Oremus pro Pontifice nostro Franzisco.

Dominus conservet eum et vivificet eum

et beatum faciat eum in terra et

non tradat eum in animam inimicorum eius.

Sonntag, 14. November 2010

Gemeindeleben Wurstelheim: Die Ära der kuscheligen Gottesdienste (I)

Bei unseren Nachforschungen zum Wurstelheimer Gottesdienstbesucherschwund führten wir ein äußerst erhellendes Gespräch mit Hochwürden Peter Schlau, dem Pfarrer der Gemeinde Wurstelheim. Er verwies darauf, dass die letzte Welle des Gottesdienstbesucherschwundes in Zusammenhang mit einer nicht-konstruktiven Intervention eines unverständigen Gemeindemitgliedes stand. Und zwar geschah das Folgende: 

Unter der Last der Nachzahlungen für die Heizungsrechnungen hatte Hochwürden Schlau als erste drastische und dringend nötige Hilfsmaßnahme zu Beginn des Advents 2008 in Übereinstimmung mit Verwaltungsrat beschlossen, dass in der Wurstelheimer Pfarrkirche werktags keine Gottesdienste mehr stattfinden sollten. Er hatte auch sofort den geeignetsten Raum dafür ausgemacht: den Giebelraum des Pfarrzentrums.

Nicht jeder wäre sofort darauf verfallen, dass dies die ideale Lösung war. Personen mit weniger Einblick in die Lage der Dinge hätten möglicherweise die stets beheizte Kapelle des Altenheims vorgeschlagen, ohne zu beachten, dass Hochwürden Schlau dort zwar 2-wöchentlich Gottesdienste abhält, aber dass das mit Unannehmlichkeiten verbunden ist. So gibt es dort keine Messgewänder, so dass sich für die Altersheimgottesdienste Pfarrer und Messdiener in der Sakristei der Pfarrkirche umziehen und dann die 400 m mit dem Auto fahren, da sie ja nicht in vollem Ornat durch die Wurstelheimer Straßen eilen können. Dieses unüberwindliche logistische Problem ist nur denen vertraut, die sich bereits eingehend damit befassen mussten. Zudem versicherte Hochwürden Schlau, sei ihm schon mehrfach von Eltern der Ministranten mitgeteilt worden, dass diese nicht für das Altenheim eingeteilt werden sollten.

Fast schien uns diese Mitteilung einen weiteren Artikel zu sichern. Waren die Wurstelheimer Ministranteneltern altenfeindlich? Doch weitere Erkundigungen beim Oberministranten ergaben, dass es sich nur um ein Zeitproblem handelte. Altenheimgottesdienste fanden zu einer Zeit statt, in der die Kinder noch die Schule besuchten.

Des weiteren hatten sich ungefragt Stimmen erhoben, die unbedacht vorschlugen, die Werktagsgottesdienste könnten auch in den ebenerdigen Räumen des Pfarrzentrums stattfinden wie bereits während der Renovierung der Pfarrkirche. Eine völlige Unmöglichkeit. Denn damals war permanent ein Raum für die Gottesdienste reserviert worden. Das aber hatte zu Einnahmeeinbußen geführt, denn gewöhnlich wird der einzig geeignete Raum für Hochzeitsfeiern und Trauerfeiern vermietet. Auch sonst war das Gemeindeleben der verschiedenen Gruppen stark behindert worden, was sich eine Gemeinde wie Wurstelheim, die christliche Präsenz zeigen möchte, nicht erlauben kann.

Die Räume im Untergeschoss standen traditionell der Jugendarbeit zur Verfügung und waren von daher von vornherein sakrosankt. Im Giebelraum dagegen trafen sich nur wöchentlich der Bibelkreis und der Rosenkranzgebetskreis, Gruppen, die ohnehin anspruchslos sind und für die eigene Räume unwichtig sind. Die Muttergottesstatue des Gebetskreises war ohnehin so mancher gelegentlich den Giebelraum benutzender Gruppe schon unliebsam aufgefallen, handelte es sich doch um ein recht kitschiges Fatimaexemplar, das zu allem Überfluss auch noch mit einem Rosenkranz dekoriert war. Viele Gruppen hatten die Statue daher gewöhnlich während der Zeiten, in denen sie sich im Giebelraum aufhielten, in einen Schrank verbannt. Die Tische waren für den Gebetskreis ohnehin unnötig und der Bibelkreis konnte die Bibeln schließlich auch in der Hand halten. 

Einzelne hätten auch bemängelt, dass es am Ende der Treppe keinen Platz für eine Garderobe gab, aber die Jacken und Mäntel ließen sich auch in einer Ecke des Gottesdienstraumes leicht stapeln.

Kommentare:

  1. Wie hältst Du das aus, ohne den Verstand zu verlieren?

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  2. (Ich meine, es klingt zu realistisch ...)

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  3. @Yon
    Humor! - Wiederholen des Satzes: "Auch diese Situation ist in Gottes Hand; es muss eine Möglichkeit geben, dass auch daraus noch Heil wird." - Festhalten für die staunende Nach- und Umwelt.
    Außerdem ist Wurstelheim noch relativ harmlos; alle Beteiligten meinen es gut.

    @Ulrich
    Nehmen wir mal an, es wäre fast komplett Realität, wäre es dann klug, das in aller Öffentlichkeit zu bestätigen oder eingehender zu erläutern?

    Es kommt übrigens noch viel besser, das war erst die Einführung in dieses Thema.

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  4. Also, die Geschichte mit der Gottesmutter im Schrank ist zu gruselig…

    Das Feng shui mit den Meßgewändern verstehe ich auch nicht so recht: was spricht dagegen, mit einem Kleidersack oder einem Koffer anzureisen?

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  5. Hmm.

    Jedenfalls ist es sehr gut geschrieben!



    *vereinzurrestituierungdeshausesvollgloriegründend*

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  6. @Braut des Lammes
    Vernunft? Logik? An manchen Orten wurden die schon länger nicht mehr gesichtet. Lieber wird gewurstelt.

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