Oremus pro Pontifice nostro Franzisco.

Dominus conservet eum et vivificet eum

et beatum faciat eum in terra et

non tradat eum in animam inimicorum eius.

Freitag, 24. August 2012

ohne Hingabe bleibt alles leer


„Unsere Gesellschaft hat (zumindest theoretisch) den Sex verfügbarer gemacht als je zuvor. Trotzdem bringt er unsere Bürger in einer epidemischen Anzahl in den Zustand der Einsamkeit, wo die Dinge ‚nicht gut’ sind, überhaupt nicht gut. ... Das Problem ist, dass Sex, losgelöst vom Gedanken der Selbsthingabe, nicht befriedigt. Vielmehr fühlen isch die Leute dadurch isolierter und unerfüllter denn je – ob sie verheiratet sind oder Singles ... Das trifft besonders auf jene Seelen zu, die sich selbst zu einem Tier degradiet haben, in der Hoffnung, menschliche Erfüllung zu finden.“

Scott Hahn, in „Der Priester“

Donnerstag, 23. August 2012

Das „roher Sex“ kombiniert mit scheinbarer Hilfsbedürftigkeit – Phänomen


Ich nenne es mal so, denn „sex appeal“ scheint mir nicht angemessen. Meine Familie wurde auch schon von einer Frau heimgesucht, die eine solche Ausstrahlung hatte, Lebenspartnerin Nr. 3  meines Buders. Meine erste Bekanntschaft mit ihr war die Stimme. Ich goß die Blumen im Treppenhaus, als eine harte, kalte weibliche Stimme meinen damals knapp 4-jährigen Neffen zusammenstauchte (er sei egoistisch und verzogen), der bei der anstehenden Autofahrt ein bestimmtes Lied auf CD hören wollte. Ups! Ein paar Stunden stellte die Dame sich mir persönlich vor. Es war ein richtig kalter Wintertag. Sie trug einen Ausschnitt, der knapp über den Brustwarzen endete, ein Röckchen, das irgendwie gerade noch das Gesäß bedeckte und ein Make-up, das ihren ohnehin großen Augen in etwa Kuhgröße verlieh aber am denkwürdigsten war die Vorstellung: „Ich bin sterilisiert, also gibt es keine Kinder mehr, das Haus ist mir völlig egal, ich hab ja meine eigene Wohnung und ich liebe ihn ja so sehr, der erste, der sich wirklich um mich kümmert.“ Also, Punkt 1 war ein richtiger Fauxpas, um sich bei einer katholischen Familie beliebt zu machen. Punkt zwei: am nächsten Tag fing sie an, die Wohnung meines Bruders komplett aus- und umzuräumen (die rote Laterne im Fenster sorgte ringsum für Spott und Hohn danach) und alles wegzuwerfen, was ihr missfiel; ich rettete Geschenke der Oma aus dem Müllsack, etwas später wurde leider mein Schreibtisch, den mein Bruder bis dahin annektiert hatte, Opfer des Sperrmülls, bevor ich davon wusste; in meinem Briefkasten fanden sich plötzlich Zigarettenkippen (sie war Kettenraucherin) und – ich hatte mittlerweile die Wohnung gewechselt – jemand bestellte in meinem Namen bei einem Versand Dinge (ich war da vor Jahren Kunde gewesen und die Hefte kamen noch gelegentlich in den alten Briefkasten). Zu Punkt 3: die Liebe war anscheinend so heftig, dass sich das Paar gelegentlich auf offener Straße minutenlang derart abknutschte, dass man sich bei zufälligem Vorbeikommen fragte, ob die Kleider gleich auch noch auf den Asphalt fallen. Bekannte aus umliegenden Dörfern machten Bemerkungen über die Auftritte der beiden als Besucher von Weinfesten.

Und es gab ein seltsames Phänomen: viele Leute, selbst Frauen, waren zunächst völlig von ihr eingenommen. In erster Linie waren es aber die Männer. Ob sie im Ausschnitt oben oder unten oder in den übergroßen Augen versanken, weiß ich nicht. Sie schwärmten von der schönen Frau. Das gab sich gewöhnlich erst, wenn die attraktive Frau den Mund in ihrer Gegenwart länger aufmachte. Da waren die Nachbarn, die immer einen Kampfhund halten, der sich bei ihnen innerhalb weniger Wochen in eine Art schwanzwedelndes Schoßhündchen verwandelt, egal, wie das Tier zu ihnen kommt. Bei ihnen brach die Verzauberung, als ihr Hund beleidigt wurde. Ein ganzer Trupp ging auf Abstand, als beim Public Viewing eines Fußballspiels plötzlich eine Knutschszene hingelegt wurde (man fühlte sich beim Fußball dann doch sehr gestört) und später als die „gut aussehende“ Frau eine Schlägerei in der Gastwirtschaft anfing. Bei meinem Bruder dauerte das alles länger; es musste so einiges Mobiliar zu Bruch gehen. In der Zeit ließ er sich auch einen Teufel eintätowieren, dekorierte sein Auto mit einem solchen. Sie ließ sich auch gerne als Teufelin anreden und konnte herzzerreißend vortragen, dass sie zum christlichen Glauben gefunden habe. Irgendwann, bis dahin mieden ihn schon einige Leute mehr, hatte auch mein Bruder genug und suchte sich was Neues. – Und einige Frauen ergingen sich in Mitleid für die Arme, Abservierte, völlig blind für deren massives Fehlverhalten: Die arme Frau, die es schon so oft so schwer hatte und ihn doch immer noch liebt.

An all das fühle ich mich sehr erinnert, wenn ich sehe, wie die Mehrheit der männlichen Berichterstatter und auch ein paar Frauen  immerfort von den drei armen, schwachen, verfolgten Mädchen (!) daherschwafeln, die so selbstaufopfernd gegen einen bösen Diktator protestiert haben und so unschuldig waren, dass ihnen gar nicht klar war, dass sie sich ausgerechnet vollkommen versehentlich den Altarraum einer Kirche dazu ausgesucht haben, und nicht irgendeiner, sondern einer, die erst seit wenigen Jahren wieder steht, weil sie von den Sowjets niedergerissen worden war und dass sie orthodoxe Gläubige beschimpft haben, muss man ihnen nachsehen, schließlich ist, wer so einer Kirche anhangt, deren Hierarchie schon immer Kompromisse mit den jeweiligen Herrschern zuneigte, sebst schuld und wenn er es wagt, sich darüber zu beschweren, zeigt dass nur, dass er gar kein wahrer Christ ist, der immer die andere Wange hinhält und dass er vollkommen mitleidlos ist, ein echter Pharisäer.
Genauso wie es vollkommen logisch war, dass ukrainische Durchgeknallte als Protest gegen die stattfindende Repression  durch die russisch-orthodoxe Kirche gegenüber diesen unglücklichen Mädchen ein Gedenkkreuz an die vielen tausend Todesopfer der griechisch-katholischen Kirche umsägten, die in sowjetischen Straflagern gestorben sind. (Möglicherweise hatte damals auch die Orthodoxie ein Interesse an der Beseitigung der Abweichler gehabt, aber man bemüht sich da schon lange um Aussöhnung mit den ehemaligen Verfolgern.) Jede Spur von Empörung über den Protestakt weiterer mutiger Frauen zeigt nur, dass diese Katholiken den Tod ja verdient hatten, weil sie Teil einer Gruppe sind, die solch armen mutigen Frauen verweigern möchte, so richtig auf ihre Unterdrückung aufmerksam zu machen und die sich ja sowieso nicht christlich verhalten, weil sie gegen so wichtige Aktionen protestieren. Natürlich nur aus Unbarmherzigkeit und Frauenfeindlichkeit.

Und gar noch die Staatsgewalt anzurufen, um von der gegen diese armen unschuldigen ganz wehrlosen Frauen verteidigt zu werden. Echt unglaublich. Aber so geht das schon seit Jahrhunderten, hat doch auch Augustinus irgendwann nach jahrelangen vergeblichen Verhandlungsversuchen die römische Staatsgewalt um Hilfe gebeten, um zu verhindern, dass die Anhänger der Donatisten weiterhin Dörfer niederbrennen, unter Todesandrohung zur Konversion zwingen und besonders Halstarrigen, bei denen auch Prügel nichts nutzen, Säure ins Gesicht schütteten. Da hat sich doch schon damals die unselige Verquickung von Kirche und Staatsgewalt gezeigt. (Ironiemodus aus)

Angesichts solcher Logik kann man tatsächlich aufgeben, noch auf objektive Beurteilungen zu hoffen.

Meine Güte, ich habe als Katholik doch wirklich keinen besonderen Anreiz, mich ausgerechnet für die russisch-orthodoxe Kirche  einzusetzen, unter der Angehörige meines eigenen Bekenntnisses zum Teil schwer gelitten haben und die mich – möglicherweise – ohnehin nicht als vollwertigen Christen betrachtet, weil ich ja nicht der Orthodoxie angehöre.

Aber ich bin nun einmal schon seit vielen Jahren Mitglied bei einer Menschenrechtsorganisation, und sehe, dass hier Personen zu Verteidigern der Menschenrechte stilisiert werden, die sie selbst bedenkenlos und rücksichtslos anderen nicht zuerkennen wollen. Sonst hätten diese Protestler bedacht, dass sie gerade auf denen herumzutrampeln, die selbst jahrzehntelang Opfer eines repressiven Regimes waren. Statt sich in irgendeiner Weise zu solidarisieren, haben sie die ebenfalls mit Repressalien wohl Vertrauten  noch angegriffen. Nicht an der Seite des gemeinsamen Opponenten sondern als wohlfeiles Opfer, auf dessen Kosten man sich gut profilieren kann. Zwei Fliegen mit einer Klappe erledigt sozusagen: die Regierung un deren ehemaliges Opfer, gegen dessen Eliminierung man vermutlich gar nichts gehabt hätte.

Ach, könnte man doch all den gewogenen Berichtestattern ein paar Wochen Gesellschaft mit den wundervollen bedauernswerten  Mädchen ermöglichen, um sie so richtig gut kennenzulernen! Ich vermute, die meisten wären relativ schnell von mitleidtriefendem Pathos kuriert, wenn sie in den Genuß kämen.

