es erst ganz harmlos aus. So harmlos, dass ich sofort misstrauisch wurde, weil die Montagsausgabe sich in freundlicher Berichterstattung gegenüber Kardinal Müller erging, der seine Heimat in Mainz-Finthen anlässlich des 70. Geburtstags seines Bruders  besucht und dort einen Gottesdienst gefeiert hatte.
Die Mainzer AZ tut sich ja schon länger in Kirchenpolitik hervor, d.h. sie versucht es sich hervorzutun. Da das Merkmal des Blattes aber generell Artikel sind, die man nur verstehen kann, wenn man die Fernsehnachrichten des Abends oder andere - exaktere - Druckmedien verfolgt, weil gerne auf eine Darlegung des im Folgenden oft recht polemisch Diskutierten gern verzichtet wird, so dass der uneingeweihte Leser öfters verwirrt Rat im Internetz und bei Bekannten suchen muss, um was es denn nun überhaupt geht. Da dies also so ist, kann man sich die Qualität der kirchenpolitischen Beiträge vorstellen. Unter dem Label Limburg findet man Beispiele für einige dieser Werke, so die Referierung der Artikel eines kleinauflagigen Satiremagazins oder über die Wortäußerungen diverser Touristen, die Limburg besuchten, alles halbseitig und wortreiche Meldungen (Titelseite) die zum besten geben, dass man nichts zu berichten habe.
Seit man dann den vermeintlichen Coup landete mit dem Redaktionsgespräch mit Bischof Ackermann, bei dem dieser sich darstellte als hinge er nicht mehr dem christlichen Glauben an sondern einem promiskuitätsfördernden Fruchtbarkeitskult (alles ist gut und wertzuschätzen laut diesem - das Wort sträubt sich - Bischof: ob wechselnde Partnerschaften, außereheliche Beziehungen der meisten Art, nein nicht aller, wobei er allerdings nicht aufzeigte welche denn nicht - jedenfalls nach diesem Wasserschlag der Mainzer AZ, wollte man wohl gerne etwas draufsetzen und führte ein Interview mit Kardinal Müller.
Ausschnitte davon sind als Video hier zu finden.

Er habe an seiner Schule gelernt, dem Willigis-Gymnasium in Mainz, sagte der Kardinal unter anderem, wenn alle auf einen einschlügen auf dem Schulhof, solle man sich auf dessen Seite stellen. Es sei erschreckend wie man in Deutschland in den letzten Jahren nicht nur mit kirchlichen Personen umginge, gleich ob sie nun Fehler gemacht hätten oder nicht. (Schnitt im Video) Wie auch Bischof TvE in der Mainzer und Düsseldorfer Fastnacht behandelt worden sei, sei menschenunwürdig und das habe es leider auch schon in anderen Epochen gegeben, dass bestimmte Gruppen in Kabaretts und öffentlichen Veranstaltungen menschenunwürdig behandelt worden seien. Das habe nichts mehr mit Humor zu tun sondern sei Missbrauch der Fastnacht.

Leider nicht im Video, aber wohltuend fand ich den Satz, die Herren Zollitsch und Ackermann möchten doch einmal über die Bedeutung der Begriffe Kollegialität und Mitbrüderlichkeit nachdenken. (Leider kann ich den genauen Wortlaut nicht referieren, denn mein fußballbegeisterter Bruder ist leider vor mir an die Montagsausgabe der Zeitung gekommen ...)

Die AZ enthielt sich am Montag so gut wie aller Kommentare und das konnte nichts Gutes heißen. Wie schon geradezu erwartet, kam dann die große Abrechnung mit der Dienstagsausgabe:
"Müllers NS-Vergleich ist unerträglich".
Soweit ich weiß, ist das böse N-Wort in dem Interview ja gar nicht gefallen, es war allerdings von mehreren Epochen die Rede, in denen Menschen verunglimpft wurden. Sicherlich dürfte auch die NS-Zeit dazu zählen, aber man wird zahlreiche Beispiele finden, die auch einige hundert Jahre weiter zurückgehen. Natürlich meldet sich Wisiki zu Wort (das heißt nichts, dort hat man leider schon öfter dokumentiert, dass Textanalyse nicht zu den Stärken der paar hundert Mitglieder zählt). Der Mainzer Oberbürgermeister meine, der NS-Vergleich sei nicht statthaft - na ja, der Mann hatte wohl auch keine Zeit den Originaltext zu lesen. Johannes Gerster ereifert sich gar schröcklich, die Aussage sei nicht hinnehmbar - das Original kannte er wohl auch nicht, als er sich erregte (so sind sie leider die Politiker, schön öffetnlichkeitswirksam drauhauen, ist doch egal, ob es stimmt oder nicht).
Und dann haben wir noch Herrn Andreas Schmitt, Sitzungspräsident der Mainzer Fastnacht, der gerne als Ordinariatsmitarbeiter geannnt wird (er ist in der EDV), es sei "unfassbar den Urgedanken der Fastnacht mit Mesnchenjagd in der Nazizeit gleichzusetzen". - Also Herr Schmitt hat sich auch nicht die Mühe gemacht genau hinzulesen oder hinzuhören, denn genau das sagte doch der Kardinal, dass so etwas dem Urgedanken der Fastnacht widerspräche!! Somit ein Missbrauch desselben. Herr Schmitt sagt er habe es dreimal gelesen. Hmmm. Es soll ja Erkrankungen geben, bei denen man die Wörter zwar wahrnimmt aber den Inhalt nicht mehr erfasst. Hmmm. Andererseits wer hätte dann seine Fastnachtsvorträge geschrieben? Hmmm, hmmm, hmmm. Fromm fügte er hinzu, er bete für Fehlgeleitete, auch für Kardinal Müller.
Lesen zu können, scheint immerhin Kabarettist Lars Reichow, er formuliert vorsichtiger, was man tatsächlich aus den Worten des Kardinals herauslesen kann, allerdings - bitte - kann ihm jemand ein Buch über den katholischen Widerstand  im Dritten Reich schicken? Es muss doch sowas geben. Er meinte, der sei von vielen Menschen vermisst worden, der Widerstand. Von den Hunderten in KZs ermordeten Priestern und Ordensleuten und den Tausenden ebendort ermordeten Ehrenamtlichen scheint er nie etwas gehört zu haben. Nichts von P. Naab und dem Versuch mit Hilfe eines mutigen Verlegers ein kleines Gegengewicht zur Desinformation zu schaffen, wofür jener mutige Zeitungsmann, der gar nicht lange vorher zum katholischen Glauben konvertiert war, ermordet wurde. Ach, die Liste ist lang. Herr Reichow weiß nichts davon.
Herr Jürgen Dietz ist der Auffassung der Kardinal habe versucht, ihm einen Maulkorb anzulegen, dabei ist er nicht einmal erwähnt worden und es ist die Frage, ob er überhaupt kritisiert wurde.

