Oremus pro Pontifice nostro Franzisco.

Dominus conservet eum et vivificet eum

et beatum faciat eum in terra et

non tradat eum in animam inimicorum eius.

Samstag, 3. November 2012

das Konzept Wort-Gottesfeier ist "out-dated"

Ganz zu Anfang dieses Blogs (gut zwei Jahre her ist das) habe ich meine Eindrücke zu Wort-Gottes-Feier versus Besuch der heiligen Messe dargelegt. Mittlerweile sind meine Überlegungen da noch ein Stück weiter gediehen. Denn ich lese ja immer wieder diverse Meinungsäußerungen, wie förderlich der christlichen Gemeinschaft doch die ein Wortgottesdienst sein könne, wenn die Messfeier ausfalle. Und tatsächlich höre ich auch aus betroffenen Gemeinden, der eine oder andere finde die nett und ansprechend gestaltete Feier doch sehr ansprechend und besser als das, was der Pfarrer sonst biete.

Andererseits bin ich mittlerweile auf viele ältere und stark gehbehinderte Menschen gestoßen, die für sich eine andere Lösung entdeckt haben, nämlich die participatio actuosa an einem im Fernsehen übertragenen Gottesdienst, wobei hier EWTN und k-tv favoritisiert zu werden scheinen. Einige äußerten sogar, sie zögen diese übertragene heilige Messe der oft etwas bedrückenden und befremdenden Version vor, in deren Genuß sie kämen, würden sie Verwandte beknien, sie zur Kirche zu bringen und abzuholen und dort eventuell hilflos in der Bank zu verharren, weil der Zelebrant einmal wieder vergisst, ihnen die Kommunion zu bringen und während so manches sie hindert, wirklich aktiv den Gang der Messe zu verfolgen (es wurde ja schon genug geschildert).

Anfangs habe ich solche Aussagen mit Zurückhaltung angehört und fand es äußerst bedenklich, dass einen "virtuelle" Teilnahme an der Messe einer physischen vorgezogen werden kann. Mittlerweile habe ich verstanden, dass diejenigen, die das erzählten, durchaus auch lieber gerne körperlich anwesend eine heilige Messe mitfeiern würden, dass ihnen das aber durch alle Umstände (desinteressierte Familie, unpersönliche Atmosphäre vor Ort und zuviel Ablenkungen durch gruppenspezifische Sonder- und Eigenliturgien) oft sehr schwer gemacht wird. Sie lehnen auch nicht die Gemeinschaft mit anderen Mitchristen ab. Im Gegenteil, manchmal laden sie hoffnungsvoll dazu ein, doch mit ihnen, an der übertragenen heiligen Messe, die doch so tröstlich und erhebend für sie ist, teilzunehmen.

Sicher ist es eine gute Sache, sich gemeinsam zu einem sonntäglichen Wortgottesdienst zu treffen, wenn das die Alternative zu einem nur für sich allein gestalteten Gebet oder zu einem völligen Ausfallen eines solchen ist. So fanden wir das gemeinsame Bibelteilen in einem fremden Land und ohne katholische Kirche in 200 km Umkreis einmal sehr hilfreich. Wohlgemerkt, es war die einzige Möglichkeit, aktiv an einem christlichen Gottesdienst teilzunehmen, denn ein evangelischer Predigtgottesdienst in der Landessprache wäre irgendwie nicht so sehr sinnvoll gewesen.

Und so war es in vergangenen Jahrzehnten sicher sehr sinnvoll, wenn weitab von Rundfunkempfängern aller Art (wegen des Fehlens elektrischer Versorgung) sich Menschen in entlegenen Gegenden, ob nun im afrikanischen Busch oder Dschungel oder in den Gebirgen und Urwäldern Südamerikas oder in irgendwelchen Einöden) sich zu einem Gottesdienst zusammenfanden  und - finden. Aber das wandelt sich immer schneller. Selbst die entlegensten Gegenden werden jetzt mit Internetanschlüssen versorgt und bald wird man auch dort - natürlich am idealsten gemeinsam - dort an livestream-Übertragungen von heiligen Messen teilnehmen können.

