wysiwyg (= what you see is what you get ) galt schon sehr lange in vielen Fällen nicht mehr, wenn es um Katholisches ging. Während bei vielen Produkten die Piraterie darin besteht, dass das Original täuschend echt kopiert und das Imitat als das Original ausgegeben wird, das sich oft nur in der (erst einmal nicht sichtbaren) Qualität des verwendeten Materials zeigt, hat die Piraterie für den Begriff "römisch-katholisch" noch ganz andere Formen angenommen. In vielen Fällen geht es soweit, als würde man ein völlig anderes Produkt nur mit dem Etikett des Originals bekleben und damit als solches verkaufen. Also, wenn das Original ein T-Shirt mit dem Markenkrokodil darauf wäre, würde man stattdessen etwa eine tiefgefrorene Schokotorte mit dem Krokodil bekleben und als Markenartikel verkaufen. Noch merkwürdiger: während die Firma L**** wahrscheinlich nicht tolerieren würde, dass ihr Markenzeichen jetzt den Verkauf von Schokotorten ankurbeln soll, haben die lokalen kirchlichen Verantwortlichen beflissentlich diversen Organisationen, möglicherweise weil sie einflussreich sind oder zu sein scheinen, gerne die Genehmigung gegeben und verlängert, Ihre Produkte als römisch-katholisch zu deklarieren.
Denn tatsächlich ist das "katholisch" ein geschützter Begriff. Ein Bildungshaus darf sich nur "katholisch" nennen, wenn das Bistum es als solches anerkennt. Das gleiche gilt für Gruppierungen und andere Angebote.
Ob man sich offiziell "katholisch" nennen darf, sollte eigentlich daran gebunden sein, dass man "katholisches" tut und fördert und es gibt da auch Richtlinien anhand derer das definiert werden kann, den Katechismus der katholischen Kirche und das kanonische Kirchenrecht.
Jetzt ist es aber oft so, dass man in Kontakt mit "katholischen" Gruppen oder Einrichtungen kommt, die ganz ausgesprochen Front machen gegen ganz pauschal "den Katechismus" und gegen das Kirchenrecht, das als repressiv bezeichnet wird. Es ist noch nicht einmal eine halbwegs kritische oder gar faire Auseinandersetzung, die Ablehnung ist kategorisch. Exemplarisch ist hier die schon gehörte Aussage "ich will gar nicht wissen, was da drin steht, weil ich es sowieso ablehne". Es wird also abgelehnt auch nur die Begründung für das kennenzulernen, das man nach außen repräsentiert aber in Wirklichkeit ablehnt oder in Extremfällen sogar bekämpft. Dennoch darf hier in vielen Fällen, vermutlich um Toleranz und Meinungsvielfalt seitens der kirchlichen Behörden zu demonstrieren weiterhin offiziell die Bezeichnung katholisch verwendet werden. Dass das für alle Katholiken und Nichtkatholiken, die dann Veranstaltungen solcher Gruppen besuchen sehr irreführend ist, wird in Kauf genommen.
Die gerade in solchen Fällen sehr laxe Handhabung im Umgang mit dem Begriff "katholisch" hat dazu geführt, dass vielfach die Meinung entstanden ist: "Was katholisch ist, definiere ich selbst, schließlich bin ich durch meine Taufe Mitglied der katholischen Kirche."
In Deutschland wird das wohl auch noch länger so bleiben. Aber weltweit zeichnen sich da interessante Entwicklungen ab. So waren in den letzten Wochen zwei Meldungen immer wieder aktualisiert in den Nachrichten: Die päpstlich-katholische Universität in Lima/Peru darf sich nicht mehr länger "päpstlich-katholisch" nennen, weil sie jede kirchliche Einmischung in ihre Interna strikt ablehnt. Natürlich ist man dort empört und hat angekündigt, zumindest das "katholisch" weiterhin im Namen führen zu wollen, gleich was das Bistum oder Rom dazu sagen.
Der zweite große Konflikt spielt sich gerade in den USA ab. Dort wurde ein Verband von Ordensschwestern, LCWR, dringlich seitens des Vatikans ersucht, radikale feministische Theorien und der Sexuallehre der katholischen Kirche widersprechende Meinungen nicht mehr öffentlich zu verbreiten. Nun tagen die so Ermahnten und laut dieser Meldung gibt es Überlegungen, dass "Frauenorden nicht notwendig in kirchenrechtliche Strukturen eingebunden sein müssten". Wer auch immer das meint, wird feststellen müssen, dass sich natürlich Frauen, auch katholisch getaufte, beliebig zu Gruppen zusammenschließen können, aber dass ein Orden immer unter kirchlicher Aufsicht steht, um Missbräuche und Fehlentwicklungen zu verhindern, zum Schutze der Mitglieder. Dieser Aufsicht hatten sich in den vergangenen Jahrzehnten auch ein paar kirchliche Gemeinschaften entzogen, die versucht hatten, einen Weg zwischen Laientum und geweihtem Leben zu gehen. Trotz vieler auch positiver Aspekte kam es zu einigen derartigen Verirrungen, dass die Folgen auch vor weltlichen Gerichten verhandelt werden mussten und sich diese Gruppierungen, eine nach der anderen, neu konstituieren müssen, so sie sich denn weiterhin oder erstmals gültig "katholisch" nennen wollen.
Wäre das nicht schön, wenn auch wir in Deutschland wieder Veranstaltungen eines jeden katholischen Verbandes besuchen könnten, ohne fürchten zu müssen, dass ein Großteil der Zeit dort mit Dekonstruktionen katholischer Glaubensinhalte und Beschimpfungen katholischer Amtsträger verbracht werden. Dass wir dort nicht die neueste Yogatechnik vorgestellt bekommen oder die neueste häretische These sondern dass Glaubensinhalte erklärt, konstruktiv diskutiert und vorgelebt werden? Wo nicht gemeint würde, Liebe zu Nichtchristen bestünde darin, deren Meinung unreflektiert und zu 100 Prozent zu übernehmen, damit sie nicht durch Widerspruch beleidigt werden?
Oremus pro Pontifice nostro Franzisco.
Dominus conservet eum et vivificet eum
et beatum faciat eum in terra et
non tradat eum in animam inimicorum eius.
Samstag, 11. August 2012
Montag, 6. August 2012
Prüms bedeutende Reliquie: Die Sandalen Christi
Die Zeiten ändern sich. Heute ist Prüm eine kleine,
unbekannte und recht abgelegene Stadt im Hohes Venn genannten Teil der
Eifel. Vor gut 1200 Jahren jedoch war
die Abtei Prüm bedeutend. Ihre Besitztümer reichten bis in den Taunus , nach
dem heutigen Frankreich, Belgien und den Niederlanden. Die Abtei war im Jahre 721 von Bertrada der
Älteren, einer Urgroßmutter Karls des Großen gestiftet worden und das
Herrscherhaus der Karolinger blieb damit eng verbunden, große Teile des
karolingischen Adels wurden hier erzogen.
Im Jahr 751 erkannte Papst Zachrias dem bisherigen dem
Karolinger Pippin III , dem Vater Karls des Großen, den fränkischen Königstitel
zu. Damit wurde die bisherige Herrschaft der Merowinger, die sehr an Macht
verloren hatten, beendet. Den Päpsten war sehr an einem starken fränkischen
Herrscher gelegen, da die Hilfe der Franken sehr benötigt wurde, um den
Kirchenstaat gegen den Ansturm der Langobarden zu bewahren. Und genau diesem fränkischen Bündnispartner
schenkte Papst Zacharias 752 eine der bedeutendsten Reliquien, die es in Rom
gab: die Sandalen Christi.
Die kostbare Reliquie wurde der Abtei Prüm übergeben, die
bald zum bedeutendsten Kloster des Frankenreiches wurde.
Nun sind die Sandalen Christi nicht in den Evangelien
erwähnt und mit der Wiederentdeckung des Heiligen Rocks in Trier verlor die
Wallfahrt nach Prüm dadurch schnell an Bedeutung. Die Sandalen gehen wohl nicht auf die berühmten
Ausgrabungen der Kaiserinmutter Helena zurück, sondern waren auf anderen, nicht
mehr nachvollziehbaren Wegen, nach Rom gelangt.
Bedenkt man, wie auch heute Gegenstände aus dem persönlichen
Besitz berühmter und verehrter Menschen aufbewahrt und von Verehrern zu
manchmal erstaunlichen Preisen erstanden werden, kann es kaum verwundern, dass
auch schon vor 2000 Jahren jemand ein altes Paar Sandalen Jesu, das vielleicht
in Bethanien, wo er sich öfters aufgehalten hatte oder in Samarien von seinen
Freunden und Anhängern sorgsam aufbewahrt und weitergegeben wurde. Der Zerstörung Jerusalems durch die Römer
entgingen wohl alle diese Gedenkstücke, denn die Christen hatten die Stadt
schon lange vor derem Untergang verlassen.
Am 6. September 2007 wurden die Prümer Sandalen, die in
ihrer derzeitigen Form reich verzierte karolingische Pantoffel sind, von einem französichen Forschungsteam und zwei Expertinnen des
Ledermuseums in Frankfurt untersucht. Dabei stellte sich heraus, dass in die
eher königlichen Pantoffeln laut der beiliegenden Beschreibung wohl die
Überreste der ursprünglichen Sandalen eingearbeitet worden waren. Tatsächlich
fanden sich in den entnommenen Gewebeproben Silikatminerale aus Wüstengegenden
und Spuren von Eisen und Titan, eine Erdenzusammensetzung, die es nur im Gebiet
um Jerusalem gibt. Ein Fachkongress dazu soll im April 2013 in Prüm stattfinden.
Belegbar ist also, dass die karolingischen Pantoffeln
Überreste von Materialien aus Jerusalem
enthalten, die im 8. Jahrhundert als Sandalen Christi verehrt wurden.
(Auführlicher dargestellt ist dies in einem Artikel des Vatican-Maganzins vom
März 2012, S. 28-31, dort findet man eine Abbildung der Reliquie.)
Leider wird , wer derzeit unangemeldet nach Prüm wallfahrtet
und hofft die Reliquie verehren zu können, etwas enttäuscht werden. Zwar ist
die Salvatorbasilika geöffnet, aber der Altar mit den Reliquien befindet sich
im vorderen linken Teil des Chorraums, vor dem Hochaltar aber jenseits des Volksaltares und der Zutritt in den Altarraum
wird durch eine rote Kordel verwehrt. Im hinteren Teil des Kirchenschiffs
befindet sich eine Tafel, die die Geschichte der Reliquie erklärt. Ebenfalls
vorhanden ist ein Faltblatt mit einer Übersicht über die Altäre in der
Salvatorbasilika, so dass man zumindest ungefähr weiß, hinter welchem
Seitenaltar sich die Reliquie befindet.
Sicherlich wird man eine geeignetere Art des Zugangs
zumindest zu diesem Altar finden können, sollten sich die Besucherströme vergrößern,
nachdem nun wieder mehr ins Bewusstsein geraten ist, was dort im Hohen Venn zu
finden ist. Interesse besteht, wie bisher einzelne Pilger aus Deutschland und
dem umliegenden Grenzland zeigen.
Leider konnte ich bisher nicht herausfinden, ob es für die
Reliquie auch einen offiziellen Wallfahrtstermin gibt. Vielleicht kann da
jemand in der Kommentarfunktion aushelfen.
Ich hoffe hiermit, die im Internet zugänglichen
Informationen zu diesem Thema etwas erweitert zu haben.
Sonntag, 5. August 2012
Fehlende Inventur
In Aufarbeitung angehäufter Nachrichten stieß ich auf ein Zenit-Interview vom 11. Juli dieses Jahres mit Erzbischof Dr. Robert Zollitsch zur Neueangelisation. Ich blieb an diesem Satz hier hängen:
"Dann möchte ich im Rat natürlich die Erfahrungen der Neuevangelisierung aus Deutschland vermitteln. Wir haben da ja schon spannende und längerfristige Aufbrüche. Die deutschen Bischöfe haben das Anliegen des Heiligen Vaters bereits vor zwölf Jahren in ihrer Schrift „Zeit der Aussaat – missionarisch Kirche sein“ grundgelegt."
Ich will das sicherheitshalber paraphrasiert wiederholen: Erzbischof Zollitsch möchte der Neuevangelisation aufhelfen, indem er auf die Erfolge in diesem Bereich in Deutschland (er muss unser Deutschland meinen, es gibt sonst meines Wissens kein Deutschland) hinweist, wo die Aufbrüche, die andern zum Beispiel werden können, schon zum Teil zwölf Jahre oder länger geschehen sind, so dass man bereits große Erfahrung hat. Denn der Aufruf des Heiligen Vaters hat ja nur etwas thematisiert, was die deutschen Bischöfe schon lange erkannt und in Angriff genommen haben.
(Das Smiley-Zeichen an dieser Stelle wäre vermutlich ein facepalm ...)
Natürlich möchte ich niemandes Verdienst schmälern, der sich innerhalb Deutschlands schon für die Neuevangelisation engagiert hat. Es gibt da viele, die tatsächlich ihre Leben und Freizeit hineininvestieren. Ich kann da sogar aus eigener Erfahrung sprechen: Stunden, Tage, Wochen, die in die Vorbereitung von jugendgemäßen Katechesen gingen, die selbst komplexere Sachverhalte der katholischen Glaubenslehre so erklären, dass ein 12-Jähriger sie verstehen kann und das ohne Verwässern und Verfälschen, zum Beispiel.
ABER - und hier spreche ich auch aus vielfacher Erfahrung - nachdem mühsam ausgesät und sorgfältig erstbewässert wurde, kamen die zarten Pflänzchen, die zu wachsen begonnen hatten, in die Pfarreien, in die diese jungen Menschen zurückkehrten.
Da gab es die Eltern, die sich die Unterstützung des diözesanen Sektenbeauftragten holten, weil es anormal war, dass ihr Sohn plötzlich den Wunsch hatte, täglich zu beten. Und der Sektenbeauftragte bestätigte, dass diese römisch-katholische Gemeinschaft, die schon Jahrzehnte alt ist und nie in Konflikt mit kirchlichen Behörden geriet, eine Sekte sei.
Da gab es den Pfarrer, der den nachfragenden, plötzlich verunsicherten Jugendlichen erklärte, dass, was ihnen da gesagt worden sei, sei zwar Lehre der katholischen Kirche aber normale Menschen könnten sich daran nicht halten, das sei nur etwas für ein paar besonders Fromme. Gerade was Sexualmoral angeht, sei es hierzulande und heutzutage völlig üblich, dass ... und genauso sollten sie es halten.
Und da gab es das schleichende Ersticken der aufkeimenden Pflänzchen im eigenen und im Pfarralltag.
Es gab auch Berufungen. Zwei Ordensschwestern, eine Handvoll Priester, Diakone und engagierte Mitarbeiter in den Pfarreien.
Aber um eine ehrliche Inventur zu machen. Bei vielleicht zehn Menschen konnte ich mitbeitragen, dass sie zu überzeugten und überzeugenden Christen werden. Bei einigen hundert konnte ich das nicht.
Das Zeugnis, das ich und andere gaben, und das viele hatte aufhorchen lassen, wurde in den Familien, Pfarreien, in der Schule, auf der Arbeit, von Nichtgläubigen, Christen und geweihten Personen in vielen Fällen systematisch kleingeredet, angezweifelt, verächtlich gemacht und der Wirksamkeit beraubt. In noch mehr Fällen wurde es einfach überwuchert von anderen Beispielen, von den vielen, die das "tu, was du willst und wann du willst und lass dir von niemandem dreinreden" tagtäglich vorlebten.
Das ist kein Klima der Neuevangelisation.
Oder nehmen wir die Pfarrgemeinde, in der ich lebe. Sie beschreibt sich ganz gern als lebendig und offen. In der Tat gibt es zahlreiche Veranstaltungen. Natürlich die Katechesen. Gruppenstunden. Vorträge der Erwachsenenbildung. Einen Kirchenchor. Einen Jugendchor. Eine Gitarrengruppe. Das Pfarrsommerfest. Es werden Dinge getan und einige investieren ungeheuer viel von ihrer Zeit dafür.
Nur darf man nicht tiefer graben. Selbst von den wenigen Kirchgängern, geht fast niemand mehr zur Beichte. Es gibt kaum eine (jedenfalls keine, die ich kenne) katholische Familie vor Ort, in der nicht jemand unverheiratet mit einem anderen zusammenlebt oder eine zweite bis x-te Zivilehe oder Parnterschaft eingegangen wurde. In den meisten Familien gibt es Kirchenaustritte. Andere entschließen sich nicht zum Austritt besuchen aber nie einen Gottesdienst. Es gibt so gut wie kein Sündenbewusstsein außer dem, eine Diät nicht eingehalten zu haben. Jede Entscheidung, die jemand getroffen hat, gilt für jeden selbst quasi als sakrosankt und Gott kann (und darf) dazu keine andere Meinung haben. Es ist normal zu lügen. Es ist normal zu betrügen. Es ist normal zu konsumieren, was des Weges kommt ob Filme, Bücher, Nahrungsmittel, Gelegenheiten, Menschen - mit der einen Ausnahme, es darf kein Übergewicht erzeugen. Natürlich tut man auch dem einen oder andern etwas Gutes und spendet, oft sogar großzügig.
Christen in Deutschland unterscheiden sich in ihrer Großzahl nicht von ihren nicht-christlichen Nachbarn. Sie sehen die gleichen Filme, lesen die gleichen Bücher, teilen die gleichen Meinungen und verurteilen die "Amtskirche". Sie konsumieren gelegentlich Gottesdienste und sakramentale Handlungen, weil sie nicht strikt antikirchlich sind wie ein paar andere gesellschaftliche Gruppen.