Mittwoch, 22. August 2012

Eigentlich selbstverständlich (2)


Bei Teil 2 geht es auch um ein Eindringen in intime Bereiche, nämlich um Vergewaltigung. Nun ist es zwar so, dass die Mehrheit der Bevölkerung durchaus Vergewaltigungen für falsch und kriminell hält. Allerdings ist es eine Haltung mit Einschränkungen; oft wird im speziellen Fall hinzugefügt, der- oder gewöhnlich diejenige habe es selbst mitzuverantworten. In Wirklichkeit ist es ein trauriger Zustand, wenn man sorgfältig darauf achten muss, zu bestimmten Tageszeiten, an bestimmten Orten und in bestimmter Kleidung möglichst nicht anwesend zu sein, wenn man nicht riskieren will, vergewaltigt zu werden. Wenn alles wäre, wie es sein sollte, dann sollte das einzige, das einer Frau passiert, die nackt unterwegs ist, sein, dass man ihr freundlich ein paar Kleidungsstücke reicht und sie notfalls behutsam informiert, dass es besser ist, so nicht unterwegs zu sein.

Nun kommt es äußerst selten vor, dass eine Frau tatsächlich nackt unterwegs ist. Manche Frauen, besonders junge Mädchen, neigen nur dazu, sich relativ knapp zu bekleiden, weil sie meinen, dadurch hübsch und anziehend zu wirken. In vielen Fällen sieht es eher schrecklich aus, was man ihnen allerdings selten direkt sagen kann und sie sind völlig ahnungslos, dass sie damit eher selten einen Mann animieren, mit ihnen eine liebevolle romantische Beziehung zu beginnen als dass sie etliche Männer in die Verlegenheit bringen, gegen keineswegs romantische Impulse anzukämpfen. Den meisten gelingt es dabei, das sei zu ihrer Ehre gesagt, solchen Impulsen nicht nachzugeben.

Leider gibt es auch Gesellschaftsschichten, die die These vetreten, dass Frauen, die ihnen einen visuellen Anreiz irgendwelcher Art bieten, Freiwild seien und zur eigenen sexuellen Befriedigung benutzt werden können. Das ist ein schwerwiegendes kulturelles Problem (bzw. eines der Nicht-Kultur), besonders wenn dazu nicht einmal durchsichtige Blusen und kaum vorhandenen Beinbedeckungen nötig erscheinen, sondern manche schon offen getragene Haare, sichtbare Knöchel oder nicht bedeckte Arme für Beweisstück genug halten und dies dann als Freibrief sehen, über Frauen herzufallen. Solche Männer haben eindeutig sehr therapiebedürftige Probleme; vielleicht wurde ihnen auch nie vermittelt, dass es ihre Berufung als Mann ist, Frauen zu beschützen und dass es völlig inakzeptabel ist, Frauen, die sich nach ihren Begriffen falsch zu verhalten, wie Gegenstände zu benutzen und sich dabei selbst noch viel falscher zu verhalten. Provokation ist nicht gut, aber Vergewaltigung ist übler.

Mir kamen die Gedanken dazu angesichts des Prozesses, der gerade läuft, weil ein paar junge Türken eine junge Kurdin so bestialisch vergewaltigt haben, dass diese fast verblutet ist und diese Bestialität damit entschuldigten, sie sei eine „Schlampe“ gewesen. Das Mädchen hatte die Schule öfters geschwänzt und war gerne abends lange unterwegs gewesen. Bei der Schwere ihrer Verletzungen durch die Gewaltakte, die sie erlitten hat, nachdem sie vorher vorsätzlich betrunken gemacht wurde, kann vermutet werden, dass die „Schlampe“ mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit sogar noch Jungfrau war. Zumindest hatte sie anscheinend nicht vor, ihre Vergewaltiger nach Hause zu begleiten, weshalb die sich ein Treppenhaus als Tatort auserkoren. Mir fiel bei erstem Überlegen kein übliches Wort für männliche „Schlampen“ ein, die sich nicht nur für außerehelichen Sex anbieten sondern Pläne entwickeln, wie sie ihn unwilligen Opfern aufzwingen können, aber als ich das jemand vortrug, wurde mir dann gesagt, die bezeichne man gewöhnlich als „Sauhunde“. Das könnte zutreffen, nicht nur wegen dem vordergründigen Inhalt des Wortes, sondern weil Sauhunde besonders wilde große Hunde für die Saujagd (die Jagd auf Wildschweine) waren, die auch für Menschen gefährlich waren und vorzugsweise in massiven Eisenzwingern gehalten wurden, die der Hundemeister nur mit einer großen Peitsche betrat. Typisch ist auch das Auftreten solcher Sauhunde in Rudeln.

Tierschützer werden hier wohl einwenden, dass diese Hunde durch Zwinger, Peitsche und anderes auf diese Wildheit trainiert wurden und unter anderem Umständen durchaus freundliche Tiere gewesen wären. Das stimmt sicherlich. Aber wo sind die Menschenschützer, die aufschreien, dass Männer so verkommen können und so erzogen und eintrainiert werden, dass sie wie solche auf Aggressivität getrimmten Tiere über Frauen herfallen?

Ein Mann, der das Wort Mann wert ist, beschützt eine Frau, notfalls auch vor ihrer eigenen Dummheit, statt zur Bestie zu werden.

Eigentlich selbstverständlich (1)



Teil 1 ist zum Thema: Wie gehe ich mit Menschen um, die gerade beten? – Für mich war das eigentlich immer  völlig klar und selbstverständlich. Wenn jemand betet, warte ich in der Nähe, bis er sein Gebet beendet hat. Und es ist völlig egal, welcher Religion dieser Betende angehöt; es geht um etwas oder jemand Gößeren als mich und ich platze nicht in so eine Art Audienz, die der andere dort hat, hinein, um mich vorzudrängen. Das ist einfach ungehörig. Wenn es lange dauert, nehme ich es zum Anlass, vielleicht selbst auch zu beten, während ich warte. Wenn es zu lange dauert, muss ich ein andermal wiederkommen.

Dem heiligen Augustinus war es auch so gegangen, bevor er Christ wurde. Er hatte das sehr dringende Bedürfnis mit dem Bischof Ambrosius von Mailand zu sprechen, nachdem er dessen Predigten gehört hatte. Dessen Arbeitszimmer war auch zugänglich. Nur, wenn dieser keine dringenden Angelegenheiten hatte, um die er sich kümmern musste, griff er sofort zu den Heiligen Schriften, um über diesen Texten zu betrachten und zu beten, weil er dazu insgesamt wenig Zeit dafür fand. Und Augustinus stand meist nur an der Tür und wartete, ging oft nach langer Zeit weg, um am nächsten Tag wiederzukommen. Zu den ersehnten Gesprächen mit Ambrosius kam es nicht, aber seine Sehnsucht, die heiligen Schriften zu lesen, wuchs an diesem Beispiel und erlosch nicht mehr.

Oder vielleicht kennen viele Szenen aus Fernostfilmen, in denen der Held oder die Heldin dringend einen weisen Mönch sprechen möchte. Meistens muss viel gewartet werden und Drängen ist eher kontrapoduktiv. Also wird gewartet. Gebete und Meditationen zu unterbrechen ist völlig indiskutabel.

Ich habe es schwieriger. Ich schaffe es nicht immer, das Stundengebet dahin zu legen, wo ich völlig ungestört bin. Manchmal muss es beim Frühstück mit den Eltern mit dazu, als Parallele zur Zeitungslektüre oder ich bin mit anderen unterwegs. Da alles andere zu Verdachtsmomenten führt, a) ich sei zu fromm, das sei doch sektenmäßig oder b) ich wolle doch nur angeben, lasse ich mich ansprechen, wie es nötig ist. Das scheint die andern zu beruhigen. Was ich nicht tue, ist es ganz sein zu lassen, wie schon der eine oder andere gefordert hat, der sich durch sichtbares Gebet gestört fühlt. Und ich gestehe, ich wünschte, es wäre selbstverständlich, mir wichtige Gebete einfach in Ruhe und selbstverständlich und ohne Unterbrechung haben zu können. Aber das ist kaum noch vermittelbar.

Völlig unmöglich sollte es eigentlich jeder finden, eine Gruppe, die sich in ihren eigenen Räumen zum Gottesdienst versammelt rüde zu unterbrechen. Für mich selbst ist die Vorstellung schon abwegig und völlig indiskutabel. Aber offensichtlich hat sich selbst hier die allgemeine Sensibilität extrem gewandelt. Und irgendwie scheint das in erster Linie, Gottesdienste in kirchlichen, bevorzugt katholischen Räumen zu betreffen. Jedenfalls habe ich noch nicht gehöt, dass Demonstranten irgendeiner Couleur muslimische Freitagsgebete oder jüdische Versammlungen in der Synagoge unterbrochen haben. Störaktionen bei der heiligen Messe habe ich allerdings schon selbst erlebt. Zweimal bereits. Gut, das eine war nur ein Betrunkener, der sich in die Osternachtsfeier verirrt hatte; der wurde von ein paar starken Männern hinausbegleitet. Das andere war auf einem Katholikentag und da diese Störer Wiederholungstäter waren, wurdenn sie auch mit entsprechenden gesetzlichen Strafen bedacht.

Insgesamt ist das Bedürfnis einiger, gerade Gottesdienste und Gebete zu unterbrechen doch äußerst merkwürdig und kaum zu erklären. Es spiegelt eine Gesellschaft wider, die jede Achtung vor andern und sich selbst verloren hat. Und in der so tiefer Hass ist, dass andeen selbst Menschenrechte (Religionsausübung im eigenen Bereich) nicht mehr zugestanden werden.

Montag, 20. August 2012

Diözesanes Zentrum St. Nikolaus Limburg

Update: Mittlerweile ist auch klar, dass der first class - Flug de Limburger Bischofs keine Kirchensteuergelder gekostet hat sondern sein eigenes oder das eines großzügigen Spenders, wie auch immer. s. jobo72.wordpress.com/2012/08/20/bischofe-unterwegs/ . Nach Darstellung des Bistums Limburg wurde das Ticket-Upgrade mit Bonusmeilen des Generalvikars bezahlt, der wohl viel unterwegs ist. Wirklich kein Grund sich aufzuregen.