Und seitdem überschlagen sich die Leserbriefschreiber über den "weltfremden" Kardinal, der die Mainzer Fastnacht nicht verstehe. Dabei hat er sie verstanden, aber leider scheinen deren Funktionäre vergessen zu haben, was sie einmal war: eine Möglichkeit, den Mächtigen einen Spiegel vorzuhalten? Wer ist denn mächtig? Ein Bischof, neu ernannt, der von manchen seiner Mitarbeiter unklug beraten von andern willentlich hintergangen und verleumdet wurde, der sein Amt derzeit nicht ausübt, über den landauf landab Lügen verbreitet wurden? Ja, es hätte da interessante Themen für die Mainzer Fastnacht gegeben: wie die Presseleute eine gewisse Badewannenfalschmeldung von einander abschrieben ohne einmal nachzuprüfen, ob sie stimmt. Wie die Auflage über die Wahrheit ging. Wie dem eigenen Machtrausch alles willkommen war, selbst Morddrohungen gegen die völlig unbeteiligte Familie des Bischofs. Wie viele öffentlich äußerten, ihnen sei völlig egal, ob der Bischof in Wirklichkeit völlig unschuldig sei, er müsse weg, dafür sei jedes Mittel recht? Eine Fundgrube für Fastnachtsvorträge, die Eigennutz, Selbstgerechtigkeit, Gier nach Ruhm und Auflage entlarven. - Aber was blieb: die x-te Auflage von der unwahren Badewannengeschichte. Kläglich!!!!




Samstag, 22. Februar 2014

Das Gleichnis vom modernen Hirten

Ein Hirte hatte 15 Schafe. In den offiziellen Dokumenten stand zwar, dass es 100 in seiner Herde gebe, aber er war ein sehr respektvoller Hirte, darum hätte er es sich nie einfallen lassen, tatsächlich irgendein Schaf zu zwingen, sich in die Nähe der andern zu gesellen und um erst gar keinen Verdacht aufkommen zu lassen, dass er es nicht ernst meine, hatte er auch schon längst die Hürdenzäune abgerissen, die die Schafe hätten einengen können. Auch gebrauchte er keinen Stock oder Stab, das wäre ja Schafsmissbrauch und Bedrohung gewesen. Wenn ein Schaf davonwanderte, hielt er es nicht auf, das wäre ja Manipulation gewesen. Man konnte schließlich auch vertrauen, dass der sichere Instinkt der Tiere sie garantiert zu den besten Weiden führen würde, den für sie persönlich besten. Da durfte er als Hirte sich nicht einmischen.
Indem er den Schafen so ihren freien unbeeinträchtigten Willen ließ, blieb ihm auch genügend Zeit sich um andere Tiere zu kümmern. Jedes, ob Schwein, Hund, Ratte, Kuh oder Wolf sollte sich in seiner Herde wohl fühlen. Schafe, die vor anderen Tieren zurückscheuten, waren in seiner Herde ohnehin fehl am Platz, besser dass die sich eine andere suchten.
Dummerweise die Hirtenorganisation aber auch noch dieses antiquierte Leitbild, dass ein Hirte wenigstens einmal jährlich ein verirrtes Schaf heimholen solle. Verirrt! Die Tiere waren doch selbständig! Und dann wollte man da auch noch plötzlich eine Übersicht, in welchem Zustand wieviel seiner Schafe seien.
Missmutig betrachtete er die fünfzehn in der Nähe. Verlauste Tiere, die nicht so selbständig wie die anderen waren, die sich glücklich ihr eigenes Futter weit weg suchten. Manche wollten sich sogar an ihn drängen; die merkten nicht, wie sehr er gerade sie verabscheute.
Aber jetzt brauchte er ein paar Vorzeigeschafe mehr. Er griff zum Fernglas. Ja, da waren ja welche! Hmmm, sah aus also ob der 5er-Trupp am Hang weiter weg zu der Nachbarherde war. Das würde nur Ärger geben, wenn er die holen würde. Und die zwei da an dem Teich. Ungünstig, die waren ziemlich bissig, ließen ihn sowieso nicht in die Nähe. Es half nichts, er musste sich aufmachen, um irgendwo ein paar seiner Schäfchen ausfindig zu machen. Irgendwo hatte er doch noch Leckerbissen. Die verteilte er sonst nicht, die dummen 15 mussten schließlich lernen selbständiger zu werden. Er packte die guten Brocken ein und ging auf die Suche.
Drei Tage lang suchte er. Er sah einzelne der offiziellen Herdenschafe, aber die meisten ergriffen bei seinem Anblick die Flucht. Dumm, dumm - er musste einen Erfolg vorzeigen.
Da stieß er auf die Rettung: vier halbwilde Hunde. Er wusste wie man die anlocken konnte. Die kamen sofort, wenn man ihnen Futter zeigte und schließlich gehörten in seine Herde alle Tiere. Also lockte er die Hunde mit ein paar Essensresten um sie seiner Herde zuzuführen.
Auf dem Weg zurück gewöhnte er sich richtig an seine neuen Tiere. Nur unglücklicherweise stellte sich heraus, dass er bei seinem Wohnsitz, wo die 15 Schafe, ach nein, 14 waren es noch, kläglich mähend herumstanden, die Vorräte aus und er hatte nichts mehr und seinen neuen Hundeschafe fingen an, ihn anzuknurren.
Die Lage war misslich. Gerade da hörte er das klägliche Blöken. Schaf Nr. 15, ein besonders unselbständiges Exemplar, hatte sich in einem Dickicht verfangen. Es schien auch verletzt. Warum sollte das Tier unnötig leiden? Schnell befreite er es von seinem Elend und überließ den Kadaver seinen neuen Herdentieren. Eins weniger, drei dazu. Das war doch schon mal ein guter Anfang.

Donnerstag, 13. Februar 2014

Ich wage einen Aufbruch

- und zwar in einem Feld, das in der deutsch-katholischen Kirche sträflich vernachlässigt worden ist und über welches offenbar auch unter Bischöfen eine eklatante Ignoranz besteht - zum mindesten nach dem zu urteilen, was Bischof Ackermann von Trier da letztens bei der Mainzer AZ vom Stapel gelassen hat.
Auf seine Abkehr von etlichen katholischen Lehrmeinungen will ich hier gar nicht eingehen. (Auch das deutsche Theologiestudium ist bekanntermaßen sehr defizitär was  Grundlagenarbeit und umfassende Information angeht.)
Doch Bischof Ackermann hat sich auch zu einer Frage geäußert, die eben nicht nur eine moralische Komponente hat sondern auch eine medizinische: er meint doch allen Ernstes, eine Unterscheidung zwischen natürlicher und künstlicher Empfängnisverhütung sei künstlich!!! Ich kann das eigentlich nur noch als frauenverachtende Äußerung werten. Denn die Frauen sind es, die fast die ganze Wucht und einen Großteil der Folgen der künstlichen, insbesondere der hormonellen Empfängnisverhütung zu tragen haben. Die Folge der hormonellen Mittel sind nämlich nach wie vor ein erhöhtes Brustkrebsrisiko, zahlreiche Herz-Kreislauferkrankungen, Schilddrüsenerkrankungen, Bindegewebsschwäche mit Krampfadern und Folgen bis hin zu Gallenoperationen und Totaloperationen sowie depressiven Störungen. Über all dies lässt sich mehr erfahren, wenn man zum Beispiel unter dem Stichwort der "Östrogendominanz-Syndrome" recherchiert.