Sie sind - rein juristisch gesehen - keine schlechten Menschen. Sie sind oft sogar ganz freundlich, mitmenschlich und sozial engagiert, was alles positiv ist.
NUR, Jesus Christus ist nicht ihr Herr, dessen Meinung sie ihre unterordnen würden, sie folgen keiner verbindlichen Lehre, die offiziell als christlich gilt, sondern ihren Gefühlen und Eindrücken. Sie versuchen aus diesem Leben soviel wie möglich herauszuholen, weil die Sache mit dem Jenseits oder gar der Ewigkeit zu vage ist, um in irgendeiner Weise darauf ausgerichtet zu sein. Man geht davon aus, dass sowieso alle in den Himmel kommen, außer vielleicht irgendwelchen ganz schlimmen Verbrechern wie massenmordende Regierungschefs und Priester, die sich sexuell gegen Kindern verfehlt haben. Sexuelle Verfehlungen gegenüber Erwachsenen sind aber gar keine, das ist alles nur individuelle Lebensgestaltung, die gutgeheißen werden sollte.
Falls wir wirklich Inventur machen: Solche Christen sind keine Christen, auch wenn sie getauft sind; es sind nur mehr oder weniger nette Heiden.
Und falls wir Inventur machen: Alle unseren glorreichen Initiativen hierzulande haben es zwar geschafft, dem einen oder anderen zu helfen, aber im Großen und Ganzen sind sie gescheitert.
Hier könnte man Schuldzuweisungen machen oder Probleme aufzählen. Doch wozu? Es wäre ein gewaltiger Schritt weiter, sich das Problem erst einmal einzugestehen!
Es ist in keiner Weise hilfreich, das schönzureden und genau das hat Erzbischof Zollitsch getan. Er hat bisher keine ehrliche und schonungslose Inventur gemacht. Denn es liegt ihm anscheinend nicht, bei jemandem anzustoßen. Er möchte auch als nett gelten, das Heiligkeitsideal der weitgehend wertelosen Gesellschaft. Er will allen wohl und niemandem weh. (Die Mainzer können hier einmal grinsen, das war einmal Motto beim MCC, dem Mainzer Carnevals Club.) Und darum wird er auch kein Übel erkennen und beseitigen können. Die Wahrheit ist schmerzlich und erschreckend. Welcher Bischof aber wird den Mut haben, sie beim Namen zu nennen, so laut und so hartnäckig, bis alle auf das Desaster sehen müssen, das sie bis jetzt geflissentlich übersehen und mit hübschen Mäntelchen versehen haben?
"Dann möchte ich im Rat natürlich die Erfahrungen der Neuevangelisierung aus Deutschland vermitteln. Wir haben da ja schon spannende und längerfristige Aufbrüche. Die deutschen Bischöfe haben das Anliegen des Heiligen Vaters bereits vor zwölf Jahren in ihrer Schrift „Zeit der Aussaat – missionarisch Kirche sein“ grundgelegt."
Ich will das sicherheitshalber paraphrasiert wiederholen: Erzbischof Zollitsch möchte der Neuevangelisation aufhelfen, indem er auf die Erfolge in diesem Bereich in Deutschland (er muss unser Deutschland meinen, es gibt sonst meines Wissens kein Deutschland) hinweist, wo die Aufbrüche, die andern zum Beispiel werden können, schon zum Teil zwölf Jahre oder länger geschehen sind, so dass man bereits große Erfahrung hat. Denn der Aufruf des Heiligen Vaters hat ja nur etwas thematisiert, was die deutschen Bischöfe schon lange erkannt und in Angriff genommen haben.
(Das Smiley-Zeichen an dieser Stelle wäre vermutlich ein facepalm ...)
Natürlich möchte ich niemandes Verdienst schmälern, der sich innerhalb Deutschlands schon für die Neuevangelisation engagiert hat. Es gibt da viele, die tatsächlich ihre Leben und Freizeit hineininvestieren. Ich kann da sogar aus eigener Erfahrung sprechen: Stunden, Tage, Wochen, die in die Vorbereitung von jugendgemäßen Katechesen gingen, die selbst komplexere Sachverhalte der katholischen Glaubenslehre so erklären, dass ein 12-Jähriger sie verstehen kann und das ohne Verwässern und Verfälschen, zum Beispiel.
ABER - und hier spreche ich auch aus vielfacher Erfahrung - nachdem mühsam ausgesät und sorgfältig erstbewässert wurde, kamen die zarten Pflänzchen, die zu wachsen begonnen hatten, in die Pfarreien, in die diese jungen Menschen zurückkehrten.
Da gab es die Eltern, die sich die Unterstützung des diözesanen Sektenbeauftragten holten, weil es anormal war, dass ihr Sohn plötzlich den Wunsch hatte, täglich zu beten. Und der Sektenbeauftragte bestätigte, dass diese römisch-katholische Gemeinschaft, die schon Jahrzehnte alt ist und nie in Konflikt mit kirchlichen Behörden geriet, eine Sekte sei.
Da gab es den Pfarrer, der den nachfragenden, plötzlich verunsicherten Jugendlichen erklärte, dass, was ihnen da gesagt worden sei, sei zwar Lehre der katholischen Kirche aber normale Menschen könnten sich daran nicht halten, das sei nur etwas für ein paar besonders Fromme. Gerade was Sexualmoral angeht, sei es hierzulande und heutzutage völlig üblich, dass ... und genauso sollten sie es halten.
Und da gab es das schleichende Ersticken der aufkeimenden Pflänzchen im eigenen und im Pfarralltag.
Es gab auch Berufungen. Zwei Ordensschwestern, eine Handvoll Priester, Diakone und engagierte Mitarbeiter in den Pfarreien.
Aber um eine ehrliche Inventur zu machen. Bei vielleicht zehn Menschen konnte ich mitbeitragen, dass sie zu überzeugten und überzeugenden Christen werden. Bei einigen hundert konnte ich das nicht.
Das Zeugnis, das ich und andere gaben, und das viele hatte aufhorchen lassen, wurde in den Familien, Pfarreien, in der Schule, auf der Arbeit, von Nichtgläubigen, Christen und geweihten Personen in vielen Fällen systematisch kleingeredet, angezweifelt, verächtlich gemacht und der Wirksamkeit beraubt. In noch mehr Fällen wurde es einfach überwuchert von anderen Beispielen, von den vielen, die das "tu, was du willst und wann du willst und lass dir von niemandem dreinreden" tagtäglich vorlebten.
Das ist kein Klima der Neuevangelisation.
Oder nehmen wir die Pfarrgemeinde, in der ich lebe. Sie beschreibt sich ganz gern als lebendig und offen. In der Tat gibt es zahlreiche Veranstaltungen. Natürlich die Katechesen. Gruppenstunden. Vorträge der Erwachsenenbildung. Einen Kirchenchor. Einen Jugendchor. Eine Gitarrengruppe. Das Pfarrsommerfest. Es werden Dinge getan und einige investieren ungeheuer viel von ihrer Zeit dafür.
Nur darf man nicht tiefer graben. Selbst von den wenigen Kirchgängern, geht fast niemand mehr zur Beichte. Es gibt kaum eine (jedenfalls keine, die ich kenne) katholische Familie vor Ort, in der nicht jemand unverheiratet mit einem anderen zusammenlebt oder eine zweite bis x-te Zivilehe oder Parnterschaft eingegangen wurde. In den meisten Familien gibt es Kirchenaustritte. Andere entschließen sich nicht zum Austritt besuchen aber nie einen Gottesdienst. Es gibt so gut wie kein Sündenbewusstsein außer dem, eine Diät nicht eingehalten zu haben. Jede Entscheidung, die jemand getroffen hat, gilt für jeden selbst quasi als sakrosankt und Gott kann (und darf) dazu keine andere Meinung haben. Es ist normal zu lügen. Es ist normal zu betrügen. Es ist normal zu konsumieren, was des Weges kommt ob Filme, Bücher, Nahrungsmittel, Gelegenheiten, Menschen - mit der einen Ausnahme, es darf kein Übergewicht erzeugen. Natürlich tut man auch dem einen oder andern etwas Gutes und spendet, oft sogar großzügig.
Christen in Deutschland unterscheiden sich in ihrer Großzahl nicht von ihren nicht-christlichen Nachbarn. Sie sehen die gleichen Filme, lesen die gleichen Bücher, teilen die gleichen Meinungen und verurteilen die "Amtskirche". Sie konsumieren gelegentlich Gottesdienste und sakramentale Handlungen, weil sie nicht strikt antikirchlich sind wie ein paar andere gesellschaftliche Gruppen.
Sie sind - rein juristisch gesehen - keine schlechten Menschen. Sie sind oft sogar ganz freundlich, mitmenschlich und sozial engagiert, was alles positiv ist.
NUR, Jesus Christus ist nicht ihr Herr, dessen Meinung sie ihre unterordnen würden, sie folgen keiner verbindlichen Lehre, die offiziell als christlich gilt, sondern ihren Gefühlen und Eindrücken. Sie versuchen aus diesem Leben soviel wie möglich herauszuholen, weil die Sache mit dem Jenseits oder gar der Ewigkeit zu vage ist, um in irgendeiner Weise darauf ausgerichtet zu sein. Man geht davon aus, dass sowieso alle in den Himmel kommen, außer vielleicht irgendwelchen ganz schlimmen Verbrechern wie massenmordende Regierungschefs und Priester, die sich sexuell gegen Kindern verfehlt haben. Sexuelle Verfehlungen gegenüber Erwachsenen sind aber gar keine, das ist alles nur individuelle Lebensgestaltung, die gutgeheißen werden sollte.
Falls wir wirklich Inventur machen: Solche Christen sind keine Christen, auch wenn sie getauft sind; es sind nur mehr oder weniger nette Heiden.
Und falls wir Inventur machen: Alle unseren glorreichen Initiativen hierzulande haben es zwar geschafft, dem einen oder anderen zu helfen, aber im Großen und Ganzen sind sie gescheitert.
Hier könnte man Schuldzuweisungen machen oder Probleme aufzählen. Doch wozu? Es wäre ein gewaltiger Schritt weiter, sich das Problem erst einmal einzugestehen!
Es ist in keiner Weise hilfreich, das schönzureden und genau das hat Erzbischof Zollitsch getan. Er hat bisher keine ehrliche und schonungslose Inventur gemacht. Denn es liegt ihm anscheinend nicht, bei jemandem anzustoßen. Er möchte auch als nett gelten, das Heiligkeitsideal der weitgehend wertelosen Gesellschaft. Er will allen wohl und niemandem weh. (Die Mainzer können hier einmal grinsen, das war einmal Motto beim MCC, dem Mainzer Carnevals Club.) Und darum wird er auch kein Übel erkennen und beseitigen können. Die Wahrheit ist schmerzlich und erschreckend. Welcher Bischof aber wird den Mut haben, sie beim Namen zu nennen, so laut und so hartnäckig, bis alle auf das Desaster sehen müssen, das sie bis jetzt geflissentlich übersehen und mit hübschen Mäntelchen versehen haben?
Ein Vergleich, den er besser nicht gezogen hätte
In der DT von gestern war ein Interview mit Olympiapfarrer Hans-Gerd Schütt (in kanariengelber vermutlich irgendwie olympionikischer Jacke abgebildet). Am Ende des kurzen Interviews fiel ein seltsamer Satz: "Die Olympischen Werte sollen nicht wie eine Monstranz vor sich hergetragen, sondern gelebt werden." Der Kontext war, dass die olympischen Spiele immer stärker kommerzialisiert werden die Praxis der ursprünglich wichtigen ideellen Werte eine immer geringere Rolle zu spielen scheint und so zu einer Art attraktivem Werbespruch werden.
Nur, was hat das mit einer Monstranz zu tun? Denn aus diesem Satz von Herr Pfarrer Schütt müsste man eigentlich schließen, dass eine Monstranz als attraktives werbewirksames Stück durch die Straßen getragen wird, während es dann reell darum geht, die durch diese Werbung Erreichten gewinnbringend für die eigenen Zwecke zu nutzen?
???
Und selbst wenn es bei dem Vor-sich-Hertragen der Monstranz, die anscheinend als Statussymbol von irgendwem benutzt wird - nur von wem? dem Pfarrer? dem Pfarrgemeinderat? dem Kirchenchor? der gesamten Ortsgemeinde? und kann die dann jeder aus gegebenem Anlass mieten? - selbst wenn es also bei dem Tragen der Monstranz zumindest ostentativ um die Verehrung von etwas/jemand Wichtigem geht, dann, lässt sich aus diesem Satz von Herrn Pfarrer Schütt schließen, ist das alles eher Augenschein, denn ernst meint das ja sowieso keiner, denn es wird ja nicht gelebt, wie er sagt.
Ich kann nur vermuten, dass Herr Pfarrer Schütt all diese Aussagen eigentlich nicht machen wollte, sondern nur gedankenlos war, etwas dahingeplappert hat und so ganz nebenbei die römischen "Fasces", die vor römischen Amtsträgern dahingetragen wurden mit der Monstranz verwechselt hat, die nur als Gefäß für das Heiligste dient, das der Herr Jesus Christus uns hinterlassen hat, sich selbst in der Form des Brotes. Nur irgendwie bleibt bei mir der Eindruck, dass er selbst bei dem Wort Monstranz eher weniger daran denkt, dass hier Gott selbst heilend und sich schenkend in unsere Straßen kommt, sonst würde er einen solchen Vergleich eher nicht benutz haben. Mir käme er nicht über die Lippen.
Wären die olympischen Werte wie eine Monstranz, dann sollte man eigentlich folgern, stünden sie völlig im Mittelpunkt, weil sie zentral sind und das Finanzielle wäre wirklich nur Beiwerk, um sie richtig hervorzuheben.
Nur, was hat das mit einer Monstranz zu tun? Denn aus diesem Satz von Herr Pfarrer Schütt müsste man eigentlich schließen, dass eine Monstranz als attraktives werbewirksames Stück durch die Straßen getragen wird, während es dann reell darum geht, die durch diese Werbung Erreichten gewinnbringend für die eigenen Zwecke zu nutzen?
???
Und selbst wenn es bei dem Vor-sich-Hertragen der Monstranz, die anscheinend als Statussymbol von irgendwem benutzt wird - nur von wem? dem Pfarrer? dem Pfarrgemeinderat? dem Kirchenchor? der gesamten Ortsgemeinde? und kann die dann jeder aus gegebenem Anlass mieten? - selbst wenn es also bei dem Tragen der Monstranz zumindest ostentativ um die Verehrung von etwas/jemand Wichtigem geht, dann, lässt sich aus diesem Satz von Herrn Pfarrer Schütt schließen, ist das alles eher Augenschein, denn ernst meint das ja sowieso keiner, denn es wird ja nicht gelebt, wie er sagt.
Ich kann nur vermuten, dass Herr Pfarrer Schütt all diese Aussagen eigentlich nicht machen wollte, sondern nur gedankenlos war, etwas dahingeplappert hat und so ganz nebenbei die römischen "Fasces", die vor römischen Amtsträgern dahingetragen wurden mit der Monstranz verwechselt hat, die nur als Gefäß für das Heiligste dient, das der Herr Jesus Christus uns hinterlassen hat, sich selbst in der Form des Brotes. Nur irgendwie bleibt bei mir der Eindruck, dass er selbst bei dem Wort Monstranz eher weniger daran denkt, dass hier Gott selbst heilend und sich schenkend in unsere Straßen kommt, sonst würde er einen solchen Vergleich eher nicht benutz haben. Mir käme er nicht über die Lippen.
Wären die olympischen Werte wie eine Monstranz, dann sollte man eigentlich folgern, stünden sie völlig im Mittelpunkt, weil sie zentral sind und das Finanzielle wäre wirklich nur Beiwerk, um sie richtig hervorzuheben.
Dienstag, 17. Juli 2012
Der Lungau und das Hochgebet in der hl. Messe
Vielleicht betrifft es nicht den gesamten Lungau, ich kenne die Lage nur so ungefähr in zwei Orten und an dem einen habe ich immer das Pech, dass irgendeine Vertretung des Pfarrers den Gottesdienst hält. Aber auch wenn es bei weitem nicht so schlimm war wie im Vorjahr in einem Messbuch standen die "liturgischen Texte" auch dieses Mal höchstens bruchstückweise.
Der besondere Clou dieses Mal? Also es wurde für "den Papst" und "den Bischof", Namen wurden nicht genannt. Da das ganze in einer katholischen Pfarrkirche stattfand, kann ich aber immerhin hoffen, dass der Geistliche zumindest einer mit Rom unierten Kirche angehören mag und vielleicht tatsächlich Papst Benedikt XVI gemeint hat. Ich hoffe.
Und hier einmal für alle Betroffenen im Lungau: Ein wirklich schöner Text, der euch ständig vorenthalten wird. Im römisch-katholischen Gottesdienst kommt er normalerweise beim Vaterunser, nach "erlöse uns von dem Bösen" und vor "denn dein ist das Reich":
"Erlöse uns, Herr, allmächtiger Vater, von allem Bösen und gib Frieden in unseren Tagen. Komm uns zu Hilfe mit deinem Erbarmen und bewahre uns vor Verwirrung und Sünde, damit wir voll Zuversicht das Kommen unseres Erlösers Jesus Christus erwarten."