Der Anschein gilt oft ja mehr  als die Tatsachen und rreicht auch ohne erhärtende Tatsachen oft schon für Vorverurteilungen. So hatte es der Limburger Bischof Tebartz van Elst von Anfang  besonders schwer, weil ein Teil seines Namens das  verdächtige „van“ enthält – für allzu viele war damit erwiesen, dass es sich hier um einen verschwendungssüchtigen Adligen handle. Als Beweis wurde dann alles angefüht, was sich irgendwie finden ließ, dass er nicht mit dem Fahrad fahre wie sein Amtsvorgänger sondern das Bistum für Dienstfahrten des Bischofs einen Wagen besorgt.  (anderswo auch Standard) Dass er gelegentlich Pontifikalämter hält (was Bischöfe eben so tun) anstatt nur den allerschlichtesten Gottesdiensten vorzustehen (wohl am besten mit Stola über dem Anzug wie es manche Priester seines Bistums im Bruch mit den litugischen Vorschiften vorziehen). Dass ihm da für viel Geld ein ganzer Palast gebaut werde, während sein Vorgänger bescheiden im Priesterseminar gwohnt habe.  Und jetzt, dass er bei einem langen Flug ins Ausland in dienstlicher Tätigkeit nicht die Economy class benutzt hat, was zwa für viele andere Standard ist (Geschäftsleute, Politiker und und und), aber in seinem Fall anscheinend ein übles Verbrechen. (Ganz abschweifend stellt sich die Überlegung ein, ob der gewichtige rheinland-pfälzische Landesvater wohl immer die Steuergelder schont und Economy fliegt? Sie wissen, der der sich sein Ruinen-Denkmal am Nüburgring bauen ließ und sich keiner Schuld deswegen bewusst ist. Hat der ein Glück, dass er nicht „von Beck“ heißt, sein Schicksal wäre längst besiegelt.)

Was den Flug angeht, weiß ich nicht, ob alle anderen Bischöfe stets nur Economy class fliegen und sich mit allen Passagieren in die Dreiersitze zwängen aber der „Bischofspalast“ ist jetzt kurz vor der Fertigstellung und heißt „Diözesanes Zentrum St. Nikolaus“ und dazu gibt es einige Informationen mehr, die ich auch kurz referieren möchte. Ich beziehe mich dabei auf den entsprechenden Atikel der DT vom 18.8., der wiederum DT und IÖLMB als Quellen zitiert und keinen offiziellen Verfasser angibt.

Das neue Zentrum, als der „Bischofspalast“ umfasst allerlei Verwaltungs- und Organisationsräume des Bistums Limburg: Büros für die Mitarbeiter, eine Arbeitsbibliothek, Gääsätezimmer, Archivräume, Konferenzräume und Sprech-/Empfangszimmer, einen Saal für Veranstaltungen, eine Außenstelle der Domsakristei zur Verwahubng alter Paramente, eine Kapelle und eine Zweieinhalbzimmer-Wohnung für den Bischof, da es ja alle genau wissen wollen, wie fürstlich die ist: ein kombinietes Ess- und Wohnzimmer, Küche,  Schlafzimmer und Bad.

Da wohl auch die Kritiker nicht verstummen wollen, die meinen, man habe alles beim alten lassen können, wird noch ausgefüht: Als Bischof Kamphaus im Priesterseminar wohnte, war es noch ein Seminar mit Lehrbetrieb, d.h. es wohnten Seminaristen dort, die im wesentlichen mit ihren Studien beschäftigt waren, kuzum es war eine ruhige Arbeitsatmosphäre. Inzwischen aber ist das Priesterseminar gar kein Priesterseminar mehr sondernehe eine Art Bildungshaus mit viel wechselndem Publikumsverkehr. Was ohnehin erschwert war, war der direkte Kontakt mit den Arbeitsräumen der bischöflichen Mitarbeiter, die in anderen Gebäuden untergebracht waren, was der Kommunikation nicht unbedingt förderlich war. Auch dieser Umstand ist jetzt behoben.

Zu der in den Bau integrierten Kapelle zitiere ich nun. Zunächst den Leiter der Öffentlichkeitsarbeit des Bistums Limburg, Martin Wind: „Nach innen bietet die Kapelle das Herzstück dieses geistlichen Dienstes des Bischofs. In der Verbindung der reinen Verwaltungsbereiche mit den geistlichen Aspekten des Dienstes als Bischof trägt der neue Amtssitz zum geistlichen Profil in der Bischofsstadt bei und lässt bereits in der Architektur die Aufgaben eines Bischofs erkennen.“ – Bei manchen vorhergegangenen Diskussionen fühlte man sich in die Zeit der Säkularisation versetzt, in der alles Kontemplative und dem Geistlichen Dienende als nutzlos und unnötig deklariert wurde, weshalb ja auch die Benediktiner in Deutschland allüberall enteignet wurden und nur als Missions-Benediktiner sich wieder neu niederlassen durften; ihre eigene alte Regel wurde nicht mehr toleriert.

Als nächstes Zitat direkt aus dem DT-Artikel: „Die Innengestaltung der Kapelle wurde, im Nachgang zu öffentlich ausgetragenen Diskussionen über Sinn und Zweck eines solchen Baus, von Menschen gestiftet, die die Entscheidung des Domkapitels zum Neubau tragen und einen Beitag bie der Gestaltung des neuen Diözesan Zentrums leisten wollen.“ – Also Entwarnung, keine Kirchensteuergelder, sonder Privatspenden, die das tragen. Aber ob das die ständigen Anschuldigungen über Verschwendung zum Schweigen bringen kann?


Sonntag, 19. August 2012

und hier noch ein Link

zu Johannes, der wie üblich mit viel Expertise ein paar weitere Information zur Christ-Erlöser-Kirche in Moskau und zu den seltsamen Vorgängen darin in jüngster Zeit sowie dem noch seltsameren Presseecho zu bieten hat.

O je

Noch mehr Kirchenstürmer. http://www.blogger.com/blogger.g?blogID=6559598563847516854#editor/target=post;postID=3108630882033541265
Hab ich das jetzt losgetreten oder Johannes mit seinem Artikel?
 Aber vielleicht sensibilisiert es tatsächlich einmal für die Problematik; nicht die von Krawallmachern, die dafür unglaublicherweise bestraft werden, sondern den Umgang mit allem, was kirchlich ist.

Man vergleiche mal das bisher rein fiktive und hoffentlich so bleibende:

a) Protestgruppe stürmt Monalisa im Louvre und gefährdet Kunstwerk. - Eigentlich keine Frage, dass die Polizei gerufen wird.

b) Protestgruppe stürmt Konzertsaal in der ....er Oper und unterbricht Synfonie - Auch klar.

c) Protestgruppe stürmt privates Wohnzimmer. Der Inhaber war (im Grunde beliebiges einsetzen), wirft ihm alle Vorurteile gegen sein Hobby an den Kopf, mischt das Zimmer auf usw. Als der Beleidigte und Bedrängte Anklage stellt, wird ihm vorgeworfen, er solle doch dankbar sein, dass er dieses Besuchs gewürdigt worden sei? Hoffentlich nicht.

d) Protestgruppe macht gleiches mit kirchlichen Räumen. - Reaktion: was regen die sich denn auf? Tja.

Vielleicht für alle Begriffsstutzigen:
- Es gibt öffentliche Räume. Da kann man demonstrieren, wenn man das vorher anmeldet. Gut besuchte Fußgängerzonen könnten da ganz geeignet sien.
- Es gibt öffentlich zugängliche Räume, die aber in privatem Besitz sind. Dort darf man demonstrieren, wenn der Eigentümer das genehmigt. Alles andere ist Einbruch/Hausfriedensbruch usw., je nachdem.
- Es gibt eindeutig privaten Besitz von Einzelpersonen. Da gilt das gleiche.
- Beleidigung ist gegen jede Person strafbar.
- Das ist simples Recht, das für alle gilt.

Mitleid ist eine Sache. Die kann man auch mit Kriminellen haben, die im Gefängnis sind. Da ich schon einmal so jemanden besucht habe, der ganz rechtmäßig darin saß, kann ich da mitreden. Er hat mir sehr leid getan, aber sein Urteil war absolut fair.

Dann gibt es politisch Verfolgte. Für die tue ich sogar gelegentlich etwas. Wahrscheinlich nicht genug.

Das war auch ein Anlass für mich, zu der Sache Stellung zu nehmen. Es gibt in Russland viele Journalisten, die ihre Arbeit verloren haben, weil sie Wahres berichteten. Es gibt Anwälte, denen es ähnlich ging, weil sie die Opfer von Behördenwillkür verteidigten. Es gibt Menschenrechtler, die ständig schikaniert werden. Es gibt die Mütter von im Militär durch Quälereien und Vergewaltigungen umgekommenen Soldaten, die ebenfalls mit vielen Schwierigkeiten zu kämpfen haben. Und wen stilisiert man zum Märtyrer? - drei Frauen, die tatsächlich Rechtsbrüche begehen, dokumentiert und nachweisbar, nicht fingiert und für diese verurteilt werden. Leid tun können sie mir, wenn auch nicht unbedingt wegen der Verhaftung. Die wollten sie wohl sogar. Das ist gut für ihre Bekanntheit und sie werden damit noch viel Geld machen und passieren kann ihnen sowieso nicht viel, dazu sind sie viel zu prominent inzwischen. Nichts schützt besser vor Repressalien als ein gewisser Bekanntheitsgrad.


Wertschätzung

"Würde nämlich dieses hochheilige Sakrament nur an einem einzigen Orte gefeiert und in der ganzen Welt nur von einem Priester geweiht, mit welcher Sehnsucht, glaubst du, würde es die Menschen nicht nach jenem Orte und zu diesem Priester Gottes ziehen, um die Feier der göttlichen Geheimnisse miterleben zu können? So aber gibt es der Priester viele, und an vielen Plätzen wird für Christus geopfert, so daß die Gnade Gottes und seine Liebe zu den Menschen in umso hellerem Lichte erstrahlt."

