Oremus pro Pontifice nostro Franzisco.

Dominus conservet eum et vivificet eum

et beatum faciat eum in terra et

non tradat eum in animam inimicorum eius.

Freitag, 17. Juni 2011

Nachtrag

Das Theodor auf meinen letzten Beitrag Bezug nimmt, doch noch eine Ergänzung.

Einen - vermutlich - aramäischen Urtext hat niemand vorliegen von dem, was Jesus im Abendmahlssaal gesagt hat. Wir haben nur eine griechische und eine lateinische Übersetzung. In beiden heißt es original in Matthäus und Markus "viele" und nicht "alle", Lukas und Johannes überliefern die Worte nicht.

Lange Zeit wurde als Begründung angegeben, das Aramäische habe keine unterschiedlichen Worte für "viel" und "alle" gehabt, aber das ist inzwischen widerlegt worden. Papst Benedikt XVI hat in einer seiner Ansprachen darauf hingewiesen.

Nun stimmt es zwar, dass man das "viele" durchaus als alle meinend verstehen kann, aber es ist nicht ganz so festgelegt in seiner Aussage wie das "alle". Es mit "alle" zu übersetzen ist sprachlich falsch, denn der Originaltext, den wir haben und der die Vorlage für die Messliturgie ist, wird nicht richtig wiedergegeben.

Den Gläubigen wird zudem wieder einmal etwas nicht zugemutet, nämlich die Auseinandersetzung mit der Frage, warum Jesus es so gesagt hat und nicht anders.

Die zensierende und wohl glättend gemeinte Wortwahl "alle" ist möglicherweise die schlechte Frucht zweier Extrempositionen. Wobei die Argumentation beider fast gleichlautend ist, nämlich: "Wenn da viele steht, können gar nicht alle gemeint sein." Woraus die eine Meinung in ihrer extremsten Form dann folgerte, dass da ja schrecklicherweise jemand ausgeschlossen sein müsste, was ja nicht sein dürfe und die andere ebenso in extremster Form triumphierte, dass da zum Glück, jemand nicht inbegriffen sei.
Weder das eine noch das andere lässt sich aus der offenen Formulierung "viele" herleiten, sie beinhaltet nur mehr Möglichkeiten.

"Alle" zu übersetzen ist genauso deutend, als hätte sich eine Richtung durchgesetzt, die dasselbe Wort mit "einige" oder "sehr viele" übersetzt. Um die eine oder andere Deutung klarer hervorzuheben. Für beides lassen sich Argumente finden, wenn man unbedingt will. Und in beiden Fällen ist und bleibt es eine Deutung.

Bewusst deutende Übersetzung birgt aber eine gewisse Unredlichkeit in sich., wenn nicht in einer Fußnote klar auf die wortgetreue Aussage verwiesen wird.

Gerade in der Theologie aber haben sich Unredlichkeiten stark verbreitet, nicht nur als sinnverändernde Übersetzungen, deren es so einige gibt, sondern oft auch als "pastoral" genannte Aussagen, die bei genauer Betrachtung eben auch nur wohl gemeinte Lügen sind.
Solche pastorale Unredlichkeit hat mich schon einmal fast in die Lage gebracht, als Lügner dazustehen. Ein wohlmeinender Seelsorger hatte einerseits (in aller Heimlichkeit) eine Art Ehezeremonie für einen Geschiedenen gefeiert. Jener Mensch kandidierte für eine Position, die ihrnach der Wiederheirat kirchenrechtlich verschlossen war und der gleiche Hirte, versicherte mir, es sei meine Pflicht auf die Situation hinzuweisen. Die betroffene Person konnte es dann nicht fassen, dass ein und derselbe Hirte einmal zugesichert hatte, alles sei bestens und sich mir gegenüber genau das Gegenteil erklärt hatte. Zu meinem Glück hatte ich seine Aussage schriftlich. Es war für alle Beteiligten eine äußerst unangenehme Situation, die durch diese pastorale Unredlichkeit entstand.

Es ist nicht die einzige, von der ich hier schreiben könnte.

Wie hieß es doch: Euer Ja sei ein Ja, euer Nein ein Nein. Und vielleicht daher auch ein viele nicht plötzlich ein alle, nur weil es opportuner erscheint. Oder mal dies und mal jenes, je nachdem, mit wem man spricht.

Kommentare:

  1. Ist das pro multis nicht besser als mit "für die vielen", im Sinne von jedem einzelnen, zu übersetzen, als mit "für alle"?

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  2. Interessante, gute Beiträge, auf die ich aktuell verlinkt habe.

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  3. @Tiberius: Das "pro multis" vielleicht schon. Aber der griechische Originaltext kennt im Gegensatz zum Latein Artikel und verwendet einen ebensolchen hier gerade nicht. Wäre also dasselbe Problem wie "für alle": Es steht einfach nicht da.

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