Was daran für die Lungauer nicht geeignet sein soll, konnte ich noch nicht herausfinden. Soweit ich weiß, haben sie ganz gern Bewahrung vor allem Bösen, möchten in Frieden leben und dass Gott ihnen zuhilfe kommt. Zuversicht finden sie auch nicht schlecht, und wenn sie tatsächlich nicht verstehen, was es mit der Sünde und dem Erlöser auf sich hat, vielleicht könnte das dann die Predigt erklären? Aber ich denke, sie verstehen es, nur die Herren Geistlichen trauen es ihnen nicht zu.
Ein gutes Kontrastprogramm fand ich dann an einem Tag, als ich der Mur aus dem Lungau bis nach Bruck folgte und den Seebergsattel überquerte: die Messfeier in Mariazell war ganz wie sie an einem Werktag sein sollte. Nur leider musste dort der Zelebrant seinen Dienst kurz unterbrechen, um ein paar Damen zu ermahnen, die trotz anderweitiger Hinweise meinten, jetzt sei die rechte Zeit, das Gnadenbild näher zu besichtigen und zu kommentieren.
Der besondere Clou dieses Mal? Also es wurde für "den Papst" und "den Bischof", Namen wurden nicht genannt. Da das ganze in einer katholischen Pfarrkirche stattfand, kann ich aber immerhin hoffen, dass der Geistliche zumindest einer mit Rom unierten Kirche angehören mag und vielleicht tatsächlich Papst Benedikt XVI gemeint hat. Ich hoffe.
Und hier einmal für alle Betroffenen im Lungau: Ein wirklich schöner Text, der euch ständig vorenthalten wird. Im römisch-katholischen Gottesdienst kommt er normalerweise beim Vaterunser, nach "erlöse uns von dem Bösen" und vor "denn dein ist das Reich":
"Erlöse uns, Herr, allmächtiger Vater, von allem Bösen und gib Frieden in unseren Tagen. Komm uns zu Hilfe mit deinem Erbarmen und bewahre uns vor Verwirrung und Sünde, damit wir voll Zuversicht das Kommen unseres Erlösers Jesus Christus erwarten."
Was daran für die Lungauer nicht geeignet sein soll, konnte ich noch nicht herausfinden. Soweit ich weiß, haben sie ganz gern Bewahrung vor allem Bösen, möchten in Frieden leben und dass Gott ihnen zuhilfe kommt. Zuversicht finden sie auch nicht schlecht, und wenn sie tatsächlich nicht verstehen, was es mit der Sünde und dem Erlöser auf sich hat, vielleicht könnte das dann die Predigt erklären? Aber ich denke, sie verstehen es, nur die Herren Geistlichen trauen es ihnen nicht zu.
Ein gutes Kontrastprogramm fand ich dann an einem Tag, als ich der Mur aus dem Lungau bis nach Bruck folgte und den Seebergsattel überquerte: die Messfeier in Mariazell war ganz wie sie an einem Werktag sein sollte. Nur leider musste dort der Zelebrant seinen Dienst kurz unterbrechen, um ein paar Damen zu ermahnen, die trotz anderweitiger Hinweise meinten, jetzt sei die rechte Zeit, das Gnadenbild näher zu besichtigen und zu kommentieren.
Moraste
Gestern war mein letzter Tag im Lungau. Das Wetter war immer noch nicht das freundlichste, aber nach mehreren Tagen von fast Permanent-Gewittern, bin ich doch zu ein paar Seen hochgestiegen im Nieselregen. Der Morast an dem einen ist schon an Sommertagen übel. Aber gestern ... Ein unvorsichtiger Schritt und der Bergschuh sank bis zur Kante ein und wollte nicht mehr raus, bis ich mich dann zuweit nach hinten lehnte und einen Purzelbaum im Schlamm machte (mit Schuh :) ). Ich sah gar nicht so schlimm aus, wie ich danach zunächst befürchtete. Außerdem hatten, wie es schien, auch die Kühe diesen Morast vorsichtig gemieden. Das Missgeschick hielt sich also in Grenzen.
Nun ja, gerade zurückgekehrt, stelle ich fest, dass ich mit dem Morast wohl ganz am Puls der Zeit war. Oder doch nicht. Die Kuhhinterlassenschaften hatten gefehlt. Die, die eine Dame allen auf den Kopf nageln will (Körperverletzung!), die es wagen, um abgetriebene Kinder zu trauern. Wobei es ganz nett ist, dass sie dafür nur die Endprodukte harmloser Kühe vorgesehen hat und nicht den verbalen Shitstorm (= Schimpfwörter, Vulgarismen, Beleidigungen), den sie im Rest ihres Artikels produziert. Den organischen Dreck kann man schließlich von Nieselregen oder zu durchwatenden Gebirgsbächen abspülen lassen, aber den andern?
Und so ein anderer Mensch fand es lustig, einen anderen Menschen im fortgeschrittenem Alter fotografisch mit Ausscheidungen zu dekorieren. Ob der Leute kennt (es gibt selbst Jugendliche, denen das durch eine Erkrankung gelegentlich passiert), die von Inkontinenz betroffen sind, die mehrmals am Tag die Wäsche wechseln, um nicht nach Urin zu riechen? Inkontinenz ist für jeden peinlich und die Betroffenen, die sich um seine Würde sorgen können, tun alles, damit sie nicht sichtbar wird.
Es gibt natürlich auch Leute, die sich selbst so beschmutzen, meist im Rausch der einen oder anderen Art und manchmal auch noch stolz auf diese Taten sind. Vielleicht handelt es sich bei dem Urheber um so jemanden, der jeden Begriff von Würde verloren hat?
Völlig unmöglich finde ich es jedenfalls einen älteren Menschen - gleich welchen - so darzustellen. Ich brauche mir da nur ältere Damen und Herren, die ich kenne, in der Lage vorzustellen (von denen keine/r inkontinent ist) und wie die sich nach einem solchen Angriff fühlen würden: verletzt, beschmutzt, herabgewürdigt, verleumdet, lächerlich gemacht. Die meisten wären wohl vollkommen außer sich über so eine Infamität.
Es zeigt, wohin unsere Kultur bzw. Nicht-Kultur schon gekommen ist, wenn die Kunst der Satire nur noch zum vulgärsten Mittel, der freigebigen Verwendung organischer Ausscheidungsprodukte greifen kann.
Nun ja, gerade zurückgekehrt, stelle ich fest, dass ich mit dem Morast wohl ganz am Puls der Zeit war. Oder doch nicht. Die Kuhhinterlassenschaften hatten gefehlt. Die, die eine Dame allen auf den Kopf nageln will (Körperverletzung!), die es wagen, um abgetriebene Kinder zu trauern. Wobei es ganz nett ist, dass sie dafür nur die Endprodukte harmloser Kühe vorgesehen hat und nicht den verbalen Shitstorm (= Schimpfwörter, Vulgarismen, Beleidigungen), den sie im Rest ihres Artikels produziert. Den organischen Dreck kann man schließlich von Nieselregen oder zu durchwatenden Gebirgsbächen abspülen lassen, aber den andern?
Und so ein anderer Mensch fand es lustig, einen anderen Menschen im fortgeschrittenem Alter fotografisch mit Ausscheidungen zu dekorieren. Ob der Leute kennt (es gibt selbst Jugendliche, denen das durch eine Erkrankung gelegentlich passiert), die von Inkontinenz betroffen sind, die mehrmals am Tag die Wäsche wechseln, um nicht nach Urin zu riechen? Inkontinenz ist für jeden peinlich und die Betroffenen, die sich um seine Würde sorgen können, tun alles, damit sie nicht sichtbar wird.
Es gibt natürlich auch Leute, die sich selbst so beschmutzen, meist im Rausch der einen oder anderen Art und manchmal auch noch stolz auf diese Taten sind. Vielleicht handelt es sich bei dem Urheber um so jemanden, der jeden Begriff von Würde verloren hat?
Völlig unmöglich finde ich es jedenfalls einen älteren Menschen - gleich welchen - so darzustellen. Ich brauche mir da nur ältere Damen und Herren, die ich kenne, in der Lage vorzustellen (von denen keine/r inkontinent ist) und wie die sich nach einem solchen Angriff fühlen würden: verletzt, beschmutzt, herabgewürdigt, verleumdet, lächerlich gemacht. Die meisten wären wohl vollkommen außer sich über so eine Infamität.
Es zeigt, wohin unsere Kultur bzw. Nicht-Kultur schon gekommen ist, wenn die Kunst der Satire nur noch zum vulgärsten Mittel, der freigebigen Verwendung organischer Ausscheidungsprodukte greifen kann.
Sonntag, 1. Juli 2012
Ansprüche, Rechte, Pflichten und Gewährtes
Also. :)
Die theologisch Gebildeteren mögen mich korrigieren, falls ich mich jetzt entscheidend in irgendeinem Punkt irre.
Zu der Frage wer wann wo wie die Kommunion empfangen darf/kann/soll wären vielleicht ein paar wichtige Begriffe zu unterscheiden, die in den derzeitigen Diskussionen etwas durcheinander geraten zu sein scheinen, nämlich Anspruch, Anrecht, Pflicht und gnädig Gewährtes.
Beginnen wir mit der Pflicht: Jeder Katholik ist verpflichtet, einmal im Jahr, möglichst in der Osterzeit, das Bußsakrament zu empfangen und dann die heilige Kommunion zu empfangen. Gewisse widrige Umstände können bedingen, dass die Reihenfolge auch einmal vertauscht wird, aber dann gilt, dass der Kommunionempfang nur unter der Bedingung stattfindet, dass die sakramentale Beichte so schnell wie nur irgendmöglich nachgeholt wird. Beides ist nämlich untrennbar miteinander verbunden. Weiterhin ist es möglich, dass die Beichte ausfallen kann, was aber eigentlich nicht sehr empfehlenswert ist, wenn man nur "lässliche Sünden" zu beichten hat.
Einschub:
"Lässlich" heißt dass es keine "schweren" Sünden sind. Und weil auch hier wohl viel Unklarheit besteht: Eine Lüge ist eine schwere Sünde; ein gelogenes Höflichkeitskompliment rangiert unter Umständen eher unter lässlich. Den Gottesdienst aus Gleichgültigkeit regelmäßig versäumen ist eine schwere Sünde; an ihm teilzunehmen und sich ständig ablenken zu lassen ist eher lässlich. Die Umwelt mit seinem Jähzorn zu terrorisieren ist eine schwere Sünde, einmal unglücklich die Beherrschung verlieren, ohne dass dabei ernster Schaden entsteht, kann läßlich sein. Seinen Körper durch Alkohol, Zigaretten, Drogen und unmäßiges Essen zugrundezurichten ist eine schwere Sünde, zeitweise zuviel des (mehr oder weniger ) Guten zu tun, ist eher lässlich.
Bei einigen Dingen gibt es nichts Lässliches, weil der Tatbestand zu schwerwiegend ist. Den Tod eines anderen zu verschulden ist immer eine schwere Sünde und da gehören nun einmal eindeutig die Abtreibung und für viele weniger eindeutig aber dennoch die meisten Methoden der "Verhütung" hin, die leider oft Frühabtreibungen in Kauf nehmen. Und auch in Fragen sexueller Betätigung gibt es keine Läßlichkeit, weil die Sexualität ein zu integraler Teil des Menschen ist, als dass man fahrlässig damit umgehen sollte.
Es gibt also, eine Pflicht zur Kommunion zu gehen, die auf einer Vorbedingung beruht: Warum? Das kann man wohl nur verstehen, wenn man genau diesen inneren Zusammenhang von Beichte und Kommunionempfang betrachtet und sich darüber klar ist, dass das Essen des Leibes Christi (nicht irgendwelchen Brotes sondern seines Fleisches, das eben nur noch wie Brot aussieht) etwas ungeheuer Intimes ist, das ohnehin nur sein kann und darf, weil wir in der Taufe Teil Jesu Christi selbst geworden sind und das, was wir meistens als uns selbst betrachten, gar nicht mehr uns gehört, sondern ihm. Wir haben ja sein Leben gegen unser Leben eingetauscht.
Die Überprüfung, wo wir in diesem Prozess der Verwirklichung der in der Taufe zugesagten Übereignung unserer selbst an ihn sind, ist das, was der Beichte vorangeht. Wir werden feststellen, wie große oder kleine Fort- oder Rückschritte wir dabei gemacht haben. Genau das beichten wir, all das, in dem wir nicht gelebt und gehandelt haben, wie der Herr es durch uns getan hätte, hätten wir uns ihm wirklich ganz zur Verfügung gestellt.
Derjenige, der hier einen Anspruch hat, aus dem sich unsere Pflicht ergibt, ist der Herr Jesus Christus. Wie bei allem, was uns in Beziehung zu Gott setzt, sind wir diejenigen, die davon profitieren. Was wir bekommen, ist viel mehr als was wir geben können. Und eine innigere Beziehung und Vereinigung mit unserem Herrn, kann uns nur nutzen und nicht schaden. Einmal davon abgesehen, dass sie uns zutiefst glücklich macht.
Jetzt hat der einzelne Christ tatsächlich auch ein Anrecht in der Sache, das sich aus der zur Verfügung stehenden Gnade und dieser Pflicht ergibt. Dieses Anrecht ist, dass ihm seitens der Diener der Sakramente, der zu diesem Dienst geweihten Personen, ermöglicht wird, diesen Vollzug der eigenen Hingabe an den Herrn, der innerster Wunsch und zugleich Pflicht ist, diese innige Vereinigung, die in der Kommunion möglich ist, auch zu vollziehen.
Wenn uns das oft möglich ist, dann ist das eine unglaubliche Gnade, die wir in nichts verdient haben und auf die wir auch keinen Anspruch haben. Denn diese Gnade des ganz-Einswerdens mit Jesus ist etwas, das selbst, wenn es nur einmal im Leben möglich wäre, durch nichts anderes je abgegolten werden könnte.
Soweit Recht und Gerechtigkeit. Letztendlich sind wir alle auf Gnade angewiesen. Das Bestehen des Beichtsakramentes ist so eine Gnade, ohne die (fast) jedem von uns der Kommunionempfang genaugenommen nur sehr selten möglich wäre, nach dem Erhalten des Taufsakraments und dann nach dem Empfang der Krankensalbung. Beidem geht eine radikale Abrechnung mit dem bisherigen Leben und eine daraus resultierende Umkehr voraus, durch die ebenfalls alle bisherige Abkehr von Gott vergeben wird.
Nun leben wir in einer Gesellschaft, in der wirklich viel durcheinander geraten ist. Die Taufe gilt vielerorts nur als Familienereignis und formale Aufnahme in eine Gemeinschaft. Von der Krankensalbung erhofft man sich zwar manchmal noch Heilung aber ohne sein Leben ändern zu wollen. Und es werden sakramentale Ehen von Menschen geschlossen, die zwar oft noch das Richtige tun wollen aber in Wirklichkeit gar nicht wissen, was sie da versprechen; oft ist sehr schnell alles gescheitert und sie verstehen gar nicht wie und warum; manche kommen erst danach echt und ehrlich zu der Überzeugung, ihr Leben an Christus ausrichten zu wollen.
Hier kann es zu echten pastoralen Notlagen kommen, die eine individuelle und im Widerspruch zum Buchstaben des Rechts stehende Lösung sinnvoll erscheinen lassen. Recht ist es nie, nur eine wankende Brücke, die in verwirrter Situation auf Gnade vor Recht hofft und die letztendliche Entscheidung Gott überlässt.
Darum ist es auch so wichtig, in jedem Einzelfall festzustellen, wie ernsthaft der betroffene Christ versucht, sein Leben an Christus auszurichten und ob ihn eine solche Gnade-vor-Recht-Regelung tatsächlich auf diesem Weg unterstützt. Darum allein geht es. Und das wird ja auch praktiziert.
Absolut nicht zu rechtfertigen wäre dahingegen zum Beispiel, den Ehebund letztendlich nur noch als Vereinbarung auf Zeit zu sehen und dessen Bruch - gleich durch was - nicht als Sünde (Bruch eines gegebenen Versprechens in diesem Fall, möglicherweise noch einiges mehr) zu betrachten. Notwendig wäre dahingegen, Sorge zu tragen, dass niemand eine kirchliche Ehe eingeht, der sich nicht entsprechend darauf vorbereitet hat sondern möglicherweise nur ein romantisches Ambiente und eine Segnung wünscht. Da fehlt ungeheuer viel vorbereitende Katechese.
Aber noch einmal zusammenfassend. Nur einer hat Anspruch auf den Kommunionempfang, das ist der Herr Jesus, dem wir uns immer inniger vereinen sollen, weil nur so unsere Erlösung möglich ist. Wir haben ein Anrecht darauf, bei dem Bemühen um dieser immer tiefere Vereinigung von den dazu bestellten Dienern der Sakramente unterstützt zu werden. Und wir haben die Pflicht, uns um diese immer tiefere Vereinigung zu bemühen. Diese Pflicht besteht zunächst einmal auch im eigenen Verlangen nach dieser Vereinigung, für die wir uns um immer größere Hingabe unserer selbst an Christus bemühen. Dass und wenn diese Vereinigung möglich ist, ist es für uns - selbst wenn es uns zur Pflicht gemacht ist - immer auch eine Gnade, die gewährt wird.
Aber was es absolut nicht gibt, ist ein Recht, die Kommunion zu empfangen, weil man irgendwann einmal getauft worden ist und dadurch seine Zugehörigkeit zur Gemeinschaft bestätigt sehen will. Und jede Kommunion, in der man sich nicht bemüht, sein Leben ein wenig mehr dem Herrn Jesus Christus zu überlassen, gleich wo man auf diesem Weg steht, ist im Grunde ein Sakrileg.
Die theologisch Gebildeteren mögen mich korrigieren, falls ich mich jetzt entscheidend in irgendeinem Punkt irre.