Nachfolge Christi, 4. Buch, 1. Kapitel, 13

Das ist schon viele Jahre her, dass ich auf dieses Büchlein gestoßen war; im Rucksack eines Bekannten, den dieser mitgebracht haben wollte. Ich habe es dann bei nächster Gelegenheit gekauft, was zu  vor-amazonischen Zeiten nicht so einfach war. Die Dombuchhandlung sei wohl eine gute Adresse für so etwas, dachte ich. Das war eine Fehlanzeige, da gab es alle möglichen aktuellen Romane, die man auch in anderen Buchhandlungen finden konnte und eine Ecke mit religiöser Literatur. Aber Fehlanzeige. Der Verkäufer ratlos. Doch ich hatte Glück, der alte Inhaber wurde herbeigeholt. "Natürlich haben wir das. Das ist doch ein Standardwerk. Das steht immer dort drüben. - Oh. Da ist wirklich nichts. Das bestellen wir natürlich sofort." Brauche ich zu erwähnen, dass das Standardwerk auch nach diesem Kauf nicht im Repertoire zu finden war?

Als ich jedenfalls den Text zum ersten Mal las, war meine Kusine zum Studium in Santiago de Compostela  und ich stellte mir vor, wie das wäre, wenn das Messopfer tatsächlich zum Beispiel nur dort gefeiert würde. Der Menschenandrang ist dort ohnehin beachtlich während der Wallfahrtszeiten und wenn es gelingt, an so einem Gottesdienst teilzunehmen, muss man manchmal für jeden Stehplatz froh sein. Was wäre das für ein Erlebnis, dann einmal dabeisein zu dürfen, von der Kommunion ganz zu schweigen. Das wäre so ein non-plus-ultra, die Krönung wochenlanger Mühen auf der Wallfahrt.

Wieviel einfacher haben wir es. Und was ist die Folge? Für viele ist es überhaupt kein Wunder. Es bedeutet ihnen nichts, dabei anwesend sein zu können; sie langweilen sich nur, oft verzichten sie darauf. Wenn sie aber einmal auftauchen und Predigt und alles andere durchgestanden haben, dann wollen sie natürlich auch etwas abhaben, wenn da etwas verteilt wird. Von Dankbarkeit auch nur bei dem Wunder - das sie nicht als Wunder sehen - anwesend sein zu dürfen, keine Spur.

Das geht soweit, dass inzwischen einige Gemeinden im deutschsprachigen Raum behaupten, ihnen sei ein Wortgottesdienst vor Ort und in der vertrauten Gruppe wichtiger als eine heilige Messe im Nachbarort oder von einem nicht ortsansässigen Priester gehalten. Oder die voll Empörung sind, weil statt eines angekündigten Wortgottesdienstes dann doch eine Eucharistiefeier stattfindet - wie rücksichtslos gegenüber den Vorbereitenden, die natürlich auch gern auf das Messopfer per se verzichten können. Weniger gern allerdings verzichtet man auf die Gratisausteilung von diesen runden Brotscheiben, die zwar recht fade schmecken, darum werden sie gelegentlich durch leckere wenn auch krümelnde Bäckereierzeugnisse ersetzt, bei denen man auch merkt, dass man etwas isst. Einzelne Leiter solcher Feiern sollen sogar schon soweit gegangen sein, mangels vorhandenem Material, einfach selbst das eine oder andere Backerzeugnis als kommunionfähig erklärt zu haben. Kreise, in denen die Dinge soweit vorangeschritten sind, reagieren dann besonders allergisch, wenn das so ein dahergelaufener Geweihter erklärt, so gehe das nicht. Sie haben dabei doch so schöne Gemeinschaft erlebt.

Dramatisch, diese Entwicklung, die einsetzen kann, wenn die Menschen immer weniger vom Opfer Jesu und dessen Geschehen in der Messe wissen sondern meinen, sich nur zu treffen, um gemeinsam ein symbolisches Mahl zu halten. Dann natürlich wird es völlig unverständlich, warum jemand zur Teilnahme nicht qualifiziert sein könnte. Und dann weiß man nicht mehr zu schätzen, wie wertvoll es ist, an einer heiligen Messe auch nur teilnehmen zu können.


gelehrte Unwissenheit

"Dieses tiefe Miteinander von gelehrtem Wissen und tiefem Unwissen muss nachdenklich machen. Es zeigt die Problematik eines Wissens auf, das selbstherrlich bleibt und so nicht die Wahrheit selbst erreicht, die den Menschen umgestalten müsste."

Benedikt XVI in Jesus von Nazareth, Band II, 8. Kapitel, 2. Teil

(Der Text nimmt Bezug auf den heiligen Paulus vor seiner Bekehrung. Zuvor wird Paulus selbst zitiert: "Aber ich habe Erbarmen gefunden, denn ich habe im Nichtwissen gehandelt, im Unglauben." (1 Tim 1,13) Das sagt Paulus über seinen Wissensstand als Schüler der besten Meister seiner Zeit.)

Samstag, 18. August 2012

Das Lebenspartnerschaftsgesetz diskriminiert im Grunde genommen Verwandte

Das ist ein Statement, das zunächst verwundern wird, setzt man eine solche Verpartnerung doch gewöhnlich in Zusammenhang mit gleichgeschlechtlichen Beziehungen, die eheähnliche Rechte anstreben. Nirgendwo in dem betreffenden Gesetz steht jedoch geschrieben, dass die beiden Verpartnerten gleichen Geschlechts miteinander Geschlechtsverkehr haben müssen. Stattdessen geht es darum, dass der eine den anderen gerade für den Fall eines Unfalles oder Todes versorgen oder finanziell absichern kann.
Ich halte es durchaus nicht für unwahrscheinlich, dass hier und da im Lande zwei gute Freunde oder Freundinnen stillschweigend und ohne es groß publik zu machen (da sie nun einmal keine homosexuellen Neigungen haben), eine solche Verpartnerung eingegangen sind, um sich gegenseitig abzusichern und einen besseren Lebensabend zu garantieren, auch wenn ihre Zweckgemeinschaft durch den Tod des einen zerstört wird.

Genau das soll ja auch laut der derzeitigen Familienministerin gefördert und belohnt werden, dass zwei Menschen langfristig und verlässlich füreinander Verantwortung übernehmen. Von Sex war ja gar nicht die Rede.

Jetzt also sollen solche Existenzabsicherungs-Verpartnerungen (mit oder ohne Sex) einer Ehe völlig gleichgestellt werden. Das ist schon reichlich merkwürdig, da es bei einer Ehe immerhin um einiges mehr als gegenseitige Existenzsicherung geht, insbesondere kommt da der meist vorhandene Zweck der Familiengründung (Kinder!) dazu.

Jetzt aber kommt der Punkt der die eigentliche Diskriminierung darstellt. Nicht etwa der Verpartnerten sondern der Personen, die unter großen Mühen und persönlichen Opfern andere pflegen, das oft über Jahrzehnte hinweg - und die keine Möglichkeit haben sich mit diesen Menschen zu verpartnern für die völlig gleichwertige Leistung (mit Verzicht auf Sex), die Verpartnerte erbringen, da sie mit diesen anderen in gerader Linie verwandt sind oder selbst bereits verheiratet sind. Nicht selten geschieht es sogar, dass solche oft sehr selbstlosen Menschen dann auch noch um lange versprochene Erbanteile gebracht werden, da ein listiges anderes Mitglied der Verwandtschaft den lange Gepflegten kurz vor dem Tode besucht, schnell ein paar Unterschriften leisten lässt, die derjenige gar nicht richtig einordnen kann, und dann nach dessen Tod den langjährigen Pfleger mehr oder weniger davonjagt. - Davon gibt es eine erstaunliche Anzahl von Beispielen. Das ist also keine konstruierte Hypothese.

Die einzigen, die derzeit massiv benachteiligt (bzw. in keiner Weise belohnt/gefördert/anerkannt werden, sind Menschen, die sich fürsorglich um andere kümmern, ohne dafür eine Gegenleistung zu erhalten oder auch nur die Möglichkeit einer "Verpartnerung" zu erhalten, die hier mindestens genauso angemessen wäre wie bei denen, die ihre Verpartnerung auf der Grundlage einer sexuellen Beziehung eingehen.

Da der Staat entschlossen scheint, die Ehe ohnehin auch zu einer Verpartnerung zu degradieren - nicht indem er bisherige Schutzmaßnahmen beseitigt, sondern indem er die Ehe mit den Verpartnerungen auf ein Niveau stellt, indem er diese einfach ebenfalls als Ehen behandelt - wird es notwendig sein endlich einmal gegen die Diskriminierung pflegender Verwandten vorzugehen.

Es kann ja wohl nicht sein, dass Fürsorge für andere nur staatlich gelohnt und befördert wird, wenn sie ohnehin schon quasi auf gegenseitigen sexuellen Leistungen beruht. Wobei man die toleriert, die nur die gesetzliche Förderung nutzen, weil sie es aufgrund der Gesetzeslage dürfen und denen man ja nicht nachweisen kann, dass es um keine sexuelle Beziehung zwischen ihnen geht. Eindeutig nicht sexuelle Beziehungen (zumindest dem Gesetzt nach, da eine Ehe oder enge Verwandtschaft besteht) werden dafür aber benachteiligt, ihnen ist es schließlich gesetzlich untersagt, solche Vorteile in Anspruch zu nehmen.

Aldous Huxley - Zitat


„Was, wenn es einem Regime gelingt, Perversität als Normalität und Normalität als Perversität zu definieren und Methoden der Unterwerfung zu entwickeln, die so angenehm sind, dass niemand mehr den Horror bemerkt und niemand den Willen hat, dagegen aufzubegehren?“

Aldous Huxley (zitiert von Gabriele Kuby in „Die globale sexuelle Revolution – Zerstörung der Freiheit im Namen der Freiheit), die Originalquelle ist vermutlich dort genannt: „Wiedersehen mit der Schönen Neuen Welt“, ein längerer Essay, dass sich mit der Manipulierbarkeit der Menschen auseinandersetzt, ist es nicht, obwohl es gut in den dortigen Kontext passen würde. Huxley hat sich allerdings anscheinend lange und intensiv mit der Thematik beschäftigt.