Zu bedenken ist auch, dass bei Großveranstaltungen ja auch das aktive Teilnehmen an der heiligen Messe nur über Großleinwände möglich ist, oft sogar nur in benachbarten Örtlichkeiten zum Zelebrationsort. Wo ist da dann eigentlich der große Unterschied zu einer in noch größeren Distanz mitverfolgten gottesdienstlichen Feier? Höchstens noch der, dass bei Großveranstaltungen die Kommunion mit dem in ein- und derselben Feier gewandelten Leib Christi stattfinden kann. Oft aber ist es aus organisatorischen Gründen schon nicht möglich gewesen, dass alle diesen Vorzug hatten, so dass etlichen nur die geistige Kommunion blieb.

Was jetzt tatsächlich miteinander kollidiert sind ein protestantisches und ein römisch-katholisches Verständnis  von Gottesdienst. Die protestantische Sichtweise ist meines Wissens die (denn die Eucharistie als Sakrament gibt es dort ja nicht), dass die Gemeinschaft im gläubigen und die schriftbetrachtenden Zusammensein zweier Christen voll verwirklicht ist. Der römisch-katholische Gemeinschaftsbegriff aber geht von der Feier der heiligen Messe in Gemeinschaft mit dem Bischof aus, als dessen Vertreter die Priester geweiht werden.

Bei einer Messfeier ohne Priester ist die Gemeinschaft mit dem Bischof selbst also nicht mehr gegeben, es ist ein Gottesdienst mit gewaltigen Abstrichen.

Was in den Forderungen nach eucharistielosen Wortgottesdienstfeiern vor Ort durchscheint, ist der Verlust der katholischen Definition der die Gemeinde bildenden Gemeinschaft. Und was hier nicht bedacht wird, ist auch Folgendes: Viele Protestanten nehmen obwohl durchaus fromm und glaubend (auch wenn diese Gruppe in den vergangenen Jahren ebenfalls stark zusammengeschmolzen ist) nicht an protestantischen Gottesdiensten teil, weil sie ihre Schriftlesung auch allein halten können.

Und das würde ich angesichts der Qualität so mancher verbaler Äußerungen von Gottesdienstleitern (und der oft seichten Predigten, die auf kaum praktizierende Christen abzielen) wohl vielleicht auch tun, um zumindest gelegentlich einen in die Tiefe gehenden Gottes-Dienst zu haben. - Dahingegen setze ich einiges ein, um an einer heiligen Messe teilnehmen zu können, ganz unabhängig von den Qualitäten des Predigers, und wenn tatsächlich keine erreichbar wäre - warum sollte ich dann nicht per livestream die heilige Messe sogar mit dem Papst in Rom feiern anstatt eine Gebetsstunde mit ein paar anderen Laien zu halten. Wobei ich nichts gegen Gebetsgottesdienste einzuwenden habe und sie auch ab und an besuche (Andachten, Anbetung, Lobpreisgottesdienst), aber eben nicht anstatt der Feier der heiligen Messe sondern zusätzlich.

Unter den jetzigen Umständen mit Gewalt an dem überholten Konzept von Wortgottesdienstfeiern und Wort-Gottes-Feiern festhalten zu wollen, ist vollkommen überholt. Sinnvoll wäre mittlerweile, Livestreams von Bischofs- oder Papstmessen in den Gemeinden anzubieten, in denen keine heilige Messe gefeiert werden kann und wo die Eucharistiefeier auch andernorts nur schwer erreichbar ist. Auch hier wäre das Engagement von Laien zu einem gelungenen Ablauf sehr gefragt und endlich wäre eine würdige und bereichernde Teilnahme an einer heiligen Messe - wenn auch ohne Empfang der Kommunion aus ebendieser - ermöglicht.