Zu der Frage wer wann wo wie die Kommunion empfangen darf/kann/soll wären vielleicht ein paar wichtige Begriffe zu unterscheiden, die in den derzeitigen Diskussionen etwas durcheinander geraten zu sein scheinen, nämlich Anspruch, Anrecht, Pflicht und gnädig Gewährtes.
Beginnen wir mit der Pflicht: Jeder Katholik ist verpflichtet, einmal im Jahr, möglichst in der Osterzeit, das Bußsakrament zu empfangen und dann die heilige Kommunion zu empfangen. Gewisse widrige Umstände können bedingen, dass die Reihenfolge auch einmal vertauscht wird, aber dann gilt, dass der Kommunionempfang nur unter der Bedingung stattfindet, dass die sakramentale Beichte so schnell wie nur irgendmöglich nachgeholt wird. Beides ist nämlich untrennbar miteinander verbunden. Weiterhin ist es möglich, dass die Beichte ausfallen kann, was aber eigentlich nicht sehr empfehlenswert ist, wenn man nur "lässliche Sünden" zu beichten hat.
Einschub:
"Lässlich" heißt dass es keine "schweren" Sünden sind. Und weil auch hier wohl viel Unklarheit besteht: Eine Lüge ist eine schwere Sünde; ein gelogenes Höflichkeitskompliment rangiert unter Umständen eher unter lässlich. Den Gottesdienst aus Gleichgültigkeit regelmäßig versäumen ist eine schwere Sünde; an ihm teilzunehmen und sich ständig ablenken zu lassen ist eher lässlich. Die Umwelt mit seinem Jähzorn zu terrorisieren ist eine schwere Sünde, einmal unglücklich die Beherrschung verlieren, ohne dass dabei ernster Schaden entsteht, kann läßlich sein. Seinen Körper durch Alkohol, Zigaretten, Drogen und unmäßiges Essen zugrundezurichten ist eine schwere Sünde, zeitweise zuviel des (mehr oder weniger ) Guten zu tun, ist eher lässlich.
Bei einigen Dingen gibt es nichts Lässliches, weil der Tatbestand zu schwerwiegend ist. Den Tod eines anderen zu verschulden ist immer eine schwere Sünde und da gehören nun einmal eindeutig die Abtreibung und für viele weniger eindeutig aber dennoch die meisten Methoden der "Verhütung" hin, die leider oft Frühabtreibungen in Kauf nehmen. Und auch in Fragen sexueller Betätigung gibt es keine Läßlichkeit, weil die Sexualität ein zu integraler Teil des Menschen ist, als dass man fahrlässig damit umgehen sollte.
Es gibt also, eine Pflicht zur Kommunion zu gehen, die auf einer Vorbedingung beruht: Warum? Das kann man wohl nur verstehen, wenn man genau diesen inneren Zusammenhang von Beichte und Kommunionempfang betrachtet und sich darüber klar ist, dass das Essen des Leibes Christi (nicht irgendwelchen Brotes sondern seines Fleisches, das eben nur noch wie Brot aussieht) etwas ungeheuer Intimes ist, das ohnehin nur sein kann und darf, weil wir in der Taufe Teil Jesu Christi selbst geworden sind und das, was wir meistens als uns selbst betrachten, gar nicht mehr uns gehört, sondern ihm. Wir haben ja sein Leben gegen unser Leben eingetauscht.
Die Überprüfung, wo wir in diesem Prozess der Verwirklichung der in der Taufe zugesagten Übereignung unserer selbst an ihn sind, ist das, was der Beichte vorangeht. Wir werden feststellen, wie große oder kleine Fort- oder Rückschritte wir dabei gemacht haben. Genau das beichten wir, all das, in dem wir nicht gelebt und gehandelt haben, wie der Herr es durch uns getan hätte, hätten wir uns ihm wirklich ganz zur Verfügung gestellt.
Derjenige, der hier einen Anspruch hat, aus dem sich unsere Pflicht ergibt, ist der Herr Jesus Christus. Wie bei allem, was uns in Beziehung zu Gott setzt, sind wir diejenigen, die davon profitieren. Was wir bekommen, ist viel mehr als was wir geben können. Und eine innigere Beziehung und Vereinigung mit unserem Herrn, kann uns nur nutzen und nicht schaden. Einmal davon abgesehen, dass sie uns zutiefst glücklich macht.
Jetzt hat der einzelne Christ tatsächlich auch ein Anrecht in der Sache, das sich aus der zur Verfügung stehenden Gnade und dieser Pflicht ergibt. Dieses Anrecht ist, dass ihm seitens der Diener der Sakramente, der zu diesem Dienst geweihten Personen, ermöglicht wird, diesen Vollzug der eigenen Hingabe an den Herrn, der innerster Wunsch und zugleich Pflicht ist, diese innige Vereinigung, die in der Kommunion möglich ist, auch zu vollziehen.
Wenn uns das oft möglich ist, dann ist das eine unglaubliche Gnade, die wir in nichts verdient haben und auf die wir auch keinen Anspruch haben. Denn diese Gnade des ganz-Einswerdens mit Jesus ist etwas, das selbst, wenn es nur einmal im Leben möglich wäre, durch nichts anderes je abgegolten werden könnte.
Soweit Recht und Gerechtigkeit. Letztendlich sind wir alle auf Gnade angewiesen. Das Bestehen des Beichtsakramentes ist so eine Gnade, ohne die (fast) jedem von uns der Kommunionempfang genaugenommen nur sehr selten möglich wäre, nach dem Erhalten des Taufsakraments und dann nach dem Empfang der Krankensalbung. Beidem geht eine radikale Abrechnung mit dem bisherigen Leben und eine daraus resultierende Umkehr voraus, durch die ebenfalls alle bisherige Abkehr von Gott vergeben wird.
Nun leben wir in einer Gesellschaft, in der wirklich viel durcheinander geraten ist. Die Taufe gilt vielerorts nur als Familienereignis und formale Aufnahme in eine Gemeinschaft. Von der Krankensalbung erhofft man sich zwar manchmal noch Heilung aber ohne sein Leben ändern zu wollen. Und es werden sakramentale Ehen von Menschen geschlossen, die zwar oft noch das Richtige tun wollen aber in Wirklichkeit gar nicht wissen, was sie da versprechen; oft ist sehr schnell alles gescheitert und sie verstehen gar nicht wie und warum; manche kommen erst danach echt und ehrlich zu der Überzeugung, ihr Leben an Christus ausrichten zu wollen.
Hier kann es zu echten pastoralen Notlagen kommen, die eine individuelle und im Widerspruch zum Buchstaben des Rechts stehende Lösung sinnvoll erscheinen lassen. Recht ist es nie, nur eine wankende Brücke, die in verwirrter Situation auf Gnade vor Recht hofft und die letztendliche Entscheidung Gott überlässt.
Darum ist es auch so wichtig, in jedem Einzelfall festzustellen, wie ernsthaft der betroffene Christ versucht, sein Leben an Christus auszurichten und ob ihn eine solche Gnade-vor-Recht-Regelung tatsächlich auf diesem Weg unterstützt. Darum allein geht es. Und das wird ja auch praktiziert.
Absolut nicht zu rechtfertigen wäre dahingegen zum Beispiel, den Ehebund letztendlich nur noch als Vereinbarung auf Zeit zu sehen und dessen Bruch - gleich durch was - nicht als Sünde (Bruch eines gegebenen Versprechens in diesem Fall, möglicherweise noch einiges mehr) zu betrachten. Notwendig wäre dahingegen, Sorge zu tragen, dass niemand eine kirchliche Ehe eingeht, der sich nicht entsprechend darauf vorbereitet hat sondern möglicherweise nur ein romantisches Ambiente und eine Segnung wünscht. Da fehlt ungeheuer viel vorbereitende Katechese.
Aber noch einmal zusammenfassend. Nur einer hat Anspruch auf den Kommunionempfang, das ist der Herr Jesus, dem wir uns immer inniger vereinen sollen, weil nur so unsere Erlösung möglich ist. Wir haben ein Anrecht darauf, bei dem Bemühen um dieser immer tiefere Vereinigung von den dazu bestellten Dienern der Sakramente unterstützt zu werden. Und wir haben die Pflicht, uns um diese immer tiefere Vereinigung zu bemühen. Diese Pflicht besteht zunächst einmal auch im eigenen Verlangen nach dieser Vereinigung, für die wir uns um immer größere Hingabe unserer selbst an Christus bemühen. Dass und wenn diese Vereinigung möglich ist, ist es für uns - selbst wenn es uns zur Pflicht gemacht ist - immer auch eine Gnade, die gewährt wird.
Aber was es absolut nicht gibt, ist ein Recht, die Kommunion zu empfangen, weil man irgendwann einmal getauft worden ist und dadurch seine Zugehörigkeit zur Gemeinschaft bestätigt sehen will. Und jede Kommunion, in der man sich nicht bemüht, sein Leben ein wenig mehr dem Herrn Jesus Christus zu überlassen, gleich wo man auf diesem Weg steht, ist im Grunde ein Sakrileg.
Samstag, 30. Juni 2012
Schutzmantel
Mein schon öfters erwähnter Neffe hat ein Lieblingslied: "Maria, breit den Mantel aus". Sonst hört er eher gerne Rockmusik, aber dieses Lied hat es ihm angetan. Wegen dieses Liedes hat es ihn sehr gefreut, als er zu seiner Erstkommunion ein Gesangbuch bekam. In die Kirche geht er ja meistens nicht. Seine Mutter will es nicht und wenn er bei seinem Vater ist, geht der meistens in die Familiengottesdienste, wo Gesangbücher eher verpönt sind. Aber er wollte so gerne den ganzen Text von dem schönen Lied haben, und jetzt holt er manchmal auf seinem Zimmer das Buch heraus, schlägt die Nummer 595 auf und singt es.
Seine Oma mütterlicherseits ließ ihn Bildchen für seine Erstkommunion aussuchen. Sie hatte so grellfarbige Kinderbilder im Visier, die seien doch so hübsch. Seine erste Wahl: Schutzmantelmadonna. Zweite Wahl: das Lamm Gottes usw. Na gut, das eine von den Bildchen war auch ganz okay (wohl eher der Oma zuliebe).
Mein Neffe ist sicherlich kein sehr frommes Kind. Von seinem Glauben weiß er nicht viel, den Kommunionunterricht habe ich ja schon geschildert und die familiären Verhältnisse sind dann noch so ein Thema. Aber das eine oder andere erfasst er einfach intuitiv und die Vorstellung, dass da jemand ist, der ihn schützend unter den Mantel nimmt, die tut ihm einfach gut.
Seine Oma mütterlicherseits ließ ihn Bildchen für seine Erstkommunion aussuchen. Sie hatte so grellfarbige Kinderbilder im Visier, die seien doch so hübsch. Seine erste Wahl: Schutzmantelmadonna. Zweite Wahl: das Lamm Gottes usw. Na gut, das eine von den Bildchen war auch ganz okay (wohl eher der Oma zuliebe).
Mein Neffe ist sicherlich kein sehr frommes Kind. Von seinem Glauben weiß er nicht viel, den Kommunionunterricht habe ich ja schon geschildert und die familiären Verhältnisse sind dann noch so ein Thema. Aber das eine oder andere erfasst er einfach intuitiv und die Vorstellung, dass da jemand ist, der ihn schützend unter den Mantel nimmt, die tut ihm einfach gut.
Ob demnächst die Statistik für "Phimose" ansteigt?
Nach dem äußerst fragwürdigen Urteil, das Beschneidung von Kindern, die noch nicht einwilligen können, in Deutschland verbietet, sehen sich Juden und Muslime immerhin in einer gewissen Zwangslage. Und es gibt ja mögliche Auswege: Vorhaut-Operationen können aus verschiedenen medizinischen Gründen notwendig werden.(http://www.operation.de/phimose-bei-kindern)
"Die Beschneidung wird schon seit Jahrtausenden durchgeführt. Ursprünglich begann man damit in Wüstengebieten, wo aufgrund der mangelnden Hygiene und der Wasserknappheit oft Entzündungen der Vorhaut zu Problemen geführt haben. Durch die Beschneidung traten keine Entzündungen mehr auf. Dies führte in diesen Bevölkerungsgruppen zur rituellen Beschneidung der Buben" wird noch als Hintergrundinfo angegeben.
Unabhängig davon sind solche OP bei 2-4 % der Jungen notwendig, weil diese ein Vorhautverengung haben, durch die sie an wiederkehrenden Infektionen im Genitalbereich leiden. Bei Kindern verläuft die OP gewöhnlich unproblematisch, unangenehmer wird es für Jugendliche und Erwachsene, falls der Sachverhalt erst spät erkannt wird.
Noch einen Aspekt hat die Entfernung der Vorhaut, in deren Bereich sich Viren und Bakterien recht gerne ansiedeln. Ist sie entfernt, ist das Risiko, später einmal Geschlechtskrankheiten zu übertragen deutlich reduziert. Nutznießer davon sind in erster Linie die Frauen.
Da es sich generell um einen harmlosen Eingriff handelt (es sei denn, er wird in Unvernunft direkt nach der Geburt ausgeführt, statt 1-2 Wochen abzuwarten), ist wohl zu vermuten, dass der eine oder andere Arzt zur Behebung der durch das neue Gesetz entstehenden Zwangslage für einige, demnächst feststellen wird, dass die Phimose seit dem Juni 2012 erstaunlich häufig auftritt. Spannend wird es dann, wie man versuchen wird, diese statistische Veränderung zu erklären ...
"Die Beschneidung wird schon seit Jahrtausenden durchgeführt. Ursprünglich begann man damit in Wüstengebieten, wo aufgrund der mangelnden Hygiene und der Wasserknappheit oft Entzündungen der Vorhaut zu Problemen geführt haben. Durch die Beschneidung traten keine Entzündungen mehr auf. Dies führte in diesen Bevölkerungsgruppen zur rituellen Beschneidung der Buben" wird noch als Hintergrundinfo angegeben.
Unabhängig davon sind solche OP bei 2-4 % der Jungen notwendig, weil diese ein Vorhautverengung haben, durch die sie an wiederkehrenden Infektionen im Genitalbereich leiden. Bei Kindern verläuft die OP gewöhnlich unproblematisch, unangenehmer wird es für Jugendliche und Erwachsene, falls der Sachverhalt erst spät erkannt wird.
Noch einen Aspekt hat die Entfernung der Vorhaut, in deren Bereich sich Viren und Bakterien recht gerne ansiedeln. Ist sie entfernt, ist das Risiko, später einmal Geschlechtskrankheiten zu übertragen deutlich reduziert. Nutznießer davon sind in erster Linie die Frauen.
Da es sich generell um einen harmlosen Eingriff handelt (es sei denn, er wird in Unvernunft direkt nach der Geburt ausgeführt, statt 1-2 Wochen abzuwarten), ist wohl zu vermuten, dass der eine oder andere Arzt zur Behebung der durch das neue Gesetz entstehenden Zwangslage für einige, demnächst feststellen wird, dass die Phimose seit dem Juni 2012 erstaunlich häufig auftritt. Spannend wird es dann, wie man versuchen wird, diese statistische Veränderung zu erklären ...
Samstag, 23. Juni 2012
Patientencompliance, (fehlende)
Viele Menschen haben Diabetes Typ II, eine Erkrankung, die man sich zumeist durch falsches Essverhalten holt und die in den meisten Fällen behoben werden könnte, indem man ab dem Zeitpunkt der Feststellung darauf achtet, nur sehr kontrolliert, Kohlenhydrate zu sich zu nehmen. Es wäre sogar möglich, gelegentlich etwas Schokolade und Süßes zu essen, aber eben nur gelegentlich. Viele ziehen es vor, Mittel einzunehmen, die die Folgen beharrlichen falschen Essens in den Griff bekommen sollen, viele zerstören dabei ihre Nieren und ihre Augen, etliche werden dadurch dialysepflichtig.
Die Ärzte müssen mit der fehlenden Compliance der Patientenleben; sie ermahnen sie, geben ihnen Ernährungsvorschläge, versuchen die (auch schädlichen) Medikamente auf einem Minimum zu halten, halten ihnen die schädlichen Konsequenzen vor Augen. In vielen Fällen nützt es rein gar nichts.
Wäre es etwa realistisch, zu fordern, die Ärzte sollten die armen kranken Leute endlich in Ruhe lassen, damit sie essen können, was sie wollen, ohne dabei dann auch noch ein schlechtes Gewissen zu haben? Wäre es seitens der Ärzte barmherzig, nicht auf die Folgen hinzuweisen, die ein Fehlverhalten bringen wird? Wäre es solidarisch, solche Menschen möglichst oft, zu Schlemmermahlzeiten einzuladen, damit sie wenigstens noch ein paarmal so richtig genießen können.
Das Beispiel ließe sich mit einigen selbst herbeigeführten Erkrankungen wiederholen. Gerade hatte ich so einen Gichtpatienten in Behandlung. (Er hat beginnenden Diabetes und eine kranke Niere.) Seit mindestens drei Jahren erzähle ich ihm bei jeder Konsultation, wie er seine Ernährung sinnvoll ändern könne. Er ignoriert es. Vor einem Monat begannen die Gichtanfälle. Er bekam von mindestens drei Therapeuten Listen davon, was er nicht essen sollte. Medikamente nahm er nicht ein. Prompt kamen solche Schmerzen, dass er ins Krankenhaus eingewiesen werden musste. Aber niemand glaube, dass er ab jetzt anders essen wird.