All das kann simpel eliminiert (bzw. das Risiko sehr stark abgesenkt) werden durch eine natürliche Empfängnisverhütung.
Viele Frauen wissen inzwischen um diese Risiken - aber sie sehen sich außerstande, ihren Partnern klarzumachen, dass sie diese Risiken lieber nicht eingingen. Aus Angst deren Zuneigung zu verlieren, nehmen sie lieber Erkrankungen in Kauf, die ja auch erst zwanzig bis dreißig Jahre später voll zum Ausbruch kommen werden. Das erscheint weit weg.

Nun befürwortet - und das wissen inzwischen viele schon gar nicht mehr - die katholische Kirche eine natürliche Empfängnisregulierung. 
Man sollte meinen, dass man in kirchlichen Informationen und Einrichtungen regelmäßig niedrigschwellige Hinweise und Informationen dazu fände - aber Fehlanzeige!
Glücklich wer geschickt im Internet recherchieren kann - aber viele, auch Jüngere, sind in gezielter Recherche gar nicht so geschickt. Und wie soll man auch nach etwas suchen, von dessen Existenz viele gar nicht wissen?

Ich habe gezielt recherchiert und bin - traurig wie es ist - für einen Umkreis von 100 km um meinen Wohnort nur auf 2 Personen gestoßen, bei denen Informationen in Fragen NER oder NFP zu erhalten sind. Eine davon habe ich angerufen und herausgefunden, dass das Familiendezernat meines Bistums tatsächlich schon gelegentlich einen Kurs mit dieser Frau abgehalten habe. Allerdings sei die Teilnahme sehr gering gewesen.

Hier ist wieder einmal ein Beispiel für völlig gescheiterte kirchliche Logistik. Ein Dezernat setzt einen Kurs an und gibt ihn in Broschüren  bekannt, die falls überhaupt in einem Stapel von 50 anderen Broschüren anderer Dezernate in den Pfarreien landen und dort möglicherweise in einem weitgehend ungeordneten Wust von Papier am "Schriftenstand" hinten in der Pfarrkirche vergilben, wo man ohnehin kaum Licht hat, um etwas in Augenschein zu nehmen.
Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Gottesdienstbesucher oder gar ein Kirchenbesichtigungsbesucher sich das entsprechende Programm greift und auf Seite 23 oder 37 oder 54 den Kurshinweis findet, dürfte gegen Null gehen.
Für den Kurs wurden Räume in Bildungshäusern angemietet. Die sind teuer und müssen sich durch genügend Teilnehmer tragen. Infolgedessen wurden die raren Kurse für die wenigen, die die Information fanden, dann wegen Teilnehmermangel abgesagt.

ABER - ich kann etwas tun. Denn ich habe eine Naturheilpraxis.Und einen Raum dort, in dem sich eine Veranstaltung für bis zu 10 Teilnehmer problemlos abhalten lässt. (-> keine Buchungskosten, kein Absagezwang)
Ich habe mit der Referentin zur NER einen Termin ausgemacht für einen Einführungsvortrag.

Zu diesem Vortrag (ich nehme es mal als Fastenopfer) werde ich eine kleine Anzeige im Mitteilungsblatt der Verbandsgemeinde schalten über einen Vortrag mit dem Thema Natur statt Hormone in der Empfängnisregulierung (oder so ähnlich).

Unsere Pfarrei hat einen vierteljährlich erscheinenden Pfarrbrief. Ich werde versuchen, mich dort als Ansprechpartner für Fragen der Natürlichen Empfängnisregulierung eintragen zu lassen, denn der Pfarrbrief kommt in ALLE nominell katholischen Haushalte, nicht nur zu den Kirchenbesuchern. Und auch wenn erst einmal niemand reagiert. Irgendwann werden Frauen, denen es mit ihren hormonellen Mitteln nicht gut geht (und das sind einige) und die jetzt eine Adresse vor Ort haben sich doch einmal beim Experten (Heilpraktikerin) erkundigen, wie denn eine Alternative aussehen könnte.
Falls sich mehrere Interessenten finden, kann ich in meinen eigenen Räumlichkeiten einen Kurs mit der geschulten Dozentin dazu anbieten, ohne dass dafür viel zu organisieren wäre.

Und natürlich müssen dann entsprechende Informationsmaterialien greifbar und ansehbar vorhanden sein.

Ich bin mir sicher, auch in anderen Pfarreien wäre eine ähnliche kleine Basisinitiative ohne große Mühe möglich:
Es braucht nur in möglichst vielen Pfarreien jemanden, der sich mit einem der Multiplikatoren für NER oder NFP in Verbindung setzt, sich etwas Informationsmaterial besorgt, evtl. einmal an einer Informationsveranstaltung selbst teilnimmt und sich bei den vielen Verantwortlichen in den Pfarrmitteilungen als Ansprechpartner für NER und NFP aufführen lässt.
Das wird auf Dauer mehr ins Bewusstsein bringen, dass es so etwas wie eine natürliche Empfängnisverhütung/Familienplanung gibt und dass diese von der katholischen Kirche - aber nicht nur von dieser - gefördert wird. Es werden sich Interessenten finden. Es wird Frauen und Familien geholfen werden und möglicherweise sogar ein paar Ehen retten.
Das wäre eine Initiative für Laien, die von diesen getragen wird. 
Aber schön wäre es, wenn auch Pfarrer sich einmal die Mühe machten, einen Inforationsveranstaltung zu besuchen, damit sie guten Gewissens eine Empfehlung dazu aussprechen können und  nicht aufgrund völliger Ignoranz der Materie, wie ein gewisser Bischof, der sich offenbar im Beifall der Medien sonnen möchte, mit Äußerungen zur Schau stellt, die niemandem helfen aber seinen Mangel an echtem Interesse und Informiertheit verraten.

Montag, 10. Februar 2014

Auch ich habe geantwortet

... auf die Weitergabe des Fragenkatalogs zur Bereitung der Synode zur Familie. Nur um zu illustrieren, was dabei wirklich herauskam, fasse ich das mal zusammen.
(Ja, natürlich auch, dass die meisten nominellen Katholiken nur eine sehr flüchtige Ahnung von katholischer Lehre haben und infolgedessen sich auch gar nicht an etwas halten können, das sie nicht kennen (im Sinne von damit vertraut sein nicht im Sinne von schon mal irgendwie was gehört haben). Deutlich wird vor allem eins: das fast völlige Versagen der deutschen Bischöfe in Bezug auf Lehre, Katechese und simple Informationsvermittlung.)

In Punkt 1 wurde gefragt, inwieweit die Aussagen der Heiligen Schrift und des Lehramtes in Bezug auf die Familie bekannt seien und wie "Gaudium et spes" und "Familiaris consortio"angenommen werden.

Antwort:
Manche haben schon den Ausdruck "Gaudium et spes" gehört und wissen dass das irgendso ein Dokument ist, einige wenige wissen, es ist ein Konzilsdokument. Den Inhalt kann niemand auch nur grob zusammenfassen (studierte Theologen vielleicht ausgenommen). Von der Existenz von "Familiaris consortio" wissen auch nur wenige Eingeweihte. In Pfarrei und Religionsunterricht wird das nicht erwähnt, man stößt höchstens in Studium oder Eigenstudium darauf. Die Heilige Schrift wird selten von jemandem außerhalb des Gottesdienstes aufgeschlagen

Ehevorbereitungskurse
Es soll so etwas geben. Eigentlich kenne ich nur ein Paar, das an so etwas teilgenommen hat, die waren in einer geistlichen Gemeinschaft. Erwähnt wird es eigentlich nie und nirgends so dass man wüsste, was das überhaupt soll außer unnötig Zeit kosten, wo doch schon soviel Praktisches vorzubereiten ist für die große Feier.

