Oremus pro Pontifice nostro Franzisco.

Dominus conservet eum et vivificet eum

et beatum faciat eum in terra et

non tradat eum in animam inimicorum eius.

Sonntag, 28. November 2010

Das Gesetz und die Freiheit

"An dieser Stelle wird besonders deutlich, dass das Christentum ... keine primäre Buch- oder Gesetzesreligion ist, weil es nicht um ein äußeres Befolgen der Gesetze geht, sondern um den inneren Nachvollzug des göttlichen Willens, der sich schließlich auch in den Handlungen der Person niederschlägt."

Prof. Peter Schallenberg, Lehrstuhl für Moraltheologie und Ethik (Paderborn)

Nachdem mein schnell herunter geschriebener Post vom Freitag hier (inzwischen mit zwei korrigierten Stellen) dank Elsas Kommentar bei Kathnet die Besucherzahlen bei mir dramatisch in die Höhe schnellen ließ, möchte ich obiges Zitat aus der DT von gestern (hier im Original zu finden) nachschicken, das das von mir Geschriebene auch von theologischer Seite bestätigt. Prof. Schallenberg geht in seinem Artikel auf die Entwicklung des Gewissensbegriffes ein.

Was für uns wichtig ist, um es nicht aus den Augen zu verlieren bei der Argumentation, ist, dass in der "Öffentlichkeit" oft eine unrichtige Behauptung aufgestellt wird (z.B. "die katholische Kirche verbietet dies und jenes") - während in Wahrheit, eine Auslegung der Offenbarung gegeben wird, die man dankbar annehmen kann und vielleicht sollte, statt zu meinen, jeder müsse und könne zu jeder Aussage sofort selbst das Rad neu erfinden -, um dann diese unrichtige Behauptung als Ausgangspunkt für eine Argumentation zu nehmen, die den Angeklagten (z.B. die Kirche) für schuldig befindet, weil diese Behauptung unmenschlich/grausam/bevormundend/... (Gewünschtes bitte auswählen) sei.

Die Verteidiger eines wichtigen Prinzips (z.B. dass Kondome nicht gerade Ausdruck der selbstlosen Hingabe an einen über alles geliebten und geschätzten Partner sind) weisen aber nicht auf die falsche Ausgangsbehauptung hin sondern übernehmen sie unklugerweise, z.B. "die Kirche hat mit dem Verbot recht, weil ...". Damit wird aber die unrichtige Behauptung mit der negativen Konnotation des Verbotes weiter zementiert.

Dieses Vorgehen ist aber auch Teil der Strategie, die schon im vorrevolutionären Russland nach der Idee Lenins eingesetzt wurde (vergl. hier), und mit der man jede vernünftige Aussage zu etwas "Politisch Unkorrektem" machen kann.

Hier werden natürlich auch die Ängste der Verteidiger wichtiger Werte und Hinweise ausgenutzt. Da ist das vage Gefühl, wenn etwas nicht eindeutig verboten sei, dann habe doch niemand einen Grund, sich daran zu halten und damit gehe allen eine wichtige Richtschnur verloren.

Aber Jesus und Paulus haben nicht umsonst betont, dass es hier um die wahre Freiheit geht, die an die Stelle des Gesetzes tritt und in der Hingabe (aus Liebe!) an den Willen Gottes das Gesetz weit übertrifft.

Das Gesetz, sagt Paulus, ist nicht schlecht, aber es gibt ein Mehr. Jesus sagt, er schaffe das Gesetz nicht ab, er erfülle es.

Gesetze werden nötig, um der Willkür vorzubeugen, da wo nicht ausreichend Liebe vorhanden ist, um das Gute ganz selbstverständlich zu tun. Da es aber manchmal schwer ist, zu wissen, was objektiv gut ist (und nicht nur dem eigenen Wunschdenken und -fühlen entspricht), kann auch das Gesetz - das nach wie vor durchaus sinnvoll ist - sehr hilfreich sein.


Kommentare:

  1. Sehr gut Deine Argumentation!

    In eine ähnliche Richtung weist m.E. dieses Dokument, das allem Anschein nach kaum bekannt ist (oder war das nur bei mir den Fall?). Diese Tage habe ich begonnen es zu lesen, auch im Hinblick auf "Verbum Domini".

    Päpstliche Bibelkommission: Bibel und Moral
    Biblische Wurzeln des christlichen Handelns :
    http://www.dbk.de/fileadmin/redaktion/veroeffentlichungen/verlautbarungen/VE_184.pdf

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  2. @Pastorgregis
    Das Dokument kenne ich auch noch nicht. Danke für den Tipp!

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  3. Ich habe es doch im Bücherschrank! Habe es sogar einmal zitiert auf einem Seminar. Nachdem ich die pdf im Hinweis geöffnet hatte, kam die Erinnerung wieder. Einfach zuviel Stess derzeit.

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