Bin ich unbarmherzig, wenn ich ihm weiterhin empfehle, was er lieber meiden und was er tun solle? Bin ich Realitätsverweigerer, weil ich es trotz seines Unwillens, etwas für sich selbst zu tun, weiterhin mache?
Ist es nicht eher so, dass solche Patienten sich der Realität und der Konsequenzen ihres Verhaltens verweigern wollen? Ist es nicht so, dass solche Menschen mit sich selbst äußerst unbarmherzig umgehen?
Im Medizinischen erscheint das wahrscheinlich noch den meisten einsichtig. Doch sobald es um Seelsorge geht, geht jede Perspektive verloren. Eine Sünde ist nicht eine Sünde, weil sie von jemandem als solche definiert wurde. Wenn jemand das Maß in seinen mitmenschlichen Beziehungen verliert, sind die Folgen für seine Seele genauso unausweichlich wie wenn jemand das gleiche in Bezug auf eine vernünftige Ernährung tut und damit seine Gesundheit gefährdet.
Ein guter Seelsorger muss auf die Folgen hinweisen, die ein Verhalten im geistlichen Bereich haben wird, und er handelt nicht unbarmherzig, wenn er es tut.
Es ist vollkommen verantwortungslos, anders zu handeln. Und eine solche sträfliche Verantwortungslosigkeit auch noch als Barmherzigkeit auszugeben ist schon geradezu ungeheuerlich.
Die Ärzte müssen mit der fehlenden Compliance der Patientenleben; sie ermahnen sie, geben ihnen Ernährungsvorschläge, versuchen die (auch schädlichen) Medikamente auf einem Minimum zu halten, halten ihnen die schädlichen Konsequenzen vor Augen. In vielen Fällen nützt es rein gar nichts.
Wäre es etwa realistisch, zu fordern, die Ärzte sollten die armen kranken Leute endlich in Ruhe lassen, damit sie essen können, was sie wollen, ohne dabei dann auch noch ein schlechtes Gewissen zu haben? Wäre es seitens der Ärzte barmherzig, nicht auf die Folgen hinzuweisen, die ein Fehlverhalten bringen wird? Wäre es solidarisch, solche Menschen möglichst oft, zu Schlemmermahlzeiten einzuladen, damit sie wenigstens noch ein paarmal so richtig genießen können.
Das Beispiel ließe sich mit einigen selbst herbeigeführten Erkrankungen wiederholen. Gerade hatte ich so einen Gichtpatienten in Behandlung. (Er hat beginnenden Diabetes und eine kranke Niere.) Seit mindestens drei Jahren erzähle ich ihm bei jeder Konsultation, wie er seine Ernährung sinnvoll ändern könne. Er ignoriert es. Vor einem Monat begannen die Gichtanfälle. Er bekam von mindestens drei Therapeuten Listen davon, was er nicht essen sollte. Medikamente nahm er nicht ein. Prompt kamen solche Schmerzen, dass er ins Krankenhaus eingewiesen werden musste. Aber niemand glaube, dass er ab jetzt anders essen wird.
Bin ich unbarmherzig, wenn ich ihm weiterhin empfehle, was er lieber meiden und was er tun solle? Bin ich Realitätsverweigerer, weil ich es trotz seines Unwillens, etwas für sich selbst zu tun, weiterhin mache?
Ist es nicht eher so, dass solche Patienten sich der Realität und der Konsequenzen ihres Verhaltens verweigern wollen? Ist es nicht so, dass solche Menschen mit sich selbst äußerst unbarmherzig umgehen?
Im Medizinischen erscheint das wahrscheinlich noch den meisten einsichtig. Doch sobald es um Seelsorge geht, geht jede Perspektive verloren. Eine Sünde ist nicht eine Sünde, weil sie von jemandem als solche definiert wurde. Wenn jemand das Maß in seinen mitmenschlichen Beziehungen verliert, sind die Folgen für seine Seele genauso unausweichlich wie wenn jemand das gleiche in Bezug auf eine vernünftige Ernährung tut und damit seine Gesundheit gefährdet.
Ein guter Seelsorger muss auf die Folgen hinweisen, die ein Verhalten im geistlichen Bereich haben wird, und er handelt nicht unbarmherzig, wenn er es tut.
Es ist vollkommen verantwortungslos, anders zu handeln. Und eine solche sträfliche Verantwortungslosigkeit auch noch als Barmherzigkeit auszugeben ist schon geradezu ungeheuerlich.
Sonntag, 17. Juni 2012
mehr zu den Milieus (erstmal allgemein)
Wie Vincentius Lerinensis schon im Kommentar zum letzten Post anmerkt: "die eigentlich Aussage der Studie ist weniger, daß die neueren Milieus
keine Andockmöglichkeit in der gegenwärtigen Kirche finden, sondern
(wieder rein deskriptiv), daß sich nur bestimmte Milieus überhaupt noch
für die Kirche interessieren" und "die Milieus folgen nicht aufeinander, sondern stehen nebeneinander. Daß
die neueren Milieus in den jüngeren Generationen stärker vertreten
sind, liegt natürlich in der Natur der Sache, aber heißt weder, daß
nicht auch Ältere in diesen Milieus vertreten sind und Jüngere in den
anderen Milieus".
Das zweite zuerst: Genauso ist es. Alle beschriebenen Milieus sind zum Zeitpunkt der Studie existent und ihnen zuordenbar sind Menschen verschiedensten Alters. Die Schwerpunkte bei der Verteilung liegen allerdings bei den entsprechenden Altersgruppen. Das ist wohl ein wenig wie die schöne kugelförmige Aufenthaltswahrscheinlichkeit des Elektrons beim Wasserstoffatom: das Elektron befindet sich innerhalb auf dem Radius der Kugel und eventuell auch außerhalb oder innerhalb davon. Aber vereinfacht lässt es sich besser darstellen.
Die Milieus sind Zustandsbeschreibungen, keine Festlegungen. Menschen bewegen sich in und durch Milieus und können sie wechseln, wenn sich ihre Interessen und Überzeugungen ändern. Die Zustandserhebung zum Studienzeitpunkt hat als Momentaufnahme eine vorübergehende Verteilungswahrscheinlichkeit ermittelt.
Nun zum ersten Kritikpunkt. Genauso wurde mir das schon zweimal vorgestellt: "Die Milieus x und y werden von der Kirche nicht erreicht, weil diese für sie uninteressant ist. Wir sollten eventuell Leute finden, die spezielle Angebote für diese Gruppen machen, die ihnen entgegenkommen. Wäre das nicht eine Aufgabe für die neue geistliche Gemeinschaft xyz?" - An dieser Stelle bekomme ich dann die virtuellen Bauchschmerzen, weil das für viele hinausläuft auf ein "lasst jeden seine eigene Kirche bauen, Hauptsache sie fühlen sich wohl drin".
Die Tatsache ist aber, dass jeder, gleich in welchem Milieu, eine Bekehrung zum Glauben nötig hat. Nur stehen dieser Bekehrung je nach Milieu verschiedene Hindernisse im Weg. Ob nun bei "Traditionsbewussten" ein "damit brauche ich mich nicht auseinanderzusetzen, ich gehöre sowieso dazu" oder bei den "Hedonisten" das "ich weiß genau, dass die Kirche mich und meinen Lebensstil verurteilt - so pharisäisch will ich nicht sein" oder die "bürgerliche Mitte" mit "ich hätte gerne harmonische nicht-moralisierende und unterhaltsame Rundumversorgung" oder diese engagierte Truppe, die meint die Kirche solle bitteschön die Basis für ihre Selbstverwirklichung liefern. Alle diese Haltungen stehen einer persönlichen Bekehrung arg im Weg.
Jede der beschriebenen Gruppen ist ein Missionsfeld. Tragisch ist, dass die Gemeinschaft der Glaubenden durchaus attraktiv, sinnvoll und begehrenswert für jedes dieser Milieus sein kann, aber dass diese Tatsache derzeit dadurch verdeckt wird, dass 2-3 Milieus das Außenbild derart prägen, dass die, die anderen Milieus angehören, kaum oder gar nicht erkennen können, dass ihnen ein vollkommen falsches Bild dieser Gemeinschaft präsentiert wird, die für sie essentiell sein könnte.
Die allgemein verbreitete Interpretation der Studie ist (natürlich) soziologisch geprägt und vieles wird durch die Brille eines bestimmten Milieus gesehen. Unabhängig davon werden in der Studie aber auch objektive Beobachtungen gemacht. Wenn diese richtig genutzt würden, würde sich ein gewaltiges Potential eröffnen. - Ich bin kein Soziologe, Pädagoge, Psychologe oder was auch immer. Für mich ist die Darstellung der Studie wie die Doppelseite im Atlas, die mir in der mündlichen Prüfung in Erdkunde plötzlich vorgelegt wurde. Ich hatte keine Ahnung von den Anliegerstaaten des Aralsees, aber ich habe die Karten auf den zwei Seiten so in alle Richtungen durchinterpretiert, dass es die beste Prüfung des Jahrgangs wurde. - Im konkreten Fall kenne ich Leute aus den meisten Milieus und gehöre selbst recht eindeutig zur Untergruppe "Experimentalisten". Die deutsche Kirche hätte mich, wie sie ist, nie erreicht, das war so etwas von abschreckend. Aber genau darum weiß ich, dass das Bild, das die Kirche da bietet, nicht der Wahrheit entspricht. Mich persönlich hat es erfreut, endlich eine Art Beweis zu haben, definitiv kein Konservativer oder Traditionsbewusster zu sein. Nicht weil ich etwas gegen diese Milieus hätte; ich gehöre da nur nicht hinein und verabscheue es, dahin sortiert zu werden. Mein Blickwinkel auf die Fakten dieser Studie ist daher ein völlig anderer als der von jemandem aus der "Bürgerlichen Mitte". Ich sehe brach liegendes Land, wo diese unerreichbare Gegenden kartographiert haben.
Man muss in vielen Feldern die Frage stellen: Was heißen denn die Beobachtungen dieser Studie in Bezug auf die eine oder andere verbreitete Meinung?
Das Material an sich ist gut. Die richtigen Fragen dazu scheinen bisher zu fehlen, die es fruchtbar machen. Ein Grund kann sein, dass die Erkenntnis des eigenen Milieus bisherige Ansichten des Einzelnen, die ihm unverrückbar und eindeutig erschienen, in Frage stellt.
Ein guter Ansatzpunkt für eine Nutzung des Materials scheint mir die Übersicht der "do"s und "don't"s für die einzelnen Gruppen sein. Denn die sind hilfreich, um mit den jeweiligen Milieus ins Gespräch kommen zu können, ohne sofort durch unglückliche Wort- oder Vorgehenswahl Vorurteile gegeneinander zu zementieren.
Und zu allermindest kann ich durch ein Diskutieren des Themas für andere Interessierte ein paar Informationen und Anregungen über das Internet verfügbar machen.
Die angeblich von der Kirche unerreichbaren Gruppen sind sehr wohl erreichbar, und die Materialsammlung der Studie könnte dabei helfen.
Das zweite zuerst: Genauso ist es. Alle beschriebenen Milieus sind zum Zeitpunkt der Studie existent und ihnen zuordenbar sind Menschen verschiedensten Alters. Die Schwerpunkte bei der Verteilung liegen allerdings bei den entsprechenden Altersgruppen. Das ist wohl ein wenig wie die schöne kugelförmige Aufenthaltswahrscheinlichkeit des Elektrons beim Wasserstoffatom: das Elektron befindet sich innerhalb auf dem Radius der Kugel und eventuell auch außerhalb oder innerhalb davon. Aber vereinfacht lässt es sich besser darstellen.
Die Milieus sind Zustandsbeschreibungen, keine Festlegungen. Menschen bewegen sich in und durch Milieus und können sie wechseln, wenn sich ihre Interessen und Überzeugungen ändern. Die Zustandserhebung zum Studienzeitpunkt hat als Momentaufnahme eine vorübergehende Verteilungswahrscheinlichkeit ermittelt.
Nun zum ersten Kritikpunkt. Genauso wurde mir das schon zweimal vorgestellt: "Die Milieus x und y werden von der Kirche nicht erreicht, weil diese für sie uninteressant ist. Wir sollten eventuell Leute finden, die spezielle Angebote für diese Gruppen machen, die ihnen entgegenkommen. Wäre das nicht eine Aufgabe für die neue geistliche Gemeinschaft xyz?" - An dieser Stelle bekomme ich dann die virtuellen Bauchschmerzen, weil das für viele hinausläuft auf ein "lasst jeden seine eigene Kirche bauen, Hauptsache sie fühlen sich wohl drin".
Die Tatsache ist aber, dass jeder, gleich in welchem Milieu, eine Bekehrung zum Glauben nötig hat. Nur stehen dieser Bekehrung je nach Milieu verschiedene Hindernisse im Weg. Ob nun bei "Traditionsbewussten" ein "damit brauche ich mich nicht auseinanderzusetzen, ich gehöre sowieso dazu" oder bei den "Hedonisten" das "ich weiß genau, dass die Kirche mich und meinen Lebensstil verurteilt - so pharisäisch will ich nicht sein" oder die "bürgerliche Mitte" mit "ich hätte gerne harmonische nicht-moralisierende und unterhaltsame Rundumversorgung" oder diese engagierte Truppe, die meint die Kirche solle bitteschön die Basis für ihre Selbstverwirklichung liefern. Alle diese Haltungen stehen einer persönlichen Bekehrung arg im Weg.
Jede der beschriebenen Gruppen ist ein Missionsfeld. Tragisch ist, dass die Gemeinschaft der Glaubenden durchaus attraktiv, sinnvoll und begehrenswert für jedes dieser Milieus sein kann, aber dass diese Tatsache derzeit dadurch verdeckt wird, dass 2-3 Milieus das Außenbild derart prägen, dass die, die anderen Milieus angehören, kaum oder gar nicht erkennen können, dass ihnen ein vollkommen falsches Bild dieser Gemeinschaft präsentiert wird, die für sie essentiell sein könnte.
Die allgemein verbreitete Interpretation der Studie ist (natürlich) soziologisch geprägt und vieles wird durch die Brille eines bestimmten Milieus gesehen. Unabhängig davon werden in der Studie aber auch objektive Beobachtungen gemacht. Wenn diese richtig genutzt würden, würde sich ein gewaltiges Potential eröffnen. - Ich bin kein Soziologe, Pädagoge, Psychologe oder was auch immer. Für mich ist die Darstellung der Studie wie die Doppelseite im Atlas, die mir in der mündlichen Prüfung in Erdkunde plötzlich vorgelegt wurde. Ich hatte keine Ahnung von den Anliegerstaaten des Aralsees, aber ich habe die Karten auf den zwei Seiten so in alle Richtungen durchinterpretiert, dass es die beste Prüfung des Jahrgangs wurde. - Im konkreten Fall kenne ich Leute aus den meisten Milieus und gehöre selbst recht eindeutig zur Untergruppe "Experimentalisten". Die deutsche Kirche hätte mich, wie sie ist, nie erreicht, das war so etwas von abschreckend. Aber genau darum weiß ich, dass das Bild, das die Kirche da bietet, nicht der Wahrheit entspricht. Mich persönlich hat es erfreut, endlich eine Art Beweis zu haben, definitiv kein Konservativer oder Traditionsbewusster zu sein. Nicht weil ich etwas gegen diese Milieus hätte; ich gehöre da nur nicht hinein und verabscheue es, dahin sortiert zu werden. Mein Blickwinkel auf die Fakten dieser Studie ist daher ein völlig anderer als der von jemandem aus der "Bürgerlichen Mitte". Ich sehe brach liegendes Land, wo diese unerreichbare Gegenden kartographiert haben.
Man muss in vielen Feldern die Frage stellen: Was heißen denn die Beobachtungen dieser Studie in Bezug auf die eine oder andere verbreitete Meinung?
Das Material an sich ist gut. Die richtigen Fragen dazu scheinen bisher zu fehlen, die es fruchtbar machen. Ein Grund kann sein, dass die Erkenntnis des eigenen Milieus bisherige Ansichten des Einzelnen, die ihm unverrückbar und eindeutig erschienen, in Frage stellt.
Ein guter Ansatzpunkt für eine Nutzung des Materials scheint mir die Übersicht der "do"s und "don't"s für die einzelnen Gruppen sein. Denn die sind hilfreich, um mit den jeweiligen Milieus ins Gespräch kommen zu können, ohne sofort durch unglückliche Wort- oder Vorgehenswahl Vorurteile gegeneinander zu zementieren.
Und zu allermindest kann ich durch ein Diskutieren des Themas für andere Interessierte ein paar Informationen und Anregungen über das Internet verfügbar machen.
Die angeblich von der Kirche unerreichbaren Gruppen sind sehr wohl erreichbar, und die Materialsammlung der Studie könnte dabei helfen.
wirklicher Reformstau: das Priesterbild der Sinus-Milieugruppen
Wie im vorigen Beitrag schon angedeutet wird das Erscheinungsbild der katholischen Kirche in Deutschland seit nunmehr 50 Jahren durch Milieus geprägt und dominiert, die dem Feld B ("Modernisierung") entsprechen. Das vorhergehende Feld A ("traditionelle Werte") wurde weitgehend marginalisiert. Das eigentlich seit den 80er Jahren in der Bevölkerung vorherrschende Feld C ("Neuorientierung") findet bisher so gut wie keine Repräsentanz.
Viele werden jetzt ein Aha-Erlebnis haben, wenn sie erfahren, was die einzelnen Milieus von einem Pfarrer/Priester erwarten.
In den 50er und 60er Jahren war die mehrheitliche Erwartung, der Pfarrer solle ein Pastor (ein Hirte) und/oder ein Glaubenshüter sein. Charakteristisch ist, dass hier Weisungen erwartet werden, wie man leben soll, und dass eine Überlegenheit zugebilligt wird.
