Oremus pro Pontifice nostro Franzisco.

Dominus conservet eum et vivificet eum

et beatum faciat eum in terra et

non tradat eum in animam inimicorum eius.

Montag, 13. Dezember 2010

Diskussion des Begriffes „erzkonservativ“


Herr H., der sich gelegentlich auch Herr M. nennt, stellte in den Kommentaren zu einem seiner Artikel in der NOZ die Frage, wie man denn Blogger wie Stanislaus, Alipius, Elsa, … (beliebig lange Liste einzufügender Namen) und wohl auch mich bezeichnen könne, wenn nicht als erzkonservativ.

Ich kann ihm auch keine passendes Etikett zur Verfügung stellen, halte es aber für sinnvoll zu erörtern, warum „erzkonservativ“ nicht zutreffend sein kann.

„Erzkonservativ“ hat zwei Wortteile, „erz“ und „Konservativ“.  Das „erz“ hat nichts mit Metallen oder Bergbau zu tun, sondern ist eine Eindeutschung des griechischen „archos“. „Archos“ wiederum hat zwei Hauptbedeutungen, es kann einen Ursprung bezeichnen oder einen Herrscher/Führer/Leiter. „erz-“ wird also vorangestellt, um damit zu zeigen, dass ein Begriff auf jemanden oder etwas zurückzuführen ist oder dass jemand führend in dieser Angelegenheit ist. Wir können von vornherein ausschließen, dass der Begriff „konservativ“ im ersteren Sinne auf irgendeinen derzeit lebenden Blogger zurückzuführen ist. Also muss wenn schon gemeint sein, dass gewisse Blogger führend in Konservativismus seien.

Was also ist „konservativ“? Dieses Mal handelt es sich um ein Wort lateinischen Ursprungs, conservare, das recht gut mit „bewahren, erhalten“ übersetzt werden kann.

Von Konservativen darf man also annehmen, dass sie irgendetwas bewahren oder erhalten wollen.  Das ist nichts Negatives, obwohl das Wort auch gerne zu Beschimpfungen gebraucht wird.

Kritisiert Herr H. also die Blogözesanen, weil sie etwas erhalten wollen? Nein. Er kritisiert sie, weil sie monieren, dass einige Dinge zu ändern seien.  Man hätte also erwarten können, dass er einen Begriff wie „erzrevolutionär“ oder „erzinnovativ“ gebraucht, wenn es schon „erz-“ sein muss.

Das hat er jedoch nicht getan. Warum? Möglicherweise, weil vor ein paar Jahrzehnten ein paar Leute versuchten, Dinge in der Kirche zu erhalten, die andere unbedingt abschaffen wollten. Jene Verteidiger konnte man mit Recht „konservativ“ nennen.Und weil nun beklagt wird, dass die Abschaffer doch in einigen Punkten recht unbedacht Schäden angerichtet haben.

Nun handelt es sich aber bei den von Herrn H. kritisierten Bloggern in erster Linie um relativ junge Leute, die nach den tiefgreifenden Veränderungen geboren wurden, die in der  lückenklaffenden Welt der „Abschaffer“ aufgewachsen sind und die hier und da auf Monumente, Ruinen und Zeugnisse des Vergangenen gestoßen sind. Diese Leute möchten den derzeitigen Zustand keinesfalls konservieren (im Gegensatz zu Herrn H., wie es scheint.)

Es gibt also keinerlei Grund, sie als „erzkonservativ“ zu bezeichnen.

Kommentare:

  1. Super Gedankenführung! - wenns bloss etwas nützte..

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  2. Logisch, klar un präzise aber ich fürchte thysus hat Recht.

    Ähnlich strapaziert ist das Wort Reform, was in seiner wörtlichen Bedeutung zurückformen, das Ursprüngliche wiederherstellen heißt. Da staune ich nur, was alles heute so Reform genannt wird und doch keine ist...

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  3. Es bringt durchaus etwas. Wir dürfen nur nicht erwarten, dass der Erfolg schnell kommt. Nur was stetig wiederholt wird, dringt bei der Vielzahl der Informationen ein. Und je einsichtiger es formuliert ist, desto eher kann es übernommen werden.

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  4. Hey, danke für den Beitrag! Sowas ähnliches hatte ich auch schon vor zu schreiben (seit mich mein Chef fragte, warum ich nicht einfach dazu stehe, konservativ zu sein -- ich bin's aber nicht, jedenfalls nicht im landläufigen Sinn), kam aber nicht dazu.

    Die Frage, ob es was bringt oder nicht, ist schon falsch gestellt. Wer kämpft, kann verlieren; wer nicht kämpft, hat schon verloren.

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  5. @akatair
    Die 68er haben sich auch durchgesetzt, indem sie ihre Ansichten ständig wiederholt haben, so funktioniert das wirklich, hat aber ca. 30 Jahre gedauert. Damals wurde das Wort vom "langen Marsch durch die Institutionen" geprägt und da sind sie jetzt angekommen.
    @Vincentius Lerinensis
    In diesem Zusammenhang stimme ich besonders deinem letzten Satz zu. Wir können nur dagegen halten und dürfen nicht aufgeben. Der Wind dreht sich bereits. Sonst würden Leute wie der werte Herr H. alias Meyer auch nicht aus allen Rohren schießen. Sie sehen ihre Felle davon schwimmen. Und da werden sie dann fies.

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