Kirchliche Lehre zur Sexualität
Nur Bruchstücke sind bekannt. Das, was bekannt ist, wird oft nicht angenommen bzw. abgelehnt, da auch die Verantwortlichen bei Erwähnung solcher Fragen (falls überhaupt) sich meistens auch ablehnend dazu äußern. Daher werden sie nur von einigen wenigen praktiziert, obwohl generell eine Bereitschaft da ist, mehr zu akzeptieren, wenn es nur entsprechend einsichtig erklärt würde. Man weiß nicht, warum man sich daran halten sollte. Es scheint keine Notwendigkeit irgendeiner Art dazu zu bestehen.

Katechesen über die Familie gibt es nicht in meinem Erfahrungsbereich.

Was es gibt, sind vage Vorstellungen, dass die Kirche gegen alles sei, was fast jeder tut: sexuelle Beziehungen wie und wann jeder es für sich für richtig hält und Einsatz beliebig gewählter Mittel. Man weiß, dass die katholische Kirche Verhütung jeder Art ablehnt (Natürliche Familienplanung ist im Grunde ein Fremdwort). Man versteht nicht, was da angeblich gefordert wird.

Kulturelle Faktoren, die der katholischen Lehre entgegenstehen sind mir eigentlich nicht bekannt. Viel Kultur gibt es ja eigentlich auch nicht..


Im zweiten Fragenkatalog ging es um "Ehe nach dem Naturrecht"
Welchen Raum nun der Begriff des Naturrechts in der weltlichen Kultur einnimmt, hört sich irgendwie nicht nach einer Frage für den normalen Kirchgänger an. Dieser vermutet, dass mit Naturrecht das gemeint ist, was natürlich ist, zum Beispiel eben auch das Männer und Frauen heiraten und nicht in anderer Kombination. Zumindest ergaben das Nachfragen in meiner Umgebung. Die einhellige Meinung in Bezug auf andere Konstellationen war: "Ich hab nichts gegen die, sollen die doch machen, was sie wollen, aber dass das normal sein soll, können die mir nicht weismachen." Inwieweit jemand es noch wagen würde das öffentlich zu wiederholen, ist inzwischen schwer zu wissen. Wie dieses Naturrecht in kirchlichen Einrichtungen vertieft dargelegt wird, weiß ich nicht, davon habe ich noch nicht gehört.
Interessant ist die vierte Frage, wie man sich verhalten solle, wenn nicht praktizierende oder sich klar als ungläubig bezeichnende Getaufte eine katholische Eheschließung wollen. Da wäre ausführliche Aufklärung und Verhinderung von unüberlegt gemachten Versprechen wohl sehr dringend am Platz.Und dazu wären Handreichungen und klare Vorgaben sehr hilfreich, statt die Ortspfarrer mit dem Problem irgendwie wursteln zu lassen.

Dritter Komplex: Familienpastoral im Kontext der Evangelisierung
Evanglisierungsauftrag der Ehepartner und Familien? - Darf ich einmal laut lachen. Außer in diversen Gemeinschaften würde man vermuten, dass wer von so etwas redet zu einer Sekte gehört.
Gebetsformen für die Familie? - Habe in 40 Jahren nur von einer Familie gehört, in der zusammen gebetet wurde, einmal abgesehen von Tischgebetsformeln und dem Nachtgebet mit Kleinkindern.
Umsetzung der Berufung zur Weitergabe des Glaubens? - Manche Eltern wären sehr dankbar, wenn ihnen jemand eine Hilfe gäbe, wie sie etwas erklären sollen, von dem sie selbst nur wenig wissen.
Verbreitung einer glaubwürdigen ganzheitlichen Sicht durch Ehepaare und Familien ? - Viele haben sich sicherlich bemüht. Gewöhnlich ohne eine Unterstützung, manchmal torpediert durch kirchliche Angestellte, die ihren Kindern und ihnen selbst Verhaltensweisen nahelegten, die nicht mit der kirchlichen Lehre übereinstimmen. Gelungen ist so etwas sehr sehr selten, oft zum großen Schmerz der Eltern.
Unterstützung der Kirche für Ehepaare in Krise? - Es soll da so Beratungsstellen geben. Wer intensiv sucht, findet sie wohl. Meist wird Ratsuchenden beschieden, so sollten das tun, womit sie sich am besten fühlen, weil krampfhaft gefürchtet wird, man könne sich beeinflussend in eine Gewissensentscheidung einmischen oder derartiges.

Vierter Komplex: Pastoral in schwierigen Ehesituationen
Ob es Leute gibt, die ohne Ehe zusammenleben und wenn ja wieviel? Na sicher. Sehr viele.
Wieviel getrennt Lebende und Wiederverheiratete es gibt? Und ob es dafür Pastoralpläne gibt? - Wenn es weche gibt, vor Ort hört man nichts davon.
Ist es diesen gleichgültig oder leiden sie unter ihrer Situation? Es gibt alle Varanten. Ältere sind sich der Ambivalenzen stärker bewusst. Jüngere ignorieren sie zum Teil völlig. Und die Sakramente holt man sich, wie man will. Man sieht auch keinen logischen Grund, etwas nicht zur Kommunion gehen zu können, da viele Pfarrer bei Familienfeiern freundlich auch Nichtkatholiken zum Kommunionempfang einladen und wenn die ohne Beichte und unabhängig von anderen Lebensumständen eingeladen sind, warum dann Katholiken nur weil sie irgendwelche Regeln, die ihnen ohnehin böhmische Dörfer sind, nicht einhalten durften?
So sieht man das dann.
Wie eine Straffung von Annullierungsverfahren helfen könne? etwas speziell die Frage
Pastoral, die Wiederverheiratete und Geschiedene unterstüzt? Nein, die sind sich selbst überlassen wie alle anderen auch. Wie die Familien, die Alleinstehenden usw. - Punktuell mag es so etwas schon geben, aber nicht in der normalen Pfarrei.

Fünfter Komplex: Gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften
Frage nach der zivilen Gesetzgebung und der kirchlichen Haltung dazu
Pastorale Aufmerksamkeit für diese Personen? - Wie gesagt, echte pastorale Aufmerksamkeit gibt es für keinen. Wer sollte die auch leisten? Es gibt ja niemanden, der die Laien dazu ermutigt und aufbaut und die Pfarrer protestieren doch ständig nur, was ihnen sowieso schon alles zugemutet wird.
Glaubensweitergabe an Kinder in gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften? Die scheitert ja schon zum großen Teil in den Familien.

Sechster Komplex: Kindererziehung in irregulären Lebensgemeinschaften
Was man denn für deren geistliches Wohl tue? - Na ja, genauso viel bzw. wenig wie für das anderer ...