Die Erwartung der späten 60er, 70er und teilweise noch der 80er Jahre war, der Pfarrer solle ein Sozialarbeiter und/oder Animateur, evtl. auch eine Art Repräsentant (was einer Art Galeonsfigur entsprechen würde, da er keinesfalls sich oder Lehramtliches repräsentieren soll sondern eher das Milieu).
In den 80ern wurde ein neues Milieu stärker, das allmählich mit dem Selbstbild des B-Bereiches ("wir wissen genau wie alles zu sein hat und wollen darin bestärkt werden") brach. Dieses Milieu, "Postmaterielle" genannt, erwartete einen Motivator. Jemanden also, der eine Vision hat und anderen hilft, mit dieser neue Orientierung zu finden.
Spätestens seit den 90er Jahren dominieren die drei Milieus, die sich in einem Priester einen "Kumpel" (gemeint ist in Abgrenzung zu einem Hirten ein guter, stark anteilnehmender Freund), einen Mystiker und/oder einen Experten erwartet. Diese Menschen wissen nicht schon alles, sie suchen, wollen aber nur vertrauen, wenn Chancen bestehen, etwas zu finden, das sie noch nicht haben. Um das einmal grob auszudrücken.
Es wird also wieder Orientierung gesucht, am besten durch gelebtes Vorbild, gelebte Kompetenz, was zwar nicht zugleich einen Status der Überlegenheit zubilligt aber dem Authentischen durchaus Respekt zollt.
Diese Haltung wird von den sich im B-Bereich Wohlfühlenden zumeist mit den Anschauungen des A-Bereichs verwechselt, dessen Erstarken sie als Bedrohung empfinden würden. Im A-Bereich verschaffte die Autorität von Priestern, Ärzten, Lehrern, Politikern oft einen durchaus auch kritikwürdigen gottgleichen Status für Einzelne. Der B-Bereich setzte sich die Beseitigung solcher Autoritäten zum Ziel, kürte aber gerade die Akteure des Anti-Autoritären zur neuen Autorität, ein Widerspruch, der innerhalb dieser Gruppe meist nicht wahrgenommen wird. Der C-Bereich sucht Autorität, die sich aus Kompetenz ergibt und die man, falls sie überzeugt, anerkennen kann. Allein diese Suche nach Autorität macht ihn aber dem B-Bereich suspekt.
Wir sehen also den wirklich extremen Reformstau. Wohl ca. 90 % kirchlicher Mitarbeiter und Vertreter in Deutschland entstammen dem B-Bereich, der ungeheuer von der alleinen Richtigkeit seiner Meinungen überzeugt ist, während die Menschen seit über 20 Jahren in Milieus mit einer völlig anderen Wirklichkeitswahrnhemung leben. Insbesondere werden die Bedürfnisse der neuen Generation oft mit der Begründung ignoriert, sie seien reaktionär und gehörten zur A-Mentalität, die man glücklich hinter sich gelassen habe. Es wird versucht, allen die B-Mentalität aufzuoktroyieren und eine Ablehnung derselben wird als verletzend empfunden.
Für die nach Orientierung suchende C-Generation ist es dahingegend äußerst frustrierend, wenn der erhoffte "Freund", nach dessen persönlicher Zuwendung man sich sehnt, sich nur als "Sozialarbeiter" erweist, der nach Schemata vorgeht und ganze Gruppen im Blick hat.
Wenn der erhoffte "Experte" der sachlich richtig über Glaubensinhalte informieren soll, sich als "Repräsentant" einer Meinung mit ideologischen Zügen erweist, der zu sachlicher Information unfähig geworden ist.
Wenn der Mensch, bei dem eine gewisse Vertrautheit mit mystischer Erfahrung, und ein reiches Glaubensleben vermutet werden, von dessen Erfahrung man profitieren kann, nur ein Animateur ist, der Anleitungen zu sinnlosen Spielen gibt und Beschäftigungstherapie macht, die Leere nur verdecken kann.
Hier ist der wahre Reformstau in der deutschen katholischen Kirche. Hier findet die tatsächliche Wirklichkeitsverweigerung statt.
Andererseits hat man mit der Sinus-Milieu-Studie tatsächlich eine exzellente Grundlage geschaffen, auf der basierend der suchenden neuen Generation geholfen werden kann, die Schönheit des Glaubens zu entdecken. Hier wären exzellente Arbeitshilfen für das Jahr des Glaubens ausarbeitbar. Doch leider werden all die sorgfätig erarbeiteten Erkenntnisse zum einen nicht ausreichend publik gemacht, zum andern nicht angewandt.
Sicher ist es jemandem aus dem B-Milieu nur sehr schwer möglich, aus seinem Milieu herauszugehen, in dem er sich sicher fühlt, die ganzen eingefahrenen Denkweisen zu verlassen und sich aufs uferlose Meer zu begeben, wo die Schiffbrüchigen unserer Zeit herumtreiben. Es bleibt nur zu hoffen, dass der Heilige Geist auch hier Fenster und Türen aufreißt und Ihm Raum zum Wirken gegeben wird.
Viele werden jetzt ein Aha-Erlebnis haben, wenn sie erfahren, was die einzelnen Milieus von einem Pfarrer/Priester erwarten.
In den 50er und 60er Jahren war die mehrheitliche Erwartung, der Pfarrer solle ein Pastor (ein Hirte) und/oder ein Glaubenshüter sein. Charakteristisch ist, dass hier Weisungen erwartet werden, wie man leben soll, und dass eine Überlegenheit zugebilligt wird.
Die Erwartung der späten 60er, 70er und teilweise noch der 80er Jahre war, der Pfarrer solle ein Sozialarbeiter und/oder Animateur, evtl. auch eine Art Repräsentant (was einer Art Galeonsfigur entsprechen würde, da er keinesfalls sich oder Lehramtliches repräsentieren soll sondern eher das Milieu).
In den 80ern wurde ein neues Milieu stärker, das allmählich mit dem Selbstbild des B-Bereiches ("wir wissen genau wie alles zu sein hat und wollen darin bestärkt werden") brach. Dieses Milieu, "Postmaterielle" genannt, erwartete einen Motivator. Jemanden also, der eine Vision hat und anderen hilft, mit dieser neue Orientierung zu finden.
Spätestens seit den 90er Jahren dominieren die drei Milieus, die sich in einem Priester einen "Kumpel" (gemeint ist in Abgrenzung zu einem Hirten ein guter, stark anteilnehmender Freund), einen Mystiker und/oder einen Experten erwartet. Diese Menschen wissen nicht schon alles, sie suchen, wollen aber nur vertrauen, wenn Chancen bestehen, etwas zu finden, das sie noch nicht haben. Um das einmal grob auszudrücken.
Es wird also wieder Orientierung gesucht, am besten durch gelebtes Vorbild, gelebte Kompetenz, was zwar nicht zugleich einen Status der Überlegenheit zubilligt aber dem Authentischen durchaus Respekt zollt.
Diese Haltung wird von den sich im B-Bereich Wohlfühlenden zumeist mit den Anschauungen des A-Bereichs verwechselt, dessen Erstarken sie als Bedrohung empfinden würden. Im A-Bereich verschaffte die Autorität von Priestern, Ärzten, Lehrern, Politikern oft einen durchaus auch kritikwürdigen gottgleichen Status für Einzelne. Der B-Bereich setzte sich die Beseitigung solcher Autoritäten zum Ziel, kürte aber gerade die Akteure des Anti-Autoritären zur neuen Autorität, ein Widerspruch, der innerhalb dieser Gruppe meist nicht wahrgenommen wird. Der C-Bereich sucht Autorität, die sich aus Kompetenz ergibt und die man, falls sie überzeugt, anerkennen kann. Allein diese Suche nach Autorität macht ihn aber dem B-Bereich suspekt.
Wir sehen also den wirklich extremen Reformstau. Wohl ca. 90 % kirchlicher Mitarbeiter und Vertreter in Deutschland entstammen dem B-Bereich, der ungeheuer von der alleinen Richtigkeit seiner Meinungen überzeugt ist, während die Menschen seit über 20 Jahren in Milieus mit einer völlig anderen Wirklichkeitswahrnhemung leben. Insbesondere werden die Bedürfnisse der neuen Generation oft mit der Begründung ignoriert, sie seien reaktionär und gehörten zur A-Mentalität, die man glücklich hinter sich gelassen habe. Es wird versucht, allen die B-Mentalität aufzuoktroyieren und eine Ablehnung derselben wird als verletzend empfunden.
Für die nach Orientierung suchende C-Generation ist es dahingegend äußerst frustrierend, wenn der erhoffte "Freund", nach dessen persönlicher Zuwendung man sich sehnt, sich nur als "Sozialarbeiter" erweist, der nach Schemata vorgeht und ganze Gruppen im Blick hat.
Wenn der erhoffte "Experte" der sachlich richtig über Glaubensinhalte informieren soll, sich als "Repräsentant" einer Meinung mit ideologischen Zügen erweist, der zu sachlicher Information unfähig geworden ist.
Wenn der Mensch, bei dem eine gewisse Vertrautheit mit mystischer Erfahrung, und ein reiches Glaubensleben vermutet werden, von dessen Erfahrung man profitieren kann, nur ein Animateur ist, der Anleitungen zu sinnlosen Spielen gibt und Beschäftigungstherapie macht, die Leere nur verdecken kann.
Hier ist der wahre Reformstau in der deutschen katholischen Kirche. Hier findet die tatsächliche Wirklichkeitsverweigerung statt.
Andererseits hat man mit der Sinus-Milieu-Studie tatsächlich eine exzellente Grundlage geschaffen, auf der basierend der suchenden neuen Generation geholfen werden kann, die Schönheit des Glaubens zu entdecken. Hier wären exzellente Arbeitshilfen für das Jahr des Glaubens ausarbeitbar. Doch leider werden all die sorgfätig erarbeiteten Erkenntnisse zum einen nicht ausreichend publik gemacht, zum andern nicht angewandt.
Sicher ist es jemandem aus dem B-Milieu nur sehr schwer möglich, aus seinem Milieu herauszugehen, in dem er sich sicher fühlt, die ganzen eingefahrenen Denkweisen zu verlassen und sich aufs uferlose Meer zu begeben, wo die Schiffbrüchigen unserer Zeit herumtreiben. Es bleibt nur zu hoffen, dass der Heilige Geist auch hier Fenster und Türen aufreißt und Ihm Raum zum Wirken gegeben wird.
Samstag, 16. Juni 2012
Spezialität der deutschen katholischen Kirche: Vergraben von Informationen
Diesesmal meine ich keine wichtigen Dokumente und Verlautbarungen des Papstes und aus dem Vatikan wie zum Beispiel "Redemptionis sacramentum" von 2004, dessen Inhalt hierzulande so unbekannt ist, dass es sogar bei Bischöfen vorkommt, dass sie jetzt noch ihre Priester zu Dingen auffordern, die dort klar als Missbrauch benannt sind. (zum Beispiel Kommunion der Priester bei der Konzelebration nur durch Eintunken der Hostie).
Nein, ich meine die gar nicht mehr so neue Sinus-Milieustudie. Die Kenntnis darüber verbreitet sich so irgendwie in den Ordinarien, aber das Ringhandbuch hat einen stolzen Preis von 140 Euro für kirchliche Mitarbeiter und noch deutlich mehr für andere Interessierte.
Einige Details zu der Studie findet man im Internet immerhin beim Erzbistum Köln: http://www.erzbistum-koeln.de/seelsorgebereiche/wir_fuer_sie/fachbereich_pastoral/konzeptenwicklung/sinus_milieu_studie
Nur, ohne Einführung dazu kann man eher wenig damit anfangen.
Wer sich die ermittelten Milieus betrachtet, sollte sich nicht an den Bezeichnungen der einzelnen Milieus stören, denn die sind für alle Betroffenen eher mit abwertendem bis diskriminierendem Anklang. Einige wurden deshalb schon umbenannt, aber die neuen Namen hören sich keinen Deut besser an, man hätte sie sich wohl sparen können.
Trotzdem sind bei dieser Studie einige wirklich interessante Details an Licht gekommen, die eigentlich für jede Pfarrgemeinde und kirchliche Gruppierung von Interesse wären und es ist schade, dass die Weitergabe dieser Informationen manchmal auch daran scheitert, dass Pfarrer, denen die Milieus erläutert werden, abwehrend erklären: "Bei uns werden alle erreicht."
Tatsache ist etwas anderes. "in Pfarrgemeinden lassen sich nur noch in zwei, maximal zweieinhalb (der Milieus) identifizieren". Und zwar handelt es sich um die große Gruppe der "bürgerlichen Mitte" bis "Etablierten", damit gemeint sind die, die gerne Reformen und Kirchenträume jonglieren, sich den Pfarrer als Animateuer wünschen und politisch so irgendwie grün-links-liberal orientiert sind, das Establishment, das die Medien und alles beherrscht und dann noch Reste der "Traditionsbewussten" bis "Konservativen".
Nicht vorhanden seien die drei Milieus im Bereich C. Wobei das eher die Meinung des großen B-Blocks ist, der auch die kirchlichen Mitarbeiter stellt. Denn ich meine festgestellt zu haben, dass wir "pöhsen" Blogözesanen genau in den Bereich gehören, neben anderen auch versteht sich. Man schlägt uns nur den Traditionsbewussten bis Konservativen zu, die eine völlig andere Motivation für Überzeugungen hatten, zu denen wir völlig individuell und durch suchen und ausprobieren gelangt sind.
Eigentlich müssten diejenigen, die auf uns hacken jubeln!! Ein Teil der neuen Generation hat tatsächlich seinen Weg gefunden, Teil des Leibes Christi zu sein, obwohl der B-Block es schier mit aller Gewalt verhindern zu wollen schien.
Und persönlich fühlt es sich gut an, endlich zu wissen, dass ich tatsächlich kein "A"-ler bin, was niemand bei engerem Kontakt mit mir je aufrechterhalten konnte und warum ich die "B"s so wenig leiden mag (da muss ich auch noch an der Nächstenliebe arbeiten).
Die Sinus-Milieu-Studie verdient jedenfalls deutlich mehr Aufmerksamkeit und Internetpräsentation. Wozu dies hier ein erster Beitrag sein möchte.
Nein, ich meine die gar nicht mehr so neue Sinus-Milieustudie. Die Kenntnis darüber verbreitet sich so irgendwie in den Ordinarien, aber das Ringhandbuch hat einen stolzen Preis von 140 Euro für kirchliche Mitarbeiter und noch deutlich mehr für andere Interessierte.
Einige Details zu der Studie findet man im Internet immerhin beim Erzbistum Köln: http://www.erzbistum-koeln.de/seelsorgebereiche/wir_fuer_sie/fachbereich_pastoral/konzeptenwicklung/sinus_milieu_studie
Nur, ohne Einführung dazu kann man eher wenig damit anfangen.
Wer sich die ermittelten Milieus betrachtet, sollte sich nicht an den Bezeichnungen der einzelnen Milieus stören, denn die sind für alle Betroffenen eher mit abwertendem bis diskriminierendem Anklang. Einige wurden deshalb schon umbenannt, aber die neuen Namen hören sich keinen Deut besser an, man hätte sie sich wohl sparen können.
Trotzdem sind bei dieser Studie einige wirklich interessante Details an Licht gekommen, die eigentlich für jede Pfarrgemeinde und kirchliche Gruppierung von Interesse wären und es ist schade, dass die Weitergabe dieser Informationen manchmal auch daran scheitert, dass Pfarrer, denen die Milieus erläutert werden, abwehrend erklären: "Bei uns werden alle erreicht."
Tatsache ist etwas anderes. "in Pfarrgemeinden lassen sich nur noch in zwei, maximal zweieinhalb (der Milieus) identifizieren". Und zwar handelt es sich um die große Gruppe der "bürgerlichen Mitte" bis "Etablierten", damit gemeint sind die, die gerne Reformen und Kirchenträume jonglieren, sich den Pfarrer als Animateuer wünschen und politisch so irgendwie grün-links-liberal orientiert sind, das Establishment, das die Medien und alles beherrscht und dann noch Reste der "Traditionsbewussten" bis "Konservativen".
Nicht vorhanden seien die drei Milieus im Bereich C. Wobei das eher die Meinung des großen B-Blocks ist, der auch die kirchlichen Mitarbeiter stellt. Denn ich meine festgestellt zu haben, dass wir "pöhsen" Blogözesanen genau in den Bereich gehören, neben anderen auch versteht sich. Man schlägt uns nur den Traditionsbewussten bis Konservativen zu, die eine völlig andere Motivation für Überzeugungen hatten, zu denen wir völlig individuell und durch suchen und ausprobieren gelangt sind.
Eigentlich müssten diejenigen, die auf uns hacken jubeln!! Ein Teil der neuen Generation hat tatsächlich seinen Weg gefunden, Teil des Leibes Christi zu sein, obwohl der B-Block es schier mit aller Gewalt verhindern zu wollen schien.
Und persönlich fühlt es sich gut an, endlich zu wissen, dass ich tatsächlich kein "A"-ler bin, was niemand bei engerem Kontakt mit mir je aufrechterhalten konnte und warum ich die "B"s so wenig leiden mag (da muss ich auch noch an der Nächstenliebe arbeiten).
Die Sinus-Milieu-Studie verdient jedenfalls deutlich mehr Aufmerksamkeit und Internetpräsentation. Wozu dies hier ein erster Beitrag sein möchte.
Dienstag, 5. Juni 2012
"Brot beruhigt ..." - Text zu Fronleichnam!!!