Bisher habe ich aber noch keine Überlegungen von offizieller Seite dazu gehört.
Stattdessen wird anscheinend immer noch auf Selbstgestricktes mit mangelnder Qualität und zur Förderung der kreativen Selbstverwirklichung von "Gottesdienstleitern" gesetzt, die zu immer stärkerer Verunheitlichung der Liturgie führt, statt etwas zu fördern, das die Gemeinschaft aller Katholiken und besonders die Einheit mit den Hirten unterstützen und wachsen lassen würde.






Kommentare:

  1. Wortgottesdienstleiterinnen und -leiter leiten eine gemeindliche Feier immer im Auftrag ihrer Gemeinde, also im Auftrag, in Einverständnis und in Absprache mit dem die Pfarrei leitenden oder für den Kirchort verantwortlichen Priester. Und ohne offizielle, befristete, bischöfliche(!) Beauftragung (die regelmäßig wieder durch die Gemeinde beantragt werden muss) nach einer entsprechenden umfassenden offiziellen Schulung geht auch nichts! Oder sollte das in eurem Bistum anders sein? So beliebig, wie du das hier behauptest, ist eine Wortgottesfeier durchaus nicht. Es sei denn, sie findet im privaten Rahmen statt. Die scheinst du aber nicht im Blick zu haben.

    Die Versammlung der Gemeinde und die Erfahrung von echter Gemeinschaft als ganz wesentliches Element eines jeden Gottesdienstes/einer jeden Messe wird durch die Teilnahme vor dem TV oder Radio nicht real erfahrbar. Das ist ein großes Manko, weshalb diese Ersatzform nur im äußersten Fall gewählt werden sollte. Dass einem in einem Gottesdienst oder einer Messe nicht alles gefällt, halte ich für ebenso normal wie dass ich denjenigen oder diejenige, der oder die die Leitung inne hat, von der Person oder der Art der Gottesdienstgestaltung her nicht leiden kann. Eine andere Erwartung halte ich für naiv und illusorisch.

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  2. Darauf werde ich in einem eigenen Post antworten, damit es nicht untergeht. Vielleicht auch in zwei, damit Aspekte nicht untergehen.

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  3. "Gemeinde" versammelt sich!!!!
    Sicher ist es technisch möglich einen Gottesdienst mit Priester zu übertragen. Aber was hat "Gemeinde" davon? Dann kann "Gemeinde" auch Zuhause bleiben, den Rechner anwerfen und sich berieseln lassen.
    Wort-Gottes-Feiern leben von "Gottes Wort". Dieser Aspekt sollte im Vordergrund stehen. Sicherlich, wir müssen uns von Wortgottesdiensten trennen die ein Abklatsch des ersten Teiles einer hl. Messe ist. Mit dieser Konzeption wird niemand mehr erfolgreich sein. Aber eine eigenständige Wort-Gottes-Feier gut vorbereitet, gut und verständlich vorgetragen kann bereichernd sein. Auch sollte überdacht werden nur in Ausnahmesituationen die hl.Kommunion auszuteilen. Das würde doch wie eine billige Kopie wirken als "Notnagel" halt.

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  4. @ Anonym:
    Da kann ich nur zurückfragen: Was haben die Versammelten davon, bei einem gestalteten Programm mitzumachen, das keine Messe ist?
    Das Wort Gottes, von dem wir leben, ist Jesus Christus selbst. Darum ist seine Realpräsenz im Vollzug der Wandlung so unverzichtbar. Wenn es nur um Meditationen des Wortes Gottes in der Heiligen Schrift geht, dann kann man allerdings zu Hause bleiben und diese selbst halten. Es gibt nur eines, das niemand für sich selbst kann, außer er ist geweihter Priester: nämlich in der Person Christi das Opfer darbringen.
    Wie schon mittlerweile des öfteren hier ausgesagt, sind auch Wortgottesdienste welcher Art auch immer, ob Eucharistische Andacht, Rosenkranz, Lobpreisgottesdienst, Bibelteilen u.v.a. sinnvoll und bereichernd - aber sie sind niemals eine Alternative zur Eucharistiefeier sondern ein in sich unzulänglicher Ersatz.

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