Siebter Komplex: Offenheit der Eheleute für das Leben
Wie gut Humanae vitae bekannt ist? - Wer  damals lebte, bekam die Enzyklika evtl. in der Kirche vorgelesen und hat eine gewisse Ahnung davon. Wer später geboren ist, weiß vielleicht, dass es da doch um die Pille ging. Und das war es dann so ziemlich. (Ausnahmen gibt es immer, besonders in geistlichen Gemeinschaften)
Akzeptanz? - Was man nicht kennt, kann man auch schlecht akzeptieren.
problematischste Aspekte? - Zu allererst, dass es sehr schwierig ist, überhaupt eine Einführung zu bekommen.
Welche natürlichen Methoden der Geburtenregelung im Bistum gefördert wird? - Öh, keine? Ich habe nie auch nur schriftliches Material dazu gesehen. Auf keiner Tagung. In keinem Bildungshaus. In keiner Pfarrei.
Beichte in Zusammenhang mit der Empfängnisverhütung? - In unserem Bistum beichten regelmäßig vermutlich noch ein paar hundert Leute ... Wer das überhaupt noch tut, für den könnte das durchaus eine Frage sein.

Gegensätze weltliche Erziehung und Lehre der Kirche: viel gegensätzlicher geht es kaum. Leider wird die Lehre der Kirche auch von ihren eigenen Leuten nicht dargelegt und/oder lächerlich gemacht und/oder die weltliche Positon völlig übernommen.
Wie man einen Anstieg der Geburtenrate fördern könne? - Gute Frage.

Achter Komplex: Beziehung Familie - Individuum
Offenbarung Christi in der Familie? - ?????
Familiensituationen die eine Christuserfahrung behindern? - Trennung der Eltern, Wiederheirat, Streit, mangelnde Wertschätzung ...
Wie wirken sich Glaubenskrisen Einzelner auf das Familienleben aus? - heftig, weil es nirgends ein stützendes Umfeld gibt. Die gläubige Großelterngeneration anderer Länder besteht hier meistens nur noch in gläubigen Urgroßeltern, falls vorhanden und verfügbar. Die Großeltern waren die 68er-Generation. Ein paar haben sich da bekehrt inzwischen, aber das ist ein Tropfen auf den heißen Stein.



Sonntag, 19. Januar 2014

Drahtseilakt Familiensonntag mit Bauklötzen

Heute ist also Familiensonntag (hab es gerade nachgesehen), vorgegebenes Thema "Drahtseilakt Ehe". Auf dem Kirchenzettel stand das nicht.
Was da stand war ganz harmlos "Familiengottesdienst" - und ich hatte ja nicht draufgeguckt aber manchmal gehen die.
Was nicht da stand war, dass der Gemeindereferent die angehenden Kommunionkinder dazu geladen hatte. Von denen etwa die Hälfte fehlte, weil die einen im Kino wegen Kindergeburtstagsfeier und die andern auf einem Fussballspiel waren (die für Kinder sind oft sonntagvormittags).

Es war NICHT der grausigste Gottesdienst, in dem ich je war; das war vor vielen Jahren der, nachdem einer der Veranstalter meinte, nach dem Chaos jetzt , wäre es doch nett noch einen richtigen Gottesdienst zu haben.
Es war noch nicht einmal einer der nächstschlimmsten sondern einer aus der großen Gruppe danach, dem Verfolgerfeld.

Als mich 10 min vor Beginn die Geräuschkulisse traf wusste ich, dass ich einen Fehler gemacht hatte, aber es war zu spät.
Eröffnung: "Aufstehn! Aufeinander zugehn!" - kann sein, dass die Ausrufezeichen nicht im Liedtext standen, es gab nicht genug Zettelbücher (illegal kopiert) für alle. Wer hält sich in den Gemeinden schon an die Vorschriften der GEMA.

Die Befehlskette ging weiter: "Lasst uns miteinander!" statt Gloria.
Später "Zieh den Kreis nicht zu eng!"
Kurze Info, dass Familiengottesdienst, man aber den Drahtseilakt Ehe in einen Balanceakt Familie verändert habe.
Statt Predigt Transport eines Klötzchenturms von vier Jungen, bis der an 3 Stufen zusammenstürzte mit Kommentar des Gemeindereferenten.

Statt Agnus Dei "Da berühren sich Himmel und Erde". Nichts gegen das Lied, aber es ist kein Agnus Dei, nicht einmal ein Substitut von Friedenslied.
Und da die Kommunionkinder da waren fehlte natürlich wieder das Zwischengebet beim Vaterunser, die dürfen damit einfach nicht belastet werden, vermute ich.

Bin dann beim Schlussbefehlslied vorzeitig gegangen. Schon eine reife Leistung mit zwei Ausnahmen nur Apell-Lieder zu singen.
Und dann kriegen gewisse Leute Gehorsamsaversion. Man kann es fast verstehen.


Samstag, 11. Januar 2014

Furore um eine Petition

Gestern wunderte ich mich noch über das extravagante mediale Interesse an dem Coming-out eines Ex-Profi-Fussballers, den ich nicht kenne und dessen sexuelle Präferenzen mich in keiner Weise interessieren -spätestens heute zeigt sich des Rätsels Lösung. Zumindest stellt die ein oder andere Tageszeitung gleich hilfreich den Zusammenhang her: es geht um die Petition von Eltern in Baden-Württemberg mit dem Titel  Zukunft-Verantwortung-Lernen-kein-Bildungsplan-2015-unter-der-Ideologie-des-Regenbogens, die bisher von 94.000 Menschen unterzeichnet wurde.

Zur genaueren Information bitte den Text der Petition nachlesen.

Ab 2015 soll in Baden-Württemberg ein neuer Bildungsplan für allgemeinbildende Schulen gelten.Explizit hält die Petition fest:
"Wir unterstützen das Anliegen, Homosexuelle, Bisexuelle, Transgender, Transsexuelle und Intersexuelle nicht zu diskriminieren. Bestehende Diskriminierung soll im Unterricht thematisiert werden. "  .

Worum geht es also, wenn nicht um das Thematisieren, dass herabsetzendes Verhalten gegenüber Menschen anderer Überzeugungen generell nicht gut ist? Wobei es durchaus sinnvoll ist, da auch die LSBTTI-Gruppe explizit zu nennen aber eben nicht nur diese. Diskriminierung gibt es gegen viele und vieles. In manchen Fällen kann ein "falscher" Pullover zum Anlass zum Mobbing unter Schülern werden. Hier für ein mitmenschlicheres Verhalten zu sorgen, würde die Unterstützung aller finden.

Darum fordert die Petition u.a. "Wir fordern… 
…ein klares Zeichen der Bildungsplankommission zu einer verantwortungsbewussten Sexualpädagogik und ein „Nein“ zur Überbetonung einzelner Gruppen und ihrer Interessen. "

Gerade die Sexualpädagogik ist ein sensibler Bereich. Für viele Jugendliche (und Kinder) ist es in keiner Weise hilfreich, sich mit allen (ja, wirklich allen, so sehen es solche Pläne meist vor) existierenden Sexualpraktiken ausführlich beschäftigen zu müssen. Für viele ist das eine Traumatisierung.
Wenig sinnvoll erscheinen mir auch Forderungen, wie sie gewöhnlich im Umfeld solcher Agenden erscheinen, diese sexuelle Praktiken in davon unabhängigen Fächern wie zum Beispiel Mathematik zu thematisieren: z.B. als Textaufgabe getarnt (statt: "Frieda fährt mit ihrer Freundin Isa von A nach B ins Kino, dabei machen sie halt in C." müsste man dann plötzlich lesen, dass die beiden unbedingt eine Bar für Lesben aufsuchen müssen.)

