Oremus pro Pontifice nostro Franzisco.

Dominus conservet eum et vivificet eum

et beatum faciat eum in terra et

non tradat eum in animam inimicorum eius.

Donnerstag, 16. Dezember 2010

Polarisation und Einheitsbrei statt Fülle der Vielfalt

Vereinsgottesdienst oder Familiengottesdienst oder Jugendmesse oder oder oder. Es ist, als ob es nur eine Möglichkeit gäbe, überhaupt als Christ seinen Glauben zum Ausdruck zu bringen: eine knappe Stunde lang am Sonntag und darum muss ein Krieg toben. Damit diese öffentliche Demonstrations des Dazugehörens für die Beteiligten möglichst unterhaltsam verbracht werden kann und möglichst wenig an einen "Dienst" gegenüber Gott erinnert, der sich noch im Wort "Gottesdienst" verbirgt.

Wir sind da durch allgemeine Unvernunft in eine Situation geraten, die zu Fraktionsbildungen führt und Polarisationen zu erzwingen scheint. Katholischerseits sind wir in diese Falle geraten, weil für uns die heilige Messe mit der Eucharistiefeier der Identifikationspunkt ist. Jemand der behauptet, die Eucharistie sei ihm völlig unwichtig, wird Mühe haben, noch den Beweis zu führen, katholisch zu sein. Die katholische Kirche ist ohne Eucharistie schlichtweg nicht denkbar. Selbst wenn sie in einer Gemeinde aufgrund politischer Umstände über Jahrzehnte und Jahrhunderte nicht gefeiert werden kann (wie zum Beispiel in Japan geschehen).

Die Eucharistie ist jedoch nicht das einzige Element des Christseins, denn damals hat der katholische Glaube in Japan die Verfolgung trotz allem überlebt, in Gebeten, mündlicher Überlieferung und Treue über Generationen hinweg zu dem, was bewahrt werden konnte. Die Sehnsucht nach dem Fehlenden ist dabei nie erloschen.

Wie anders ist es hier und heute. Die meisten Andachtsformen sind herabgewürdigt worden, so dass sie als unwichtig erachtet werden (Rosenkranz, Andachten verschiedenster Art, persönliches Gebet, Gewissenserforschung usw.). Und in der Intention, das Problem zu entschärfen, aber es in Wahrheit verschärfend: Vereinzelt werden neue Gottesdienstformen entwickelt, die im Bewusstsein der Menschen, die Eucharistie ersetzen (sollen), s. a. die Problematik der Wort-Gottes-Feiern. (Beitrag vom August) So wird letztendlich durch das solche neuen Formen verursacht, die Sehnsucht  nach der Quelle des Glaubenslebens zu verschütten und durch das Fehlen anderer Formen des Glaubenslebens, dieses zum Versiegen zu bringen.

Dort, wo heute noch das vage Bewusstsein da ist, dass die Messe unverzichtbar ist, fehlt oft das Wissen und Verständnis, in ihr mehr als eine Form zu sehen, die durch Vereinbarungen beliebig an individuelle Wünsche angepasst werden kann. Weil diese Form da sein muss, aber ihr Inhalt beliebig geworden scheint, kommt es zu den zahlreichen entfremdenden und willkürlichen Abänderungen an der Liturgie.

Es ist sogar seitens der Verantwortlichen ein ehrliches Dilemma, kein konstruiertes. Ich möchte das Beispiel einer Gemeinde anführen: Parallel zum sonntäglichen Hauptgottesdienst fand ein sehr guter Kinderwortgottesdienst statt. Nur besuchten viele Erwachsene dann nur diesen Wortgottesdienst, weil sie nicht mehr als eine knappe Stunde Zeitaufwand erübrigen konnten oder wollten. Der visitierende Weibischof verlangte, dass der Wortgottesdienst  rechtzeitig endete, damit alle noch zum Hochgebet in die Pfarrkirche kämen. Effekt: alles ist gestört. Da ist zum einen das gekürzte Kinderprogramm (etwa früher anfangen, wollte anscheinend auch niemand) und dann das durch den Einzug resultierende Chaos zwischen Gabenbereitung und Sanctus, das auch nicht gerade zur allgemeinen Andacht in der Messe beiträgt. Bei den Gestaltern und Teilnehmern der Kinderwortgottesdienste steigt dadurch der Wunsch, die gesamte Sonntagsmesse als Kindergottesdienst zu halten. Sie haben einen klaren Verlust erlitten.

Wäre es hier nicht realistischer gewesen, alles zu belassen? Wer wirklich an der Messe teilnehmen will, findet den ganzen Sonntag über nämlich zahlreiche Gelegenheiten. Dass ein Bedarf bestand, einigen Gemeindemitgliedern zu vermitteln, dass sie einen größeren Verlust erleiden, wenn sie nur noch Kinderwortgottesdienste besuchen, die nicht wirklich ihrer eigenen Altersstufe und Reife entsprechen, ist ein anderes Thema. Das hätte gezielt angegangen werden müssen. Möglicherweise hätte sich aus dem Kindergottesdienst auch eine erfolgreiche Erwachsenenkatechese entwickeln können.

Statt dessen wurde einmal wieder der heute üblichste Ansatz gewählt: alles in einen Topf, Mixer an und dann Befremden, dass niemandem das Resultat munden will.

Wann werden sich die Verantwortlichen der Tatsache stellen, dass viele Getaufte von ihrem Wissensstand weit unter dem von Katechumenen liegen und eigene Gottesdienste/Treffen bräuchten, die sie überhaupt erst wieder mit Glaubensfragen und Liturgie vertraut machten? Die sie erst befähigen würden, zu wissen, was denn eine Eucharistiefeier überhaupt ist.

Statt dessen wird darauf beharrt, jeder Getaufte und Gefirmte sei ein voll entwickelter reifer Christ, gleich wie alle Tatsachen diesen Anspruch widerlegen. Das wird aber niemandem gerecht. Insbesondere nicht diesen Getauften, die ohne Wissen über den Bund aufwachsen, der von ihren Vormündern für sie mit Gott geschlossen worden ist. Sie erhalten keine Hilfe, tatsächlich als Christen aufzuwachsen und wissen es nicht einmal, dass sie in vielen Dingen dieses Bündnis nicht einhalten. Wenn sie viel Glück haben, werden sie irgendwann einmal durch Mitgliedern von Freikirchen auf diesen Missverhalt aufmerksam gemacht. Was viele zum Anlass nehmen, sich ganz von der Gemeinschaft zu trennen, in die sie getauft wurden. Und weil die Taufe als so belanglos und folgenlos behandelt wird, gelangen sie oft zu der Meinung, es sei gar keine Taufe gewesen, so dass sie sich neu taufen lassen.

Aber wer thematisiert einmal so etwas?


Kommentare:

  1. @Vincentius Lerinensis
    Besonders jene jungen Leute, die dann bei den Freikirchen bleiben, weil sie in der katholischen Kirche weder Antworten noch Hilfe in der Glaubenspraxis bekommen. Bei mir fragen manchmal welche an, ob es denn nicht doch irgendwo eine katholische Gemeinde gibt, wo das zu finden ist, und ich muss ihnen leider sagen, dass ich keine in fünfzig Kilometer Umkreis kenne.

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