Gregor der Große zum Amt des Vorstehers


Ein Auszug aus dem Artikel des Vatikanmagazins 8-9/12 über Greor den Großen, *540 + 604 (S. 27):

„Eine Karriere, schon gar eine kirchliche, solle man nie anstreben, schrieb Gregor nach seiner Wahl. Der Ruf zum Vorsteheramt sei ein Glücksfall, den man fürchten müsse. 
Häufig beriefen sich jene, welche ein Amt begehrten, auf den apostolischen Ausspruch: Wenn jemand ein Vorsteheramt verlangt, so verlangt er ein gutes Werk. ‚Indessen ist zu bemerken, dass dies zu eine Zeit ausgesprochen wurde, in der jeder Vorsteher der Gläubigen als der Erste zum Martertod geschleppt zu werden pflegte.’“

Freitag, 17. August 2012

Pussy Riot: Hausfriedensbruch, Blasphemie und Rowdytum verdienen durchaus Strafe

Update zur Verdeutlichung: Das was da in Moskau geschehen ist, fände sein Äquivalent zum Beispiel, wenn drei Punker(innen) in einem beliebigen Dom in den abgesperrten Altarraum eindrängen und dort unter wildem Gehopse skandierten, die Gläubigen seien Kriecher, der Papst ein frauenhassender Misanthropist, die Priester Heuchler, die nur das Geld der dummen Gläubigen abkassieren wollen, überhaupt seien die alle obrigkeitshörig. Dazu dann noch ein Refrain bei dem zwischen Gott und diversen Exkrementen abgewechselt wird.  Und der Aufruf an die Gottesmutter, Feministin zu werden. - Welcher Domschweizer würde nicht eingreifen, wo würde das Bistum nicht Anklage stellen?

Nur das alles zählt plötzlich nicht, weil plötzlich alles gut und erlaubt sein soll, nur weil sich so etwas als Protest gegen Putin ausgibt? Heiligt das etwa solche Geschmacklosigkeiten?

 Wollen wir, dass nächstens Gottesdienste regelmäßig von Aktionsgruppen unterbrochen werden, die so endlich mal mehr Öffentlichkeit bekommen und die ihren Groll gegen die Kirche ohnehin als völlig gerechtfertigt und erwiesen betrachten? Gleich auf welch falschen Informationen er beruht?

und hier noch die Verlinkung zu jemand, der sich mit gesetzlichen Dingen auskennt.


Wer wissen möchte, was für ein Text es ist, den diese seltsame Frauengruppe nach gewaltsamem Eindringen in den Altarraum einer der wichtigsten Kirchen Russlands dort zu Gehör gebracht hat, der wird feststellen, dass man dabei kaum von einem "Gebet" sprechen kann. Ich drucke das hier jetzt nicht ab. In zwei Fassungen nachzulesen (einmal im Artikel, einmal in den Kommentaren) ist es hier .

Es mag wahr sein, dass Putin keine Kritik und keine Gegner duldet. Und angeblich richtete sich dieser Protest gegen Putin. Das nimmt man landauf landab zum Anlass, die auch nach unserem StGb kriminellen Ruhestörerinnen zu Märtyrerinnen zu erklären. Das sind sie auf keinen Fall.

Wer eine Kirche so entweiht und dabei derartige Beschimpfungen von Kirche und Gläubigen hören lässt, wird auch hierzulande mit Gefängnisstrafen  bedacht. Der Altarraum einer Kirche ist kein Podium für politische Erklärungen und schon gar nicht für Schmutzergüsse wie die hier nicht zitierten.

Wer in die Kommentare zum verlinkten Artikel sieht, kann nachlesen, dass die "armen Frauen" sich bereits in Polen ein Gerichtsurteil über zwei Jahre einhandelten. Die Beleidigung religiöser Inhalte und Glaubensüberzeugungen ist bei ihnen schon Routine.

Warum solche Sympathiekundgebungen für so offensichtliche Verstöße gegen jede normale Ordnung und Anstand? Warum gibt es nicht so flammende Proteste zugunsten des Bloggers Alexei_Anatoljewitsch_Nawalny, der inzwischen auch verhaftet wurde, mutmaßlich weil er Front gegen Putin machte, offiziell werden im illegale finanzielle Transaktionen (Unterschlagung) vorgeworfen.

Fast erweckt es den Eindruck, dass gerade Kirchenschändungen allgemeine Sympathie erwecken können.

Selbst wenn die Hierarchie der russisch-orthodoxen Kirche an mutmaßlich illegalen Vorgehensweisen Putins beteiligt sein sollte, liefert das keinen Grund, einen Kirchenraum zu entweihen und Gläubige zu beleidigen. Dann hätte die Aktion vor den Häusern der Beschuldigten stattfinden müssen.

Man stelle sich vergleichsweise vor hierzulande würde jemand die alte Mähr ausgraben vom Judentum und der Hochfinanz und aufgrund der Griechenlandkrise, in der es viel um Bankenrettungen geht, eine Synagoge stürmen und die dort Anwesenden beschimpfen. Würde man dann auch etwas von Menschenrechtsverletzung skandieren, wenn die Schuldigen zu Recht bestraft würden für ihre Untat?

Willkommen in unserm Modellhaus 2020! (Vorsicht Satire!)



R: Wie schön, dass Sie einmal vorbeikommen. Leider hat bisher sonst noch niemand unser Angebot wahrgenommen,unser vorbildliches Haus „Deutsches Evangelisationsmodell“ zu besuchen, um dort Impulse für die eigene Gestaltung zu finden.

I: Oh, bitte entschuldigen Sie. Wir waren nur eben sehr beschäftigt, bei uns den Grobbau neu zu konstruieren. Die ersten Bestandsaufnahmen hatten gezeigt, dass es zumindest einer teilweisen Entkernung bedufte, bevor wir an eine Ausgestaltung der Räume bei uns denken konnten. Es hatte da architektonische Änderungen gegeben, duch die das Gebäude einsturzgefährdet geworden war. Wir haben jetzt die älteren tragenden Konstruktionen wieder eingefügt. Vielleicht wissen Sie auch, dass wir recht knapp mit den Finanzen waren, und wir mussten eine wenigstens hinlängliche Unterbringung aller Bewohner garantieren und diese dazu motivieren, sich selbst eifrig an allen Arbeiten zu beteiligen, auch wenn das zunächst einige Opfer von allen erfordert. Aber jetzt sind wir soweit, dass wir uns weiter fortgeschrittene Häuser ansehen können, um über die Details der weiteren Baumaßnahmen zu entscheiden. (Bleibt stehen und bewundert den Palast in den gepflegten Parkanlagen.) Wirklich beeindruckend!

R: (zurückhaltend) Nun ja. Ich denke auch oft, dass es ein erhebender Eindruck ist. Aber solche Äußerlichkeiten sind nicht das Entscheidende.

I: Es ist ... , es verschlägt mir fast die Sprache. Wir haben da noch einen sehr weiten Weg vor uns, wie es aussieht. Unser Evangelisationshaus ist noch sehr rustikal. Wir haben selbst Brunnen graben müssen, weil die alten Versorgungsrohre marode waren – kein Vergleich mit diesen Springbrunnenanlagen. Und der Elektrizitätsanschluss fehlte auch, darum haben wir zunächst Solarzellen auf denn Dächern montiert, jetzt bekommen wir unsere Versorgung quasi direkt vom Himmel (lacht) und sind nicht mehr auf Fremdleistungen angewiesen. Aber das hat zunächst alle verfügbaren Ressourcen geschluckt. So ein Park, das wäre schön, allen so eine Freude für die Augen bieten zu können.

R: Nicht wahr? Also,  zugegeben, wir hatten da auch Engpässe und es war strittig, ob wir die Erhaltung garantieren konnten. Die Lösung war einfach: Wir haben das verkauft und sind nur noch als Pächter hier.

I: Oh! Verkauft. Den ganzen Park?

R: Ja. Und diesen Palastkomplex.

I: Das ist also gar nicht Ihr Modellhaus?

R (amüsiert): Aber nein, Das wäre doch wohl sehr unpraktisch gewesen. Wir haben das nur als Kulisse erhalten und können es für Repräsentationszwecke nutzen. Unser Modellhaus ist hier drüben, das ehemalige Wirtschaftsgebäude. Alles dort ist sehr praktisch und zweckmäßig.

I: Ich verstehe. Ja. Nun, das ist auch deutlich imposanter als unser im Umbau befindliches Haus. Vielleicht ein wenig kleiner in der Gesamtfläche.

R: Aber ja doch. Ich werde Ihnen einige unserer besten Einrichtungsteile dort zeigen. Treten Sie nur ein. Hier direkt in der Eingangshalle präsentieren wir die Pokale, mit denen wir unsere fähigsten Mitarbeiter ausgezeichnet haben in der letzten Jahren. Wir haben da an nichts gespart. An einem Haus wäre Gold zu prunkhaft, aber unsere Mitarbeiter sollen uns schließlich etwas wert sein.

I (betrachtet die Pokale, Trophäen und Gedenkteller und –münzen): „den eifrigsten Dachabdeckern“, „den Spezialisten für Unteminierung“, „fähigster Konstrukteur von Traumhäusern“, „die revolutionärste These des Jahres“ – Dachdecker, Architekten, Ingenieure, ja, die sind wirklich unbezahlbar! (murmelt: aber merkwürdige Schreibfehler bei den Texten).

R: Kommen Sie nur weiter. Hier wäre also unser Salon. Ist er nicht lichterfüllt? Und sehen Sie die Ecke da mit dem Sessel und dem Tischchen daneben. Das ist eine ungeheuer kostbare Vase darauf und die Decke darunter reine Spitzenklöppelei. Das Fenster daneben doppelt verglast und der grandiose Ausblick auf die Anlagen.

I (sieht sich etwas verwirrt um): Ja, sicher, es ist schön. Die Vase. Und die Spitzendecke. Und der Sessel, sehr anziehend. Ähm, würde es nicht besser wirken, wenn man das alles ein wenig nach innen rücken würde? Der Raum erscheint so leer in der Mitte. Nicht, dass ich etwas kritisieren will, wahrscheinlich verstehe ich nur noch nicht Ihr Konzept. Und diese Anhäufung da drüben. Ich weiß, das kann es nicht sein, aber von hier sieht es aus wie nicht aufgeräumte Trümmerstücke.