Weiterhin wird in der Petition bemängelt, dass in bisherigen Umsetzungen leider gewöhnlich vermieden wurde, auf besondere gesundheitliche Gefährdungen durch verschiedene sexuelle Praktiken (die alle ohne Ausnahme als gut und zum Ausprobieren empfohlen werden) verzichtet wurde. Links zu den Originaltexten mit den Absichten der Landesregierung finden sich am Ende der Petition. Dort findet sich weiterhin eine lange Liste von Pro- und Contra- Stimmen.

Höchst bedenklich finde ich, dass die 94.000 Unterzeichner von Zeitung und Fersehsendern in den letzten 24 Stunden als irregeleitet, als Extremisten, Fundamentalisten usw. diffamiert wurden. Und das obwohl wie oben angeführt klar festgehalten wird, das man sich selbst gegen Diskriminierungen in dieser Frage wendet.

Eine Regionalzeitung, die ich kenne, stellte übrigens einen klaren Zusammenhang zwischen dem Eltern- und Lehrerprotest und jenem Coming-out her; in einer begleitenden Karrikatur zu dem Text, in der die unterzeichnenden Eltern und Lehrer wie oben angegeben beschimpft wurden, schießt jemand einer Person in einer Menge, die jemanden beschimpft, einen Fußball an den Kopf.
Nun beschimpft die Petition gar keinen, auch wenn die Presse das behauptet. Aber der Karrikaturist war sich offenbar des Zusammenhanges vom medialen Bruhaha um das Sexleben eines Fussballers und der Diffamierung einer legitimen Petition und deren Unterzeichnern bewusst. Noch dazu wurde im Artikel unterstellt, der Elternprotest habe sich erst am Coming-out jenes Fussballers entzündet, was nachweislich nicht den Tatsachen entspricht.

Freitag, 10. Januar 2014

ist schon 1. April?

Ich stieß heute morgen auf die große Schlagzeile auf S. 2 der Zeitung, dass es in russischen Zeitungen verwerflicherweise keine Titelmeldungen gegeben habe, dass der Sportler Keine-Ahnung-wer-das-sein-soll sein Coming-out gehabt habe.
Kein Hinweis wer das ist und was für ein Sport. Irgendwie hörte sich der Name so gar nicht russisch an, aber offenbar hätten die Russen darüber breit berichten sollen.

Ach, es ist ein deutscher Ex-Fußballer?
Warum ist das bitte wichtig? Na okay, auf der Boulevardseite stehen öfters so Meldungen wer gerade mit wem oder nicht mehr mit wem. Oft kenne ich die Namen auch nicht. Aber was soll der Schrott auch noch auf Titelseiten? Muss man uns da jetzt mit dem Sexleben von allen Halb- bis Hundertstelprominenten drangsalieren?
Und warum sollten jetzt gerade die Russen über so einen deutschen no-name berichten?




Dienstag, 7. Januar 2014

Die Sache mit dem, was wer versteht, wenn der Papst etwas sagt

Das hier wollte ich schon länger schreiben. Denn hier geht es noch nicht einmal um eine freundlich gemeinte Äußerung des Papstes, der allzu strenge Geistliche in Argentinien meint, die es in anderen Ländern so gut wie gar nicht gibt, nein, es sind die Notizen für seine Ansprache vor dem Konklave.

Die interessanterweise auch missverständliche Stelle, auf die ich stieß, war diese: "Evangelisierung setzt apostolischen Eifer voraus. Sie setzt in der Kirche kühne Redefreiheit voraus, damit sie aus sich selbst herausgeht."

Wir sollten den Text in einer Gruppenarbeit durchgehen; anwesend waren Vertreter verschiedener kirchlicher Gruppierungen.

Mein Ergebnis bei dieser Passage war: "Wir müssen lernen, wieder mutiger über das Evangelium zu sprechen, auch da, wo man meint es nicht hören zu wollen. Das braucht Eifer, weil es Widerstände gibt."
Ja, das lese ich da.

Nun gab es aber auch eine Reihe kirchlicher Angestellter unter den Vertretern und die verstanden da etwas völlig anderes, nämlich: "Es muss endlich Schluss damit sein, dass wir als kirchliche Angestellte nicht unsere der Lehrmeinung widersprechende Meinung offen äußern können, ohne um unseren Job fürchten zu müssen. Der Papst will das endlich ändern und so die Freiheit des Evangelium verwirklichen."

Kein Witz. Keine Satire. Als ich und noch jemand unsere andere Auffassung vortrugen, wurden wir verwundert angesehen. Aber es sei doch eindeutig, der Papst wolle, Schluss machen mit der unsinnigen Diktatur kirchlicher Lehrmeinungen, die Leute wie sie quasi zum Heucheln auf ihren Stellen zwängen.

Wenn ich daran zurückdenke, fällt mir nur noch die Bibelstelle ein von denen, "die hören und doch nicht hören, sehen und doch nicht sehen", weil sie in ihren Denkschemata völlig verhärtet sind und der Heilige Geist keine Chance hat, da durchzukommen.

Und, nein, das waren keine schrecklichen Leute. Die waren ganz nett, so für sich und meinten es gut. Sie stecken nur in diesem Denken fest.

Montag, 16. Dezember 2013

Kennen Sie den?

Geht Hans Meier zum Arzt und schildert ihm seine Beschwerden: „Herr Doktor, mir ist ganz schwach und übel, die Nase läuft, alles tut weh, der Husten fängt an und Fieber habe ich auch. Ich brauche wohl eine Krankschreibung.“
„Aber nicht doch“, ruft der Doktor aus, „ heute morgen waren noch neun andere von den Angestellten aus Ihrem Betrieb bei mir. Alle mit den gleichen Erscheinungen. Da werde ich Sie doch nicht unbarmherzig aus der Produktionsgemeinschaft ausschließen! Da das nun einmal Ihr Zustand ist, erkläre ich ihn als normal gesund.“

Wie, Sie meinen Hänschen Meier würde protestieren? Warum nur? Ach, Sie meinen der Arme fühlt sich so elend, dass er  gar nicht arbeiten will und kann und der Doktor solle mal lieber behandeln als merkwürdige Thesen formulieren.

