Oremus pro Pontifice nostro Franzisco.

Dominus conservet eum et vivificet eum

et beatum faciat eum in terra et

non tradat eum in animam inimicorum eius.

Sonntag, 19. August 2012

Wertschätzung

"Würde nämlich dieses hochheilige Sakrament nur an einem einzigen Orte gefeiert und in der ganzen Welt nur von einem Priester geweiht, mit welcher Sehnsucht, glaubst du, würde es die Menschen nicht nach jenem Orte und zu diesem Priester Gottes ziehen, um die Feier der göttlichen Geheimnisse miterleben zu können? So aber gibt es der Priester viele, und an vielen Plätzen wird für Christus geopfert, so daß die Gnade Gottes und seine Liebe zu den Menschen in umso hellerem Lichte erstrahlt."

Nachfolge Christi, 4. Buch, 1. Kapitel, 13

Das ist schon viele Jahre her, dass ich auf dieses Büchlein gestoßen war; im Rucksack eines Bekannten, den dieser mitgebracht haben wollte. Ich habe es dann bei nächster Gelegenheit gekauft, was zu  vor-amazonischen Zeiten nicht so einfach war. Die Dombuchhandlung sei wohl eine gute Adresse für so etwas, dachte ich. Das war eine Fehlanzeige, da gab es alle möglichen aktuellen Romane, die man auch in anderen Buchhandlungen finden konnte und eine Ecke mit religiöser Literatur. Aber Fehlanzeige. Der Verkäufer ratlos. Doch ich hatte Glück, der alte Inhaber wurde herbeigeholt. "Natürlich haben wir das. Das ist doch ein Standardwerk. Das steht immer dort drüben. - Oh. Da ist wirklich nichts. Das bestellen wir natürlich sofort." Brauche ich zu erwähnen, dass das Standardwerk auch nach diesem Kauf nicht im Repertoire zu finden war?

Als ich jedenfalls den Text zum ersten Mal las, war meine Kusine zum Studium in Santiago de Compostela  und ich stellte mir vor, wie das wäre, wenn das Messopfer tatsächlich zum Beispiel nur dort gefeiert würde. Der Menschenandrang ist dort ohnehin beachtlich während der Wallfahrtszeiten und wenn es gelingt, an so einem Gottesdienst teilzunehmen, muss man manchmal für jeden Stehplatz froh sein. Was wäre das für ein Erlebnis, dann einmal dabeisein zu dürfen, von der Kommunion ganz zu schweigen. Das wäre so ein non-plus-ultra, die Krönung wochenlanger Mühen auf der Wallfahrt.

Wieviel einfacher haben wir es. Und was ist die Folge? Für viele ist es überhaupt kein Wunder. Es bedeutet ihnen nichts, dabei anwesend sein zu können; sie langweilen sich nur, oft verzichten sie darauf. Wenn sie aber einmal auftauchen und Predigt und alles andere durchgestanden haben, dann wollen sie natürlich auch etwas abhaben, wenn da etwas verteilt wird. Von Dankbarkeit auch nur bei dem Wunder - das sie nicht als Wunder sehen - anwesend sein zu dürfen, keine Spur.

Das geht soweit, dass inzwischen einige Gemeinden im deutschsprachigen Raum behaupten, ihnen sei ein Wortgottesdienst vor Ort und in der vertrauten Gruppe wichtiger als eine heilige Messe im Nachbarort oder von einem nicht ortsansässigen Priester gehalten. Oder die voll Empörung sind, weil statt eines angekündigten Wortgottesdienstes dann doch eine Eucharistiefeier stattfindet - wie rücksichtslos gegenüber den Vorbereitenden, die natürlich auch gern auf das Messopfer per se verzichten können. Weniger gern allerdings verzichtet man auf die Gratisausteilung von diesen runden Brotscheiben, die zwar recht fade schmecken, darum werden sie gelegentlich durch leckere wenn auch krümelnde Bäckereierzeugnisse ersetzt, bei denen man auch merkt, dass man etwas isst. Einzelne Leiter solcher Feiern sollen sogar schon soweit gegangen sein, mangels vorhandenem Material, einfach selbst das eine oder andere Backerzeugnis als kommunionfähig erklärt zu haben. Kreise, in denen die Dinge soweit vorangeschritten sind, reagieren dann besonders allergisch, wenn das so ein dahergelaufener Geweihter erklärt, so gehe das nicht. Sie haben dabei doch so schöne Gemeinschaft erlebt.

Dramatisch, diese Entwicklung, die einsetzen kann, wenn die Menschen immer weniger vom Opfer Jesu und dessen Geschehen in der Messe wissen sondern meinen, sich nur zu treffen, um gemeinsam ein symbolisches Mahl zu halten. Dann natürlich wird es völlig unverständlich, warum jemand zur Teilnahme nicht qualifiziert sein könnte. Und dann weiß man nicht mehr zu schätzen, wie wertvoll es ist, an einer heiligen Messe auch nur teilnehmen zu können.


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