R (etwas unangenehm berührt): Wir wollen doch nicht gleich die Mängel betonen!? Ja, das sind Trümmerstücke. Die sind letzte Nacht heruntergebrochen und es hatte noch niemand Zeit, sie wegzuräumen. – Und das Arrangement. Na, sehen Sie denn nicht? Wenn wir das woanders hinstellen, wäre es schnell nicht mehr in gutem Zustand. Nur dort hinten schützt die Zimmerdecke ausreichend gegen Niederschläge. Bei ungünstiger Witterung decken wir natürlich auch alles mit Planen ab. Wir haben recht exzellente Ausrüstung gegen die klimatischen Unbilden. Ich zeige Ihnen gleich einmal meine Regenjacke, ein Markenprodukt bester Qualität!

I (richtet den Blick nach oben): Die Zimmerdecke. Äh. Und das Dach. Das ist ja alles aufgebrochen und die Ziegel sind zum Großteil abgedeckt ....

R (nickt stolz): Ganz evangeliumsgemäß. Sie erinnern sich an die Geschichte mit dem Gelähmten, der freien Zugang zum Herrn brauchte? Seine Freunde deckten das Dach ab! Und die Aussagen des Herrn selbst, dass der Menschensohn kein Dach über dem Kopf habe. Unsere Dachabdecker und Dekonstrukteure haben nicht umsonst soviele Auszeichnungen erhalten.

I: Ah. Ich verstehe. Sehen so alle Zimmer aus?

R: Nicht alle. Sie wissen ja: Mein Haus  hat viele Wohnungen! (lacht) Es gibt Gruppen, die sich in solcher Freiheit unwohl fühlen und auch die heißen wir natürlich willkommen. Schauen Sie mal hier die ehemalige Besenkammer. Kein Dach, keine Fenster. Aber eigentlich gar nicht so übel, wie die sich dort eingerichtet haben. Wir haben natürlich manchmal Mühe, wenn jemand von dort ins Wohnzimmer kommen möchte und dann dort seine Ideen von Überdachung verwirklichen will, statt dankbar zu sein für das Licht. Manche – wir können das nicht nachvollziehen – suchen dort sogar vorübergehend Unterkunft, in dieser und ähnlichen Kammern und es kostet dann einige Mühe, bis sie wieder von den Vorstellungen lassen, die sie sich dort erwerben und mit denen sie die Harmonie ins Wanken bringen. Wobei nicht alles schlecht ist, was sie mitbringen und wir freuen uns natürlich über jeden, der unseren Hauptraum bevölkert.

I: Ja. Hmm. Die Bewohner. Ist es denn nicht recht leer hier? Ich gebe zu, bei uns ist es eher überfüllt und wir werden den Bedürfnissen vieler einfach noch nicht gerecht. Aber hier ...

R (winkt ab): Sie müssten das mal sehen, wenn wir hier Innengrillfest machen, da strömen Scharen herbei. Scharen! Die fassen die Mauern hier kaum. Und gerade eben – hören Sie nicht das Stimmengewirr von nebenan? Gehen wir mal schnell rüber in unsere Traumaula, das ist der zentralste und aktivste Raum hier.

I (bestaunt einen Kreis von mit bunten Farben beschriebenen und bemalten Plakaten, in dem sich sich ein annähend eiförmiger Ring von Stühlen befindet, die zu kleinen Gruppen zusammengerückt wurden, in denen sich die Menschen angeregt, teilweise sogar recht erregt unterhalten. Viele tragen eine Art Stelzen oder Plattfomschuhe verschiedner Höhe.)

R: Sehen Sie? Wieder die leere Mitte, in der das Göttliche materialisiert und symbolisiert ist und das Licht, das sich von oben auf alle ergießt? Ich fasse unsere Inspirationen regelmäßig zusammen und schicke sie nach Rom, damit endlich einmal alle davon profitieren können, leider lassen die Reaktionen dort bisher sehr zu wünschen übrig. Man hat bisher keinerlei Anstalten gemacht, den Petersdom abzudecken, zum Beispiel, und die Vorsitzende des Frauenkreises hat in ganzen zehn Jahren keine würdigende Antwort auf ihre Kandidatur für die nächste Papstwahl erhalten. Die Ideen unserer Dekonstrukteuere werden einfach nicht aufgegriffen. Vielleicht sollten Sie das einmal dort vortragen, nachdem Sie hier alles bewundern konnten?

I (will in den Raum treten): Ich würde gerne einmal mit den Menschen hier sprechen!

R (entsetzt): Halt! Der Dialog findet hier NUR auf Augenhöhe statt. Bevor Sie in diese heiligen Hallen treten, müssen Sie sich erst Gehförderungen anpassen lassen, die Sie exakt auf Augenhöhe mit allen anderen bringen. Wir können das gleich in Auftrag geben und morgen können Sie dann teilnehmen. Mit Gaststatus ohne Stimmrecht natürlich.

I: Oh, das war mir nicht klar. Nein, morgen muss ich schon wieder zurück sein. Wir haben wirklich viel Arbeit.

R: Wir können Ihnen gerne ein paar unserer Fachfrauen und Fachmänne vorbeischicken!

I: Wie freundlich von Ihnen. Uns ist jeder willkommen. Nur warnen Sie die Leute vor, dass die Verhältnisse bei uns etwas anders sind.

R: Wir sind gerne bereit Opfer zu bringen, damit alle alles im selben Licht sehen wie wir hier.

Sonntag, 12. August 2012

Klasse - erste, zweite oder gar keine ...

Vor knapp zwei Wochen war da ein Leserbrief in der DT, in dem ein beiderseits wiederverheiratetes Paar erklärte, warum es sich nicht bieten lässt, nicht zur Kommunion gehen zu dürfen. An dem Tonfall und Inhalt war so einiges befremdlich um nicht zu sagen unangenehm und der ganze Textduktus zeigte, wie wenig sich die Betroffenen über den Charakter des Sakraments klar waren.

Nun, unter anderem fiel das Argument, man sei kein Katholik zweiter Klasse, der von der Kommunion ausgeschlossen sei. Exemplarischer kann man den Mangel an eigenem Vertehen kaum offenbaren. Mal ganz abgesehen, dass es keine erte und zweite Klasse gibt, was das Katholischsein angeht, gemeint sind ja Rechte und Privilegien, so gibt es dabei doch Klasse. Und die hat man oder man hat sie eben nicht.

Ein Katholik, derandächtig an der Messe teilnimmt und, aus welchen Gründen auch immer, nicht die Kommunion empfängt, hat eindeutig Klasse. Er gibt ein gutes Zeugnis über seinen Glauben, seine Ehrfurcht gegenüber dem Herrn im Sakrament und über die Zentralität der heiligen Messe für seinen Glauben. So jemandem kann man auch gerne Katechesen anvertrauen, weil er nicht einfach sein Gutdünken zum Kanon erklärt und natürlich habe ich vor so jemandem hohen Respekt.

Jemand dahingegen, der sich dem Sakrament der tiefsten Hingabe von Gott und Mensch aneinander mit der Einstellung nähert: Das ist mein gutes Recht, das da zu konsummieren, schließlich zahle ich Kirchensteuer und bin genausogut wie oder besser als die anderen, die die Kommunion empfangen, so jemand hat keine Klasse sondern macht seinem Katholischsein wirklich Schande. Natürlich gibt es dazwischen noch andere Nuancen des Themas, die sich zusammenfassen lassen mit: "Herr, ich weiß, dass meine Disposition kläglich bis nicht vorhanden ist, ich brauche es aber trotzdem, Dir so nahe zu sein, bitte vergib mir, wenn das jetzt falsch ist und mach mich heil." Das sind die Fälle, wo man weder Klasse zeigt noch sie völlig missen lässt, sondern einfach auf Barmherzigkeit angewiesen ist.

Samstag, 11. August 2012

wysiwyg - jetzt auch für katholisch

wysiwyg (= what you see is what you get ) galt schon sehr lange in vielen Fällen nicht mehr, wenn es um Katholisches ging. Während bei vielen Produkten die Piraterie darin besteht, dass das Original täuschend echt kopiert und das Imitat als das Original ausgegeben wird, das sich oft nur in der (erst einmal nicht sichtbaren) Qualität des verwendeten Materials zeigt, hat die Piraterie für den Begriff "römisch-katholisch" noch ganz andere Formen angenommen. In vielen Fällen geht es soweit, als würde man ein völlig anderes Produkt nur mit dem Etikett des Originals bekleben und damit als solches verkaufen. Also, wenn das Original ein T-Shirt mit dem Markenkrokodil darauf wäre, würde man stattdessen etwa eine tiefgefrorene Schokotorte mit dem Krokodil bekleben und als Markenartikel verkaufen. Noch merkwürdiger: während die Firma L**** wahrscheinlich nicht tolerieren würde, dass ihr Markenzeichen jetzt den Verkauf von Schokotorten ankurbeln soll, haben die lokalen kirchlichen Verantwortlichen beflissentlich diversen Organisationen, möglicherweise weil sie einflussreich sind oder zu sein scheinen, gerne die Genehmigung gegeben und verlängert, Ihre Produkte als römisch-katholisch zu deklarieren.

Denn tatsächlich ist das "katholisch" ein geschützter Begriff. Ein Bildungshaus darf sich nur "katholisch" nennen, wenn das Bistum es als solches anerkennt. Das gleiche gilt für Gruppierungen und andere Angebote.

Ob man sich offiziell  "katholisch" nennen darf, sollte eigentlich daran gebunden sein, dass man "katholisches" tut und fördert und es gibt da auch Richtlinien anhand derer das definiert werden kann, den Katechismus der katholischen Kirche und das kanonische Kirchenrecht.

Jetzt ist es aber oft so, dass man in Kontakt mit "katholischen" Gruppen oder Einrichtungen kommt, die ganz ausgesprochen Front machen gegen ganz pauschal "den Katechismus" und gegen das Kirchenrecht, das als repressiv bezeichnet wird. Es ist noch nicht einmal eine halbwegs kritische oder gar faire Auseinandersetzung, die Ablehnung ist kategorisch. Exemplarisch ist hier die schon gehörte Aussage "ich will gar nicht wissen, was da drin steht, weil ich es sowieso ablehne". Es wird also abgelehnt auch nur die Begründung für das kennenzulernen, das man nach außen repräsentiert aber in Wirklichkeit ablehnt oder in Extremfällen sogar bekämpft. Dennoch darf hier in vielen Fällen, vermutlich um Toleranz und Meinungsvielfalt seitens der kirchlichen Behörden zu demonstrieren weiterhin offiziell die Bezeichnung katholisch verwendet werden. Dass das für alle Katholiken und Nichtkatholiken, die dann Veranstaltungen solcher Gruppen besuchen sehr irreführend ist, wird in Kauf genommen.