Dann neuer Versuch:

Geht Erna Meier zum Arzt und schildert ihm seine Beschwerden: „Herr Doktor, nachts muss ich neuerdings öfters raus und ich hab jetzt so einen komischen Mundgeruch gelegentlich. Mehr trinken als sonst muss ich auch, aber das ist ja gesund, oder? Nur die Lauferei nachts nervt. Haben Sie da nicht was?“
„Hmm,“, sagt der Doktor, „und in Ihrem Blutbild sind ein paar Werte erhöht, so dass die offizielle Diagnose beginnender Diabetes lautet. Ich soll Ihnen da jetzt nach Vorschrift empfehlen, sich beim Essen stark einzuschränken und insbesondere möglichst Wasser statt Softdrinks zu sich zu nehmen.  Ziemlich unangenehm, ich weiß.“
„Was?“ ruft Erna Meier. „Mein tägliches Kaffeekränzchen kann ich unmöglich absetzen. Das haben wir auf Monate geplant und ausschließen – da kennen Sie meine Freundinnen nicht! Da würde ich meine sozialen Kontakte gefährden. Und die Cola brauche ich. Sehen Sie, Wasser KANN ich einfach nicht trinken, da wird mir übel. Sie sind doch Arzt, geben Sie mir einfach eine Tablette!“
„Ja, hmmm“, meint der Arzt, „da ginge es mir ganz wie Ihnen. Und ich habe auch was gegen diese verstärkenden Drohungen von offenem Bein, Grünem Star und Nierenschaden bis hin zur Dialysepflicht. Wenn schon dauert es Jahrzehnte bis so etwas auftritt. Wissen Sie was, ich gebe Ihnen hier ein paar Entwässerungstabletten, die Sie morgens einnehmen können und erkläre Sie als damit geheilt. Trinken Sie nach 16 Uhr einfach nichts mehr, dann sollte das lästige Aufstehen nachts wegfallen und genießen Sie Ihr Leben! Und über das, was da in 20,30 Jahren ansteht, machten Sie sich mal keine unnötigen Gedanken.“

Jetzt protestieren hier Ärzte? Also viele Erna Meiers würden aufatmen, wenn sie so eine Empfehlung bekämen. Wollen die denn die Leute quälen? Mit Verboten von Kuchen und Kaffeekränzchen? Mit Aufzwingen von sportlicher Aktivität usw.?

Warum erzähle ich sowas?
Viele Bistümer führen gerade eine Umfrage durch, bei der sie die vorbereitenden Fragen zur anstehenden weltweiten Synode zur Familie weitergegeben haben an alle erreichbaren Kontaktpersonen. Das Bistum Köln hat jetzt die Ergebnisse einer Umfrage veröffentlicht und es kam heraus: Viele Katholiken kennen die Lehre ihrer Kirche zu Familie und Sexualität nur periphär. Insbesondere kennen Sie keine Begründungen für Details dieser Lehre und sehr viele halten sich infolgedessen auch nicht an das, was die Kirche dazu lehrt.

Die Schlussfolgerung der Presse:
Da viele Katholiken sich einfach nicht um die Hinweise Ihrer Kirche kümmern - bzw. auch gar nicht wissen, wie sie an diese herankommen sollten - wie sie eine heile und gesunde Familie haben können sondern tun, was sie selbst für richtig erkennen können, sollte man endlich die Lehre ändern.

Da Erna Maier unmöglich auf Cola und Kaffeekränzchen verzichten kann, ohne zu leiden, müssen Behandlungsvorschläge zu Diabetes abgeschafft werden?


Da außer Hans Meier gerade auch fast alle anderen im Betrieb die Grippe haben wird Grippe als Zustand der Gesundheit definiert? 

Samstag, 14. Dezember 2013

Auf einer Dummheitsskala von 1- 10 ...

... scheinen viele den RTL-Wert zu erreichen. (Letzterer Wert wurde als Webfail schon jemandem zugeteilt, der meinte ein Fußballverein, der St. Pauli heißt, könne ja nur im Besitz der katholischen Kirche sein ...).

Immer wieder hört man ja, dass die Baumaßnahmen am Limburger Diözesanzentrum für damit in keinem Zusammenhang stehende Dinge zu Problemen geführt hätten: evangelische Kirchenaustritte, Caritas-Spenden und und und. Da war auch so ein unsäglich von geminderter Intelligenz zeugender Leserbrief in einer Zeitung, wie der Schreiber einen Wutanfall bekommen habe, weil das bischöfliche Hilfswerk XY nach dem Taifun als Sofortmaßnahme 10.000 Euro zur Verfügung gestellt habe. So eine Unverschämtheit! Nur so wenig, während doch in Limburg ... Dass eine wohltätige Organisation eine Planung für ihre Gelder hat, vorhandene Summen an Projekte zugesagt sind und auch wenn sie bischöflich ist, nicht auf die Immobilien von Bistümern innerhalb eines Tages zugreifen kann - kein Gedanke.

Und dann kam da jetzt ein Rundschreiben von Kirche in Not. Auch dort sah man sich in Bedrängnis. Denn der internationale Sitz liegt in Königstein in der Diözese Limburg, wo auch P. Werenfried begraben ist. Jetzt hatte man einen Gedenkgottesdienst feiern wollen, im Limburger Dom mit dem Bischof und offenbar schlug auch da das Unwissen einiger Zeitgenossen voll zu: Ob Spendengelder für den diözesanen Bau verwendet worden seien und ähnliche Verrücktheiten.

Ich habe allmählich den Eindruck, es brauchte ein paar Schlagzeilen:
FÜR DIE FINANZIERUNG DES DIÖZESANEN ZENTRUMS IN LIMBURG IN LIMBURG WURDEN FOLGENDE GELDER 100-%ig NICHT VERWENDET:

- GELDER WOHLTÄTIGER ORGANISATIONEN  (auch wenn die ihren Sitz im Bistum haben)
- SPENDENGELDER ALLER ART (auch wenn die an bischöfliche Werke gehen)
- KIRCHENSTEUERGELDER HÖHER ALS EIN BETRAG VON ca. 3 MILLIONEN (und die aus den Limburger Einnahmen und schon seit langen Jahren eingeplant)
- STAATLICHE STEUERGELDER

VERWENDET WURDEN:
- WERTBESTÄNDE DES BISCHÖFLICHEN STUHLS VON LIMBURG

UNTERSUCHT WIRD; OB MÖGLICHERWEISE VERWENDET WURDEN:
- STIFTUNGSGELDER DES BISTUMS DIE ANDERWEITIG ZWECKGEBUNDEN SIND (Das sind keine Spendengelder für Arme und Notleidende sondern Eigentum, das dem Bistum geschenkt wurde um den Erhalt von Gebäuden, Ämtern und kirchlichen Aufgaben  zu gewährleisten). 

Es sollte allmählich klar werden, dass breite Teile der Bevölkerung wirklich keine Ahnung haben, wie streng zweckgebundene Gelder gemeinnütziger Vereine unter staatlicher Aufsicht stehen und dass das Finanzamt regelmäßig Rückmeldungen über ALLE Transaktionen verlangt und die Gemeinnützigkeit sofort widerruft, wenn es da zu satzungswidrigen Unregelmäßigkeiten kommt. Irgendwie scheint die allgemeine Vorstellung zu sein, dass Gelder da völlig unkontrolliert verschoben werden können.

Und für diese Unwissenheit sind die Medien verantwortlich!!
Hätte es hier eine wirklich informative Berichterstattung gegeben, dann wäre die Öffentlichkeit nicht so peinlich uninformiert. Statt dessen hat man seitenweise Spekulationen und unrichtige Behauptungen und nicht der Sache Dienendes referiert. Angeblich um die Öffentlichkeit zu informieren. Ein echtes Armutszeugnis.
Sprich: die Medien haben die Öffentlichkeit in dieser Angelegenheit regelrecht verdummt. Etwas was man offensichtlich auch vom Programm eines gewissen Fernsehsenders annimmt, das mutmaßlich zu negativen Intelligenzleistungen beiträgt, die die eigentlich auf 10 limitierteDummheitsskala sprengen.

