Oremus pro Pontifice nostro Franzisco.

Dominus conservet eum et vivificet eum

et beatum faciat eum in terra et

non tradat eum in animam inimicorum eius.

Mittwoch, 4. Januar 2012

Macht und Liebe


´Du verschenkst, was du nicht hast´, sagte Ríochan gelassen. ´Doch selbst, wenn es dir gehörte. Niemals werde ich dir in die Dunkelheit folgen  Und du irrst dich, wenn du meinst, du könntest je die Macht an dich reißen. Das Wesen der Macht ist Liebe. Du hast vergessen, was dieses Wort bedeutet.´

´Liebe ist eine Illusion´, erwiderte Barraid. ´Eine Lüge, die die Freiheit zum Handeln nimmt. Eine Erfindung, die von euch benutzt wird, um selbst an der Macht zu bleiben, die die Forderungen nach Gehorsam und Unterwerfung bemäntelt. Ein Mittel für Schwächlinge, um alle anderen zu unterjochen.

Denn das ist das wahre Wesen der Macht: die Herrschaft auszuüben und alles, was sich ihr entgegenstellt zu vernichten. Ihr nennt mich einen Meister der Lüge, wenn meine Listen und Strategien Erfolg haben. Aber diese größte Lüge ist eure Erfindung. Es gibt keine Liebe, nur den Kampf um die Macht mit allen Mitteln.

aus „Abhaileon – Eine Geschichte über ein schwarzes Pferd“, Kapitel-16.3

Worum geht es in der Kirche? Macht oder Liebe?
Worum geht es bei der Vorherrschaft über eine Welt?

Der Teufel in jener Geschichte ist davon überzeugt, es geht nur um die Macht, die Stück für Stück gewonnen werden kann, die es zu entreißen gilt, um sie einmal innezuhaben.
Und zu dem Zeitpunkt, zu dem er es sagt, scheint seine Strategie zu gewinnen. Die Welt Abhaileon scheint an ihn zu fallen. Den Einfluss des Engelfürsten Riochan, dessen Aufgabe es ist, diese Welt zu schützen, hat er fast vollständig zurückdrängen können. Man folgt ihm, selbst bei seinen Gegnern.

Ríochan kann ruhig bleiben. Er kennt die Wahrheit, die der andere nicht begreifen kann: Die einzige Macht, die unveränderlich und unbezwingbar ist, ist die der Liebe Gottes, die sich wehrlos macht und in vielen kleinen aber konkreten Situationen hingibt, um irgendeinen Schwachen zu retten oder zu unterstützen.

Sinnlose Verschwendung für die wahrhaft Mächtigen, meint Barraid und ein Mittel, Leute kleinzuhalten, die selbst das Potenzial in sich tragen, an die Macht zu kommen.

Wozu ist jemand katholischer Priester?
Um Macht auszuüben über eine Gemeinde und möglicherweise in kirchlichen Rängen aufzusteigen, um Macht auszuüben über ganze Landstriche?
Oder um immer identischer zu werden mit seinem Herrn in der Hingabe des eigenen Lebens und allen Mitchristen, die dazu ebenfalls berufen sind, darin ein Beispiel zu geben?
Und wer hindert diese anderen Christen, die nicht Priester sind, denn daran, diese Berufung voll auszuüben und sich hinzugeben, damit andere Heil und Leben finden, ganz unabhängig davon, ob ihr Seelsorger darin wirklich ein Beispiel setzt oder nicht?

Und wessen Vorstellungen folgen nur all jene, die so vehement Macht und Beteiligung an der Macht fordern und es recht klar für lächerlich und dumm halten, einfach anzufangen zu dienen, damit wenigstens in ihnen Gott und seine Art von machtvoller Liebe und liebender Macht sichtbar wird, wenn schon alle anderen es nicht tun?

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