Die gerade in solchen Fällen sehr laxe Handhabung im Umgang mit dem Begriff "katholisch" hat dazu geführt, dass vielfach die Meinung entstanden ist: "Was katholisch ist, definiere ich selbst, schließlich bin ich durch meine Taufe Mitglied der katholischen Kirche."

In Deutschland wird das wohl auch noch länger so bleiben. Aber weltweit zeichnen sich da interessante Entwicklungen ab. So waren in den letzten Wochen zwei Meldungen immer wieder aktualisiert in den Nachrichten: Die päpstlich-katholische Universität in Lima/Peru darf sich nicht mehr länger "päpstlich-katholisch" nennen, weil sie jede kirchliche Einmischung in ihre Interna strikt ablehnt. Natürlich ist man dort empört und hat angekündigt, zumindest das "katholisch" weiterhin im Namen führen zu wollen, gleich was das Bistum oder Rom dazu sagen.

Der zweite große Konflikt spielt sich gerade in den USA ab. Dort wurde ein Verband von Ordensschwestern, LCWR, dringlich seitens des Vatikans ersucht, radikale feministische Theorien und der Sexuallehre der katholischen Kirche widersprechende Meinungen nicht mehr öffentlich zu verbreiten. Nun tagen die so Ermahnten und laut dieser Meldung gibt es Überlegungen, dass "Frauenorden nicht notwendig in kirchenrechtliche Strukturen eingebunden sein müssten". Wer auch immer das meint, wird feststellen müssen, dass sich natürlich Frauen, auch katholisch getaufte, beliebig zu Gruppen zusammenschließen können, aber dass ein Orden immer unter kirchlicher Aufsicht steht, um Missbräuche und Fehlentwicklungen zu verhindern, zum Schutze der Mitglieder. Dieser Aufsicht hatten sich in den vergangenen Jahrzehnten auch ein paar kirchliche Gemeinschaften entzogen, die versucht hatten, einen Weg zwischen Laientum und geweihtem Leben zu gehen. Trotz vieler auch positiver Aspekte kam es zu einigen derartigen Verirrungen, dass die Folgen auch vor weltlichen Gerichten verhandelt werden mussten und sich diese Gruppierungen, eine nach der anderen, neu konstituieren müssen, so sie sich denn weiterhin oder erstmals gültig "katholisch" nennen wollen.

Wäre das nicht schön, wenn auch wir in Deutschland wieder Veranstaltungen eines jeden katholischen Verbandes besuchen könnten, ohne fürchten zu müssen, dass ein Großteil der Zeit dort mit Dekonstruktionen katholischer Glaubensinhalte und Beschimpfungen katholischer Amtsträger verbracht werden. Dass wir dort nicht die neueste Yogatechnik vorgestellt bekommen oder die neueste häretische These sondern dass Glaubensinhalte erklärt, konstruktiv diskutiert und vorgelebt werden? Wo nicht gemeint würde, Liebe zu Nichtchristen bestünde darin, deren Meinung unreflektiert und zu 100 Prozent zu übernehmen, damit sie nicht durch Widerspruch beleidigt werden?

Montag, 6. August 2012

Prüms bedeutende Reliquie: Die Sandalen Christi


Die Zeiten ändern sich. Heute ist Prüm eine kleine, unbekannte und recht abgelegene Stadt im Hohes Venn genannten Teil der Eifel.  Vor gut 1200 Jahren jedoch war die Abtei Prüm bedeutend. Ihre Besitztümer reichten bis in den Taunus , nach dem heutigen Frankreich, Belgien und den Niederlanden.  Die Abtei war im Jahre 721 von Bertrada der Älteren, einer Urgroßmutter Karls des Großen gestiftet worden und das Herrscherhaus der Karolinger blieb damit eng verbunden, große Teile des karolingischen Adels wurden hier erzogen.
Im Jahr 751 erkannte Papst Zachrias dem bisherigen dem Karolinger Pippin III , dem Vater Karls des Großen, den fränkischen Königstitel zu. Damit wurde die bisherige Herrschaft der Merowinger, die sehr an Macht verloren hatten, beendet. Den Päpsten war sehr an einem starken fränkischen Herrscher gelegen, da die Hilfe der Franken sehr benötigt wurde, um den Kirchenstaat gegen den Ansturm der Langobarden zu bewahren.  Und genau diesem fränkischen Bündnispartner schenkte Papst Zacharias 752 eine der bedeutendsten Reliquien, die es in Rom gab: die Sandalen Christi.
Die kostbare Reliquie wurde der Abtei Prüm übergeben, die bald zum bedeutendsten Kloster des Frankenreiches wurde.
Nun sind die Sandalen Christi nicht in den Evangelien erwähnt und mit der Wiederentdeckung des Heiligen Rocks in Trier verlor die Wallfahrt nach Prüm dadurch schnell an Bedeutung.  Die Sandalen gehen wohl nicht auf die berühmten Ausgrabungen der Kaiserinmutter Helena zurück, sondern waren auf anderen, nicht mehr nachvollziehbaren Wegen, nach Rom gelangt.

Bedenkt man, wie auch heute Gegenstände aus dem persönlichen Besitz berühmter und verehrter Menschen aufbewahrt und von Verehrern zu manchmal erstaunlichen Preisen erstanden werden, kann es kaum verwundern, dass auch schon vor 2000 Jahren jemand ein altes Paar Sandalen Jesu, das vielleicht in Bethanien, wo er sich öfters aufgehalten hatte oder in Samarien von seinen Freunden und Anhängern sorgsam aufbewahrt und weitergegeben wurde.  Der Zerstörung Jerusalems durch die Römer entgingen wohl alle diese Gedenkstücke, denn die Christen hatten die Stadt schon lange vor derem Untergang verlassen.

Am 6. September 2007 wurden die Prümer Sandalen, die in ihrer derzeitigen Form reich verzierte karolingische Pantoffel  sind, von einem französichen  Forschungsteam und zwei Expertinnen des Ledermuseums in Frankfurt untersucht. Dabei stellte sich heraus, dass in die eher königlichen Pantoffeln laut der beiliegenden Beschreibung wohl die Überreste der ursprünglichen Sandalen eingearbeitet worden waren. Tatsächlich fanden sich in den entnommenen Gewebeproben Silikatminerale aus Wüstengegenden und Spuren von Eisen und Titan, eine Erdenzusammensetzung, die es nur im Gebiet um Jerusalem gibt. Ein Fachkongress dazu soll im April 2013 in Prüm stattfinden.
Belegbar ist also, dass die karolingischen Pantoffeln Überreste  von Materialien aus Jerusalem enthalten, die im 8. Jahrhundert als Sandalen Christi verehrt wurden. (Auführlicher dargestellt ist dies in einem Artikel des Vatican-Maganzins vom März 2012, S. 28-31, dort findet man eine Abbildung der Reliquie.)
Leider wird , wer derzeit unangemeldet nach Prüm wallfahrtet und hofft die Reliquie verehren zu können, etwas enttäuscht werden. Zwar ist die Salvatorbasilika geöffnet, aber der Altar mit den Reliquien befindet sich im vorderen linken Teil des Chorraums, vor dem Hochaltar aber jenseits des Volksaltares und der Zutritt in den Altarraum wird durch eine rote Kordel verwehrt. Im hinteren Teil des Kirchenschiffs befindet sich eine Tafel, die die Geschichte der Reliquie erklärt. Ebenfalls vorhanden ist ein Faltblatt mit einer Übersicht über die Altäre in der Salvatorbasilika, so dass man zumindest ungefähr weiß, hinter welchem Seitenaltar sich die Reliquie befindet.

Sicherlich wird man eine geeignetere Art des Zugangs zumindest zu diesem Altar finden können, sollten sich die Besucherströme vergrößern, nachdem nun wieder mehr ins Bewusstsein geraten ist, was dort im Hohen Venn zu finden ist. Interesse besteht, wie bisher einzelne Pilger aus Deutschland und dem umliegenden Grenzland zeigen.
Leider konnte ich bisher nicht herausfinden, ob es für die Reliquie auch einen offiziellen Wallfahrtstermin gibt. Vielleicht kann da jemand in der Kommentarfunktion aushelfen.
Ich hoffe hiermit, die im Internet zugänglichen Informationen zu diesem Thema etwas erweitert zu haben.

Sonntag, 5. August 2012

Fehlende Inventur

In Aufarbeitung angehäufter Nachrichten stieß ich auf ein Zenit-Interview vom 11. Juli dieses Jahres mit Erzbischof Dr. Robert Zollitsch zur Neueangelisation. Ich blieb an diesem Satz hier hängen:
"Dann möchte ich im Rat natürlich die Erfahrungen der Neuevangelisierung aus Deutschland vermitteln. Wir haben da ja schon spannende und längerfristige Aufbrüche. Die deutschen Bischöfe haben das Anliegen des Heiligen Vaters bereits vor zwölf Jahren in ihrer Schrift „Zeit der Aussaat – missionarisch Kirche sein“ grundgelegt."

Ich will das sicherheitshalber paraphrasiert wiederholen: Erzbischof Zollitsch möchte der Neuevangelisation aufhelfen, indem er auf die Erfolge in diesem Bereich in Deutschland (er muss unser Deutschland meinen, es gibt sonst meines Wissens kein Deutschland) hinweist, wo die Aufbrüche, die andern zum Beispiel werden können, schon zum Teil zwölf Jahre oder länger geschehen sind, so dass man bereits große Erfahrung hat. Denn der Aufruf des Heiligen Vaters hat ja nur etwas thematisiert, was die deutschen Bischöfe schon lange erkannt und in Angriff genommen haben.


(Das Smiley-Zeichen an dieser Stelle wäre vermutlich ein facepalm ...)