Samstag, 7. Dezember 2013

Der Wurstelheimer PGR

Um ein wenig zu verdeutlichen, wie es mit der demokratischen Repräsentativität so mancher Pfarrgemeinderäte bestellt ist, möchte ich hier die Notizen eines Wurstelheimer Gemeindemitgliedes zur Verfügung stellen:

1968
Das Bistum Weinstadt führt die Pfarrgemeinderäte ein.
Das Interesse in Wurstelheim ist groß. Endlich soll es mehr Mitspracherecht geben.Wie es genau laufen wird, weiß man noch nicht.
Natürlich ist klar, dass die Honoratioren, die den "Himmel" tragen und ähnliche angesehene Pfarreimitglieder da hineingehören.
Es gibt 30 Kandidaten. 12 werden direkt gewählt, 4 dazugewählt. Die Wahlbeteiligung ist hoch.
Vositzender wird der einzige Professor, ein Architekt. Dank seines gewichtigen Titels wird er auch Mitglied des Diözesanrates.
(Anmerkung: Eigentlich ist er nur Dozent an der FHS, hat nie promoviert oder habilitiert, darf sich aber aus irgendwelchen Gründen Professor nennen.)

1972
Die Rückmeldungen aus der ersten Amtsperiode sind gemischt: Es war alles sehr neu. Die eigentlichen Entscheidungen habe der Pfarrer mit dem Vorsitzenden getroffen, aber man habe über alles abstimmen dürfen.
Der Andrang zur Wahl ist wieder hoch: 25 Kandidaten: 12 gewählt, 4 dazu bestimmt. Gleicher Vorsitzender, weil es dabei einen gescheiten Mann braucht
Zu den gewählten Vertretern kommen die Mitglieder kraft Amtes dazu: der neue Diakon, die Kindergartenleiterin, die Organistin.

1976/1980/1984
Nicht viel Neues. Die Kandidatenzahlen fallen. Es wird auf mehr Frauen im PGR gedrängt. Der Vorsitz wechselt an eine ebensolche, die bekannt ist für ihr großes Engagement bei allem, wo es eine helfende Hand gebraucht wird.
Es mehren sich die Gerüchte, dass der PGR ohnehin nichts zu melden habe.
Ein Gemeindereferent gesellt sich zu den Mitgliedern kraft Amtes.

1988/1992
Die Kandidatenzahlen fallen, inzwischen 16 - 20 für die 12 Plätze. Mehrere Leute, die kandidiert hatten, um bei ein paar brennenderen Anliegen für andere in der Gemeinde zu sprechen, lehnen eine Wiederkandidatur ab. Die wahre Macht läge ohnehin beim Verwaltungsrat und den Rest entscheide der Pfarrer mit Diakon und Gemeindereferent.
Tagesordnungspunkte erfährt man oft aus der Ankündigung am Tag zuvor. Es kann keine sinnvolle Diskussion stattfinden. Beginnt eine wird sie aus Hinweis auf Zeitmangel unterbunden, es sei denn es geht um wichtige Themen wie Kartoffelsorten für den Kartoffelsalat beim Pfarrfest.
Kandidaten für den Verwaltungsrat werden als alternativlos präsentiert und einstimmig gewählt. Da jeder neu gewählte Rat zu ca. 80% aus Neulingen besteht, fühlt sich niemand kompetent Einwände zu erheben.

1994/1998
Die Kandidatenzahlen stagnieren. In etwa die Hälfte der Kandidaten ist der Kerngemeinde unbekannt, da diese gewöhnlich nicht oder gar nicht im Gottesdienst zu sehen sind. Aber mit steigendem Kandidatenmangel wird die Suche nach ebensolchen intensiviert.
Der Wurstelheimer Kantorenkrieg beginnt. Das Thema bestimmt die meisten Sitzungen, aber Beschlüsse werden nicht umgesetzt.
Die Vorsitzende wechselt und versucht mehr Transparenz zu erreichen. Protokolle werden veröffentlicht.
Man munkelt, der Pfarrer traue sich nicht, der Organistin zu widersprechen und Ordnung zu schaffen und konzentriere sich mehr auf den Bau seines Alterssitzes, da sein Ruhestand bevorsteht.
Eines der neuen Mitglieder schließt sich kurz darauf einer anderen Religionsgemeinschaft an.
Der PGR führt eine Gemeindebefragung durch (Schwerpunkt: Kantoren), die Ergebnisse sind nicht opportun und werden ignoriert.
Die Abwanderung der Pfarrmitglieder in umliegende Pfarreien ist noch Gesprächsthema.

2002/2006
Die Kandidatenzahlen fallen: 16 lassen sich mit größeren Mühen auftreiben. Mitglieder der Kerngemeinde lehnen zum großen Teil die Kandidatur ab, weil es ohnehin nur sinnlos investierte Zeit und Arbeit sei.
Die Kandidatenwerber wenden sich beim Austragen des Pfarrbriefes an Leute, die keiner in der Gemeinde kennt und die verwundert ablehnen, weil sie die Pfarrgemeinde gar nicht kennen.
Die Vorsitzende führt einen Windmühlenkrieg in der Kantorenproblematik. Der neue Vorsitzende versucht selbstbewusst zu vermitteln aber resigniert schließlich auch.
Absprachen werden seitens des Pfarrers (mittlerweile der vierte Pfarrer in der Geschichte dieses PGR) - immer in Unio mit Verwaltungsrat und/oder Diakon und/oder Gemeindereferent ignoriert oder kreativ interpretiert.

2010
2 Wochen vor der Wahl sind erst 7 Kandidaten aufgetrieben. Man schafft es bis zum verlängerten Stichtag weitere 5 zu finden. 8 der 12 Kandidaten sind unter 30 Jahre alt, eine Altersgruppe, die in den Gottesdiensten außer als Ministranten im Altarraum weitgehend unsichtbar ist.
Wenn man sich umhört, können Gemeindemitglieder ca. 2-3 PGR-Mitglieder aufzählen. Kaum einer weiß, wer überhaupt gerade der Vorsitzende ist. Zum Glück kann man das im Pfarrbrief nachschlagen.
Der PGR versucht die Gemeinde vermehrt über das Internet zu erreichen, was aber kaum jemanden erreicht. Man vermutet, dass sich die PGR-Mitglieder redlich bemühen. Wie immer.

Ob repräsentative Demokratie so wirklich funktionieren kann?


Sonntag, 1. Dezember 2013

Blogparade: Favoritisiertes Gottesloblied

Also, einfach ist das jetzt nicht. Ich habe da so etliche Favoriten, die sich eben mit den liturgischen Zeiten abwechseln und darum nie in Konkurrenz geraten sind.

Generell liebe ich Weihnachtslieder. Leider ist der deutsche Text zu Quem pastores und Adeste fideles nicht der, den ich singe, darum scheiden die beiden leider aus.

Was ich während des Jahres oft spontan vor mich hinsinge, sind verschiedene Marienlieder, weil die melodisch einfach so schön sind.

Und dann gibt es da mehrere Anhang-Kandidaten, aus dem Bistumsanhang, dem neuen erweiterten Anhang und dem pfarreiinternen Anhangzettel.

Ich gebe den Zuschlag aus dem Anhang einem Lied, das nur ein einziges Mal im Jahr gesungen wird (vielleicht weil es so rar ist) und das ein grausamer Organist jahrelang immer während des Kommunionganges an Epiphanias ansetzte, so dass Mitsingen weitgehend unmöglich war: "Mit einem Stern führt Gottes Hand".(hier nachlesbar)