Nur wenig bringt mich derzeit zum sofortigen Schreiben eines Posts (einfach zuviel um die Ohren), aber das hier muss einfach exponiert werden. Gefunden habe ich es auf dem heutigen Kalenderblatt. Verfasser ist laut diesem ein P. Gerhard Eberts.
Ich zitiere:
"Brot beruhigt, Brot versöhnt, Brot lädt ein, zu feiern
Einmal im Jahr machen wir das öffentlich. Am Fronleichnamstag."
(Wie bitte? Wir machen an Fronleichnam öffentlich, dass Brot beruhigt, versöhnt und zum Feiern einlädt?)
"Einmal im Jahr tragen wir diese Brot hinaus auf unsere Straßen. Dabei wird das unscheinbare Brot, die Hostie, in einer goldenen Monstranz getragen."
(Ach so, Fronleichnam ist ein Brotgedenktag. Wir verehren Brot so sehr, dass wir es in ein goldenes Gefäß stecken und durch die Straßen tragen ....)
"So können wir zeigen, wo unsere wahren Schätze liegen."
(Nämlich normalerweise zuhause im Brotkasten anscheinend, wenn ich diesem Text folge. Wir brauchen wohl mehr Bewusstsein für den Wert von Nahrungsmitteln.)
"Nach der Prozession wird die Monstranz wieder zurückgestellt in die Sakristei."
(Klar, wichtig über den Verbleib eines teueren goldenen Gegenstandes informiert zu werden. Was passiert eigentlich mit der Brotscheibe? Ach, es geht noch weiter.)
"Denn nach der Prozession ist jeder, der kommuniziert hat, eine lebendige Monstranz."
(Hmmm, mit eigebautem Schaufenster? - Und wieso eigentlich nach der Prozession? Eine kleine Berührung mit der Realität wäre ja vorhanden gewesen, hätte dieser Schreiber gesagt, nach der heiligen Kommunion. Aber die scheint sekundär, denn es soll ja von der Prozession abhängig sein, behauptet er. Ist da jemand etwas, nein, so ziemlich alles durcheinander gekommen? Und warum veröffnet man solche verwirrten Äußerungen dann in einem "katholischen Tageskalender"?)
CAVE: Wer auch immer diesen Text unbedarft und ohne detailliertes Vorwissen liest: Bei Fronleichnam handelt es sich NICHT um eine Würdigung des Nahrungsmittels Brot, sondern, das, was da wie eine Backoblate aussieht und sich in der Monstranz befindet, ist nach katholischer Glaubensüberzeugung kein "etwas" sondern "jemand" und zwar nicht irgendjemand sondern der Herr Jesus Christus selbst, weil diese Hostie nicht mehr das Brot ist, wie das sie optisch noch aussieht, sondern seit den Wandlungsworten in der heiligen Messe der Leib Jesu Christi selbst ist. Wer dazu Details braucht, suche einmal unter dem Stichwort "Transsubstantiation" (Link dazu) oder befrage einen Katholiken oder Orthodoxen, der tatsächlich weiß, was der zentrale Inhalt seines Glaubens ist.
In dieser Prozession wird also Jesus Christus durch die Straßen getragen, nicht Brot. Er wird geehrt und verehrt (früher von allen, die ihn bei dieser Prozession begleiteten und von vielen am Straßenrand, heute eher noch von einigen wenigen, die tatsächlich wissen, dass das nicht irgendein Stückchen Brot ist. Und falls jemand sieht, dass tatsächlich jemand sich hinkniet, wenn die Monstranz vorbeigetragen wird: diese Geste der Verehrung gilt NICHT dem Pfarrer oder anderen Geistlichen, die da unter diesem Baldachin ("Himmel" genannt) dahergehen, und erst recht NICHT einem Bäckereierzeugnis sondern dem HERRN und ERLÖSER der Welt, der in dieser ehemaligen einfachen Scheibe Brot mitten unter uns gekommen ist.
Ich zitiere:
"Brot beruhigt, Brot versöhnt, Brot lädt ein, zu feiern
Einmal im Jahr machen wir das öffentlich. Am Fronleichnamstag."
(Wie bitte? Wir machen an Fronleichnam öffentlich, dass Brot beruhigt, versöhnt und zum Feiern einlädt?)
"Einmal im Jahr tragen wir diese Brot hinaus auf unsere Straßen. Dabei wird das unscheinbare Brot, die Hostie, in einer goldenen Monstranz getragen."
(Ach so, Fronleichnam ist ein Brotgedenktag. Wir verehren Brot so sehr, dass wir es in ein goldenes Gefäß stecken und durch die Straßen tragen ....)
"So können wir zeigen, wo unsere wahren Schätze liegen."
(Nämlich normalerweise zuhause im Brotkasten anscheinend, wenn ich diesem Text folge. Wir brauchen wohl mehr Bewusstsein für den Wert von Nahrungsmitteln.)
"Nach der Prozession wird die Monstranz wieder zurückgestellt in die Sakristei."
(Klar, wichtig über den Verbleib eines teueren goldenen Gegenstandes informiert zu werden. Was passiert eigentlich mit der Brotscheibe? Ach, es geht noch weiter.)
"Denn nach der Prozession ist jeder, der kommuniziert hat, eine lebendige Monstranz."
(Hmmm, mit eigebautem Schaufenster? - Und wieso eigentlich nach der Prozession? Eine kleine Berührung mit der Realität wäre ja vorhanden gewesen, hätte dieser Schreiber gesagt, nach der heiligen Kommunion. Aber die scheint sekundär, denn es soll ja von der Prozession abhängig sein, behauptet er. Ist da jemand etwas, nein, so ziemlich alles durcheinander gekommen? Und warum veröffnet man solche verwirrten Äußerungen dann in einem "katholischen Tageskalender"?)
CAVE: Wer auch immer diesen Text unbedarft und ohne detailliertes Vorwissen liest: Bei Fronleichnam handelt es sich NICHT um eine Würdigung des Nahrungsmittels Brot, sondern, das, was da wie eine Backoblate aussieht und sich in der Monstranz befindet, ist nach katholischer Glaubensüberzeugung kein "etwas" sondern "jemand" und zwar nicht irgendjemand sondern der Herr Jesus Christus selbst, weil diese Hostie nicht mehr das Brot ist, wie das sie optisch noch aussieht, sondern seit den Wandlungsworten in der heiligen Messe der Leib Jesu Christi selbst ist. Wer dazu Details braucht, suche einmal unter dem Stichwort "Transsubstantiation" (Link dazu) oder befrage einen Katholiken oder Orthodoxen, der tatsächlich weiß, was der zentrale Inhalt seines Glaubens ist.
In dieser Prozession wird also Jesus Christus durch die Straßen getragen, nicht Brot. Er wird geehrt und verehrt (früher von allen, die ihn bei dieser Prozession begleiteten und von vielen am Straßenrand, heute eher noch von einigen wenigen, die tatsächlich wissen, dass das nicht irgendein Stückchen Brot ist. Und falls jemand sieht, dass tatsächlich jemand sich hinkniet, wenn die Monstranz vorbeigetragen wird: diese Geste der Verehrung gilt NICHT dem Pfarrer oder anderen Geistlichen, die da unter diesem Baldachin ("Himmel" genannt) dahergehen, und erst recht NICHT einem Bäckereierzeugnis sondern dem HERRN und ERLÖSER der Welt, der in dieser ehemaligen einfachen Scheibe Brot mitten unter uns gekommen ist.
Montag, 28. Mai 2012
Wallfahrtsgespräch
Ich war auch im vergangenen Monat in Trier. In einem Bus in dem mir fast alle unbekannt waren. Meine Sitznachbarin eröffnete sofort nach Platznahme den Smalltalk. Und worüber unterhält man sich in gut katholischen Kreisen wie anderswo übers Wetter? Richtig, die altbekannte Bingoliste: Laien-Gottesdienste, Frauenpriestertum, Interkommunion (=Ökumene, angeblich), Zölibatsabschaffung usw. usw.mit kurzem Abstecher zu Kreuzzügen und Hexenverbrennung. Meine Nachbarin hakte auf Hin- und Rückfahrt die ganze Liste ab.
Sie war nicht kämpferisch. Richtiger Smalltalk eben. Und fast jedesmal, wenn ich höflich zugehört hatte und dann auf ein paar Punkte hinwies, die sie wohl nicht bedacht hatte, stimmte sie mir plötzlich zu und fing nach einer Denkpause ein neues Thema an. Ganz am Ende der Fahrt kam erst etwas, was ihr wirklich wichtig war. Vorher hatte sie sich noch etwas mockiert über die unaufgeklärt Frommen, deren eine sie beauftragt hatte, eine Devotionalie in Kontakt mit dem Schrein des Heiligen Rocks zu bringen, was sie aber nicht tun würde, weil das zu lächerlich sei. Aber auf einmal kam es, ganz am Schluss , leise, fast scheu, sie machte die Wallfahrt, weil ihr Mann krank ist und vielleicht ... Außerdem danke fürs Zuhören.
Mir hat das Herz wehgetan um sie und alle die sind wie sie. Die ihre Frömmigkeit vor sich selbst hinter hohen Mauern wohlfeiler Kirchenkritik verbergen und sich in Wirklichkeit nach dem sehnen, das sie selbst mit niederzureißen helfen.
Eine einfache Frau. Ich dachte an das Wort Jesu, was die auf sich laden, die solchen "Kleinen" ihren Glauben rauben.
Sie war nicht kämpferisch. Richtiger Smalltalk eben. Und fast jedesmal, wenn ich höflich zugehört hatte und dann auf ein paar Punkte hinwies, die sie wohl nicht bedacht hatte, stimmte sie mir plötzlich zu und fing nach einer Denkpause ein neues Thema an. Ganz am Ende der Fahrt kam erst etwas, was ihr wirklich wichtig war. Vorher hatte sie sich noch etwas mockiert über die unaufgeklärt Frommen, deren eine sie beauftragt hatte, eine Devotionalie in Kontakt mit dem Schrein des Heiligen Rocks zu bringen, was sie aber nicht tun würde, weil das zu lächerlich sei. Aber auf einmal kam es, ganz am Schluss , leise, fast scheu, sie machte die Wallfahrt, weil ihr Mann krank ist und vielleicht ... Außerdem danke fürs Zuhören.
Mir hat das Herz wehgetan um sie und alle die sind wie sie. Die ihre Frömmigkeit vor sich selbst hinter hohen Mauern wohlfeiler Kirchenkritik verbergen und sich in Wirklichkeit nach dem sehnen, das sie selbst mit niederzureißen helfen.
Eine einfache Frau. Ich dachte an das Wort Jesu, was die auf sich laden, die solchen "Kleinen" ihren Glauben rauben.
et renovabis faciem terrae
Emitte Spiritum tuum - Sende aus deinen Geist
et renovabis faciem terrae - unddu erneuerst das Antlitz der Erde das Antlitz der Erde wird neu
Das ist mir gestern beim Spaziergang aufgestoßen, als ich das Veni Creator Spiritus mit Schlussgebet gebetet habe.
Natürlich kann man implizit verstehen, dass das Antlitz der Erde nur neu wird, weil der Heilige Geist es erneuert und ein Zusammenhang des einen mit dem andern ist in der deutschen Übersetzung auch erkennbar.
Nur hatte mich gerade die Betrachtung mitgerissen, wie der Heilige Geist eingreift und verändert und die Übersetzung erschien plötzlich geradezu verfälschend. So als ob es bedeuten könnte: Gott sendet seinen Geist aus - wir erneuern uns. Als sei der Akteur plötzlich ein anderer geworden. Der hübsch klingende deutsche Kehrvers war mir plötzlich verleidet.
et renovabis faciem terrae - und
Das ist mir gestern beim Spaziergang aufgestoßen, als ich das Veni Creator Spiritus mit Schlussgebet gebetet habe.
Natürlich kann man implizit verstehen, dass das Antlitz der Erde nur neu wird, weil der Heilige Geist es erneuert und ein Zusammenhang des einen mit dem andern ist in der deutschen Übersetzung auch erkennbar.
Nur hatte mich gerade die Betrachtung mitgerissen, wie der Heilige Geist eingreift und verändert und die Übersetzung erschien plötzlich geradezu verfälschend. So als ob es bedeuten könnte: Gott sendet seinen Geist aus - wir erneuern uns. Als sei der Akteur plötzlich ein anderer geworden. Der hübsch klingende deutsche Kehrvers war mir plötzlich verleidet.
Dienstag, 24. April 2012
Glaubwürdigkeit: Taten, die lauter sprechen als Worte
Oft wird die Aussage, dass Taten lauter sprechen als Worte, dahingehend interpretiert, dass soziales Engagement entscheidender sei, als geistliche Übungen. Oder von anderen, dass geistliche Übungen entscheidender seien, als auch einmal Wahrheit in eine verfahrene Situation zu sprechen. Der Fehler der solchen Auslegungen und Engführungen anhaftet, ist der, dass eigentlich gemeint ist: Wenn Taten und Worte im völligen Einklang miteinander stehen, erst dann haben sie wahre Durchschlagskraft, wobei es sinnvoll ist, dass auch etwas von den Taten sichtbar ist, damit die Worte nicht leer im Raum stehen.
Ich will wieder eine Geschichte erzählen. Dieses Mal von einer Jugendarbeit. Es war eine Jugendarbeit, deren Verantwortliche sich ehrlich bemühten, den Jugendlichen zu vermitteln, was zum Christsein gehört und die hohen Wert darauf legten, dass auf ihren Wochenenden nichts gesagt und getan wird, das der katholischen Lehrmeinung widerspricht. Um auch die Wichtigkeit eines Lebens mit den Sakramenten zu verdeutlichen wurde auf diesen Wochenenden möglichst täglich die heilige Messe gefeiert und es bestand die Gelegenheit zur Beichte. Beides wurde von den Teilnehmern gut angenommen.
Es gab nur zwei Dauerprobleme. Das erste hieß, wo finden wir einen Priester, der die katholische Lehre klipp und klar vergibt und bei dem die Jugendlichen auch menschliche Annahme finden? Die zweite war, wo finden wir neue Mitarbeiter, an die alles einmal übergeben werden kann und die selbst Mitarbeiter ausbilden können?
Das erste Problem war beträchtlich. Meistens lief es darauf hinaus, dass Pfarrer A durchaus fromm und umgänglich war, aber leider sehr eigene Auffassungen von Liturgie hatte. Oder Pfarrer B zwar völlig korrekt war aber Jugendliche richtiggehend erschreckte. Oder Pfarrer C mehr wünschte, seine eigene Auslegung zu der einen oder anderen theologischen Frage vorzutragen als die Lehrmeinung der Kirche. Schließlich schien das Problem gelöst, ein junger Priester, der recht beliebt war, sich korrekt verhielt und korrekte Aussagen machte, war jahrelang bereit, die Aufgabe der geistlichen Begleitung zu übernehmen.
Der Kreis der jugendlichen und jungen erwachsenen Mitarbeiter wuchs stetig, es wurden mehr und mehr Jugendliche erreicht - und plötzlich brach alles in sich zusammen. Innerhalb eines Jahres stellte sich heraus, dass der größte Teil der jungen Mitarbeiter nicht lebte, was den Teilnehmern als richtig dargelegt wurde. Klärungsversuche brachten zutage, dass dies durchaus nicht nur den Bereich der gelebten Sexualität betraf, sondern das ganze geistliche Leben.
Die Verantwortlichen waren niedergeschlagen. Sie hatten wirklich alles getan, um in dieser Einheit von Worten und Taten zu leben, hatten große persönliche Opfer gebracht, und doch war es gescheitert. Resigniert stellte der eine oder andere fest, dass wohl der Prägung durch die ganze Umwelt kein noch so gutes Beispiel mehr etwas entgegensetzen kann.
Und dann, Jahre später erst, kam es heraus, wo tatsächlich die Lebenslüge in der Leitung gesteckt hatte. Es war ein Schock, denn der um den es ging, war vielen ein Vorbild an Integrität gewesen und manchen sogar ein geschätzter geistlicher Begleiter. Es war jener inzwischen nicht mehr ganz so junge Priester. Für die Justiz war es kein Fall, er hatte nur dem Charme junger Frauen über 18 nicht viel widerstehen können, seit seiner Kaplanszeit mehrere solcher Beziehungen, darunter eine langjährige unterhalten. Und obwohl seine Vorgesetzten davon nach und nach erfuhren, wurde ihm eine Vertrauensposition nach der anderen übertragen. - Dank seiner mit perfekter Fassade gelebten Lüge hatte tatsächlich beim ganzen Aufbau jener Jugendarbeit das Wort und die Tat nie überein gestimmt. Keiner wusste es, aber die geistlichen Gesetzmäßigkeiten funktionieren nun einmal wie die Naturgesetze: die Schwerkraft bleibt bestehen gleich wie überzeugend man behauptet, sie ignorieren zu können - und gelebte Lüge bringt gelebte Lügen hervor.
Nicht nur, dass plötzlich verständlicher war, warum die ganze Arbeit damals gescheitert war; durch das Herauskommen der Wahrheit fiel es allen, die ihm vertraut hatten, erst einmal schwer, überhaupt noch einem Priester zu vertrauen: nach dieser Erfahrung konnte ja fast alles Lüge und Vorspiegelung sein, es sei denn, man kannte die Person sehr gut und persönlich.
