Oremus pro Pontifice nostro Franzisco.

Dominus conservet eum et vivificet eum

et beatum faciat eum in terra et

non tradat eum in animam inimicorum eius.

Samstag, 4. Februar 2012

Johannes XXIII zum Verhalten von Bischöfen

Ich habe in den letzten Tagen das Geistliche Tagebuch Johannes XXIII gelesen und möchte einmal aus seinen Exerzitiennotizen von 13.8.1959 zitieren. Diese Aufzeichnungen sind Teil seines geistlichen Testamentes; in den ganzen Aufzeichnungen seit seiner Jugend findet sich kein Bruch, nur eine Vertiefung des Lebens in Hingabe, über das er stets den Leitspruch "Gehorsam und Friede" gestellt hatte. Hier zitiert A. Rosmini aus dem Jahre 1848 dazu, wie Bischöfe sich verhalten sollten:
"Die Bischöfe finden sich mehr der Versuchung ausgesetzt, sich über Gebühr einzumischen, und darum hat der Papst sie anzuleiten, dass sie davon Abstand nehmen, in irgendwelchen politischen Auseinandersetzungen Partei zu ergreifen oder sich für die eine oder andere Seite zu entscheiden. Sie sollen allen in gleicher Weise, die Gerechtigkeit, Liebe, Demut, die Milde und Sanftmut und die anderen evangelischen Tugenden predigen und die Rechte der Kirche, wo sie verletzt oder beeinträchtigt werden, mit Umsicht verteidigen.
Immer, besonders aber in unserer Zeit, muss der Bischof den Balsam der Güte in die Wunden der Menschheit gießen. Er muss sich also vor jedem voreiligen Urteil hüten und vor jedem beleidigenden Wort gegen wen auch immer, vor jeder von der Furcht eingegebenen Schmeichelei, vor jedem Kompromiss mit dem Schlechten, den ihm die Hoffnung, dadurch jemandem zu nützen, eingeben könnte. Er muss eine ernste, umsichtige und feste Haltung bewahren. Er muss darauf achten, im Umgang mit allen liebenswürdig und freundlich zu sein. Zugleich aber muss er in der Lage sein, in kluger Überlegung und ohne Heftigkeit das Gute vom Schlechten zu unterscheiden. Intrigen oder jeder rein menschliche Einsatz nützen auch in weltlichen Angelegenheiten sehr wenig. Aber mit Eifer und inständigem Gebet bei den Gläubigen die Gottesverehrung und die Frömmigkeitsübungen zu fördern, sie zum Empfang der Sakramente einzuladen und diese gut zu verwalten und die Gläubigen in religiösen Dingen zu unterweisen, das ist auch zur Lösung der weltlichen Fragen weit geeigneter als rein menschliches Bemühen. Das wird den Segen Gottes auf das Volk herabziehen, es vor vielem Übel bewahren und verirrte Geister zu rechtem Denken zurückführen. Von oben kommt die Hilfe: und das himmlische Licht zerstreut die Finsternis ... (!) 
Das ist meine Ansicht und mein pastorales Anliegen, heute und immer."

Große Preisfrage: Was wohl wollte Johannes XXIII, dass durch das von ihm einberufene Konzil geschehen soll?

Fragen zur Orientierung: Welches Verhalten beobachten wir bei den Bischöfen heute und von ihnen ausgehend unter allen Gläubigen?
Wären hier nicht gewisse Korrekturen angebracht?

Kommentare:

  1. Wo findet man denn eine Veröffentlichung dieses Tagebuches, das hat mich lang schon interessiert. Wär dankbar für eine ISBN.

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  2. Erschienen war das bei Herder unter dem Titel "Geistliches Tagebuch Johannes XXIII". Die letzte Neuauflage ist allerdings ca. 20 Jahre alt, daher ist das Buch nur antiquarisch zu erhalten. Von daher wird eine ISBN wenig helfen.
    Bei Amazon sind z.B. mehrere Bücher von Drittanbietern im Angebot.

    Vielleicht lohnt es sich, sich an Herder zu wenden und nach einer Neuauflage zu fragen. Bei genügend Interesse wird das vielleicht wieder in das Angebot aufgenommen.

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