Natürlich möchte ich niemandes Verdienst schmälern, der sich innerhalb Deutschlands schon für die Neuevangelisation engagiert hat. Es gibt da viele, die tatsächlich ihre Leben und Freizeit hineininvestieren. Ich kann da sogar aus eigener Erfahrung sprechen: Stunden, Tage, Wochen, die in die Vorbereitung von jugendgemäßen Katechesen gingen, die selbst komplexere Sachverhalte der katholischen Glaubenslehre so erklären, dass ein 12-Jähriger sie verstehen kann und das ohne Verwässern und Verfälschen, zum Beispiel.

ABER - und hier spreche ich auch aus vielfacher Erfahrung - nachdem mühsam ausgesät und sorgfältig erstbewässert wurde, kamen die zarten Pflänzchen, die zu wachsen begonnen hatten, in die Pfarreien, in die diese jungen Menschen zurückkehrten.
Da gab es die Eltern, die sich die Unterstützung des diözesanen Sektenbeauftragten holten, weil es anormal war, dass ihr Sohn plötzlich den Wunsch hatte, täglich zu beten. Und der Sektenbeauftragte bestätigte, dass diese römisch-katholische Gemeinschaft, die schon Jahrzehnte alt ist und nie in Konflikt mit kirchlichen Behörden geriet, eine Sekte sei.
Da gab es den Pfarrer, der den nachfragenden, plötzlich verunsicherten Jugendlichen erklärte, dass, was ihnen da gesagt worden sei, sei zwar Lehre der katholischen Kirche aber normale Menschen könnten sich daran nicht halten, das sei nur etwas für ein paar besonders Fromme. Gerade was Sexualmoral angeht, sei es hierzulande und heutzutage völlig üblich, dass ... und genauso sollten sie es halten.
Und da gab es das schleichende Ersticken der aufkeimenden Pflänzchen im eigenen und im Pfarralltag.
Es gab auch Berufungen. Zwei Ordensschwestern, eine Handvoll Priester, Diakone und engagierte Mitarbeiter in den Pfarreien.

Aber um eine ehrliche Inventur zu machen. Bei vielleicht zehn Menschen konnte ich mitbeitragen, dass sie zu überzeugten und überzeugenden Christen werden. Bei einigen hundert konnte ich das nicht.
Das Zeugnis, das ich und andere gaben, und das viele hatte aufhorchen lassen, wurde in den Familien, Pfarreien, in der Schule, auf der Arbeit, von Nichtgläubigen, Christen und geweihten Personen in vielen Fällen systematisch kleingeredet, angezweifelt, verächtlich gemacht und der Wirksamkeit beraubt. In noch mehr Fällen wurde es einfach überwuchert von anderen Beispielen, von den vielen, die das "tu, was du willst und wann du willst und lass dir von niemandem dreinreden" tagtäglich vorlebten.

Das ist kein Klima der Neuevangelisation.

Oder nehmen wir die Pfarrgemeinde, in der ich lebe. Sie beschreibt sich ganz gern als lebendig und offen. In der Tat gibt es zahlreiche Veranstaltungen. Natürlich die Katechesen. Gruppenstunden. Vorträge der Erwachsenenbildung. Einen Kirchenchor. Einen Jugendchor. Eine Gitarrengruppe. Das Pfarrsommerfest. Es werden Dinge getan und einige investieren ungeheuer viel von ihrer Zeit dafür.

Nur darf man nicht tiefer graben. Selbst von den wenigen Kirchgängern, geht fast niemand mehr zur Beichte. Es gibt kaum eine (jedenfalls keine, die ich kenne) katholische Familie vor Ort, in der nicht jemand unverheiratet mit einem anderen zusammenlebt oder eine zweite bis x-te Zivilehe oder Parnterschaft eingegangen wurde. In den meisten Familien gibt es Kirchenaustritte. Andere entschließen sich nicht zum Austritt besuchen aber nie einen Gottesdienst. Es gibt so gut wie kein Sündenbewusstsein außer dem, eine Diät nicht eingehalten zu haben. Jede Entscheidung, die jemand getroffen hat, gilt für jeden selbst quasi als sakrosankt und Gott kann (und darf) dazu keine andere Meinung haben. Es ist normal zu lügen. Es ist normal zu betrügen. Es ist normal zu konsumieren, was des Weges kommt ob Filme, Bücher, Nahrungsmittel, Gelegenheiten, Menschen - mit der einen Ausnahme, es darf kein Übergewicht erzeugen. Natürlich tut man auch dem einen oder andern etwas Gutes und spendet, oft sogar großzügig.

Christen in Deutschland unterscheiden sich in ihrer Großzahl nicht von ihren nicht-christlichen Nachbarn. Sie sehen die gleichen Filme, lesen die gleichen Bücher, teilen die gleichen Meinungen und verurteilen die "Amtskirche". Sie konsumieren gelegentlich Gottesdienste und sakramentale Handlungen, weil sie nicht strikt antikirchlich sind wie ein paar andere gesellschaftliche Gruppen.
Sie sind - rein juristisch gesehen - keine schlechten Menschen. Sie sind oft sogar ganz freundlich, mitmenschlich und sozial engagiert, was alles positiv ist.
NUR, Jesus Christus ist nicht ihr Herr, dessen Meinung sie ihre unterordnen würden, sie folgen keiner verbindlichen Lehre, die offiziell als christlich gilt, sondern ihren Gefühlen und Eindrücken. Sie versuchen aus diesem Leben soviel wie möglich herauszuholen, weil die Sache mit dem Jenseits oder gar der Ewigkeit zu vage ist, um in irgendeiner Weise darauf ausgerichtet zu sein. Man geht davon aus, dass sowieso alle in den Himmel kommen, außer vielleicht irgendwelchen ganz schlimmen Verbrechern wie massenmordende Regierungschefs und Priester, die sich sexuell gegen Kindern verfehlt haben. Sexuelle Verfehlungen gegenüber Erwachsenen sind aber gar keine, das ist alles nur individuelle Lebensgestaltung, die gutgeheißen werden sollte.

Falls wir wirklich Inventur machen: Solche Christen sind keine Christen, auch wenn sie getauft sind; es sind nur mehr oder weniger nette Heiden.
Und falls wir Inventur machen: Alle unseren glorreichen Initiativen hierzulande haben es zwar geschafft, dem einen oder anderen zu helfen, aber im Großen und Ganzen sind sie gescheitert.
Hier könnte man Schuldzuweisungen machen oder Probleme aufzählen. Doch wozu? Es wäre ein gewaltiger Schritt weiter, sich das Problem erst einmal einzugestehen!

Es ist in keiner Weise hilfreich, das schönzureden und genau das hat Erzbischof Zollitsch getan. Er hat bisher keine ehrliche und schonungslose Inventur gemacht. Denn es liegt ihm anscheinend nicht, bei jemandem anzustoßen. Er möchte auch als nett gelten, das Heiligkeitsideal der  weitgehend wertelosen Gesellschaft. Er will allen wohl und niemandem weh. (Die Mainzer können hier einmal grinsen, das war einmal Motto beim MCC, dem Mainzer Carnevals Club.) Und darum wird er auch kein Übel erkennen und beseitigen können. Die Wahrheit ist schmerzlich und erschreckend. Welcher Bischof aber wird den Mut haben, sie beim Namen zu nennen, so laut und so hartnäckig, bis alle auf das Desaster sehen müssen, das sie bis jetzt geflissentlich übersehen und mit hübschen Mäntelchen versehen haben?

Ein Vergleich, den er besser nicht gezogen hätte

In der DT von gestern war ein Interview mit Olympiapfarrer Hans-Gerd Schütt (in kanariengelber vermutlich irgendwie olympionikischer Jacke abgebildet). Am Ende des kurzen Interviews fiel ein seltsamer Satz: "Die Olympischen Werte sollen nicht wie eine Monstranz vor sich hergetragen, sondern gelebt werden." Der Kontext war, dass die olympischen Spiele immer stärker kommerzialisiert werden die Praxis der ursprünglich wichtigen ideellen Werte eine immer geringere Rolle zu spielen scheint und so zu einer Art attraktivem Werbespruch werden.

Nur, was hat das mit einer Monstranz zu tun? Denn aus diesem Satz von Herr Pfarrer Schütt müsste man eigentlich schließen, dass eine Monstranz als attraktives werbewirksames Stück durch die Straßen getragen wird, während es dann reell darum geht, die durch diese Werbung Erreichten gewinnbringend für die eigenen Zwecke zu nutzen?

???

Und selbst wenn es bei dem Vor-sich-Hertragen der Monstranz, die anscheinend als Statussymbol von irgendwem benutzt wird - nur von wem? dem Pfarrer? dem Pfarrgemeinderat? dem Kirchenchor? der gesamten Ortsgemeinde? und kann die dann jeder aus gegebenem Anlass mieten? - selbst wenn es also bei dem Tragen der Monstranz zumindest ostentativ um die Verehrung von etwas/jemand Wichtigem geht, dann, lässt sich aus diesem Satz von Herrn Pfarrer Schütt schließen, ist das alles eher Augenschein, denn ernst meint das ja sowieso keiner, denn es wird ja nicht gelebt, wie er sagt.

Ich kann nur vermuten, dass Herr Pfarrer Schütt all diese Aussagen eigentlich nicht machen wollte, sondern nur gedankenlos war, etwas dahingeplappert hat und so ganz nebenbei die römischen "Fasces", die vor römischen Amtsträgern dahingetragen wurden mit der Monstranz verwechselt hat, die nur als Gefäß für das Heiligste dient, das der Herr Jesus Christus uns hinterlassen hat, sich selbst in der Form des Brotes. Nur irgendwie bleibt bei mir der Eindruck, dass er selbst bei dem Wort Monstranz eher weniger daran denkt, dass hier Gott selbst heilend und sich schenkend in unsere Straßen kommt, sonst würde er einen solchen Vergleich eher nicht benutz haben. Mir käme er nicht über die Lippen.

Wären die olympischen Werte wie eine Monstranz, dann sollte man eigentlich folgern, stünden sie völlig im Mittelpunkt, weil sie zentral sind und das Finanzielle wäre wirklich nur Beiwerk, um sie richtig hervorzuheben.