Ich selbst (und ich war damals nur einer der jungen Nachwuschsmitarbeiter und er war nie mein geistlicher Begleiter oder Beichtvater) bin dadurch immer noch sehr erschüttert. Aufgrund eines kleinen Vorfalls war er für mich auch ein Vorbild an Integrität gewesen. Die Zweifel kriechen seinetwegen immer wieder einmal gegenüber anderen hoch: "Wer ist dieser Mensch wirklich? Wieviel ist nur Fassade? Kann man überhaupt jemandem vertrauen?" Ich versuche diese Zweifel abzuschütteln, aber sie warten jetzt immer im Hintergrund.
Wie gesagt, nach dem Strafgesetzbuch lag hier nichts vor. Von Pädophilie keine Rede. Der Schaden für die Glaubwürdigkeit gigantisch. Ich weiß nicht, ob das für mich jemals ganz repariert werden kann.
Ganz anders steht es für mich dem hier beschriebenen Fall. Der Unterschied zum oben Beschriebenen war, dass dieser zweite mich nie belogen hat. Sein Leben war auch zerspalten, aber in der Krise hat er seinen Freunden nichts vorgespiegelt sondern den Kontakt abgebrochen. Er hat sich damals völlig von allen abgeschottet, die ihn näher kannten, außer von denen, die ihn in sein Unglück hinabzogen. Während jener oben Genannte seine eigene Priestergemeinschaft belogen hat, als er für die endgültige Aufnahme eine Lebenszeugnis schreiben sollte, während jener wahrscheinlich selbst seinen geistlichen Begleiter genasführt hat, hat dieser andere (noch vor der unter dem Link beschriebenen Tragödie) in seinem Lebenszeugnis keinen Fehler verschwiegen, obwohl ihm das Nachteile brachte. Weil in der Beichte nicht hätte lügen wollen oder können, ist er nicht mehr zur Beichte gegangen. Und als ich ihm nach jenen Vorfällen und vielen Jahren Kontakt wiederbegegnete, hat er von sich aus und recht schonungslos gegen sich selbst, erzählt was geschehen ist.
Darum ist für mich seine Glaubwürdigkeit nicht in Frage gestellt.
Glaubwürdikeit wird nicht erschüttert dadurch, dass jemand in Sünde fällt, sie bereut und neu anfängt. Glaubwürdigkeit wird erschüttert durch Lüge, Betrug und Vortäuschungen.
Ich will wieder eine Geschichte erzählen. Dieses Mal von einer Jugendarbeit. Es war eine Jugendarbeit, deren Verantwortliche sich ehrlich bemühten, den Jugendlichen zu vermitteln, was zum Christsein gehört und die hohen Wert darauf legten, dass auf ihren Wochenenden nichts gesagt und getan wird, das der katholischen Lehrmeinung widerspricht. Um auch die Wichtigkeit eines Lebens mit den Sakramenten zu verdeutlichen wurde auf diesen Wochenenden möglichst täglich die heilige Messe gefeiert und es bestand die Gelegenheit zur Beichte. Beides wurde von den Teilnehmern gut angenommen.
Es gab nur zwei Dauerprobleme. Das erste hieß, wo finden wir einen Priester, der die katholische Lehre klipp und klar vergibt und bei dem die Jugendlichen auch menschliche Annahme finden? Die zweite war, wo finden wir neue Mitarbeiter, an die alles einmal übergeben werden kann und die selbst Mitarbeiter ausbilden können?
Das erste Problem war beträchtlich. Meistens lief es darauf hinaus, dass Pfarrer A durchaus fromm und umgänglich war, aber leider sehr eigene Auffassungen von Liturgie hatte. Oder Pfarrer B zwar völlig korrekt war aber Jugendliche richtiggehend erschreckte. Oder Pfarrer C mehr wünschte, seine eigene Auslegung zu der einen oder anderen theologischen Frage vorzutragen als die Lehrmeinung der Kirche. Schließlich schien das Problem gelöst, ein junger Priester, der recht beliebt war, sich korrekt verhielt und korrekte Aussagen machte, war jahrelang bereit, die Aufgabe der geistlichen Begleitung zu übernehmen.
Der Kreis der jugendlichen und jungen erwachsenen Mitarbeiter wuchs stetig, es wurden mehr und mehr Jugendliche erreicht - und plötzlich brach alles in sich zusammen. Innerhalb eines Jahres stellte sich heraus, dass der größte Teil der jungen Mitarbeiter nicht lebte, was den Teilnehmern als richtig dargelegt wurde. Klärungsversuche brachten zutage, dass dies durchaus nicht nur den Bereich der gelebten Sexualität betraf, sondern das ganze geistliche Leben.
Die Verantwortlichen waren niedergeschlagen. Sie hatten wirklich alles getan, um in dieser Einheit von Worten und Taten zu leben, hatten große persönliche Opfer gebracht, und doch war es gescheitert. Resigniert stellte der eine oder andere fest, dass wohl der Prägung durch die ganze Umwelt kein noch so gutes Beispiel mehr etwas entgegensetzen kann.
Und dann, Jahre später erst, kam es heraus, wo tatsächlich die Lebenslüge in der Leitung gesteckt hatte. Es war ein Schock, denn der um den es ging, war vielen ein Vorbild an Integrität gewesen und manchen sogar ein geschätzter geistlicher Begleiter. Es war jener inzwischen nicht mehr ganz so junge Priester. Für die Justiz war es kein Fall, er hatte nur dem Charme junger Frauen über 18 nicht viel widerstehen können, seit seiner Kaplanszeit mehrere solcher Beziehungen, darunter eine langjährige unterhalten. Und obwohl seine Vorgesetzten davon nach und nach erfuhren, wurde ihm eine Vertrauensposition nach der anderen übertragen. - Dank seiner mit perfekter Fassade gelebten Lüge hatte tatsächlich beim ganzen Aufbau jener Jugendarbeit das Wort und die Tat nie überein gestimmt. Keiner wusste es, aber die geistlichen Gesetzmäßigkeiten funktionieren nun einmal wie die Naturgesetze: die Schwerkraft bleibt bestehen gleich wie überzeugend man behauptet, sie ignorieren zu können - und gelebte Lüge bringt gelebte Lügen hervor.
Nicht nur, dass plötzlich verständlicher war, warum die ganze Arbeit damals gescheitert war; durch das Herauskommen der Wahrheit fiel es allen, die ihm vertraut hatten, erst einmal schwer, überhaupt noch einem Priester zu vertrauen: nach dieser Erfahrung konnte ja fast alles Lüge und Vorspiegelung sein, es sei denn, man kannte die Person sehr gut und persönlich.
Ich selbst (und ich war damals nur einer der jungen Nachwuschsmitarbeiter und er war nie mein geistlicher Begleiter oder Beichtvater) bin dadurch immer noch sehr erschüttert. Aufgrund eines kleinen Vorfalls war er für mich auch ein Vorbild an Integrität gewesen. Die Zweifel kriechen seinetwegen immer wieder einmal gegenüber anderen hoch: "Wer ist dieser Mensch wirklich? Wieviel ist nur Fassade? Kann man überhaupt jemandem vertrauen?" Ich versuche diese Zweifel abzuschütteln, aber sie warten jetzt immer im Hintergrund.
Wie gesagt, nach dem Strafgesetzbuch lag hier nichts vor. Von Pädophilie keine Rede. Der Schaden für die Glaubwürdigkeit gigantisch. Ich weiß nicht, ob das für mich jemals ganz repariert werden kann.
Ganz anders steht es für mich dem hier beschriebenen Fall. Der Unterschied zum oben Beschriebenen war, dass dieser zweite mich nie belogen hat. Sein Leben war auch zerspalten, aber in der Krise hat er seinen Freunden nichts vorgespiegelt sondern den Kontakt abgebrochen. Er hat sich damals völlig von allen abgeschottet, die ihn näher kannten, außer von denen, die ihn in sein Unglück hinabzogen. Während jener oben Genannte seine eigene Priestergemeinschaft belogen hat, als er für die endgültige Aufnahme eine Lebenszeugnis schreiben sollte, während jener wahrscheinlich selbst seinen geistlichen Begleiter genasführt hat, hat dieser andere (noch vor der unter dem Link beschriebenen Tragödie) in seinem Lebenszeugnis keinen Fehler verschwiegen, obwohl ihm das Nachteile brachte. Weil in der Beichte nicht hätte lügen wollen oder können, ist er nicht mehr zur Beichte gegangen. Und als ich ihm nach jenen Vorfällen und vielen Jahren Kontakt wiederbegegnete, hat er von sich aus und recht schonungslos gegen sich selbst, erzählt was geschehen ist.
Darum ist für mich seine Glaubwürdigkeit nicht in Frage gestellt.
Glaubwürdikeit wird nicht erschüttert dadurch, dass jemand in Sünde fällt, sie bereut und neu anfängt. Glaubwürdigkeit wird erschüttert durch Lüge, Betrug und Vortäuschungen.
Sonntag, 22. April 2012
Wie man Glaubwürdigkeit effektiv untergräbt - ein aktuelles Fallbeispiel
Erzählt wurde es mir gestern. Darum eröffne ich damit meine schon länger geplante kleine Reihe zum Thema (kompromittierte) Glaubwürdigkeit.
Es war etwas nur zu Alltägliches. Eine Familie feierte die Erstkommunion ihres Kindes. Die Mutter katholisch, der Vater evangelisch. Die Mutter, ganz normale Durchschnittskirchgängerin ohne spezielles Engagement wo auch immer, wies ihren Ehemann darauf hin, dass er als Protestant nicht zur Kommunion gehen könne. Dieser kam dem nach, doch es mißfiel ihm wohl. Daher sprach er den Pfarrer darauf an.
Eine Situation, die eigentlich interessante Perspektiven eröffnete. Hier hätte ein Theologe erläutern können, was so anders ist am protestantischen Abendmahl und der katholischen Kommunion. Der Pfarrer, der mir die Geschichte erzählte, meinte, er hätte sich an dieser Stelle erkundigt, ob dieser Mann, wenn ihm die Kommunion möglicherweise soviel bedeute, schon einmal darüber nachgedacht habe, vielleicht katholisch zu werden.
Die Antwort seines Mitbruders war leider die denkbar schlechteste: "Als Vater des Kindes können sie natürlich zur Kommunion gehen!"
Volltreffer! Die katholische Ehefrau war damit unglaubwürdig gemacht. Genauso wie jeder Katholik, besonders die Laien, aber auch alle Geweihten, die fürderhin jenem Mann zu erklären versuchen, was aus Glaubensgründen nun einmal nicht geht. Bis hin zum Papst im Rom, der ja der Pressemeinung nach weltfremd ist. (Ganz zu schweigen von der verpassten Chance für ein Glaubensgespräch.)
Denn hier hat der vermeintliche "Spezialist" vor Ort im Grunde klipp und klar erklärt: "Um zur heiligen Kommunion zu gehen, muss man nur mit einer Person verwandt sein, die katholisch ist." Wahrscheinlich hat sich dieser Zerstörer der Glaubwürdigkeit nach dieser eindeutigen Lüge und dem damit einhergehenden gravierenden Bruch des Kirchenrechts auch noch so richtig großartig gefühlt, wie großzügig und tolerant er gerade gehandelt hat, ohne die Kosten zu bedenken, die viele andere nun zu zahlen haben, damit er sich so großzügig und tolerant fühlen kann.
So zerstört man gekonnt und nachhaltig Glaubwüdigkeit.
Übrigens auch die eigene. Denn wie glaubwürdig ist so ein Pfarrer noch vor denen in seiner Gemeinde, die er nicht lediglich durch so etwas verunsichert, sondern die wissen, dass aus durchaus egoistischen Motiven (zumindest dem, ein Lob für sein wundervolles "pastorales" Verhalten zu bekommen, das leider stattdessen äußerst wolfsmäßig war) eine Lüge über Glaubensdinge verbreitet hat?
Es war etwas nur zu Alltägliches. Eine Familie feierte die Erstkommunion ihres Kindes. Die Mutter katholisch, der Vater evangelisch. Die Mutter, ganz normale Durchschnittskirchgängerin ohne spezielles Engagement wo auch immer, wies ihren Ehemann darauf hin, dass er als Protestant nicht zur Kommunion gehen könne. Dieser kam dem nach, doch es mißfiel ihm wohl. Daher sprach er den Pfarrer darauf an.
Eine Situation, die eigentlich interessante Perspektiven eröffnete. Hier hätte ein Theologe erläutern können, was so anders ist am protestantischen Abendmahl und der katholischen Kommunion. Der Pfarrer, der mir die Geschichte erzählte, meinte, er hätte sich an dieser Stelle erkundigt, ob dieser Mann, wenn ihm die Kommunion möglicherweise soviel bedeute, schon einmal darüber nachgedacht habe, vielleicht katholisch zu werden.
Die Antwort seines Mitbruders war leider die denkbar schlechteste: "Als Vater des Kindes können sie natürlich zur Kommunion gehen!"
Volltreffer! Die katholische Ehefrau war damit unglaubwürdig gemacht. Genauso wie jeder Katholik, besonders die Laien, aber auch alle Geweihten, die fürderhin jenem Mann zu erklären versuchen, was aus Glaubensgründen nun einmal nicht geht. Bis hin zum Papst im Rom, der ja der Pressemeinung nach weltfremd ist. (Ganz zu schweigen von der verpassten Chance für ein Glaubensgespräch.)
Denn hier hat der vermeintliche "Spezialist" vor Ort im Grunde klipp und klar erklärt: "Um zur heiligen Kommunion zu gehen, muss man nur mit einer Person verwandt sein, die katholisch ist." Wahrscheinlich hat sich dieser Zerstörer der Glaubwürdigkeit nach dieser eindeutigen Lüge und dem damit einhergehenden gravierenden Bruch des Kirchenrechts auch noch so richtig großartig gefühlt, wie großzügig und tolerant er gerade gehandelt hat, ohne die Kosten zu bedenken, die viele andere nun zu zahlen haben, damit er sich so großzügig und tolerant fühlen kann.
So zerstört man gekonnt und nachhaltig Glaubwüdigkeit.
Übrigens auch die eigene. Denn wie glaubwürdig ist so ein Pfarrer noch vor denen in seiner Gemeinde, die er nicht lediglich durch so etwas verunsichert, sondern die wissen, dass aus durchaus egoistischen Motiven (zumindest dem, ein Lob für sein wundervolles "pastorales" Verhalten zu bekommen, das leider stattdessen äußerst wolfsmäßig war) eine Lüge über Glaubensdinge verbreitet hat?
Samstag, 21. April 2012
Diakonat? Alles Ausbildungssache!
Wer das meint wird sich freuen über die Katholikentagsveranstaltung "Diakonat der Frau - Zeichen der Zeit" am Samstag von 14:00 bis 15:30 in der Konkordienkirche mit mehreren Frauen, die eine "Diakonatsausbildung" haben.
Auch zu anderen beliebten Themen findet man im Programm Veranstaltungen aller Art.
Das einzige, was mich wundert ist, was dann eigentlich auf dem Kirchentag von unten gebracht wird, wenn, wie man heute in der Zeitung lesen konnte, angeblich derart brisante Themen im offiziellen Programm des Katholikentags nicht vorgesehen sind.
Nein, bitte, keine Vorschläge im Kommentarteil!
Auch zu anderen beliebten Themen findet man im Programm Veranstaltungen aller Art.
Das einzige, was mich wundert ist, was dann eigentlich auf dem Kirchentag von unten gebracht wird, wenn, wie man heute in der Zeitung lesen konnte, angeblich derart brisante Themen im offiziellen Programm des Katholikentags nicht vorgesehen sind.
Nein, bitte, keine Vorschläge im Kommentarteil!
Katholikentagsforen, auf die man vielleicht einen Blick halten sollte
Zum Beispiel am Donnerstag 14:00 - 15:30 im Gustav-Mahler-Saal, CC Rosengarten heißt es "Auftreten statt Austreten. Podium: P. Klaus Mertes SJ, Daniel Dickopf (Wise Guys Köln), Eva-Maria Kiklas von Wir sind Kirche, Bianka Mohr BDKJ Mainz, Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki
Daniel im Löwenkäfig?
und worauf einige schon "sehnlichst" warteten:
"Stört die Liebe nicht" - Wo bleibt der Körper in der Sexualmoral? mit Prof. Dr. Othmar Keel, Dr. Norbert Reck, Prof. Dr. Konrad Hilpert im CC Rosengarten, Wolfgang-Amadeus-Mozart-Saal am Samstag von 11:00 bis 12:30
zum Thema Bloggen gibt es auch etwas:
im Arnold-Schönberg-Hörsal, CC Rosengarten samstags 16:00 - 17:30: "Bloggen, chatten, mailen: Neue Wege zum Menschen. Eine Wissensshow zur Kirche im Web 2.0, Moderation durch Br. Paulus Terwitte OFMCap
Eine Lektüre des Programms birgt wirklich einiges Informative, es geht keineswegs nur um Ökologie, wie einige schon gespottet haben.
Daniel im Löwenkäfig?
und worauf einige schon "sehnlichst" warteten:
"Stört die Liebe nicht" - Wo bleibt der Körper in der Sexualmoral? mit Prof. Dr. Othmar Keel, Dr. Norbert Reck, Prof. Dr. Konrad Hilpert im CC Rosengarten, Wolfgang-Amadeus-Mozart-Saal am Samstag von 11:00 bis 12:30
zum Thema Bloggen gibt es auch etwas:
im Arnold-Schönberg-Hörsal, CC Rosengarten samstags 16:00 - 17:30: "Bloggen, chatten, mailen: Neue Wege zum Menschen. Eine Wissensshow zur Kirche im Web 2.0, Moderation durch Br. Paulus Terwitte OFMCap
Eine Lektüre des Programms birgt wirklich einiges Informative, es geht keineswegs nur um Ökologie, wie einige schon gespottet haben.
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