Oremus pro Pontifice nostro Franzisco.

Dominus conservet eum et vivificet eum

et beatum faciat eum in terra et

non tradat eum in animam inimicorum eius.

Sonntag, 20. März 2011

Geht es bei Kirchenaustritt wirklich um „die Kirche“?


 Nachdem ich jetzt auch den Anhang des Mainzer Fastenhirtenbriefes gelesen habe, muss ich leider feststellen, dass auch dieser keine nützlichen Mitteilungen zur Evangelisation enthielt, sondern einen Text, den der Kardinal – damals noch ohne diese Würde – 1975 verfasst hat und dem ein längeres Küng-Zitat vorangeht, das nicht mehr richtig aktuell ist außer in der Zeitschleife, in der ebenselber Herr Küng gefangen zu sein scheint.

Der Mainzer Kardinal meint, mit seinen 6 Thesen darin eine Handreichung zu geben, wie man Menschen plausibel machen könne, dass es gut sei, in der Kirche zu bleiben. Das Problem, das ich bei den Thesen, wie in der Abhandlung über die Modalitäten des Kirchenaustritts vorher sehe ist, dass der Schwerpunkt auf der „Mitgliedschaft“ in einer Gemeinschaft liegt und nicht auf der Gemeinschaft der Glaubenden, die keine Mitgliedschaft braucht sondern von ihrem Haupt her entsteht. Hier ein Textbeispiel:

„Selbst wenn dadurch – wenigstens im Augenblick – kein Sinneswandel eintritt, so kann die ausgetretene Person dennoch spüren, dass der Kirche der Verlust eines Mitglieds keineswegs gleichgültig ist, und zwar bei weitem nicht nur im Blick auf die finanziellen Folgen.

VII. Rückkehr und Wiedereingliederung
Wer aus der Kirche ausgetreten ist, kann diesen Schritt im Prinzip jederzeit wieder rückgängig machen. Dann wird die Kirchenmitgliedschaft wieder belebt und die Beschränkung der Mitgliedsrechte aufgehoben.
Dies ist aber nicht gleichzusetzen mit einem Wiedereintritt in irgendeinen Verein, den man einmal verlassen hat. Es muss aufrichtige Reue und echte Umkehrbereitschaft vorliegen.

So nah dran und doch irgendwie dran vorbei.

Überhaupt nicht angesprochen wird, wie denn dem Glaubensverlust oder nicht existenten katholischen Glauben (irgendeinen Glauben haben sicher alle, aber mit dem Evangelium hat er eben nicht unbedingt zu tun)  bei den Austretenden begegnet werden kann. Thematisiert wird nur ein Glaubwürdigkeitsverlust kirchlicher Repräsentanten gleich welcher Ebene. Diesem soll durch die „unverkrampfte“ Begegnung abgeholfen werden. Ob das tatsächlich ein Erfolgsrezept ist?

Da ich einmal schon fast aus der Kirche ausgetreten bin, muss ich feststellen, dass dieser Hirtenbrief nicht auf meine Gründe dafür eingeht. Mein Grund war sehr einfach, dass ich nicht vorhatte, mein Leben an Gott auszurichten und deshalb nicht weiterhin in gewisser Weise lügnerisch mich als Teil des ihm gehörenden Leibes bezeichnen wollte. Denn das ist doch wohl klar, dass die Kirch nur Kirche ist, wenn sie Christus gehört und gehorcht. Ich hatte damals andere Vorstellungen.

Dass so ein merkwürdig ambivalentes Verhalten (zu behaupten, man sei Leib Christi und dann gegen den Herrn zu rebellieren) für viele normal ist (für mich wäre es das nie und unter keinen Umständen), stellte ich erst fest, als ich für mich überraschend zu dem Wunsch gelangt bin, Jesus Christus doch zum Herrn zu haben.

Und seit ich die Beziehung mit dem Herrn geklärt habe, ist für mein Verbleiben in der Kirche das Verhalten anderer Kirchenmitglieder, ob Amtsträger oder nicht, in keiner Weise relevant.

Diese Aussage finde ich leider nirgends in diesem „Fastenhirtenbrief“, dessen Verlesung heute alle kopfschüttelnd erduldeten. („Warum sagt man das uns? Wir sind doch hier!“)

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